Die Dinos treten ab und der Vorstand muss jetzt liefern

Einige waren gekommen, um Jürgen Hunke scheitern und Marcell Jansen siegen zu sehen oder dafür zu sorgen, dass die 24,9% – Anleihenveräußerung in der Satzung verankert und somit ein weiterer Verkauf von Anteilen ausgeschlossen wird. Andere wiederum saßen auf den wenig bequemen Stühlen in der Arena in Wilhelmsburg solange, bis die Fernwahlanträge mal wieder ins Nirwana befördert waren.

Leute, Leute. Mit dieser Mitgliederversammlung ist der HSV ein Stück weit in dunkle Zeiten zurückgetaucht. Damals, als in jedem Jahr bis in die späten Abendstunden debattiert und diskutiert wurde.
Damals, als sich unwichtige Menschen plötzlich wichtig fühlten, die Geschicke des Vereines fast ausschließlich in den Händen der Mitglieder lag und damals, als wir wohl der einzige Verein waren, der sich bemüßigt fühlte, eine zweite ordentliche MV im Jahr einzuberufen, weil ansonsten eine Übernachtung am Austragungsort hätte angesagt werden müssen.

Und damals, als bereits mehrere Fernwahl-Anträge, unter großem Getöse abgelehnt wurden, da sich viele stimmberechtigte Mitglieder bereits auf dem Heimweg befanden. Befinden MUSSTEN, weil der letzte Zug, die letzte Fähre oder das letzte Flugzeug startete.
Für mich ist und bleibt dieser Tagesordnungspunkt ein Makel, der wie eine dicke schwarze, tote Fliege auf allen Protokollen liegt. Die erneute Ablehnung ist (sorry) ein Arschtritt. Ausgeteilt an alle Mitglieder, die nicht aus Hamburg oder Umgebung kommen.

In Zeiten von Livestreams, Online-Abstimmungen und Briefwahlmöglichkeiten dem Verein nicht mal die Möglichkeit zu geben, verschiedene Modelle zu PRÜFEN, um danach sachlich darüber zu diskutieren, ist für mich ein No-Go!

Schade in dem Zusammenhang war wirklich, dass fast 1000 Leute, bereits nach der Präsidentenwahl fast fluchtartig den Saal verließen.
Ebenso schade aber auch, dass die Fernwahlanträge wieder mal erst ganz am Schluss der MV, nämlich nach neuneinhalb Stunden (!) auf der Agenda erschienen.
Ernsthaft, wer nach dieser Zeit noch 100%ig aufnahmefähig ist, der ist Sitzungsmarathons entweder gewohnt oder hat die Hälfte der Zeit nicht aufmerksam zugehört.

Ich weiß, dass eine Diskussion über dieses Thema so gut wie aussichtslos ist. Die Pro-und Contraseiten sind verhärtet.
Für mich ist und bleibt die Ablehnung das letzte Machtspielchen der Ewig-Gestrigen. Wenn man ihnen, durch HSVplus schon so viel an Entscheidungsbefugnissen abgenommen hat, dann wollen sie wenigstens vermeiden, auch noch das letzte Quentchen zu verlieren. Hamburger stimmen für Hamburg. So und nicht anders.

Lasst uns eine Gruppe bilden, mit Leuten, die sich im Satzungsrecht auskennen (für die richtige Formulierung) und die wissen, wie man auf der nächsten Sitzung diesen TOP ganz nach oben bringt!
Denn ehrlich: mir ist es langsam müßig, jedes Jahr aufs Neue stundenlang auf etwas zu warten, was aus formalen oder anderen Gründen anschließend abgelehnt wird. Zudem wird es immer schwieriger, die Mitglieder von außerhalb in Scharen zu motivieren, genau dieses Vorhaben durch ihre Stimme zu unterstützen. Meine Meinung!

Was war noch?
Dass Marcell nun unser Präsi ist und Jürgen Hunke schauspielreif erst Zeit stahl und dann Ralph Hartmann mit seinem Rückzug puschen wollte, wissen inzwischen alle.
Für mich ein durchschaubarer Akt, den es wirklich nicht gebraucht hätte und Hartmann, der eine wirklich gute Rede hielt, wohl auch Stimmen gekostet haben mag.

Gut, dass der unsägliche Antrag auf Abwahl des „Restpräsidiums“ Schäfer, Schulz krachend gescheitert ist und Mike Schwerdtfeger ab sofort Jan Wendt im Beirat ablöst. Zu viele Internas sind in den letzten Wochen wieder ex-statt intern aufgeploppt und die Auswahl der Kandidaten für das Präsidentenamt war alles andere als transparent oder nachvollziehbar.
Ich begrüße auch die Wahl von Patrick Ehlers im Beirat und dass Peter Gottschalk NICHT im neuen Ehrenrat sitzt.
Gemeinsam mit Jürgen Hunke haben sich damit wohl zwei weitere „Dinos“ hoffentlich von der öffentlichen Bühne verabschiedet und einer neuen Generation, mit dem jüngsten Präsidenten der Vereinsgeschichte, die Tür geöffnet.

Der muss jetzt, gemeinsam mit dem Vorstand der AG aber auch liefern.
Man sagt Jansen eine Nähe zum Vv Hoffmann nach. Sollte Thomas Schulz dauerhaft in den AR nachrücken, sind die Wellen des ehemaligen Haifischbeckens AG sehr glatt.

Auf mich machte zudem das Gespann Schäfer, Schulz und auch Wettstein einen harmonischen Eindruck.
Und auch wenn viele jetzt sicherlich mit dem Einwand kommen, dass man mit den vorgelegten Zahlen und Wortbeiträgen des Finanzvorstandes versucht habe, die Mitglieder zu beruhigen, so frage ich mich auf der anderen Seite: wäre es besser, man hätte uns mit einem kurzfristig nicht zu ändernden Horrorszenarion nach Hause geschickt?

Es wurde viel versprochen, nun muss hart und am besten erfolgreich gearbeitet werden.

Dafür die Fananleihe erneut aufzulegen halte ich persönlich für alles andere als verwerflich. Es ist durchaus üblich, dass sich angeschlagene Unternehmen damit behelfen. Und nichts anderes ist unser HSV: ein Unternehmen und angeschlagen.
Durch jahrelange Misswirtschaft, die die aktuell amtierenden Mitglieder von der Schieflage wieder in die Senkrechte bringen müssen.

Aber auch hier war es am Wochenende wie anderswo üblich: der Überbringer der schlechten Nachrichten wird an den Pranger gestellt. Jeder sollte mal darüber nachdenken, dass verschiedene Mächte jahrelang an diesem langsamen Sinken des HSV-Schiffes „gearbeitet“ haben.
Dass für einen dringend notwendigen Aufstieg gerade auch die Mannschaft ihr Scherflein hinzufügen muss, wissen die Jungs hoffentlich genau.
Denn nur alle gemeinsam werden wir das Unmögliche möglich machen!

Diese Gemeinsamkeit herzustellen und damit konstruktiv zu arbeiten, dafür steht seit Samstag auch Marcell Jansen, dem wir BlogPerlen an dieser Stelle alles Gute für seine Amtszeit wünschen.
(mg)