Von einigen die auszogen, uns das Fürchten beizubringen

Von einigen die auszogen, uns das Fürchten beizubringen

Es ist wirklich nur noch schwer zu ertragen, jedes Wochenende mit diesem Gefühl der Niederlage aufzuwachen.
Es gehört schon sowas wie Masochismus dazu, sich die Spiele des HSV jede Woche aufs Neue anzuschauen!
Es gebührt den Fans Respekt gezollt, die immer noch dafür kilometerweite Anreisen, bei üblem Wetter auf sich nehmen.
Es muss ein spezielles Gen sein, das so viele dazu bringt, noch immer von Klassenerhalt zu sprechen.
Es gibt so vieles, was momentan dafürspricht, sich endlich abzuwenden von dem Chaosklub, in dem nichts besser geworden ist in den letzten Jahren.
Noch immer gibt es im und um den HSV herum nichts, was auch nur annähernd für Ruhe, Ordnung oder Veränderung spricht!

Da mehren sich die individuellen Fehler unserer Abwehr, statt dass sie sich stabilisiert, wenn verletzte Stammkräfte wiederkommen.
Da schiebt der Mannschaftskapitän einen Großteil der Niederlage auf die Aufstellung des Trainers!
Da versagen selbst dem bisher stärksten Glied in der Kette, unserem Torwart, inzwischen die Nerven.
Da wird wieder in bester Manier ein Escortservice für den Gegner gebildet und im Mittelfeld Beamtenmikado gespielt!
Da spricht der 2. Trainer der Saison davon, man solle sich endlich von den erhöhten Erwartungen verabschieden. Hier ginge es lediglich um den Klassenerhalt und nicht mehr!
Da eiert ein offensichtlich verwirrter Vorstandsvorsitzender, auf der Suche nach einem Sportdirektor solange rum, bis sich auch der letzte einigermaßen geeignete Kandidat verabschiedet hat, um danach jemanden einzustellen, der sicherlich nicht seine eigenen Schwächen bloßlegen wird.
Da weiß ein Aufsichtsratschef von einem Tag auf den anderen nicht mehr, was er gestern gesagt hat und behauptet einfach mal das Gegenteil.
Diese Liste ließe sich weiter ausbauen. Denn auf allen Ebenen des Hamburger Sportvereins herrscht momentan gruseliges Chaos.

Arbeiten wir diese Liste doch mal von oben her ab.
Liebe Leute. Als die ersten Testspiele der so früh ins Training gestarteten Mannschaft im Fernsehen gezeigt wurden, war ich eine derjenigen, die bereits damals ihren Missmut darüber zum Ausdruck brachte, dass sich am Spielstil, im Vergleich zur vorherigen Saison, nicht viel getan habe. Ich erinnere mich noch gut daran, wie viel harsche Kritik ich dafür einstecken musste. „Alles nur Test, was zählt, ist die Liga“, war so ziemlich das harmloseste Argument, das ich mir anhörte, bis ich es einfach sein ließ, die nächsten Spiele öffentlich zu bewerten.
Ich bleibe dabei: wer in den Testspielen nicht alles gibt, der wird auch in den offiziellen Begegnungen nicht viel besser spielen!
Schon damals waren die Lücken in der Abwehr und der fehlende Spielaufbau deutlich sichtbar! Auch (oder gerade) für die Kaderverantwortlichen!
Als die Liga begann, begann mit ihr auch das beliebte „…ach es sind doch noch…Spiele“-Rückwärtszählen.
Wo wir damit gelandet sind, wissen wir spätestens heute.
Aufgebäumt hat sich gestern (für mich) lediglich Nikolai Müller dem es gelang, für einen kurzen Zeitraum der 2. Halbzeit, seine Mannschaftskameraden mitzuziehen.
Ansonsten kann ich allerdings in keinem Mannschaftsteil einen gravierenden Fortschritt zu den oben erwähnten Testspielen sehen.

Zu den Aussagen von Markus Gisdol, man müsse endlich von der Erwartungshaltung runterkommen, in dieser Saison etwas anderes zu spielen außer Abstiegskampf, fällt mir eigentlich eher weniger ein.
Denn diese Erwartungshaltung sollte bei den meisten, spätestens zwischen dem 6. und 7. Spieltag auf der Strecke geblieben sein. Es sei denn, Gisdol wird von oben noch immer erzählt, er müsse die EL-Plätze erreichen und seine Anmerkung ist sowas wie Eigenschutz! Seine gestrige Aufstellung war eine sehr defensive. Dass ihn dafür auch noch sein eigener Teamkapitän anzählt und mit der Aufgabe in einer 3er- statt 4er-Kette zu spielen offensichtlich nicht umgehen kann, gibt mir doch sehr zu denken!

Am Schlimmsten aber ist für mich derzeit das Gegurke in der Führungsetage zu ertragen, bei dem man nur hilflos zugucken kann.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt und sich vorstellen kann, dass „die da oben“ mit voller Absicht den Kahn in den Sand setzen! Wobei mir kein gutes Argument dafür einfällt. Aber leider auch keines dagegen. Die Suche nach einem Sportchef wird dermaßen halbherzig und unprofessionell vorangetrieben, dass man es eigentlich gleich bleiben lassen kann! Und der Aufsichtsrat? Hat offensichtlich einen Vorsitzenden, der zumindest phrasentechnisch noch mal in sich gehen sollte. Denn, lieber Herr Gernandt, wenn ein Schiff schlingert, entlässt man auch nicht das Kabinenpersonal, sondern fragt beim Kapitän nach, was das Problem ist. Und wenn der das nicht lösen kann…
Allerdings fällt mir momentan leider auch niemand ein, der von sich aus diesen Harakiri – Posten annehmen würde.
Das ganze Ding ist mächtig verfahren! Und selbst die Akteure haben sich in ihren eigenen Seilen verfangen. Nein, ich möchte nicht an deren Stelle sein. Aber ich würde dem ein oder anderen gerne mal sagen, wie seine Außendarstellung gerade bei uns ankommt! Ihr spielt mit jeder Menge Jobs und mit dem (übriggebliebenen) Ruf des einstmals so stolzen Bundesligadinos! Ihr werdet es sein, der diesen großen Verein zu Grabe tragt und damit in eines der sportlichen Geschichtsbücher eingeht! Wenn das euer Ansinnen ist, dann spielt euer laienhaftes Spiel ruhig so weiter!

Die Mannschaft sollte, für meine Begriffe die Koffer packen, sich an einen ruhigen Ort verziehen (nix mit Autogrammstunde und öffentlichem Training), sich hinterfragen und dringend mal in sich gehen. Denn auch ihr werdet ansonsten in diesem unrühmlichen Geschichtsbuch eine Seite füllen!

Und für mich gilt: ich freue mich über die Länderspielpause! Das ist mir noch nie passiert! Ein Wochenende ohne dieses Gefühl der Niederlage im Bauch aufwachen. Ach, was wird das schön…
(mg)