Wenn der Gojko mit dem Kacar…

Bruno Labbadia benimmt sich an der Seitenlinie nicht viel anders, im Vergleich mit den meisten anderen seiner emotionalisierten Trainerkollegen. Gestikulierend kennen wir die Herren. Wild rufend, laut schimpfend, unruhig hin und her tigernd und… seit gestern gibt es den Bruno-Nicker.
Einmal, zweimal, dreimal den Oberkörper vor und zurück, und…. drin ist die Kugel!
Man könnte meinen, er habe ihn reinhypnotisiert, so entrückt sah er aus, der Bruno, bevor Gojko Kacar auf dem Rasen das tat, was Bruno ihm am Spielfeldrand mental vorlebte.
Erneut Gojko Kacar sorgte dafür, dass das Abstiegsduell gegen den FC Freiburg nicht der vorzeitige Todesstoß für den HSV wurde.

Doch fangen wir vorne an.

Es kam, wie es kommen musste. Der HSV wirkte in der 1. Halbzeit verängstigt, ja fast wieder so verunsichert, wie vor den Siegen gegen Augsburg und Mainz.
Bloß keinen Fehler machen, so die Devise, die übrigens auch für den Spielaufbau galt.
Wieder waren es meist lange Bälle, die von hinten nach ganz vorne gehen sollten, aber leider selten den eigenen Spieler fanden.
Hinzu kam ein überraschend schwaches Innenverteidiger Duo, das unbedrängt Bälle ins Nirwana-Aus schoss und so dem Gegner immer wieder einen Spielaufbau schon hinter der Mittellinie ermöglichte.
Auch das Gewinnen von Kopfball-Duellen wollte Djourou und Rajkovic gestern seltenst gelingen. Ein verlorenes davon sorgte dann auch für das zu der Zeit berechtigte 0:1 für die Gäste. Und das bereits nach 25 Minuten.
Wenn es ein Positivum zu diesem Zeitpunkt gab, dann nur, dass die Mannschaft nach dem Rückstand nicht, wie noch einige Wochen vorher, auseinander fiel. Der Wille den Ausgleich zu machen war da, die Abschlüsse jedoch (mal wieder) teilweise erschreckend harmlos.
Zu Beginn der 2. Halbzeit hatte man gar mehrmals das Glück, einen Mann wie René Adler im Tor zu haben.
Der wird beim Abspielen der Bälle (die zu gefühlt 90% beim Gegner landen) zwar kein Manuel Neuer mehr, er aber war es, der den Ausbau des knappen Gästevorsprungs mit einigen Weltklasseaktionen ein ums andere Mal verhinderte.

In der 58. Minute hatte Labbadia ein Einsehen und holte den eher harmlosen Holtby (was mit dem los ist, verstehe wer will…) vom Platz, tauschte ihn gegen einen offensiven Marcel Jansen.

20 Minuten später kam Rudnevs für Ostrzolek. Nun war klar: Bruno setzte alles auf eine Karte. Und das war gut so. Denn endlich kam Leben in die Bude, die Chancen fanden auf beiden Seiten des Rasens statt.

Und in der 90. Minute, als die Fans sich schon fast mit dem so bekannten Gefühl der Niederlage abfanden, kam er. Der Mann, den mal wieder niemand auf dem Zettel hatte, der mal wieder das gewisse Quentchen mehr wollte, als so manch anderer auf dem Platz: Gojko Kacar (und Bruno Labbadia ) netzten ein! 1:1!
Wenn ihr mich fragt, und nach dem vorhergegangenen Spielverlauf, ein mehr als glückliches Resultat!

Nicht das 1. Mal taten wir uns gegen einen Gegner „auf Augenhöhe“ schwer. Mir persönlich wurde die Woche über auch schon wieder mit zu vielen medialen Lorbeeren rumgeschmissen.

Ja, und natürlich längst auslaufende Verträge verlängert.
Leute! Alle wollen, egal wohin es geht, einen Neuanfang. Das funzt aber nicht, wenn man mit all denen, die gehen sollen, jetzt plötzlich wieder verlängern muss, weil der ein oder andere endlich geradeaus gegen den Ball treten kann.

Sollte Bruno nächstes Jahr mit jemandem direkt planen, ok, aber doch bitte nicht mit allen, die jetzt (berechtigter Weise) ihre Tasche packen müssen!
Apropos Tasche packen. Der Spieltag ist noch nicht vorbei. Noch können wir bis auf Platz 16 rutschen und das Spiel gegen Stuttgart wird ein noch heißerer Tanz auf Messers Schneide, als eh schon befürchtet!
Fußball ist ein Mannschafts- und vor allem Laufsport. Hast du keine Anspielstationen im Mittelfeld und vorne, wird das auch mit Toren nix. Also gilt es, noch mindestens zwei Schippen draufzulegen!
Leichter wird es jedenfalls nicht. Ich habe gegen die Schwaben ein noch dumpferes Gefühl im Bauch, als gegen Freiburg. Aber vielleicht baut Bruno bis dahin ja seine mentalen Fähigkeiten auf Freistöße, Ecken oder 25m Schüsse aus. Kacar macht bestimmt mit!
(mg)