Der „man of the match“ war…

„Ich gucke heute Abend zum ersten Mal nicht HSV. Habe keine Lust darauf, die Kölner jubeln zu sehen.“
Das sagte mir ein Freund, kurz vor Anpfiff des Spitzenspiels des 29. Spieltages der 2. Bundesliga.
Und mal ehrlich. Die wenigsten haben mit einem Sieg gerechnet, ein paar mehr mit einem Unentschieden. Die meisten von uns gingen von einer Klatsche gegen den Tabellenführer aus.
Hunt nicht dabei, Holtby gelbgesperrt, Lasogga verletzt. Wer sollte es richten?

Ein bisschen komisch ist es schon, dass sich der HSV, nach Ablauf der Hinrunde noch unangezweifelter Direktaufsteiger, zum krassen Außenseiter gegen Köln runtergearbeitet hat.
Mit unnötigen Niederlagen, zweifelhaften Einstellungen, lauen Lüftchen vor dem Tor und verletzungsanfälligen Führungsspielern. Mit verdienten Niederlagen gegen Darmstadt und Magdeburg, mit einem enttäuschenden Unentschieden gegen Bochum.
Genau aus dem Grund gibt es für mich keinen „man of the match“ sondern „the Gesamtteam of the match“!

Denn während man im Kollektiv in der ersten Halbzeit meist damit beschäftigt war, sich von den aggressiven Kölnern nicht überrennen zu lassen und in der 26. Minute, nach einem Eckball den Führungstreffer hinnehmen musste, fand Wolf zum Pausentee wohl die richtigen Worte.

Das muss man sich mal geben: den ersten Torschuss der Hamburger führen die Statistiker in der 53. Minute!
Bis dahin fand Özcan, vom Trainer ganz nach vorne gestellt, kaum statt, leisteten sich „Neuling“ Lacroix und Sakai den ein oder anderen Ausrutscher und lediglich Jatta sorgte für ein wenig Geschwindigkeit in Richtung gegnerisches Tor.

Den Kölnern aber ging nach einer guten ersten Halbzeit langsam die Puste aus, die Hamburger drehten auf, wurden selbstbewusster. Zudem sorgte Trainer Markus Anfang mit seinem Wechsel in der 74. Minute für ein paar Kopfschüttler. Sobiech kam für Terrode.
Sein Plan, den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen, ging nach hinten los.
In der 81. funktionierte endlich der mentale Austausch zwischen Hannes Wolf und mir. Er brachte Wintzheimer für Sakai. Endlich ein offensiver Wechsel! Für mich überfällig.

SEIN Plan funktionierte. Wintzheimer belohnte sich selber und die Mannschaft, mit einem Glücksschuß nach einer missglückten Ecke, der durch unzählige Spielerfüsse hindurch, letztlich im Tor zappelte.

Ein verdienter Punkt für Hamburg! Eine Mannschaftsleistung, die endlich mal wieder den Namen Leistung verdiente! Ein Jokertor als Geburtstagsgeschenk für den Trainer. Ein wichtiger Punkt auf dem Weg nach oben, der noch lange nicht zu Ende ist. Und der Beweis, dass man viel schaffen kann, wenn man an sich glaubt. Auch wenn einige wichtige Spieler fehlen! Oder dann erst recht.

Dass sich Anfang am Ende eher als schlechter Verlierer bewies, da er in der Englischen Woche und dem Schiedsrichter die Erklärung für die eher mäßige Leistung seiner Mannschaft suchte, lassen wir einfach mal unkommentiert.
By the way, Rot hätte es auf beiden Seiten geben KÖNNEN…

Wir müssen jetzt nur auf uns schauen und zusehen, diesen Punkt gegen Aue und folgende zu vergolden. Ausreden zählen nicht mehr. Denn wie sagte Hannes Wolf gestern so schön: „Wir leben noch!“
Und mit dem Team der Traum vom Aufstieg.
Ohne Relegation bitte!
(mg)