Rien ne va plus

Wenn es zwei Situationen gibt, an denen ich jetzt schon seit Wochen zu knabbern habe, dann ist das zum einen Heribert Bruchhagens Rede auf der Mitgliederversammlung, in der er die gesamte versammelte Gemeinde mit wohlwollend warmen Worten schon mal auf den Abstieg einschwor.

Andere, meinte Heribert sanftmütig, andere hätten es auch überlebt und die seien schon mehrfach ab-und danach erfolgreich wieder aufgestiegen. Man schaue nur auf Köln und die Eintracht.

Jaha! Damit kennt er sich aus. Schließlich ist er mit der Eintracht auch auf der Position des Vorstandsvorsitzenden, 2011 bekanntlich schon ins Unterhaus der Bundesliga eingezogen. Kritiker werfen ihm vor, er habe schon damals eine Mannschaft in die 2. Liga gespart…

Die zweite Situation ist die, in der unser Kapitän, Gotoku Sakai, einer Vertragsverlängerung aus dem Weg geht, da er „erst die weitere sportliche Entwicklung des HSV“ abwarten möchte“. Hallo, Junge, DU BIST Teil dieser sportlichen Entwicklung! Dann habe gefälligst genug Arsch in der Hose, dich dieser Verantwortung auch zu stellen!

Den hat Heribert Bruchhagen wenigstens. In der Presse übernimmt er die volle Verantwortung für den kommenden Abgang in Liga 2. Nutzt uns das was? Nein. Natürlich nicht. Wir alle wissen, woran es liegt, dass wir so weit gekommen sind. Jahrelange Misswirtschaft haben uns darauf vorbereitet. Vogelwildes Einkaufen von Altstars, teuren „Talenten“, die bei uns verkümmerten oder absolut nicht in die Mannschaft passen wollten gaben sich die Klinke in die Hand, zusammen mit unzähligen Trainern, Sportdirektoren und selbst ganz oben, auf dem Vorstandsposten, durften sich zu viele Unwissende versuchen.

Man hat uns langsam darauf vorbereitet, auf diesen Abstieg, uns den Sauerstoff langsam entzogen. Und während man Marcello Diaz wohl ewig im Herzen tragen wird, für seinen Last-Minute-Ausgleich in der Relegation gegen den KSC, so wird man auf der anderen Seite Filip Kostic seinen so fahrlässig verschossenen Elfmeter auch nicht so schnell vergessen. Er dürfte gestern den Abstieg markiert haben. Außer den zwei Aluminiumtreffern und dem Abseitstor, die dem Spiel noch zugerechnet werden dürfen.

Kinder, ne. Was war das für ein Spiel. Ein 0:0, das dem Gegner vom Ergebnis her mehr half als uns. Die sieben Punkte Abstand auf den rettenden Relegationsplatz bleiben. Platz 17 bleibt.

Zumindest bis heute Abend… Dann könnte es passieren, dass Hamburg, dass der HSV von Platz 18 grüßt, weil Köln, eine Mannschaft, die nach der Hinrunde schon abgeschrieben schien, wie Phönix aus der Asche steigt und plötzlich Punkte hamstert.

Gegen schwache, harmlose Mainzer, die mindestens spielten, wie ein potentieller Absteiger, noch dazu 25 Minuten in Überzahl, gelang es nicht, den Ball ins Tor zu befördern.

Man hat gesehen, die Jungs wollten. Realisieren wir: DIE KÖNNEN es nicht besser!

Der Trainer hilflos. Im 5. Spiel die 5. andersaussehende Aufstellung. Selbstbewusstsein und Zutrauen in seine Spieler sehen anders aus. Ich bin ehrlich. Für mich war Hollerbach schon als er kam, nicht der richtige Typ für Abstiegskampf. Er kann aber auch am wenigsten dazu, dass Mission Klassenerhalt gescheitert ist. Schließlich musste er nehmen, was da war.

Der Trainereffekt…verpufft.

Die Lücken in den wichtigen Mannschaftsteilen einfach zu groß. Die von Nikolai Müller nie geschlossen. Man ging mit Flickschusterei in die Saison und bekommt jetzt die Quittung dafür. So siehts aus. Und nicht anders!

Die Jungs können noch so gut gemeinsam bowlen, darten, teammaßnahmen. Sie können alles, nur nicht erfolgreich zusammen Fußball spielen! Der letzte Sieg ist über drei Monate her! Das muss man sich mal reinziehen!

Am 26. November 2017 besiegten wir Hoffenheim. Die Älteren unter uns werden sich dran erinnern.

Ok. Geschehen ist geschehen.

Nehmen wir Abschied vom Oberhaus.

Gehen wir in Würde und verabschieden wir uns mit Niveau! Diese Bitte geht eindringlich an unsere Spieler, die sich bitte in den letzten Spielen genauso den Arsch aufreißen, wie sie es in den letzten getan haben.

Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr…

Ich bin unendlich traurig. Aber, irgendwie bin ich auch ein bisschen froh, dass das Hoffen jetzt ein Ende hat und man frühzeitig genug mit der Planung für die kommende Saison in Liga 2 beginnen kann. Mit einem kompletten Neuanfang. Bei dem ich solche Nasen wie unseren phrasenraushauenden Sportdirektor und auch Heribert Bruchhagen nicht mehr sehen möchte!

So richtig vorstellen kann ich mir das alles noch nicht.

Aber ich schätze, auch das wird noch. Ich habe ja über zwei Monate Zeit, mich daran zu gewöhnen.

Ein Gutes hat es zudem.

Ich kann den Eurosportplayer kündigen…

Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht.

(mg)