Lasst die jungen Wilden von der Leine!

Saisonerwartung der BlogPerlen, Teil 1

Mit Testspielen ist es wie mit dem pinkfarbenen Ausweichtrikot, das der HSV in der kommenden Saison tragen wird: sie spalten die Fangemeinde.
Während die eine Hälfte bei Sieg schon den Duft von Europa zu riechen glaubt, orakelt die andere Hälfte bei einer Niederlage bereits erneuten Abstiegskampf mit Grottenfußball á la Relegationssaison.
Für mich liegt die Wahrheit, wie so oft, irgendwo dazwischen. Wobei ich eigentlich immer Einsatz und Siegeswillen erwarte. Sonst bräuchte man ja keine Testspiele veranstalten, oder wie seht ihr das?
Zudem sind diese Spiele auch eine gute Gelegenheit für jeden einzelnen Spieler, sich beim Trainer für die erste ernsthafte Startelf, im DFB-Pokal, zu empfehlen. Den Konkurrenzkampf hat Labbadia ja schon zur Genüge angefacht.
Und wenn er gestern beim Spiel gegen Stoke City genau hingesehen hat, dürfte er schon jetzt wissen, wer in diese erste Startelf gehört und wer auf der Bank beginnt.
Während man in der 1. Halbzeit den bekannten, schwerfälligen Fußball sah, der meist im toten Mittelfeld mit einem Ballverlust endete, bei dem die weiten Pässe ein ums andere Mal im Nirwana landeten und René Adler gefühlt bester Mann auf dem Platz war, kam in der 2. Halbzeit viel mehr Spritzigkeit und Kreativität ins Team. Das 1:0 durch Gregoritsch war logische Folge mehrerer Versuche, die nicht selten erst am Aluminium oder am gegnerischen, guten Torwart scheiterten.
In der 1. Halbzeit blitzte ein-zweimal das Können eines Kostic´s auf. Zu mehr reichte es aber leider nicht. Wie gesagt, die Kugel kam auch selten genug durch das Mittelfeld. Ok, Stoke stand sehr kompakt und lauerte eigentlich nur auf Konter, die aber auch ein paar Mal sehr gefährlich gelangen.
Mein Fazit: Ein Halilovic wirkte sehr belebend (schade, dass er mit Müller auf rechts konkurrieren soll. Ich würde sie gerne mal gemeinsam auf dem Platz sehen). Für mich ein Highlight: Finn Porath. Ihm merkte man den Spaß am Job an. Im Gegensatz zu seinem Pendant, Aaron Hunt, machte er das Spiel schneller und fummelte sich gerne auch mal durch das Mittelfeld nach vorne. An Bahoui werden wir noch viel Spaß haben, wenn Bruno ihn denn von der Leine lässt! Auch bei Wood merkte man, dass ihm irgendwie der passende Partner fehlte, um vor dem Tor gefährlich zu werden. Ein Jung machte seine Sache mal wieder sehr gut. Abgeklärt und ruhig, wie ein „Alter“ sorgte er dafür, dass der Gegner so manches Mal an ihm hängenblieb. Ich habe im Ernst einen Djourou nicht wirklich vermisst. Bei Luca Waldschmidt bin ich mir noch nicht sicher. Er war wesentlich unauffälliger als seine anderen, neuen Kollegen.
Labbadia jedenfalls sagte selber, dass der zweite Durchgang besser war als der erste. Allein mir fehlt der Glaube, dass diese Erkenntnis dafür sorgt, dass am 22. nicht doch wieder dieselben Nasen auflaufen, wie in der letzten Saison. Der Virus der „fehlenden Eingewöhnung“ ist im aktuellen Trainerstab doch noch akut. Aber ich lasse mich da sehr gern eines Besseren belehren. Meine Erwartungen an die neue Saison? Nicht nur ein Beiersdorfer auch ein Labbadia wird sich an den Leistungen seiner bevorzugten Elf und der Entwicklung der Einkäufe messen lassen müssen! Und klar ist auch: in der Abwehr muss noch nachgelegt werden. Man sieht aktuell ganz gut, dass es eben doch sehr schnell gehen kann, dass zwei IV´s und selbst ihr „Ersatzmann“ ausfallen. An dieser Stelle: gute Besserung an Emir, Johan und Cleber.
Ich kann mich jedenfalls zum aktuellen Zeitpunkt noch auf keinen Platz festlegen, auf dem ich den HSV im Mai kommenden Jahres sehe. Die ersten Spiele werden ersten Aufschluss darüber geben, wohin und vor allem mit wem es geht.

Ein Wort noch zu den Geschehnissen rund um den Bundesliganeuling, RB Leipzig. Was da bereits im Vorfeld abgeht, lässt nichts Gutes erwarten. Wer die Gesundheit der gegnerischen ebenso wie die der eigenen Mannschaft mit dem Ausstreuen von Nägeln (!) auf dem Spielfeld gefährdet, der gehört in kein Bundesligastadion! Ohne Geld, sprich ohne Kommerz, ist im heutigen Fußball nun mal keine Gießkanne mehr zu gewinnen. Gewöhnt euch dran! Und akzeptiert endlich, dass auch ein Team aus Leipzig die 1. Bundesliga mit Fußball erreicht hat und nicht durch Schiedsrichterbestechung. Man muss sie ja nicht lieben. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es ohne einen KM Kühne keinen Waldschmidt, Kostic oder Wood im pinkfarbenen Rauten-Shirt geben würde!
Ach und eins noch: Mit dem Boykott der Spiele gegen RB Leipzig schadet man nur der eigenen Mannschaft, die 90 Minuten ohne jeglichen Support auskommen muss!
Schließen möchte ich mit einem Satz, den Thomas Tuchel dieser Tage aussprach: „Wir dürfen die Bodenhaftung zu den Fans nicht verlieren.“ Wie wahr, wie wahr. Doch wer soll damit beginnen, bevor die Blase platzt?
(mg)