Hallo lieber Relegationsplatz…

…da sind wir wieder…
Dank Freiburg, die gestern die Gladbacher mit 1:0 abfertigten, stehen wir mal wieder auf Platz 16.
Jedenfalls bis heute Abend, denn dann könnte es passieren, sollte Bremen in Leverkusen punkten, dass wir noch tiefer rutschen.

Es gibt so Tage, da könnte man gut darauf verzichten, eine Spielanalyse der letzten Partie zu verfassen.
Ebenso gut könnte man die 90 Minuten HSV/ Frankfurt aber auch in einem Satz zusammenfassen: Zehn Minuten gut gespielt, 20 Minuten gepennt, den Rest mit Mann und Maus dem Rückstand hinterhergelaufen.
Das wäre allerdings zu einfach.
Denn über das Spiel gestern Abend könnte man auch genauso gut Romane schreiben.

Versuchen wir es mit dem guten, alten Mittelweg.

Werfen wir nur einen Blick auf die Statistik, ohne das Spiel gesehen zu haben und das Ergebnis zu wissen, müssten wir davon ausgehen, dass der HSV glorreich gewonnen hat.

21 zu 10 Torschüsse stehen da zu buche.
Bei fast identischer Laufleistung hatten die Rothosen 64 Prozent Ballbesitz und nur sieben Fouls nötig, während die Frankfurter (insbesondere in der 2. Halbzeit) 26 mal zutraten, festhielten oder umgrätschten.
Für mich war Schiri Gräfe so manches Mal dabei zu sparsam mit Gelben Karten. Insbesondere Kevin Prince Boateng kann sich mehr als glücklich schätzen, nur eine davon gesehen zu haben.
Auch bei den Fehlpässen hielten sich beide Mannschaften die Waage. Von 483 kamen bei den Hamburgern immerhin 359 an. Die Zweikampfquote ist allerdings mit 61 Prozent noch immer locker ausbaubar.
Und doch gingen am Ende die Hessen mit drei Punkten nach Hause.
WIE konnte das passieren?

Es begann doch so positiv.
Im Volkspark sei man inzwischen wieder auf gutem Weg, eine Festung zu werden, hieß es. Die Defensive entwickle sich zum Bollwerk, schrieben die Medien. Die letzten drei Spiele wurden nicht verloren.

Es waren gerade fünf Minuten vergangen, da sollte Scooter schon zum Torjubel aufspielen. Papaaaaa!!!! …netzte einen Ball ein… der vorher im Aus war…
Shit!
Vier Minuten später durften dann Scooter doch noch singen und Papa jubeln.
Der Junge kann nicht nur Grätsche, der kann auch Tor!
In einem Gewimmel aus Heim-und Gastmannschaft schraubte er sich, nach einem Eckball von Hunt nach oben und köpfte den Ball ins kurze Eck. Führung für die Hausherren.

Was nach diesem Erfolgserlebnis in den Köpfen der Spieler geschah, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben.
Die Fans durften sich genau sechs Minuten siegesgewiss fühlen, da träumte Mathenia gemeinsam mit seinen Vorderleuten Mavraj und Walace wohl schon seelig von der Weihnachtsfeier.
Mit den Fingerspitzen lenkte unser Torwart einen Ball von Marius Wolf, aus 13 Metern abgedroschen, ins Netz.
Ausgleich…
In der 24. Minute marschierte Chandler dann, rechts völlig unbedrängt, bis in den Strafraum. Am zweiten Pfosten passte Jung nicht auf, Gacinovic löste sich in seinem Rücken und nahm Chandlers Querpass dankend an.
Aus elf Metern netzte er frei stehend links unten ein, dieses Mal war Mathenia schuldlos.
Nach 36 Minuten holte Gisdol Walace, der wohl einen gebrauchten Tag erwischt hatte, vom Platz und brachte Albin Ekdal, der sofort gut ins Spiel fand.

Mit einer 2:1 Führung im Rücken ging es für die Frankfurter in die Kabine. Die Hamburger hatten Glück, dass das Ergebnis nicht noch zwei, drei Tore höher war. Als „vogelwild“ bezeichnete Heribert Bruchhagen die Spielweise seiner Jungs, in den Minuten nach dem Führungstreffer. Besser kann man es nicht beschreiben.

Gisdol schien in den 15 Minuten Pause allerdings auch die richtigen Worte gefunden zu haben. Denn in den zweiten 45 Minuten brannten unsere Jungs auf dem Rasen ein wahres Feuerwerk ab.
Arp hatte in der 50. Minute den Ausgleich auf dem Fuß.
Unser Dennis, Dieki, Diekmeier schaute in der 54. Minute etwas perplex, als er den Ball, nach einem Pass von Ekdal, ins Netz beförderte.
Nach 197 Bundesligaspielen sein 1. Tor?
Nein. Ein paar Zentimeter Abseits verhindern das Ende seiner Torloszeit.
Keine drei Minuten später hätte Papa fast ein Double feiern können, eine Minute später hatte es Ekdal erneut auf dem Fuß.

Als Gisdol, in der 67. Minute Ito gegen Waldschmidt tauschte, stand es 9:0 Torschüsse für die Hamburger!
Der erste Schuss aufs Tor von Mathenia gelang den Hessen in der 82. Minute!
In der 83. Minute kam dann Sven Schipplock für Mavraj.
Gisdols letzte Patrone zündete jedoch nicht… Naja, wir alle wissen, „saufen bis…“ geht weiter, auch wenn selbst die vier Minuten Nachspielzeit statistisch den Hamburgern gehörten. Es sollte nicht sein.
Der HSV musste sich seinen Gästen geschlagen geben. Ungerecht, aber so isses.

Dabei hätte man schon vorher gewarnt sein müssen. Denn 15 von ihren 22 Punkten holten die Frankfurter auswärts. Naja, inzwischen sind es gar 18 von 25.
18 Punkte, das Wunschziel Heribert Bruchhagens zur Winterpause.
Wäre, wäre, Fahrradkette (frei nach Loddar Matthäus). Denn das ist jetzt nur noch mit einem Sieg, am kommenden Freitag gegen Gladbach möglich.
(mg)

P.S.: Ach ja, und dann waren da ja noch einige Vollhonks auf der Nord, die ihr eigenes Wohnzimmer mit Pyros beschmutzten.
Schönen Dank auch, ihr Vollpfosten. Wir haben es ja!