Itos Barthaar

Sollte noch irgendjemand die These vertreten, dass der DFB seine Schiedsrichter angewiesen hat, den HSV mit zweifelhaften Entscheidungen in der 1. Bundesliga zu halten, der dürfte am vergangenen Wochenende endlich zum Schweigen gebracht worden sein.

Damit man mich nicht falsch versteht, ich käme nie auf die Idee, den wohl ersten Abstieg des Dinos gänzlich an der Abseitsentscheidung rund um Itos Tor zum 1:0 für den HSV, in der 25. Minute, festzumachen.
Es ist nun mal eine Mission „fast unmöglich“, eine grottenschlechte Saison innerhalb von acht Spielen zu revidieren.
In einer „normalen“ Spielzeit hätte sich wohl niemand besonders darüber geärgert, wenn die Hamburger ohne Punkte aus Frankfurt zurückgekommen wären.
Leider ist diese Saison mal wieder alles andere als normal…
Da dieses Tor aber zu einem Zeitpunkt weggepfiffen wurde, wo es für den HSV um Tod oder Gladiolen geht, unterstelle ich dem Videoschiri Günter Perl mangelndes Fingerspitzengefühl und dem Gesamtprojekt der FIFA grundsätzlich die Note mangelhaft.

Nicht ganz umsonst heißt es „im Zweifel für den Angeklagten“. Und wer hier keine Zweifel hatte, der muss schon Augen wie ein Adler haben, die zudem noch mächtig dreidimensional gucken können.
Selbst die Expertenrunden der diversen Fußballtalks waren sich fast geschlossen einig, dass das Kölner Eingreifen unangemessen war, da es sich nicht um eine eindeutige Fehlentscheidung von Deniz Aytekin handelte, als er das Tor zunächst gab.
Man hätte schon mehrere Kalibrierungslinien ziehen müssen, um zu sehen, dass mindestens (Zitat) ein „Barthaar Itos“ im Abseits war.
Da den Videoschiedsrichtern diese Linien allerdings nicht zur Verfügung stehen, sprachen selbst HSV-Skeptiker wie Hahmann und Reif von Irrsinn und kollektivem Wahnsinn, der den Rothosen das so wichtige Führungstor versagte.

Unverständlich auch für mich ist zudem die Tatsache, dass Aytekin sich die strittige Szene nicht mal selber am Monitor anschaute, sondern das Veto von Perl einfach umsetzte. Dabei hatte selbst sein Linienkollege die Fahne unten gelassen.
Ob der Videoschiedsrichter unter den gegebenen, höchst schwammig formulierten Regeln weiterhin Bestand haben sollte ist für mich äußerst fragwürdig.
Denn sollte er eigentlich dafür sorgen, dass mehr Gerechtigkeit in die Fußballwelt einzieht, sorgt er inzwischen eher Woche für Woche für mehr Diskussionsstoff und zweifelhafte Entscheidungen, die teils sogar mit zweierlei Maß gemessen werden. Für mich sieht es so aus, als ob die Schiedsrichter oft selber nicht wissen, ob sie nun eingreifen müssen oder nicht.

Müßig zu überlegen, wie das Spiel wohl gelaufen wäre, hätte Itos Tor (wunderbar herausgespielt, nach einem Zuckerpaß von Hunt) gezählt.
Fakt ist, wir kassierten sechs Minuten später das erste Gegentor und in der 77. Minute stand es dann 2:0. Das abschließende 3:0 von Alexander Meier, in der Nachspielzeit, war nur noch Makulatur und dem aus Frankfurt scheidenden Meier, während seines letzten Heimspieles, somit auch zu gönnen.

Ziehen wir ein Fazit muss man jedoch zugeben, dass der HSV, gegen sehr kompakt stehende Frankfurter, weniger Zugriff auf das Spiel hatte, als in den vergangenen Wochen. Zudem wirkte man weniger bissig am Ball und hinten blieb uns bei den Gegentoren lediglich mal wieder die so bekannte Eskortrolle über. Obwohl sich die Statistik nicht wirklich schlecht lesen lässt (Fehlpassquote 20 Prozent bei rund 60 Prozent Ballbesitz und 52 Prozent gewonnenen Zweikämpfen), gingen die Spieler bekanntlich mit drei Gegentoren vom Rasen. Es war halt nicht der Tag der Rothosen.

Aber Hamburg wäre nicht Hamburg, könnte man das letzte Spiel der Saison jetzt mal in Ruhe gucken. Nächste Woche müssen wir gegen Gladbach nicht nur gewinnen (was durch die europäischen Ambitionen der Gäste nicht unbedingt leichter wird), wir müssen zudem auf Schützenhilfe aus Köln hoffen, die auf die Wolfsburger treffen.
Wobei, ich traue den Kölner durchaus ein faires Spiel zu, um sich mit einer ordentlichen Leistung aus der Liga zu verabschieden. Zudem spielen wir zuhause. Der Volkspark wird beben.
Und sollte es letztendlich doch nicht klappen, dann haben wir uns wenigstens auch mit ordentlichen Vorstellungen in den letzten Spieltagen aus dem Fußball-Oberhaus verabschiedet.
Es ist Montag und ich habe schon jetzt eine schlimme Unruhe im Bauch. Irgendwie befürchte ich, dass wir gewinnen und auch die Wolfsburger ihre letzten Kräfte erfolgreich mobilisieren können.

Ein Wort noch zu der momentan so heiß gehandelten Trainerdiskussion. Meinen Standpunkt über eine vorzeitige Verlängerung mit Christian Titz habe ich ja bereits in der vergangenen Woche deutlich gemacht.
Erneut hat mich unser Trainer, in seinen Interviews, mit seiner unaufgeregten, sachlichen Art begeistert. Er weiß um die Situation vor dem Endspiel und man hört auch raus, dass er nicht abgeneigt wäre, in Hamburg Profitrainer zu bleiben.
Deshalb kann ich persönlich nur hoffen, dass die in einigen Medien verbreitete Ambition von Bernd Hoffmann, Roger Schmidt zum HSV zu holen, nur das übliche dumme Säbelgerassel ist und somit eine Falschmeldung, wie man hier und da bereits hört, bleibt.
In diesem Sinne wünsche ich euch eine, so weit es geht, ruhige Woche, unseren Jungs ein gutes, konzentriertes Training ohne Verletzungen, jede Menge Motivation, Christian Titz ein glückliches Händchen bei der Kaderaufstellung und allen guten Appetit beim Griechen
(mg)

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