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Wie Helene Fischer in Buxtehude

Was der Unterschied ist, zwischen der Fangemeinde von Deutschlands Schlagerqueen und der des HSVs?

Ganz einfach.

Zahlreiche Zuhörer von Helene Fischer wären am vergangenen Montag wohl nach 20 Minuten vom Veranstaltungsort geflohen, weil sie zu viele schiefe Töne zu hören bekamen, während die HSV-Fans längst wissen, dass es sich oft genug lohnt, bis zum Ende auszuharren.

Es war der Sky-Moderator himself, (von dem man im Übrigen häufig nicht wusste, ob er dasselbe Spiel sah) der sich im Vorhinein mit Superlativen zum Spitzenspiel HSV-Köln überschlug. Unter anderem gab er zum Besten, das 95. Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine in Liga 2, sei, als würde Helene Fischer in Buxtehude trällern.

Tagelang hatten die Medien die Stimmung geschürt, hochgepuscht, was es hochzupuschen gab.

Nun gut, letztendlich brachte das Spiel dem Pay-TY-Sender Sky eine Spitzenquote ein. Mehr als 500.000 Zuschauer erwarteten gespannt den Kampf um die Tabellenspitze vor dem Fernseher. Zum Vergleich: Bochum gegen Regensburg, in der vergangenen Woche, wollten lediglich 70.000 Fußballfans mitverfolgen.

Beide Trainer waren, im Gegensatz zu den Medien, im Vorfeld bewusst zurückhaltend, sprachen zwar auch von Spitzenspiel, reduzierten die Erwartungen hinsichtlich der Tabellenführung allerdings zur Momentaufnahme.

Im Grunde ist es das auch. Eine Momentaufnahme.

Trotz allem war sich insbesondere Hannes Wolf sehr wohl bewusst darüber, dass sein HSV nach drei torlosen Heimspielen nicht nur bei den Fans in der Pflicht stand.

Und so war das 1:0, in der 86. die Erlösung nach 363 torlosen Minuten im Volkspark. Douglas Santos darf sich, nach einem tollen Solosprint, einen Scorrerpunkt notieren. Lasogga stand dort, wo ein Strafraumstürmer stehen muss und staubte mit einem harten Schuss aus drei Metern, den Treffer ab.

Überhaupt. Douglas Santos dürfte nach diesem Spiel erneut Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen geweckt haben. Er war an zehn Torschüssen beteiligt, dreimal davon versuchte er sich selber am Abschluss. Seine sowohl offensiven als auch defensiven Aktionen brachten ihm ein Sonderlob vom Trainer ein.

In den ersten 20 Minuten war es wirklich kein gutes Fußballspiel. Beide Mannschaften tasteten sich ab und versuchten, keine Fehler zu machen.

Für einige sorgte zudem die Aufstellung von Léo Lacroix, der für den gelb-rot gesperrten Bates in die Startelf rutschte, bereits vor Anpfiff für Bauchschmerzen.

Völlig zu Unrecht, wie sich im Nachhinein herausstellte. Der Schweizer gewann über 80 Prozent seiner Zweikämpfe, brachte 91 Prozent seiner Pässe an den eigenen Mann und sorgte erheblich mit dafür, dass Kölns Toptorjäger, Simon Terodde an diesem Abend lediglich eine Statistenrolle einnahm und die beste Offensive der 2. Liga torlos blieb.

Interessant wird zu beobachten sein, wie Wolf in den kommenden Spielen auf diese Topwerte reagiert.

Und während, wie oben erwähnt, Helenes Konzert wohl nach nicht mal einer halben Stunde sein Ende gefunden hätte, wurde der HSV, insbesondere in der 2. Halbzeit immer stärker.

Dafür sprechen auch die Statistikwerte. Hier stehen insgesamt 23:11 Torschüsse und 8:1 Ecken geschrieben. 57 Prozent gewonnener Zweikämpfe sind zwar noch ausbaubar, neun mehr gelaufene Kilometer beweisen jedoch eindrucksvoll, dass Hamburg den Kölnern (nicht nur) läuferisch überlegen war.

12,9 Kilometer der insgesamt 123,8, gehen übrigens auf das Konto von Khaled Narey, der (nicht nur) mich erneut von seiner Wichtigkeit für die Mannschaft überzeugte.

Er beackerte die komplette Spielfläche und war sich für nichts zu schade.

So war es ihm zu verdanken, dass die Führung, in der 59. Minute, nicht an die Gäste ging. Er kratzte einen Ball von Höger von der Torlinie, nachdem Pollersbeck schon geschlagen schien.

Habe ich noch was vergessen?

Ach ja. Den eindeutigen Handelfmeter in der 16. Minute, den Schiri Dingert nicht gepfiffen hat. Czichos bekam aus einem Meter den Ball an den Arm, der eindeutig ausgestreckt war.

Das war das 1. Mal in dieser Saison, dass ich einen Videoschiedsrichter vermisst habe.

Insgesamt war es eine engagierte Mannschaftsleistung, die man in den vergangenen Heimspielen öfter vermisst hat.

Hannes Wolf bleibt bescheiden und ruft zur Disziplin. Denn auch Aue, derzeit auf Platz 13 der Tabelle, wird gierig sein auf Punkte gegen Hamburg. Uns wird weiterhin nichts geschenkt werden.

Nun gilt es, den knappen Vorsprung auszubauen.

Die von Geschäftsführer Veh hart gescholtenen Kölner treffen auf Dresden. Trainer Markus Anfang steht unter Siegdruck.

St Pauli, derzeit 2. der Tabelle, bekommt es mit Heidenheim zu tun. Beide Partien könnten die Tabellenspitze ordentlich durcheinanderruckeln. Alle drei Spiele finden zeitgleich statt.

Das wird ein spannender Samstag…

(mg)

 

P.S.: Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich BlogPerle Fiete anhört, der sollte sich den neusten unter allen Podcasts anhören. Einfach www.volksparkgefluester.de anklicken.

 

Ultras, Segen oder Fluch?

Mit zwei Tagen Abstand wird man ruhiger.

Obwohl die Wut, dass die eigenen Fans beinahe für einen Spielabbruch gesorgt hätten, mich noch immer nicht ganz loslässt.

Die 2. Runde DFB-Pokal vor der Brust. Der SVWW mit stolzgeschwellter Brust, haben sie doch St. Pauli, in der 1. Runde, mit einem 2:3, nach Verlängerung, vorzeitig aus dem Wettbewerb gekegelt.

Vor dem Spiel die großen Ansagen des Gastgebers, Pauli sei stärker zu bewerten als der HSV. Somit erwartete man bereits vor Anpfiff einen heißen Kampf.

Das mit dem „heiß“ erledigten dann zunächst mal die Pyropfeifen aus dem Gästeblock.

Nach dem 1. und auch dem 2. Tor für die Hamburger leuchtete der Block und qualmte es selbst bis weit auf den Rasen.

Als Lasogga in der 51. Minute zum zweiten Mal netzte (nach einem schönen Zusammenspiel mit Holtby und Arp), sah sich Schiri Jöllenbeck gar bemüßigt, wegen der starken Rauchentwicklung, die Spieler vom Feld zu holen.

Die Stadionsprecherin machte deutlich: noch einmal und das Spiel wird abgebrochen.

Ich weiß wirklich nicht, ob es denen, die für das Spektakel zuständig sind klar ist, WAS das den Verein gekostet hätte.

Die Aussicht für das Erreichen der Runde 3, über 660.000€ einzustreichen, wäre mit dem vorzeitigen Abpfiff gestorben und automatisch in den Kassen von Wiesbaden gelandet.

Ganz davon ab, dass der DFB mal wieder ermittelt und saftige Strafen drohen.

Und dabei ist es wahrlich keine Entschuldigung, das harte Durchgreifen des Schiedsrichters mit der Anwesenheit von DFB-Präsi Grindel zu entschuldigen.

Man munkelt, dass die Aktion eine Reaktion auf das „Hoffmann, du wirst noch von uns hören“-Plakat war, das vor dem Ultra-Block, nach der Entlassung von Christian Titz aufgehängt wurde.

Sei´s drum. Irgendeinen Grund findet man ja immer, bewusst gegen geltendes Recht  zu verstoßen, und damit nicht nur sich, sondern auch andere zu gefährden.

Man muss stark bezweifeln, dass weitere Gespräche, die man nun suchen will, großartige Ergebnisse hervorbringen.

Zu festgefahren sind die Meinungen auf beiden Seiten.

Während die einen Fackeln stimmungsvoll finden, wissen die anderen nicht, was Qualm und schädlicher Rauch, mit eben dieser Stimmung zu tun haben soll.

Selbst die Spieler, insbesondere machten am Dienstag keinen Hehl daraus, dass es eindeutig zu viel des „Guten“ war. Holtby  suchte auf dem Zaun gar das Gespräch mit dem Capo und mahnte vor dem drohenden Spielabbruch, bei weiterer Zündelei.

SpoDi Ralf Becker unterstrich im Anschluß: „Das ist kein Ausdruck von Freude, sondern schlecht für den Verein. Damit tut man uns keinen Gefallen. Unterstützung ist super, aber so macht es keinen Sinn.“

Der DFB will mal wieder auf die Vereine zugehen, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Lachhaft.

Als ob man das nicht schon mehrfach angekündigt hätte, sich aber bis dato nichts bewegt hat.

Dabei wäre die Sache aus meiner Sicht so einfach: einen Kameramann vor dem Gästeblock abstellen, die entstandenen Bilder anschließend auswerten und die Verantwortlichen zur Kasse bitten. Schließlich weiß man ja, wer Karten bestellt hat.

Mir kommt es eher so vor, als wolle man bestimmte Gruppen nicht reizen, schließlich werden Ultras ja auch immer mit Stimmung, mit tollen Choreos, in Verbindung gebracht, die die Mannschaft unterstützen sollen.

Ich für meinen Teil kann mir jedoch nicht vorstellen, dass Ultras gleich Pyrozündler bedeutet. Nicht jeder KANN das toll finden, was in schöner Regelmäßigkeit auf den entsprechenden Rängen abgeht.

Für mich sind Ultras Fans, die den Verein tief im Herzen tragen, die keine Kosten und Mühen scheuen, bei möglichst vielen Spielen dabei zu sein und die Mannschaft mit Gesängen und Applaus zum Sieg tragen.

Hut ab dafür!

Die wenigen, die dabei ständig aus der Reihe tanzen, gehören knallhart aussortiert. Ob das der Verein, der DFB oder die OFCs selber übernehmen, ist mir dabei egal.

Fakt ist, es muss etwas passieren, damit sowas möglichst nicht nochmal passiert.

War sonst noch was?

Ach ja, wir haben die 3. Runde des DFB-Pokals mit einem 3:0 gegen Wehen erreicht. Mit einem durchwachsenen Spiel, bei dem lediglich das erweiterte Spiel über die Außen und der Einsatz der Doppelspitze Lasogga/Arp in der Startelf, den Wolf- Unterschied ausmachten.

Nach einem guten Beginn lud man den Gegner mehr und mehr dazu ein, aktiv zu werden. Deshalb fiel das 1:0 auch recht überraschend. Holtby darf sich einen Scorrerpunkt, Lasogga seinen 3. Pokaltreffer notieren.

Dass es mit dem knappen Vorsprung in die Kabine ging, verdanken wir nicht zuletzt der mangelnden Verwertung der Wehener Chancen, vor dem Tor von Pollersbeck.

An der Zweikampfquote (48%) muss Wolf mit seiner Mannschaft auch noch hart arbeiten.

Für Douglas Santos freut mich sein Treffer zum Endstand besonders. Der Brasilianer, der seine linke Seite mal wieder von oben bis unten beackert hat, belohnte sich nach einem Abstauber selber.

Jubeln ist also angesagt.

Und sonst?

Hat sich unser Vv im NDR-Sportclub zu Wort gemeldet. Was ich persönlich sehr begrüßt habe, waren die warmen Worte, die er in Richtung Titz sendete. Ob der Plan, die sportlichen Ziele mit Hannes Wolf eher zu erreichen, aufgeht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Zumindest hat er für die Öffentlichkeit den Aufstiegsdruck von Mannschaft und Trainer genommen, indem er klar betonte, auch ein weiteres Jahr in Liga 2 bekäme man gestemmt. Näheres dazu erwarten sich Experten mit der in den kommenden Wochen zu veröffentlichen Bilanz, die ein erneutes Minus ausweisen dürfte.

Nun steigert sich Tag für Tag aber zunächst mal die Spannung auf das Spitzenspiel gegen Köln, am kommenden Montag. Die Kölner sind gestern gegen Schalke aus dem Pokal geflogen. Sie haben zwar eine Verlängerung und ein Elfmeterschießen mehr in den Knochen, dafür aber sicherlich eine Menge Wut im Bauch. Allein schon wegen des entscheidenden Treffers von Mark Uth, der mit einer Gelb-Roten Karte, wegen Handspiels, längst hätte auf der Bank sitzen müssen.

Es bleibt spannend.

(mg)

Es ist ein bisschen wie Liebeskummer

Morgens nach dem Aufwachen der erste Gedanke. „Da war doch was.“

Und dann kommt es wieder, dieses Gefühl, dass es eben nicht mehr so ist, wie noch vor ein paar Tagen.

Dass „er“ nicht wiederkommt. Ersetzt durch einen Neuen. Einfach so.

Na ja, vielleicht nicht ganz „einfach so“. Denn gemunkelt wurde ja schon lange, dass die AG-Führung mit den aktuellen Entwicklungen nicht ganz glücklich ist.

Nach dem hart erkämpften Sieg gegen Magdeburg schallte der Name von Christian Titz tausendfach durch die MDCC Arena und machte die Enttäuschung deutlich, die bei den meisten HSV-Fans, auch drei Tage nach seinem Rausschmiss noch tief sitzt.

Unnötig zu betonen, dass das Anti-Hoffmann-Banner von uns BlogPerlen nicht gutgeheißen wird.

Ebenso wie die Pyro, die von den Gästerängen mal wieder für Qualm und Gestank durch ein paar Vernebelte sorgte und den Verein erneut Geld kosten wird, welches er eigentlich nicht hat.

Und jetzt kommt mir nicht damit, dass „wer vier Trainer bezahlt, diese Strafe auch noch löhnen kann“.

Das wäre so, als wenn ihr euch mit Absicht ins Halteverbot stellt und ihr bei Zustellung des Strafzettels eurem Bankmitarbeiter erklärt, er solle die paar Kröten einfach auf eure Schulden draufrechnen.

Wie mag Hannes Wolf sich gefühlt haben, nach dem Spiel?

Nicht besonders prickelnd, wenn ihr mich fragt.

Allerdings traue ich ihm durchaus zu, dass er Verständnis hat, für die Reaktion.

Schließlich kann man die Zuneigung, die sich Christian Titz in den vergangenen Monaten durch seine herzliche, offene Art erarbeitet hat, nicht einfach so wegatmen.

Es wird dauern, bis der Name des Neuen durch die Arena schallt.

Dann, wenn klar ist, dass er den HSV positiv positionieren kann, wenn sein System greift und dann, wenn ebenso klar ist, dass die Tür zwischen Fans und Mannschaft offen bleibt.

Kurz: dann, wenn er alle Ebenen überzeugt hat.

Dass der 37jährige Nachwuchstrainer (schönen Gruß an Herrn Magath) ein guter Übungsleiter ist, hat er bereits unter Beweis gestellt. Zudem kennt er sich gut in Liga 2 aus, weiß, worauf es ankommt.

Ich bin die Letzte, die nach einem Spiel beurteilen will, ob das klappt mit dem HSV und Wolf, oder eben nicht. Schon gar nicht da ich weiß, dass der Neue mal gerade zwei Tage Zeit hatte, die Mannschaft kennenzulernen und ihnen zu erklären, was er von ihr erwartet und wie er sich das Spiel in der Zukunft vorstellt.

Ich muss aber auch zugeben, dass ich nach Bekanntgabe der Aufstellung kurz geschluckt habe.

Außer Lasogga habe ich keine wesentlichen Änderungen erkennen können.

Geschluckt habe ich auch, als die ersten Bälle von Pollersbeck wieder lang nach vorne gingen, erneut oft beim Gegner landeten oder erst gar keinen Abnehmer fanden.

Hatte diese Taktik nicht erst Gisdol und dann auch Hollerbach, vor einigen Monaten den Job gekostet?

Wir taten uns schwer in der ersten Halbzeit.

Zumal es eigentlich war wie immer: Magdeburg staffelte dicht und sich hinten rein. Die Hamburger wirkten mal wieder gehemmt und unsicher.

Für mich eine nennenswerte Ausnahme: Narey. Der ging dahin wo es wehtut, in jeden noch so harten Zweikampf und machte ordentlich Wirbel auf der rechten Seite. Und auch Hwang auf links scheiterte so manches Mal nur noch am Magdeburger Torwart Brunst.

Am befreienden Punch mangelte es jedoch mal wieder bis zur Halbzeit, trotz einer Passquote von über 82 Prozent.

In der 53. Minute sah Bates seine zweite Gelbe Karte (nebenbei: die erste war ein Witz, nur erklärbar dadurch, dass Schiri Gerach gleich zu Beginn zeigen wollte, wer die Pfeife hat…).

Wer nun erwartet hatte, dass der HSV einknickt, sah sich getäuscht. In Unterzahl drehte man richtig auf und belohnte sich selber, in der 77. Minute, mit dem Führungstreffer.

Scorerpunkt für Lasoggas sehenswürdigen Lupfer, Tor durch Abnehmer Narey und einem knallharten Torwarttunnler.

Die druckvolle Endphase der Magdeburger sicherte Wolf mit dem Wechsel von Lacroix gegen Lasogga ab.

Somit geht der neue Trainer mit drei Punkten an den Start und ist damit der erste, dem diesen nach Mirko Slomka (Saison 2013/14, 22. Spieltag, 3:0 gegen Dortmund) gelingt.

Es bleibt abzuwarten, wie und mit welcher Mannschaft es auf dem Platz weitergeht.

Hannes Wolf hat nun bereits am Dienstag das nächste Spiel vor der Brust. Im Pokal geht es gegen Wehen.

Auch dieses Spiel wird noch nicht unbedingt die Handschrift des neuen Trainers tragen.

Bis sein Name von der Tribüne schallt, das wird eben dauern (ja, ja, ich wiederhole mich).

Denn es ist ein bisschen wie Liebeskummer. Nur die Zeit heilt alle Wunden.

In diesem Fall aber auch Ergebnisse. Und nur die zählen.

Der Druck, der auf Christian Titz lastete, wird bleiben.

Mit einem Unterschied. Denn die Führungsetage ist nun mit dem Wolf-Schicksal verbunden. Scheitert er, werden die Rufe nach einem Wechsel ganz oben noch lauter werden.

Wünschen wir uns einen erfolgreichen Trainer, der dem Saisonziel auf den Fersen bleibt und dem Druck standhält. Wünschen wir der Mannschaft, dass sie aus sich rausholt, was in ihr steckt. Und wünschen wir uns friedliche Fußballspiele mit einer fairen Chance für alle Beteiligten.

(mg)

P.S.: Ein Wort noch zum verweigerten Titz-Abschiedsessen mit der Mannschaft. Diese Bitte, die wohl der Vorstand an den scheidenden Trainer herangetragen hat, das Essen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, kann ich durchaus nachvollziehen. Einen Tag vor dem Magdeburg-Spiel frische Wunden nochmal aufzureißen wäre kontraproduktiv gewesen. Das hat nichts mit schlechten Manieren, sondern mit Vernunft zu tun.

Doll im Volkspark?

Heute Morgen, um 9.20h, soll es soweit gewesen sein: Thomas Doll wurde am Volkspark gesichtet.

Das Problem daran?

Diese Aussage stammt aus einer FB-Gruppe.

Sie ist weder belegt, noch bestätigt.

Ob sich da jemand einen Scherz gemacht hat, bleibt wohl das Geheimnis desjenigen, der diesen Post abgesetzt hat.

Ich schätze mal, wäre an diesem Umstand wirklich etwas dran, die Zeitung mit den vier Buchstaben hätte bereits (verschwommene) Fotos gemacht und die wildesten Expertenkommentare eingesammelt.

Fakt ist aber, die Medien, die Christian Titz seit Wochen aus seinem Job schreiben wollen, haben es zumindest geschafft, erneut einen Keil in die Fangemeinde zu treiben.

Nach dem zugegebenen schmalen Null-zu-Null-Mahl gegen Bochum, das gestern im Volkspark gereicht wurde, werden die Rufe nach einem neuen Übungsleiter lauter.

Gehen wir das doch mal in Ruhe durch.

Seit Frank Pagelsdorf 2001 das Ruder aus der Hand gegeben hat, gaben sich 22 Übungsleiter, teils mehrfach, die Klinke in die Hand.

Das zeigte mal mehr, mal weniger Wirkung. Kurzfristigen Verbesserungen folgten mit schöner Regelmäßigkeit Rückfälle in „alte Grottenkickzeiten“ und führten somit zur Unzufriedenheit aller Beteiligten.

Die Trainer gingen, die Spieler blieben. Wo es uns letztendlich hingeführt hat, wissen wir alle.

Der HSV ist so klamm wie nie. Monströse Spieler-und SpoDi-Verträge sowie Wechsel in der Führungsetage trugen erheblich dazu bei. Aber nicht nur die:

Nach einer Hochrechnung der „Welt“ liegen die Abfindungen für alle entlassenen Mitarbeiter der letzten zehn Jahre bei insgesamt 18 Millionen Euro (bis 2017). Hierbei bleiben die laufenden Gehaltszahlungen für aktuell beurlaubte Trainer noch unberücksichtigt.

Nun sollte man ja sicher nicht an einem Vertrag festhalten, „nur“ um Kohle zu sparen. Aber seien wir mal ganz ehrlich, WAS erwarten wir eigentlich von einem erneuten Trainerwechsel (außer, dass er wieder Geld kostet, das wir nicht haben)?

Er macht die Mannschaft um kein Jahr älter.

Er ändert nichts an den vorhandenen individuellen Stärken oder Schwächen einzelner Spieler.

Er wird eine Systemumstellung bedeuten, die Zeit zum Einspielen braucht, die wir nicht haben.

Er wird keinen Druck von den Spielern nehmen. Im Gegenteil!

Der HSV ist in seiner eigenen Vita gefangen.

Die vielen Fehler der Vergangenheit fallen uns auf die Füße.

Abgestiegen, mit dem Stempel „sofortiger Aufstieg“ auf der Stirn.

Und zwar auf JEDER Stirn!

Auf der vom VV Bernd Hoffmann, der zum Erfolg verdammt ist, weil ihn viele gerne sofort wieder in der Abfindungskiste wiederfinden würden.

Auf der vom SpoDi Becker, der von vielen die Schuld am Ausscheiden von Peters geben und seine Transferbilanz, somit die Qualität des Kaders infrage stellen.

Auf der von Christian Titz, der, als Cheftrainer einer Profimannschaft noch genauso „grün hinter den Ohren“, mit seinem Trainerteam eine Taktik spielen lässt, die anspruchsvoll ist und damit Konzentration über 90+ Minuten fordert. Da diese oft fehlt, fehlen auch einige Punkte auf der Habenseite.

Auf der Stirn aller Spielern, die bei jedem Anpfiff wissen, dass nur Siege zählen.

Und last but not least auf der der meisten Fans, die nach Jahren Abstiegskampf lechzen nach Torjubel, nach besserem Fußball.

Und so groß der Segen dieser Fans auch als Unterstützung gebraucht und gewollt ist, so sehr hemmt er anscheinend, wenn die Rothosen im eigenen Stadion, vor dieser erwartungsvollen Kulisse auflaufen.

Kontraproduktiv ist es zudem, wenn lange vor dem Spielende Pfiffe von den Tribünen kommen.

Ganze zwei von sechs Spielen konnten die Hanseaten in der laufenden Saison zuhause gewinnen. Zehn von 14 Gegentoren kassierten sie hier.

Dem entgegen stehen in der Auswärtsbilanz aus fünf Spielen vier Siege mit 11:4 Toren.

Untermauert wird diese meine These durch das Auftreten, das die Mannschaft auch gestern wieder zeigte.

Ängstlich in den Zweikämpfen, viel Bewegungs-, ja fast ideenlose Hilflosigkeit im Spielaufbau und zu harmlos im Abschluss. Es fehlte am letzten Biss, am letzten Willen.

Bei einer Flankenquote von unter 16 Prozent wäre jeder Lasogga in der Startelf, im Strafraum verhungert.

Bei den Leitwölfen Holtby und Hunt, ist man immer abhängig von deren Tagesform, die gegen Bochum mal wieder unter dem Durchschnitt lag.

Zu viele Ballverluste in den eigenen Reihen drückten dem Spiel letztendlich den Stempel auf.

Die meisten Gegner des HSV machen es sich einfach. Mit zwei Viererketten wird jeder Vorstoß im Keim erstickt. Dazu kommt, dass ein Ito seit Wochen seiner Form hinterherläuft und Hwang auf der anderen Seite einen leicht überspielten Eindruck macht.

Wobei…ich verstehe nicht, warum man einen Narey nach vorne beordert, nachdem er rechts einen größeren Wohlfühlfaktor zu haben scheint.

Vom Trainingslager weiß ich, dass Titz sehr wohl am kreativen Spiel durch die Mitte und auch über außen gefeilt hat. Es liegt also nicht am Trainer. Es liegt an der Ausführung. Pollersbecks Liberodasein hat sich inzwischen ebenso reduziert. Den Gegnern ist es schlicht egal, wie oft man sich den Ball hinten untereinander hin-und herschiebt. Man wartet einfach ab, bis der HSV Fahrt aufnimmt und sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Ball im Mittelfeld, spätestens vor dem 16er, abluchsen lässt. Da die Jungs, wie oben bereits erwähnt, sich dann auch noch unsicher im Abschluss zeigen, fährt man lustig, mit einem Punkt im Gepäck (der den meisten gegen den HSV reicht) wieder nach Hause.

Für mich ist das Spiel gegen Köln, am 5. November, wegweisend. Denn auch Köln steht unter dem Druck der Aufstiegserwartung.

Um den Kreis zu schließen: Titz muss in die Köpfe der Jungs, muss sich der Unterstützung vom Team und der Führungsriege sicher sein und insbesondere am Knacken der stets auf die Mannschaft wartenden Viererketten arbeiten.

Denn DOLL war das gestern wirklich nicht.

Der darf übrigens immer wieder gerne in den Volkspark kommen.

Als  Zuschauer…

(mg)

Lieber Herr Magath.

Sie haben eine beeindruckende Vita. Aber leider gehören Sie für mich zu denen die nicht merken, wann ihr Stern gesunken ist.

Sie waren mit dem HSV so erfolgreich, wie selten jemand. In 306 Bundesligaspielen erzielten Sie 46 Tore, konnten dreimal die Salatschüssel der Deutschen Meisterschaft in den Himmel heben.
Ihr wichtigstes Tor brachte dem Hamburger Sportverein 1983 den Europapokal der Landesmeister.

Als Trainer erreichten Sie 1996 Platz 5 und 1997 Platz 13.
Danach mussten Sie gehen.

Sie sind ein Machtmensch.
Selten gaben Sie sich mit nur einer Position im Fußballgeschäft zufrieden. Sie strebten, während Ihrer aktiven Trainerkarriere stets auch das Amt des Sportdirektors sowie einen führenden Posten im Vorstand an.
Deshalb mag es nicht verwundern, dass gerade Sie gegen den HSV grollen.

Denn trotz der beeindruckenden Karriere an der Elbe hat Sie nie jemand gefragt, ob „der große Felix Magath“, mit dabei sein will.
Selbst dann nicht, als das blau-weiß-schwarze Schiff mächtig strauchelte und letztendlich in die Tiefen der 2. Liga schipperte.

Nun stehen Sie da gestern bei Sky.
Der einstmals so bewunderte „Quälix“ ist ein verbitterter, alter Mann geworden, der gegen alles und jeden schießt. Selbst vor einer Verbrüderung mit denen, die am Untergang des Vereins mit schuld sind, war Ihnen Mittel genug, doch noch irgendwie einen Zipfel der Macht beim HSV zu erhaschen. Bisher Gott sei Dank erfolglos.

Klar wird all das was Sie von sich geben von den Medien dankbar mitgehört. So saugte die Zeitung mit den vier großen Buchstaben Ihre Worte gierig auf und fügte Ihre Kritik an Trainer, Mannschaft und Vorstand, grinsend als weiteres Kapitel des laufenden Absägeprozesses von Christian Titz hinzu.

Sie betitelten Titz als „Märchenerzähler“ und wünschten sich einen „namhaften“ Trainer für den großen HSV.
Aber ist es nicht GENAU DAS, was den HSV dorthin gebracht hat, wo er heute ist?

Ist der Neuanfang, ohne Kohle aus Malle, mit Jugend und neuen Ideen nicht genau das, was viele noch vor ein paar Monaten rigoros gefordert haben?

Und, ist es wirklich Ihr Ernst, einen Mann als Märchenerzähler zu betiteln, der in den letzten acht Spielen der 2. Bundesliga 17 Punkte holte?
Haben Sie gesehen, wie Lewis Holtby, nach einem klasse Zusammenspiel mit Narey und einem sehenswerten Tor, Christian Titz in die Arme fällt?
Ich wage zu behaupten, dass die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft stimmt.
Es mag ein glückliches 2:1 für den HSV gewesen sein, die Endphase spannender als sie hätte sein müssen. Doch am Ende sah man, dass sich Titz die Kritik an seinem hohen Torwart und die kurzen, oft ihr Ziel verfehlenden Pässe im Mittelfeld, zu Herzen genommen hat.

Auch das Festhalten an den beiden „Oldies“, Hunt und Holtby hat sich ausgezahlt. Beide durften torjubeln und bei beiden merkte man den Willen, es den zahlreichen Misstrauischen ihrer Fußballfähigkeit zu beweisen.
Mag sein, dass noch nicht alles Gold ist was glänzt. Mag auch sein, dass das defensive Auswechseln und das damit gewollte Halten des Ergebnisses ein Vabanque-Spiel war.
Aber was zählt, sind die drei Punkte, die sich gestern mit auf den Weg nach Hamburg machten.
Auch wenn es zwischenzeitlich, insbesondere in den letzten 20 Minuten an der so wichtigen Konzentration mangelte. Die Zweikampfquote (47 Prozent) ist ausbaufähig, ebenso wie die Schussgenauigkeit (44 Prozent). Aber die Mannschaft arbeitet daran. Sie weiß, wo Ihre Schwächen liegen.

Es wäre ein Wahnsinn, diesen Trainer jetzt abzusägen und erneut auf „große Namen“ setzen zu wollen!
Titz hat jetzt zwei Wochen Zeit an den noch lockeren Stellschrauben zu drehen. In dieser Zeit würde ich mir ein klärendes Wort von der Vereinsspitze wünschen, der Ruhe in den Medienkarton bringt. Damit auch die Mannschaft davon profitiert und man den Druck von ihr nimmt. Denn nur dann kann sie, mit dem Selbstbewusstsein des letzten Sieges, mit erhobenem Kopf in das nächste Spiel gehen.

Lieber Herr Magath. Setzen Sie sich zur Ruhe. Spielen Sie eine Runde Schach mit Herrn Kühne und sinnieren Sie über gute alte Zeiten.
Denn beim HSV hat eine neue Zeitrechnung begonnen und er kommt gut ohne Sie aus.
Ohne Sie und ohne die ständige Meckerei über all das, was Sie vielleicht gerne anders oder selber hätten.
Demontieren Sie sich nicht weiter. Das haben Sie doch nicht nötig, oder?
Herzliche Grüße, Ihre
(mg)

Ich mag Sascha Stegemann

Jaha! Ich mag Menschen, die konsequent ihrer Linie treu bleiben und das aus vollster Überzeugung, immer und immer wieder.
Sollten wir unter Stegemanns Regie irgendwann mal wieder einen Elfmeter bekommen, wird der gefoulte HSV-Spieler wohl mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden müssen.
Wir denken da an Spiele wie das im Februar dieses Jahres, gegen Hannover, wo Sané Kostic im Strafraum umsemmelte und kurz zuvor ein Handspiel von Schwegler nicht geahndet wurde. Nix mit Elfmeter, liebe Hamburger. Ich, der Sascha, entscheide das. Und niemand anderes.
Auch gestern hatte meine gerade frisch gekürte FIFA-Pfeife wieder einen tollen Einfall. Er pfiff das Führungstor des HSV, in der 56. Minute (nach einem tollen Freistoß von Janjicic) einfach weg.
Puff.
Torwartbehinderung durch Bates, so das Votum des „Unparteiischen“.
Ok, Bates hatte den im Rücken angeflogen kommenden Burchert nicht gesehen und sich nicht schnell genug in Luft aufgelöst. Selber schuld also…

Äh. Stopp mal. Dabei gibt es für Torwarte keinen besonderen Schutz mehr. Selbst im Fünfmeterraum nicht.
Im Regelwerk des DFB heißt es dazu: „Eine weit verbreitete Meinung auf nahezu jedem Fußballplatz der Republik ist, dass der Torwart in seinem Torraum einen besonderen Schutz genießt. Blickt man ins Regelwerk, stellt man fest, dass dem gar nicht so ist. Neben dem Schutz, dass der Torwart nicht angegriffen werden darf, wenn er den Ball hält, gibt es keine weiteren Bestimmungen dazu.“
Fazit: das Tor hätte durchaus gegeben werden können.
(Wer im oberen Absatz Ironie findet, darf sie behalten 😉

Nun bin ich allerdings die letzte, die das gestrige Unentschieden nur dem Schiedsrichter zuschieben will.
In den ersten 20 Minuten merkte man den Hamburger deutlich an, dass da sehr viel Verunsicherung mit auf den Platz getragen wurde.
Fehlpass reihte sich an Fehlpass und bereits in der 3. Minute klatschte ein klasse von Wittek getretener Freistoß glücklich nur an unsere Torlatte.
Die insgesamt gut 85 Prozent betragene Passquote der Rothosen hat man nicht zuletzt dem Dreiergespann Pollersbeck, van Drongelen und Bates zu verdanken. Die ließ man lustig den Ball in der eigenen Hälfte hin-und herkicken.
Sobald man jedoch die Mittellinie überwunden hatte, standen die Fürther gut gestaffelt und waren ein ums andere mal nur allzu schnell und oft genug wieder im Ballbesitz.

Die Zweikampfquote lag zu diesem Zeitpunkt bei 55 Prozent. Allerdings kam trotzdem nichts Zählbares dabei heraus, weil es für den Abschluss oft genug an Präzision fehlte.
Für mich die Verlierer der 1. Halbzeit: Lasogga (hatte irgendwie 8x Ballkontakt) und Hunt, der neben Passschwächen auch im Sprint nicht immer gut aussah.
Gewinner, einmal mehr: Douglas Santos und auch Orel Mangala und Janjicic wussten mit guten Aktionen zu gefallen.

Santos musste allerdings, weil Gelb-Rot-gefährdet, nach der Halbzeit in der Kabine bleiben. Für ihn kam Tatsuya Ito, dem ich das 1:0 für die Gäste in der 55 Minute von Herzen gegönnt hätte.
Abgefälscht landete der Ball allerdings nicht im, sondern überm Tor.
In der 62. Minute holte Titz den schwachen Kapitän vom Feld und schickte Whang ins Rennen. In der 78. ging er all in und brachte Arp für Lasogga.

Die Partie blieb aber weiterhin torlos. Weder Fürths Ruel-Keita noch Hamburgs Lasogga (beide fünf Saisontore) konnten erfolgreich abschließen. Und vielleicht sollte man Lasogga mal zu einer Nachschulung über die Abseitsregeln anmelden. Auffällig, wie oft er hinter der gegnerischen Abwehrreihe rumturnte.

Ab der 85. Minute hatten sich die Fürther wohl mit der Punkteteilung angefreundet. Für Christian Titz ist es somit das erste 0:0 seiner Amtszeit, als Profitrainer beim HSV.

Mein Fazit: Es war kein schönes Spiel. Da war zwar viel Wille aber oft zu wenig Können. Noch immer habe ich das Gefühl, das die Hamburger die in Liga 2 herrschende Robustheit nicht verinnerlicht haben.
Ich wünsche mir ein kürzeres Ballgeschiebe hinten und mehr schnelle Kreativität nach vorne. Irgendwie sehen die Angriffsversuche immer gleich aus und man läuft oft an den gleichen Stellen in gefährliche Konter.
Warum Christian Titz weiterhin versucht, aus Hunt einen Stürmer zu machen, entzieht sich meiner Phantasie.
Mit Ito, Whang und auch Arp kam mehr Bewegung ins Spiel. Unsere Abwehr hat etwas solider agiert. Weiter so!
Allerdings war es erneut mal wieder ein Spiel, das hätte auch anders ausgehen können. Für Fürth und für Hamburg.
Mit dem 0:0 kann keine der beiden Mannschaften zufrieden sein. Schon gar nicht im Hinblick auf das Derby.
In der Statistik hatte der HSV allerdings die Nase vorn: 14:8 Torabschlüsse, 70:30 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von 53:47 Prozent stehen da zu Buche. Die wenigen Chancen, die man auf beiden Seiten gesehen hat, konnten jedoch nicht genutzt werden.
Das muss am Sonntag anders werden!

Wobei… ganz ehrlich. Ich habe ein wenig Angst vor dem Stadtderby. Zu viel Hass und Gewaltandrohungen sind da von beiden Seiten unterwegs.
Ganz übel, zu was einige Vollpfosten die schönste Nebensache der Welt gerade verkommen lassen.
Ich mag mir fast gar nicht vorstellen wie es sein wird, wenn eine der beiden Mannschaften die andere aus dem Stadion schießt. Für die Ruhe wäre ein Unentschieden wahrscheinlich das Beste. Für die Tabelle allerdings nicht.
Um dem erklärten Klassenziel näher zu kommen, braucht der HSV diesen vermaledeiten Dreier.
Ich würde es ja mal mit der Elf der zweiten Halbzeit gegen Fürth versuchen.
Meine Meinung. Und die muss man ja nicht teilen.

Einen werde ich jedoch übermorgen vermissen: meinen Freund, Sascha Stegemann…. Nicht… 😉
In dem Sinne: auf ein ruhiges, faires aber spannendes Derby gegen den Stadtteilverein!
(mg)

P.S.: Eins noch: wer an dieser Stelle das Trainerfass aufmacht, hat den Fußball nie geliebt…

Hoffmann raus…

…Titz am besten gleich hinterher!

Und wenn wir gerade dabei sind, Lacroix zurück nach Saint-Étienne, Steinmann in die U21 verfrachten und Hunt soll die Kapitänsbinde am besten als Grillanzünder ins Feuer schmeißen, auf dem die Würstchen brutzeln, die der HSV den geschundenen Fans natürlich am kommenden Wochenende kreieren darf! Allerdings erst, wenn sie alle ihr Eintrittsgeld zurückerhalten haben.

Liebe Leute!

Letzte Woche war es der Aufstieg, der greifbar nah schien, ja, für einige sogar schon feststand.

Diese Woche werden alle zum Abschuss freigegeben, die kurz zuvor noch gefeiert wurden.

Das ist der HSV, wie er leibt und lebt.

Natürlich hat Pollersbeck sich mit seinem laxen, ja arrogant wirkenden Spielgeplänkel das 0:1 persönlich verpackt.

Aber hat er uns nicht vor wenigen Tagen den Sieg gegen Dresden, mit einigen tollen Paraden gerettet?

Ja, unser Trainer hat mächtig rotiert. Insgesamt sechs Neue erhielten das Startelftrikot, im Vergleich zum Nachholspiel gegen die Sachsen.

Vielleicht ein wenig zu viel der Rotation. Denn wir sind halt nicht die Bayern, dessen zweite Garde nahtlos das zeigen kann, was die vermeintliche A-Mannschaft auf den Rasen zaubern kann.

So, wie ich den Trainer kennengelernt habe dürfte er gestern der erste gewesen sein, der seine Entscheidungen, mit Groll im Bauch, zumindest auf den Prüfstand gestellt hat.

Und: wurde Christian Titz nicht in den vergangenen Wochen, ach was sag ich, MONATEN, gerade für sein mutiges Spielsystem mit dem Tor-Libero gelobt und die Mannschaft insgesamt für ihre Lauf-und Kampfbereitschaft bewundert?

Haben nicht die meisten von euch beklatscht, dass Hunt zum Kapitän gewählt wurde? Einer mit Erfahrung. Einer mit Führungsqualitäten und, wenn er gute Tage erwischt, auch einer, der mit Taktik ein Spiel entscheidend führen kann.

Er hatte gestern einen gebrauchten Sonntag erwischt. Und, ja, sein Elfmeter war eigentlich eine Frechheit für den gegnerischen Torwart.

Achtung, es folgt erneut ein Konjunktiv: hätte er diesen vermaledeiten Elfer versenkt, wer weiß schon, wie das Spiel geendet hätte.

Ich werde sie jetzt nicht alle durchgehen, die am gestrigen Sonntag letztendlich dafür sorgten, dass wir sang-und klanglos, mit dem höchsten aller Zweitliga-Heimniederlagen vom Grün schlichen.

Da waren zu viele individuelle Fehler zu beklagen.

Da gab es wieder die so bekannte Eskorte, die man dem Gegner bot, wenn dieser auf das Tor zueilte. Manndeckung? Fehlanzeige! Konzentration? Reichte gerade für die ersten 20 Minuten.

Da war mannschaftlich zu wenig Bewegung auf dem Platz und da war vor allem zu wenig Plan, den gut gestaffelten Jahnern aus Regensburg, mit schussgenauen Pässen (40 Prozent!), Tore abzuluchsen.

Und wer gedacht hatte, dass mit der Einwechselung eines Lasoggas jedes Spiel die Wende bringt, der plumpste spätestens gestern mit seinem Hinterteil auf den harten Boden der Realität.

Also gilt für das gesamte Team und den Trainer: Setzen, 6!

Was mir ein bisschen Sorgen macht ist die Aussage Hunts, nach dem Spiel, dass sich diese Niederlage angedeutet habe, da die Regensburger eben die Chancen die man ihnen anbot, ausnutzten. Im Gegensatz zu den Gegnern, die man davor bespielte.

Mit diesem Wissen ausgestattet, hätte man eigentlich einen anderen Ansatz auf dem Rasen erwarten dürfen.

Die 2. Liga spielt harten Fußball. Manchmal sehr harten Fußball, der auch mal direkt gegen den Mann geht. Daran muss man sich schnellstens gewöhnen und dagegenhalten. Auch wenn man dafür dahin muss, wo es wehtut.

Was mir noch mehr Sorge bereitet ist die Null, die auf der anderen Seite der Fünf steht.

Es ist den Hamburgern nicht einmal gelungen, das Runde im Eckigen zu versenken. Im Heimstadion! Vor einer tollen Fankulisse!

Gegen Jahn Regensburg!

Mit dem Zuckerli im Rücken, erneut die Tabellenführung übernehmen zu können!

Was strapazierte man noch vor dem Saisonstart gebetsmühlenartig rauf und runter?

„Auch in der 2. Liga gibt es keine schwachen Gegner“ und der HSV wird IMMER der Gejagte sein.

Für die Regensburger war es gestern das Spiel des Jahres.

Das für Fürth folgt am Donnerstag, auf das Spiel ALLER Spiele warten die Paulianer am kommenden Sonntag.

Und so wird es weitergehen. Woche für Woche, Spieltag für Spieltag.

Ginge es nach mir, dann würde sich Titz schnellstens für eine Stammelf entscheiden, die dann, egal gegen wen wir antreten, von Anfang an auf dem Platz stehen würde. Soweit keiner angeschlagen ist, versteht sich. Wenn man dann den ein oder anderen für ein Spiel reinrotiert, trifft er auf ein gestärktes System, das ihn mitnehmen kann.

Insbesondere unsere Defensive braucht endlich jemanden, der den Ton angibt und sich verantwortlich für seine Vorderleute fühlt.

Jedes Spiel ist gleich wichtig. Und jeder Gegner wird sich die Zunge aus dem Hals rennen, um dem HSV Punkte abzuluchsen.

Hoffentlich jedoch nie wieder so erfolgreich wie am gestrigen Tag.

Verlieren wird man immer mal wieder. Keiner kann ernsthaft einen Durchmarsch erwarten. Es kommt nur auf das WIE an.

Und das war gestern einfach unter aller Kanone. Punkt.

Leider.

Aber so, wie die Spieler sich heute an die eigene Nase fassen müssen, sollten auch wir Fans es halten und nicht gleich die Stühle sämtlicher Beteiligten fordern.

Alles braucht Zeit für Entwicklung.

Allerdings ist diese Zeit eben nicht grenzenlos.

Auch leider.

Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, Fehler festmachen und bestenfalls schon am kommenden Donnerstag das zeigen, was man kann und WILL.

Ich hätte da zudem mal einen Vorschlag für den Spruch an der Kabinentür: „Konzentriert euch. Und zwar 90 Minuten plus X!“

(mg)

Kaugummi im Tal der Ahnungslosen

Man braucht Geduld. Das gilt für fast jede Lebenslage.
Das galt auch gestern, als der HSV in seinem Nachholspiel des 4. Spieltages auf Dresdens angerührte Kaugummimasse traf.
Geduldig ließ man die Gäste, im frisch getauften Rudolf-Harbig-Stadion, ihr Liberospielchen mit Pollersbeck, Bates und van Drongelen durchziehen und wartete auf Konter. Die bekam man auch des Öfteren, weil die Rothosen in den ersten 45 Minuten, meist im Mittelfeld, zu leichtfertig den Ball verloren.

Hinten war kein Durchkommen, Dresden staffelte geschickt und stand stabil. Damit war es auch fast unmöglich, einen Lasogga zu bedienen, der somit wirkungslos in der Startelf blieb. Bester Mann der 1. Halbzeit: Santos, der immer und immer wieder den Drang nach vorne hatte (seine tolle Eckbanane war super gedacht, der Treffer wurde leider von Torwart Schubert verhindert), ohne seine defensive Aufgabe zu vernachlässigen.
Titz muss sein teils hilflos wirkendes Team in der Halbzeitpause wohl mit deutlichen Worten geweckt haben.
Und mit Hwang, der in der 46. Minute Vagnoman erlöste, und Mangala für Hunt (57.) kam deutlich mehr Schwung in die Partie.
Hwang belohnt das Vertrauen seines Trainers mit einem Traumtor, in der 67. Minute.
Pollersbeck rettet erneut mit ein paar tollen Reflexen den knappen Vorsprung.

Über den verschossenen Elfer von Lasogga in der Nachspielzeit, decken wir schnell den Mantel des Vergessens.
Nach der langen Verzögerung, mit der er nicht nur die Dresdner, sondern anscheinend sich selber entnervte, war es absehbar, dass der Ball überall hin, nur nicht ins Tor gehen würde.
Egal. Mit drei glücklichen Punkten fuhren die Hamburger nach Hause.
Im Gepäck: Die Tabellenführung (die erste nach Ende eines Spieltages seit 2009!). Zumindest bis zum kommenden Wochenende.

Christian Titz, der nach eigener Aussage nicht auf die Tabelle, sondern sein Augenmerk lieber auf jedes einzelne Spiel legt („Die Tabellenführung ist eine nette Begleiterscheinung. Man sieht, wie schwer die Partien in der Zweiten Liga sind“), analysierte glasklar: „Wir müssen lernen, besser zu verteidigen.“ Auch ein Mangel an konstanter Konzentration hat er bei einigen seiner Spieler ausgemacht.
Richtig so!
Fünf Siege in den letzten fünf Pflichtspielen scheinen bei dem ein oder anderen den Kopf-Schlendrian einziehen zu lassen.
Die erste Halbzeit wirkte behäbig. Man wurde das Gefühl nicht los, irgendwo lähmt die Angst vor Verletzungen in den Zweikämpfen die Beine.
Zu wenig Bewegung ohne Ball und eben Konzentrationsmängel forderten Pollersbecks ganzes Talent und führten gar zu lautstarken Rüffeln von ihm an seine Vorderleute.

Und unter den Fans? Da geht sie schon wieder los, die in Hamburg so bekannte Euphorie. War es in den vergangenen Jahren eher die Qualifikation zur Europaleague, so ist es 2018 eben die des klassischen Aufstiegstraums.
Lustige Kartoons machen die Runde. Jagte der steinzeitliche Fred Feuerstein vor Anpfiff des Spiels choreografisch noch den Dino aus Hamburg, so erlegt der Dino aktuell das „Tal der Ahnungslosen“.
Siegesparolen und Termine für Aufstiegsfeiern machen die Runde.
Leute. Bleibt auf dem Teppich! Wir hätten uns wahrlich nicht beschweren dürfen, wäre das Spiel unentschieden oder gar andersherum ausgegangen.
Klar ist, wir Hamburger Fans sind mehr als gebeutelt. Auch ich hätte vor dem Spiel nicht wirklich daran geglaubt, dass wir das Ding nachhause schaukeln. Viel zu oft standen wir, gerade bei solchen Tabellensituationen, hinterher mit leeren Händen da.
Aber: es sind mal gerade fünf Spiele der noch jungen Saison gespielt.
Es liegen noch harte Brocken vor uns.

Was mir, momentan unter den Fans fehlt, ist ein realistischer Blick nach vorne.
Es wird noch Rückschläge geben.
Rückschläge, die diese junge Mannschaft auch kopfmäßig wegstecken muss.
Dann wünsche ich mir weiterhin bedingungslose Unterstützung unserer Fans, diesen Support, der das Team bisher nicht nur im Volkspark, sondern auch auswärts, getragen hat.

Und zwar gewaltlos.
Auf allen Ebenen.
Das, was gestern anscheinend noch nach dem Spiel in Dresden mit gegnerischen Fahnen und Schals gemacht wurde, ist des Fußballs und jedes Fans unwürdig.
Es gibt so viele, die sich gerade im Jahr 2018 gegen jede Form des Rassismus wenden. Ginge es nach mir, würden alle ihre überschüssige Energie lieber in solche Aktionen legen, als die Anhänger anderer Vereine zu beklauen oder ihnen gar mit Gewalt zu drohen.
Das gilt übrigens für jeden Fan. Auch für uns HSVer, wenn es in gut einer Woche gegen den Stadtrivalen geht.
Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Momentan auch für die Hamburger, wenn auch in der 2. Liga.
Sonntag geht es gegen Regensburg. Die warten seit sechs Wochen auf einen Sieg, was wirklich alles andere als ungefährlich ist.
In diesem Sinne: schön locker bleiben. Auch, wenn das Geduld erfordert. Wie fast alles im Leben.
(mg)

Nachtreter

Mal ehrlich, welcher Chef stellt neue Mitarbeiter ein, die öffentlich über ihre alten Arbeitgeber herziehen?

Also, aufgepasst in Frankfurt, Genua oder Augsburg.
Aufgepasst an alle, die jemals daran denken sollten, ehemaligen Vorstandsmitgliedern oder Trainern des HSV einen neuen Job anzubieten.
Denn gerade in den letzten Wochen hat dieses „fröhliche Halali zum Nachtreten“ wieder Fahrt aufgenommen.

In den letzten Jahren machten bereits Slomka („Der HSV hat mich ausgesaugt“) als auch sein Kollege van Marwijk („da ging vieles drunter. So was habe ich noch nie erlebt. Die Konzentration auf den Fußball war fast nicht möglich“), nach ihrem Abgang, ihrem Unmut öffentlich Luft.
Dass von Gisdol und Hollerbach noch nichts kam mag daran liegen, dass sie offiziell noch beim HSV unter Vertrag stehen.
So fließen, laut Medien, bis 2019 etwa drei Millionen Euro in die Portemonnaies der beiden Ex-Trainer, sowie ihren Assistenten.
Übrigens auch nach dem Abstieg, da Bruchhagen und Co. es verpassten, das Arbeitspapier für den Fall der Fälle entsprechend anzupassen.
Rühmliche Ausnahme (wenigstens bisher) Didi Beiersdorfer, der seinen Abgang, 2016, allerdings auch fürstlich, mit kolportierten drei Millionen Euro vergoldet bekam. Vielleicht war ja auch eine Schweigeklausel mit dabei…

Was mich dieser Tage am meisten geärgert hat, ist DER „Umfaller“ der Woche.
„Was für den HSV das Richtige ist, ist auch für mich das Beste“, sagte ein Heribert Bruchhagen nach seiner Entlassung als Vorstandsvorsitzender, im März dieses Jahres. Auf Nachtreten, so verkündete die Presse großspurig, verzichte er.

Peng! Was bitte ist dann in den letzten Monaten passiert?

Anfang der Woche lederte der jetzt 70-Jährige über seinen Nachfolger, Bernd Hoffmann und über die Mannschaft, Lewis Holtby im Speziellen.
Einigermaßen fassungslos hat mich der Satz „Wenn Spieler wie Lewis Holtby sagen, „Jetzt macht Fußball wieder Spaß“, dann fällt einem dazu nichts mehr ein. …sie haben Beiersdorfer…Gisdol…Hollerbach den Job gekostet und am Ende auch noch mir“, zurückgelassen.
Das, Herr Bruchhagen, ist ganz schlechtes Kino!
Denn während Sie im Frühjahr 2018 noch so selbstreflektiert waren und sich nicht gänzlich aus der Schuld am schlechten Stand der sportlichen Situation herausstahlen („als Vorstandschef liegt die Verantwortung sicherlich auch bei mir“), sehen Sie sich heute nur noch als Opfer einer Machtintrige, zusammengebraut aus dem Hause Hoffmann („er hatte einen Masterplan…das war alles vorhersehbar“) und dann gleich noch der kompletten Mannschaft.

Sie, Herr Bruchhagen, haben damals Bernd Hollerbach eingestellt, der den Abstieg des HSV besiegelte, da er mit einer solchen Mammutaufgabe sichtlich überfordert war!
Sie haben Verträge mitunterzeichnet, die heute für Kopfschütteln in der aktuellen Führungsetage sorgen (siehe die Weiterzahlungen an Gisdol und Hollerbach).
Sie haben im Winter 2017 an der Sparschraube gedreht und damit die Mannschaft geschwächt in eine aussichtslose Rückrunde geschickt.
Wie dicht waren Sie und ihr Team eigentlich an den Spielern und Trainern dran? Haben Sie den Unmut, die Hilflosigkeit nicht bemerkt, und das ideenlose Gekicke nicht gesehen? Haben Sie sich im Gegenteil dazu mal die letzten Spiele des HSV angeschaut und einen Vergleich zur letzten Saison gewagt? Ich denke mal nicht. Denn wenn, dann bleibt mir nichts anderes übrig als anzunehmen, dass aus Ihnen die pure Verbitterung spricht. Was schade wäre, habe ich Sie doch bisher für einen wirklich fairen Sportsmann gehalten und auch als solchen kennengelernt.

Ja, und dann sind da noch Spieler, die uns jüngst verlassen haben und in ihren neuen Vereinen plötzlich feststellen, wie schlimm es doch in Hamburg war.
Erwähnt seien hier „nur“ ein André Hahn, der in bester „mimimi“-Manier mangelnden Zusammenhalt und eine geteilte HSV-Mannschaft beklagt, um gleich danach in Schwärmereien über den besonderen Teamgeist und einen Zusammenhalt „wie unter Freunden“ in Augsburg verfällt.
Lieber André. Ihr alle seid erwachsene Männer. Wenn etwas im Kreis der Arbeitskollegen nicht stimmt, dann spreche ich das an, bevor ich mich im Nachhinein, in der Öffentlichkeit darüber beklage.
Selbiges gilt für Nikolai Müller, der sich bei mir, mit seiner Beschwerde über mangelnde Kommunikation und Wertschätzung des Klubs, ins Abseits befördert hat.
Hallo?
Du bist fast die komplette Saison verletzt gewesen. Um dich herum hat sich in der Zeit ein neues Gebilde von Spielern, mit einem neuen Trainer und einer neuen Taktik gebildet. Da ist es doch völlig normal, dass du nach deiner Rückkehr nicht sofort wieder die erste Geige spielst!
Und auch dir, Nikolai, hat der liebe Gott einen Verstand und einen Mund zum Fragen gegeben. Gesprächswünsche sind keine Einbahnstraße!
Hätte dir ein Verbleib beim HSV am Herzen gelegen, dann mag ich nicht glauben, dass deine Gesprächsanfragen abgelehnt worden wären.
Enttäuschung 2.0: Albin Ekdal, der, vom Pech verfolgt, nie so wirklich ein Bein an den Mannschaftsboden bekam.
Sich nach seinem Abgang zu Sampdoria Genua allerdings über mangelnde Ruhe und wenig Struktur im Verein zu beklagen ist armselig. Denn das hat sich gerade in den letzten Monaten komplett verändert.
Seid doch wenigstens ehrlich, Jungs, und sagt, dass es beim HSV eben nicht mehr soviel Geld gibt, wie bei euren neuen Vereinen! Das kann dann zwar nicht jeder verstehen, aber man muss es eben akzeptieren.

Wenn es jemals ruhig war, beim HSV, dann jetzt!
Da mögen sie alle hetzten, die enttäuschten Magaths, Bruchhagens und wie sie alle heißen. Ich finde es erfrischend, dass wir Neuigkeiten über Verpflichtungen oder Verkäufe eben nicht mehr aus den Medien, sondern über unseren Verein, den HSV, direkt erfahren!
Sehr zum Unmut der Presse, wie es scheint. Denn denen bleibt eben nichts anderes übrig, als ihre Seiten mit Statements zu füllen, die in alte Hörner blasen. Aus Enttäuschung, Frust oder was auch immer die Befragten dazu bewegt. Ich mag Nachtreter nicht.

Ich mag Spieler wie Lewis Holtby, der nicht nur sein Herz auf der Zunge trägt, sondern auch Verantwortung auf dem Platz übernimmt. Oder Typen wie Fiete Arp, dem man seinen Respekt vor Spielerlegenden wie Uwe Seeler noch ehrlich ansieht und den es einfach sympathisch macht, dass er nicht nur dem schnellen Erfolg (und dem Geld) hinterherhechelt. Einfach ausgedrückt: Ich mag diesen neuen HSV!
(mg)

P.S: Wer es noch nicht mitbekommen hat: das Nachholspiel des HSV bei Dynamo Dresden findet am Dienstag, den 18. September, um 18.30 Uhr statt.

Chancen

Jetzt mal ernsthaft.
Irgendwie ist es geradezu als „Glücksfall“ zu bezeichnen, dass der HSV in dieser Saison die 2. Bundesliga bespielen darf.
Ich bin mir fast sicher, dass wir mit dieser Mannschaft, die in meinen Augen einen echten Umbruch im Hinblick auf 2017/18 erfahren hat, im Oberhaus erneut mit dem Abstieg zu kämpfen gehabt hätten.

Das soll in keinster Weise eine Abwertung der Leistung, der Spieler oder gar des Trainerstabes darstellen.
Es ist ganz einfach Fakt, dass diese blutjunge Mannschaft die noch bevorstehenden 31 Spieltage als Chance nutzen kann.
Als Chance, die von den Medien so hoch gehypte „Titz-Technik“ zu trainieren, Fehler abzustellen, das System zu verinnerlichen und damit zu perfektionieren, um im besten Fall im nächsten Jahr Liga 1 damit zu begeistert.

Noch schleichen sich immer mal wieder Fehler ein, die bei treffsicheren, schnelleren Umschalt-Gegnern des Öfteren zu Gegentreffern und vielleicht sogar zu Niederlagen geführt hätten/führen würden.
Die Bielefelder Statistik zählte am 3. Spieltag der noch jungen Saison 17 Torschüsse, von denen kein einer im Netz von Pollersbecks Tor landete.
In Gedenken an unsere letzte Spielzeit hätten Montag wohl die Bielefelder noch drei Stunden weiterspielen können, ohne einen Ball zu versenken. Haste Scheiße am Schuh…. Ihr kennt das.

Eine Gefahr unseres Spiels ist zunächst noch immer der wackeligen Abwehr zu verdanken. Bates und auch van Drongelen hatten nicht ihren besten Tag. Auch eine Zweikampfquote von nur 43 Prozent spricht nicht für die Dominanz der Hamburger, die das Ergebnis letztlich vorgaukelt. Dass trotzdem am Ende die Null hinten stand, war auch ein paar super Paraden unserer Nr. 1 zuzuschreiben.

Der allerdings sorgte in der 42. Minute auch für den größten Aufreger des Spieles, als er einen von van Drongelen auf Voglsammer schlampig gespielten Pass, mit den Füßen an der Strafraumlinie, mit den Händen abwehrte.
Handspiel hinter dem 16er? Die Frage aller Fragen.
Denn selbst die langsamste Zeitlupe aller Sky-Kameras brachte nicht die letzte Gewissheit, ob der Ball vollständig hinter der Linie gehändelt wurde.

Leute, was bin ich froh, dass es keinen Videoschiedsrichter in der 2. Liga gibt! Denn auch das 1:0 durch Holtby hätte wohl im Kölner Fokus gestanden. Behinderung des Torwarts oder nicht?
Schiedsrichter Aarnink war schnell sicher, dass dem nicht so war, das Tor also regulär. Ich gehe davon aus, in der 1. Liga hätte man einen weiteren Grund gehabt, einen Schiri über einem Monitor hängen zu sehen.
Ich persönlich stehe inzwischen mit der Errungenschaft des VARs auf Kriegsfuß. Denn es ist mir immer noch lieber, eine schnell zu treffende Tatsachenentscheidung zu akzeptieren, als mehrere falsche Entscheidungen, die aus einem Videoraum kommen. Was zur Entlastung gedacht war, sorgt immer mehr für Verwirrung und Ärgernisse sowie Riesendiskussionen. Bei Fans, Spielern und Trainern.

Doch zurück zum Spiel.
Ich finde es gut und richtig, dass Titz den jungen Spielern, trotz ihrer Fehler weitere Chancen im nächsten Spiel gibt. Das ist nicht nur wichtig für das Selbstbewusstsein. Junge Spieler machen Fehler. Diese muss man ihnen zugestehen, ohne ihnen gleich die auferlegte Verantwortung zu entziehen. Nur so lernen sie.
Dieses Lernen könnte man sich in der 1. Liga kaum oder gar nicht leisten.
Ok, mit Papa und Jung fehlen zwei wichtige Defensivleute, die Titz sicher eingeplant hatte. Man wird sehen, wie er aufstellt, wenn die Beiden wieder zur Verfügung stehen.

Auch Ito braucht noch Zeit. Der kleine Dribbler vertanzt sich noch zu oft und versucht mit leichtem Starrsinn, seine Bälle noch ein Stück und noch ein Stück und NOCH ein Stück weiter in die Tornähe zu bringen. In ihm steckt ein großes Talent, das Entwicklung und Spielpraxis braucht.

Ein Wort zu „Bärchen“ Lasogga. In einigen Gruppen fand ich ironische Kommentare á la „jetzt, wo Lasogga wieder trifft, ist er euer Liebling, vorher war er nur überbezahlter Söldner“.
Also für mich sieht das ein bisschen anders aus. Pierre Michel tut einfach das, wofür er bezahlt wird. Tore schießen.
Dafür darf man ihn dann auch ein klein bisschen lieb haben. Denn auf dem Weg zurück in Liga 1 kann ein sicherer Strafraumstürmer eben Gold wert sein. Ok, ist er auch, aber das steht auf einem anderen Blatt.
Ich gebe aber auch zu, dass ich ihn nach der 1. Halbzeit ausgewechselt hätte. Wie gut, dass ich eben doch kein verantwortlicher Trainer bin 😉

Last but not least: es weht ein neuer Wind in der kompletten Mannschaft. Es menschelt. Eine lange Seite des neuen Kapitels im Team des HSV gebührt eindeutig Christian Titz.
So wie ich ihn kennenlernen durfte, als natürlicher, besonnener aber sehr wohl wissen- was- er will – Typ, so ist er auch im Umgang mit seinen Spielern.
Papa, Freund aber auch Chef und damit Vorgesetzter in einem. Ich bin froh, dass die Vorstandsetage auch mit ihm Mut zu Neuem und ein glückliches Händchen bewiesen hat und hoffe, dass man ihm Zeit genug gibt, sein Können auf mehreren Ebenen eindrücklich und richtungsweisend unter Beweis zu stellen.

Für mich die Szene des Spiels war übrigens der Jubel nach dem 1:0, als Holtby sich das Trikot des schwer verletzten Jairo Samperio zuwerfen ließ und hochhielt. Das Tor, den Sieg wollte man ihm widmen.
Und das tat man dann auch.
Dem Frischoperierten schicken wir an dieser Stelle auch gleich mal ein herzliches „gute Besserung“ rüber.

Mit einem Elfmeter, den der von Börner gefoulte Lasogga gleich selber verwandelte, machte man in der 88. Minute den Deckel auf das zweite Heimspiel der Saison drauf.
3:0 gegen gute, aber letztendlich ineffektive Bielefelder.
Das kann sich sehen lassen und bedeutet zunächst mal für eine Woche den Relegationsplatz. Das 1. Mal seit unzähligen Jahren, dass wir uns über einen Relegationsplatz freuen dürften.

Vor der Mannschaft und dem Trainerstab liegt noch eine Menge Arbeit. Auf dem Rasen und mental. Das wissen alle.
Übrigens gibt es dabei wohl bald Unterstützung von Jairo , der seine Rehamaßnahmen in Hamburg absolvieren wird, wie Titz in den Medien bekannt gab: „Er bekommt Videoaufgaben von uns. Gerade bei Standardsituationen hat er gute Ideen und eine hohe Intelligenz. Deshalb werden wir ihn einbeziehen.“ Somit wird er während der kommenden Monate Teil des Trainerteams und bleibt dicht an der Mannschaft. Gab es sowas schon mal? Ich kann mich nicht daran erinnern, finde es super und es zeigt einmal mehr, wie wichtig jeder einzelne Spiel für Titz ist, bei der Chance in Liga 2.
(mg)