Von Typen mit und ohne Faust #KOEHSV

Gestern war einer dieser Tage an denen ich mir wünschte, ich wäre weniger emotional. Denn manchmal wäre ich lieber auch so ein Typ, der langsam die Lust am HSV verliert und mehr oder weniger emotionslos der nächsten Niederlage entgegendümpelt.
Mir schlagen die Spiele längst auf den Magen und auf die Psyche.
Im Magen macht sich ein Gefühl breit, das sich anfühlt wie ein riesen Klumpen, der rumort und im Kopf macht sich eine schwertragende Leere breit, die Gedanken kreisen. Wer oder was sollte die so dringende Umkehr bringen? Wer oder was macht Hoffnung auf Besserung?

Irgendwie ist das Spiel unserer Mannschaft wie die immer wiederkehrenden Gesänge auf den Rängen, die von alten Zeiten schwärmen und den HSV, zumindest im Liedgut, unabsteigbar machen. Ich für meinen Teil würde mir sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite mal eine Erfrischungskur wünschen.

„Bis zur Roten Karte waren wir mit Köln auf Augenhöhe“, sagte eine Freundin mir nach dem Spiel, „ich hätte mich mit einem 0:0 zufrieden gegeben.“
Hallo? Wir können uns doch nicht immer und immer wieder mit einem Punkt zufrieden geben! Nicht, wenn wir irgendwann mal aus dem Tabellenkeller, zumindest mal mit einem Auge rausschauen wollen! Klar brauchen wir jeden Punkt. Allerdings sieht man, was dabei rauskommt, wenn auf Unentschieden gespielt wird.
Und nein, ich bin leider nicht ihrer Meinung. Denn es wird immer offensichtlicher, dass unsere Gegner eigentlich nur darauf warten, dass uns ein Fehler unterläuft. Ich bin mir sicher, dass die Spieler von ihren Trainern jeweils genau darauf eingestellt werden. Von Torgefahr war jedenfalls auch gegen die Kölner wieder nichts zu sehen!

Nachdem dann Bobby Wood, in der 58. Minute, völlig unnötig seinen Ellenbogen gegen Heintz ausfuhr, dafür Rot sah, und genau drei Minuten später das erste von drei Kölner Toren fiel, brachen unsere Jungs erneut auseinander und ergaben sich in ihr Schicksal.

Kinners, Kinners… was und wieviel bitte will man dem Fan noch zumuten?

Während ich dann, kurz nach Abpiff überlegt habe, in Tränen auszubrechen, begann auf Sky die sonntägliche Fussball-Talkrunde. Zu Gast: Bernd Hoffmann, seines Zeichens ehemaliger VV unseres Vereins und Thomas Doll, Ex-Trainer, beide bekannt aus besseren Zeiten…
Und beide bohrten gnadenlos in der offenen Wunde. Hoffmann bekannt rational (obwohl ihm das ein oder andere wir rausrutschte) und Doll schon fast mit Tränen in den Augen.
Balsam auf meine verwundete Seele aber leider nur kurzfristig, denn Hoffmann sagte deutlich, er habe andere Lebenspläne, als zum HSV zurückzukehren.
Beide unterstrichen jedoch auch, dass Beiersdorfer in seiner Doppelfunktion überfordert sei. „Man braucht ein starkes Tandem an der Spitze“, meinte Hoffmann und traf damit genau meinen Nerv.

Didi sieht das leider anders. Gefragt, ob denn nun ein SpoDi komme meinte er lapidar, dass man mittelfristig (!) jemanden holen wolle… Sorry, aber genau das ist es, was eine verwundete HSV – Seele NICHT hören will… Als er dann noch meinte, er sei eben nicht die Führungsperson, die mit der Hand auf den Tisch haut, wurde der Klumpen in meinem Bauch noch eine Spur größer. Dammich nochmal! Man sieht doch, wohin der führungslose Dampfer schlingert! Da MUSS auch mal mit der berühmten Faust… aber, ach, lassen wir das.

Ich werde mir weiterhin die Spiele angucken, und die HSV-Fahne draußen wird weiter wehen! Ich kann mir den Verein nicht einfach so aus dem Herzen reißen. Aber es tut nur noch weh und die Hoffnung schwindet, dass wir mit dem amtierenden Führungspersonal die Wende schaffen!
Unseren Spielern wünsche ich, dass sie das Angebot der psychologischen Unterstützung wahrnehmen und dass diese Maßnahme fruchtet. Denn auch sie kommen alleine aus dieser Negativschleife nicht mehr raus! Wir haben mehr Platzverweise, nach neun Spielen, als Tore. Wen das nicht aus dem Dämmerschlaf holt, der ist verloren für die reale Welt!
(mg)