Wenn das Kind im Brunnen liegt und was die Fernwahl damit zu tun hat

Es heißt, Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Doch manchmal wird er nur noch zur Nebensache. Dann nämlich, wenn ein Mensch verletzt wird.
Und so gelten die ersten Zeilen meines Blogs demjenigen HSV-Fan, der sich nach dem Abpfiff in Aue, beim Abnehmen einer Zaunfahne, schwer verletzte.
Gott sei Dank soll es ihm inzwischen besser gehen. Auch von uns kommen herzliche Genesungswünsche.

Nach dem Sturz fiel es den meisten Fans schwer, sich über die so wichtigen Punkte, die der HSV aus dem Erzgebirge mitbrachte, unbeschwert zu freuen.
Wir sollten es trotzdem tun, denn die Mannschaft hat sich den Sieg redlich verdient.

Herausheben möchte ich an dieser Stelle endlich mal Sakai, der nicht nur in der 50. Minute, mit einem tollen Sprint gegen Hochscheidt, den Ball entsorgen und somit den Rückstand vermeiden konnte, sondern gestern auch mit der höchsten Passquote punktete.
In der Zweikampfstatistik standen auch nur Mangala und Narey noch vor ihm.

Alles in allem war das eines der besten Spiele, die ich in dieser Saison von der gesamten Mannschaft gesehen habe.
Gegen einen Gegner, der sich mal NICHT nur hinten postierte, sondern mitspielte. Das führte zu einigen gefährlichen Situationen, die Aue jedoch nicht verwerten konnte. Etwas, was mir in der gesamten 2. Liga häufiger auffällt.
Da sind gute Chancen, die einfach nicht genutzt werden.

Natürlich gilt das auch noch für unsere Mannschaft. Denkt man nur an das vergebene Führungstor in der 41. Minute, als Narey, sichtlich überrascht, dass der verlängerte Kopfball von Santos ihn noch erreichte, die Kugel aus zwei Metern an den Pfosten setzte.
Trotzdem erhält Khaled von mir auch in dieser Woche ein dickes Fleißkärtchen. Nicht nur wegen seines Traumtores, in der 62.
Gefreut habe ich mich für Jatta. Sein Tor zum Endstand muss man aus dieser Position heraus erstmal versenken!
Mit mehr Spielpraxis könnte er uns in Zukunft noch öfter positiv überraschen.

Mit drei Punkten Vorsprung auf Köln und vier auf Pauli geht es jetzt in die Länderspielpause. Zwei Wochen Zeit für Hannes Wolf, an einigen rauen Stellen noch zu feilen. Auch wenn einige unserer Jungs mal wieder auf Reisen gehen.

Stell dir vor es ist Länderspielpause und niemanden interessiert es.
Naja, jedenfalls weniger als angedacht.
Gerade mal 25.000 Tickets waren am vergangenen Donnerstag, für das Freundschaftsspiel gegen Russland, in Leipzig, verkauft.
Und auch das vier Tage später in Gelsenkirchen stattfindende „Endspiel“ für die Deutschen gegen die Niederlande, in der (völlig unnötigen) Nations League, trifft den Fußballnerv der Fans nicht wirklich.
Jogi Löw (und der DFB) schieben das auf die verkorkste WM und das eher lustlos erscheinende Gekicke, das man uns in den Monaten davor bot.
Ich denke, der gemeine Fußballfan hat sich schon länger abgewendet.
Begonnen hat es mit dem überheblichen Marketinggag, die Mannschaft „Die Mannschaft“ zu nennen. Weiter ging es mit einem völlig abgehobenen Fanclub, in dem man Mitglied sein musste, um leicht an Karten zu kommen, über lächerliche Preise für die Spiele und eine nicht angemessene Arroganz, wenn es um die Abschirmung der teuren Profis ging.

Der Fan wurde mehr und mehr zur Melkkuh und der DFB, Löw und auch Bierhoff übersahen die ersten Zeichen des Unmutes.
Da bedarf es mehr, als nun ein paar örtliche Fußballschulen zu besuchen und hier und da ein öffentliches Training anzuberaumen.
Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen, bekommt man es schwer wieder raus.

Und hier schließe ich den Bogen zur Überschrift und unserem HSV.
Denn wie schwer es ist, das sprichwörtliche Kind wieder hochzuziehen, merken wir gerade am eigenen Leib.
Da die Fangemeinde seit HSV plus gespaltener denn je ist, wird in JEDER Mitgliederversammlung versucht, an den zuständigen Gremien zu sägen.
Sei es mit der Verhinderung (oder Absetzung) von Bernd Hoffmann oder der Installation von ewig gestrigen Traditionalisten, die schon immer alles besser wussten.

Da ich mich noch gut daran erinnern kann, wo uns ein Aufsichtsrat aus pressegierigen Fans und plauderfreudigen „Experten“ hingeführt hat, kann man gar nicht früh genug damit beginnen, vor dem erneuten Anfang vom (endgültigen?) Ende zu warnen.

Zu diesen Anfängen zähle ich auch Heinrich Höper, der den Medien nach, zum Sprung in den Aufsichtsrat (auf den Präsidententhron?) des e.V.s ansetzt.
Wir regen uns über die Magaths dieser Welt auf, die ständig versuchen, von außen Einfluss zu nehmen, während von innen anscheinend erneut ein giftiges Süppchen angerührt wird.
Höper hat bei Hamburg1, im Januar, öffentlich den Rausschmiss von Gisdol gefordert und damit gedroht, ansonsten aus dem Verein auszutreten.
Man bezeichnet ihn als „Edelfan“, was auch immer das ist.
Aber wäre er auch nur eine Spur von Fan, er würde für mein Verständnis wohl nicht in den Medien über seinen Lieblingsverein herziehen, sondern eher mit vorhandenem Unmut den Weg zu den Verantwortlichen suchen.
Wir brauchen keine neuen Sprachrohre im Aufsichtsrat. In einem Aufsichtsrat, in dem es übrigens momentan ruhiger ist, als in all den Jahren zuvor!

Und es ist nicht nur mühsam, sondern auch extrem anstrengend, Jahr für Jahr die Massen zu mobilisieren und dazu zu bewegen, Reise-und Übernachtungskosten auf sich zu nehmen, um wieder mal Schlimmes vielleicht zu verhindern.
Und warum?
Weil es im 21. Jahrhundert noch immer keine Fernwahl beim HSV gibt!
Die Fans werden gezwungen, ihre Stimme am Veranstaltungsort abzugeben.
Entsprechende Anträge über die Stimmabgabe per Briefwahl oder über das Internet, wurden mit absurden Mitteln bisher stets verhindert.
Aus diesem Grund hoffe ich sehr, dass es uns im kommenden Januar gelingt, diesen Tagesordnungspunkt (möglichst weit oben) endlich auf den Weg zu bringen.
Jeder, der sich mit der korrekten Antragsstellung auskennt möchte ich hiermit bitten, sich dessen anzunehmen.

Fußballerisch befinden wir uns auf einem guten Weg. Es wird noch ein weiter und kein leichter sein.
Lasst uns dafür sorgen, dass auch Ruhe in die AG, in den Verein, kommt und denen, die momentan einen guten Job machen, zusichern, dies auch ohne störende Nebengeräusche weiterhin tun zu können.
Damit das Kind, damit unser HSV, aus dem Brunnen, in den wir ihn selber geschubst haben, langsam und stärker als zuvor rauskrabbeln kann!
(mg)