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Sieger mit schlechter Leistung

Am 28. Spieltag der laufenden Saison mussten wir bei unseren Freunden in Hannover antreten.

Vor dem Spiel war ich mir sehr sicher, dass wir mit 2-3 Toren Unterschied, als Sieger den Platz verlassen würden.
Ich war davon überzeugt, dass man es mit einer geschlossen Mannschaftleistung schaffen würde, desolate Hannoveraner mit diesem deutlichen Ergebnis zu schlagen. Ich habe daran geglaubt, dass wir spielerisch dominieren würden und das Ding locker nach Hause fahren.
Warum habe ich so gedacht? Die Spiele gegen Hertha und in Leverkusen waren spielerisch und kämpferisch gut.
Ok. Glauben ist nicht alles. Wissen ist Macht.

Nach dem gestrigen Spiel (nach dem 1-0 bin ich in die Küche und musste etwas runterfahren und habe so auch die Tore zum 2 und 3-0 verpasst) sind wir wohl alle etwas schlauer.
Ich habe für mich mitgenommen, dass die Mannschaft oft nicht in der Lage ist, ein Spiel zu dominieren, auch wenn der Gegner um 1-2 Klassen schlechter ist.

Nach der ersten Halbzeit habe ich mich gefragt, was mit den Jungs los ist. Ich habe Leidenschaft, Emotionen, Kampfgeist vermisst.
Irgendwie konnte man denken, die Mannschaft will das Spiel als lockere Trainingseinheit runterspulen.
Frei nach dem Motto: Die Tore kommen schon von ganz alleine.
Auch wenn die größeren Chancen in Durchgang 1 beim HSV lagen (Ivo, wie kann man das Ding so versemmeln???), so hatte Hannover in der Anzahl mehr Gelegenheiten. Adler war zu diesem Zeitpunkt (mal wieder) der beste Mann auf dem Platz.

In der Pause war ich verzweifelt. Auch wenn ich nie das Gefühl hatte, dass wir dieses Spiel verlieren könnten. Dazu war auch Hannover im Abschluss einfach zu harmlos. Nach vorne konnte einzig Kiotake etwas Gefahr ausstrahlen.
Der Rest war brotlose Kunst.
Trotzdem war ich unzufrieden. Die Gedanken an 2015 und 2014 kamen wieder zum Vorschein. Eine erneute Relegation? Zur neuen Saison wieder einen neuen Trainer? Eine neue Philosophie? Nein. Das wollte ich einfach nicht.
Zum Glück gelang dann Cleber Reis das erlösende Tor zum 1-0. Die Tore von Ilicevic (diesmal konnte er nicht ausweichen) und Müller (auf dem Weg dahin, wo wir alle ihn sehen wollen) kamen dann schon fast ohne Gegenwehr zustande.

Insgesamt muss man sagen, dass die Leistung des HSV schwach war. Aber es gab auch einen Gegner, der die Erstligazugehörigkeit gestern absolut vermissen lies.

Wie aber kann es zu so einer Leistung kommen? Was wäre passiert, wenn wir gestern zB gegen Darmstadt 98 gespielt hätten. Oder gegen Hertha BSC?

In meinen Augen kann man eigentlich überhaupt keinen Vergleich ziehen.
Warum nicht? Die Erklärung ist relativ einfach.
Jeder, der schon mal Fußballl oder auch einen ander Sport gespielt hat, kennt dieses Gefühl wahrscheinlich.
Du bist vor dem Spiel der absolute Favorit.
Dein Trainer, die Fans, die Freunde, alle sagen Dir pass auf, angeschlagene Boxer sind gefährlich. Ihr müsst alles abrufen, usw.
Du selbst nimmst Dir das auch zu Herzen.
Du nimmst Dir vor, alles zu geben.
Du willst den Schlendrian gar nicht erst aufkommen lassen.
Dann gehst Du auf den Platz und plötzlich ist alles was Du Dir vorgenommen hast weg. Das Unterbewusstsein zu überlisten ist das Problem.
Denn eigentlich weißt Du genau: Wir sind besser als der Gegner.
Unter normalen Umständen kannst Du das Spiel gar nicht verlieren.
Wir sind gut drauf. Wir sind eine Mannschaft. Jeder ist für den anderen da. Was soll schon schief gehen?

Zack. Das Spiel beginnt. Der Gegner ist plötzlich überlegen und macht das Spiel.
Du denkst: Scheisse noch mal. Die können ja doch mitspielen.
Den Schalter dann wieder umlegen?
Leicht gesagt aber schwer getan.

Das ist für mich die Erklärung, warum es gestern so pomadig, lustlos, arrogant, überheblich aussah. Eine andere Erklärung? Mir fällt keine ein…

Zudem hatten wir dann auch noch das Glück, in den ersten 45 Minuten keinen „Zufallstreffer“ zu kassieren und mit einem 0-0 in die Pause gehen zu können.
In der Kabine soll es ja, vom Trainer und auch einigen Spielern, deutliche Worte gegeben haben.
Mit der Einwechslung von Jung für Holtby bekam man dann auch endlich „Zugriff“ auf das Spiel. Nach und nach gelang es, die Oberhand zu gewinnen. Die Führung durch Cleber Reis war dann der berühmte Brustlöser. Der Rest ist bekannt.

Fazit: Die Mannschaft ist durchaus in der Lage, auch solche Spiele erfolgreich zu bestreiten.
In der letzten Saison hätten wir, nach der desolaten 1. Halbzeit, wahrscheinlich verloren. Am Ende der Saison spielt es auch keine Rolle mehr, wie Du so ein Spiel gewinnst. Wichtig ist, DASS man es gewinnt. Dieses Ziel wurde gestern erreicht.

Gegen Darmstadt wird es ein vollkommen anderes Spiel werden. Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft alles geben wird, um dann zuhause im Volksparkstadion, den Klassenerhalt festzuzurren. Mit einem Sieg würde man den Deckel drauf machen.

Bei Twitter habe ich 2 Sätze gelesen:

1. Wer schönen Fussball sehen will, ist beim HSV die kommenden Jahre falsch aufgehoben

2. Diskussion ob ein Sieg verdient war oder nicht, oder ob man sich „schämen“
muss nach solch einem Sieg usw…. Solche Diskussionen sieht man nur unter HSV Fans.

Noch 6 Punkte bis zur magischen 40. Wahrscheinlich werden 3 Punkte schon ausreichen.

Nur der HSV
(CM)
P. S. Mit Thomas Schaaf musste bereits der 3. Trainer in dieser Saison, nach Niederlagen gegen den Hsv, seinen Hut nehmen…