Der Muff verschwindet

Nach dem wenig inspirierenden Spiel unter Hollerbach hat Titz gegen Berlin ganz anders spielen lassen. Es war eine richtige Augenweide, unseren Jungs dabei zuzusehen, wie sie Fußball gespielt haben.
Wir haben uns Chancen erspielt, die ausnahmsweise mal nichts mit Zufall zu tun hatten, sondern genauso geplant waren.
Pollersbeck hat bei uns den Libero gespielt und in der Mitte der letzten Reihe die Bälle verteilt. Ruhig und abgeklärt am Ball, und im Kasten war er auch nicht schlecht.
Wenn man sich das Spiel anschaute, dann sah man, wie die Spieler ständig dabei waren, Dreiecke zu bilden. Jeder Spieler hatte so immer zwei Anspieloptionen. Das muß für einige vollkommen neu gewesen sein, denn oftmals hatten sie unter anderen Trainern noch nicht mal eine.
Und in das Tor von Santos hab ich mich ein bisschen verliebt.
Matti Steinmann leitet mit seiner sehr guten Spielübersicht den Spielzug ein, nachdem man den Gegner auf die rechte Seite gelockt hat. Einige kurze Pässe später spielt Kostic den Ball durch die Gasse auf Santos, den man auf diese Weise freigespielt hat. Und er verwandelt den Ball auch noch. Zum mit der Zunge schnalzen..
Das war nicht mehr mein HSV.

In der zweiten Halbzeit änderte sich das. Wir kamen ängstlich aus der Kabine, Berlin presste höher und so kamen wir ins Straucheln. Die Pässe kamen nicht mehr so gut, das war der Knackpunkt, so bekamen wir kaum Entlastung.

Mich ärgert das 1:1 am meisten.
Erst darf Plattenhart unbedrängt flanken und dann lässt Holtby seinen Gegenspieler Lazaro alleine davonlaufen.
Zwei individuelle Fehler, die uns auf die Verliererstrasse brachten.
Das zweite Tor war einfach gut gemacht, sowohl von Meier, der sich gegen 3 Hamburger gut durchsetzen kann, als auch von Kalou, der genau im richtigen Moment den Laufweg kreuzt, so dass Sakai ihn kurzfristig aus dem Blick verliert.
Danach war die Messe gelesen, Hertha stellte sich hinten rein und wenn sie etwas können, dann ist es verteidigen mit Mann und Maus.

Daß wir nach dem Foul an Waldschmidt mal wieder keinen Elfmeter bekommen haben, zieht sich inzwischen auch schon wie ein roter Faden durch die Saison.

Auch wenn wir verloren haben, das Spiel war erfrischend.

Überhaupt muß man sagen, die Stimmung beim HSV ist wesentlich frischer geworden, seit man das Trio Bruchhagen, Todt, Hollerbach entlassen hat. Hoffentlich hält das an, hoffentlich verfällt man nicht wieder in den alten Trott.

Schon 2007 sagte Axel Formeseyn, der HSV sei nicht sexy.
Das hab ich damals nicht so empfunden.
Allerdings hat der HSV für mich dieses Attribut verloren, als Ertel, Hunke & Co in den AR kamen.
Ein schwacher Aufsichtsrat, der nichts Besseres zu tun hatte, als schnellstmöglich einen schwachen Vorstand zu installieren.
Auch der kompetente Frank Arnesen wurde schnell wieder rausgedrängt.
Man musste ja schließlich nicht 1000mal die Linie hoch- und runtergelaufen sein, um etwas von Fußball zu verstehen.
Diese Selbstüberschätzung vieler Leute beim HSV hat uns letztlich in die Lage gebracht, in der wir uns jetzt befinden. Schwache Leute, denen der ganze Verein auf der Nase rumtanzt.
Jarchow hat nie Griff auf den Verein bekommen, Didi auch nicht. Zu viele Leute haben einfach gemacht, was sie wollten.

Als Bernhard Peters in der Jugendabteilung aufgeräumt hat, war der Aufschrei groß, gechasste Trainer haben die Presse gesucht, um ihr Leid zu klagen.
Ich denke, nur das Ausmisten durch Peters hat dazu geführt, daß in der Jugendabteilung endlich wieder erfolgreich gearbeitet wird.
Dieses Ausmisten sollte Vorbild für die Arbeit in der restlichen AG sein.
Alle, die nicht mitziehen, die nicht dazu bereit sind, Leistungswillen an den Tag zu legen, sollten ihre sieben Sachen packen und gehen.
Und das gilt für jeden Bereich. Nur so erreicht man einen neuen erfrischenden HSV, einen HSV, der dann auch wieder ein bisschen sexy ist.

Bernd Hoffmann hat ja mit der Demission von Bruchhagen schon angefangen.
Todt und Hollerbach mussten ihm folgen. Man kann dazu nur sagen: Weiter so.
Auch im Kader muß auf diese Weise ausgemistet werden.
Denke ich an Papa oder Walace, die dermaßen respektlos gegenüber dem Verein agieren, kann es nur eine Trennung bedeuten.
Und das ist dann auch gut so. Gerade von Walace, der sicherlich sehr talentiert ist, müssen wir uns schon die gesamte Saison auf der Nase rumtanzen lassen.

Und auch für Michael Schroeder muß das gelten. Der Ex-HSVProfi und Mann von Uwe Seelers Nichte weigert sich laut Bild, mit Johannes Spors zusammenzuarbeiten. Mir scheint, auch hier muß ausgemistet werden.
Die ganzen Egoismen, egal ob es sich um die Scheels, Ertels und Hunkes handelt, um die Schroeders und Todts, oder um die Papas und Walaces, sie alle müssen gehen, damit der HSV wieder Erfolg haben kann. Es muß rigoros aufgeräumt werden. Ohne Rücksicht auf Rang und Namen.

Nach den Entlassungen von Bruchhagen, Todt und Hollerbach reagierte Britta Kehrhahn auf Twitter mit folgendem Tweet: „Man erfriert beim Gedanken an den #HSV Asoziale Kälte regiert diesen Verein.“

Ein Tweet, der viel über das aussagt, was beim HSV über lange Zeit wichtig war.
Man wollte menschlich sein, hat sich hintenrum aber immer nur zerstritten.
Man hat sich gescheut, Entscheidungen zu treffen, weil diese Entscheidungen auch Menschen treffen.
Verständlich, wenn man keine Weitsicht hat.
Durch die Misswirtschaft, die dadurch entstanden ist, werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit in die zweite Liga absteigen.
Dann können wir uns viele Dinge nicht mehr leisten, die wir uns jetzt noch leisten.
Ein Abstieg führt zu Entlassungen im Verein. Und das nicht in dem Bereich, in dem es hunderttausende an Abfindungen gibt, obwohl man schlecht gearbeitet hat, sondern in dem Bereich, wo es Leuten an die Existenz geht.
Ist das sozial?
Nein.
Das ewige Festhalten an Leuten, die keine Leistung bringen, das ist asozial, denn das gefährdet die Arbeitsplätze vieler Leute, die auf den Job angewiesen sind.

Der Muff im Verein muß verschwinden, dann können wir auch wieder erfolgreich sein, dann spielen wir auch wieder attraktiv, dann wird der HSV auch wieder sexy. Ich bin froh, daß Bernd Hoffmann da ist, und endlich mal dafür sorgt, daß aufgeräumt wird. (fb)

ps: Gerade les ich, Lumpi Spörl, der bei uns als Scout angestellt war, muß auch gehen. Mir tut es für ihn leid, aber der Weg ist der richtige. Nicht nur das, es ist auch der einzige, wenn wir den Turnarround schaffen wollen