Miesepeter, Erfolgsfans und Vereins-Brillen-Aufhaber

Eigentlich könnte ich heute da weitermachen, wo mein Blog-Kollege am Freitag angefangen hat.

Bei der Spaltung des Vereins und der gesamten Fangemeinde.

Der HSV hat verloren.

2:0 gegen eher schwache Dortmunder.

Und schon geht es los.

Es gibt Dummschwätzer, Schwarzseher, Panikmacher und es gibt Vereinsbrillenträger, Realitätsverweigerer und Erfolgsfans. Da sind die Absolut-keine-Ahnung-Haber und auf der Gegenseite natürlich auch die, die absolut Ahnung haben.

Ich persönlich kann beide Seiten verstehen.

Aber: kein Mensch ist gleich gestrickt. Niemand geht mit Niederlagen unbedingt genau so um, wie sein Nachbar, Kollege oder Freund.

Jeder hat ein eigenes Gefühlsleben, Emotionsfeld, seine eigene Sichtweise auf das Spiel und wie er mit dem momentanen Tabellenstand umgeht.

Ich finde, man sollte jedem seine Meinung lassen und nicht versuchen, anderen seine eigene überzustülpen. Vielleicht auch noch mit unflätigen, beleidigenden Beinamen. Schlimm finde ich zudem die, die anderen, wegen ihrer Skepsis auf einen Klassenerhalt, das Fan-Sein komplett absprechen.

Wer sagt eigentlich, dass a) nur derjenige Fan ist, der 12×3 zusammenzählen kann und mit Inbrunst „weiß“, dass am Ende zwei, drei Mannschaften hinter uns stehen oder b) sieht, dass Engagement allein eben nicht reicht und es durchaus sein kann, dass wir am Ende in Schönheit sterben?

Wir sind alle Fans des Hamburger Sport Vereins.

Wir tragen alle die Raute im Herzen.

Und ich traue mich zu sagen, dass 99 Prozent von uns die Mannschaft auch in Liga 2 begleiten würden, um sie dort zu unterstützen!

Fakt ist, dass wir gestern erneut ein engagiertes Spiel sehen konnten, es aber wieder mal nicht für Punkte gereicht hat.

Man hat deutliche Verbesserungen im Mittelfeld gesehen, wo der Ball auch mal lief und nach hinten haben alle gut mitgearbeitet.

Die 1. Halbzeit hat eigentlich Mut auf die 2. gemacht. Da war was drin. Da lag was in der Luft.

Wood und Walace und Kostic versuchten sich im Abschluss, was bekannter Weise nicht funktioniert hat.

In der Kabine hat der BvB dann anscheinend einen dicken Einlauf bekommen. Denn es dauerte genau vier Minuten, da klingelte es im Kasten von Christian Mathenia.

Torschütze: Michy Batshuayi, der Neue in den Dortmunder Reihen trifft bereits zum 3. Mal, seitdem er Schwarz-Gelb trägt.

Hollerbach reagiert, wechselt Arp gegen Wood und Salihovic gegen Hunt (der in der 1. Halbzeit ein ordentliches Spiel gemacht hat).

Unsere Jungs gaben nicht auf. Auch in den letzten beiden Spielen hat man sich ja, nach einem Rückstand immerhin noch zum Unentschieden geschossen.

In der 71. Minute geht Hollerbach All-In und bringt Hahn für Ekdal.

Und auch wenn es besser aussieht. An der Passquote hat sich, statistisch gesehen, noch nicht viel geändert. Noch immer geht fast jeder dritte Ball direkt zum Gegner. Und auch in den Zweikämpfen lag man mit 37,25 gegen 62,75 Prozent deutlich hinten.

Zehn zu acht Torchancen sprechen eine deutliche Sprache über das gesamte Spiel. Nur, dass die Dortmunder zwei davon erfolgreich verwandeln konnten, während in ihrem Strafraum eher ein laues Lüftlein wehte, tut weh.

Fazit: die Torloszeit von Wood hält an. Fiete wirkt inzwischen fast auch ein wenig verkrampft. Der Druck der auf ihm lastet, ist ihm anzumerken.

Speziell in der 2. Halbzeit taten sich bereits im offensiven Mittelfeld immer größere Lücken auf, die es selbst dem besten Knipser schwer gemacht hätte, den Ball ins Tor zu befördern.

Die einzelnen Mannschaftsteile sind noch weit von einem harmonischen Miteinander entfernt oder auch mal mit Mann und Maus nur mit Verteidigen beschäftigt.

Die Reaktionen der Mannschaft, im Anschluss an die erste Niederlage unter Neutrainer Hollerbach, kann ich inzwischen leider auswendig.

Man hat sie nach den letzten Spielen rauf und runter gehört.

Gut gespielt, kein Vorwurf an die Mannschaft. Engagiertes Spiel, schade, dass wir uns nicht belohnt haben, jetzt schnell den Kopf frei und auf … konzentrieren.

In diesem Fall stehen die Pünktchen für die Leverkusenener, die gestern gegen Hertha verloren haben.

Aktuell stehen sie auf Platz 5 der Tabelle und natürlich will man die CL-Plätze erreichen.

Das wird ein heißer Tanz, nächste Woche im Volkspark.

Und ehrlich? Ich weiß nicht, wie Hollerbach es schaffen will, die Torflaute bis dahin in den Griff zu bekommen…

Ich persönlich fand es schon ein bisschen erschreckend, dass Sakai unter der Woche aus dem Ex-Trainer-Nähkästchen plauderte und erzählte, der neue Übungsleiter hätte ihnen erklärt, dass man sich (sinngemäß) auch mal ohne Ball bewegen müsste, um sich den Mitspielern anzubieten…

Sei es wie es wolle. Der HSV stagniert auf Platz 17, mit ebenso vielen Punkten, freut sich schon mal, dass auch Mainz gestern nicht gepunktet hat und zittert, dass weder Werda noch Stuttgart heute einen Dreier einfahren.

Das Zittern wird wohl bis zum Ende der Saison nicht aufhören.

Und zwar für alle.

Seien es für die Schwarzseher, die Vereinsbrillenträger oder auch für die mit einer Glaskugel, in der Hoffnung und Panik zeitgleich versammelt liegen.

Ach, eins noch. Ja. Die Mannschaft hat gekämpft und wollte sichtbar Zählbares mitnehmen.

Sich anschließend aber bei den Jungs dafür zu bedanken (und damit meine ich nicht den Applaus in der Kurve), geht für mich doch ein wenig weit. Schließlich ist Fußball spielen und dabei immer ihr Bestes geben verdammt noch mal ihr Job!

(mg)

P.S.: ein Hinweis für alle, die sich noch mehr Infos über die Wahl des e.V-Präsidenten, auf der MV, am kommenden Wochenende einholen möchten: heute Abend, im Sportclub, 22.50h, auf NDR und am Montag, um 22.30h, auf Sky Bundesliga HD1, die Kia-Fußballdebatte gucken. Bei Sky ist Bernd Hoffmann zu Gast.

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