Heute feiern, morgen arbeiten

Neben der Erkenntnis, dass ich vielleicht doch nicht ganz so bekloppt bin wie einige glauben, hat uns das gestrige Viertelfinale des DFB-Pokals vor allem eines gezeigt: nur mit einer komplett geschlossenen und konzentrierten Mannschaftsleistung bis zur letzten Minute ist es möglich, auch mal Siege einzufahren, mit denen wenige gerechnet haben.

Ich gebe es zu. Ich habe schon erschrocken geschluckt und ein paar Mal tief ein-und ausgeatmet, als die Aufstellung bekannt wurde.
Was wollen wir mit drei IVs?
Und warum steht ein Papadopoulus ohne jegliche Spielpraxis gleich in der Startelf?
Wo waren ein Narey, ein Özcan?
Und was machte ein Holtby auf der rechten Außenbahn?
Irgendwie sah das nach Angsthasenfussball aus.

Im Nachhinein muss ich Trainer Hannes Wolf für dieses Spiel jedoch ein glückliches Händchen bescheinigen und weiß, warum ich eben kein Profitrainer bin.
Wobei… in der ersten halben Stunde war das Spiel gegen Paderborn alles andere als ein Augenschmaus für Fußballästhetiker.
Viele Fehlpässe auf beiden Seiten, Unsicherheiten insbesondere im Mittelfeld und auch in der ungewohnten 5er-Kette, die Wolf mit Jung und Mangala vor dem IV-Trio geknüpft hatte.

Schiri Welz wirkte in den Anfangsminuten übereifrig. Er pfiff bei vielen Zweikämpfen völlig unnötig, machte das Spiel dadurch zerfahren.
Er war sich augenscheinlich der außerordentlichen Beobachtung der gesamten Nation bewusst. Alle hatten seinen „Kollegen“ Robert Hoyzer, der die DFB-Erstrunden-Begegnung Paderborn-HSV vor 15 Jahren für bare Münze verpfiff, noch im Hinterkopf.

Torchancen gab es in den ersten 45 Minuten wenig, aber auf beiden Seiten. Allerdings ohne Erfolg.
Ein Hoch auf Pollersbeck, der den wenigen echten Chancen mit einigen tollen Paraden den Garaus machte und so eine Führung der Gastgeber in der ersten Halbzeit verhinderte.

In der Kabine sei der Trainer laut geworden, gab ein sichtlich zufriedener Papadopoulus, der sich als Führungsspieler und Motivator, in seinem ersten Spiel nach fast einem Jahr (!) wirklich erstaunlich gut machte, nach dem Spiel bekannt.
Gut so!
Denn nur mit Toren, mehr Kampf und Einsatz war es möglich, sich das nötige Selbstbewusstsein, das in den letzten beiden Spielen zum Sieg gefehlt hatte, zu holen.
Wolfs Worte fruchteten in der 54. Minute, als Lasogga sich mit einem kräftigen Kopfball höher schraubte als die komplette Paderborner Abwehr. Das Tor war der erhoffte Brustlöser. Das Spiel wurde ansehnlicher.
Eigentlich hätte es bereits in der 61. Minute 2:0 stehen können. Allerdings verwehrte Welz dem HSV einen „Kann-Elfmeter“, als Jatta von Strohdiek im 16er zu Fall gebracht wurde.
Der sechste Pokaltreffer von Lasogga, in der 68. war ein tolles Zusammenwirken mit Mangala und ein Sahnetörchen.

Als Lasogga in der 72. Minute den Rasen verließ, ging nicht mehr viel nach vorne. Na gut…der eingewechselte Özcan hätte in der 76. eigentlich noch einnetzen müssen. Narey, inzwischen für Jatta auf dem Platz, hatte das 3:0 in der Nachspielzeit noch auf dem Fuß.
Ganz Hamburg zitterte sich durch die letzten 20 Minuten. Tief in den Knochen hing noch die späte Niederlage gegen Darmstadt…

Deshalb hörte man mit dem Schlußpfiff nach 94 Minuten auch tonnenweise Steine von hanseatischen Herzen plumpsen und große Erleichterung machte sich breit.

Dieser Sieg war sooooo wichtig!
Wichtig für die Mannschaft, die sich hoffentlich ein paar Körner Selbstbewusstsein und Teamgeist für die letzten sieben Spiele in der 2. Liga erarbeiten konnten.
Wichtig für geschundene Fanseelen, die so sehr nach Erfolgserlebnissen dürsten.
Wichtig für den klammen Verein, der mit dem ersten Einzug in ein DFB-Halbfinale nach zehn Jahren, knapp 2,7 Millionen Euro einstreichen kann.
Der HSV darf weiter träumen.
Wobei, sowohl in der Liga als auch im Pokal: die dicksten Brocken kommen noch.

Also lautet das Motto: Nun bloß nicht übermütig werden!
Heute noch mal kräftig freuen und morgen wieder arbeiten.
Nach der Kür kommt am ‪nächsten Montag‬ wieder die Pflicht. Mit einem (erneut) gaaanz wichtigen Spiel gegen Magdeburg.
Ich schließe den Kreis mit dem Eingangssatz: Mannschaftsleistung, Konzentration und so…
(mg)

P.S.: Übrigens gehöre ich nicht zu denen, die nach den beiden Lasogga-Toren jetzt nach einer alternativlosen Vertragsverlängerung unseres Sturmtanks schreie. Aber dazu demnächst mehr.