Doll im Volkspark?

Heute Morgen, um 9.20h, soll es soweit gewesen sein: Thomas Doll wurde am Volkspark gesichtet.

Das Problem daran?

Diese Aussage stammt aus einer FB-Gruppe.

Sie ist weder belegt, noch bestätigt.

Ob sich da jemand einen Scherz gemacht hat, bleibt wohl das Geheimnis desjenigen, der diesen Post abgesetzt hat.

Ich schätze mal, wäre an diesem Umstand wirklich etwas dran, die Zeitung mit den vier Buchstaben hätte bereits (verschwommene) Fotos gemacht und die wildesten Expertenkommentare eingesammelt.

Fakt ist aber, die Medien, die Christian Titz seit Wochen aus seinem Job schreiben wollen, haben es zumindest geschafft, erneut einen Keil in die Fangemeinde zu treiben.

Nach dem zugegebenen schmalen Null-zu-Null-Mahl gegen Bochum, das gestern im Volkspark gereicht wurde, werden die Rufe nach einem neuen Übungsleiter lauter.

Gehen wir das doch mal in Ruhe durch.

Seit Frank Pagelsdorf 2001 das Ruder aus der Hand gegeben hat, gaben sich 22 Übungsleiter, teils mehrfach, die Klinke in die Hand.

Das zeigte mal mehr, mal weniger Wirkung. Kurzfristigen Verbesserungen folgten mit schöner Regelmäßigkeit Rückfälle in „alte Grottenkickzeiten“ und führten somit zur Unzufriedenheit aller Beteiligten.

Die Trainer gingen, die Spieler blieben. Wo es uns letztendlich hingeführt hat, wissen wir alle.

Der HSV ist so klamm wie nie. Monströse Spieler-und SpoDi-Verträge sowie Wechsel in der Führungsetage trugen erheblich dazu bei. Aber nicht nur die:

Nach einer Hochrechnung der „Welt“ liegen die Abfindungen für alle entlassenen Mitarbeiter der letzten zehn Jahre bei insgesamt 18 Millionen Euro (bis 2017). Hierbei bleiben die laufenden Gehaltszahlungen für aktuell beurlaubte Trainer noch unberücksichtigt.

Nun sollte man ja sicher nicht an einem Vertrag festhalten, „nur“ um Kohle zu sparen. Aber seien wir mal ganz ehrlich, WAS erwarten wir eigentlich von einem erneuten Trainerwechsel (außer, dass er wieder Geld kostet, das wir nicht haben)?

Er macht die Mannschaft um kein Jahr älter.

Er ändert nichts an den vorhandenen individuellen Stärken oder Schwächen einzelner Spieler.

Er wird eine Systemumstellung bedeuten, die Zeit zum Einspielen braucht, die wir nicht haben.

Er wird keinen Druck von den Spielern nehmen. Im Gegenteil!

Der HSV ist in seiner eigenen Vita gefangen.

Die vielen Fehler der Vergangenheit fallen uns auf die Füße.

Abgestiegen, mit dem Stempel „sofortiger Aufstieg“ auf der Stirn.

Und zwar auf JEDER Stirn!

Auf der vom VV Bernd Hoffmann, der zum Erfolg verdammt ist, weil ihn viele gerne sofort wieder in der Abfindungskiste wiederfinden würden.

Auf der vom SpoDi Becker, der von vielen die Schuld am Ausscheiden von Peters geben und seine Transferbilanz, somit die Qualität des Kaders infrage stellen.

Auf der von Christian Titz, der, als Cheftrainer einer Profimannschaft noch genauso „grün hinter den Ohren“, mit seinem Trainerteam eine Taktik spielen lässt, die anspruchsvoll ist und damit Konzentration über 90+ Minuten fordert. Da diese oft fehlt, fehlen auch einige Punkte auf der Habenseite.

Auf der Stirn aller Spielern, die bei jedem Anpfiff wissen, dass nur Siege zählen.

Und last but not least auf der der meisten Fans, die nach Jahren Abstiegskampf lechzen nach Torjubel, nach besserem Fußball.

Und so groß der Segen dieser Fans auch als Unterstützung gebraucht und gewollt ist, so sehr hemmt er anscheinend, wenn die Rothosen im eigenen Stadion, vor dieser erwartungsvollen Kulisse auflaufen.

Kontraproduktiv ist es zudem, wenn lange vor dem Spielende Pfiffe von den Tribünen kommen.

Ganze zwei von sechs Spielen konnten die Hanseaten in der laufenden Saison zuhause gewinnen. Zehn von 14 Gegentoren kassierten sie hier.

Dem entgegen stehen in der Auswärtsbilanz aus fünf Spielen vier Siege mit 11:4 Toren.

Untermauert wird diese meine These durch das Auftreten, das die Mannschaft auch gestern wieder zeigte.

Ängstlich in den Zweikämpfen, viel Bewegungs-, ja fast ideenlose Hilflosigkeit im Spielaufbau und zu harmlos im Abschluss. Es fehlte am letzten Biss, am letzten Willen.

Bei einer Flankenquote von unter 16 Prozent wäre jeder Lasogga in der Startelf, im Strafraum verhungert.

Bei den Leitwölfen Holtby und Hunt, ist man immer abhängig von deren Tagesform, die gegen Bochum mal wieder unter dem Durchschnitt lag.

Zu viele Ballverluste in den eigenen Reihen drückten dem Spiel letztendlich den Stempel auf.

Die meisten Gegner des HSV machen es sich einfach. Mit zwei Viererketten wird jeder Vorstoß im Keim erstickt. Dazu kommt, dass ein Ito seit Wochen seiner Form hinterherläuft und Hwang auf der anderen Seite einen leicht überspielten Eindruck macht.

Wobei…ich verstehe nicht, warum man einen Narey nach vorne beordert, nachdem er rechts einen größeren Wohlfühlfaktor zu haben scheint.

Vom Trainingslager weiß ich, dass Titz sehr wohl am kreativen Spiel durch die Mitte und auch über außen gefeilt hat. Es liegt also nicht am Trainer. Es liegt an der Ausführung. Pollersbecks Liberodasein hat sich inzwischen ebenso reduziert. Den Gegnern ist es schlicht egal, wie oft man sich den Ball hinten untereinander hin-und herschiebt. Man wartet einfach ab, bis der HSV Fahrt aufnimmt und sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Ball im Mittelfeld, spätestens vor dem 16er, abluchsen lässt. Da die Jungs, wie oben bereits erwähnt, sich dann auch noch unsicher im Abschluss zeigen, fährt man lustig, mit einem Punkt im Gepäck (der den meisten gegen den HSV reicht) wieder nach Hause.

Für mich ist das Spiel gegen Köln, am 5. November, wegweisend. Denn auch Köln steht unter dem Druck der Aufstiegserwartung.

Um den Kreis zu schließen: Titz muss in die Köpfe der Jungs, muss sich der Unterstützung vom Team und der Führungsriege sicher sein und insbesondere am Knacken der stets auf die Mannschaft wartenden Viererketten arbeiten.

Denn DOLL war das gestern wirklich nicht.

Der darf übrigens immer wieder gerne in den Volkspark kommen.

Als  Zuschauer…

(mg)