Der typische Reflex der HSV Fans

Gestern haben wir in Ingolstadt verloren. Vor dem Spiel war ich überzeugt, dass wir als Sieger vom Platz gehen werden. Bis zum 0-1 war es von beiden Seiten ein sehr bescheidenes Bundesligaspiel.
Aber ich war überzeugt, dass wir das Spiel im Griff haben.
Auch nach dem glücklichen 0-1 für Ingolstadt sah ich keinen Grund, nervös zu werden. Erst nach dem wiederum glücklichen 0-2, durch einen abgefälschten Freistoss, musste ich meine Meinung korrigieren.
Das waren 2 Tore zu viel.
Aber solche Spiele passieren.
Was allerdings nicht passieren sollte ist, dass sich die Mannschaft aufgibt und keine wirkliche Einstellung an den Tag legt.
Aber auch das kann leider passieren.
Also: Abhaken, in Gisdol und sein Team vertrauen und machen lassen.
Das ist meine persönliche Meinung und meine Aufarbeitung zum Spiel in Ingolstadt.

Leider stehe ich mit meiner Meinung scheinbar ziemlich alleine da. In den sozialen Medien gibt es viele, viele Reaktionen. Gisdol raus, Mannschaft raus, Todt bekommt nichts auf die Reihe, Holtby raus, Diekmeier darf nie wieder spielen… Diese Aufzählung könnte ich noch weiter ausführen. Hab ich aber keine Lust zu. Es ist einfach ermüdend.
Auch wird sehr häufig geschrieben, die Mannschaft hätte keinen Charakter. Die Spieler würden sich zu sehr mit ihren eigenen sozialen Medien beschäftigen, anstatt sich auf ihren Job zu konzentrieren und so weiter und so fort.
Echt jetzt? Ist das euer Ernst?
Glaubt jemand ernsthaft, dass die Spieler nur das im Kopf haben? Es ist doch in den meisten Fällen so, dass die Spieler ein Management haben und die diese ganzen Posts vorbereiten. Es gehört heutzutage halt zum „Geschäft“ dazu. Das ist doch bei anderen Vereinen auch so.
Ich vergleiche die Spieler beim HSV und auch anderen Vereinen gerne mit einer Schulklasse. Schüler gehen in ihren 10-13 Jahren jeden Tag zu ihrem Job.
Ihr Job ist die Schule. Dort wird ihnen gezeigt wie man zB rechnet.
Vor der Klasse steht ein Lehrer, der dafür sorgt, dass die Klasse funktioniert und möglichst auf ein Level kommt.
Schüler, die nicht mitkommen, müssen die Klasse wiederholen oder wenn sie sehr gut sind, können sie sogar eine Klasse überspringen.
In den Pausen werden die Schulhöfe kontrolliert, dass sich alle den Regeln dementsprechend benehmen. Es gibt in einer Schule neben den Schülern ein ganzes Team: Lehrer, Sekretärinnen, Direktoren, Reinigungspersonal, Hausmeister usw. Wenn das Team gut ist, werden auch die Schüler immer besser.

Was hat das mit dem HSV zu tun?
Man kann es eigentlich 1 zu 1 kopieren:
Schüler = Fussballer, Lehrer = Trainer, Reinigungspersonal = Ärzte, Zeugwart, Direktoren = Sportdirektor, Teammanager usw.
Auch beim HSV und in jeder anderen Mannschaft gilt: Wenn das Team passt, die Regeln eingehalten werden, dann werden die Klassen = Mannschaft besser.
In den vergangenen 10 Jahren wurden alle Spieler, alle Trainer usw. ausgetauscht. Die Trainer, Manager, Direktoren usw. haben jeweils ihre eigenenRegeln mitgebracht. Es wurde immer wieder was erneuert.
Beim HSV wurden ganz frisch der Sportdirektor (Beiersdorfer) und der Vorstandsvorsitzende (Beiersdorfer) ausgetauscht. Also wieder neue Regeln…

Jetzt werden die Kommis kommen: Das sind alles Profis. Die sollen ihren Job machen. Usw.
Natürlich ist das ihr Job. Ich glaube, dass 90-95% aller Spieler ihren Job auch ernst nehmen.
Auch sie wollen immer besser und besser werden. Sie wollen erfolgreich sein. Ihre Spiele gewinnen. Glaubt ernsthaft jemand daran, dass die Spieler geil darauf sind, wieder auf einem direkten Abstiegsplatz zu stehen?
Was sollen sie tun? Weiterhin als Selbstschutz kaum Zeitung lesen? Lieber zuhause bleiben anstatt sich draussen anpöbeln zu lassen?
Ich glaube nicht! Alle Spieler sind auch Menschen. Menschen sind führbar, beeinflussbar. Auch Spieler brauchen Regeln. Regeln an die sie sich zu halten haben. Dafür braucht es Menschen die dafür sorgen und die Regeln auch kontrollieren.
In der jüngsten Vergangenheit war Bruno der „Alleinunterhalter“ der sich um alles, selbst die Außendarstellung, kümmern musste. Auch Gisdol musste dieses mit seinem Trainerteam die vergangenen Monate alleine machen.
Erst seit 3-4 Wochen haben wir endlich wieder einen Sportdirektor, der Gisdol viel abnehmen muss und auch wird.

Didi Beiersdorfer war als Vorstandsvorsitzender und Sportdirektor nicht mehr tragbar. Das hat mittlerweile wohl die überwiegende Mehrheit verstanden / akzeptiert. Jetzt sind Bruchhagen und Todt im Amt.
Beide haben schon gesagt, dass sie mit Gisdol hart arbeiten werden. Jeder in seinem Bereich.
Bis Dienstag läuft noch die Transferphase. Dabei wird auch Todt sich zu 100% einbringen.
Ich persönlich würde es auch befürworten, wenn mal ein externer Teammanager geholt wird, der bereits bei einem anderen Verein erfolgreich tätig war.
Jemand, der den HSV nicht kennt. Also ohne Stallgeruch.
Der sich dann vielleicht auch mal eine härtere Gangart einschlägt und zB einen Strafkatalog, gemeinsam mit dem Trainer und der Mannschaft erstellt und auf die Einhaltung drängt.
Auch wir Fans müssen jetzt endlich mal die Leute machen lassen. Nicht immer wieder und wieder auf die Spieler einschlagen. In den vergangenen 10-12 Jahren wurde die Mannschaft mehrfach durchgewechselt. Und immer wieder und wieder wird auf die Mannschaft eingeprügelt oder sich vereinzelte Spieler zur Brust genommen.
Kritik ja. Aber mal etwas differenzierter.

#nurderHSV

(CM)