Alle Beiträge von Manuela Gerick

Himmelfahrtskommando

Manchmal überholt das wirkliche Leben das geschriebene Wort schneller, als man glaubt.
Saß ich gestern noch über einem Blog, den ich anschließend verworfen habe, weil sich in meinem Kopf ein riesiges Gedanken-Karussell drehte, ist es jetzt amtlich.
Bernd Hollerbach ist HSV-Trainer-Geschichte, Christian Titz ist die Gegenwart.

Was wollte ich gestern nun ausdrücken, in dem Blog, der nie erscheinen wird?
Meinen Frust, meine Wut, meine Enttäuschung, die ich fühlte, nachdem sich der HSV bei den Bayern, gefühlt ohne Gegenwehr, in sein Schicksal ergab.

Klar ist es nicht verwerflich, in München zwei, drei, ja vier Dinger zu kassieren. Die Frage ist halt immer, wie man sich dabei verkauft.

Und ich habe eine Mannschaft gesehen, die sich mit dem Anpfiff bereits aufgegeben hatte.
Ich habe zudem eine Aufstellung gesehen, die nur auf Defensive baute.
Ich habe vor allem eine Aufstellung gesehen, die die siebte im siebten Spiel unter Bernd Hollerbach war.

Holler, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, mag ein lieber, netter Kerl sein. Er mag auch seine Qualitäten als Trainer haben. Was er jedoch nicht hat, ist die kämpferische Ausstrahlung die man braucht, um eine kaputte Mannschaft durch einen kräftezehrenden Abstiegskampf zu führen.

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Klar kann Hollerbach nichts für die verpfuschte Zusammenstellung des Kaders.
Klar kann er nichts für die verkorkste Hinrunde. Nein, er ist sicherlich nicht alleine schuld daran, dass dem Klassendino der erste Abstieg seines Bundesligalebens droht.
Aber er wusste, worauf er sich einließ, als er den Vertrag unterzeichnete.
Er wusste, auf welches mediale Glatteis er sich begeben würde. Er wusste, dass man kein gutes Haar auch an ihm lassen würde, käme die Mannschaft kein Stück voran.

Und die Mannschaft ist kein Stück vorangekommen!
Im Gegenteil.
Ich habe, im Vergleich mit den Leistungen unter Markus Gisdol, keinerlei Verbesserungen wahrgenommen.
Was deutlich sichtbar war, war hingegen die wachsende Verunsicherung des Trainers, die sich nicht nur in den ständig wechselnden Aufstellungen ausdrückte, sondern auch in den immer wiederkehrenden, nach Entschuldigungen suchenden Sprüchen, während der Pressekonferenzen.

Mag sein, dass sich die Mannschaft in das ein oder andere Spiel reingehängt hat.
Nur leider niemals durchgehend 90 Minuten. Immer fehlte das gewisse Quentchen, das selbst die Spieler im Anschluss bei sich selbst bemängelten. Allein das ist schlimm genug! Ich weiß woran es liegt, ich tue es trotzdem immer wieder!

Lange Rede, kurzer Sinn: Bernd Hollerbach kann kein Abstiegskampf. Aus dem Grund begrüße ich die Entscheidung, ihn mit sofortiger Wirkung freizustellen.

Als neuen Mann an der Seitenlinie hätte ich mir allerdings einen anderen, als Christian Titz gewünscht.
Der U-21 Trainer ist erfolgreich. Seine Mannschaft führt die Regionalliga an, wird, so sie denn so weiterspielt wie bisher, in die 3. Liga aufsteigen.
Und genau jetzt zieht man den Jungs den Halt unter den Füßen weg, um eine anscheinend untrainierbare, angeschlagene Profimannschaft zu trainieren.
Hatten wir das nicht schon mal?
Auch als Joe Zinnbauer, in der Saison 2014/15 erfolgreich die U-21 trainierte, saßen die Profis in einer ähnlichen Lage wie heute. Von September 2014 bis Mai 2015 gab Zinnbauer den Übungsleiter und übergab den HSV dann auf dem Relegationsplatz stehend, wir erinnern uns…an Peter Knäbel.
Auch seine nächste Trainerstation, beim FC St. Gallen, wurde vorzeitig beendet.
Verbrannt.
Und die Lunte wurde bei den HSV-Profis gelegt…
Nun also Christian Titz.

Ich für meinen Teil hätte mir einen Vollprofi gewünscht. Einen, der nichts mehr zu verlieren hat und seine Aufgabe darin sieht, in den letzten Spielen der Saison das Beste aus dieser desolaten Mannschaft herauszuholen. Einer, der Abstieg kann und der nicht auf Geld, sondern auf Herausforderung steht. Vielleicht ohne Gehalt, dafür mit einer fetten Nichtabstiegsprämie.
So einer wie Jol oder wie Stevens…

Und ich sehe die Profis in der Pflicht, sich nach dem Auftritt in München, nach den Klagen über mangelnde Unterstützung und Unruhen an die eigene Nase zu fassen und den HSV nicht weiterhin zum Gespött von ganz Fußballdeutschland zu machen!
Reißt euch gefälligst den Allerwertesten auf! Zeigt, dass ihr außer hinterher zu wissen, woran es lag, vorher einen Plan habt! Nämlich den, zu kämpfen!
Am Samstag kommt die Hertha. Da will ich sehen, dass der Frühlingshauch auch in der Kabine angekommen ist. Alles andere lasse ich nicht gelten. Wir haben keine Chance. Nutzen wir sie!

Ja, ich gebe zu, nach den Freistellungen von Todt und Bruchhagen, in der vergangenen Woche, habe ich sowas wie Frühlingsluft geschnuppert.
Es ist alles noch machbar.
Und wenn nicht, liebe Leute, dann erwarte ich einen würdevollen Abschied aus der Liga! Und zwar von allen. Der HSV bezahlt euch bis zum Abpfiff des letzten Spieles. Also arbeitet gefälligst auch solange! Lasst frischen Wind in die Köpfe, geht raus und kämpft!
Allen Widrigkeiten zum Trotz wünsche ich Christian Titz nur das Beste! Und ich wünsche mir, dass er die Profis erreicht. Es wird nicht leicht. Aber das dürfte jedem klar sein. Er kann mit seiner Aufgabe zum Helden werden. Schafft er es nicht bleibt ihm zu wünschen, dass das Gastspiel bei den Profis seiner Trainerkarriere nicht schadet.
Und auch der u21 sei weiterhin viel Glück und Können, beim Erreichen ihrer Ziele gewünscht!

Last but not least.
Ja, ich bin sauer, enttäuscht, wütend und hilflos. Und ich bin mit meinen Gefühlen nicht alleine. Das, was allerdings ein paar völlig Versprengte auf dem Trainingsgelände des HSV aufgestellt haben, ist das allerletzte! Den Spielern Gewalt antun zu wollen, ja ihnen sogar mit dem Tod zu drohen ist eine Straftat, für die man die Täter hoffentlich mit aller Härte zur Verantwortung ziehen wird. Wir BlogPerlen distanzieren uns mit aller Vehemenz von diesem Vorgang!
(mg)

Rien ne va plus

Wenn es zwei Situationen gibt, an denen ich jetzt schon seit Wochen zu knabbern habe, dann ist das zum einen Heribert Bruchhagens Rede auf der Mitgliederversammlung, in der er die gesamte versammelte Gemeinde mit wohlwollend warmen Worten schon mal auf den Abstieg einschwor.

Andere, meinte Heribert sanftmütig, andere hätten es auch überlebt und die seien schon mehrfach ab-und danach erfolgreich wieder aufgestiegen. Man schaue nur auf Köln und die Eintracht.

Jaha! Damit kennt er sich aus. Schließlich ist er mit der Eintracht auch auf der Position des Vorstandsvorsitzenden, 2011 bekanntlich schon ins Unterhaus der Bundesliga eingezogen. Kritiker werfen ihm vor, er habe schon damals eine Mannschaft in die 2. Liga gespart…

Die zweite Situation ist die, in der unser Kapitän, Gotoku Sakai, einer Vertragsverlängerung aus dem Weg geht, da er „erst die weitere sportliche Entwicklung des HSV“ abwarten möchte“. Hallo, Junge, DU BIST Teil dieser sportlichen Entwicklung! Dann habe gefälligst genug Arsch in der Hose, dich dieser Verantwortung auch zu stellen!

Den hat Heribert Bruchhagen wenigstens. In der Presse übernimmt er die volle Verantwortung für den kommenden Abgang in Liga 2. Nutzt uns das was? Nein. Natürlich nicht. Wir alle wissen, woran es liegt, dass wir so weit gekommen sind. Jahrelange Misswirtschaft haben uns darauf vorbereitet. Vogelwildes Einkaufen von Altstars, teuren „Talenten“, die bei uns verkümmerten oder absolut nicht in die Mannschaft passen wollten gaben sich die Klinke in die Hand, zusammen mit unzähligen Trainern, Sportdirektoren und selbst ganz oben, auf dem Vorstandsposten, durften sich zu viele Unwissende versuchen.

Man hat uns langsam darauf vorbereitet, auf diesen Abstieg, uns den Sauerstoff langsam entzogen. Und während man Marcello Diaz wohl ewig im Herzen tragen wird, für seinen Last-Minute-Ausgleich in der Relegation gegen den KSC, so wird man auf der anderen Seite Filip Kostic seinen so fahrlässig verschossenen Elfmeter auch nicht so schnell vergessen. Er dürfte gestern den Abstieg markiert haben. Außer den zwei Aluminiumtreffern und dem Abseitstor, die dem Spiel noch zugerechnet werden dürfen.

Kinder, ne. Was war das für ein Spiel. Ein 0:0, das dem Gegner vom Ergebnis her mehr half als uns. Die sieben Punkte Abstand auf den rettenden Relegationsplatz bleiben. Platz 17 bleibt.

Zumindest bis heute Abend… Dann könnte es passieren, dass Hamburg, dass der HSV von Platz 18 grüßt, weil Köln, eine Mannschaft, die nach der Hinrunde schon abgeschrieben schien, wie Phönix aus der Asche steigt und plötzlich Punkte hamstert.

Gegen schwache, harmlose Mainzer, die mindestens spielten, wie ein potentieller Absteiger, noch dazu 25 Minuten in Überzahl, gelang es nicht, den Ball ins Tor zu befördern.

Man hat gesehen, die Jungs wollten. Realisieren wir: DIE KÖNNEN es nicht besser!

Der Trainer hilflos. Im 5. Spiel die 5. andersaussehende Aufstellung. Selbstbewusstsein und Zutrauen in seine Spieler sehen anders aus. Ich bin ehrlich. Für mich war Hollerbach schon als er kam, nicht der richtige Typ für Abstiegskampf. Er kann aber auch am wenigsten dazu, dass Mission Klassenerhalt gescheitert ist. Schließlich musste er nehmen, was da war.

Der Trainereffekt…verpufft.

Die Lücken in den wichtigen Mannschaftsteilen einfach zu groß. Die von Nikolai Müller nie geschlossen. Man ging mit Flickschusterei in die Saison und bekommt jetzt die Quittung dafür. So siehts aus. Und nicht anders!

Die Jungs können noch so gut gemeinsam bowlen, darten, teammaßnahmen. Sie können alles, nur nicht erfolgreich zusammen Fußball spielen! Der letzte Sieg ist über drei Monate her! Das muss man sich mal reinziehen!

Am 26. November 2017 besiegten wir Hoffenheim. Die Älteren unter uns werden sich dran erinnern.

Ok. Geschehen ist geschehen.

Nehmen wir Abschied vom Oberhaus.

Gehen wir in Würde und verabschieden wir uns mit Niveau! Diese Bitte geht eindringlich an unsere Spieler, die sich bitte in den letzten Spielen genauso den Arsch aufreißen, wie sie es in den letzten getan haben.

Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr…

Ich bin unendlich traurig. Aber, irgendwie bin ich auch ein bisschen froh, dass das Hoffen jetzt ein Ende hat und man frühzeitig genug mit der Planung für die kommende Saison in Liga 2 beginnen kann. Mit einem kompletten Neuanfang. Bei dem ich solche Nasen wie unseren phrasenraushauenden Sportdirektor und auch Heribert Bruchhagen nicht mehr sehen möchte!

So richtig vorstellen kann ich mir das alles noch nicht.

Aber ich schätze, auch das wird noch. Ich habe ja über zwei Monate Zeit, mich daran zu gewöhnen.

Ein Gutes hat es zudem.

Ich kann den Eurosportplayer kündigen…

Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht.

(mg)

Miesepeter, Erfolgsfans und Vereins-Brillen-Aufhaber

Eigentlich könnte ich heute da weitermachen, wo mein Blog-Kollege am Freitag angefangen hat.

Bei der Spaltung des Vereins und der gesamten Fangemeinde.

Der HSV hat verloren.

2:0 gegen eher schwache Dortmunder.

Und schon geht es los.

Es gibt Dummschwätzer, Schwarzseher, Panikmacher und es gibt Vereinsbrillenträger, Realitätsverweigerer und Erfolgsfans. Da sind die Absolut-keine-Ahnung-Haber und auf der Gegenseite natürlich auch die, die absolut Ahnung haben.

Ich persönlich kann beide Seiten verstehen.

Aber: kein Mensch ist gleich gestrickt. Niemand geht mit Niederlagen unbedingt genau so um, wie sein Nachbar, Kollege oder Freund.

Jeder hat ein eigenes Gefühlsleben, Emotionsfeld, seine eigene Sichtweise auf das Spiel und wie er mit dem momentanen Tabellenstand umgeht.

Ich finde, man sollte jedem seine Meinung lassen und nicht versuchen, anderen seine eigene überzustülpen. Vielleicht auch noch mit unflätigen, beleidigenden Beinamen. Schlimm finde ich zudem die, die anderen, wegen ihrer Skepsis auf einen Klassenerhalt, das Fan-Sein komplett absprechen.

Wer sagt eigentlich, dass a) nur derjenige Fan ist, der 12×3 zusammenzählen kann und mit Inbrunst „weiß“, dass am Ende zwei, drei Mannschaften hinter uns stehen oder b) sieht, dass Engagement allein eben nicht reicht und es durchaus sein kann, dass wir am Ende in Schönheit sterben?

Wir sind alle Fans des Hamburger Sport Vereins.

Wir tragen alle die Raute im Herzen.

Und ich traue mich zu sagen, dass 99 Prozent von uns die Mannschaft auch in Liga 2 begleiten würden, um sie dort zu unterstützen!

Fakt ist, dass wir gestern erneut ein engagiertes Spiel sehen konnten, es aber wieder mal nicht für Punkte gereicht hat.

Man hat deutliche Verbesserungen im Mittelfeld gesehen, wo der Ball auch mal lief und nach hinten haben alle gut mitgearbeitet.

Die 1. Halbzeit hat eigentlich Mut auf die 2. gemacht. Da war was drin. Da lag was in der Luft.

Wood und Walace und Kostic versuchten sich im Abschluss, was bekannter Weise nicht funktioniert hat.

In der Kabine hat der BvB dann anscheinend einen dicken Einlauf bekommen. Denn es dauerte genau vier Minuten, da klingelte es im Kasten von Christian Mathenia.

Torschütze: Michy Batshuayi, der Neue in den Dortmunder Reihen trifft bereits zum 3. Mal, seitdem er Schwarz-Gelb trägt.

Hollerbach reagiert, wechselt Arp gegen Wood und Salihovic gegen Hunt (der in der 1. Halbzeit ein ordentliches Spiel gemacht hat).

Unsere Jungs gaben nicht auf. Auch in den letzten beiden Spielen hat man sich ja, nach einem Rückstand immerhin noch zum Unentschieden geschossen.

In der 71. Minute geht Hollerbach All-In und bringt Hahn für Ekdal.

Und auch wenn es besser aussieht. An der Passquote hat sich, statistisch gesehen, noch nicht viel geändert. Noch immer geht fast jeder dritte Ball direkt zum Gegner. Und auch in den Zweikämpfen lag man mit 37,25 gegen 62,75 Prozent deutlich hinten.

Zehn zu acht Torchancen sprechen eine deutliche Sprache über das gesamte Spiel. Nur, dass die Dortmunder zwei davon erfolgreich verwandeln konnten, während in ihrem Strafraum eher ein laues Lüftlein wehte, tut weh.

Fazit: die Torloszeit von Wood hält an. Fiete wirkt inzwischen fast auch ein wenig verkrampft. Der Druck der auf ihm lastet, ist ihm anzumerken.

Speziell in der 2. Halbzeit taten sich bereits im offensiven Mittelfeld immer größere Lücken auf, die es selbst dem besten Knipser schwer gemacht hätte, den Ball ins Tor zu befördern.

Die einzelnen Mannschaftsteile sind noch weit von einem harmonischen Miteinander entfernt oder auch mal mit Mann und Maus nur mit Verteidigen beschäftigt.

Die Reaktionen der Mannschaft, im Anschluss an die erste Niederlage unter Neutrainer Hollerbach, kann ich inzwischen leider auswendig.

Man hat sie nach den letzten Spielen rauf und runter gehört.

Gut gespielt, kein Vorwurf an die Mannschaft. Engagiertes Spiel, schade, dass wir uns nicht belohnt haben, jetzt schnell den Kopf frei und auf … konzentrieren.

In diesem Fall stehen die Pünktchen für die Leverkusenener, die gestern gegen Hertha verloren haben.

Aktuell stehen sie auf Platz 5 der Tabelle und natürlich will man die CL-Plätze erreichen.

Das wird ein heißer Tanz, nächste Woche im Volkspark.

Und ehrlich? Ich weiß nicht, wie Hollerbach es schaffen will, die Torflaute bis dahin in den Griff zu bekommen…

Ich persönlich fand es schon ein bisschen erschreckend, dass Sakai unter der Woche aus dem Ex-Trainer-Nähkästchen plauderte und erzählte, der neue Übungsleiter hätte ihnen erklärt, dass man sich (sinngemäß) auch mal ohne Ball bewegen müsste, um sich den Mitspielern anzubieten…

Sei es wie es wolle. Der HSV stagniert auf Platz 17, mit ebenso vielen Punkten, freut sich schon mal, dass auch Mainz gestern nicht gepunktet hat und zittert, dass weder Werda noch Stuttgart heute einen Dreier einfahren.

Das Zittern wird wohl bis zum Ende der Saison nicht aufhören.

Und zwar für alle.

Seien es für die Schwarzseher, die Vereinsbrillenträger oder auch für die mit einer Glaskugel, in der Hoffnung und Panik zeitgleich versammelt liegen.

Ach, eins noch. Ja. Die Mannschaft hat gekämpft und wollte sichtbar Zählbares mitnehmen.

Sich anschließend aber bei den Jungs dafür zu bedanken (und damit meine ich nicht den Applaus in der Kurve), geht für mich doch ein wenig weit. Schließlich ist Fußball spielen und dabei immer ihr Bestes geben verdammt noch mal ihr Job!

(mg)

P.S.: ein Hinweis für alle, die sich noch mehr Infos über die Wahl des e.V-Präsidenten, auf der MV, am kommenden Wochenende einholen möchten: heute Abend, im Sportclub, 22.50h, auf NDR und am Montag, um 22.30h, auf Sky Bundesliga HD1, die Kia-Fußballdebatte gucken. Bei Sky ist Bernd Hoffmann zu Gast.

Leipzig, Hannover und ein Hollerbach

Kaum war er da, schon sorgte er für Gesprächsstoff.

Die Würzburger Kickers pochten plötzlich auf eine erhöhte Ablöse für ihren zurückgetretenen Trainer, Bernd Hollerbach, der zuvor beim Hamburger Sportverein unterschrieben hatte und holten dafür sogar die schwere Gerichtskeule raus, sollten sich die Hanseaten diesen Ansprüchen denn verwehren. Dass man dabei schlechte Karten gehabt hätte, verschwieg man wohlweislich.

Auf den HSV draufzuhauen ist nämlich gerade schwer in Mode.

 Wir befinden uns mal wieder im schweren Fahrwasser. Sportlich läuft es alles andere als gut, rund um den AR tobt ein Wahlkampf, mit der ein oder anderen Posse (es ist zum Beispiel alles andere als logisch, den neuen AR einzusetzen, wenn die Präsidentenwahl des e.V.s durch die Mitglieder, erst zwei Wochen später stattfindet) und nun gibt es auch noch Putschgerüchte. Ausgerechnet ein Mitglied des amtierenden ARs, der auch dem neuen (noch unter alter Führung) angehören sollte, hat, verschiedenen Medienberichten nach, versucht, Teile der AG-Vorstandsetage (Bruchhagen und Todt) abzuschießen. Zur Erinnerung: mit Bruchhagen hatte man erst Ende letzten Jahres verlängert…

Das alles sorgt für Auflage, das alles sorgt für Quote. Gewinner sind dabei (mal wieder) die Medien, Verlierer ist die Mannschaft, ist der HSV.

 Nun weiß man ja nie, welche und wieviel dieser Vorgänge bei den Spielern landet und man weiß auch nicht, wie jeder einzelne damit umgeht. Klar ist aber, dass Ruhe im Verein eine bessere Voraussetzung für alle wäre, sich ausschließlich auf den harten Abstiegskampf zu konzentrieren.

 Ein Abstiegskampf, in den der HSV ohne weitere Verstärkung geht.

Die Wintertransferphase ist beendet, der Kader bleibt.

Sportchef Todt, selber mächtig angezählt, flüchtet sich in verzweifelten Optimismus. Man vertraue der Mannschaft, sie sei allemal stark genug, den Klassenerhalt zu schaffen.

Inzwischen hat sich auch Klaus-Michael Kühne gemeldet. Er sei nicht gefragt worden, dem HSV erneut zu helfen, sagte er heute, in einem Gespräch mit der MoPo und prangerte damit eine verfehlte Transferpolitik an. Der HSV, so der Investor, sei für einen Klassenerhalt alles andere als gut aufgestellt.

 Puh.  Der gebeutelte Fan atmet mehrmals tief durch.

Nach den in der Hinrunde teils desaströsen Leistungen eben dieses Kaders ein schweres Brett, das da gebohrt werden muss. Von und mit Bernd Hollerbach gebohrt werden muss.

 Er dürfte die letzte Patrone des Duos Bruchhagen/Todt sein. Bekommt er nicht mehr Leben, mehr Leistung in jedes einzelne Mannschaftsglied, und formt schnellstens daraus eine Einheit, dürfte es für den HSV dieses Jahr in die 2. Liga und für die Führungsriege nach Hause gehen.

 Was kann man nun von Bernd Hollerbach erwarten?

Zunächst mal den allseits üblichen Trainerwechsel-Effekt. Unter einem neuen Übungsleiter muss sich jeder Spieler neu präsentieren, das Beste aus sich herausholen, sich anbieten, um im Kader und (hoffentlich bald) in einer Stammelf zu landen.

Das sorgt für neue Energien.

Im Spiel gegen Leipzig war davon das ein oder andere Mal etwas zu sehen. Mit einigen Überraschungen wartete Hollerbach in der Startelf auf. So bevorzugte er Mathenia, der nur zwei Spiele zuvor seinen Stammplatz an Pollersbeck verlor, setzte Hahn und Mavraj auf die Bank und ließ Holtby gar in Hamburg, während sich van Drongelen, Sakai und Walace von Anfang an auf dem Rasen wiederfanden.

 Walace hat, nach mehrfachen Gesprächen, wohl seine starre Abwehrhaltung aufgegeben und versichert, die Mannschaft im Abstiegskampf zu unterstützen.

Also irgendwie doch noch ein Neuzugang 😉

Positiv zu erwähnen ist, dass die Mannschaft nach einem Fehler von Hunt und dem daraus resultierenden 1:0 der Leipziger, in der 9. Minute, nicht wie gewohnt einbrach, sondern sich ins Spiel zurückkämpfte.

Das wurde in der 29. Minute, mit einem (im Nachhinein umstrittenen) Tor von Filip Kostic belohnt.

Endlich mal wieder ein Tor aus dem Spiel heraus!

Ob es nun Abseits war oder nicht, darüber mögen sich die Bremer und andere Experten gerne bis 2020 streiten. Der Schiri hat nicht gepfiffen. Es stand 1:1.

 In der 2. Halbzeit plätscherte das Spiel hin und her. Keiner der beiden Mannschaften wollte wirklich etwas einfallen, um die gegnerische Abwehrkette in ärgste Bedrängnis zu bringen.

 Der erste Wechsel von Hollerbach fand in der 77. Minute statt. Der wieder mal glücklose Bobby Wood ging, Fiete Arp kam.

Für meine Verhältnisse knüpfte Hollerbach da an, wo Gisdol aufgehört hatte: die Wechsel kamen zu spät. Jedenfalls wenn der Trainer nicht schon vorher mit einem Unentschieden zufrieden war.

 Man teilte sich die Punkte und Hamburg feierte das wie einen Sieg.

Doch was dieser eine Punkt wert ist, werden erst die nächsten Spiele zeigen.

Zugegeben, einen Trainer nach nur 12 Tagen und einem Spiel zu bewerten, wäre unfair.

 Mit Hannover kommt jetzt ein gefestigtes Team in den Volkspark. Mit erstaunlichen 27 Punkten steht der Aufsteiger auf Platz 10 der Tabelle.

Die Niedersachsen reisen mit einer Niederlage gegen den VFL Wolfsburg und dementsprechend heiß auf Punkte an.

Unsere Abteilung Sturm muss u.a. am hannoveranischen Eigengewächs Waldemar Anton vorbei. Der 21jährige Defensivmann gilt schon jetzt als eine der Entdeckungen der laufenden Spielzeit.

Pirmin Schwegler bewährte sich bisher im Mittelfeld als ordentlicher, aber nicht immer konstanter Ballverteiler. Von seiner Tagesform wird vieles abhängen. Denn genau dort, im Spielaufbau, liegt einer unserer Schwachpunkte. Jung und Walace werden es mit Schwegler wohl nicht leicht haben.

 Und vorne? Unsere Offensive sieht gegen Martin Harnik, Ihlas Bebou und Niklas Füllkrug (dem allein gelangen fünf Tore in den letzten vier Spielen) in der Statistik eher blass aus.

Das Offensivtrio wird zudem eine schwere Aufgabe für den in den letzten Spielen oft verunsichert wirkenden Papa. Er läuft außerdem Gefahr, bei einer weiteren Gelben Karte, für das nächste richtungsweisende Spiel, gegen Dortmund, gesperrt zu sein.

 Wood hängt in einer Torlosschleife, Kostic hat sich hoffentlich ein wenig mehr Selbstsicherheit aus seinem jüngsten Treffer geholt und Fiete Arp? Dem ist zu wünschen, dass er sich nicht durch den Hoffnungsdruck der jetzt, nach der Verkündung, dass keine Verstärkung mehr kommt, noch mehr auf ihm lasten dürfte, beeinflussen lässt.

 Gespannt darf man auf die genaue Hollersche Aufstellung sein. Denn, wie der Trainer verlauten ließ: es geht jede Woche nach dem Leistungsprinzip.

Mag also gut sein, dass ein Lewis Holtby wieder im Aufgebot steht. Albin Ekdal wird es, nach überwundener Verletzung wohl wenigstens in den Kader schaffen. Ebenso wie Arp, der unter der Woche zwar aussetzte, aber wohl auf der Bank auf Einwechslung wartet, während Jung, wegen eines Hexenschusses, wackelt.

Ich würde mir wünschen, dass auch ein Ito nicht wieder in der Versenkung verschwindet. Und mir fällt sogar spontan jemand ein, den ich gegen ihn in der Startelf tauschen würde 😉

 Hollerbach dagegen sei gewünscht, dass er schnell genug eine motivierte Stammelf ausmacht, die das mächtig verkokelte Eisen doch noch aus dem Feuer holt. Da bisher nur 44.000 Karten für das kleine Derby verkauft sind, gilt es für die, die da sind, noch ein bisschen mehr gute Stimmung zu machen, die sich dann hoffentlich auf den Rasen überträgt.

 Zusätzliche Spannung, hinsichtlich unserer Tabellensituation, dürfte das Spiel Werder gegen Stuttgart bringen. Gewinnen die Bremer und wir patzen gegen Hannover, ist selbst der Relegationsplatz 4 Punkte weit weg.

Köln steht gegen Dortmund auf dem Rasen. Auch da ist, nach den letzten Borussia-Spielen und der Aufholjagd der Kölner, alles möglich.

Hollerbach sah in der PK vor dem Spiel gute Chancen auf 3 Punkte im Volkspark. In dem Sinne: auf geht’s Jungs! Lasst euren Worten Taten folgen…

(mg)

Von Fan sein und Freundschaften

Stell dir vor, du hast einen guten Freund. Einen, der im Laufe der Jahre noch mehr geworden ist. Nämlich ein richtig guter Freund.

Und dann bekommt diese Freundschaft erste Risse und du weißt eigentlich gar nicht mehr so genau, wann es anfing, wann etwas anders wurde.

Langsam überlegst du länger, was du noch sagen kannst oder willst. Du kannst nachts nicht schlafen, weil du grübelst, was falsch gelaufen ist.
Schritt für Schritt findest du dich damit ab, dass das Verhältnis ein anderes geworden ist.
Und du reagierst entsprechend.
Mit der Zeit merkst du, es tut auch gar nicht mehr so weh. Schließlich war es ein schleichender Prozess, an dem immer zwei beteiligt sind. Und bestimmt geht es dir besser, wenn dieser Druck endlich weg ist, etwas ändern zu wollen, was anscheinend nicht mehr zu ändern ist.

Warum ich das alles schreibe?

Weil man als Fan des HSV momentan in genau dieser Lage ist.
Es gab das große Zeichen des Aufbruchs. Gemeinsam haben wir uns in den Armen gelegen, als HSVplus auf den Weg gebracht war. Gegen große Widerstände haben wir zusammengehalten, zusammen gekämpft. Haben unseren Verein, den wir so lieben, auf den für uns richtigen Weg gebracht.
Nach den schlechten Zeiten sollten endlich wieder gute folgen.
Voller Enthusiasmus ging es in die ersten Spielzeiten. Didi Beiersdorfer war back und die meisten von uns feierten diese Verpflichtung.
Bis die ersten Ernüchterungen kamen.
Denn statt nach oben, ging es stetig nach unten. Verpflichtungen, die nicht anschlugen, teure Trainer und Sportdirektorenwechsel…also eigentlich alles wie immer. Wie vor HSVplus, wie vor Didi Beiersdorfer.
Die Relegationen, 2014 und 2015. Was war das für eine Atmosphäre in der ganzen Stadt. Man litt gemeinsam, man konnte nach Niederlagen nachts nicht schlafen, machte sich Gedanken, grübelte, wie es soweit kommen konnte und was passiert, wenn… am Ende feierte man den Klassenerhalt, als sei der HSV gerade Meister geworden.
2016 beendeten wir die Saison auf Platz 10. Der Fußball war nicht immer schön, aber die Hoffnung lebte auf.
2017 zitterte man sich im letzten Spiel, gegen Wolfsburg, auf Platz 14.
Die Stimmung unter den Fans war noch immer gut, die in der Stadt hatte sich abgekühlt. Der HSV ist mal wieder im Abstiegskampf? *gähn*, ok, erzähl was Neues…

Und heute?
Wir haben den Vorstandsvorsitzenden, den Sportdirektor und natürlich die Trainer schon wieder mehrmals ausgewechselt. Nach van Marvjik und Mirko Slomka kamen Joe Zinnbauer (Peter Knäbel zähle ich nicht) und Bruno Labbadia.
Im September 2016 übernahm Markus Gisdol.
Warum? Weil man allen vor ihm keine weitere Entwicklung der zusammengewürfelten Mannschaft zutraute.
Ergebnis: Nach dem ersten Spiel der Rückrunde stehen wir auf Platz 17. Bremen hat einen, Mainz zwei und Wolfsburg (noch!) vier Punkte Vorsprung. Köln hat heute auch noch die Chance, auf 9 Punkte zu erhöhen.

Die Fans nehmen inzwischen die Niederlagen leiser hin.
Es zieht sowas wie Normalität ein. Sonntags aufstehen, mit einer Niederlage im Gepäck? Normal! Die Lästereien der Kollegen am Arbeitsplatz, von Nachbarn und Bekannten? Sie lassen nach. Die Blicke sind inzwischen eher mitleidig, denn schadenfroh.

Inzwischen ist das Trainerfass offen.
Kein Wunder. „Das Spiel hat uns gezeigt, woran wir arbeiten müssen“, sagte Gisdol gestern, in der Pressekonferenz, nach dem verlorenen Spiel gegen Augsburg. Äh, es hat gezeigt, woran man arbeiten muss? Was habt ihr vorher gemacht?

Seien wir ehrlich. Die neun in der Statistik aufgeführten Torschüsse waren eher welche, um den Torhüter warm zu schießen. Im Mittelfeld ging so gut wie gar nichts zusammen, und vorne fehlten die wirklichen Chancen. Zum Teil, weil die Offensive damit beschäftigt war, die Defensive zu unterstützen.
Das funktionierte bis zur 45. Minute.
Dann ging es, nach einem Freistoß über links schnell nach vorne, Caiuby flankte mit links an den Elfmeterpunkt. Dort gewann Koo das Duell mit Douglas Santos und netzte per Kopfball ins linke Eck. Pollersbeck blieb chancenlos.

Aber, was anderes hätte Gisdol, nach dieser bitteren Niederlage denn sagen sollen? Wir haben scheiße gespielt, aber wir können es halt nicht besser?
Am besten ist, du sagst gar nichts mehr weil du weißt, alles, WAS du sagst, kommt falsch rüber.

Und nun schließt sich der Kreis.
Es tut nicht mehr so doll weh, wenn „mein“ HSV verliert. Klar bin ich traurig. Aber eher deshalb, weil ich sehe, wie ein ehemals großer Verein sich immer kleiner macht. Wie hilflose Parolen von Spielern und Trainern Woche für Woche dieselben sind, ohne dass man am Ergebnis etwas ändern kann.
Der Verein hat sich und seine Fans über Jahre hinweg, Schritt für Schritt, selbst in diese Gefühlslage manövriert.
Die Situation ist ernst. Sehr ernst! Viele vergessen bei ihren Rechnungen zudem: auch die anderen Vereine haben noch 16 Spieltage und können an diesen punkten.
Verlieren wir nächste Woche gegen Köln, brennt die Hütte.
Das muss uns allen klar sein.

Auch wenn es in der Mannschaft noch so stimmig ist, wie alle Verantwortlichen immer behaupten: auf dem Platz geht noch immer wenig zusammen. Noch immer landet fast jeder 3. Pass beim Gegner, noch immer fehlt es vorne und im Mittelfeld an Kreativität.

Klar wäre ein Gang in Liga 2 sehr bitter. Ich beschäftige mich zum 1. Mal in den letzten Jahren ernsthaft damit und bin bereit, auch diesen Weg zu gehen, wenn nichts anderes mehr hilft. Natürlich bleibe ich Fan vom HSV und, klar werde ich auch am kommenden Wochenende wieder mitzittern, mich freuen oder ggf auch ärgern. Aber lange nicht mehr so, wie es früher mal war. Inzwischen schlafe ich auch nach Niederlagen nicht mehr mit negativen Gedanken ein. Wann das anfing? Ich weiß es nicht mehr so genau.
Es wird eben nie wieder so werden, wie es mal war! Vergangenheit wird Vergangenheit bleiben. Was die Zukunft bringt, müssen wir abwarten.
Das gilt im wahren Leben ebenso, wie für die schönste Nebensache der Welt!
Oder wie seht ihr das?
(mg)

Hallo lieber Relegationsplatz…

…da sind wir wieder…
Dank Freiburg, die gestern die Gladbacher mit 1:0 abfertigten, stehen wir mal wieder auf Platz 16.
Jedenfalls bis heute Abend, denn dann könnte es passieren, sollte Bremen in Leverkusen punkten, dass wir noch tiefer rutschen.

Es gibt so Tage, da könnte man gut darauf verzichten, eine Spielanalyse der letzten Partie zu verfassen.
Ebenso gut könnte man die 90 Minuten HSV/ Frankfurt aber auch in einem Satz zusammenfassen: Zehn Minuten gut gespielt, 20 Minuten gepennt, den Rest mit Mann und Maus dem Rückstand hinterhergelaufen.
Das wäre allerdings zu einfach.
Denn über das Spiel gestern Abend könnte man auch genauso gut Romane schreiben.

Versuchen wir es mit dem guten, alten Mittelweg.

Werfen wir nur einen Blick auf die Statistik, ohne das Spiel gesehen zu haben und das Ergebnis zu wissen, müssten wir davon ausgehen, dass der HSV glorreich gewonnen hat.

21 zu 10 Torschüsse stehen da zu buche.
Bei fast identischer Laufleistung hatten die Rothosen 64 Prozent Ballbesitz und nur sieben Fouls nötig, während die Frankfurter (insbesondere in der 2. Halbzeit) 26 mal zutraten, festhielten oder umgrätschten.
Für mich war Schiri Gräfe so manches Mal dabei zu sparsam mit Gelben Karten. Insbesondere Kevin Prince Boateng kann sich mehr als glücklich schätzen, nur eine davon gesehen zu haben.
Auch bei den Fehlpässen hielten sich beide Mannschaften die Waage. Von 483 kamen bei den Hamburgern immerhin 359 an. Die Zweikampfquote ist allerdings mit 61 Prozent noch immer locker ausbaubar.
Und doch gingen am Ende die Hessen mit drei Punkten nach Hause.
WIE konnte das passieren?

Es begann doch so positiv.
Im Volkspark sei man inzwischen wieder auf gutem Weg, eine Festung zu werden, hieß es. Die Defensive entwickle sich zum Bollwerk, schrieben die Medien. Die letzten drei Spiele wurden nicht verloren.

Es waren gerade fünf Minuten vergangen, da sollte Scooter schon zum Torjubel aufspielen. Papaaaaa!!!! …netzte einen Ball ein… der vorher im Aus war…
Shit!
Vier Minuten später durften dann Scooter doch noch singen und Papa jubeln.
Der Junge kann nicht nur Grätsche, der kann auch Tor!
In einem Gewimmel aus Heim-und Gastmannschaft schraubte er sich, nach einem Eckball von Hunt nach oben und köpfte den Ball ins kurze Eck. Führung für die Hausherren.

Was nach diesem Erfolgserlebnis in den Köpfen der Spieler geschah, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben.
Die Fans durften sich genau sechs Minuten siegesgewiss fühlen, da träumte Mathenia gemeinsam mit seinen Vorderleuten Mavraj und Walace wohl schon seelig von der Weihnachtsfeier.
Mit den Fingerspitzen lenkte unser Torwart einen Ball von Marius Wolf, aus 13 Metern abgedroschen, ins Netz.
Ausgleich…
In der 24. Minute marschierte Chandler dann, rechts völlig unbedrängt, bis in den Strafraum. Am zweiten Pfosten passte Jung nicht auf, Gacinovic löste sich in seinem Rücken und nahm Chandlers Querpass dankend an.
Aus elf Metern netzte er frei stehend links unten ein, dieses Mal war Mathenia schuldlos.
Nach 36 Minuten holte Gisdol Walace, der wohl einen gebrauchten Tag erwischt hatte, vom Platz und brachte Albin Ekdal, der sofort gut ins Spiel fand.

Mit einer 2:1 Führung im Rücken ging es für die Frankfurter in die Kabine. Die Hamburger hatten Glück, dass das Ergebnis nicht noch zwei, drei Tore höher war. Als „vogelwild“ bezeichnete Heribert Bruchhagen die Spielweise seiner Jungs, in den Minuten nach dem Führungstreffer. Besser kann man es nicht beschreiben.

Gisdol schien in den 15 Minuten Pause allerdings auch die richtigen Worte gefunden zu haben. Denn in den zweiten 45 Minuten brannten unsere Jungs auf dem Rasen ein wahres Feuerwerk ab.
Arp hatte in der 50. Minute den Ausgleich auf dem Fuß.
Unser Dennis, Dieki, Diekmeier schaute in der 54. Minute etwas perplex, als er den Ball, nach einem Pass von Ekdal, ins Netz beförderte.
Nach 197 Bundesligaspielen sein 1. Tor?
Nein. Ein paar Zentimeter Abseits verhindern das Ende seiner Torloszeit.
Keine drei Minuten später hätte Papa fast ein Double feiern können, eine Minute später hatte es Ekdal erneut auf dem Fuß.

Als Gisdol, in der 67. Minute Ito gegen Waldschmidt tauschte, stand es 9:0 Torschüsse für die Hamburger!
Der erste Schuss aufs Tor von Mathenia gelang den Hessen in der 82. Minute!
In der 83. Minute kam dann Sven Schipplock für Mavraj.
Gisdols letzte Patrone zündete jedoch nicht… Naja, wir alle wissen, „saufen bis…“ geht weiter, auch wenn selbst die vier Minuten Nachspielzeit statistisch den Hamburgern gehörten. Es sollte nicht sein.
Der HSV musste sich seinen Gästen geschlagen geben. Ungerecht, aber so isses.

Dabei hätte man schon vorher gewarnt sein müssen. Denn 15 von ihren 22 Punkten holten die Frankfurter auswärts. Naja, inzwischen sind es gar 18 von 25.
18 Punkte, das Wunschziel Heribert Bruchhagens zur Winterpause.
Wäre, wäre, Fahrradkette (frei nach Loddar Matthäus). Denn das ist jetzt nur noch mit einem Sieg, am kommenden Freitag gegen Gladbach möglich.
(mg)

P.S.: Ach ja, und dann waren da ja noch einige Vollhonks auf der Nord, die ihr eigenes Wohnzimmer mit Pyros beschmutzten.
Schönen Dank auch, ihr Vollpfosten. Wir haben es ja!

Ja, nein, vielleicht

Altaaa! Was hat er abgeledert, vorgestern bei Eurosport, der Matthias Sammer! Der HSV habe sich wie eine Jugendmannschaft benommen, solle den Ball doch an den Platzwart geben, wenn man nicht damit spielen wolle und Mathenia müsse der rechte Fuß doch schon weh tun, vom vielen Ball-nach-vorne-dreschen (wo er dann meist einen Freiburger traf…)

Die HSV-Gemeinde ist empört.
Alle? Nein. Einige hatten kurzfristig die hanseatische Brille weggelegt und fanden viel Wahres an den Worten des „Mal-fast-beinahe-SpoDis“ des Bundesliga Dinos.
Sie ist halt gespalten, die Fan-Seele.
In die „find ich alles nicht so schlimm“-Gemeinde und die, die sich nach einem ordentlichen Spiel gegen Hoffenheim einfach mehr erwartet hätte als die magere Kost, die am Freitag geboten wurde.

Doch fangen wir vorne an.
Oder nein, vielleicht eher hinten oder mitten drin.
Denn schon lange vor dem Abpfiff konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, als habe Gisdol am Freitag, eine eindeutige Unentschieden-Devise ausgegeben.
Sinngemäß sah das dann so aus, dass der Trainer vor den Mikros irgendwie erleichtert wirkte: „besser ein Punkt mit einem nicht so ansehnlichen Spiel, als schön spielen und ohne Punkte nach Hause fahren“. Noch ein Beweis gefällig? Gisdol weiter: „Wir hatten uns im Vorfeld vorgenommen, alles reinzuhauen, um zu Null zu spielen.“

Diekmeier und auch Papadopoulus schlugen thematisch in dieselbe Kerbe.

JA.
Natürlich ist es besser, mit einem Unentschieden vom Platz zu gehen, als erneut auf dem so ungeliebten Relegationsplatz zu landen.
NEIN,
spielerisch war da gestern wirklich nicht mehr drin. Vergeblich suchte man nach Spielfluss, Kreativität und einer Idee, das Bollwerk der Freiburger zu durchbrechen.
Besonders schlimm war das auf der rechten Seite zu sehen, von der so gut wie keine Torgefährlichkeit ausging. Diekmeier zog sich oft nach hinten zurück und Hunt hatte genug damit zu tun, den Rasen im (mal wieder nicht vorhandenen) Mittelfeld wenigstens ein wenig platt zu laufen.
VIELLEICHT
hätte Gisdol das spätestens zur Pause auch sehen müssen und Ito gegen Wood (der gestern leider erneut blass blieb) tauschen sollen, um neuen Schwung zu bringen.

Am Anfang der Partie war zunächst mal ein gegenseitiges Abtasten zu spüren. Wie viel würde gehen, in Freiburg? Wie früh fangen sie an, das Aufbauspiel zu stören, wie sehr mauern sie sich ein, in der eigenen Hälfte.
Und während den Hamburgern die ersten Minuten gehörten, schnappten sich die Gastgeber die zweite Viertelstunde.
Sechs zu sechs lautet die Eckenbilanz, in den ersten 15 Minuten, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht.
Die Halbzeit plätscherte dahin. Jeder war bemüht, keine Fehler zu machen und lieber auf die der anderen zu warten. Hunt wirkte, im Gegensatz zu letzter Woche müde. Von Wood war nichts zu sehen und auch Fiete Arp wartete ein ums andere Mal darauf, mit Pässen gefüttert zu werden. Kostic blieb farblos und Sakai… ich mag ihn wirklich gerne. Aber was da an Fehlpässen fabriziert wurde, tat manchmal wirklich weh! Santos spielte erneut souverän, leistete eine bemerkenswerte Abwehrarbeit und versuchte ab und an auch mal einen zaghaften Ausflug nach vorne.
Hätten wir den Papa, mit seinen sowohl sehenswerten als auch effektiven Grätschen nicht, wer weiß, ob es torlos in die Kabine gegangen wäre.

JA.
Das Unentschieden ging zum Halbzeitpfiff durchaus in Ordnung.
NEIN.
Als Hamburger hatte man die Hoffnung, dass Gisdol in der Pause die richtigen Worte findet noch nicht aufgegeben. Schließlich hatte man ja noch genau vor Augen, dass die Mannschaft durchaus besseren Fußball spielen und auch das Mittelfeld mit dem Spielgerät inzwischen kreativer umgehen kann.
Wie gut, dass die Freiburger sich im Abschluss genauso schwer taten, wie die Rothosen.
VIELLEICHT
war da Hoffnung, dass beide Mannschaften es begriffen hatten, dass ein Punkt nicht so wirklich viel hilft, um aus dem Tabellenkeller eine Stufe weiter nach oben zu klettern.

In der 53. Minute, Glück für die Gäste. Der von Ravet ausgelöste Torjubel wurde allerdings vom Schiri (mit Recht) als Abseitstor zurückgepfiffen.
Anschließend war es fast ein Spiel auf nur noch ein Tor. Die Augsburger drängten auf den Siegtreffer. Nachdem zwei, drei gefährliche Chancen gerade noch abgewendet wurden, wechselte Gisdol.
Doch was war das? Als HSVer rieb man sich einigermaßen verdutzt die Augen.
Hunt ging und Wallace kam?
Spätestens jetzt dürfte die ausgegebene Devise jedem klar gewesen sein.
Der positionsgetreue Wechsel von Wood gegen Hahn, in der 87. Minute sollte dann wohl nur noch ein paar Sekunden mehr von der Uhr nehmen.
Und „Saufen bis der Schipplock trifft“ geht weiter. Denn in der 92. Minute, als ein sichtlich enttäuschter Fiete Arp auf die Bank musste, war auch Sven wohl nur noch ein Körnchen in Gisdols Sanduhr.

JA,
die kämpferische Einstellung war auch Freitag erkennbar. Man hat sich halt mit Mann und Maus nach hinten orientiert. Damit ging das Mittelfeld und die Torgefahr flöten.
Mit einer Laufleistung von 113 Kilometern war man auch nicht faul. Man war halt nur nicht effektiv, was das Erreichen des gegnerischen Strafraumes und den Torabschluss anging.
NEIN.
Mit einer Passquote von 61 Prozent KANN man nicht zufrieden sein. Von 320 gespielten kamen gerade mal 196 an! Das ist indiskutabel. 21 Torschüsse der Freiburger stehen neun von unserer Mannschaft entgegen.
VIELLEICHT
Wird dieser Punkt am Ende ja noch ganz wichtig. Vielleicht geht dieses Spiel aber auch als vertane Chance in die Annalen ein.

„Wir spielen inzwischen einfachen Fußball“, sagte Sakai im Anschluss an das Spiel. Den Vergleich mit den Bayern zu kommentieren erspare ich mir an dieser Stelle mal. Denn bekanntlich liegt zwischen Schwarz und Weiß immer noch eine Menge Grau. Und wenn das letzte Woche auch einfacher Fußball war, dann nehme ich doch lieber den von letzter Woche nächste Woche nochmal!
(mg)

Lieber Relegationsplatz!

Lieber Relegationsplatz!

Einen „Running Gag“ nannte dich gestern der Sky-Moderator, während der HSV und die TSG Hoffenheim aufliefen. Denn mal wieder warst du von den Rothosen besetzt.

Eine Situation, die dir nicht fremd ist.Wir hatten ja nach dem 34. Spieltag, in den vergangenen drei Jahren, bereits zweimal das Vergnügen.

Und nach den Samstags-Spielen des aktuellen Spieltages war es mal wieder soweit. Mit 10 Punkten stand der HSV auf Platz 16.

Bloß weg hier. Du kennst das.

Gestern nun traf der HSV auf einen angeschlagenen Gegner, der in der Woche zuvor aus der EL gekegelt wurde und aus den letzten sechs BuLi-Spielen nur einen Sieg mitnahm.

Trotzdem steht Julian Nagelsmann mit seiner Mannschaft noch immer auf Platz 7!

Ein Abbild der aktuellen Bundesliga, die zwischen Platz 2 und 7 gerade mal 6 Punkte Unterschied bietet.

Unser Trainer hatte, im Gegensatz zum Spiel gegen Schalke, nicht viel verändert. Außer, dass Wood erstmalig in der Startelf neben Arp startete, Ito auf der Bank saß.

Ambitioniert und mit viel Tempo liefen die Rothosen an.

Nach bereits zwei Minuten waren sie gewarnt. Ein Querpass von Zuber konnte, dem Fußballgott sei Dank, von Demirbay nur knapp am Tor vorbei versenkt werden.

In der 7. Minute lief es, gut für uns, schlecht für unsere Gäste.

Ausgerechnet unser Außenverteidiger Santos ließ Zuber auf links stehen und versuchte, den im Strafraum lauernden Fiete Arp anzuspielen. Dort allerdings sorgte letztendlich Kevin Akpoguma dafür, seine eigene Mannschaft in Rückstand zu bringen.

Toooooor! Egal wie es zustande kam.

Aber in dem Moment waren wir dich, lieber Platz 16, los.

Trotz eines höheren Ballbesitzes von fast 63% gelang den Hoffenheimern in den nächsten 20 Minuten nichts Erwähnenswertes.

Der HSV spielte oft sauber nach vorne, Diekmeier setzte mit mehreren Sprints Akzente (er hatte mit 64 die meisten Aktionen am Ball!) und auch die Manndeckung funktionierte um Klassen besser, als in vielen anderen Spielen. Die Gäste entdeckten dagegen das Fehlpassspiel.

Nur knapp 64% ihrer Pässe gelangten an den eigenen Mann.

Die ansehnlichen Grätschen des Mentalitätsmonsters Papadopoulus waren ein ums andere Mal Stoppschild für gegnerische Bälle. Er nahm auch Sandro Wagner erfolgreich aus dem Spiel. Der wechselwillige Hoffenheimer blieb insgesamt blass.

Auffällig war auf der anderen Seite weiterhin Douglas Santos, der am Ende eine Zweikampfquote von 78% mit in die Kabine nahm.

Santos entwickelt sich klasse. War auf links erneut ein Fels in der Brandung.

Ich schätze mal, damit sind seine Abwanderungsgedanken erstmal auf brasilianisches Eis gelegt.

In der 49. Minute semmelte Wood einen volleygenommenen Ball an den linken Pfosten. In der 63. schenkte er Baumann einen sicheren Ball, indem er ihn, frei vor ihm stehend, direkt in die Arme schoss.

Das hätte jeweils das 2:0 sein können und zeitgleich eine willkommene Erleichterung für den so lange torlosen Amerikaner!

Gleiches gilt für Kostic, der in der 61. einen Steilpass von Sakai aus sechs Metern und extrem spitzem Winkel flach aufs Tor lenkte. Baumann erreichte den Ball gerade noch mit den Fingerspitzen und spitzelte ihn am langen Pfosten vorbei.

Auch Arp versemmelte ein 2:0, als er, von links kommend an Akpoguma vorbei ins Zentrum gelang. Dort verzog er aber leider den Schuss auf das lange Eck. Baumann klärte zum Eckball.

20 Minuten vor dem Ende wachten die Hoffenheimer auf. Gisdol reagierte mit einem defensiven Wechsel. Van Drongelen kam für Hunt.

Noch in der gleichen Minute (75) fiel der Brustlöser für Kostic. Ein tolles Freistoßtor aus 30 Metern. Soooo wichtig für den HSV und soooo wichtig für Kostic selber.

In der 88. Minute durfte sich dann Dennis Diekmeier, wenn es denn auch dieses Mal wieder nicht zu einem Tor gereicht hatte, einen weiteren Scorrerpunkt auf den Deckel schreiben. Per Kopf bedient er Gideon Jung, der aus neun Metern erfolgreich einnetzte.

3:0! Sieg im Volksparkstadion.

Tschüss, Platz 16!

Wichtig wird es sein, am kommenden Freitag (juchuh, endlich mal wieder Eurosport…), gegen den direkten Konkurrenten, Freiburg, nachzulegen! Denn so wie oben, ist es auch unten in der Tabelle äußerst kuschelig. Auf Freiburg trennen uns nur zwei, auf Bremen fünf Punkte. Im Mittelfeld geht es mit nur einem Punkt Unterschied auf Wolfsburg (Gegner am 9.Dezember!) und zwei Punkten auf Mainz, die momentan Platz 13 belegen, nach oben.

Sorry lieber Relegationsplatz. Aber irgendwie habe ich so überhaupt keinen Bock auf dich.

Der Sieg gestern war eine Mannschaftsleistung. Eine souveräne noch dazu. Wir haben tolle Ansätze gesehen, zwei schöne Tore und es standen 11 Kämpfer auf dem Platz die wussten, um was es geht.

Wenn wir diese Leistung stabilisieren können, habe ich keine Angst vor dir.

Ich hoffe wir sehen uns nicht so bald wieder,

deine (mg)

Unsere „kleinen Großen“: Fluch oder Segen?

Zwei Monate ohne Sieg. 7 Punkte aus zehn Spieltagen. Die Medien sägen am Stuhl von Markus Gisdol. Aus dem Verein heraus wird Ruhe suggeriert. Trotz allem wusste man: das Team war gestern zum Siegen verdammt, um dem Trainer eben diesen wackelnden Stuhl zu erhalten.

Sei es nun der Druck von außen oder die von Gisdol angedrohten strengeren Zügel, die Startaufstellung ließ beide Vermutungen zu.

 

So fand sich ein Lewis Holtby plötzlich auf der Tribüne, Bobby Wood auf der Bank wieder, während Jann-Fiete Arp und Tatsuya Ito in der Startelf standen.

Mit viel Feuer großem Willen auf beiden Seiten, wirkte das Spiel von Anfang an oft hektisch und vor allem kräftezehrend. Chancen gab es auf beiden Seiten. Leider fehlte es bei den Hamburgern zunächst erneut an Glück beim Abschluss.

 

Der erste Aufreger des Spiels: die Gelb-Rote Karte für Dženis Burnić. Der hatte erst kurz zuvor Gelb gesehen und legte sich nun mit Hunt an, der stolpert und fiel.  Die Geister scheiden sich noch heute: Foul oder nicht? Kann oder muss?

Ich gebe ehrlich zu, es hätte nicht unbedingt eine Gelbe sein müssen. Aber im Zuge der ausgleichenden Gerechtigkeit, die es ja bekannter Weise in jeder Saison gibt (geben MUSS), hatte ich in dem Moment kein Mitleid mit den Stuttgartern, die ab der 13. Minute in Unterzahl spielen sollten.

Im Übrigen weiß man in Hamburg ja aus leidvoller Erfahrung, dass man sich auch gegen Teams mit einem Mann weniger, nicht sonderlich viel leichter tut.

 

In der 20. Minute gab Zieler den Rothosen Schützenhilfe. Mit dem Knie lenkte er einen (gut) geschossenen Freistoß von Hunt ins eigene Tor.

 

Durch Ito und Arp kam gefühlt die doppelte Kreativität ins Spiel. Der wendige Japaner machte auf seiner rechten Seite mächtig Wirbel und Arp begeisterte mit überlegten Pässen und einigen guten Szenen im Stuttgarter 16er.

Dass Diekmeier, in der 28. Minute das 2:0 auf dem Fuß hatte… der Mantel des Schweigens hüllt die 100prozentige Chance kuschelig ein.

Dafür machte er das Geschenk der Gäste in der 55. Minute wieder wett. Der Videoschiri griff ein, hatte im 16er Hand von Dennis gesehen. Der anschließende Elfmeter brachte das 1:1.

 

Diekmeier die 3.: nach einem Pass von Ito auf Hunt, der, gefühlvoll geschossen zu Diekmeier fand, landete eine Flanke sauber auf Kostic. Der ließ sich nicht lange bitten und köpfte zum 2:1. Jubel im Volkspark und immerhin ein Scorrerpunkt für unseren rekordtorlosen Rechtsaussen..

Auch in der 69. Minute war Diekmeier beteiligt, als zum zweiten Mal in der Bundesliga die Stunde von Jann-Fiete Arp schlug. Er tanzte Pavard und Baumgartl, nach einem Zuspiel von Dennis  aus und schob aus 13 Metern den Ball ins linke Eck.

Sieg für Hamburg, 3 Punkte für Gisdol. Ein Trainerstuhlbein der bereits drei abgesägten, dürfte wieder dran sein.

 

Jann-Fiete Arp, Tatsuya Ito. Hoffnungsträger oder von Gisdol aus der Not heraus geboren? Segen oder Fluch für die beiden, die plötzlich von überall mit Lob überschüttet werden? Brechen sie unter den entstehenden Erwartungen ein oder trumpfen sie auf?

Ich persönlich denke, dass viel am persönlichen Umfeld liegen wird und natürlich am Charakter der zwei Youngsters selber, sich nicht von Beratern bequatschen und vom großen Geld zu früh verführen zu lassen.

Todt und Gisdol setzen dabei auf ein funktionierendes Team, das für Sicherheit und Bodenhaftung sorgen soll.

Wo der Weg hingeht, das weiß sicherlich nur der Fußballgott allein. Denn auch wenn sich „Uns Uwe“ mal wieder sorgt, man könne „seinen Fiete“ verheizen, gibt es für beide Möglichkeiten prominente Beispiele.

 

So debütierte auch ein Julian Draxler, im Januar 2011, mit 17 Jahren, bei Schalke (übrigens gegen den HSV). Er ist heute Kapitän der U21 und spielt, wenn er nicht gerade für Paris Saint-German aufläuft, auch unter Jogi Löw in der Nationalmannschaft.

 

Leroy Sané erhielt im Alter von 19 seinen ersten Profivertrag, bei Schalke, debütierte in der Liga aber bereits 2014 (aufgrund von Verletzungssorgen im Kader, kommt euch das bekannt vor ;-)), gegen, na, gegen wen? Genau, gegen Stuttgart. Heute, das ist bekannt, kickt er erfolgreich bei Manchester City und dürfte, ebenso wie Draxler, wohl zum WM-Aufgebot von Löw, im kommenden Jahr, zählen.

 

Und dann hätten wir da noch Marco Marin, der mit 18 Jahren, im Kader von Mönchengladbach, damals 2. Liga, debütieren durfte. In der Saison 2009/10 zählte er dann bereits zum Stamm der Bremer Weserelf. Von dort zog es ihn, bereits drei Jahre später auf die Insel, wo von Chelsea aus eine wahre Leihodyssee für den in Jugoslawien geborenen Marin begann. Er kennt, mit jetzt 28 Jahren, schon Fußballplätze in halb Europa. Unter anderem kickte er für Florenz, für Anderlecht und Trabzonspor, bevor er bei Oympus Piräus strandete. Nach der WM 2008, im deutschen Nationaltrikot, wurde es auch in der Natio still um den kleinen Flitzer. „Ja, ich könnte mir eine Rückkehr vorstellen und würde sicher vielen Vereinen mit meiner Spielweise helfen können“, so wurde der Linksaußen jüngst in der „Sport Bild“ zitiert.

 

Auch so kann es gehen…

 

Lieber Uwe Seeler. Sorge dich (mal) nicht. Ich habe das Gefühl, Arp, Knöll, Ito, Janjijic und wie unsere „kleinen Großen“ alle heißen, sind bei Markus Gisdol und auch den alten Hasen, rund um Papa Papa in guten Händen. Man merkt ihnen die Freude am Fußball an, man genießt die Sorglosigkeit, mit der sie den Ball verarbeiten, freut sich an ihren Ideen, die sie auf den Platz bringen und darüber, dass ihre Einsätze dafür sorgen, dass einige der Etablierten sich nicht mehr nur auf ihren gut dotierten Verträgen ausruhen können. Vielleicht ist das für sie eine schöne Art des Weckdienstes.

In dem Sinne: weiter so!

Kurz über die 3 Punkte freuen, trainieren, trainieren, trainieren und nach der (doofen) Länderspielpause den Schwung aus dem Stuttgart-Spiel mitnehmen, nach Schalke!

(mg)

Eine Frage bleibt offen

Herrlich! Es gibt einen Vorstandsvorsitzenden eines großen, norddeutschen Fußballvereines, der eine ganze Runde von Journalisten außer Gefecht setzt.
Mit Schweigen!
Und dieser Vorstandsvorsitzende trägt die Raute im Herzen und gehört zum HSV. Wie erfrischend anders.
Mit einem Schmunzeln habe ich mir gerade das „Interview“ von Heribert Bruchhagen, beim gestrigen Doppelpass angesehen. Nach der Feststellung, dass die ewig selben Fragen nach Kühne und Gisdol ihn „ermüden“, hat er anschließend großartig mit Schweigen gepunktet. „Es ist von meiner Seite aus alles gesagt.“ Punkt.
Vielleicht ist keiner der „Experten“ drauf gekommen mal zu fragen, ob es gerade nach dem Spiel gegen die Bayern nicht einfach ziemlich doof wäre, den Trainer infrage zu stellen. Vielleicht sind sie aber auch schon auf Krawall gebürstet ins Studio gekommen, weil das ja Quote bringt, immer und immer wieder auf den HSV einzuprügeln. Vielleicht ist ihnen aber auch nichts Besseres eingefallen.
Ich gehe mal von Letzterem aus, weil es an der Leistung der Mannschaft am Samstag einfach mal nicht viel auszusetzen gab.

Als eine gute Stunde vor Beginn des abendlichen Topspieles die Mannschaftsaufstellung rausging, schaute ich ein wenig verwundert darauf. Gisdol mischte Beton an und stellte mit Diekmeier, Mavraj, Papa, van Drongelen, Jung, Santos und Sakai eine kompakte 7-er Defensivkette vor die Offensivabteilung.
90 Minuten zerstörerisches Abwehrspiel? Das, so dachte ich, kann nicht gut gehen.
Nun sieht man ja meist schon in den ersten fünf Minuten, wohin die Spielreise des HSV jeweils geht.
Und so war ich denn auch nach dieser Zeit bereits positiv eines Besseren belehrt.
Mit einem frühen Gegenpressing trumpften die Hanseaten gegen überraschte Bayern auf.

Abteilung Sturm, mit Hunt, Hahn und Wood wurde dabei auch aus der eigenen Defensive immer wieder unterstützt. Diekmeier und auch Santos gingen über außen mit nach vorne und versuchten, die Murmel in den gegnerischen 16er zu bekommen. Und so hätte es auch in der 3. Minute im Ulreichschen Tor schon klingeln können. Leider landete Hahns Nachschuss direkt in Ulreichs Armen.
Bereits in der 7. Minute hätte es das erste Gelb für die Bayern geben müssen, als Tolisso unsauber gegen Wood arbeitete. Die Pfeife des Schiris blieb aber stumm.
Die Bayern überwanden ihre Überraschung und wurden mobiler, blieben im Abschluss aber erfolglos.
Kämpferisch ist dem HSV überhaupt kein Vorwurf zu machen. In dem hart geführten Duell gegen den Rekordmeister gewinnen sie 53 Prozent der Zweikämpfe. Da nutzen auch 73 Prozent Ballbesitz der Telekom-Truppe nichts. Leider will es mit weiteren, guten Torchancen unserer Jungs aber auch nicht so wirklich klappen.

In der 39. Minute dann die Szene, die ganz Fußballdeutschland noch heute beschäftigt. Im Mittelfeld rutscht Jung Coman mit Anlauf in die Beine, verfehlt den Ball um Milisekunden und sieht für diese Aktion Rot.
Gerade Jung, der im gesamten Spiel eher unauffällig (aber effektiv) seiner Aufgabe nachkam! Leute, Leute, da gab es schon andere Szenen, die rotverdächtiger waren! Wie wäre es zum Beispiel mit dem Ellenbogencheck von Vidal an Hahn, in der 17. Minute? Das ist dem Schiri nicht mal eine Gelbe wert!
Mindestens so geschockt wie die Fans ist Jung selber, der sich nach dem Spiel, mit einer großartigen Geste noch bei Coman entschuldigt.

Zu Zehnt gegen die Bayern. Über eine Halbzeit lang. Man mag sich denken, was die meisten von uns erwarteten.
Mit 0:0 geht es in die Pause, aus der die Bayern aggressiver rauskommen. Nach sieben Minuten Spiel auf ein Tor fällt es. Das 1:0 für die Gäste. Eine kurze Unaufmerksamkeit in der Innenabwehr gibt Müller die Chance, zum ungedeckten Tolisso zu passen, der seine Chance eiskalt nutzt.
In der 54. Minute grätscht Süle Sakai im 16er aus dem Weg. Aber es ist ja der HSV, also: kein Elfmeter…

Wer jetzt dachte, Hamburgs Trainer würde sich mit der knappen Niederlage zufriedengeben, der sah sich getäuscht. Er wechselte offensiv Holtby gegen Hunt.
In der 76. Minute kommen Kostic und Ito für Hahn und van Drongelen.
Respekt Herr Gisdol! Das nenne ich mal mutig.
Aber im Nachhinein eine gute Entscheidung. Beide Spieler bringen nochmal Schwung ins Spiel der Rothosen, die wahrlich nicht nur zerstören, sondern lieber punkten wollen. Leider klappt das nicht mehr.

Nach 93 Minuten pfeift der Schiri ab. Ein gutes Spiel unserer Jungs, bei dem Einsatz, Wille und Kampf stimmten. Leider hat man es wieder nicht geschafft, sich mit einem Tor zu belohnen.
Das Team hat mit einer Gesamtleistung jedoch Schlimmeres verhindert und hätte ein Unentschieden durchaus verdient.
Eine Frage jedoch bleibt unbeantwortet (also außer die von Bruchhagen zum Thema Gisdol 😉) WARUM nicht öfter so?
Mit der gezeigten Spiellust und dieser Einstellung hätte man es locker gegen Mainz oder Hannover schaffen können!
Womit wir wieder im Konjunktiv wären, von dem auch Gisdol langsam genug haben dürfte. Es müssen Punkte her! Am besten gleich am kommenden Wochenende in Berlin!
(mg)
P.S.: ein dickes Lob gebührt auch dem 12. Mann. Die Fans haben unsere Jungs nach vorne gepuscht und mit lautem Applaus jede gute Aktion belohnt. Auch die vom vielgescholtenen Mathenia, der ein sauberes Spiel ablieferte.