Ich mag Sascha Stegemann

Jaha! Ich mag Menschen, die konsequent ihrer Linie treu bleiben und das aus vollster Überzeugung, immer und immer wieder.
Sollten wir unter Stegemanns Regie irgendwann mal wieder einen Elfmeter bekommen, wird der gefoulte HSV-Spieler wohl mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden müssen.
Wir denken da an Spiele wie das im Februar dieses Jahres, gegen Hannover, wo Sané Kostic im Strafraum umsemmelte und kurz zuvor ein Handspiel von Schwegler nicht geahndet wurde. Nix mit Elfmeter, liebe Hamburger. Ich, der Sascha, entscheide das. Und niemand anderes.
Auch gestern hatte meine gerade frisch gekürte FIFA-Pfeife wieder einen tollen Einfall. Er pfiff das Führungstor des HSV, in der 56. Minute (nach einem tollen Freistoß von Janjicic) einfach weg.
Puff.
Torwartbehinderung durch Bates, so das Votum des „Unparteiischen“.
Ok, Bates hatte den im Rücken angeflogen kommenden Burchert nicht gesehen und sich nicht schnell genug in Luft aufgelöst. Selber schuld also…

Äh. Stopp mal. Dabei gibt es für Torwarte keinen besonderen Schutz mehr. Selbst im Fünfmeterraum nicht.
Im Regelwerk des DFB heißt es dazu: „Eine weit verbreitete Meinung auf nahezu jedem Fußballplatz der Republik ist, dass der Torwart in seinem Torraum einen besonderen Schutz genießt. Blickt man ins Regelwerk, stellt man fest, dass dem gar nicht so ist. Neben dem Schutz, dass der Torwart nicht angegriffen werden darf, wenn er den Ball hält, gibt es keine weiteren Bestimmungen dazu.“
Fazit: das Tor hätte durchaus gegeben werden können.
(Wer im oberen Absatz Ironie findet, darf sie behalten 😉

Nun bin ich allerdings die letzte, die das gestrige Unentschieden nur dem Schiedsrichter zuschieben will.
In den ersten 20 Minuten merkte man den Hamburger deutlich an, dass da sehr viel Verunsicherung mit auf den Platz getragen wurde.
Fehlpass reihte sich an Fehlpass und bereits in der 3. Minute klatschte ein klasse von Wittek getretener Freistoß glücklich nur an unsere Torlatte.
Die insgesamt gut 85 Prozent betragene Passquote der Rothosen hat man nicht zuletzt dem Dreiergespann Pollersbeck, van Drongelen und Bates zu verdanken. Die ließ man lustig den Ball in der eigenen Hälfte hin-und herkicken.
Sobald man jedoch die Mittellinie überwunden hatte, standen die Fürther gut gestaffelt und waren ein ums andere mal nur allzu schnell und oft genug wieder im Ballbesitz.

Die Zweikampfquote lag zu diesem Zeitpunkt bei 55 Prozent. Allerdings kam trotzdem nichts Zählbares dabei heraus, weil es für den Abschluss oft genug an Präzision fehlte.
Für mich die Verlierer der 1. Halbzeit: Lasogga (hatte irgendwie 8x Ballkontakt) und Hunt, der neben Passschwächen auch im Sprint nicht immer gut aussah.
Gewinner, einmal mehr: Douglas Santos und auch Orel Mangala und Janjicic wussten mit guten Aktionen zu gefallen.

Santos musste allerdings, weil Gelb-Rot-gefährdet, nach der Halbzeit in der Kabine bleiben. Für ihn kam Tatsuya Ito, dem ich das 1:0 für die Gäste in der 55 Minute von Herzen gegönnt hätte.
Abgefälscht landete der Ball allerdings nicht im, sondern überm Tor.
In der 62. Minute holte Titz den schwachen Kapitän vom Feld und schickte Whang ins Rennen. In der 78. ging er all in und brachte Arp für Lasogga.

Die Partie blieb aber weiterhin torlos. Weder Fürths Ruel-Keita noch Hamburgs Lasogga (beide fünf Saisontore) konnten erfolgreich abschließen. Und vielleicht sollte man Lasogga mal zu einer Nachschulung über die Abseitsregeln anmelden. Auffällig, wie oft er hinter der gegnerischen Abwehrreihe rumturnte.

Ab der 85. Minute hatten sich die Fürther wohl mit der Punkteteilung angefreundet. Für Christian Titz ist es somit das erste 0:0 seiner Amtszeit, als Profitrainer beim HSV.

Mein Fazit: Es war kein schönes Spiel. Da war zwar viel Wille aber oft zu wenig Können. Noch immer habe ich das Gefühl, das die Hamburger die in Liga 2 herrschende Robustheit nicht verinnerlicht haben.
Ich wünsche mir ein kürzeres Ballgeschiebe hinten und mehr schnelle Kreativität nach vorne. Irgendwie sehen die Angriffsversuche immer gleich aus und man läuft oft an den gleichen Stellen in gefährliche Konter.
Warum Christian Titz weiterhin versucht, aus Hunt einen Stürmer zu machen, entzieht sich meiner Phantasie.
Mit Ito, Whang und auch Arp kam mehr Bewegung ins Spiel. Unsere Abwehr hat etwas solider agiert. Weiter so!
Allerdings war es erneut mal wieder ein Spiel, das hätte auch anders ausgehen können. Für Fürth und für Hamburg.
Mit dem 0:0 kann keine der beiden Mannschaften zufrieden sein. Schon gar nicht im Hinblick auf das Derby.
In der Statistik hatte der HSV allerdings die Nase vorn: 14:8 Torabschlüsse, 70:30 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von 53:47 Prozent stehen da zu Buche. Die wenigen Chancen, die man auf beiden Seiten gesehen hat, konnten jedoch nicht genutzt werden.
Das muss am Sonntag anders werden!

Wobei… ganz ehrlich. Ich habe ein wenig Angst vor dem Stadtderby. Zu viel Hass und Gewaltandrohungen sind da von beiden Seiten unterwegs.
Ganz übel, zu was einige Vollpfosten die schönste Nebensache der Welt gerade verkommen lassen.
Ich mag mir fast gar nicht vorstellen wie es sein wird, wenn eine der beiden Mannschaften die andere aus dem Stadion schießt. Für die Ruhe wäre ein Unentschieden wahrscheinlich das Beste. Für die Tabelle allerdings nicht.
Um dem erklärten Klassenziel näher zu kommen, braucht der HSV diesen vermaledeiten Dreier.
Ich würde es ja mal mit der Elf der zweiten Halbzeit gegen Fürth versuchen.
Meine Meinung. Und die muss man ja nicht teilen.

Einen werde ich jedoch übermorgen vermissen: meinen Freund, Sascha Stegemann…. Nicht… 😉
In dem Sinne: auf ein ruhiges, faires aber spannendes Derby gegen den Stadtteilverein!
(mg)

P.S.: Eins noch: wer an dieser Stelle das Trainerfass aufmacht, hat den Fußball nie geliebt…