Warten auf Godot

Um die Wartezeit bis zum Saisonfinale gegen Wolfsburg zu überbrücken, schreibe ich ein paar Zeilen über unsere Jugendarbeit.

In den letzten Tagen und Wochen höre ich immer wieder die Forderungen nach dem Einsatz unser jungen Talente. Moment mal, junge Talente, war da nicht was? Ach ja, es spielen schon junge Spieler bei uns im Kader. Die Forderung, an die ich mich hier besonders erinnere, stammt aus einem Post nach dem Mainzspiel. Dem Spiel, wo wir Janjicic und Jatta eingesetzt haben. Da fiel mir auf, daß viele Leute das Thema extrem subjektiv sehen.

Auf junge Talente zu setzen, ist vom Grundsatz her richtig. Aber wir sollten das mit Sinn und Verstand tun. Talente um der Talente willen, das kann nicht gut gehen. Und letztlich muß die Mischung stimmen. Nur Talente, das wird schiefgehen. Idealerweise hat ein Verein wie unserer einige Talente und einen Stamm von guten erfahrenen Spielern, die hochmotiviert und intelligent die jungen an die Hand nehmen und ihnen zeigen, worauf es im Profifußball ankommt. Ihnen zB auch aufzeigen, dass man es keinesfalls geschafft hat, nur, weil man im Kader steht, sondern dass damit die Arbeit erst anfängt, um sich darin zu etablieren also Spieler, die mit gutem Beispiel vorangehen können. Deshalb ist es für Ausbildungsvereine, wie wir es seien wollen, extrem wichtig, daß man auf den Charakter der erfahrenen Spieler achten muß. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen, so wie einst Jarolim oder Zé Roberto, sie müssen sich idealerweise auch neben dem Platz um die jungen Spieler kümmern und nicht nur leistungsmäßig vorangehen. Ob aggressiv Leader wie Behrami oder Spahic da als Vorbilder dienen … ich weiß nicht recht.

Der Trainer muß natürlich auch in der Lage und auch Willens sein, junge Spieler einzubauen. Mit Gisdol sind wir da auf der richtigen Seite.

Und vor allem muß die Qualität der jungen Spieler entsprechend sein. Und hier hatten wir über mehrere Jahre ein Defizit.Und wenn wir Talente hatten, mussten wir sie aus finanziellen Gründen ziehen lassen. Son, Calhanouglu, Tah und Ötztunali konnten wir nicht halten, Leverkusen hatte eindeutig mehr Geld zur Verfügung.
Was übrig blieb, waren dann Spieler wie Götz, Steinmann, Marcos, Gouaida & Co.

Seit der Ausgliederung, das muß man anerkennen, hat die Jugendarbeit beim HSV einen Sprung nach vorne gemacht.Man hat mit Peters einen erfahrenen Mann geholt, der die gesamte Jugendarbeit umgekrempelt hat. So langsam sehen wir Erfolge. Ein Indiz ist die gestiegene Anzahl an Jugendnationalspielern. In der U15 haben wir mit Mirchev und Valasco zwei Spieler, in der U17 mit Fiete Arp einen hochtalentierten Stürmer, in der U18 mit Patric Pfeiffer einen IV, in der U19 spielt Christian Stark aus der Zweiten, in der U20 wurde gerade Torless Knöll für die WM nominiert und in der U21 spielt unser Gideon Jung. Nur in der U16 sind wir im Moment nicht vertreten.

Aber auch wenn die Jungs im Moment gut sind, heißt es nicht, daß sie diese Klasse halten. Nehmen wir zB Dren Feka: Er galt als großes Talent, hat in der Jugend für den DFB gespielt und im Grunde seit seiner Unterschrift unter den Profivertrag stagniert er. Nicht jeder talentierte Jugendliche schafft den Sprung in den Seniorenbereich und das ist auch nicht nur Schuld der Vereine.

Beim HSV arbeitet man daran, die Quote derer zu erhöhen, die es aus dem Jugendbereich in den Profibereich schafft. Eine Maßnahme ist zum Beispiel, daß unsere zweite Mannschaft von der U23 zur U21 wurde. Bis auf einige Ausnahmen, wie zB Torhüter Mickel oder auch Henrik Giese (ab nächster Saison), sind die Spieler zwischen 18 und 21 Jahre alt. Sie sollen damit rechtzeitig an das Spiel im Seniorenbereich gewöhnt werden. Wer bis 21 den Durchbruch bei uns nicht schafft, der wird es wahrscheinlich auch nicht mehr schaffen und muß dann eben den HSV verlassen.

Aber wir haben ja nicht nur die Spieler aus der eigenen Jugend. Mit Luka Waldschmidt, Jatta, Walace, Santos, Gregoritsch, Wood usw haben wir in den letzten Jahren sehr junge Spieler verpflichtet und arbeiten daran, sie in den Kader einzubauen

Unterm Strich:
Der HSV setzt schon jetzt teilweise auf die Jugend und das ist gut so.
Aber es gibt trotzdem noch viel Verbesserungsbedarf. Meiner Ansicht nach müssen wir in den nächsten Transferperioden daran arbeiten, daß wir einen Stamm an Spielern bekommen, die junge Spieler führen können und jedes Spiel, jedes Training extrem professionell angehen, die menschlich und leistungsmäßig vorangehen können und nicht, wie es bei uns in den letzten Jahren oft der Fall ist, mit sich selbst genug zu tun haben. (fb)

Ein Gedanke zu „Warten auf Godot“

  1. was möchte uns der Autor denn nun damit sagen?

    Knöll, Janjicic, Jung, Jatta sind schon mal allesamt Spieler, die woanders als beim HSV ausgebildet wurden. Das trifft im Übrigen auch auf die erwähnten Marcos und Gouaida zu, die allerdings damals als bereits Gescheiterte in der von Kreuzer und Zinnbauer komplett neu gecasteten und zusammengesetzten Zwoten eine letzte Chance suchten und erhielten.

    Vom HSV ausgebildete Spieler wie Behounek, Köhlert, Feka und Porath haben sich bereits vor dem Amtsantritt von Bernhard Peters in den Fokus beim HSV und bei den Auswahltrainern gespielt.

    Die U21, die in häufig wechselnder Formation agierte, hat in einer zugegeben schwachen Regionalliga Nord, in der mit Ausnahme von Meppen und mit Abstricchen Weiche, jeder jeden geschlagen hat, weit besser abgeschnitten als befürchtet und erwartet werden durfte. Das ist aber in erster Linie das Verdienst von Dirk Kunert, denn ihm ist es gelungen eine Mannschaft zu formen und diese weiterzubringen. Dies ist nun der Grund, warum man (Peters) nicht mit ihm verlängert, weil er die individuelle Entwicklung nicht hinreichend vorantreibt. Ausgerechnet von Spielern, die er selber maximal beim Abschlußtraining zu sehen bekam, weil sie ansonsten bei den Profis trainierten.

    Die Durchlässigkeit bis in die U21 wurde erhöht, okay. Da werden zur neuen Saison von 10 Spielern, die aus der U19 scheiden etliche nach oben kommen. Und sonst? Fiete Arp spielt bereits U19 obwohl er noch U17spielen könnte. Gab es vorher aber auch alles bereits, auch vor Peters, siehe Tah, Köhlert et al.

    Der Campus ist bisher auch lediglich ein Gebäude, welches demnächst bezogen wird und mit Leben gefüllt werden muss, ein Selbstgänger ist das nicht. Die Arbeit von Peters wird man erst in Jahren wirklich beurteilen können. 8-10 Jahre ist die Entwicklungszeit für ein Talent.

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