Himmelfahrtskommando

Manchmal überholt das wirkliche Leben das geschriebene Wort schneller, als man glaubt.
Saß ich gestern noch über einem Blog, den ich anschließend verworfen habe, weil sich in meinem Kopf ein riesiges Gedanken-Karussell drehte, ist es jetzt amtlich.
Bernd Hollerbach ist HSV-Trainer-Geschichte, Christian Titz ist die Gegenwart.

Was wollte ich gestern nun ausdrücken, in dem Blog, der nie erscheinen wird?
Meinen Frust, meine Wut, meine Enttäuschung, die ich fühlte, nachdem sich der HSV bei den Bayern, gefühlt ohne Gegenwehr, in sein Schicksal ergab.

Klar ist es nicht verwerflich, in München zwei, drei, ja vier Dinger zu kassieren. Die Frage ist halt immer, wie man sich dabei verkauft.

Und ich habe eine Mannschaft gesehen, die sich mit dem Anpfiff bereits aufgegeben hatte.
Ich habe zudem eine Aufstellung gesehen, die nur auf Defensive baute.
Ich habe vor allem eine Aufstellung gesehen, die die siebte im siebten Spiel unter Bernd Hollerbach war.

Holler, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, mag ein lieber, netter Kerl sein. Er mag auch seine Qualitäten als Trainer haben. Was er jedoch nicht hat, ist die kämpferische Ausstrahlung die man braucht, um eine kaputte Mannschaft durch einen kräftezehrenden Abstiegskampf zu führen.

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Klar kann Hollerbach nichts für die verpfuschte Zusammenstellung des Kaders.
Klar kann er nichts für die verkorkste Hinrunde. Nein, er ist sicherlich nicht alleine schuld daran, dass dem Klassendino der erste Abstieg seines Bundesligalebens droht.
Aber er wusste, worauf er sich einließ, als er den Vertrag unterzeichnete.
Er wusste, auf welches mediale Glatteis er sich begeben würde. Er wusste, dass man kein gutes Haar auch an ihm lassen würde, käme die Mannschaft kein Stück voran.

Und die Mannschaft ist kein Stück vorangekommen!
Im Gegenteil.
Ich habe, im Vergleich mit den Leistungen unter Markus Gisdol, keinerlei Verbesserungen wahrgenommen.
Was deutlich sichtbar war, war hingegen die wachsende Verunsicherung des Trainers, die sich nicht nur in den ständig wechselnden Aufstellungen ausdrückte, sondern auch in den immer wiederkehrenden, nach Entschuldigungen suchenden Sprüchen, während der Pressekonferenzen.

Mag sein, dass sich die Mannschaft in das ein oder andere Spiel reingehängt hat.
Nur leider niemals durchgehend 90 Minuten. Immer fehlte das gewisse Quentchen, das selbst die Spieler im Anschluss bei sich selbst bemängelten. Allein das ist schlimm genug! Ich weiß woran es liegt, ich tue es trotzdem immer wieder!

Lange Rede, kurzer Sinn: Bernd Hollerbach kann kein Abstiegskampf. Aus dem Grund begrüße ich die Entscheidung, ihn mit sofortiger Wirkung freizustellen.

Als neuen Mann an der Seitenlinie hätte ich mir allerdings einen anderen, als Christian Titz gewünscht.
Der U-21 Trainer ist erfolgreich. Seine Mannschaft führt die Regionalliga an, wird, so sie denn so weiterspielt wie bisher, in die 3. Liga aufsteigen.
Und genau jetzt zieht man den Jungs den Halt unter den Füßen weg, um eine anscheinend untrainierbare, angeschlagene Profimannschaft zu trainieren.
Hatten wir das nicht schon mal?
Auch als Joe Zinnbauer, in der Saison 2014/15 erfolgreich die U-21 trainierte, saßen die Profis in einer ähnlichen Lage wie heute. Von September 2014 bis Mai 2015 gab Zinnbauer den Übungsleiter und übergab den HSV dann auf dem Relegationsplatz stehend, wir erinnern uns…an Peter Knäbel.
Auch seine nächste Trainerstation, beim FC St. Gallen, wurde vorzeitig beendet.
Verbrannt.
Und die Lunte wurde bei den HSV-Profis gelegt…
Nun also Christian Titz.

Ich für meinen Teil hätte mir einen Vollprofi gewünscht. Einen, der nichts mehr zu verlieren hat und seine Aufgabe darin sieht, in den letzten Spielen der Saison das Beste aus dieser desolaten Mannschaft herauszuholen. Einer, der Abstieg kann und der nicht auf Geld, sondern auf Herausforderung steht. Vielleicht ohne Gehalt, dafür mit einer fetten Nichtabstiegsprämie.
So einer wie Jol oder wie Stevens…

Und ich sehe die Profis in der Pflicht, sich nach dem Auftritt in München, nach den Klagen über mangelnde Unterstützung und Unruhen an die eigene Nase zu fassen und den HSV nicht weiterhin zum Gespött von ganz Fußballdeutschland zu machen!
Reißt euch gefälligst den Allerwertesten auf! Zeigt, dass ihr außer hinterher zu wissen, woran es lag, vorher einen Plan habt! Nämlich den, zu kämpfen!
Am Samstag kommt die Hertha. Da will ich sehen, dass der Frühlingshauch auch in der Kabine angekommen ist. Alles andere lasse ich nicht gelten. Wir haben keine Chance. Nutzen wir sie!

Ja, ich gebe zu, nach den Freistellungen von Todt und Bruchhagen, in der vergangenen Woche, habe ich sowas wie Frühlingsluft geschnuppert.
Es ist alles noch machbar.
Und wenn nicht, liebe Leute, dann erwarte ich einen würdevollen Abschied aus der Liga! Und zwar von allen. Der HSV bezahlt euch bis zum Abpfiff des letzten Spieles. Also arbeitet gefälligst auch solange! Lasst frischen Wind in die Köpfe, geht raus und kämpft!
Allen Widrigkeiten zum Trotz wünsche ich Christian Titz nur das Beste! Und ich wünsche mir, dass er die Profis erreicht. Es wird nicht leicht. Aber das dürfte jedem klar sein. Er kann mit seiner Aufgabe zum Helden werden. Schafft er es nicht bleibt ihm zu wünschen, dass das Gastspiel bei den Profis seiner Trainerkarriere nicht schadet.
Und auch der u21 sei weiterhin viel Glück und Können, beim Erreichen ihrer Ziele gewünscht!

Last but not least.
Ja, ich bin sauer, enttäuscht, wütend und hilflos. Und ich bin mit meinen Gefühlen nicht alleine. Das, was allerdings ein paar völlig Versprengte auf dem Trainingsgelände des HSV aufgestellt haben, ist das allerletzte! Den Spielern Gewalt antun zu wollen, ja ihnen sogar mit dem Tod zu drohen ist eine Straftat, für die man die Täter hoffentlich mit aller Härte zur Verantwortung ziehen wird. Wir BlogPerlen distanzieren uns mit aller Vehemenz von diesem Vorgang!
(mg)

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