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Chancen

Jetzt mal ernsthaft.
Irgendwie ist es geradezu als „Glücksfall“ zu bezeichnen, dass der HSV in dieser Saison die 2. Bundesliga bespielen darf.
Ich bin mir fast sicher, dass wir mit dieser Mannschaft, die in meinen Augen einen echten Umbruch im Hinblick auf 2017/18 erfahren hat, im Oberhaus erneut mit dem Abstieg zu kämpfen gehabt hätten.

Das soll in keinster Weise eine Abwertung der Leistung, der Spieler oder gar des Trainerstabes darstellen.
Es ist ganz einfach Fakt, dass diese blutjunge Mannschaft die noch bevorstehenden 31 Spieltage als Chance nutzen kann.
Als Chance, die von den Medien so hoch gehypte „Titz-Technik“ zu trainieren, Fehler abzustellen, das System zu verinnerlichen und damit zu perfektionieren, um im besten Fall im nächsten Jahr Liga 1 damit zu begeistert.

Noch schleichen sich immer mal wieder Fehler ein, die bei treffsicheren, schnelleren Umschalt-Gegnern des Öfteren zu Gegentreffern und vielleicht sogar zu Niederlagen geführt hätten/führen würden.
Die Bielefelder Statistik zählte am 3. Spieltag der noch jungen Saison 17 Torschüsse, von denen kein einer im Netz von Pollersbecks Tor landete.
In Gedenken an unsere letzte Spielzeit hätten Montag wohl die Bielefelder noch drei Stunden weiterspielen können, ohne einen Ball zu versenken. Haste Scheiße am Schuh…. Ihr kennt das.

Eine Gefahr unseres Spiels ist zunächst noch immer der wackeligen Abwehr zu verdanken. Bates und auch van Drongelen hatten nicht ihren besten Tag. Auch eine Zweikampfquote von nur 43 Prozent spricht nicht für die Dominanz der Hamburger, die das Ergebnis letztlich vorgaukelt. Dass trotzdem am Ende die Null hinten stand, war auch ein paar super Paraden unserer Nr. 1 zuzuschreiben.

Der allerdings sorgte in der 42. Minute auch für den größten Aufreger des Spieles, als er einen von van Drongelen auf Voglsammer schlampig gespielten Pass, mit den Füßen an der Strafraumlinie, mit den Händen abwehrte.
Handspiel hinter dem 16er? Die Frage aller Fragen.
Denn selbst die langsamste Zeitlupe aller Sky-Kameras brachte nicht die letzte Gewissheit, ob der Ball vollständig hinter der Linie gehändelt wurde.

Leute, was bin ich froh, dass es keinen Videoschiedsrichter in der 2. Liga gibt! Denn auch das 1:0 durch Holtby hätte wohl im Kölner Fokus gestanden. Behinderung des Torwarts oder nicht?
Schiedsrichter Aarnink war schnell sicher, dass dem nicht so war, das Tor also regulär. Ich gehe davon aus, in der 1. Liga hätte man einen weiteren Grund gehabt, einen Schiri über einem Monitor hängen zu sehen.
Ich persönlich stehe inzwischen mit der Errungenschaft des VARs auf Kriegsfuß. Denn es ist mir immer noch lieber, eine schnell zu treffende Tatsachenentscheidung zu akzeptieren, als mehrere falsche Entscheidungen, die aus einem Videoraum kommen. Was zur Entlastung gedacht war, sorgt immer mehr für Verwirrung und Ärgernisse sowie Riesendiskussionen. Bei Fans, Spielern und Trainern.

Doch zurück zum Spiel.
Ich finde es gut und richtig, dass Titz den jungen Spielern, trotz ihrer Fehler weitere Chancen im nächsten Spiel gibt. Das ist nicht nur wichtig für das Selbstbewusstsein. Junge Spieler machen Fehler. Diese muss man ihnen zugestehen, ohne ihnen gleich die auferlegte Verantwortung zu entziehen. Nur so lernen sie.
Dieses Lernen könnte man sich in der 1. Liga kaum oder gar nicht leisten.
Ok, mit Papa und Jung fehlen zwei wichtige Defensivleute, die Titz sicher eingeplant hatte. Man wird sehen, wie er aufstellt, wenn die Beiden wieder zur Verfügung stehen.

Auch Ito braucht noch Zeit. Der kleine Dribbler vertanzt sich noch zu oft und versucht mit leichtem Starrsinn, seine Bälle noch ein Stück und noch ein Stück und NOCH ein Stück weiter in die Tornähe zu bringen. In ihm steckt ein großes Talent, das Entwicklung und Spielpraxis braucht.

Ein Wort zu „Bärchen“ Lasogga. In einigen Gruppen fand ich ironische Kommentare á la „jetzt, wo Lasogga wieder trifft, ist er euer Liebling, vorher war er nur überbezahlter Söldner“.
Also für mich sieht das ein bisschen anders aus. Pierre Michel tut einfach das, wofür er bezahlt wird. Tore schießen.
Dafür darf man ihn dann auch ein klein bisschen lieb haben. Denn auf dem Weg zurück in Liga 1 kann ein sicherer Strafraumstürmer eben Gold wert sein. Ok, ist er auch, aber das steht auf einem anderen Blatt.
Ich gebe aber auch zu, dass ich ihn nach der 1. Halbzeit ausgewechselt hätte. Wie gut, dass ich eben doch kein verantwortlicher Trainer bin 😉

Last but not least: es weht ein neuer Wind in der kompletten Mannschaft. Es menschelt. Eine lange Seite des neuen Kapitels im Team des HSV gebührt eindeutig Christian Titz.
So wie ich ihn kennenlernen durfte, als natürlicher, besonnener aber sehr wohl wissen- was- er will – Typ, so ist er auch im Umgang mit seinen Spielern.
Papa, Freund aber auch Chef und damit Vorgesetzter in einem. Ich bin froh, dass die Vorstandsetage auch mit ihm Mut zu Neuem und ein glückliches Händchen bewiesen hat und hoffe, dass man ihm Zeit genug gibt, sein Können auf mehreren Ebenen eindrücklich und richtungsweisend unter Beweis zu stellen.

Für mich die Szene des Spiels war übrigens der Jubel nach dem 1:0, als Holtby sich das Trikot des schwer verletzten Jairo Samperio zuwerfen ließ und hochhielt. Das Tor, den Sieg wollte man ihm widmen.
Und das tat man dann auch.
Dem Frischoperierten schicken wir an dieser Stelle auch gleich mal ein herzliches „gute Besserung“ rüber.

Mit einem Elfmeter, den der von Börner gefoulte Lasogga gleich selber verwandelte, machte man in der 88. Minute den Deckel auf das zweite Heimspiel der Saison drauf.
3:0 gegen gute, aber letztendlich ineffektive Bielefelder.
Das kann sich sehen lassen und bedeutet zunächst mal für eine Woche den Relegationsplatz. Das 1. Mal seit unzähligen Jahren, dass wir uns über einen Relegationsplatz freuen dürften.

Vor der Mannschaft und dem Trainerstab liegt noch eine Menge Arbeit. Auf dem Rasen und mental. Das wissen alle.
Übrigens gibt es dabei wohl bald Unterstützung von Jairo , der seine Rehamaßnahmen in Hamburg absolvieren wird, wie Titz in den Medien bekannt gab: „Er bekommt Videoaufgaben von uns. Gerade bei Standardsituationen hat er gute Ideen und eine hohe Intelligenz. Deshalb werden wir ihn einbeziehen.“ Somit wird er während der kommenden Monate Teil des Trainerteams und bleibt dicht an der Mannschaft. Gab es sowas schon mal? Ich kann mich nicht daran erinnern, finde es super und es zeigt einmal mehr, wie wichtig jeder einzelne Spiel für Titz ist, bei der Chance in Liga 2.
(mg)

„Bärchen“ trifft wieder

Biss, Leidenschaft, Wille, Konzentrationsmangel, Kurzschlaf, Schludrigkeit und ein wachgeküsster Strafraumstürmer.
Die Zuschauer bekamen von allem etwas, in der 1. Runde des diesjährigen Pokalwettbewerbs, beim Spiel HSV gegen den TuS Erndtebrück.

Und der HSV wäre nicht der HSV, wenn er seinem Ruf, Pokalspiele grundsätzlich zu Herzschlagspielen zu machen, nicht alle Ehre gemacht hätte.
Pokal, 1. Runde, da war doch was?
Richtig. In der Saison 2017/18 ging man blamabel, mit einem 3:1, beim VFL Osnabrück unter, zwei Jahre zuvor gab es das Erstrundenaus mit einem 3:2 gegen Carl Zeiss Jena.
2016 zitterte sich der HSV, durch einen Treffer vom damaligen Neuzugang Alen Halilovic, erst in der 70. Minute, gegen den FSV Zwickau, in die 2. Runde.

All das wollte Christian Titz vor Anpfiff allerdings nicht weiter kommentieren. Auch im Pokal stand für ihn alles auf Neuanfang.
Und der HSV begann gut. Mit rasantem Tempofussball schickte der Trainer seine Elf aufs Grün des Siegener Leimbachstadion, auf das die Gastgeber, unter anderem wegen der größeren Kapazität und des Naturrasens, ausgewichen waren.

Knapp 15.000 Zuschauer sahen einen Zweitligisten, der ambitioniert an seine Aufgabe ging und bereits nach zehn Minuten mit 2:0 führte.
Ein Foulelfmeter, den Orel Mangala rausholte und Lewis Holtby sicher verwandelte sowie der erste Treffer von Fiete Arp (nach schöner Vorlage von Narey) in dieser noch jungen Saison, ließen die über 5000 mitgereisten Hamburger jubeln.

Den Hausherren war in der ersten halben Stunde eine gewisse Nervosität anzumerken und so kam es erst in der 38. Minute zum ersten halbwegs gefährlichen Schuss auf das Tor von Tom Mickel, der den in der Woche leicht angeschlagenen Pollersbeck vertrat.
Fünf Minuten später gönnte sich die Defensive des HSV einen kurzen Tiefschlaf. Saka schlug die Kugel von der rechten Seite in den Strafraum. Stürmer Rösch verpasste, dafür kam der Ball genau in den Lauf von Tatsuya Yamazaki, der völlig blank stand und nur noch einschieben musste. Ob das Tor durch eine Abseitsstellung zustande kam, darüber streiten sich heute noch die Experten. Jedenfalls ging es mit einem Anschlusstreffer der Gastgeber in die Kabinen.

Die Defensive hatte wohl noch nicht ausgeschlafen, denn keine drei Minuten nach der Pause klingelte es erneut im Tor von Mickel. Erneut wurde ein langer Ball, vor dem Strafraum per Kopf verlängert, schussfertig vor Niklas Hunold abgelegt. Der zimmerte die Kugel unbedrängt aus 16 Metern links unten in die Maschen.

Alles auf Null. Ausgleich. Die Gastgeber jubelten und viele HSVer hatten ein Deja dingens, ahnten Schlimmes. Weil, ja, weil sich langjährige schlechte Erfahrungen mit Pokalpleiten eben nicht so schnell auslöschen lassen.

Der HSV schien geschockt, verlor unnötige Zweikämpfe und produzierte in den nächsten 20 Minuten vermehrt überhastete Fehlpässe.

Doch dann begann ein weiteres Kapitel des „neuen“ HSV. Anstatt die Köpfe zwischen die Schultern zu stecken und sich dem Schicksal zu ergeben, gab man nochmal Gas. Titz bewies ein goldenes Auswechselhändchen und schickte in der 61. Minute Lasogga aufs Feld. Der Torschütze zum 2:0 durfte dafür Feierabend machen.

Es dauerte keine drei Minuten, da zahlte Lasogga das Vertrauen seines Trainers mit seiner geballten Körperpräsenz zurück. Ambrosius brachte den Ball von rechts dahin, wo ein Strafraumstürmer stehen muss. Lasogga stieg im 16er hoch und drückte die Kugel per Kopf temporeich ins Tor.
Etwa 60 Sekunden später war es erneut Lasogga, der aus fünf Metern, nach Hereingabe von Mangala, das 4:2 für den HSV machte.
„Bärchen“ trifft wieder!

Puh! Leute! Kein Spiel für schwache Nerven.
In der 70. Minute war Mickel mit seinen Gedanken bei allem anderen, nur nicht beim Spiel. Er ließ sich weit vor seinem Tor einen verschlampten Pass abluchsen, kassierte für den anschließend misslungenen Versuch, den Ball zurückzuerobern nur Gelb und konnte beim logisch folgenden Freistoß dem Kopfball durch Till Hilchenbach nur noch hinterhergucken.
3:4…
Ab der 71. Minute war wieder alles möglich. Der Ball lief rasant hin und her. Beide Mannschaften hatten Chancen, bevor Mangala aus 20 Metern viel Zeit und Platz hatte und mit einem schönen Abschluss in die rechte untere Ecke des Tores von Paul Schünemann den Deckel drauf machte.

3:5…Christian Titz wird mehrere Lehren aus diesem Spiel mitnehmen.
Zum einen ist da eine Offensive, die ihren Namen langsam auch verdient, allerdings noch zu viele Chancen liegenlässt.
Da ist ein Mittelfeld, das sowohl hui als auch pfui spielen kann. Eine Zweikampfquote von knapp 48 Prozent gilt es zu verbessern, denn auch ein Ballbesitz von über 80Prozent führt nicht zwangsweise zum Erfolg.
Gefährlich wird es auch immer mal wieder, wenn der Gegner das Titzsche Torwart-Libero-System frühzeitig anläuft und nicht alle, und ich meine wirklich alle, mit voller Konzentration dabei sind.
Schwachpunkt in der Mission Wiederaufstieg bleibt in diesem Zusammenhang die Defensive. Drei Tore gegen einen Fünftligisten müssen wirklich nicht sein. Viel zu groß waren oftmals die Räume zum Gegner.

Positiv herauszuheben ist der oben erwähnte Wille, auch nach Gegentoren das Spiel erneut zu drehen. Für Lasogga freut es mich, dass er mit seinem Doppelpack zum Sieg maßgeblich beitrug.
Mit Recht durfte er dafür auch den Titel „Man of the match“ mit nach Hamburg tragen.

Hoffen wir, dass er den Schwung mitnimmt in die Liga. Dort trifft der HSV am kommenden Montag auf Armenia Bielefeld.
Die Bielefelder reisen mit breiter Brust ins Volksparkstadion. Sie servierten am Samstag den FC Lok Stendal mit 5:0 ab.

Vor Christian Titz liegt eine arbeitsreiche Woche. Denn seine Stamm-Defensive steht wohl noch immer nicht. Dafür passieren sowohl Sakai und Bates (blieb vorgestern für Ambrosius draußen) als auch van Drongelen noch immer viel zu viele individuelle Fehler und oft mangelt es an oben erwähnter Konzentration.

Das Beste zum Schluss: wir sind eine Runde weiter. Die Saison ist noch jung. Ebenso wie die Mannschaft, die im Laufe des Jahres noch besser zueinander finden muss.
So. Das waren jetzt mindestens sechs Euro fürs Phrasenschwein 😉
(mg)

3 Punkte, 3 Tore, ein Sieg

„Der HSV ist angekommen in der 2. Bundesliga“, titelten verschiedene Medien am Tag nach dem Sieg gegen Sandhausen.

Aus dem 2. Spiel im Unterhaus des deutschen Fußballs brachten unsere Rothosen 3 Punkte mit nach Hamburg.

Sie wiegen schwer. Denn hätte man auch dieses Spiel versiebt, nicht nur die Köpfe der Spieler wären noch ein Stück tiefer zwischen die Schultern gesunken.

So aber hat es Trainer Christian Titz in der vergangenen Trainingswoche wohl geschafft, der jungen Truppe die nötige Portion Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben.

Und das war auch gut so. Denn wenn es auch „nur“ gegen den SV Sandhausen, im fünftkleinsten Stadion der Liga, ging, aus verschiedenen Pokalerfahrungen heraus weiß man beim HSV ganz genau, dass es eben keine Vereine gibt, denen man mal eben so im Vorbeigehen Siege abluchsen kann.

Christian Titz, der eine Art „Heimspiel“ hatte, ist er doch im 20 Kilometer entfernten Edingen-Neckarhausen aufgewachsen, veränderte, im Gegensatz zur vergangenen Woche, an der Startelf nicht viel.

Lediglich Lasogga trat zu seinem Zweitligadebüt an und der von Stuttgart ausgeliehene Orel Mangala sollte im Mittelfeld für Ruhe sorgen.

Da der SV Sandhausen saisonübergreifend bereits seit fünf Spielen auf einen Sieg wartete, durfte man im Vorfeld keine großen Gastgeschenke erwarten.

Die verteilten die Baden-Württemberger lieber noch vor dem Anpfiff. Für jeden angereisten HSVer gab es mit der Eintrittskarte gleich mal ein Freibier dazu. Eine feine Geste der Sandhäuser, die bereits mit einer plakativen Anreiseempfehlung, am Hamburger Hauptbahnhof mächtig Sympathiepunkte gesammelt hatten.

Allerdings gab es dann doch noch Gastgeschenke, auch auf dem grünen Rasen. Zwei Torwartfehler von Marcel Schuhen, in der 7. und 59. Minute sorgten mit für den 3:0 Erfolg für den HSV.

Das 2:0 fiel in der 30. Minute. Rick van Drongelen versenkte den Ball, nach einer Hereingabe durch Santos, per Kopf im Tor der Sandhäuser, die bereits ihre 7. Zweitligasaison bestreiten.

Nun mag der ein oder andere erneut die „nur Sandhausen-Keule“ auspacken, einige noch immer vorhandene Abwehrschwächen der Hamburger aufzählen und vergebenen Bällen hinterherschauen.

Fakt ist, wir haben gewonnen.

Und auch die vermeintlichen Gastgeschenke müssen erstmal erfolgreich angenommen werden. Gerade wir HSVer haben das schmerzlich in der vergangenen Saison erlebt, dass das auch anders laufen kann.

Khaled Narey verwandelte allerdings mit eiskalter Abgeklärtheit. An dem 24jährigen Deutsch-Togolesen, der für 1,7 Millionen von Greuther Fürth zum HSV kam und Nikolai Müller auf der rechten Außenposition ersetzen soll, werden wir noch viel Freude haben.

Auch Neuzugang Orel Mangala wusste sich zu behaupten. Obwohl der erst in der vergangenen Woche ins Mannschaftstraining einstieg, scheint er seinen Platz im Gefüge der jungen Truppe bereits gefunden zu haben.

Der Unterschied zur vergangenen Woche?

Christian Titz brachte es auf den Punkt: „Wir haben unsere Chancen genutzt.“

Mehr gab es nicht zu sagen.

Es war ein Sieg nach einer bitteren Niederlage. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Der HSV steht nach dem 2. Spieltag auf einem nicht aussagefähigen Platz 8, die jetzt ausgeglichene Tordifferenz macht es möglich.

Nun gilt es, Konstanz in den Kader zu bringen, weiter zu arbeiten und jedes Spiel anzugehen, als wäre es ein Endspiel. Leichter wird es nicht werden.

Und sollte es denn wirklich so sein, dass der HSV angekommen ist in Liga 2. Ich bin es irgendwie noch nicht.

So berühren mich die übrigen Partien so gut wie gar nicht. Vielleicht kommt das ja noch, wenn wir jeden Gegner einmal bespielt haben. Wie geht es euch damit?

In diesem Zusammenhang mein ureigenster Senf zum morgigen Testspiel des HSV gegen die Bayern:

Ich kann diese Ansetzung absolut nicht nachvollziehen.

Zum einen kann man von einem hohen Sieg der Bayern ausgehen (wer bitte will das wirklich sehen?), der weder für das anstehende Pokalspiel gegen Erndtebrück das Prädikat „besonders wertvoll“ verdient, noch für das gerade erst belohnte Selbstbewusstsein der Mannschaft praktisch erscheint.

Zum anderen besteht immer die Möglichkeit, dass sich einer unserer Spieler verletzt und dann bei den wichtigeren Ligaspielen fehlt.

Aktuell sollen erst 23.000 Tickets verkauft, das Stadion somit am Mittwoch nur halb voll sein. Wer es trotz allem sehen möchte: die Partie wird morgen live auf Sport1, ab 17 Uhr, übertragen…

Last but not least noch ein persönliches Wort zu Kostic.

Lieber Filip. Ich kann dein Verhalten in keinster Weise nachvollziehen. Du stehst bei einem Verein unter Vertrag, der dir regelmäßig jeden Monat dein Gehalt überweist. Du kamst 2016 für 14 Millionen vom VFB Stuttgart und hast seitdem deinen Marktwert mehr als halbiert. Hast du dich mal gefragt, woran das wohl liegen mag?

Meinst du nicht, dass dein Arbeitgeber es zumindest verdient hat, dass du bis zuletzt alles gibst, auch wenn du am liebsten sofort weg willst?

Es gebietet die Regel der Höflichkeit, sich nicht mit einem Boykott, sondern mit Leistung zu verabschieden! Und dem HSV endlich Planungssicherheit zu verschaffen. Das funktioniert aber nicht mit dem Ablehnen von Vertragsangeboten oder einer Null-Bock-Einstellung.

Ich habe fertig!

(mg)

Willkommen in Liga 2

Es war 22.05 Uhr, die 78. Minute der Auftaktpartie in der 2. Bundesliga, da geschah das, wovor zahlreiche Fußballtaktiker und auch andere Medien schon im Vorfeld ein wenig Bammel hatten, so sie es denn mit dem HSV hielten.

„Hamburg verkünstelt sich beim Versuch, fußballerisch hinten rauszuspielen. So landet der Ball beim freistehenden Lee. Der Südkoreaner behält die Übersicht und bedient den eingewechselten Kinsombi in der Mitte. Der braucht nur noch einzuschieben“, das stammt aus der Liveberichterstattung von Sky und bedeutet nichts anderes, als dass Pollersbeck und seine Vorderleute sich beim  Versuch, ein sauberes Spiel von hinten aufzubauen mächtig verrechneten. Der Ball landete beim Gegner und führte zu einem schnellen Konter in der eigenen Hälfte.

Unsanft ist der Bundesliga-Dino bei seiner Premiere im Unterhaus der Liga auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Mit 0:3 schickte ein in der zurückliegenden Sommerpause spielermäßig ziemlich zerpflückter Kieler Kader die Rothosen in die Kabine und nahm einen großen Sack der zuvor über den Hanseaten ausgeschütteten Euphorie gleich mit.

HSV-Kapitän, Lewis Holtby, der Aaron Hunt an der Binde vertrat, sagte am Sky-Mikrofon: „Das hatte nichts mit dem zu tun, wie wir spielen wollten. Wir waren mutlos, haben als Mannschaft nicht gut gespielt und verdient verloren. Das werden wir aufarbeiten müssen und nächste Woche ein anderes Gesicht zeigen. Das war ein Spiel, in dem wir desaströs waren. Wir müssen eine Reaktion zeigen.“

Und so manch einer fragte sich, ob das nicht einfach ein Einspieler aus der vergangenen Saison war.

Wie oft haben wir HSV-Fans, gerade in der vergangenen Saison, gleichlautende Sätze gehört?

Wie oft blieb die Mannschaft nach eigener Aussage hinter ihren eigenen Erwartungen zurück?

Ja, da waren Chancen. Gerade in der 1. Halbzeit sorgten Tatsuya Ito (3.), Neuzugang Jairo Samperio (5.) und Holtby (12.) vorne für mächtig Wirbel. Und auch Khaled Narey versuchte, nach gelungener Premiere gegen Monaco, erneut sein Glück als Torschütze, in der 35. Minute. Seine Chance in der 74., nach einer Flanke von Rick van Drongelen, bei dem er versuchte mit dem rechten Fuß im Fünfmeterraum zu netzten, hätte ebenfalls drin sein müssen.

Und wer weiß wie sich die Partie entwickelt hätte, wäre wenigstens einer dieser Bälle im Netz gelandet.

Hätte, wäre, wenn. Da sind wir wieder, bei dem so ungeliebten Konjunktiv, der die Abschlussschwäche der HSVer auch in der abgelaufenen Saison schon in bester Regelmäßigkeit begleitete.

Und dann war da ja noch Kiels Königstransfer, der bereits oben erwähnte südkoreanische WM-Teilnehmer Jae Sung Lee, der immer wieder für mächtig Unruhe im Titzschen System sorgte.

Damit wären wir aus meiner Sicht beim eigentlichen Problem.

Denn im Gegensatz zu vielen anderslautender Meinungen habe ich sehr wohl gesehen, dass die Kieler von ihrem (auch neuen) Trainer, Tim Walter, hervorragend auf dieses System eingestellt waren.

Ein ums andere Mal störten sie das in den letzten Spielen der 1. Liga und auch in den Testspielen so locker (manchmal zu leger) aussehende Aufbauspiel, mit Pollersbeck als „Libero“, machten dem Kurzpassspiel durch das Mittelfeld mit aggressivem Anlaufen schnell ein Ende und zwangen den HSV so erneut zu langen Bällen, die, mangels Anspielstationen viel zu oft wieder nur in der gegnerischen Hälfte landeten, wo sie zu schnellen Kontern führten.

Täusche ich mich, oder wirkten die Titzschen Schützlinge überrascht davon?

Klar ist es eine junge Mannschaft, und klar ist auch, dass diese Youngsters immer mal wieder Fehler machen werden.

Trotzdem sah es oft so aus, als fiele ihnen, insbesondere in der 2. Halbzeit, keine Antwort auf die anstürmenden Kieler ein, die eben jenes eintrainierte System so manches Mal unterbanden.

So blieb dem HSV teils nichts anderes über, als einem verlorenen Ball hinterherzujagen, um Schlimmeres zu vermeiden.

Dabei half dann auch Pollersbeck, der mehrmals (z.B. in der 46. und 86. Minute) hervorragend parierte.

Irgendwie fehlte mir letztlich aber öfter auch der letzte Biss in den Zweikämpfen und im Laufen ohne Ball. Ich will glauben, das war nur eine schlechte Tagesform und hatte nichts mit mangelnder Kondition zu tun.

Mein Fazit:

Plan A ist mächtig in die Hose gegangen. Und auch die kommenden Gegner werden versuchen, sich der Hamburger Spielweise anzupassen und gegenzuhalten.

Es mangelte an einem Spielemacher im Mittelfeld und ich hoffe, dass nicht nur der fehlende Hunt diese Lücke ausgleichen kann.

Sollte dem so sein, hat Becker nicht nur die Aufgabe, sich noch nach einem IV umzuschauen, um die instabile Defensive zu stabilisieren.

Für mich war es auch eine überraschende Aufstellung, ohne richtigen Stürmer. Vielleicht doch keine so gute Idee.

Ich hoffe, Titz hat noch ein Plan B in der Tasche. Sonst könnte diese Saison für den leidgeprüften HSV-Fan eine noch härtere werden und schnell für Unruhe im Umfeld sorgen, die, wie wir nur zu gut wissen, kontraproduktiv ist.

Noch ist nicht viel passiert. Außer der Tatsache, dass der HSV mit aller Realität in der 2. Liga angekommen ist.

Und vielleicht liegt ein Großteil des vorherrschenden Frustes in den Tiefen der vergangenen Spielzeiten begründet. Denn man kann noch so oft sagen, schaut voran und nicht nach hinten.

In unseren Köpfen befinden sich noch immer jede Menge dieser unnötigen Niederlagen, die uns letztendlich dorthin brachten, wo wir jetzt spielen.

Und ich möchte nicht irgendwann wieder damit anfangen, die Spiele aufzuzählen, in denen man noch so und so viel Punkte machen kann, um nicht erneut in einen nach unten zeigenden Strudel zu geraten.

Ich brauche keine Durchhalteparolen mehr. Sie alle sind ausgelutscht. Wie in einer Beziehung, in der ein Thema totgeredet ist.

Ich baue auf sachliche (angebrachte) Kritik, eine realistische Analyse. Unter uns Fans und erst recht innerhalb der Mannschaft.

Diese Kritik hat auch nichts damit zu tun, dass wir nicht trotzdem uneingeschränkt hinter unseren Jungs und dem Trainer stehen.

Einem Trainer, der die Mannschaft bis zum nächsten Wochenende auch mental wieder aufbauen kann, um den entstandenen Schwung aus der Vorbereitung in die nächsten Spiele mitzunehmen.

Herr Titz, übernehmen Sie! Wir brauchen Reaktionen: Selbstbewusstsein ohne Arroganz, Taktik mit Variabilität, Mut ohne Übermut. Und das alles am besten schon nächste Woche gegen Sandhausen. (mg)

„Jeheheja, hehe, auf geht’s Hamburg“!

Nicht allzu oft haben die Fans des HSV in den vergangenen Jahren dem Torjubel von Scooter, über dem Volksparkstadion lauschen dürfen.
Gestern durften sie schon mal üben, für eine hoffentlich torreichere Saison, als die letzten, in denen es eigentlich ständig nur um den Klassenerhalt ging.
Ganze dreimal drückte Lotto, in der Kabine des Stadionsprechers auf den entsprechenden Jingle-Knopf.

„Jeheheja…“ Nach einem schönen Zuspiel unseres neuen Kapitäns, Aaron Hunt, war es ausgerechnet der Neuzugang aus Fürth, Khaled Narey, der über rechts seinen Gegenspieler außer Gefecht setzte und mit einem sehenswerten Schuss den Ball aus 15 Metern, in der 29. Minute, zum 1:0 im Tor versenkte.
Als Auftakt zur neuen Saison lud der HSV zum traditionellen Volksparkfest. Rund um das letzte Testspiel, gegen den AS Monaco, hatten die Organisatoren ein buntes Programm aus Sport, Spaß und Musik geflochten, bei dem für jeden etwas dabei war.
Auch die Spieler mischten sich unter das Volk und erfüllten einmal mehr das Motto von Trainer Christian Titz, eine „Mannschaft zum Anfassen“ sein zu wollen.

Endlich geht es wieder los.
Nach dem bitteren Abstieg unseres Vereins, in die 2. Liga, geht es ab kommenden Freitag in diesem Jahr um den Aufstieg. Den Aufstieg ins Oberhaus der Bundesliga.
Und ich kann es gar nicht abwarten.

Was eigentlich erwarte ich?
Nun, zunächst mal eine Saison, in der wir uns endlich mal wieder über mehr schöne Tore freuen dürfen. Auswärtssiege, die Spaß machen, eine Mannschaft, die endlich wieder diesen Namen verdient. Die kämpferisch ist, läuferisch alles aus sich rausholt und auch mit besserem Fußball überzeugt, als wir inzwischen gewohnt waren.
Mein Motto lautet: Schauen wir nach vorne und nicht zurück.

Das, was in den vergangenen Testspielen (und auch im Trainingslager im österreichischen Bad Erlach) zu sehen war, macht Mut.
Mit Christian Titz an der Seitenlinie haben wir einen Trainer, der zwar Fehler erlaubt, aber sofort daran geht, diese möglichst schnell auszumerzen.

Klar wird es Rückschläge geben. Insbesondere gegen Mannschaften, die sehr defensiv aufgestellt sind und auf Konter lauern. Da sind wir noch sehr anfällig.
Wobei gestern sehr schön zu beobachten war, dass selbst ein Lasogga dazu angehalten ist, mit nach hinten zu arbeiten.
Mannschaftlich geschlossen lautet die Devise.
Dafür spricht auch das 2. Tor des Tages, das erneut durch den im rechten Mittelfeld „beheimateten“ Narey erzielt wurde. Übrigens wieder nach einer Vorlage von Hunt. Hier scheinen sich zwei gefunden zu haben 😉

Und es gab einen weiteren Scorrerpunkt für den Neukapitän.: in der 73. Minute war es Lasogga, der mit einem satten Schuss ins lange Eck den Endstand zum 3:1 erzielte.

Ach ja: die Monegassen schlossen in der 47. Minute zum 2:1 auf. Auch der Treffer war durchaus sehenswert. Und wäre das Tor ein paar Zentimeter breiter gewesen, hätten die Gäste glatt schon in der 1. Halbzeit aufgeschlossen. Der Pfosten aber hielt stand.
Und auch Pollersbeck zeigte einige Male mit tollen Paraden, warum er den Vorzug vor Tom Mickel im Titz´schen System erhalten hat.

Apropos Titz und Pollersbeck.
Der Spielaufbau über unseren Torhüter und seine IVs (gestern Bates und van Drongelen) sieht schon ganz gut aus. Andererseits wird einem als Zuschauer manchmal schon ein wenig schwummrig, wie verspielt und leger der Spielaufbau teilweise wirkt.
Die Gegner werden sich schnell darauf einstellen und dann kann bereits ein kleiner, zu kurzer oder langer Fehlpass reichen, um in einen gefährlichen Konter in der eigenen Hälfte zu geraten.
Auch muss aufgepasst werden, dass im Spiel durch das Mittelfeld nicht zu viel klein/klein gepasst wird.
Hier fehlt manchmal noch die Präzision der Laufwege und die nötige Routine.
Aber, die Saison ist ja lang und Titz sieht alles das, was wir versuchen zu analysieren, noch besser und professioneller.

Ein Wort noch zu unseren Neuzugängen, die mir ausnahmslos gut gefallen haben. So mag ich beispielsweise die „bulligen“ Einsätze eines Nareys und Kwartengs, wenn Opoku wieder fit ist, werden wir auch an ihm viel Spaß haben.
David Bates hat sich klasse in das Mannschaftsgefüge hineingearbeitet und übernimmt teils bereits Führungsaufgaben in der Abwehr.
Auch Samperio und Moritz haben ihren Platz schon gefunden. Und warum die Bayern haben Wintzheimer gehen lassen, wird wohl ihr ewiges Geheimnis bleiben.
Matti Steinmann wird an den Etablierten weiter wachsen. Gleiches gilt für Ito, der als Kleinster in dieser Saison ein ganz Großer werden kann.
Last but not least gehen die besten Genesungswünsche an unser Krankenlager. Papa, Jung und Opoku, werdet schnell wieder gesund, wir werden euch alle noch brauchen…
…beim Abenteuer 2. Bundesliga, das jetzt endlich beginnt.
Ich kann es gar nicht abwarten.
(mg)

Abstiegsfrust, Abenteuerlust und eine Reise nach Österreich

Vorfreude, Wehmut, oder Euphorie?
Mehrere Herzen schlagen gerade in meiner Brust.
Nunmehr sind es bereits acht Wochen, seitdem der HSV den bitteren Abstieg in Liga 2 besiegelte.
Acht Wochen, in denen ich versuchte zu realisieren, was da geschehen war.

Unabsteigbar?
Niemals 2. Liga?
Vorbei!

In meiner Trauer wurde ich aufgefangen, durch die aufkeimende Euphorie, die sich rund um den Verein, kaum einen Tag nach dem Spiel gegen die Fohlen erhob.
Über 5000 neue Vereinsanträge gingen ein.
„Mein Hamburg lieb ich sehr“ klang in meinen Ohren nach.
Ein „Jetzt erst recht“-Gefühl keimte auf.

Neue Spieler kommen, bekannte Gesichter gehen.
Einige konnten es sich leider nicht verkneifen, noch einmal gegen den ehemaligen Arbeitgeber nachzutreten.
So tun die Worte von Hahn und Co zwar weh, sie zeigen uns trotzdem einiges.

Ja, es herrschte eine Zeitlang Unruhe, speziell auf der Führungsebene. Doch so wie es scheint, sind diese Tage gezählt, in denen die BILD oder das Abendblatt vor der Vereinsführung wusste, wer kommt und wer geht.
In denen von außen noch mehr Unruhe nach innen getragen werden konnte und sich die handelnden Personen davon beeinflussen ließen.
Ruhig und sachlich wird augenscheinlich an einem Kader gearbeitet, der die bevorstehende Herkulesaufgabe angeht und bewältigen kann.
Gemeinsam und Hand in Hand.
Im Gegensatz zu vorherigen Transferperioden werden sogar Spieler VERKAUFT. Für den ein oder anderen beurlaubten SpoDi dürften das ein Schlag ins Gesicht sein.

Ja, so manch ein Trainer vercoachte sich in der letzten Saison mächtig und überging dabei manch einen Spieler wortlos.
Aber hey. Seid ihr Jungs nicht alle erwachsen genug, eure Interessen in einem INTERNEN Gespräch anzubringen und nach Lösungen zu suchen?

Raus aus der Komfortzone, rein in die Selbstständigkeit eines Profispielers, der weiß, was er will, der zeigt, dass er kann! Der sich eben nicht zu schade ist, im Sinne der Mannschaft auch mal Platz auf der Bank zu nehmen, um in der Woche danach doppelt Vollgas im Training zu geben.
Ein „es hat niemand mit mir gesprochen“ ist mir da zu einfach!

Sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Stellvertretend dafür sei hier Lewis Holtby erwähnt, der ohne großen Medienrummel die Durststrecke auf der Bank überstand und anschließend eben NICHT zu einem Gesicht des Abstiegs, sondern mit seiner Vertragsverlängerung eher eines der Hoffnung auf bessere Zeiten wurde.

Und wenn ich von mehreren Herzen in meiner Brust spreche, dann meine ich auch das, was am 1. Spieltag der 2. Liga nochmal traurig darauf schaut, dass die Liga, die man bisher kannte, erst Stunden später angepfiffen wird.
Ich hoffe, dass unsere Jungs, unser Trainerteam und auch die Vereinsspitze mich (und mit mir sicherlich zigtausend weitere) mit erfrischendem Fußball auffängt.
Wir HSVer gieren nach gutem Fußball.
Wir gieren nach Erfolgserlebnissen.
Wir gieren nach Toren und wir haben es auch verdient.

Somit habe ich mir vorgenommen, mich ab sofort ganz einfach zu freuen. Auf das Abenteuer 2. Liga, das hoffentlich nicht länger als dieses eine Jahr dauert.

Es wird kein Selbstgänger.
Aber es wird spannend sein zu sehen, wie sich der HSV auf unbekanntem Terrain entwickelt.

Einen ersten Eindruck auf die kommenden 34 Spieltage erhaltet ihr ab kommendem Sonntag von uns.
Die BlogPerlen begleiten die Mannschaft nach Österreich, ins Trainingslager.
Dort wird uns hoffentlich nicht nur der Wettergott und der Greenkeeper wohl gesonnen sein, sondern wir lernen den ein oder anderen von euch sicher auch mal persönlich kennen.

Auf viele schöne Momente, die wir mit euch teilen können.
Ich freue mich wie ein kleines Kind auf die neue Mannschaft.
(mg)

Mediales Mobbing

Er ist kaum eine Woche im Amt und schon sorgt er für die meisten Schlagzeilen in den Medien.
Ralf Becker, frisch gekürter Sportdirektor beim HSV und gemeinsam mit Bernd Hoffmann und Frank Wettstein der komplettierte Vorstand in der AG des Vereins.

Während der vergangenen Tage gab er Interviews, die für viel Beachtung in den Zeitungen der gesamten Republik sorgten. Viele von diesen Blättern übernahmen ungefiltert Zitate, fügten Vermutungen hinzu und dichteten gar Untertöne ein, die sie meinten, rausgehört zu haben.
„Das kann man als Seitenhieb auf Bernhard Peters verstehen. Denn der vornehmlich für den Nachwuchsbereich zuständige Direktor Sport hat beim HSV Trainer wie Joe Zinnbauer und auch Titz gecoacht“, lautete beispielsweise eine Formulierung, die es auf zig Seiten on-und offline zu lesen gab.
Dabei hatte Becker „nur“ bestätigt, der wichtigste Mann im operativen Bereich sei für ihn Trainer Christian Titz.
„Ihm gilt meine komplette Unterstützung. Ich bin an seiner Seite, wenn er mich braucht. Ich bin aber nicht der, der ihm erklärt, wie er seine Dinge machen muss.“
Punkt.
Wer darin einen Seitenhieb zu lesen vermag hat für mich nur eines im Sinn: den HSV bloß nicht zur Ruhe kommen lassen. Zoff in der Führungsetage, in den vergangenen Jahren ja nichts Ungewöhnliches, kommt ja auch viel besser, als ein sachliches, zielorientiertes Zusammenwirken aller Beteiligten, das so gar nicht berichtenswert erscheint. Zu eben dieser hatte übrigens gerade Frank Wettstein alle Beteiligten, über die offiziellen Kanäle des HSV, aufgefordert.

Bernhard Peters und Ralf Becker sind beide erwachsene Menschen. Mit genügend Intelligenz und dem Willen, eventuell bestehende Probleme aufzuarbeiten, würde im Sinne aller gehandelt werden. Soviel sollte man ihnen zumindest zutrauen.
Doch das, was gerade medial abläuft, grenzt fast an Mobbing. Mobbing sowohl gegen Peters als auch gegen Becker.

Becker wird zum harten, herzlosen „Hund“ hochstilisiert, der sowohl das Büro seines „Konkurrenten“, als auch seinen Platz in der Kabine und auf der Trainerbank einnehmen will. Peters hingegen wird so lange kleingeschrieben, bis er vielleicht selber nicht mehr in den Spiegel gucken kann und seinen Hut nimmt.

Zum Teil hat er sich sicherlich selber in diese Situation gebracht. Seine Ambitionen auf das Amt des SpoDis, die er in einem Abendblatt-Interview erkennen ließ, gehörten einfach nicht in die Öffentlichkeit. Mit einem intern geführten Gespräch hätte sich dieses unschöne Gebashe, das nun entbrannt ist, vermeiden lassen und den Druck auf den HSV UND Peters gar nicht erst in Gang gesetzt.

Fakt 1 ist: wir alle wissen nicht, was genau intern gelaufen ist.
Fakt 2 ist: Peters besitzt einen gültigen Arbeitsvertrag, in dem seine Aufgaben detailliert beschrieben sein dürften. Werden diese beschnitten, hat er das gute Recht, darauf zu bestehen. Sind sie es nicht, sollte er in seinen alten Job, in dem er durchaus gute Arbeit geleistet hat, zurückkehren und das tun, wofür er bezahlt wird.
Erfolge sind das, was am schnellsten Gras über diese mediale Posse wachsen lässt und so manchem Reporter die Tinte schnell vom Füller nehmen dürfte.
Dass dafür allerdings erst die neue Saison angepfiffen werden muss, ist wohl auch jedem klar.

Im Übrigen haben wir beim HSV für meine Begriffe gerade ganz andere Probleme. Wir bereiten uns auf eine Saison vor, die für alle Neuland ist.
Und bin ich durchaus Willens, dem bestehenden Team Vertrauen auszusprechen, so ist mir doch eine Aussage unseres neuen SpoDis aufgestoßen:
„Wir wollen eine Struktur schaffen, in der die Richtung klar ist und das Ergebnis am besten im nächsten Sommer eintritt. Wir wollen das aber nicht mit Arroganz angehen, sondern mit Demut. Wir wollen bescheiden sein und vor allem arbeiten.“ (BILD)

Lieber Herr Becker. Weder mit Arroganz NOCH mit Demut gewinnt man Spiele. Wie lange sich der HSV schon in Demut begeben soll? Ich habe die Jahre nicht gezählt.
Ich mag es nicht mehr hören.
Viel mehr erwarten doch wohl alle eine schlagkräftige Mannschaft, die weiß was sie will, bissig auf den Platz geht und die verinnerlicht hat, dass sie allerorten als Favorit gesehen wird, den es zu schlagen gilt.
Weder gegen Aue, noch gegen Sandhausen, Köln oder Kiel wird Demut helfen.
Viel mehr werden Respekt vor jedem Gegner, Konzentration, Einsatz, Spieltaktik sowie Kampfgeist gefordert sein! Und eine Prise Bodenständigkeit, die es gilt, nicht nur auf der finanziellen Ebene wiederzuerlangen.
In diesem Sinne: herzlich willkommen Herr Becker und allzeit ein glückliches Händchen. Gegner überzeugt man am besten mit Leistung. Aber, wem sage ich das…
(mg)

Mit Titz und Trotz

Da wir gerade beim Brechen von Traditionen sind, ich habe heute weder den DoPa noch Herrn Wontorra in mein Wohnzimmer gelassen.
Auf all die Phrasen, Abgesänge und Schmähgesänge von Strunz, Bild und Co konnte ich gut verzichten. Sie alle konnten den Rest des noch übriggebliebenen Schmodders, der in den letzten Wochen über dem HSV ausgekübelt wurde bestimmt auch gut ohne mich verbreiten.
Es wird sowieso niemand nachvollziehen können, wie es im tiefsten Herzen eines Vollblut-HSV-Fans heute aussieht.

Ich will mal versuchen zu beschreiben, wie es in mir aussieht. Vielleicht findet sich ja der ein oder andere darin wieder.

Also, so wirklich realisiert habe ich den Abstieg noch nicht.
Es versucht immer noch der Bauch über den Kopf zu siegen. Und während der Bauch voll ist mit einer großen Portion Trauer und der unbeantworteten Frage, wann wir denn nun samstags einkaufen gehen wollen, wenn um 13 Uhr schon der HSV spielt und wo ich auf der Karte denn all die Sandhausens und Aues finde, schleicht sich im Kopf ein neues Gefühl ein: Trotz.
Sollen sie sich doch alle hämisch die Hände reiben und über uns grinsen.
Sollen sie doch ihre Liga „endlich“ ohne den HSV feiern und dabei feststellen, dass sie eben nicht mehr das ist, was sie mal war.
Eigentlich sind die, die heute feixen doch alle nur armselig. Denn auch wenn ich wohl niemals Bremen- oder Pauli-Fan werde, den Abstieg wünsche ich keinem Fan, der mit jeder Faser seines Körpers zu seinem Verein steht. Schon gar nicht mit derartiger Wortwahl, die in der letzten Zeit immer mal wieder zu lesen war und die jedwelche Intelligenz ihrer Nutzer zumindest in Frage stellen.

Und jetzt mal ganz im Ernst, liebe Leute, eigentlich hatten wir ja lange genug Zeit, um uns auf den Fall der Fälle vorzubereiten.
Seit dem 17. Spieltag (an dem wir übrigens mit 3:1 in Gladbach verloren) gurken wir dort unten rum und der Abstand zum rettenden Ufer wurde immer beängstigender.
Nach 13 Spielen ohne Sieg waren es sieben Punkte bis zum Relegationsplatz.

Und dann kam er. Christian Titz. Als ich innerlich bereits begann, mich mit dem Wort Abstieg zu befassen. Acht Spieltage vor dem Saisonende stellte der AR, unter dem Vorsitz von Bernd Hoffmann, mit nun Alleinvorstand Frank Wettstein die komplette Führungsriege auf den Kopf. Und Titz, vormals Trainer der U21, die gesamte Mannschaft.

Plötzlich wurde wieder Fußball gespielt. Nicht nur im Volkspark, sondern auch auswärts. So manch einer rieb sich verwundert die Augen. Selbst gestern jubelte Sky-Moderator Kai Dittmann „so spielt kein Absteiger“ in sein Mikro.
Es startete eine Aufholjagd, die gestern mit einem Sieg gegen die Fohlen, leider nicht mit dem doch noch verdienten Klassenerhalt belohnt wurde. That´s life, wenn du noch von anderen Ergebnissen abhängig bist.
Ich schrieb es ja bereits in der vergangenen Woche, dass ich annehme, dass Wolfsburg die letzten Reserven mobilisieren wird. Und auch eine Niederlagenserie unter Bruno Labbadia musste ja einmal ein Ende haben.

Aber ehrlich, wir können hoch erhobenen Hauptes in die 2. Liga gehen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.
Leider war es trotzdem zu spät.

Mit Recht ist Titz stolz auf seine Jung. Denn wieder einmal liest sich die Spielstatistik erstaunlich gut.
Mit einer Fehlpassquote von unter 14 Prozent sowie ausgeglichenem Ballbesitz und Zweikampfquote kann man sich durchaus sehen lassen. 17 mal wurde aufs Tor geschossen. 8 mal versuchten es die Gladbacher.
Duracellhäschen Holtby krönte seine 13 Kilometer Rasenlaufstrecke mit einem schönen Tor und Wirbelwind Ito hatte nicht nur die meisten Sprints und „Intensivläufe“, er darf sich auch den Scorrerpunkt zum 2:1 ins Fleißbüchlein schreiben.
Wunderbar die Atmosphäre im Volkspark, als die Gladbacher Abgesänge mit einem Chor aus mehreren zehntausend Kehlen und „Mein Hamburg lieb ich sehr“ übertönt wurden.

Hätte, wäre, wenn…
…unter anderen Umständen hätte es erneut Spaß gemacht, dieser Mannschaft zuzugucken.
Umso mehr haben mich die Tränen von Ito, Sakai, Arp und auch Steinmann berührt, als sie unter dem Applaus ihrer Fans in die Kurve gingen.

Und genau aus diesem Grund bin ich es auch. Stolz auf das, was die Jungs unter Titz in den letzten Wochen erreicht haben.
Unter all den Vorzeichen die wir nun bereits vorfinden bin ich wirklich gespannt darauf, wie und mit wem sich der HSV im Unterhaus der Liga verkaufen wird.
Es wird mit Sicherheit noch ein paar schmerzliche Abgänge geben (Santos wird einer davon sein. Was der inzwischen zur Stabilität in der Defensive und auch nach vorne zum Spiel beiträgt, ist mehr als lobenswert.)
Auch einen Holtby wird man nicht halten können. Schon allein aus finanziellen Gründen. Aber wenn ich ehrlich bin, dann ist das auch gut so.
Es muss an allen Stellschrauben gedreht werden. Und dazu zählt auch die der Großverdiener mit großen Namen. Interessant wird sein, was in diesem Zusammenhang aus Lasogga wird.
Und dann ist da ja auch noch ein Halilovic, der in den nächsten Wochen auf seinen gepackten Koffern vor der Kabinentür sitzen wird.
Vielleicht, ja vielleicht, kann ein Christian Titz ihm ja Leben einhauchen…

Jawohl, liebe Leute! Ich bin stolz darauf, ein HSV-Fan zu sein. Ein bekloppter HSV-Fan, der wieder an einen Neuanfang glaubt. Der daran glaubt, dass auch „dort oben“ endlich der Groschen gefallen ist und wir uns endlich mal wieder auf eine gute Saison freuen dürfen, die bereits am 3. August beginnt.

Bis dahin versuche ich ganz langsam mich auf die bevorstehende WM freuen zu können und bis dahin wird ganz sicher auch die Frage mit dem samstäglichen Einkauf gelöst sein 😉

In diesem Sinn: macht euch einen sonnigen Sonntag und beschenkt doch mal eure Mütter einfach nur mit eurer Anwesenheit.
(mg)

P.S.: eines wollte ich nicht vergessen: ein ganz großes Dankeschön geht an dieser Stelle an den Schiedsrichter der Partie, Felix Zwayer.
Seine Entscheidung, das Spiel nicht abzubrechen (und damit verloren zu werten), sondern mit einem Schiedsrichterball zu beenden ist aller Ehren wert!
Im Gegensatz zu der Aktion, durch die diese Entscheidung erst notwendig geworden ist, die aber nicht ein Wort mehr verdient hat.

Itos Barthaar

Sollte noch irgendjemand die These vertreten, dass der DFB seine Schiedsrichter angewiesen hat, den HSV mit zweifelhaften Entscheidungen in der 1. Bundesliga zu halten, der dürfte am vergangenen Wochenende endlich zum Schweigen gebracht worden sein.

Damit man mich nicht falsch versteht, ich käme nie auf die Idee, den wohl ersten Abstieg des Dinos gänzlich an der Abseitsentscheidung rund um Itos Tor zum 1:0 für den HSV, in der 25. Minute, festzumachen.
Es ist nun mal eine Mission „fast unmöglich“, eine grottenschlechte Saison innerhalb von acht Spielen zu revidieren.
In einer „normalen“ Spielzeit hätte sich wohl niemand besonders darüber geärgert, wenn die Hamburger ohne Punkte aus Frankfurt zurückgekommen wären.
Leider ist diese Saison mal wieder alles andere als normal…
Da dieses Tor aber zu einem Zeitpunkt weggepfiffen wurde, wo es für den HSV um Tod oder Gladiolen geht, unterstelle ich dem Videoschiri Günter Perl mangelndes Fingerspitzengefühl und dem Gesamtprojekt der FIFA grundsätzlich die Note mangelhaft.

Nicht ganz umsonst heißt es „im Zweifel für den Angeklagten“. Und wer hier keine Zweifel hatte, der muss schon Augen wie ein Adler haben, die zudem noch mächtig dreidimensional gucken können.
Selbst die Expertenrunden der diversen Fußballtalks waren sich fast geschlossen einig, dass das Kölner Eingreifen unangemessen war, da es sich nicht um eine eindeutige Fehlentscheidung von Deniz Aytekin handelte, als er das Tor zunächst gab.
Man hätte schon mehrere Kalibrierungslinien ziehen müssen, um zu sehen, dass mindestens (Zitat) ein „Barthaar Itos“ im Abseits war.
Da den Videoschiedsrichtern diese Linien allerdings nicht zur Verfügung stehen, sprachen selbst HSV-Skeptiker wie Hahmann und Reif von Irrsinn und kollektivem Wahnsinn, der den Rothosen das so wichtige Führungstor versagte.

Unverständlich auch für mich ist zudem die Tatsache, dass Aytekin sich die strittige Szene nicht mal selber am Monitor anschaute, sondern das Veto von Perl einfach umsetzte. Dabei hatte selbst sein Linienkollege die Fahne unten gelassen.
Ob der Videoschiedsrichter unter den gegebenen, höchst schwammig formulierten Regeln weiterhin Bestand haben sollte ist für mich äußerst fragwürdig.
Denn sollte er eigentlich dafür sorgen, dass mehr Gerechtigkeit in die Fußballwelt einzieht, sorgt er inzwischen eher Woche für Woche für mehr Diskussionsstoff und zweifelhafte Entscheidungen, die teils sogar mit zweierlei Maß gemessen werden. Für mich sieht es so aus, als ob die Schiedsrichter oft selber nicht wissen, ob sie nun eingreifen müssen oder nicht.

Müßig zu überlegen, wie das Spiel wohl gelaufen wäre, hätte Itos Tor (wunderbar herausgespielt, nach einem Zuckerpaß von Hunt) gezählt.
Fakt ist, wir kassierten sechs Minuten später das erste Gegentor und in der 77. Minute stand es dann 2:0. Das abschließende 3:0 von Alexander Meier, in der Nachspielzeit, war nur noch Makulatur und dem aus Frankfurt scheidenden Meier, während seines letzten Heimspieles, somit auch zu gönnen.

Ziehen wir ein Fazit muss man jedoch zugeben, dass der HSV, gegen sehr kompakt stehende Frankfurter, weniger Zugriff auf das Spiel hatte, als in den vergangenen Wochen. Zudem wirkte man weniger bissig am Ball und hinten blieb uns bei den Gegentoren lediglich mal wieder die so bekannte Eskortrolle über. Obwohl sich die Statistik nicht wirklich schlecht lesen lässt (Fehlpassquote 20 Prozent bei rund 60 Prozent Ballbesitz und 52 Prozent gewonnenen Zweikämpfen), gingen die Spieler bekanntlich mit drei Gegentoren vom Rasen. Es war halt nicht der Tag der Rothosen.

Aber Hamburg wäre nicht Hamburg, könnte man das letzte Spiel der Saison jetzt mal in Ruhe gucken. Nächste Woche müssen wir gegen Gladbach nicht nur gewinnen (was durch die europäischen Ambitionen der Gäste nicht unbedingt leichter wird), wir müssen zudem auf Schützenhilfe aus Köln hoffen, die auf die Wolfsburger treffen.
Wobei, ich traue den Kölner durchaus ein faires Spiel zu, um sich mit einer ordentlichen Leistung aus der Liga zu verabschieden. Zudem spielen wir zuhause. Der Volkspark wird beben.
Und sollte es letztendlich doch nicht klappen, dann haben wir uns wenigstens auch mit ordentlichen Vorstellungen in den letzten Spieltagen aus dem Fußball-Oberhaus verabschiedet.
Es ist Montag und ich habe schon jetzt eine schlimme Unruhe im Bauch. Irgendwie befürchte ich, dass wir gewinnen und auch die Wolfsburger ihre letzten Kräfte erfolgreich mobilisieren können.

Ein Wort noch zu der momentan so heiß gehandelten Trainerdiskussion. Meinen Standpunkt über eine vorzeitige Verlängerung mit Christian Titz habe ich ja bereits in der vergangenen Woche deutlich gemacht.
Erneut hat mich unser Trainer, in seinen Interviews, mit seiner unaufgeregten, sachlichen Art begeistert. Er weiß um die Situation vor dem Endspiel und man hört auch raus, dass er nicht abgeneigt wäre, in Hamburg Profitrainer zu bleiben.
Deshalb kann ich persönlich nur hoffen, dass die in einigen Medien verbreitete Ambition von Bernd Hoffmann, Roger Schmidt zum HSV zu holen, nur das übliche dumme Säbelgerassel ist und somit eine Falschmeldung, wie man hier und da bereits hört, bleibt.
In diesem Sinne wünsche ich euch eine, so weit es geht, ruhige Woche, unseren Jungs ein gutes, konzentriertes Training ohne Verletzungen, jede Menge Motivation, Christian Titz ein glückliches Händchen bei der Kaderaufstellung und allen guten Appetit beim Griechen
(mg)

Jetzt mit Titz verlängern? Nö!

Alle, die keine Lobeshymnen, von einer teilweise bekloppten HSVerin, mehr hören mögen, brauchen gar nicht weiterlesen.
Ich reihe mich ein in die Vielzahl derer, die seit Wochen noch immer ungläubig auf die Spiele des HSV schaut.

So wie auch gestern. Da war zum einen die Mannschaft, die man endlich wieder als eine solche bezeichnen kann. Klasse anzuschauen, wie man das ein oder andere Mal die stürmenden Wolfsburger zu zweit in die Zange und ihnen so den Ball abnahm.
Erstaunlich, dass sich mutig durchs Mittelfeld kurzgepasst wird, dass man endlich die Laufwege seiner Kollegen kennt und sich niemand für keinen Weg zu schade ist (ja, ja, ich wiederhole mich 😉)
Da ist ein Trainer, dem man seine Leidenschaft für Fußball an der Seitenlinie anmerkt. Der jeden Schritt seiner Schützlinge mitgeht und zumindest gefühlt einen halben Hamburg-Marathon in der Coachingzone zurückgelegt hat.

Herrlich unaufgeregt, sein Auftritt im ZDF-Sportstudio.
Glücklich über die überlebenswichtigen drei Punkte, die gestern mit auf den Weg nach Hamburg gingen.
Realistisch genug zu wissen, dass man noch keinen Blumenpott gewonnen, aber einen riesen Schritt in Sachen Spielentwicklung und vor allem Selbstbewusstsein getan hat.
Klar, dass man aus ihm wieder mal ein Statement zum Verbleib über das Ende der Saison hinweg, herauskitzeln wollte.
Deutlich und angemessen seine Antwort dazu. Er fühle sich in Hamburg sehr wohl, könne sich alles vorstellen (ligaunabhängig), aber das sei momentan nicht Thema. Viel mehr konzentriere man sich jetzt auf das „Halbfinale“, nächste Woche gegen Frankfurt.

Chapeau Herr Titz!

Sind es nicht die gleichen, die jetzt danach schreien, möglichst zeitnah mit dem Trainer zu verlängern, die Wochen zuvor hämisch darauf hingewiesen haben, dass es ja noch zwei Trainingsleiter auf der Hamburger Payrol gibt?
Sowohl Gisdol als auch Hollerbach haben noch einen Vertrag bis 2019, kassieren ihr Geld somit noch über 12 Monate, quasi im Schlaf.
Ein jeder, der die Situation (auch die finanzielle) in Hamburg kennt müsste wissen, dass man den Fehler, neue Trainer gleich mit langen Verträgen auszustatten, viel zu oft viel zu teuer bezahlt hat.
Titz besitzt einen Profi-Vertrag bis zum Ende der Saison. Danach, und auch das bestätigte er gestern, setze man sich in aller Ruhe zusammen und rede darüber, ob und wie es weitergehe.
Bis dahin sollte die Vorstandsreihe des Vereins aufgefüllt und auch der Posten des Sportdirektors neu besetzt sein.
Ich kann nur hoffen, dass Bernd Hoffmann, gemeinsam mit dem gesamten Aufsichtsrat, dann, in Kooperation mit dem AG-Vorstand, kluge Entscheidungen in Sachen Trainer trifft.
Der Verein gibt die Philosophie vor, der Trainer füllt sie mit dazu passenden, verpflichteten Spielern aus. So und nicht anders soll es sein.
Ich setzte auf Kontinuität. Spätestens zum Anpfiff der nächsten Saison. Ligaunabhängig.
Klar ist, dass Christian Titz (und das wohl nicht nur für mich) dabei gerne eine Hauptrolle übernehmen darf.

Kurz zum Spiel.
Liest man die Statistiken, so lagen Gastgeber und Gastmannschaft gar nicht so weit auseinander.
Da stehen sich knapp 54/45Prozent gewonnener Zweikämpfe gegenüber. Mit 80 Prozent angekommener Pässe setzten die Rothosen ihre tolle „Titz-Quote“ fort. Dass die meisten Fehlpässe von Julian Pollersbeck kamen (zehn an der Zahl, ebenso viele wie Lewis Holtby, der mit fast 13 Kilometern erneut die längste Strecke zurücklegte) spricht dafür, dass auch dieser Gegner den ruhigen Spielaufbau, zwischen den IVs und dem Torwart ausführlich videoanalysiert hat, Pollersbeck damit öfter zu langen Pässen nach vorne gezwungen wurde. Ein kleines Zuckerle für Wirbelwind Tatsuya Ito: bei ihm zählten die Statistiker null Fehlpässe.
Zudem liefen die Hamburger insgesamt fünf Kilometer mehr als die Wölfe.

Die wichtigste statistische Zahl liefert allerdings die der Torschüsse. Hier steht es 11 zu 14. Von den 14, der von Hamburgern auf den Kasten von Casteels abgegebenen Schüsse, landeten drei im Ziel.
Der erste Auswärtssieg seit 246 (!) Tagen war perfekt.
Einzig über die Standards vom ansonsten erneut fleißigen Aaron Hunt, der in der 67. Minute für Albin Ekdal weichen musste, bedürfen sichtlich weiterer Übungseinheiten.

Glück im Unglück für Filip Kostic, der den zweiten (!) Elfer des Tages, für die Hamburger, nicht verwandelte. Hier bewies Christian Titz, mit der Einwechslung von Luca Waldschmidt, ein glückliches Händchen. Er netzte im Nachschuss zum Endstand ein.
Apropos Elfmeter.
Dem seit dem 2. Spieltag glücklosen Bobby Wood den ersten Strafstoß zu überlassen, war eine der besten Ideen (wer auch immer die Entscheidung getroffen hat). Der Treffer ist hoffentlich als Brustlöser für den Amerikaner zu verstehen. Wir werden ihn in den letzten beiden Spielen, als erfolgreichen Torschützen, noch mega brauchen können!

Was bei aller Euphorie bleibt, ist die Gewissheit, dass der Spieltag noch nicht vorbei ist. Mainz spielt heute noch ein (für sie und uns) wichtiges Match gegen Leipzig.
Es werden nicht wenige sein, die erstmalig den Roten Bullen die Daumen drücken.

Wir sind bis auf zwei Punkte am Relegationsplatz dran.
Wir sind weiterhin von denen, die mit uns „da unten“ stehen, angewiesen.
Also heißt es auch weiterhin: heute feiern, morgen arbeiten und übermorgen unbedingt dem Griechen-Schwur frönen.
Ich ende mit einem Zitat unseres Trainers: „Bähm“!
Noch ist nichts verloren.
(mg)