Nachbetrachtung #BSCHSV

HSV-Fans sind komisch und der Fußballgott hat Urlaub

Es ist passiert. In einem Fußballjahr, dem die meisten Fans (und auch zahlreiche Beobachter von außen) mit einer großen Euphorie entgegensahen, da von allen Seiten von zumeist „tollen Einkäufen“ geredet wurde, schreibt sich der HSV den nächsten Negativrekord in seine inzwischen 53jährige Bundesligazugehörigkeit. Fünf Spiele ohne Sieg.
Am 6. Spieltag, mit einem (1!) Punkt, zumindest bis heute Nachmittag, Vorletzter in der Tabelle. Eine Torausbeute…katastrophal!
Ganze 2 (!) x rummelte es im gegnerischen Tor. René Adler dagegen musste bereits 12x hinter sich fassen.
Auch im 1. Spiel nach Labbadia brachte es die Elf um Neutrainer Markus Gisdol nicht fertig, das Runde in das Eckige zu transportieren.
Mal stand zu viel Aluminium im Weg oder das Tor war einfach zu niedrig. Denn schon Nikolai Müller hätte in der 11. Minute der sechsstündigen Torflaute der Hanseaten ein Ende setzen können. Eine Minute später vergab Kostic eine eigentlich 100Prozentige. Und auch Lasogga, der vorbildlich sowohl nach vorne, als auch nach hinten arbeitete, gelang es nicht, am Berliner Torwart Jarstein, mit einem klasse Freistoß, vorbei zu kommen.
Allem Aluminium zum Trotz, auch die Berliner machten Bekanntschaft damit, gelang es den Hauptstädtern, mit einem abgefälschten Flummitor und einem (zumindest diskussionswürdigen) Elfmeter, die Hanseaten nach dem Spiel ratlos zurückzulassen. Erneut war es ihnen nicht gelungen, auch nur ein Törchen gegen die Hertha zu schießen. Man wurde mit 2:0 nachhause geschickt.

Von den Fans gefordert, ließ Gisdol in den letzten 30 Minuten, den auch für viele Hamburger Hoffnungsträger, Alen Halilovic, von der Leine.
Auch wenn ich ihn mir schon mal in der Startelf gewünscht hätte, seit gestern bin ich mir sicher: Alen muss aufpassen, dass er nicht zum Unglücksraben wird. Denn kurz nach allen seinen Jokereinsätzen, auch gestern wieder, fiel ein Gegentor. Langsam beginne ich mir zu wünschen, ihm wäre NICHT das Pokaltor gelungen. Dann wären wohl die Erwartungen an den jungen Ex-Spanier nicht so immens hoch und er dürfte sich (mit Recht) sagen lassen, dass er noch viel zu lernen hat. Mich erinnerte er gestern sehr an den Lasogga der letzten Saison: er kreiselte laufstark in der gegnerischen Hälfte, wirkte oft wie ein Fremdkörper, lief zwar immer Richtung Ball (zeigte auch den ein oder anderen gelungenen Pass) aber vermied tunlichst, in harte Zweikämpfe zu gehen. Und ich meine, auch ihm war eine gewisse Nervosität anzumerken. Denn dem sonst so ballsicheren Offensivler rutschte auch der ein oder andere Pass ins Nirwana. Es ist ihm zu wünschen, dass er schnellstens von dem Podest, auf dem er wohl seit dem Pokaltor steht, wieder runterkommt, um auf Augenhöhe, gemeinsam mit der Mannschaft lernt, offensiven Fußball in Tore zu verwandeln.

So bedenklich der Saisonstart, so merkwürdig empfinde ich gerade die HSV-Fanszene. Denn gerade die, die noch vor einer Woche (und davor ständig und immer wieder) Geduld gefordert hatten, der Mannschaft fehlende Eingewöhnung attestierten und in jedem noch so kleinen, mal gelungenen Pass eine große Weiterentwicklung zum Vorjahr feierten, genau die wollten gestern genau dasselbe Spiel, wie unter Labbadia gesehen haben.

Ok, ich bin noch immer kein Trainer und ich sehe auch selten ein Training. Vielleicht macht mich das nicht gerade zur Expertin, die eine 100prozentige Analyse abgeben kann. Aber, ehrlich, Leute. ICH habe gegen Hertha eine andere Mannschaft auf dem Platz gesehen, wie noch am vergangenen Wochenende!

Da wären zunächst mal die herausgespielten Chancen, die sich seit gestern (für die Statistik), seit Saisonbeginn, verfünffacht haben dürften. Allein, es fehlte mal wieder am letzten Quentchen Glück. Der Fußballgott macht wohl gerade Urlaub.
Zum Zweiten habe ich auch nach dem 2:0 ein Team gesehen, das nicht aufgesteckt hat, den Kopf nicht hängen ließ, sondern oben behielt, und last but not least auch nach der 70. Minute läuferisch noch immer mithalten konnte.
Dass Gisdol alle inzwischen eingespielten Fehler nicht auf einmal abstellen kann, durfte wohl allen klar gewesen sein. (By the way: hat nicht auch Labbadia sein 1. Spiel 2014, und dann auch noch gegen Bremen, verloren?)

Nun bin ich es halt mal, die Geduld einfordert und allen, die sich jetzt bereits mit einem schlechten Gefühl in der Magengegend befassen sagt: Jungs, Mädels, wir packen das! Vorausgesetzt, die Mannschaft ist mit dabei und gibt in den nächsten Wochen und Monaten alles! Hier erwarte ich endlich mal Taten statt nur guter Worte. Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn wir es mit Spielern, wie Kostic, Wood, Lasogga, Müller, dem übrigen Team und irgendwann in den nächsten Monaten auch einem Hallilovic, der dann vielleicht mal den Unterschied macht, den Turn around nicht schaffen würden!
Da nun wirklich jeder gesehen hat, dass unsere Abwehr mächtig wackelt und öfter mal zu spät kommt, wünsche ich mir, spätestens in der Winterpause, einen gestandenen 6er, als Regisseur für das Mittelfeld, der das Spiel von hinten aufbauen kann!
Insgesamt ist man hier immer noch zu langsam und manchmal auch zu sorglos verspielt.
Also, liebe HSV-Spieler, enttäuscht mich nicht! Eure Fans, der neue Trainer und vor allem ihr selber habt es verdient, euch und uns endlich mal wieder mit Toren und 3 Punkten zu belohnen. Das ist gut fürs Selbstbewusstsein, das genauso nicht nur durch Worte, sondern eben auch durch Erfolge wächst.
In dem Sinn: auf in die Länderspielpause. Aber die Pause nur für uns, nicht für euch! Für euch heißt es trainieren, üben, üben und verdammt noch mal üben!
(mg)