Kaltstart mit Bus im Tor

Nach der gemeinsamen Barkassenfahrt, zu der die Hamburger Supporters ihre Sandhausener Gästefans, im Vorfeld auf das Zusammentreffen ihrer beiden Profimannschaften, einlud, war die Stimmung gut.
Man verstand sich. Wie eigentlich schon seit dem Hinspiel, als die Sandhausener mit ihren originellen Wegbeschreibungen im Hamburger Hauptbahnhof auf sich aufmerksam machten.
Klar ging die Fanfreundschaft dann doch nicht so weit, dass man sich gegenseitig die 3 Punkte der Partie gönnte.

Für den HSV ging es bei eisigen Temperaturen und Schneefall (mal wieder) um Big Points.
Die Sandhausener dagegen erwarteten sich Entlastung im Tabellenkeller, in dem sie auf Platz 16, mit 13 Punkten nach 19 Spielen festhängen.

Mal wieder zum Siegen verdammt.

Um es vorweg zu nehmen: das wird in jedem Spiel so sein. Denn geschenkt wird einem in Liga 2 nichts.
Zwar konnten wir unseren Vorsprung zu Platz 2 auf 4 Punkte ausbauen, da auch Köln gestern, gegen Union Berlin patzte. Aber was sind schon vier Punkte?
Neben Köln hängen uns auch Union Berlin und Pauli, mit 6 Punkten Abstand, im Nacken.

Woran Hannes Wolf arbeiten muss? Ganz klar an der Chancenverwertung. Denn bereits nach zehn Minuten hätte es, nach einem Zuckerpass von Santos auf Holtby, 1:0 stehen müssen.
Die Chancen kamen anschließend fast im Minutentakt. Khaled Narey (14.), Tatsuya Ito (18.) und zweimal Lasogga (15., 34.) hatten es auf dem Fuß.
Trotzdem dauerte es bis zur 45. Minute, bis die Hamburger jubeln durften.
Ob Jatta bei seinem Pass auf Lasogga hauchdünn im Abseits stand? Mag sein. Mir ist es allerdings lieber, nach Toren nicht erst minutenlang zittern zu müssen, weil der Schiri vom Feld aus Köln zurückgepfiffen wird.
Im Laufe der Saison gleicht sich alles aus. Auch das mit der knappen Abseitsposition.

Nehmen wir doch ganz einfach den von Dennis Diekmeier herausgeschundenen Elfer, der den Gästen, knapp 20 Minuten nach Wiederanpfiff, das 1:1 bescherte, als Ausgleich.
Er stellte seinen Körper vor Jatta rein und wartete darauf, dass der versuchen würde, den Ball zu spielen. Dann fiel Dennis um und bekam den Pfiff…
Nicht wirklich fair.
Dennis Diekmeier. Arbeitslos seit Mai, nun bei Sandhausen und auch sofort in der Startelf gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.
Für meine Begriffe hat er mit dieser Aktion auch ein gutes Stück Frust abgebaut. Denn gegen Jatta sah er oftmals nicht wirklich gut aus. Der pfeilschnelle, frisch „verlängerte“ Rechtsaußen, zeigte, was aus ihm werden kann, wenn er weiterhin hart arbeitet und Selbstbewusstsein tankt. Toll sein Solo-Sprint, vom eigenen auf das gegnerische Tor. Leider mit schwachem Abschluss. Aber das mit den Abschlüssen hatten wir ja schon …

Insbesondere in der 1. Halbzeit hätte man sich die Sandhausener eigentlich „zurechtlegen“ können. Die Tatsache, dass der Elfmeter die erste gute Torchance der Sandhausener war, spricht Bände.
In die Pause ging man laut Statistik mit 10:0 Torschüssen für den HSV!

Gut für die Spielerpsyche und natürlich die Punkteausbeute: bereits drei Minuten nach dem Ausgleich sorgte ein Zusammenspiel von Holtby und Lasogga für die erneute Führung der Gastgeber, bei der es dann auch blieb.

Durchschnaufen ist allerdings nicht. Schon morgen geht es, um 13 Uhr, gegen den Tabellen 14ten, Bielefeld.
Ein Selbstgänger, sollte man meinen, ging doch auch das Hinspiel mit einem 3:0 für die Hamburger aus.
Für mich ist es alles andere als ein Selbstgänger. Denn wie bereits oben erwähnt, wird niemand uns etwas schenken.
Dass die Bielefelder kämpfen können, bewiesen sie nicht zuletzt am Mittwoch, als sie einen 3:1 Rückstand mit viel Willen noch in einen 4:3 Sieg gegen Dresden gedreht haben. Herausragend dabei: Fabian Klos, der nach der Pause allein auf drei Assists und einen Treffer (FE) kam.
Auf ihn wird aufzupassen sein.

Und ändert sich nichts an der Chancenverwertung, dann wird es insbesondere gegen Mannschaften wie vorgestern gegen Sandhausen, die sich gerne mit einem Punkt zufriedengeben, und dafür einen Bus ins Tor stellen, enorm schwer.
Ja, ja, ich weiß. Noch vor ein paar Monaten hatten wir nicht mal diese Chancen. Aber Fakt ist nun mal, dass nur Bälle zählen und zu Punkten führen, die IM Netz zappeln.

Wir alle, Fans, Mannschaft und Führungsteam, sollten aufhören, schon vom Rathausbalkon zu träumen. Denn wie sang schon Xavier Naidoo vor ein paar Jahren: „Dieser Weg wird kein leichter sein…“
Und ich bin sehr froh, dass Hannes Wolf ähnlich denkt.

Wir haben gesehen, wie eng es in jedem Spiel werden kann, wenn die Konzentration nicht zu jeder Zeit bei 100 Prozent liegt. Zudem haben wir die härtesten Nüsse in der Rückrunde auswärts.
Gespannt bin ich darauf, wie wir uns im Pokalspiel am Dienstag gegen Nürnberg schlagen. Ein Erstligist aus den unteren Tabellenregionen kommt in den Volkspark. Wird man den Klassenunterschied sehen?

Was ich grundsätzlich von diesem Gedanken halte, den eventuellen Aufstieg auf dem Hamburger Rathausbalkon zu feiern, und ob dieser Kader meiner Meinung nach erstligatauglich ist, davon erzähle ich euch später mal 😉
(mg)