Fietes Hinrundenrückblick 17/18

Der Bauch tut weh vom vielen Essen, der Rücken vom liegen (ich erwarte von euch jetzt ein mitleidiges oooooohhhhh), es wird Zeit, sich an den Rückblick zu machen.

Hinter uns liegt eine Hinrunde, die viele Fragen offen lässt.

Sie fing gleich mit Druck an.
Pokal in Osnabrück an der Bremer Brücke, wir, der Erstligist, gegen den Drittligisten in Überzahl…. verloren.
Die Bundesliga hatte noch nicht mal begonnen und schon brannte es mal wieder lichterloh beim HSV.
Nun ja, zumindest keine Doppelbelastung mehr…

In den ersten beiden Spielen der Buli gab es Wiedergutmachung.
Wir gewannen gegen Augsburg und Köln, allerdings ohne wirklich zu überzeugen.
Im Heimspiel gegen Augsburg gelang Nicolai Müller nach 8 Minuten das 1:0. Er jubelte, und das war es dann für ihn, mindestens bis April 2018.

Im nächsten Spiel verletzte sich Hunt, Mavraj musste mit Gelb-Rot runter und wir gewannen trotzdem.
Diese beiden Spiele waren ein bisschen was Besonderes, denn sie waren die einzigen, die noch mit der Taktik der Vorsaison gespielt wurden.
In den folgenden Partien haben wir es dann weniger mit Bolzen, sondern mehr mit Fußball versucht.

Im darauffolgenden Heimspiel gegen Leipzig haben wir noch Kostic und van Drongelen verletzungsbedingt verloren. Van Drogelen hatte zuvor einige sehr gute Spiele als LV gemacht.
Im Grunde haben wir gegen Leipzig gut mitgehalten, aber durch eine Unaufmerksamkeit unserer Abwehr gelang Keita das 0:1, der Anfang der Niederlage.

Gegen Hannover mussten wir ohne vier Stammspieler ran, weil Bobby sich in der Zwischenzeit auch verletzt hatte.
Vorne mit zwei Stürmern, die Schipplock und Jatta hießen.
Holtby und Hahn auf den Aussen. Das erschwerte es gewaltig. Trotzdem wären Punkte möglich gewesen.
Beide Gegentore fielen über unsere linke Seite, wo Santos ein nicht besonders gutes Spiel machte.
„Funfakt“: Für den verletzten Felipe (der immer für nen Bock gut ist) wurde von Hannover der frisch von Düsseldorf verpflichtete Bebou eingewechselt, der seine gute Leistung mit einem Tor krönte.
Ich hätte ihn gerne als Ersatz für Müller gesehen, den man nach seinem Knieschaden noch hätte verpflichten können.
Aber uns fehlte dafür anscheinend das Geld.

Gegen Dortmund und Leverkusen spielten wir nicht schlecht, verloren aber trotzdem jeweils mit 3:0.

Das Heimspiel gegen Bremen ging 0:0 aus, wir schafften es einfach nicht, uns gegen tiefstehende Bremer Chancen zu erarbeiten.
Wir waren fast das gesamte Spiel am Drücker, bekamen aber den Ball nicht ins Tor.
Der junge Ito stand in der Startelf und wusste zu begeistern. Nach gut 50 Minuten musste er runter. Für ihn kam Holtby, der völlig von der Rolle war. Ich glaube, das war das schlechteste Spiel von ihm, im HSV-Dress.
In den Schlußminuten hatte der junge Fiete Arp sein Bundesligadebüt.

Auswärts gegen Mainz, waren wir erneut die bessere Mannschaft, schossen zwei schön herausgespielte Tore und verloren trotzdem, durch drei individuelle Fehler. Bitter! Oder soll ich lieber dämlich sagen?

Gegen Bayern gut mitgehalten, die Bayern durften sich beim Schiri wieder mal alles erlauben (besonders Vidal), bei uns fliegt Jung wegen einer Kleinigkeit mit Rot vom Platz.
Ein gutes Spiel, mal wieder ein Lob vom Gegner, aber kein einziger Punkt in Sicht.

Berlin, Berlin, wir fuhren nach Berlin. Und wie immer ohne Punkte zurück.
Wieder waren wir eigentlich die bessere Mannschaft, kassierten aber zwei identische Eckballgegentore, weil wir schlicht weg pennten.
Beide Male stieg ein Berliner unbehelligt in einer Traube Hamburger Spieler hoch und nickte das Ding ins lange Eck.
Im Stadion war ich bedient. Als ich das Spiel relive gesehen hab, war ich richtig angepisst. In unserer Situation sollten wir tunlichst in jedem Spiel 90 Minuten lang wach sein.

Danach folgten drei gute Spiele, von denen wir zwei gewonnen haben. Hoffnung auf ein versöhnliches Hinrundenende machte sich breit.

Und als man dachte, wir fahren mit Schwung in den Breisgau, mauerten wir uns gegen Freiburg ein. Die Devise war „Unentschieden reicht“ und es wurde auch nur ein Unentschieden.

Danach ermauerte sich Wolfsburg ein Unentschieden gegen uns.
Diese Truppe, die so gespickt mit herausragenden Einzelkönnern ist, mußte gegen den HSV mauern. Den Trainerwechsel haben sie schon hinter sich gebracht, ich vermute, es war nicht der letzte.

Englische Woche mit Partien gegen die Eintracht und Gladbach.
Beide Spiele waren gut. Aber wieder machten wir uns das Leben selber schwer und beendeten die Hinrunde mit einem Punkt aus drei Spielen.
Nicht nur ich hätte wohl eher mit vier, ev sogar sieben Punkten gerechnet.
Ein lausiger Punkt gegen schlechte Wolfsburger und damit berechtigterweise nur Platz 17.
Hätten wir zumindest das Spiel gegen Wolfsburg gewonnen, dann wären wir mit 17 Punkten auf Platz 16, punktgleich mit dem 13. Platz.
Für die Psyche wäre das enorm wichtig gewesen.
Aber wie geschrieben, es wären in dieser Hinrunde auch noch deutlich mehr Punkte möglich gewesen. Ich will nicht übertreiben, aber wir hätten mindestens mit 20 Punkten in die Pause gehen müssen, mindestens!

Erneut verkackten wir die Spiele gegen unsere direkten Tabellennachbarn und wieder mal verkackten wir die englischen Wochen.

Ja, wir spielen endlich Fußball, mehr Fußball als in den Jahren zuvor, aber wir gewinnen nicht.
Und das macht mich etwas ratlos, das belastet mich.
Wir schaffen es nicht, unseren Fußball in Punkte umzumünzen.
Ok, da sind wir in dieser bekloppten Bundesliga nicht die einzigen. Tendenziell stehen die Mannschaften besser da, die es gar nicht erst versuchen, Fußball zu spielen, sondern nur gegen den Ball arbeiten. Aber das kann es doch nicht sein.

Kommen wir zum Ausblick:
Brauchen wir Verstärkungen? Das Konto sagt nein, das Spiel sagt ja.
Das Konto können wir nur ausgleichen, wenn wir endlich mal mit dem eingeplanten Geld auskommen. Zudem muss realistischer geplant werden und nicht mit Platz 8, wie in der Vorsaison.
Schaffen wir unsere sportlich gesetzten Ziele mit diesem Kader? Das ist die entscheidende Frage.

Ich denke, wir können zumindest den Klassenerhalt ohne Neuverpflichtungen packen.
Platz 12, wie geplant, wird schon schwieriger, nachdem wir zu viele Punkte einfach hergeschenkt haben.
Wenn wir neue Spieler holen sollten, dann gibt es zwei Möglichkeiten, die ich akzeptabel (aber auch nur das) finde.
Die erste Möglichkeit wäre, Kühne gibt weiteres Geld und wir holen für die Zentrale eine Verstärkung.
Wir brauchen dort Spieler die es schaffen, unsere Offensive so in Position zu bringen, daß sie klare Abschlüsse tätigen können.
Uns mangelt es an klaren Torchancen.
Wir schießen statistisch gesehen oft genug aufs Tor, aber nur in Situationen, in denen unser Stürmer unter Druck stehen.
Es fehlt Kreativität im Mittelfeld.
Es ist nicht nur der letzte Pass, der fehlt.
Es ist auch sehr oft der Spielaufbau, die gute Idee, wie man den jeweiligen Gegner knacken kann.
Und uns fehlen Spieler, die passsicher sind, deren Pässe ankommen, die auch erahnen können, wo der Mitspieler hinläuft und dadurch das Spiel ein wenig von der Statik nehmen, um es in Fluss zu bringen.
Aber so ein Spieler kostet.
Zweite Möglichkeit wäre, wir ziehen einen geplanten Transfer vor.
Nehmen wir mal an, wir suchen einen guten 8er/10er, der Hunt und Holtby ersetzen soll, deren Verträge im Sommer auslaufen.
Würde man diesen Ersatz jetzt schon verpflichten, dann könnte er uns in der Rückrunde helfen.

Wir haben gute und sehr gute junge Talente. Sie werden von uns gut ausgebildet. Aber wir sollten wissen, sie sind nicht die Spieler, die uns den Kopf retten.
Das können sie nicht leisten, auch nicht, wenn sie Fiete Arp heißen. Wir müssen dringendst zusehen, daß wir die Mannschaft in ruhige erfolgreiche Bahnen lenken. Dann, und nur dann haben die Spieler die Chance, bei uns zu reifen, nur so können wir sie auch länger halten.
Erfolgreich heißt für uns, einen relativ sicheren Mittelfeldplatz zu ergattern.
Kämpfen wir die gesamte Zeit nur um den Klassenerhalt, müssen wir ev wieder von unserer spielerischen Linie weg, um die Klasse mit Kampf zu halten.
Aber, darüber müssen wir uns im Klaren sein, dann ist Fiete im Sommer weg. Und wir können ihm nicht mal böse sein!

Nur mit Talenten geht es nicht. Wir brauchen ein Gerüst von guten Spielern, an denen sich der Rest der Mannschaft orientieren kann.
Und dieses Gerüst, ist es erstmal aufgebaut, gilt es auch über längere Zeit mal zu halten.
Das ist enorm wichtig!
Von daher ist eine Verlängerung mit Dennis zB auch sehr wünschenswert. Und auch sonst müssen wir mit einigen Spielern, wie zB Jung, langfristig planen.
Spieler, die wir länger halten können, die auch die DNA der Mannschaft mit prägen können.
Einen Ekdal würde ich auch gerne dabei sehen, wenn er auch immer wieder mit Verletzungen zu tun hat, und Papa gehört für mich dazu.
Alles keine Spitzenspieler, die würde man uns eh wegkaufen, aber Spieler, die Beständigkeit in die Mannschaft bringen.
Nach Dennis ist Gideon Jung der „zweit-dienstälteste“ Spieler der Mannschaft, dabei ist er gerade mal dreieinhalb Jahre im Verein.
Eine richtige Basis fehlt uns im Moment total.

Wie gesagt, die Mischung macht es.
Nicht nur junge Spieler, sondern auch erfahrene, nicht nur Führungsspieler, sondern auch Mitläufer, nicht nur solide Arbeiter, sondern auch kreative Köpfe…
Aber die gesamte Mannschaft muß einen gemeinsamen Guss haben, zu einer Einheit zusammenwachsen.
Wo die „DNA“ beim HSV liegt, kann ich momentan nicht erkennen. Hmm, das klingt jetzt negativ. Ist aber nicht so negativ gemeint. Wir sind im Wandel und ich weiß nicht, wohin der Weg des Trainers uns bringt, wo der Weg letztlich enden soll, wo die Zukunft ist. Ich bin aber sicher, der Trainer weiß es und hat einen Plan für unsere „DNA“.

Immerhin ist sie näher an der Realität orientiert, als das, was Beiersdorfer dem HSV einimpfen wollte.
Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen.
Zumindest hoffe und erwarte ich es von der jetzigen Führung. Nicht wieder mit Gewalt versuchen, einige Schritte zu überspringen und dabei auf die Schnauze fallen.

Ich sprach vorhin die Passgenauigkeiten bei unseren Spielern an.
Ich bin dafür, wir investieren 2 Mio in einen „Skills Lab“ (das in Deutschland bekannteste ist der „Footbonaut“).
Ein „Werkzeug“, von dem man keine Wunder erwarten darf, aber das das Paßspiel verbessern würde und von allen Mannschaften im Verein genutzt werden kann.
Also auch die Jugend würde davon profitieren. Und soviel ich weiß, steht so ein Teil bei Peters auch auf der Wunschliste.
Zwei Millionen ist ne Menge Geld, aber ein Spieler, der gewisse bessere Qualität im Paßspiel mitbringt, kostet auch locker mal zwei Millionen mehr, ein Jugendspieler, der irgendwann mal ne höhere Ablöse bringt … ich denke, das könnte sich rechnen. Denn die Passgenauigkeit ist bei uns ein großes Manko.
Schaffen wir nur 3-4% mehr an den richtigen Mann zu bringen, dann wäre das schon ne ganze Menge. Denn da könnte dann der entscheidene Pass dabei sein, bzw der entscheidene Fehlpass verhindert werden.

Aber das ist Zukunftsmusik. Im Moment gilt es, die Rückrunde deutlich besser zu gestalten.
Ein Sieg gegen Augsburg wäre nicht schlecht.
Gegen Köln nachlegen, dann würden wir wieder etwas ruhiger agieren können.
Das momentan „gute“ aber unerfolgreiche Spiel, ist gefährlich.
Und wir sollten zusehen, daß wir in der Rückrunde gegen Frankfurt relativ safe sind, so daß wir nicht im Heimspiel gegen Gladbach zittern müssen, womöglich noch auf Schützenhilfe angewiesen sind.
Es ist ruhig im Verein.
Teilweise ist es mir auch zu ruhig.
Aber Gisdol hat sich schon den Frust von der Seele geredet. Und das macht Hoffnung. Denn das bedeutet, dass man sich der Gefahr bewusst ist.
Hoffentlich können sich unsere Spieler auch ohne den gnadenlosen Druck des Existenzkampfes aus dem Keller befreien.

Ich wünsche uns allen eine schöne ruhige erfolgreiche Rückrunde, euer Fiete

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