Eine Frage bleibt offen

Herrlich! Es gibt einen Vorstandsvorsitzenden eines großen, norddeutschen Fußballvereines, der eine ganze Runde von Journalisten außer Gefecht setzt.
Mit Schweigen!
Und dieser Vorstandsvorsitzende trägt die Raute im Herzen und gehört zum HSV. Wie erfrischend anders.
Mit einem Schmunzeln habe ich mir gerade das „Interview“ von Heribert Bruchhagen, beim gestrigen Doppelpass angesehen. Nach der Feststellung, dass die ewig selben Fragen nach Kühne und Gisdol ihn „ermüden“, hat er anschließend großartig mit Schweigen gepunktet. „Es ist von meiner Seite aus alles gesagt.“ Punkt.
Vielleicht ist keiner der „Experten“ drauf gekommen mal zu fragen, ob es gerade nach dem Spiel gegen die Bayern nicht einfach ziemlich doof wäre, den Trainer infrage zu stellen. Vielleicht sind sie aber auch schon auf Krawall gebürstet ins Studio gekommen, weil das ja Quote bringt, immer und immer wieder auf den HSV einzuprügeln. Vielleicht ist ihnen aber auch nichts Besseres eingefallen.
Ich gehe mal von Letzterem aus, weil es an der Leistung der Mannschaft am Samstag einfach mal nicht viel auszusetzen gab.

Als eine gute Stunde vor Beginn des abendlichen Topspieles die Mannschaftsaufstellung rausging, schaute ich ein wenig verwundert darauf. Gisdol mischte Beton an und stellte mit Diekmeier, Mavraj, Papa, van Drongelen, Jung, Santos und Sakai eine kompakte 7-er Defensivkette vor die Offensivabteilung.
90 Minuten zerstörerisches Abwehrspiel? Das, so dachte ich, kann nicht gut gehen.
Nun sieht man ja meist schon in den ersten fünf Minuten, wohin die Spielreise des HSV jeweils geht.
Und so war ich denn auch nach dieser Zeit bereits positiv eines Besseren belehrt.
Mit einem frühen Gegenpressing trumpften die Hanseaten gegen überraschte Bayern auf.

Abteilung Sturm, mit Hunt, Hahn und Wood wurde dabei auch aus der eigenen Defensive immer wieder unterstützt. Diekmeier und auch Santos gingen über außen mit nach vorne und versuchten, die Murmel in den gegnerischen 16er zu bekommen. Und so hätte es auch in der 3. Minute im Ulreichschen Tor schon klingeln können. Leider landete Hahns Nachschuss direkt in Ulreichs Armen.
Bereits in der 7. Minute hätte es das erste Gelb für die Bayern geben müssen, als Tolisso unsauber gegen Wood arbeitete. Die Pfeife des Schiris blieb aber stumm.
Die Bayern überwanden ihre Überraschung und wurden mobiler, blieben im Abschluss aber erfolglos.
Kämpferisch ist dem HSV überhaupt kein Vorwurf zu machen. In dem hart geführten Duell gegen den Rekordmeister gewinnen sie 53 Prozent der Zweikämpfe. Da nutzen auch 73 Prozent Ballbesitz der Telekom-Truppe nichts. Leider will es mit weiteren, guten Torchancen unserer Jungs aber auch nicht so wirklich klappen.

In der 39. Minute dann die Szene, die ganz Fußballdeutschland noch heute beschäftigt. Im Mittelfeld rutscht Jung Coman mit Anlauf in die Beine, verfehlt den Ball um Milisekunden und sieht für diese Aktion Rot.
Gerade Jung, der im gesamten Spiel eher unauffällig (aber effektiv) seiner Aufgabe nachkam! Leute, Leute, da gab es schon andere Szenen, die rotverdächtiger waren! Wie wäre es zum Beispiel mit dem Ellenbogencheck von Vidal an Hahn, in der 17. Minute? Das ist dem Schiri nicht mal eine Gelbe wert!
Mindestens so geschockt wie die Fans ist Jung selber, der sich nach dem Spiel, mit einer großartigen Geste noch bei Coman entschuldigt.

Zu Zehnt gegen die Bayern. Über eine Halbzeit lang. Man mag sich denken, was die meisten von uns erwarteten.
Mit 0:0 geht es in die Pause, aus der die Bayern aggressiver rauskommen. Nach sieben Minuten Spiel auf ein Tor fällt es. Das 1:0 für die Gäste. Eine kurze Unaufmerksamkeit in der Innenabwehr gibt Müller die Chance, zum ungedeckten Tolisso zu passen, der seine Chance eiskalt nutzt.
In der 54. Minute grätscht Süle Sakai im 16er aus dem Weg. Aber es ist ja der HSV, also: kein Elfmeter…

Wer jetzt dachte, Hamburgs Trainer würde sich mit der knappen Niederlage zufriedengeben, der sah sich getäuscht. Er wechselte offensiv Holtby gegen Hunt.
In der 76. Minute kommen Kostic und Ito für Hahn und van Drongelen.
Respekt Herr Gisdol! Das nenne ich mal mutig.
Aber im Nachhinein eine gute Entscheidung. Beide Spieler bringen nochmal Schwung ins Spiel der Rothosen, die wahrlich nicht nur zerstören, sondern lieber punkten wollen. Leider klappt das nicht mehr.

Nach 93 Minuten pfeift der Schiri ab. Ein gutes Spiel unserer Jungs, bei dem Einsatz, Wille und Kampf stimmten. Leider hat man es wieder nicht geschafft, sich mit einem Tor zu belohnen.
Das Team hat mit einer Gesamtleistung jedoch Schlimmeres verhindert und hätte ein Unentschieden durchaus verdient.
Eine Frage jedoch bleibt unbeantwortet (also außer die von Bruchhagen zum Thema Gisdol 😉) WARUM nicht öfter so?
Mit der gezeigten Spiellust und dieser Einstellung hätte man es locker gegen Mainz oder Hannover schaffen können!
Womit wir wieder im Konjunktiv wären, von dem auch Gisdol langsam genug haben dürfte. Es müssen Punkte her! Am besten gleich am kommenden Wochenende in Berlin!
(mg)
P.S.: ein dickes Lob gebührt auch dem 12. Mann. Die Fans haben unsere Jungs nach vorne gepuscht und mit lautem Applaus jede gute Aktion belohnt. Auch die vom vielgescholtenen Mathenia, der ein sauberes Spiel ablieferte.

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