Unser Trainer – gestanden, mit Köpfchen, gefordert.

Harsewinkel Trainingstagebuch, Teil 3

Es wurde voll im Kloster. Am Dienstag reiste der türkische Erstligist Bursaspor an und bezog Quartier. Die Spieler des 6. der abgelaufenen Saison bewegten sich merklich freier über das Klostergelände. Welch Wunder, müssen sie doch weniger Fans „befürchten“, als unsere Jungs. Das einzige was ein wenig an den neuen Gästen störte: ihre Trikots sind grün. Ab und an mochte man denken, hier laufen dir ständig Brämer über den Weg .
Zwei Mannschaften, ein Trainingsgelände? Logische Konsequenz: ein Testspiel am Mittwoch, ohne Anreiseweg.
Mal wieder nicht öffentlich, dafür mit einem türkischen Stream, der bei mir mit 12:2 lief (12 Sekunden Spiel, zwei Minuten Ladezeit). Also: Kk! Konntste knicken.
Endstand 1:1. ein Elfer von Lasogga und ein, wie könnte es anders sein, spätes Ausgleichstor. Sie können es also doch noch *grummel*.
Während des Spiels, und weil die muskelbepackten Ordner eben nicht überall sein konnten, überwältigten wohl irgendwelche Vollpfosten die Gitter-Absperrung und verbeulten sie dabei. Viel näher ran brachte sie das auch nicht, aber wohl eine kurzfristige Befriedigung, ein bestehendes Verbot überwunden zu haben.

Apropos Verbot. Nach dem ersten Rausschmiss vom laufenden Trainingsbetrieb habe ich es nicht noch mal versucht. Man ist irgendwann zu alt zum Kämpfen und vor allem zu stolz, erneut zurückgeschickt zu werden.
Zudem trainierten die Jungs die letzten zwei Tage auf dem vorderen Platz, sodass wir, vor der Zaunabsperrung, beste Sicht auf das Geschehen hatten. Sie liefen quasi zum Berühren nah an uns vorbei.
Auch das begeisterte Anspringen, Selfie machen und um Autogramme bitten, bei den Offiziellen, die man abends im Restaurant oder an der Rezeption traf, unterblieb. Dafür gab es das ein oder andere kurze, nette Gespräch. Es sind halt auch nur Menschen. Menschen die froh sind, wenn sie ganz normal behandelt werden (ja, Knäbel hat tatsächlich Humor ).

Zum Trainingseindruck noch ein Wort: zum 1. Mal habe ich in einem Trainingslager gesehen, dass Kombinationen und schnelles Umschaltspiel eingeübt wurden. Auch Kondition und kleine Technikspielchen, die die Konzentration fördern, waren Teil der Vorbereitung. Ohne Gegner, beim 5:5 sah auch der Torabschluss gefällig aus (die Verlierer mussten jeweils Liegestütze machen). Bei dieser Übung stach mir insbesondere unser Relegationsheld Nicolai Müller ins Auge. Der Junge hat echt nen Hammerschuss!
Und, Kinners, wir haben wohl den durchtrainiertesten Trainer der Liga. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern stand Bruno keine einzige Minute ruhig irgendwo rum und verschränkte eitel die Arme, um ab und zu dazwischen zu pfeifen.
Nein. Bruno war immer mittendrin, statt nur dabei! Er zeigte, was er wie jeweils erwartete, köpfte selber die Bälle ins Tor, wenn es bei dem ein oder anderen mal wieder nicht klappen wollte, und er lief Runde um Runde mit, beim Konditionstraining! Hut ab dafür!

Von unserer jüngsten Neuzugängen bekamen wir leider nicht viel mit. Nur aus der Presse erfuhren wir, dass erneut ein Zimmer im Sporthotel bezogen wurde.
Naja, dann halt beim nächsten Mal. Immer wieder Trainingslager, aber nie wieder Klosterpforte .
Ich gehe mit viel Hoffnung in die neue Saison. Das was ich gesehen habe, hat mir gefallen. Und auch Labbadias bestimmende Art hat mir imponiert. Bruno scheint erwachsen geworden. Vielleicht überlebt er ja die Saison als HSV Trainer. Ich gönne es ihm und der Mannschaft, die endlich mal zur Ruhe kommen muss. Vor Labbadia liegt eine schwere Saison. Ein Spagat zwischen Ehrfurcht und Selbstbewusstsein, zwischen Wille und noch mehr Einsatz. Ich hoffe er bringt das in die Köpfe der Jungs!
Von mir aus kann es losgehen.
(mg)