Wetterbericht aus Wolfsburg

Große Erwartungen, große Enttäuschung. Mit einer Niederlage startet der HSV ins neue Jahr und beendet eine Rückrunde der großen Enttäuschungen mit einer ebensolchen.
Mit viel Euphorie begonnen, zeigte man in den ersten 30 Minuten ein mehr oder weniger zerfahrenes Spiel, bei dem es besonders nach vorne nicht klappen wollte. Hier zog sich ein mittleres Tief mit lauen Lüftchen durch die kompletten 90 Minuten. Denn weder Kostic noch Müller wollte es so wirklich gelingen, in Richtung Wolfsburger Tor Gefahr auszustrahlen.
Wollen wir mal nicht so sein, denn ein Grund dafür dürfte der relativ früh stattgefundene Feierabend von Albin Ekdal sein, der innerhalb von fünf Minuten zwei Gelbe und damit eine Rote Karte kassierte.
Und während die erste farbige Pappe von Schiri Zwayer mächtig fehlinterpretiert war, wurde die vorangegangene Aktion mit der zweiten richtig ärgerlich. An Albin sei vermittelt: auch wenn man sich ungerecht beurteilt fühlt, Karte bleibt Karte und nach der ersten heißt es, vorsichtig sein! Das jedenfalls war ein Bärendienst, den Ekdal der Mannschaft, bei noch über 60 Minuten vor der Brust, mit der Ntep-Grätsche lieferte.
Um dem Thema Schiedsrichter dann doch nicht zu viel Platz zu schenken, nur noch die Anmerkung, dass: ja, Zwayer pfiff reichlich nicklig. Vor allem in Richtung HSV und, ja, Neuzugang Ntep beherrscht schon jetzt die leider in der Bundesliga inzwischen üblichen Schauspielkunst des theatralischen Fallens, Wälzens und Liegenbleibens.
Und während ein Zupfer am gegnerischen Trikot beim HSV gefühlt hundert Mal zu einem Freistoß führte, galt er (laut Sky Moderator) auf der Seite der Wolfsburger durchaus mal als „handelsüblich“.
Doch machen wir uns nichts vor. Schiri hin, Schauspiel her. Verloren haben wir durch die Dummheit Ekdals und der Tatsache, dass man dem Sturm der Wolfsburger, in der 2. Halbzeit, irgendwann nicht mehr standhalten konnten.
Mit Mann und Maus, mit einer tollen Teamleistung, in die sich unsere beiden Neuzugänge, Mavraj und Papadopoulus nahtlos und fast fehlerlos einreihten, verteidigte man das Hamburger Tor. Das sah nicht schlecht aus, kostete aber sicherlich viel Kraft und Laufleistung. So habe ich Kostic beispielsweise mehr hinten verteidigend, als vorne flankend, gesehen.
Ein, zweimal versuchte Holtby, mal mit Müller, mal mit Wood, einen Ausflug in die gegnerische Hälfte, leider war aber das offensive Mittelfeld dauerunterbesetzt, so dass das mit dem Kombinieren schon viel zu häufig allein daran scheiterte. Die Sonne über Benaglios Kasten mochte für die Hamburger einfach nicht aufgehen.
Damit war das einzige Tor der Partie, leider auf der anderen Seite, eine logische Konsequenz und zudem schön herausgespielt. Blankstehend brauchte Gomez in der 82. Minute nur noch an Mathenia vorbei, den Ball ins Netz schieben. Bittere Ironie, dass der Pass dafür gerade von besagtem Ntep kam, der den bis dahin erschöpften Hamburgern mit einem Sprint entkam…

Tja, Jungs, nun beginnt es erneut, das Zittern um den Ligaerhalt. Über dem Volkspark ziehen bereits wieder die ersten Gewitterwolken auf. Die erste Chance wurde völlig blöde verpasst und das Spiel gegen die Ingolstädter, die sich gestern bis in die Nachspielzeit, tapfer gegen Schalker wehrten, um dann doch noch einen Punkt zu verdaddeln, läuft mal wieder unter dem Motto „6-Punkte-Spiel“. Jedenfalls dürften die Oberbayern mindestens so heiß auf diese Punkte sein, wie die Rothosen.
Bis nächsten Samstag sollte Gisdol überlegen, ob Wood als einziger Stürmer, gestern wirklich eine so tolle Idee war, oder Gregoritsch nicht doch hätte früher eingewechselt werden müssen. Heiß ersehnt (wohl nicht nur von mir) ist noch immer ein defensiver Spielmacher, der das Spiel nach vorne sinnvoll eröffnen kann, damit sich die Seiten und der Sturm freilaufen können.
Hätte, hätte, Fahrradkette. Fakt ist: wenn es etwas Positives aus der gestrigen Niederlage gibt, dann die, dass der Mannschaftszusammenhalt augenscheinlich funktioniert, dass unsere beiden Neuen sich super geschlagen haben und dass es eigentlich nur noch besser werden kann.
Werden MUSS!
(mg)