Wo liegt eigentlich Sandhausen?

Tja, letzte Woche gegen Kiel, das war wohl nix.

Die Stimmung war gut, wir der absolute Favorit.
Es stimmte eigentlich alles.
Zuhause in unserem Wohnzimmer, ausverkaufte Hütte, das Wetter top, ein schönes munteres Spiel … nur das Ergebnis war mies.
Und damit meine Stimmung auch.

In der ersten halben Stunde hätten wir eigentlich ein paar Tore machen müssen. Nicht eins, sondern ein paar.
Dann hätte Holstein auch nicht mehr den Kopf hoch bekommen.
Stattdessen fingen wir an zu denken, die Ordnung ging leicht verloren, die Pässe kamen nicht mehr so genau, wir gerieten ins Schwimmen und Kiel bekam Oberwasser.

Hut ab vor Walter, daß er es geschafft hat, seine Mannschaft schon so gut zusammenspielen zu lassen.
Lee und Meffert waren man grad mal ne Woche da.
Aber das war es dann auch schon.
Weder hat er unser Spiel entschlüsselt oder uns sonst irgendwie besonders gut bespielt.
Es war eine reine Kopfsache.
Daß man gegen unser Spiel hoch pressen muß und/oder den Bus vor dem Tor parkt, dafür muß man kein Scoutinggott sein, das kann ich als Laie erkennen.
Das hohe Pressing ist unsere Archillesferse.
Im Training können wir uns davon locker befreien, aber unter dem Druck des wichtigen Spiels hat das nicht geklappt.
Das müssen wir lernen, das kann man nicht trainieren, nicht simulieren, das bekommt man nur durch Spielpraxis.

Und da kommen wir zu unserem Problem, das wir in diesem Jahr haben werden. Jeder Trainer wird seinen Spielern vor dem Spiel gegen den HSV sagen: „Wir haben nichts zu verlieren, der Druck liegt allein beim HSV. Verlieren wir, war es vorrauszusehen, holen wir Punkte, dann sind das Bonuspunkte, die keiner erwartet hat.“

Von vielen Kritikern kam die Aussage, uns fehlt der Plan B. Welcher Plan sollte das sein? Daß wir wieder anfangen, den Ball blind nach vorne zu holzen?
Nein, das System ist gut. Das hat die erste halbe Stunde auch gezeigt.
Wir müssen pressingresistenter werden, wir müssen nervenstärker werden.

Dann müssen wir hier und da noch ein wenig korrigieren und anschließend sollte das laufen.
Junge Spieler, neues anspruchsvolles System … daß es da Rückschläge gibt, ist natürlich.

Nun gehts nach Sandhausen. Ein symphatischer Verein, der für viele der Inbegriff für „2te Liga“ ist.
Ein Dorf mit 14.000 Einwohnern, ein Stadion mit 15.000 Plätzen, das so gut wie nie ausverkauft ist.
Der Zuschauerschnitt liegt bei 6.500 Besuchern.
Sonntag kommt der HSV und man rechnet damit, daß die Hütte ausverkauft sein wird und der HSV mit knapp 10.000 Fans aufschlägt.

Sandhausen spielt normalerweise aus einer gesicherten Defensive heraus.
Zentrum der IV ist Markus Karl, den vielleicht der eine oder andere HSVer noch kennt. Eigentlich gelernter 6er, aber macht sich in der IV auch sehr gut.
Aus dieser Defensive heraus versuchen sie normalerweise zügig nach vorne zu spielen.
Allerdings kann es sein, daß man gegen uns versucht, ähnlich hoch zu pressen, wie Kiel es getan hat.
Ausserdem sieht man es dort als ein Fest an, daß der große HSV zum Pflichtspiel kommt. Es wird was von Pokalcharakter haben, wie jedes Spiel dieser Saison.
Ausserdem hat man sich in diesem Jahr mit Mo Gouaida verstärkt, der im letzten Spiel allerdings auf der Bank saß.

Der HSV hat sich in dieser Woche zwei neue Spieler geliehen.
Mangala aus Stuttgart, der Spielpraxis sammeln soll und morgen wahrscheinlich schon für den verletzten Steinmann auflaufen wird. Leider ohne Kaufoption. Das ist zwar nicht optimal, aber es fehlt uns für Alternativen das Geld.
Wie ernst es um die Finanzen des HSV steht, kann man auch an den Preisen für das Derby ablesen. Das ist fast höchste Erstligakategorie.
Ich denke, das war ursprünglich nicht so geplant, aber auch durch die Verletzungen von Papa und Jung fehlt uns Geld.
Ekdal wird auch wahrscheinlich nur 1,5-2 Mio bringen, obwohl er eine sehr gute WM gespielt hat, und was mit Kostic passiert, ist auch noch fraglich.
Die hohen Preise für Karten, Trikots usw nimmt man, weil man Geld braucht, dringend Geld braucht. Zweite Liga ist ein hartes Brot.

Der zweite Spieler, den wir geliehen haben, ist Leo Lacroix. Auf die Frage, wie man das ausspricht, hat Becker nur geantwortet: „Leo“.
Leo kommt von St Etienne. Das letzte halbe Jahr war er bereits nach Basel verliehen. Den Gerüchten nach zahlt der HSV nicht das volle Gehalt und besitzt auch eine Kaufoption.
Ich bin gespannt, ob er morgen auch spielen wird. Van Drongelen ist gesetzt, aber wer neben ihm den Laden dichtmachen soll, ist noch fraglich.

Hunt fällt erneut aus.
Er hat einen Riss der Faszien (wenn ich richtig informiert bin, ist das die Haut um die Muskeln. So ganz laienhaft ausgedrückt).
Gegen Sandhausen wird es noch nichts, aber danach könnte er eventuell wieder mitmischen.

Vorne werden wir wahrscheinlich diesmal mit einem echten Stürmer spielen.
Man munkelt, daß Lasogga in der Startelf stehen wird.
Die Spielweise ansich wird sich nicht ändern, und das ist gut so.

Sandhausen freut sich aufs Spiel, aber hoffentlich ist es mit der Freude am Sonntagabend vorbei.
Für uns wäre es schon allein deshalb wichtig, um den psychologisch belastenden letzten Platz zu verlassen. Hoffen wir das Beste (fb)

ps: Die Überschrift ist nicht abwertend gemeint. Ich habe höchsten Respekt vor der Arbeit, die in Sandhausen geleistet wird und ich werde einen Teufel tun, und die Mannschaft unterschätzen. Das ist ein wenig das, womit sie spielen. „Wir sind der arme kleine Underdog, wir sind lieb und symphatisch, wir tun doch nichts“. Sandhausen spielt einen klaren harten (nicht unfairen) Fußball, hatte im letzten Jahr die mit Abstand beste Abwehr der Liga. Wir sollten alle gewarnt sein. Die Punkte müssen hart erarbeitet werden.