Das wars…

Seit gestern ist nun auch der Transfermarkt in England geschlossen und damit steht der Kader des HSV, zumindest bis zum Winter, fest.
Zeit, mal einen persönlichen Blick auf die Transfers zu werfen.

Transferbilanz

Zunächst einmal ein paar Fakten.

Insgesamt wurden 16 Spieler verpflichtet (u.a. zählt auch Lewis Holtby dazu, da er in der vergangenen Saison auf Leihbasis noch bei uns gespielt hat) und 16 Spieler abgegeben. Dabei herausgekommen ist ein Transferminus von 9,45 Mio Euro.

Der Altersdurchschnitt der Zugänge liegt bei 23,2 Jahren, die Abgänge bringen es auf einen Durchschnitt von 24,6 Jahren.
Insgesamt verjüngte sich somit die Mannschaft.
Trotzdem ist der aktuelle, aus 28 Spielern bestehende Kader, mit einem Altersdurchschnitt von 25,5 Jahren, neben Darmstadt 98 das „älteste“ Team der Liga.

Bei den Abgängen hat der HSV viele Verträge nicht verlängert, um so den notwendigen Schnitt und damit Umbruch weiter einzuleiten bzw. fortzuführen.
Mit Rafa, Jansen, Westermann und Rajkovic verließen einige Großverdiener den Verein.
Sobiech, Zoua und Jiracek spielten in den vergangenen Jahren schon keine große Rolle, somit waren diese Trennungen absehbar.
Bei Valon Behrami kann man wohl von einem „großen Missverständnis“ sprechen.

Zwei Abgänge wurden reichlich diskutiert, daher möchte ich dazu auch noch mal meine Meinung kundtun:

Jonathan Tah:
Ich halte Jonathan für das wahrscheinlich größte deutsche Abwehrtalent.
Sein Abgang tut uns vor allem sportlich sehr weh.
Den tatsächlichen (sportlichen) Schmerz werden wir wohl erst in 1-2 Jahren spüren, wenn er sich in Leverkusen durchgesetzt hat und, weiter verbessert, vielleicht dann schon Nationalspieler geworden ist.
Ich hätte ihn gerne weiter beim HSV gesehen. Aufgrund der finanziellen Situation kann ich den Abgang aber leider nachvollziehen.
Und wenn er dann in 2-3 Jahren von Leverkusen aus wechselt, werden wir zumindest finanziell noch mal einen Nachschlag erhalten.

Maxi Beister:
Maxi war ein Jahr lang verletzt und kehrte im Januar in den Kader des HSV zurück.
Bei den Vorbereitungsspielen glänzte er dann auch sofort als Torschütze.
Für viele HSV Anhänger war er einer, „der die Raute im Herzen hat“.
Dieses „Raute im Herzen“ kann ich eh nicht mehr hören. Aber durch eine gute Selbstvermarktung kommt man bei vielen Fans so natürlich noch sehr viel besser an. Dementsprechend gab es auch eine Art „Shitstorm“ bei der Vertragsauflösung und dem nur einen Tag später bekannt gewordenen Wechsel zu Mainz 05.
Hinzu kam noch die Zahlung einer sechsstelligen Abfindung.
Warum hat der HSV Maxi gehen lassen und nicht auf ihn gebaut?
Ich bin der Überzeugung, dass die Trainer und der Vorstand, nach den Bewertungen der Rückserie und nach Rücksprache mit den Ärzten, die Chance sehr, sehr gering sahen, dass Maxi kurz oder langfristig eine Verstärkung werden könnte.
Zu schwer war die Verletzung.
Hinzu kamen wohl auch noch andere Dinge, wie zum Beispiel zu wenig Ehrgeiz, zu wenig Eigeninitiative usw.
Somit war eine Trennung nötig.
Aktuell hat Maxi bei Mainz 05 noch kein Pflichtspiel bestritten und stand auch in den Vorbereitungsspielen nicht im Kader.
Es wird spannend, wie seine Zukunft aussehen wird.

Weiterhin wurden Steinmann und Demirbay für ein Jahr OHNE Kaufoption verliehen. Besonders bei Demirbay darf man gespannt sein wie es weitergeht, da viele Fans seinen Abgang nicht nachvollziehen können.
Er hatte, wie auch zB Jung, die Chance, sich in der Vorbereitung anzubieten.
Die gebrachte Leistung scheint für die erste Elf nicht gereicht zu haben. Somit haben sich beide Seiten auf eine Ausleihe geeinigt.

Neuzugänge:

Albin Ekdal
In meinen Augen der „Königstransfer“. Mit seiner Erfahrung und seinen Anlagen kann er ein sehr entscheidender Faktor in unserm Spiel werden.
Seine Stärken liegen sicherlich auf der „8“.
Große Spielübersicht, kampfstark, stark am Ball, gutes Auge für die Mitspieler, kann „tödlichen Pass“ spielen.

Michael Gregoritsch
Mit 21 Jahren ein sehr großes Talent.. In Ansätzen konnte man bereits in den ersten Spielen seine Stärken erahnen.
Trotz seiner Größe sehr leichtfüßig. Flexibel einsetzbar im Mittelfeld oder in der Spitze.

Sven Schipplock
Eine sehr gute Alternative zu Lassoga. Vorne in der Spitze sehr einsatzfreudig und kämpferisch. Bei ihm fehlt ab und an noch etwas die Torgefahr.
Für mich hat er bei Auswärtsspielen im Moment die Nase knapp vor Lasogga.

Gotuko Sakai
Soll auf den Außenverteidigerpositionen sowohl Diekmeier als auch Ostrzolek etwas Dampf machen.
Wenn er an die Leistungen unter Labbadia in Stuttgart anknüpfen kann, eine gute Verstärkung. Auf alle Fälle gut für den Konkurrenzkampf.

Emir Spahic
Ich war im ersten Moment schockiert, als ich die Nachricht seiner Verpflichtung gelesen habe.
Aber nachdem ich mich mit den Beweggründen des HSV auseinandergesetzt hatte, mir selber ein Bild in Harsewinkel machen konnte und jetzt die ersten drei Spiele gesehen habe, empfinde ich Emir als eine wirkliche Verstärkung.
Gerade beim Spiel gegen den VFB konnte man sehen, welch gefährliche Pässe er in die Tiefe schlagen kann. Auch sein Stellungsspiel ist überragend.
Spannend bleibt weiterhin, wie die Schiedsrichter mit Spahic umgehen werden und ob seine Kraft reichen wird.

Aaron Hunt
Er trägt jetzt die (richtige) Raute auf dem Trikot.
Mit kolportierten 2 Mio / Jahr gehört er sicher zu den neuen Topverdienern des HSV. Daher muss er jetzt auch Leistung zeigen.
Ich finde es positiv, dass er a) auf Geld verzichtet hat und b) den sicher schwierigeren Weg zum HSV gewählt hat.
Wenn er an die Leistungen der letzten ca. 1-2 Jahre in Bremen anknüpfen kann, wird er eine Verstärkung werden und er könnte das noch benötigte Puzzleteil im oft so harmlosen Mittelfeld darstellen.
Spannend wird die Frage sein, wie er mit der Gesamtsituation umgeht. Hier wird ein guter Start immens wichtig sein.
Ich befürchte, seine Leistungen wird man am stärksten beobachten und auch am schnellsten kritisieren.

Fazit:
Auf den ersten Blick hat man an Qualität, wenn man die Einzelspieler und Ihre Möglichkeiten betrachtet, verloren.
Aber ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft eher an Qualität gewonnen hat. Ich wünsche mir in der Hinrunde eine weitere Stabilisierung und hoffe, dass wir Ende des Jahres um die Plätze 10-12 überwintern.
Diese Platzierung wünsche ich mir auch zum Saisonende und baue somit auf eine Stabilisierung und Festigung der Mannschaft.
Mit dieser dann gewonnen Reife und Sicherheit wird es deutlich einfacher werden, junge, talentierte Spieler zu fördern und in die Mannschaft zu integrieren.
Ich gebe zu, dass auch ich, nach der Ausgliederung etwas zu optimistisch war und mir den Schritt nach vorne vielleicht etwas zu leicht vorgestellt habe.

(CM)