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Unsere „kleinen Großen“: Fluch oder Segen?

Zwei Monate ohne Sieg. 7 Punkte aus zehn Spieltagen. Die Medien sägen am Stuhl von Markus Gisdol. Aus dem Verein heraus wird Ruhe suggeriert. Trotz allem wusste man: das Team war gestern zum Siegen verdammt, um dem Trainer eben diesen wackelnden Stuhl zu erhalten.

Sei es nun der Druck von außen oder die von Gisdol angedrohten strengeren Zügel, die Startaufstellung ließ beide Vermutungen zu.

 

So fand sich ein Lewis Holtby plötzlich auf der Tribüne, Bobby Wood auf der Bank wieder, während Jann-Fiete Arp und Tatsuya Ito in der Startelf standen.

Mit viel Feuer großem Willen auf beiden Seiten, wirkte das Spiel von Anfang an oft hektisch und vor allem kräftezehrend. Chancen gab es auf beiden Seiten. Leider fehlte es bei den Hamburgern zunächst erneut an Glück beim Abschluss.

 

Der erste Aufreger des Spiels: die Gelb-Rote Karte für Dženis Burnić. Der hatte erst kurz zuvor Gelb gesehen und legte sich nun mit Hunt an, der stolpert und fiel.  Die Geister scheiden sich noch heute: Foul oder nicht? Kann oder muss?

Ich gebe ehrlich zu, es hätte nicht unbedingt eine Gelbe sein müssen. Aber im Zuge der ausgleichenden Gerechtigkeit, die es ja bekannter Weise in jeder Saison gibt (geben MUSS), hatte ich in dem Moment kein Mitleid mit den Stuttgartern, die ab der 13. Minute in Unterzahl spielen sollten.

Im Übrigen weiß man in Hamburg ja aus leidvoller Erfahrung, dass man sich auch gegen Teams mit einem Mann weniger, nicht sonderlich viel leichter tut.

 

In der 20. Minute gab Zieler den Rothosen Schützenhilfe. Mit dem Knie lenkte er einen (gut) geschossenen Freistoß von Hunt ins eigene Tor.

 

Durch Ito und Arp kam gefühlt die doppelte Kreativität ins Spiel. Der wendige Japaner machte auf seiner rechten Seite mächtig Wirbel und Arp begeisterte mit überlegten Pässen und einigen guten Szenen im Stuttgarter 16er.

Dass Diekmeier, in der 28. Minute das 2:0 auf dem Fuß hatte… der Mantel des Schweigens hüllt die 100prozentige Chance kuschelig ein.

Dafür machte er das Geschenk der Gäste in der 55. Minute wieder wett. Der Videoschiri griff ein, hatte im 16er Hand von Dennis gesehen. Der anschließende Elfmeter brachte das 1:1.

 

Diekmeier die 3.: nach einem Pass von Ito auf Hunt, der, gefühlvoll geschossen zu Diekmeier fand, landete eine Flanke sauber auf Kostic. Der ließ sich nicht lange bitten und köpfte zum 2:1. Jubel im Volkspark und immerhin ein Scorrerpunkt für unseren rekordtorlosen Rechtsaussen..

Auch in der 69. Minute war Diekmeier beteiligt, als zum zweiten Mal in der Bundesliga die Stunde von Jann-Fiete Arp schlug. Er tanzte Pavard und Baumgartl, nach einem Zuspiel von Dennis  aus und schob aus 13 Metern den Ball ins linke Eck.

Sieg für Hamburg, 3 Punkte für Gisdol. Ein Trainerstuhlbein der bereits drei abgesägten, dürfte wieder dran sein.

 

Jann-Fiete Arp, Tatsuya Ito. Hoffnungsträger oder von Gisdol aus der Not heraus geboren? Segen oder Fluch für die beiden, die plötzlich von überall mit Lob überschüttet werden? Brechen sie unter den entstehenden Erwartungen ein oder trumpfen sie auf?

Ich persönlich denke, dass viel am persönlichen Umfeld liegen wird und natürlich am Charakter der zwei Youngsters selber, sich nicht von Beratern bequatschen und vom großen Geld zu früh verführen zu lassen.

Todt und Gisdol setzen dabei auf ein funktionierendes Team, das für Sicherheit und Bodenhaftung sorgen soll.

Wo der Weg hingeht, das weiß sicherlich nur der Fußballgott allein. Denn auch wenn sich „Uns Uwe“ mal wieder sorgt, man könne „seinen Fiete“ verheizen, gibt es für beide Möglichkeiten prominente Beispiele.

 

So debütierte auch ein Julian Draxler, im Januar 2011, mit 17 Jahren, bei Schalke (übrigens gegen den HSV). Er ist heute Kapitän der U21 und spielt, wenn er nicht gerade für Paris Saint-German aufläuft, auch unter Jogi Löw in der Nationalmannschaft.

 

Leroy Sané erhielt im Alter von 19 seinen ersten Profivertrag, bei Schalke, debütierte in der Liga aber bereits 2014 (aufgrund von Verletzungssorgen im Kader, kommt euch das bekannt vor ;-)), gegen, na, gegen wen? Genau, gegen Stuttgart. Heute, das ist bekannt, kickt er erfolgreich bei Manchester City und dürfte, ebenso wie Draxler, wohl zum WM-Aufgebot von Löw, im kommenden Jahr, zählen.

 

Und dann hätten wir da noch Marco Marin, der mit 18 Jahren, im Kader von Mönchengladbach, damals 2. Liga, debütieren durfte. In der Saison 2009/10 zählte er dann bereits zum Stamm der Bremer Weserelf. Von dort zog es ihn, bereits drei Jahre später auf die Insel, wo von Chelsea aus eine wahre Leihodyssee für den in Jugoslawien geborenen Marin begann. Er kennt, mit jetzt 28 Jahren, schon Fußballplätze in halb Europa. Unter anderem kickte er für Florenz, für Anderlecht und Trabzonspor, bevor er bei Oympus Piräus strandete. Nach der WM 2008, im deutschen Nationaltrikot, wurde es auch in der Natio still um den kleinen Flitzer. „Ja, ich könnte mir eine Rückkehr vorstellen und würde sicher vielen Vereinen mit meiner Spielweise helfen können“, so wurde der Linksaußen jüngst in der „Sport Bild“ zitiert.

 

Auch so kann es gehen…

 

Lieber Uwe Seeler. Sorge dich (mal) nicht. Ich habe das Gefühl, Arp, Knöll, Ito, Janjijic und wie unsere „kleinen Großen“ alle heißen, sind bei Markus Gisdol und auch den alten Hasen, rund um Papa Papa in guten Händen. Man merkt ihnen die Freude am Fußball an, man genießt die Sorglosigkeit, mit der sie den Ball verarbeiten, freut sich an ihren Ideen, die sie auf den Platz bringen und darüber, dass ihre Einsätze dafür sorgen, dass einige der Etablierten sich nicht mehr nur auf ihren gut dotierten Verträgen ausruhen können. Vielleicht ist das für sie eine schöne Art des Weckdienstes.

In dem Sinne: weiter so!

Kurz über die 3 Punkte freuen, trainieren, trainieren, trainieren und nach der (doofen) Länderspielpause den Schwung aus dem Stuttgart-Spiel mitnehmen, nach Schalke!

(mg)

Eine Frage bleibt offen

Herrlich! Es gibt einen Vorstandsvorsitzenden eines großen, norddeutschen Fußballvereines, der eine ganze Runde von Journalisten außer Gefecht setzt.
Mit Schweigen!
Und dieser Vorstandsvorsitzende trägt die Raute im Herzen und gehört zum HSV. Wie erfrischend anders.
Mit einem Schmunzeln habe ich mir gerade das „Interview“ von Heribert Bruchhagen, beim gestrigen Doppelpass angesehen. Nach der Feststellung, dass die ewig selben Fragen nach Kühne und Gisdol ihn „ermüden“, hat er anschließend großartig mit Schweigen gepunktet. „Es ist von meiner Seite aus alles gesagt.“ Punkt.
Vielleicht ist keiner der „Experten“ drauf gekommen mal zu fragen, ob es gerade nach dem Spiel gegen die Bayern nicht einfach ziemlich doof wäre, den Trainer infrage zu stellen. Vielleicht sind sie aber auch schon auf Krawall gebürstet ins Studio gekommen, weil das ja Quote bringt, immer und immer wieder auf den HSV einzuprügeln. Vielleicht ist ihnen aber auch nichts Besseres eingefallen.
Ich gehe mal von Letzterem aus, weil es an der Leistung der Mannschaft am Samstag einfach mal nicht viel auszusetzen gab.

Als eine gute Stunde vor Beginn des abendlichen Topspieles die Mannschaftsaufstellung rausging, schaute ich ein wenig verwundert darauf. Gisdol mischte Beton an und stellte mit Diekmeier, Mavraj, Papa, van Drongelen, Jung, Santos und Sakai eine kompakte 7-er Defensivkette vor die Offensivabteilung.
90 Minuten zerstörerisches Abwehrspiel? Das, so dachte ich, kann nicht gut gehen.
Nun sieht man ja meist schon in den ersten fünf Minuten, wohin die Spielreise des HSV jeweils geht.
Und so war ich denn auch nach dieser Zeit bereits positiv eines Besseren belehrt.
Mit einem frühen Gegenpressing trumpften die Hanseaten gegen überraschte Bayern auf.

Abteilung Sturm, mit Hunt, Hahn und Wood wurde dabei auch aus der eigenen Defensive immer wieder unterstützt. Diekmeier und auch Santos gingen über außen mit nach vorne und versuchten, die Murmel in den gegnerischen 16er zu bekommen. Und so hätte es auch in der 3. Minute im Ulreichschen Tor schon klingeln können. Leider landete Hahns Nachschuss direkt in Ulreichs Armen.
Bereits in der 7. Minute hätte es das erste Gelb für die Bayern geben müssen, als Tolisso unsauber gegen Wood arbeitete. Die Pfeife des Schiris blieb aber stumm.
Die Bayern überwanden ihre Überraschung und wurden mobiler, blieben im Abschluss aber erfolglos.
Kämpferisch ist dem HSV überhaupt kein Vorwurf zu machen. In dem hart geführten Duell gegen den Rekordmeister gewinnen sie 53 Prozent der Zweikämpfe. Da nutzen auch 73 Prozent Ballbesitz der Telekom-Truppe nichts. Leider will es mit weiteren, guten Torchancen unserer Jungs aber auch nicht so wirklich klappen.

In der 39. Minute dann die Szene, die ganz Fußballdeutschland noch heute beschäftigt. Im Mittelfeld rutscht Jung Coman mit Anlauf in die Beine, verfehlt den Ball um Milisekunden und sieht für diese Aktion Rot.
Gerade Jung, der im gesamten Spiel eher unauffällig (aber effektiv) seiner Aufgabe nachkam! Leute, Leute, da gab es schon andere Szenen, die rotverdächtiger waren! Wie wäre es zum Beispiel mit dem Ellenbogencheck von Vidal an Hahn, in der 17. Minute? Das ist dem Schiri nicht mal eine Gelbe wert!
Mindestens so geschockt wie die Fans ist Jung selber, der sich nach dem Spiel, mit einer großartigen Geste noch bei Coman entschuldigt.

Zu Zehnt gegen die Bayern. Über eine Halbzeit lang. Man mag sich denken, was die meisten von uns erwarteten.
Mit 0:0 geht es in die Pause, aus der die Bayern aggressiver rauskommen. Nach sieben Minuten Spiel auf ein Tor fällt es. Das 1:0 für die Gäste. Eine kurze Unaufmerksamkeit in der Innenabwehr gibt Müller die Chance, zum ungedeckten Tolisso zu passen, der seine Chance eiskalt nutzt.
In der 54. Minute grätscht Süle Sakai im 16er aus dem Weg. Aber es ist ja der HSV, also: kein Elfmeter…

Wer jetzt dachte, Hamburgs Trainer würde sich mit der knappen Niederlage zufriedengeben, der sah sich getäuscht. Er wechselte offensiv Holtby gegen Hunt.
In der 76. Minute kommen Kostic und Ito für Hahn und van Drongelen.
Respekt Herr Gisdol! Das nenne ich mal mutig.
Aber im Nachhinein eine gute Entscheidung. Beide Spieler bringen nochmal Schwung ins Spiel der Rothosen, die wahrlich nicht nur zerstören, sondern lieber punkten wollen. Leider klappt das nicht mehr.

Nach 93 Minuten pfeift der Schiri ab. Ein gutes Spiel unserer Jungs, bei dem Einsatz, Wille und Kampf stimmten. Leider hat man es wieder nicht geschafft, sich mit einem Tor zu belohnen.
Das Team hat mit einer Gesamtleistung jedoch Schlimmeres verhindert und hätte ein Unentschieden durchaus verdient.
Eine Frage jedoch bleibt unbeantwortet (also außer die von Bruchhagen zum Thema Gisdol 😉) WARUM nicht öfter so?
Mit der gezeigten Spiellust und dieser Einstellung hätte man es locker gegen Mainz oder Hannover schaffen können!
Womit wir wieder im Konjunktiv wären, von dem auch Gisdol langsam genug haben dürfte. Es müssen Punkte her! Am besten gleich am kommenden Wochenende in Berlin!
(mg)
P.S.: ein dickes Lob gebührt auch dem 12. Mann. Die Fans haben unsere Jungs nach vorne gepuscht und mit lautem Applaus jede gute Aktion belohnt. Auch die vom vielgescholtenen Mathenia, der ein sauberes Spiel ablieferte.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Haben Sie mehr Mut, Herr Gisdol!

Es ist undankbar, einen Blog über die Niederlage in Leverkusen zu schreiben, wenn man persönlich merkbar angezählt ist.

Angezählt von diversen Abstiegskämpfen der vergangenen Jahre.

Angezählt von Emotionen, wenn es um die Art und Weise geht, WIE man Spiel um Spiel verliert und mal wieder auf die Tabelle schaut, auf der der HSV Stück für Stück erneut in Regionen rutscht, die ihm so wohlbekannt sein dürften.

Angezählt von den immer und immer wieder gleichlautenden Aussagen von Spielern und Management, die da was von „wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen“ oder „wir haben mit unseren Fehlern dem Gegner die Tore ermöglicht“ erzählen.

 

Wenn ich dann noch Aussagen im Netz lese, die Verbesserungen gesehen haben wollen dann frage ich mich: wie muss man spielen, um schlecht zu spielen?

 

Ja, wir haben mit Verletzten zu kämpfen. Allerdings haben das andere Vereine auch. Und selbst Jens Todt spulte in den vergangenen Wochen mantraartig „das darf kein Grund für unsere Leistung sein“ runter.

Hinzu kommt, dass es ja, wenn wir ehrlich sind, eigentlich „nur“ zwei Stammkräfte sind, die zurzeit nicht auflaufen können.

Kostic und Müller fehlen, als unsere effektive Flügelzange.

Jedoch macht ein Kostic allein, das hat das Spiel gegen Leipzig gezeigt, auch längst noch keinen Sommer und ein van Drongelen ist für mich nach zweieinhalb Spielen noch keine Stammkraft.

Aaron Hunt als solche zu bezeichnen… naja. Mal mehr, mal weniger. Ich halte ihn zudem noch immer für zu langsam, im geplant schnellen Umschaltspiel, das Markus Gisdol gerne sehen würde.

Schade ist, dass Ekdal erneut verletzt ist. Er war, gemeinsam mit Walace gerade dabei, sich einzugrooven.

Und obwohl Gideon Jung gestern für mich, ein gutes Spiel gemacht hat, (ja, ja, beim 1:0 hat er gepatzt…), darf man nicht vergessen, dass der Junge, aufgrund eben erwähnter Verletzungen, ständig seine Position wechseln muss.

 

Gisdol läuft, personell gesehen, auf dem Zahnfleisch. Und seine gestrige, ungewöhnlich offensive Aufstellung, in einem 4-3-3 System, verpuffte im Leverkusener Abendrot.

Wood kann man sein Engagement wahrlich nicht absprechen. Aber wenn über die Flügel so gar nichts kommt, dann kann auch der beste Stürmer nicht netzen.

 

12:0 Tore, in den vergangenen vier Spielen. Die Torflaute nimmt Fahrt auf.

André Hahn vergibt eine 100prozentige und auch Salihovic drischt lieber den Ball aus der 2. Reihe aufs Tor, als dass er versucht, vorne eine Anspielstation zu finden.

Die Statistik will 12 Torschüsse der Hanseaten gezählt haben.

Davon habe ich wohl zehn verdrängt.

 

Auch ansonsten haben die Statistiker eine ausgeglichene Bilanz aufgestellt.

Sie zählten 20:18 Freistöße, 51:49 Prozent Ballbesitz, gar eine Passquote von 82 Prozent und 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe für den HSV.

Aber, wie sagte es Dietmar Hamann gestern bei Sky so treffend: „dann haben sie die entscheidenden Zweikämpfe, in den jeweiligen 16ern wohl nicht gewonnen.“

 

Für mich fängt das Tordebakel nicht erst am 16er an. Klar, dort sind einige von den Rothosen versemmelten Bälle im Nirwana verschwunden, aber es hapert im Spielaufbau.

Ein Sakai ist noch immer zu viel mit sich selbst beschäftigt, ein Diekmeier ist zwar schnell, aber beim flanken haperte es erneut mit der Genauigkeit.

Im Mittelfeld wurden zwar lustig die Bälle hin-und herverschoben, ging es nach vorne, war das Spielgerät dann allerdings schneller beim Gegner, als man selber gucken konnte.

 

Und hinten stand die Abwehr rund 20 Minuten wie eine Eins. Aber man kann inzwischen Wetten darauf abschließen, wann der erste eindöst und die komplette Viererkette löchrig wird, um als Escorte den Gegner zum Tor zu begleiten. Auch hier lag Hamann richtig, als er mehr Leadership forderte, um die Abwehrkette zu dirigieren.

 

Richtig geärgert habe ich mich über die Situation, kurz vor der Pause. Ein Ball auf unser Tor trudelte in Richtung Seitenlinie. Er war noch nicht im Aus, aber ALLE Hamburger blieben einfach stehen! Ein Leverkusener jachtete hinterher, bekam ihn noch, brachte ihn aber unsauber auf unseren Kasten. Und das bei einem Spielstand von 2:0! Kinners! Das sagt viel über den Willen aus, doch noch was zu drehen!

 

Dann gibt es die Leute, die ständig danach schreien, der Jugend doch mal eine Chance zu geben, Jatta aber, bei seinem 2. Einsatz bereits die Bundesligatauglichkeit absprechen.

Ja, was denn nun?

Ich selber fordere auch immer wieder „Jugend auf den Platz“. Man muss Talente fördern. Stück für Stück. Auch in Hamburg.

Allerdings darf man dann auch nicht vergessen, dass denen die komplette Spielpraxis, unter Matchbedingungen fehlt!

Leider!

Ein Jatta kann seine Schnelligkeit nicht ausspielen, wenn er unsaubere Pässe erst einfangen muss, oder auf engstem Raum keine Unterstützung findet, um sich freizulaufen.

Aber ich hoffe, dass auch Gisdol es bemerkt hat, dass mit der Einwechslung von Jatta und Waldschmidt wesentlich mehr Bewegung auf dem Feld war. Ich hätte auch liebend gerne mehr von Bundesligadebütant Tatsuya Ito gesehen, hoffe, bald Jann-Fiete Arp wieder im Kader zu haben und Janjicic spielen zu sehen.

 

Jetzt wird der ein oder andere wieder sagen, es sei keine Zeit für Experimente. Ich allerdings frage: wenn nicht jetzt, wann dann?

Wann sollen die Jungen in Deutschlands höchster Fußballliga Erfahrungen sammeln, Automatismen üben, Laufwege kennenlernen und Selbstbewusstsein tanken? Immerhin ist die Saison noch jung und nicht hoffnungslos verfahren.

Ich befürchte, dass, wenn die Verletzten alle wieder fit sind, verschwinden die hoffnungsvollen Talente wieder im Kader der U21. Was sehr schade wäre!

 

Apropos Selbstbewusstsein, das hat der Trainer, nach dem gestrigen Spiel übrigens der kompletten Mannschaft abgesprochen. Man sei verunsichert, so Gisdol vor dem Sky-Mikrofon. Es sei an ihm, die Mannschaft jetzt wieder mental aufzubauen. Keine zuversichtliche Aussicht auf das so wichtige Nordderby, am kommenden Samstag!

Markus Gisdol sei hiermit viel Glück dabei gewünscht. Denn ich mag diese „wir waren nicht bei 100 Prozent-Phrasen“ wirklich nicht mehr hören!

Schon gar nicht nach dem Spiel gegen unseren Lieblingsfeind, Werder Bremen!

(mg)

Ich habe da meine eigene Meinung

Ich bin immer noch angepisst, ob der Leistung unserer Spieler im Pokalspiel.
Ok, Osnabrück ist eingespielt, schließlich haben sie schon 4 Ligaspiele hinter sich, sie haben sich gezielt verstärkt und vor allem haben sie sich vorgenommen, das Unmögliche zu schaffen und sich im Pokal das Selbstvertrauen für die Liga zu holen.

Daß der Drittligist gegen den Erstligisten nicht offen aufspielt, das war zu erwarten, erst recht, weil der Gegner HSV heißt, der bekanntermaßen mit Ballbesitz nicht so scheusslich viel anfangen kann.
Die rote Karte war somit im Grunde das Beste, was den Osnabrückern passieren konnte.
Man hat sich noch mehr eingeigelt, man hat das Ereignis dazu genutzt, sich zu pushen und das Publikum hat nochmal eine Schippe an Emotionen draufgelegt.

Und was machen wir? Der gegnerische Drittligist ist nur noch zu Zehnt, das Ding schaukeln wir nach Hause … so die Einstellung unserer Spieler.
Und das kotzt mich an!
Anstatt, daß man sich sagt: „Jau, der Gegner ist nur noch zu Zehnt, jetzt legen wir ne Schippe drauf und versuchen uns an der Operation Kantersieg. Die hauen wir jetzt weg“…
Vollkommen emotionslos. Die Abwehr pennt, vorne agiert man auch oft nur halbherzig … das sah aus wie Dienst nach Vorschrift.

Ok, man muß jetzt wegen der Liga noch keine Panik schieben, aber mit der Einstellung wird das nichts, darüber sollten wir uns alle im Klaren sein. „Das ist ja nur Augsburg und die haben auch gegen nen Drittligisten verloren“.
Dieses Augsburg stand im Frühjahr ähnlich wie wir mit dem Rücken zur Wand und hat uns aufgrund der eindeutig besseren Einstellung mit 4:0 aus dem Stadion gefegt.
In diesem Spiel hätten wir alles klar machen können und haben drauf verzichtet. Wir waren nicht gallig genug, wir wollten die Sieg nicht unbedingt.
Und genau die gleiche Situation steht uns jetzt auch wieder bevor: Augsburger, die heiß sein werden, um den Saisonstart nicht vollends zu vergeigen, gegen den HSV.

Aber gegen welchen HSV? Gegen den engagierten, der sich in die Partie reinbeißt, in der Papa hinten alles abräumt und Mavraj mit konzentriertem Spiel alles daran setzt, daß die Bälle erst gar nicht so weit kommen?
Mit Offensivspielern, die dem gegnerischen Torhütern mal so richtig einheizen?
Oder sehen wir den Papa mit 0% gewonnen Zweikämpfen (wie in Osnabrück), den Mavraj, der dem Aussen zusieht, wie er den Stürmer, der hinter ihm steht in aller Seelenruhe anspielen kann, der neben dem Gegenspieler hertrabt?

Nun wird ja von den Journalisten als Schuldiger Jens Todt ausgemacht, der mit seiner Personalpolitik dafür gesorgt haben soll, daß auf dem Platz viele Spieler standen, die im Grunde weg wollten oder auch weg sollten.
Sorry, aber das ist Mumpitz! Die schlechtesten Spieler waren Jung, der zwar engagiert war, aber dem nicht all zu viel gelang, Papa und Mavraj.
Keiner dieser drei Spieler stand auch nur ansatzweise zur Disposition.
Müller sei lustlos gewesen, weil er sich vor dem 2:0 hat tunneln lassen.
Quatsch, er als Stürmer war immerhin in der Lage sich tunneln zu lassen, während die gesamte Defensive zu weit weg war, um eingreifen zu können.

So oder so, unser Spiel ist darauf angelegt, daß wir engagierter spielen, als der Gegner.
Die Mentalität der Mannschaft ist allerdings so, daß wir nur engagiert spielen, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen.
Und das prangere ich eindeutig an.
Gisdol beschwert sich, in Hamburg würde man alles so negativ sehen.
Ja was denn? Unsere Erfahrungen sind nunmal sehr negativ und es ist an der Mannschaft, mal zu zeigen, daß man ihr vertrauen kann. Dieses Vertrauen, ist wieder einmal enttäuscht worden. Woher soll das Vertrauen in die Mannschaft denn kommen?

Unsere Personalpolitik war in diesem Sommer sehr davon geprägt, daß wir auf Spieler mit Mentalität geachtet haben.
Stand jetzt vergebens. Und das verstehe ich nicht. Wie kann es sein, daß Mentalitätsmonster wie Papdoupolos so lustlos agieren?
Wir als Fans tun alles dafür, daß die Mannschaft angefeuert wird. Darüber brauchen wir uns am Sonntag auch nicht beschweren.
Unsere Fans waren da, unsere Fans haben die Mannschaft so gut es ging unterstützt. Und auch am Samstag wird die Unterstützung wieder da sein. Woran liegt es, daß die Mannschaft immer wieder in den entscheidenen Momenten nicht hochmotiviert auftritt, sondern eher ihr normales Programm abspult?

Es ist egal, mit welcher Aufstellung wir am Samstag spielen. Eine Chance haben wir nur, wenn wir ein Volldampfspiel hinlegen. Ich bin mir da noch nicht so sicher. Augsburg dagegen wird Volldampf machen, da bin ich mir sicher. (fb)

Untergang oder Warnschuß?

Aus! Aus im Pokal, in der 1. Runde. Nichts Neues für Fans und Mannschaft des HSV. Schlimm ist nur, WIE man sich den in der Unterzahl spielenden Osnabrückern ergeben hat.

 

Die ersten 20 Minuten sahen wirklich nicht schlecht aus. Statt den Ball ständig vom Torwart in Richtung Sturmspitze zu dreschen und damit das Mittelfeld zu überspielen, kamen sichtlich geübte Passkombinationen zum Einsatz und das ein oder andere Schmankerl machte Hoffnung auf mehr. Sowohl der VFL Osnabrück als auch der HSV schenkte sich nichts. Heiße Zweikämpfe brachten bereits nach fünf und sieben Minuten die ersten Gelben Pappen. Jeweils eine auf jeder Seite. Hinten standen beide Mannschaften kompakt.

In der 19. Minute dann senst Appiah Wood kurz vor dem Strafraum um. Konsequente Entscheidung von Schiri Aytekin (der mir im Übrigen gestern gut gefallen hat!), Rote Karte. Die Rothosen 70 Minuten in der Überzahl.

Einige HSV – Fans lehnten sich bequem in ihren Sitzen zurück. Da konnte ja jetzt eigentlich nichts mehr schief gehen…

Denkste!

Für mich persönlich besonders bedenklich das Statement von Markus Gisdol, zum Platzverweis des Osnabrückers. Sinngemäß erklärte er, der HSV hätte anschließend wohl gemeint, einen Gang runterschalten zu können und nur noch mit 50% in die Zweikämpfe gehen zu müssen.

Eine längst bekannte und ebenso gefährliche Erkenntnis, haben die Hamburger doch genau aus diesem Grund in den letzten Spielzeiten schon den ein oder anderen Punkt liegengelassen.

Der besorgte Zuschauer fragt sich inzwischen, ob der vielbeschworene Teamgeist und die ebenso oft betonte Lust auf den Saisonstart wohl in der Kabine geblieben sind.

 

Die Osnabrücker reagierten und stellten voll auf Defensive. Der HSV rannte wie ein bockiges Kind immer und immer wieder auf das gegnerische Tor. Allerdings ohne dabei besonders große Gefahr auszuüben. Ein ums andere Mal scheiterten sie am Bollwerk des VFL und an dessen gutem Torwart. Der hohe Ballbesitz resultierte letztendlich aus viel Geschiebe rund um den gegnerischen 16er, ohne dem Kasten wirklich näher zu kommen. Das sah irgendwie hilflos aus!

 

Es kam, was kommen musste. Wer vorne nicht trifft, kassiert hinten Tore.

In der 39. Minute ging der „Kleine“ gegen den „Großen“ in Führung. Unsere Abwehr schlief den Schlaf der Gerechten. Denn während sich alle auf Sangaré konzentrierten, schob der quer und der völlig freistehende Savran musste nur noch den Fuß hinhalten.

 

André Hahn versuchte kurz darauf einen Lupfer. Die Betonung liegt auf versuchte. DAS hätte der Ausgleich sein müssen! Die Führung hatte anschließend Nikolai Müller auf dem Fuß. Nach seinem Schuss suchen die Osnabrücker den Ball wohl immer noch auf dem Stadiondach…

 

Das Spiel der Hanseaten in der  2. Halbzeit beschreibt der Liveticker der Osnabrücker Zeitung eigentlich mit einem Satz ganz gut:

„Das Spiel wird wahrscheinlich weiter nur in eine Richtung laufen, zumindest deutet der HSV es an. So lange keine Gefahr entsteht, alles gut!“

 

Wer jetzt drauf gehofft hatte, dass dem Drittligisten irgendwann die Puste ausgeht, der sah sich getäuscht. Sie standen in der Abwehr mit Mann und Maus und mussten eigentlich nur noch auf einen Fehler des HSV warten.

Und der kam dann in Minute 62. Nachdem auf der linken Seite die komplette Hamburger Abwehr ausgespielt war, stand Heider in der Mitte richtig, um den Ball zum 2:0 ins Netz zu drücken.

Eine Frage bleibt hier offen: warum war es gerade Nikolai Müller, der dem Torschützen noch am nächsten stand?

Zehn Minuten später jubelte einer, der nicht so wirklich jubeln wollte. Ahmet Arslan, einst selber HSVer versetzte seinem ehemaligen Arbeitgeber den Todesstoß. Und wieder ging es über die Flügel in die Mitte, wo sich Sakai selber außer Gefecht setzte und sonst niemand zu sehen war.

 

Der Elfmeter, in der 75. Minute, den Wood sicher verwandelte, mutierte nur zu einer Schönheitskorrektur des blamablen Ergebnisses. Es blieb beim 3:1, auch wenn der HSV in den letzten zehn Minuten nochmal aufdrehte. Doch das laue Sturmüftchen war viel zu harmlos und ein-, zweimal kam auch noch Pech dazu.

 

Kompliment an die Osnabrücker. Ihr habt den Sieg mehr gewollt.

Was bleibt als Fazit für den HSV?

Wer dachte, dass die Abwehr endlich sicherer steht, sah sich gestern getäuscht. Wer dachte, die Sturmflaute sei vorüber, der sah sich gestern getäuscht. Wer dachte, die Mannschaft sei gefestigter, der sah sich gestern getäuscht.

 

Klar ist die Zeit für einen Abgesang noch viel zu früh. Allerdings sollten Mannschaft, Trainer und Sportchef gewarnt sein.

Wie sagte Gisdol so schön: „Wir sind auf dem Boden der Tatsachen zurück.“ Der Zuschauer bleibt mit der Frage zurück: was hat ihn darauf gebracht, dort jemals weggekommen zu sein?

 

Ach, eins noch: dass auch der FC Augsburg gestern, gegen Magdeburg rausgekegelt wurde sollte uns nicht wirklich ein Trost sein.

Denn können wir wirklich am kommenden Wochenende die 3 Punkt in Hamburg behalten: nach Augsburg kommen noch 16 andere Gegner. Und die, die bisher ihren Pokalfight hinter sich brachten, haben alle gewonnen…

 

Zurück bleiben die Fans. Einige mit einem Fragezeichen im Gesicht, andere mit Ausrufezeichen. Und dann gibt es noch die, die meinen, sich langsam an solche Vorstellungen zu gewöhnen. Tun sie es wirklich? Ich glaube nicht. Es ist einfach nur noch traurig und macht irgendwie müde.

 

Last but not least sind jetzt wirklich der Worte genug. Wir wollen von niemandem im Vorfeld des nächsten Spieles sowas hören, wie man sei heiß auf das Spiel, oder dass die Mannschaft ein anderes Gesicht und Reaktion zeigen wird. Diese Phrasen kennen wir alle zur Genüge. Ich für meinen Teil möchte die Reaktion nicht aus dem Mund von Spielern, Trainer oder Spodi hören, sondern sie auf dem Rasen sehen! Die Frage bleibt, ob sie es wirklich besser können…

(mg)

 

Wohin wird die Reise gehen? Der HSV in der Startphase zur neuen Saison

In drei Tagen geht die Spielzeit 2017/18 in die Startlöcher. Im Pokal messen sich die vermeintlich Kleinen mit den Großen des fußballerischen Oberhauses.
Eine Woche später später steht dann der Bundesligastart auch in der 1. Liga auf dem Spielplan.

Ich für meinen Teil bin gespalten, was die Transfers des HSV angeht.
Ich habe den Eindruck, dass wir mit den Verkäufen Lücken aufreißen, um sie mit Neuzugängen wieder zu stopfen, während wir die Spieler, die eigentlich gehen könnten, nicht loswerden. Ob uns das so wirklich weiter nach vorne bringt, wird sich zeigen.

Ebenso, ob die Diskussionen um einen Abgang von Santos, nur ein weiteres Gerücht für das Medien-Sommerloch sind (Markus Gisdol will ja nichts von einem Wechselwunsch wissen). Allerdings würde die Verpflichtung von Stafylidous, vom FC Augsburg, auch hier einen 1 zu 1 Tausch bedeuten.

Dann wird ein Gregoritsch nach Augsburg verkauft und ein Hahn verpflichtet.
Ein Transfer, den ich insofern nicht nachvollziehen kann, als dass Gregerl unter Gisdol selten auf seiner bevorzugten Position als klassischer Mittelstürmer auflaufen durfte, sondern eher auf rechts die Außenlinie beackern musste. Zudem ist sicherlich auch seine Freistoßstärke nicht zu unterschätzen.

Anders sieht es in der Innenverteidigung aus. Dort herrschte ja in der letzten Saison ständig akute Brandgefahr. Vor allem dann, wenn Papadopoulus verletzt war und Mavraj nicht seinen besten Tag hatte.
Die beiden verfügen leider über ein hohes Kartenpotential, da sie nur allzu gerne in teils hitzige Diskussion mit dem Schiedsrichter gehen. Zudem spielt insbesondere Mavraj oft eine brisante Abwehrtechnik, die nicht selten mit einem Foul endet, das dann wiederum zu torgefährlichen Freistößen (oder Schlimmerem) führt.

Die Verpflichtung von Papadopoulus sehe ich ebenfalls noch immer mit gemischten Gefühlen. An seinen Qualitäten besteht sicher kein Zweifel. Auch kann jede Mannschaft ein solches „Motivationsbiest“ bestens gebrauchen.
Mich stören die sechs Millionen, die wir für einen relativ verletzungsanfälligen Innenverteidiger, an Rudi überwiesen haben. Ein wenig erinnert mich diese Verpflichtung an die von Lasogga, der seinerzeit für irre acht Millionen (und einem noch irreren Gehalt) von Berlin in die Hansestadt wechselte. Und das „nur“, weil er aktiv am Klassenerhalt beteiligt und von dort aus zum Publikumsliebling mutiert war. Wo Lasogga heute steht, wissen wir alle.

Nun denn, nach dem Weggang von Johan Djourou bestand insbesondere in der IV noch höherer Handlungsbedarf. Hier hat der sportliche Vorstand, als Back up für Papa und Mavraj, gute Arbeit geleistet und mit Bjarne Thoelke und Rick van Drongelen jung und (hoffentlich) erfolgshungrig aufgerüstet.

Dabei helfen, nicht mehr zur Schießbude der Liga zu werden, soll auch unsere neue Nummer 1, Christian Mathenia und alternativ Julian Pollersbeck.
Pollersbeck lernt gerade, dass die Bundesliga vielleicht doch ein noch anderes Kaliber ist, als die U21, mit der er vor einigen Wochen Europameister geworden ist.
Nach dem Hype um das neue „Feierbiest“, ist er durch seine Fehler in den Testspielen noch rechtzeitig wieder auf dem Boden gelandet und weiß, dass noch viel Arbeit vor ihm liegt.

Und in der Offensive?
Tja, da liegen die Hasen im Pfeffer. Da sitzen auch die Probleme, die bei Wood zur hohen Aufstockung seines Gehaltes geführt haben und nun die Wechselgerüchte um Nikolai Müller befeuern.
Didis Gehaltsverhandlungen haben bei Beratern, Spielern und Co stets ein Grinsen im Gesicht hinterlassen und sorgen momentan noch dafür, dass die Gehaltsschrauben sich nicht so ganz in die Richtung drehen, wo Vorstand und Aufsichtsrat sie gerne hätten.
Denn warum soll ein Wood für weniger Kohle auflaufen, als ein Lasogga, der zudem noch meistens die Bank drückt?
Deshalb begrüße ich die Entscheidung des Vorstandes, nicht mit Müller zu noch höheren Bezügen zu verlängern, sondern ihn, mit einem weinenden Auge, im kommenden Jahr ablösefrei ziehen zu lassen.
Der HSV darf sich nicht mehr erpressbar machen. Und wenn Müller den Charakter hat, den ich ihm durchaus zutraue, geht er auf eine erfolgreiche Abschiedstour mit dem HSV.
Was von Waldschmidt und insbesondere Schipplock zu erwarten ist? Da hilft wohl nur ein Blick in die Kristallkugel…

Auf den weiteren teuren „Altlasten“ werden wir anscheinend sitzenbleiben. Lasogga, Hunt und Holtby könnten wohl gehen, wenn denn ein adäquates Angebot vorliegen würde. Tut es aber nicht. Gerade sie sollten sie sich deshalb darüber im Klaren sein, dass Phrasen wie „wir waren heute nicht bei 100%“ gleich in der Mottenkiste bleiben sollten.

Überhaupt hat sich im spielbestimmenden Mittelfeld weder defensiv noch offensiv etwas getan, was Neuverpflichtungen angeht.
Es bleibt zu hoffen, dass sowohl Walace als auch Jung, die hinter Hunt, Holtby und Ekdal, wenn er nicht verletzt ist, für den Spielaufbau zuständig sind, in den Trainingslagern speziell an ihrer Kreativität und Technik gefeilt haben, damit der SpielAUFBAU zukünftig seinen Namen auch verdient.
Insbesondere an der Schraube wollte Gisdol ja, nach eigener Aussage, noch justieren.

Spannend wird, die Entwicklung von Porath zu beobachten (wenn er denn nicht noch verliehen wird), der genauso zu den Profis aufschließen möchte, wie Stürmertalent Fiete Arp. Der wird jedoch sicherlich noch einen weiteren Weg vor sich haben, als Bakery Jatta, der mir in den Testspielen gut gefallen hat. Er braucht allerdings eine gefestigte Mannschaft um sich herum, um Selbstbewusstsein zu tanken und auch so zu spielen.

Zu hoffen bleibt auch, dass schwere und langwierige Verletzungen weitestgehend ausbleiben, so dass sich zum Beispiel ein Gotoku Sakai oder auch Gideon Jung ganz auf ihre gelernten Positionen konzentrieren und somit das Mannschaftsspiel technisch weiterentwickeln können.
Abschließend hoffe ich auf eine Saison, in der wir endlich mal nicht bis zum letzten Spieltag als heißer Abstiegskandidat gehandelt werden…

Ich bin übrigens zu 100% bei Max Eberl und Jörg Schmadtke, die sich dafür einsetzen, die Transferphase im Sommer mit dem Anstoßpfiff des ersten Bundesligaspieles enden zu lassen. Was macht es für einen Sinn, noch zwei, drei Wochen mit einer Mannschaft zu spielen, die im Anschluss daran nie wieder in der Form auf dem Rasen steht? Denn eigentlich sollte jeder Trainer pünktlich zum ersten Spieltag seine Stammelf gefunden haben, ohne am nächsten Wochenende auf einigen Positionen erneut anders aufzustellen und vielleicht auch noch seine angedachte Spieltaktik durcheinanderwürfeln zu müssen.

Last but not least: Zum 222 Millionen Transfer von Neymar fehlen mir jegliche Worte. Für mich ist er das beste Beispiel dafür, dass der Profifußball, egal ob national oder international, auf einem gefährlichen Weg ist. Wir alle wissen, was mit immer weiter aufgepusteten Blasen irgendwann mal passiert.
(mg)

Jung und heiß. Ich könnt schon wieder…

Nun beginnt sie wirklich, die fußballlose Zeit.
Bis gestern hatte der hartgesottene Freund des Ballsportes noch Programm. Und während der ein oder andere mit einem mitleidigen Lächeln und großer Vehemenz die Spiele des Confed Cups in Russland erst gar nicht einschaltete, erfreuten sich andere von Spiel zu Spiel mehr an den jungen Wilden, die Jogi zum Turnier gebeten hatte.

Die Stammspieler sollten sich ausruhen. Müller, Boateng und Co durften also urlauben, während Draxler, Kimmich und der von vielen noch immer für seine Schwalbe ausgepfiffene Timo Werner das Warm Up für die WM im kommenden Jahr bestreiten durften. Ja, sie DURFTEN. Denn im Laufe des Turniers mag bestimmt so mancher „Stammspieler“ verwundert geschaut haben, läuft er doch inzwischen Gefahr, dass ihm der ein oder andere Bubi den Rang abgelaufen hat.
Dass Deutschland eine Turniermannschaft ist, das ist bekannt. Dass sich die bunt zusammengewürfelte und zudem mit einem Durchschnittsalter von 23,9 Jahren jüngste Mannschaft des Cups, durchaus harmonisch auf dem Feld präsentierte, damit hatten wohl die Wenigsten gerechnet (zum Vergleich: der gestrige Endspielgegner, Chile, schickte mit einem Durchschnittsalter von 30,9 Jahren, die älteste Mannschaft auf den Rasen).

Inzwischen betrachtet auch Trainer Jogi Löw, der mit sieben Neulingen im Team, bei seinem 6. Turnier den 2. Sieg einfahren konnte, diesen Confed Cup als Glücksfall. So bin ich mir sicher, dass eben dieser vielgeschmähte Timo Werner 2018 mit den deutschen Farben auflaufen wird und Löw vor einem Luxusproblem steht, wenn es um die Kaderauswahl geht.
Das war kein lockerer Test, wie ursprünglich gedacht. Das war Teamgeist, der sich da entwickelt hat, da war bedingungsloser Siegeswillen und da war ein Trainer, der endlich mal wieder Trainer sein durfte (was soll er einem Kedira oder Müller schon noch beibringen?).

Die übrigen Teilnehmer, ließen ihre besten Spielern auflaufen und verloren im Laufe des Turniers das müde Lächeln, mit dem man die „B-Elf“ der Deutschen Nationalmannschaft zuvor oft bedacht hatte.
Von der Presse viel zu schnell als Vorrundenausscheider ausgemacht, zum Confed Cup Sieger. Das schafft wirklich nicht jeder.
Deshalb für mich ein dicker Daumen hoch für Jogi Löw, der (vielleicht unbewusst) genau das Richtige tat, als er die „satten“ Weltmeister fast alle zuhause die Beine hochlegen ließ.
Auch die Auswahl passte. Die Jungs verstanden sich anscheinend prächtig und sie hatten alle ein Ziel vor Augen: am 2. Juli den Pokal in die Luft zu halten und im goldenen Lametta zu stehen. Ich freue mich für Spieler wie Joshua Kimmich, der im Luxuskader des FC Bayern München bisher nie groß zeigen durfte, was er kann. Ich hoffe, Ancelotti hat genau hingeguckt!
Timo Werners und Draxlers Gepäck dürfte auf der Rückreise noch ein Kilo schwerer sein. Denn den Torjägerschuh für den einen und die Auszeichnung als „Bester Spieler des Turniers“ wiegen eben ein paar Gramm. Ich freue mich für beide. Sie dürften nicht nur wegen der beiden Zusatzpreise in den letzten Wochen viel gelernt haben und ein Stück weit gereift sein. Ich gebe zu, ein bisschen Schadenfreude schwingt mit, wenn ich daran denke, dass der selbsternannte „beste Stürmer Deutschlands“ ohne den goldenen Schlappen nachhause fährt. Tja Herr Wagner, Sie hingegen dürften ein Stück weit geerdet sein. Gut so. Denn Diven braucht keine Mannschaft.

Mit einem Titel zu Ende gegangen ist am vergangenen Freitag ein weiteres Turnier. Die U21 schoss die favorisierten Spanier ab und darf sich, erstmals seit 2009, erneut Europameister nennen.
Dabei hatte es Trainer Stefan Kuntz noch einen Ticken schwerer, als sein Gegenüber, Jogi Löw. Denn da beide Turniere zeitgleich stattfanden, lud Löw einige potentielle U21 – Spieler nach Russland und Kuntz musste sehen, „was übrig bleibt“. Dass das bei Weitem nichts Schlechtes war, bewiesen die Youngsters in einem spannenden Turnier, bei dem sie nicht mal ein Elfmeterschießen gegen England ausließen. Mit kollektivem Willen zum Titel. Im Kader Namen wie Max Meyer, Mitchel Weiser und Marc-Oliver Kempf. Da mag der ein oder andere Trainer sich zu Hause wohl verwundert die Augen gerieben haben, während er stolz die Leistungen seiner Schützlinge in Polen verfolgte.

Nicht vergessen wollen wir, dass mit Gideon Jung und Neuzugang Julian Pollersbeck auch zwei HSVer im Kader und teilweise sogar in der Startelf standen. Ob Christian Mathenia den Sieg der Jungs und vor allem die Paraden seines direkten Konkurrenten wohl mit einem weinenden und einem lachenden Auge verfolgt hat? Man wird sehen, was Gisdol aus SEINEM Luxusproblem macht.
Wenn mir ein kleines Fazit erlaubt sei, so mache ich mir um die Zukunft des deutschen Fußballs keine Sorgen. Der Bundestrainer kann aus dem Vollen schöpfen. Und die Stammspieler im kommenden Jahr beweisen, dass sie mindestens noch genauso heiß auf Titel sind, wie es ihre jungen Kollegen vorgemacht haben.

Gleiches wünsche ich mir für den HSV. Natürlich träume ich nicht gleich vom Meistertitel. Aber diese Lust auf Fußball, den Willen zu siegen und alles für sein Team zu geben, das sollte drin sein.
Markus Gisdol seinerseits wird beweisen müssen, dass er aus den Spielern, die ihm zur Verfügung stehen, ein eben solches Team formen kann, wie auch immer das dann aussieht. Denn die Gerüchteküche steht ja noch lange nicht still. Und auch einige Abgänge, mit denen wir vielleicht noch gar nicht rechnen, dürften anstehen.
Es ist zu hoffen, dass bis zum Trainingslager im österreichischen Leogang, das Gros der Mannschaft steht und dass man an den bekannten Mankos, wie zum Beispiel der Eckenverwertung und dem Spielaufbau arbeitet.

Wir werden euch aktuell davon berichten, denn zwei BlogPerlen fahren mit nach Österreich. Freut euch auf viele schöne, hautnahe Berichte. Ich bin jedenfalls schon in Fußballstimmung. Meinetwegen kann es morgen wieder losgehen…
(mg)

Ab in die Sommerpause mit euch!

Na, wenn das man keinen Ärger mit Mama Lasogga gibt 😉
Nach dem Siegtreffer wollte Pierre-Michel eigentlich nur mitjubeln.
Abgehalten davon haben ihn einige Ordner, die den gut „beschirmten“ Lasse, wohl wegen seines Baseballcaps nicht so wirklich erkannten, ihn für einen gemeinen Fan hielten, der den heiligen Rasen betreten hatte und ihn kurzerhand abführen wollten. Ebenso erging es übrigens auch Aaron Hunt, Finn Porath und dem neuen Pressesprecher, Till Müller (ohne Worte!)

Böse Zungen behaupten, bei Lasogga lag es daran, dass man ihn, ob seiner wenigen Einsätze, inzwischen einfach nicht mehr erkannte. Andere waren sogar ein bisschen froh, dass der bullige Stürmer, weil verletzt, mal wieder nicht im Kader stand.
Hätte er, dann wäre wohl er, statt des 21jährigen Luca Waldschmidt, in der 87. Minute eingewechselt worden. Und dann …

Hätte, wäre, wenn. So aber konnte Waldschmidt, von den Wolfsburgern sträflich vernachlässigt, nach einer Kostic-Flanke, mit seinem sauberen Kopfball einnetzen und den Hamburgern damit den Sieg und 3 Punkte sichern und den dritten Gang, innerhalb von vier Jahren, in die Relegation ersparen.
Vorausgegangen waren 90 Minuten Zitterpartie.
Den Willen konnte man unseren Jungs dabei nicht absprechen. Es fehlte eher am Können. Die weiten Pässe nach vorne wollten auch am Samstag oft genug keinen eigenen Anspielpartner finden und beim 1:0 für die Gäste sahen drei Hamburger, die um Robin Knoche Spalier standen, dem Ball ziemlich ratlos hinterher, als dieser sich, über Mathenia hinweg, in den Torwinkel schraubte.
Unser Ersatztorhüter war es denn aber auch, der mit einigen sauberen Paraden eine weitere Führung der Niedersachsen ein ums andere Mal vereitelte.

Wie aus dem Nichts entstand dann der Ausgleich für Hamburg. Eine Gemeinschaftsarbeit von Lewis Holtby und Filip Kostic, in der 32. Minute.

Die 2. Halbzeit sah dann geringfügig besser aus. Versuchten sich die Rothosen jetzt doch auch ab und an mal an einem Spielaufbau und durchliefen auch das Wolfsburger Mittelfeld erfolgreich.
Wolfsburg schaltete dagegen einen Gang zurück. Ihnen reichte das Unentschieden, das merkte man ihnen an.
Dumme Entscheidung. Denn, wie bereits bekannt, schickte Luca Waldschmidt sie dann doch noch in die Relegation und Hamburg in den 7. Fußballhimmel. Die Fans waren nicht mehr zu halten. Sie stürmten den Rasen und feierten, als sei man gerade Meister geworden. Auch der Fangemeinde fielen tonnenweise Steine, während der gesamten Saison gesammelt, vom Herzen.

Welchem Druck die Mannschaft unter Gotoku Sakai ausgesetzt, sah man nicht allein am Tränenausbruch des Kapitäns, gleich nach dem Schlusspfiff. Auch Trainer Markus Gisdol betonte das, im sonntäglichen NDR Sportstudio noch einmal.
Man sei völlig ausgepowert und das nicht erst seit dem letzten Spiel. Wer ihm dabei ins Gesicht schaute, der glaubte ihm jedes Wort.

Die Bundesliga-Saison 2016/17 ist Geschichte (außer für den VFL Wolfsburg 😉 )
Die Planungen für die kommende Spielzeit laufen bereits. Man werde sich punktuell verstärken, verriet Gisdol. An vier bis fünf Positionen sei dabei gedacht.

Fakt ist wohl, dass man sich von einigen Großverdienern trennen muss, um die immensen Kaderkosten zu senken.
Ob man sich in diesem Zusammenhang einen Kauf von Papadopoulus leisten kann, sei jetzt mal dahingestellt. So ein bisschen erinnert mich die Personalie an eben diesen Pierre-Michel Lasogga, der seinerzeit auch sowas wie der Motivator und anschließend auch Relegationsheld wurde und mit 8,5 Millionen (!) von Hertha losgeeist werden musste.
Leverkusen wird ebenfalls Mondpreise aufrufen. Nur wird es hoffentlich in Hamburg niemanden mehr geben, der diese noch einmal bezahlt.
So gern ich den kantigen Griechen auch weiterhin beim HSV sehen möchte, den Spruch „um jeden Preis“ kann und darf es nicht mehr geben!
Der erwähnte Spargedanke wird meines Erachtens auch Pierre-Michel Lasogga treffen. Ob und wohin man ihn verkaufen kann, auch das bleibt abzuwarten.

René Adler hat heute verkündet, dass er seinen Vertrag in Hamburg nicht verlängert. Aber um weniger Torhüterqualität muss man sich, wie gesehen, trotzdem keine Sorgen machen.
Ansonsten wird sich das Gespann Bruchhagen, Todt und Gisdol wohl in der 2. Liga umschauen, oder die Scouts finden anderweitig junge, hungrige Spieler, die schon immer mal diese eine Raute auf der Brust tragen wollten. Und dann sind da ja noch die eigenen „jungen Wilden“ (wie Jatta und Janjicic) die im kommenden Jahr den Sprung in die A-Mannschaft endgültig schaffen könnten. Nicht vergessen wollen wir Jan-Fiete Arp, der langsam an die Profis herangeführt werden soll.

Ein Wort noch zum Schiedsrichtergespann um Manuel Graefe. Sollten die drei angespannt gewesen sein, man merkte es ihnen nicht an. Graefe hat gut gepfiffen, ohne sich von Nicklichkeiten oder anderen Einsprüchen, auch von den Trainerbänken, beeinflussen zu lassen. Ein Profi halt…

Unsere Mannschaft hat sich den Sieg verdient. Ebenso, wie die jetzige Sommerpause, in die wir BlogPerlen nun auch unsere Leser schicken.
Natürlich folgt von uns noch der übliche Saisonrückblick, es gibt die gesamte Sommerpause über wieder die beliebte Gerüchteküche und wenn etwas Berichtenswertes geschieht, halten wir euch natürlich auf dem Laufenden… Nach der Saison ist eben immer auch vor der Saison.
(mg)

Alles nur geklaut: Der Tag der Aluhutträger

Endlich hat die Nation wieder Futter. Futter um sich aufzuregen, über den HSV. Jede Menge Videos kreisen durch das Internet. Die Posts dazu sind mal freundlich, mal bestimmend, mal pro, mal contra. Die kommentierenden Beiträge darunter sind jedoch nicht selten empört und gehen teilweise hin bis zu derben Beleidigungen Andersdenkender.

Es geht um ein nicht gegebenes Tor für Schalke, in der 4. Minute der Nachspielzeit gegen den HSV.

Beim Stand von 1:1 gibt es noch mal Ecke für die Gelsenkirchener. Diesen Ball sieht der Schiri-Assistent Thorsten Schiffner im Aus und hebt die Fahne.

Wohl gemerkt: BEVOR das Runde von Kolasinac, per Kopf, ins Eckige befördert wurde.

Ganz vorne beim Orakeln mit dabei, ob oder ob das Tor nicht hätte zählen dürfen: die Fraktion der Aluhutträger, die eine Verschwörung der DFL hinter dem Schiripfiff vermutet.  Man wolle den HSV „mal wieder ungerechtfertigt“ in der Liga halten.

Kinder! Ist das euer Ernst?

Besonders penetrant versuchte gestern der Fernsehsender Sport 1, mit seinen, (sorry, is so) bayernaffinen „Experten“, dem HSV das Unentschieden abzusprechen. Allen voran der alles andere als neutrale Moderator, Thomas Helmer. Der sezierte den Ball, anhand einer Videoanalyse so lange bis er sich festlegte: der Schiedsrichter stand eindeutig falsch. Und deshalb sah es für ihn so aus, als sei der Ball im Aus gewesen.

Doch bevor besagter Thomas Helmer in seinen Stuhl beißen musste, weil ihm partout nicht alle seiner Gäste zustimmen wollten, sprach Calli Reiner Callmund ein Machtwort. Fussball, so der beleibte Herr Callmund sinngemäß, sei immer noch ein Spiel der Tatsachenentscheidung. Und nun sei nun mal so entschieden und basta.

Vielfach war man sich inzwischen auch im Netz einig, dass es in dem Fall wohl nie ein eindeutiges falsch oder richtig geben könne, da die Sicht wirklich von jedem Punkt der Linie eine andere ist.

Immerhin brach der DFL-Schiedsrichter-Manager Hellmut Krug in der WELT eine Lanze für seinen Linienkollegen: „Darauf zu achten, ob die Flugbahn eines Eckballs die Torauslinie überschreitet, das sind Basics für die Assistenten. Und Thorsten Schiffner ist einer unserer erfahrensten Assistenten. Ich habe keinen Zweifel, dass er mit seiner Entscheidung richtig lag.“

Und noch etwas bewegt heute die Gemüter der Fußballgemeinde mehr, als das eigentliche Spiel, das auf dem Rasen stattfand.

Anscheinend hatten sich, schon während des Spiels, einige Vollhonks beider Vereine nicht im Griff und gingen aufeinander los. Dabei waren ihnen wohl auch Frauen und Kinder sowie andere Unbeteiligte, die eigentlich nur ein Fußballspiel sehen wollten, egal. Die Polizei musste mit Pfefferspray eingreifen.

Den traurigen Höhepunkt erreichten die Gewaltausschreitungen dann, laut Medien, im Anschluss an das Spiel, sowohl im Umfeld des Stadions und danach noch im Gelsenkirchener Hauptbahnhof. Bei dieser Auseinandersetzung gab es zwei schwer verletzte Hamburger, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

 

Da fragt man sich doch, was haben solche Leute im Kopf, die aus einem Bundesligaspiel einen Kriegsschauplatz machen?

Fußball ist zwar die schönste Nebensache der Welt, aber er sollte alles andere als Gewalt auslösen!

Erschreckend daran ist, dass man solche Meldungen inzwischen immer und immer wieder lesen muss. Und zwar vereinsübergreifend.

Wenn dafür nicht bald eine Lösung gefunden wird, ist es niemandem mehr anzuraten, Auswärtsspiele zu besuchen oder alleine ins Stadion zu gehen…

Die Schuldigen müssen dingfest gemacht und noch an Ort und Stelle mit einem lebenslangen Stadionverbot belegt werden! Nur so erreicht man einen Abschreckungseffekt. Es kann doch nicht sein, dass man Angst um seine eigene Gesundheit haben muss, nur weil man das falsche T-Shirt trägt!

 

Kurz nochmal zurück zu der Gerechtigkeitsdiskussion vom Anfang dieses Artikels. Ich möchte nur daran erinnern, dass gerade wir in Hamburg in den letzten Spielen genug Grund hatten, eine Verschwörung zu wittern. Ich habe verdrängt, wie viele eindeutige Elfer uns verwehrt wurden!

Darüber wurde kurz (oder auch mal etwas länger) gemotzt, aber letztendlich musste man die Entscheidung dann doch akzeptieren!

Und eines noch: der kleine Diaz-Freistoß, im letzten Relegationsspiel möchte endlich in Frieden ruhen. Sonst müssen wir uns vielleicht dringend nochmal und nochmal und nochmal über die vielen getanzten Schwalben eines bekannten Holländers oder das Kießling – Tor durch die Hintertür unterhalten.

Es ist wohl wirklich so: im Laufe einer Saison gleichen sich die Ungerechtigkeiten irgendwie immer aus. Gewöhnt euch dran!

 

Ach ja, Fußball gespielt wurde trotzdem noch. Dank Lasogga (!) konnten wir aus Gelsenkirchen einen Punkt entführen. Es hätten mehr sein können. Wieder mal wurden viel zu viele Chancen nicht genutzt. Hier seien nur Holtby, Wood und auch Jatta erwähnt, die jeder für sich eine 100%ige auf dem Fuß hatten!

Letzterer und auch der 18jährige Vasilije Janijcic sollen nicht vergessen werden, sie machten einen super Job und lassen Hoffnung aufkeimen, für eine bessere Saison im Jahr 2017/18. Hoffentlich dann noch in der 1. Bundesliga. Denn dank unseres Unentschiedens und das von Wolfsburg gegen Gladbach, kommt es am Samstag zu einem richtigen Endspiel im Volkspark. Gehen wir als Sieger vom Grün, bleibt uns sogar die Relegation erspart. Der Fußballgott möge uns gnädig und die Jungs voller leidenschaftlichem Siegeswillen sein! Die Leidenschaft wünsche ich mir auch auf den Rängen. Allerdings gewaltlos bitte!

(mg)

Wenn der Gojko mit dem Kacar…

Bruno Labbadia benimmt sich an der Seitenlinie nicht viel anders, im Vergleich mit den meisten anderen seiner emotionalisierten Trainerkollegen. Gestikulierend kennen wir die Herren. Wild rufend, laut schimpfend, unruhig hin und her tigernd und… seit gestern gibt es den Bruno-Nicker.
Einmal, zweimal, dreimal den Oberkörper vor und zurück, und…. drin ist die Kugel!
Man könnte meinen, er habe ihn reinhypnotisiert, so entrückt sah er aus, der Bruno, bevor Gojko Kacar auf dem Rasen das tat, was Bruno ihm am Spielfeldrand mental vorlebte.
Erneut Gojko Kacar sorgte dafür, dass das Abstiegsduell gegen den FC Freiburg nicht der vorzeitige Todesstoß für den HSV wurde.

Doch fangen wir vorne an.

Es kam, wie es kommen musste. Der HSV wirkte in der 1. Halbzeit verängstigt, ja fast wieder so verunsichert, wie vor den Siegen gegen Augsburg und Mainz.
Bloß keinen Fehler machen, so die Devise, die übrigens auch für den Spielaufbau galt.
Wieder waren es meist lange Bälle, die von hinten nach ganz vorne gehen sollten, aber leider selten den eigenen Spieler fanden.
Hinzu kam ein überraschend schwaches Innenverteidiger Duo, das unbedrängt Bälle ins Nirwana-Aus schoss und so dem Gegner immer wieder einen Spielaufbau schon hinter der Mittellinie ermöglichte.
Auch das Gewinnen von Kopfball-Duellen wollte Djourou und Rajkovic gestern seltenst gelingen. Ein verlorenes davon sorgte dann auch für das zu der Zeit berechtigte 0:1 für die Gäste. Und das bereits nach 25 Minuten.
Wenn es ein Positivum zu diesem Zeitpunkt gab, dann nur, dass die Mannschaft nach dem Rückstand nicht, wie noch einige Wochen vorher, auseinander fiel. Der Wille den Ausgleich zu machen war da, die Abschlüsse jedoch (mal wieder) teilweise erschreckend harmlos.
Zu Beginn der 2. Halbzeit hatte man gar mehrmals das Glück, einen Mann wie René Adler im Tor zu haben.
Der wird beim Abspielen der Bälle (die zu gefühlt 90% beim Gegner landen) zwar kein Manuel Neuer mehr, er aber war es, der den Ausbau des knappen Gästevorsprungs mit einigen Weltklasseaktionen ein ums andere Mal verhinderte.

In der 58. Minute hatte Labbadia ein Einsehen und holte den eher harmlosen Holtby (was mit dem los ist, verstehe wer will…) vom Platz, tauschte ihn gegen einen offensiven Marcel Jansen.

20 Minuten später kam Rudnevs für Ostrzolek. Nun war klar: Bruno setzte alles auf eine Karte. Und das war gut so. Denn endlich kam Leben in die Bude, die Chancen fanden auf beiden Seiten des Rasens statt.

Und in der 90. Minute, als die Fans sich schon fast mit dem so bekannten Gefühl der Niederlage abfanden, kam er. Der Mann, den mal wieder niemand auf dem Zettel hatte, der mal wieder das gewisse Quentchen mehr wollte, als so manch anderer auf dem Platz: Gojko Kacar (und Bruno Labbadia ) netzten ein! 1:1!
Wenn ihr mich fragt, und nach dem vorhergegangenen Spielverlauf, ein mehr als glückliches Resultat!

Nicht das 1. Mal taten wir uns gegen einen Gegner „auf Augenhöhe“ schwer. Mir persönlich wurde die Woche über auch schon wieder mit zu vielen medialen Lorbeeren rumgeschmissen.

Ja, und natürlich längst auslaufende Verträge verlängert.
Leute! Alle wollen, egal wohin es geht, einen Neuanfang. Das funzt aber nicht, wenn man mit all denen, die gehen sollen, jetzt plötzlich wieder verlängern muss, weil der ein oder andere endlich geradeaus gegen den Ball treten kann.

Sollte Bruno nächstes Jahr mit jemandem direkt planen, ok, aber doch bitte nicht mit allen, die jetzt (berechtigter Weise) ihre Tasche packen müssen!
Apropos Tasche packen. Der Spieltag ist noch nicht vorbei. Noch können wir bis auf Platz 16 rutschen und das Spiel gegen Stuttgart wird ein noch heißerer Tanz auf Messers Schneide, als eh schon befürchtet!
Fußball ist ein Mannschafts- und vor allem Laufsport. Hast du keine Anspielstationen im Mittelfeld und vorne, wird das auch mit Toren nix. Also gilt es, noch mindestens zwei Schippen draufzulegen!
Leichter wird es jedenfalls nicht. Ich habe gegen die Schwaben ein noch dumpferes Gefühl im Bauch, als gegen Freiburg. Aber vielleicht baut Bruno bis dahin ja seine mentalen Fähigkeiten auf Freistöße, Ecken oder 25m Schüsse aus. Kacar macht bestimmt mit!
(mg)