Manus Hinrundensenf

Herbstmeister.
Der HSV ist Herbstmeister.
Mit einem knappen 1:2 gegen Duisburg sicherten sich die ‪Rothosen Platz 1‬. der Tabelle.
Wer danach sucht, wann das letzte Mal dieser inoffizielle Titel in der Hansestadt „gefeiert“ werden konnte, muss tief graben.
Nach meinen Recherchen war das in der ersten Saison des HSV in der der Hamburger Liga, 1919/20, nach einem 8:0-Sieg über den SC Concordia. Danach dreimal zwischen 1980 und 90: (80/81, 82/83, 86/87).

So wie es aussieht, ist es dem Dino danach nicht wieder gelungen, in der höchsten Deutschen Fußballliga, zum Ende der Hinrunde von der Tabellenspitze zu grüßen.

Anzumerken ist natürlich, dass es in diesem Jahr die 2. Liga ist, in der man am 3. Adventswochenende als Anführer der 17 anderen Mannschaften fungiert.

Nach jetzt 17 Spielen kann man feststellen, dass der HSV im Unterhaus der Bundesliga angekommen ist.
Das sah am Anfang anders aus.
Wir erinnern uns schmerzlich an das 0:3, mit dem uns der Vorjahresdritte, Kiel, am 1. Spieltag aus dem eigenen Stadion schoss.
Und alle so…. „och nö. Nicht schon wieder…“

Gebeutelte HSV-Fans, die den lange vorbereiteten Abstieg ihrer Mannschaft in den letzten Jahren mitgelitten hatten, sehnten sich nach endlich besseren Spielen, Erfolgen, Toren und vor allem Punkten.

Gegen Sandhausen, Bielefeld, Dresden, und Heidenheim sah es schon etwas besser aus.
Man nahm das Spiel der Liga an, ging näher an die Gegner und scheute auch den Gang in die härter geführten Zweikämpfe nicht.
Oft blieb man trotzdem im Mittelfeld hängen, weil Pässe ihren Weg nicht zum eigenen Mann fanden oder der Gegner sich einfach aufs Mauern verlegte, und auf schnelle Konter setzte.

Weiterhin umstritten blieb in diesem Zusammenhang die eigenwillige Taktik von Trainer und Fanliebling Christian Titz, der Torwart Pollersbeck zum Libero umfunktionierte und den Spielaufbau über ihn und die Innenverteidiger forcierte.
Auch seine Rotationen in der Aufstellung der jeweiligen Startelf stand bald zur Diskussion.

Ende September begann der Anfang vom Ende der Ära Titz beim HSV.
Mit einem 0:5 deklassierte Jahn Regensburg den Absteiger. Erneut im eigenen Stadion.
Es folgten zwei glanzlose, torlose Unentschieden gegen Fürth und den Stadtrivalen St. Pauli.
Das System Titz schien entschlüsselt. Plan B war nicht in Sicht.
Zusätzlicher Streitpunkt: Strafraumstürmer Lasogga saß meistens nur die Ersatzbank warm, anstatt Bälle im Netz des Gegners zu versenken.
Vorne wehte ein laues Lüftchen, die zahlreichen Chancen wurden nicht verwandelt und hinten wackelte es immer wieder in der Abwehr.

Auch ein knapper Sieg in Darmstadt und ein erneutes Unentschieden gegen Bochum änderte nichts am Plan des Vorstandes, IHREN Plan B um-und Titz abzusetzen.
‪Trotz Platz 5, wegen eines schlechteren Torverhältnisses, mit 18 Punkten nur zwei vom Tabellenführer Köln entfernt, musste Christian Titz seine Koffer packen.‬
Für die Fans quasi von heute auf morgen wurde er gegen Hannes Wolf ausgetauscht.

Abgesehen von einem unglücklichen Unentschieden gegen Union marschiert Wolf mit seinem Team seitdem von Sieg zu Sieg. Inklusive Pokalspiel gegen Wiesbaden konnte der HSV achtmal ungeschlagen vom Platz gehen und mit den Fans feiern.

Wermutstropfen: außer gegen Erzgebirge Aue, am 13. Spieltag, waren die Ergebnisse so knapp, dass die letzten Minuten regelmäßig zu Zitterpartien mutierten.
So, wie auch gestern wieder, gegen Duisburg.
In der 12. Minute führte man durch ein schönes Tor von Narey, nahm 120 Sekunden später den Ausgleich zur Kenntnis und Kapitän Hunt (der erneut ein gutes Spiel machte) zauberte einen Zuckerfreistoß in der 19. Minute zum 2:1 ins Netz.
Mit angezogener Handbremse ging man dann in die 2. Halbzeit, in der es auf beiden Seiten nichts mehr zu feiern gab.
Ob es nun ein Anfall von Arroganz oder doch noch vorhandenes Unvermögen war, dass man erneut mit nur einem Tor Vorsprung vom Platz ging? Diese Frage kann nur der Trainer wirklich beurteilen.
Fakt ist: mit einem Torverhältnis von 24:16 ist weiterhin zum Siegen verdammt, um den Platz unter den ersten drei zu halten.

Die Freude über den inoffiziellen Titel währt übrigens nicht lange, da die Rückrunde noch vor Weihnachten startet.
Wir haben noch eine Rechnung offen mit Kiel, in deren Stadion es ‪am kommenden Sonntag‬ erneut um wichtige Punkte geht.
Auf dem Weg zurück in die Bundesliga.

Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor Mannschaft und Trainer. Und natürlich vor dem Vorstand. Denn der muss zusehen, dass bereits jetzt für die nächste Saison, egal in welcher Liga, geplant wird, wenn uns einige Leistungsträger verlassen und eigentlich kein Geld da ist, um gestandenen Ersatz zu verpflichten.
Ob man mit dieser Mannschaft in der 1. Liga bestehen würde? Ich wage es zu bezweifeln. Und nichts würde ich weniger wiederbeleben wollen, als den ständigen Kampf um den Ligaerhalt.

Mein Fazit: im Nachhinein betrachtet ist es nachvollziehbar, sich von Titz getrennt zu haben. Wobei ich schon gerne ein persönliches Gespräch mit ihm geführt hätte, ob da nicht doch noch ein Pfeil im Köcher war.
Titz hat jedoch saubere Vorarbeit geleistet, so dass Hannes Wolf lediglich an einigen Stellschrauben zu drehen hatte, um auch mal einen Plan B erkennen zu lassen.
Noch sind nicht alle Schrauben fest. Und ich bin insbesondere gespannt auf das Pokalspiel gegen Nürnberg, wenn wir uns mit einem Erstligisten messen müssen.
Bis dahin ist aber noch knapp zwei Monate Zeit.
Zunächst mal allen einen gemütlichen 3. Advent, genießt die Zeit als Herbstmeister!
(mg)