Alle Beiträge von Manuela Gerick

Ein Sieg mit Herz und Kampfgeist

In Hamburg heißt es Durchschnaufen.
Mitte der Woche flatterten die Lizenzen für Liga 1 UND 2 in die Silvesterallee, gestern holte man sich drei wichtige Punkte, gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf.

Und während die einen noch das Haar in der Suppe suchen („Lizenzen sind kein Grund zum Jubeln, die sind normales Bundesligageschäft“… „das Spiel war durchzogen mit eklatanten Fehlern und Ballverlusten“…) schnuppern die anderen Morgenluft.
Und womit?
Mit Recht!
„Manchmal reicht es bei uns spielerisch nicht, um ein Spiel zu gewinnen. Dann muss der Kampf stimmen – so wie heute“, sagte Kapitän Sakai nach dem Spiel und brachte es auf den Punkt.
Denn wenn man diesen Jungs inzwischen eines nicht absprechen kann, dann ist das der Wille, siegen zu wollen.

Absehbar, dass nach fünf Wochen mal ein Gegner damit beginnen würde, das antrainierte Aufbauspiel zwischen Pollersbeck und seinen IV´s früh zu zerstören.
Das brachte wieder den ein oder anderen Ball, von hinten über das Mittelfeld, zu ungenau nach vorne, wo meist die Freiburger davon profitierten.
Das wiederum sorgte für eine enorme Fehlpassquote in der 1. Halbzeit und für Pollersbeck (der ein klasse Spiel machte) viel zu viele Möglichkeiten, sein Können unter Beweis stellen zu müssen.
Den schnellsten Sprint des gesamten Spiels dürfte einer der Betreuer für sich beanspruchen, als man auf der Ersatzbank feststellte, dass für Matti Steinmanns blutverschmiertes Trikot kein Ersatz bereit lag. Steinmann hatte in der 28. Minute einen Ball auf die Nase bekommen und durfte mit dem Shirt nicht mehr auf den Rasen. Quälend lang erscheinende vier Minuten in Unterzahl, in der die Freiburger ordentlich aufdrehten, war das Lehrgeld für alle Beteiligten, denen sowas ab sofort wohl nicht nochmal passieren dürfte.

In Minute 35 schnellte der Blutdruck der Hamburger Fans in ungesunde Höhen. Nach dem Motto „nimm du ihn, ich hab ihn sicher“, zeigte sich speziell Gideon Jung sehr zuversichtlich gegenüber seinem Torhüter, der gleich dreimal hintereinander Spitzenreaktionen zeigen musste, um den Führungstreffer der Gäste zu vermeiden. Die Rothosen wirkten verunsichert.

Irgendwie brachte man die erste Halbzeit ohne Gegentor rum und erhielt in der Kabine wohl eine an die Freiburger Störmaschine angepasste Marschroute von Christian Titz.

In der 54. Minute belohnte sich Lewis Holtby, der weder unter Gisdol noch unter Hollerbach eine Chance hatte, für seine wohl guten Trainingsleistungen und sein Durchhaltevermögen, indem er das dritte Tor in fünf Spielen unter Titz schoss.
Wie tief der Frust, gegen die Medien, die ihn längst abgeschrieben hatten, doch berührt haben muss, zeigte sich im Anschluss an den Schlusspfiff in der Mixedzone. „Die Lusche hat wieder getroffen“, gab er einem BILD-Reporter mit auf den Weg, der ihn unlängst wohl als solch eine bezeichnete.
Unter Christian Titz ist für mich nicht nur eine frischere Spielweise und ein enormer Teamgeist erkennbar. Auch ein Lewis Holtby, der übrigens mit fast 13 zurückgelegten Kilometern laufstärkster Spieler war, ist wieder aufgeblüht.
Das Quentchen Selbstsicherheit wünscht man sich jetzt noch für Bobby Wood, der in der 90. Minute das 2:0 vergab. Er zögerte, nach einem einsamen Spurt über rechts viel zu lange, bevor er sich dazu entschloss, nicht selber zu netzen, sondern den Ball zum aufgerückten Kostic rüberzulegen. Der traf dann letztendlich nur noch direkt den gegnerischen Keeper.

Für den Aufreger im Spiel sorgte jedoch mal wieder der Schiedsrichter, als er in der 71. Minute die Gelb-Rote Karte gegen Caglar Söyüncü zog, der kurz zuvor Kostic zu Fall brachte. Für mich eine Kann-Karte. Allerdings mit Auswirkung für die Gäste, die über 20 Minuten in Unterzahl spielen mussten.
Christian Streich wirkt in den Pressekonferenzen inzwischen auf mich, als würde man ihn regelmäßig unter Schlafmittel setzen. Er hadert nicht mehr mit dem Schicksal, bleibt ruhig, ja fast phlegmatisch und ergibt sich mit dem Hinweis, dass es eben eine Schiedsrichter-Entscheidung gewesen sei.

Statistisch gesehen, brachte die 2. Halbzeit die Werte wieder auf Titz-Niveau. Fast 80% angekommene Pässe, rund 56 Prozent Ballbesitz und 53 Prozent gewonnener Zweikämpfe standen letztendlich zu buche.
Erneut bleibt festzustellen, dass uns zu oft eine Anspielstation, für die inzwischen durchaus ankommenden Pässe von außen, in der Box fehlt.
Das war insbesondere in der 1. Halbzeit gut zu sehen.
Da nicht zu erwarten ist, dass sich daran noch viel ändert, werden auch die kommenden drei Partien zum Großteil über Kampf und Wille entschieden werden müssen.
Ich traue Christian Titz durchaus zu, den Spannungsbogen hoch genug halten zu können, um die Aussicht auf das Wunder von der Elbe am Leben zu erhalten.
Einen Hinweis darauf gab Holtby in einem Interview: „Psychologisch gesehen wäre ich jetzt lieber der Jäger als der Gejagte“, sendete er Richtung Wolfsburg.

Allerdings ist der 31. Spieltag auch für den HSV noch nicht vorbei. Heute spielt Augsburg gegen Mainz. Ein Sieg der Puppenkiste wäre aus Hamburger Sicht wünschenswert.
Und kommenden Samstag haben wir dann das nächste Endspiel gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf vor der Brust. Leider spielen wir gegen Wolfsburg auswärts. Denn auch gestern bewiesen sich die Fans im Volkspark erfolgreich als 12. Mann, der uns in Niedersachsen ein wenig fehlen wird.

Bis dahin heißt es #Hamburglebt, allen Haar-in-der-Suppe-Suchenden zum Trotz!
(mg)

Störfeuer

Auswärtssieg!
Haut den Plastikclub weg!
3 Punkte aufholen. Und Mainz verliert am Montag!

Tja, leider ist Fußball kein Wunschkonzert.

Der HSV musste sich in Sinsheim ergeben und obendrein wird einer der Besten auf dem Platz, nächste Woche gegen Freiburg fehlen. Douglas Santos holte sich die 5. Gelbe Karte ab.
Zwei Tore, in der 18. (Gnabry) und 27. (Szalai), mit freundlicher Unterstützung unserer Defensive, machten die Hoffnungen, in Hoffenheim was mitzunehmen, zunichte. Ehrlich gesagt, ist dieses Ergebnis noch schmeichelhaft. Denn neben zwei nicht gegebenen Toren für die Gastgeber, hatten diese viel mehr Chancen (allein dreimal Aluminium), zeigten das bessere Konterspiel und gingen aggressiver ins Pressing.
Kaum zu glauben, dass sie „nur“ auf Platz 7 der Tabelle standen. Das Spiel unter Nagelsmann sieht einfach aus und die (eingespielte) Mannschaft hat erfrischenden Fußball gezeigt.
Hunt ging, anders als gegen Schalke, als Startelfstürmer unter, die Pässe, die durchaus von rechts und links in die Box flogen, blieben unbeantwortet.
Zudem taten sich im Mittelfeld unerwartete Löcher auf, die Matti Steinmann, als einziger 6er gestern nicht stopfen konnte.
Titz reagierte früh, wechselte ihn in der 32. Minute gegen den erfahreneren Ekdal aus und versuchte das Mittelfeld durch das Zurückziehen von Holtby zusätzlich zu stabilisieren. Dadurch entstanden die Lücken dann allerdings weiter vorne.
In der 63. kam Arp für Waldschmidt, in der 76. Salihovic für van Drongelen, der, zumindest in der 1. Halbzeit einen gebrauchten Tag erwischt hatte.
In der 2. Halbzeit ließ Hoffenheim das Spiel etwas schleifen, unsere Jungs wurden wacher. Keeper Baumann war in der 72. Minute, mit 52 Ballkontakten inzwischen der Fleißigste auf dem Platz.
Zu unserem Leidwesen verpufften die Schüsse auf das Tor der Gastgeber, viele davon zu ungenau. Weiterhin fehlte einfach die effektive Anspielstation im gegnerischen 16er.

Gegen diese Hoffenheimer zu verlieren ist wahrlich keine Schande. Und schon gar kein Rückfall in vergangene Zeiten.
Was haben wir denn erwartet?
Auch Christian Titz ist kein Magier und kann statt eines Mäuschens gleich einen Löwen aus dem Hut zaubern.
Die Jungs haben sich zu keinem Zeitpunkt des Spiels aufgegeben. Selbst nach dem 2:0 war der Wille was zu drehen durchaus da.
Wieder kamen gut 83 Prozent der Pässe da an wo sie hin sollten. Erneut hatten wir mehr Ballbesitz (knapp 57 Prozent) und liefen etwas mehr als der Gegner.
Allerdings sank die Zweikampfquote um rund 6 auf 44 Prozent.

Ich bin die Letzte, die unseren Jungs irgendeinen Vorwurf macht!
Keine Mannschaft schlägt jeden Gegner.
Und Hoffenheim war gestern einer, der eben nicht durch ständige Störfeuer, Trainerwechsel und Querelen in der Vorstandsetage auf Nebenkriegsschauplätzen kämpfen musste, dafür mit einem gefestigten Kader den guten Fußball der Saison fortsetzte.
Nur, und da wiederhole ich mich erneut: uns fehlt einfach die Zeit für solche Spiele.
Leider! Aber da können weder Christian Titz noch der Großteil der Mannschaft etwas dafür.
Ich sehe weiterhin eine gute Entwicklung, die (ligaunabhängig) Mut auf eine bessere Zukunft macht

Apropos Störfeuer.
Titz nach Kiel, Arp zu den Bayern.
Findet die Presse keine schlagkräftigen Themen, zieht sie selber welche an Land. Spekulationen ohne Ende, nicht bestätigte Meldungen im Konjunktiv und damit Unruhe in die Fangemeinde bringen. Das scheint Anliegen der örtlichen und auch überörtlichen Medien zu sein. Wir alle werden weder das eine noch das andere letztendlich verhindern können.
Da lob ich mir doch den Trainer, der mantraartig immer wieder betont, dass er momentan nur von Spiel zu Spiel arbeitet und ihn wenig interessiert, was sein könnte wenn…
Ich denke wir sollten uns alle ein Beispiel an ihm nehmen und einfach abwarten was kommt.

Trotz allem, der erste Abstieg rückt unweigerlich näher. Auch wenn immer noch das letzte kleine, rechnerische Quentchen Hoffnung lebt.
Das allerdings könnte empfindlich aus dem Gleichgewicht geraten, wenn Mainz morgen gegen Freiburg gewinnt. Leider können wir es nicht mehr alleine richten.

Apropos Störfeuer II:
Auch in Hoffenheim qualmte mal wieder die Hütte. Das wird dem Verein als Wiederholungstäter, erneut eine empfindliche Geldstrafe einbringen.
An die wenigen, die ihre Finger mal wieder nicht vom Zündeln lassen konnten: Pyro ist in deutschen Stadien verboten und IST somit ein Verbrechen! Und wer jetzt wieder mit den hohen Abfindungen oder Eintrittspreisen dagegenhalten möchte dem sei gesagt, spart euch diese kindischen Entschuldigungen!
Sollte die Strafe sechsstellig werden, denkt einfach mal darüber nach, dass unser neuster Neuzugang, David Bates, 120.000 Euro Ausbildungsvergütung kostet.
Diese Summe habt ihr längst für Nichts in eurem Rauch aufgelöst. Tolle Leistung und ein Bärendienst, den ihr da eurem ach so geliebten Verein beschert!
Stimmung geht auch ohne Pyro, wie ihr selbst es gegen Schalke und nach dem Spiel, mit dem Applaus für die Mannschaft, trotz Niederlage, bewiesen habt. Diesen Support dürft ihr gerne am kommenden Samstag gegen Freiburg wiederholen.
(mg)

Wenn man sich wünscht, dass vier Minuten des eigenen Lebens ganz schnell vergehen…

…dann spielt der HSV!

Das war nichts für schwache Nerven. Wie oft wurde das Pflänzchen Hoffnung auf einen Sieg, in den letzten Minuten wieder ersäuft?
So oft, dass ich wirklich bis zum Schlusspfiff nicht daran glauben konnte. In den vier Minuten ewig wirkender Nachspielzeit, in der Schalke noch mal richtig aufdrehte, hat bestimmt der ein oder andere in ein imaginäres Kissen gebissen.
Aber dank einer tollen Parade von Pollersbeck ist es wirklich passiert: Nach 132 Tagen ohne Sieg bringt der HSV drei überlebensnotwendige Punkte nach Hause.

Und WIE er sie nach Hause brachte!
Ich wiederhole mich gerne, denn, egal in welcher Liga wir uns in der nächsten Saison wiederfinden, was Christian Titz, innerhalb von vier Wochen aus dieser Mannschaft gemacht hat, ist unglaublich.
Der kleine Ito hat die wohl beste zweite Halbzeit seines Lebens gespielt.
Dass er überhaupt 90 Minuten durchhielt, spricht für eine super Trainingsleistung. „Wir haben Ito nicht in den Griff bekommen“, gab Schalke Trainer Tedesco, im Aktuellen Sportstudio zu.
Der japanische Wirbelwind spielte seinen direkten Gegner, Caliguri, ein ums andere mal schwindlig, war links wie rechts zu finden und lieferte den entscheidenden Pass, der in der 52. Minute zum 2:1, durch Holtby führte.
Skeptiker, die Ito in der Startelf zunächst bemängelt hatten, taten tatsächlich Abbitte, ob der gerade in den zweiten 45 Minuten gezeigten Leistung.

Hunt im Sturm? So mancher rieb sich verwundert die Augen. Ich, ich gebe es zu, bin eigentlich kein großer Freund des Ex-Bremers. So manches mal hat er das Spiel verlangsamt und eher durch Fehlpässe auf sich aufmerksam gemacht.
Aber als Sturmspitze macht er durchaus Sinn, um die Lücke zu füllen, die sich allzu oft im generischen 16er aufgetan hat.
Dass sein Hammertor dann aus 26 Metern im gegnerischen Netz zappelte ist umso schöner. Und ehrlich gesagt, ich gönne es ihm sogar. Denn er scheint einer derjenigen zu sein, der die von Titz geforderte Mentalität zeigt und sie auch auf den Platz bringt. Nebenbei: der Blick von Torwart Fährmann erinnerte mich ein wenig an das Relegationsspiel in Karlsruhe, nachdem Marcello Diaz seinen Freistoß ins Tor zauberte.
„Wenn wir Fußball spielen, dann kann ich das auch“, sagte Hunt in ein ZDF-Mikro. Das dürfte als Seitenhieb auf die ehemaligen Trainer und ihr defensives Spielsystem verstanden werden.

Apropos Fehlpässe.
Auch die Statistik des Spiels lässt sich durchaus sehen. Neben einem Ballbesitz von 59 Prozent und einer um sieben Kilometer höheren Laufleistung als die Schalker, glänzten die Hamburger mit einer Passquote von fast 80 Prozent. Das sind erneut 20 Prozent mehr, als unter Gisdol und Hollersbach.
18 zu 7 Torschüsse bekamen die Fans zu sehen. Das dürfte gefühlt die gesamte Ausbeute aus den sieben Spiele unter Hollerbach gewesen sein.
Schade, dass sich Lukas Waldschmidt oder auch Sakai bei ihren beiden 100prozentigen nicht belohnten. Und auch Holtby semmelte das Spielgerät nur Zentimeter am Netz vorbei.
Hach, es war einfach schön, dieser Mannschaft zuzugucken!
Zu sehen, wie der Ball durch das Mittelfeld gezaubert wurde und sich die Spieler in ihren Laufwegen immer wieder anboten.
Erneut arbeitete die gesamte Offensive gut nach hinten mit. Ärgerlich dabei, das nach einem Freistoß von Caliguri von Naldo verwandelte Kopfballtor. Weder van Drongelen, noch Pollersbeck schienen da gewarnt.
Dass „die Hand Gottes“ an dem Ball mit dran war, bestätigte anschließend nicht nur Sky-Schiri Markus Merk. Auch Naldo gab zu, dass wohl Kopf und Hand beteiligt waren. „Aber wenn der Schiedsrichter sagt, ist ein Tor, dann ist es auch eins“, meinte er lapidar.
Für mich unerklärlich, dass es aus Köln keinen Einspruch gab. Auch wenn einige meinen, das sei eben keine eindeutige Fehlentscheidung gewesen.
Was war das sonst?
Für mich ziehen sich die Fehlentscheidungen, zu Ungunsten des HSV, wie ein roter Faden durch die gesamte Saison.

Umso wichtiger war es, dass sich unsere Jungs eben nicht, wie schon so oft davor, nach dem frühen Führungstreffer aufgaben, sondern weiter anliefen und sich in der 17. Minute, durch Kostic´s kuriosen Kopfballtreffer mit dem Ausgleich belohnten. Auch nach Holtbys Tor zum 2:1, kreiste keine Angst vor dem Verlust der Führung durch die Mannschaft, so, wie es noch gegen Hertha zu sein schien.

Unterm Strich bleibt ein tolles Spiel, ein wichtiges Ergebnis, die Abgabe der „Roten Laterne“ an den FC Köln und „nur“ noch fünf Punkte bis zum Relegationsplatz.
Schade, wirklich schade, dass wir uns nicht allein auf uns verlassen können, sondern auch immer noch auf die Ergebnisse der Konkurrenz schauen müssen.

Euphorie? Ich bin weit entfernt davon. Aber ich traue Christian Titz durchaus zu, dass er die Jungs auf dem Boden hält und sich alle der Situation bewusst sind. Titz weiß, nur, wenn in jedem der noch ausstehenden fünf Spiele 110 Prozent auf den Platz gebracht werden, kann das kleine Pflänzchen Hoffnung weiter leben. „Heute feiern, morgen arbeiten“, sagte auch Bernhard Peters, der dem gesamten Trainerteam ein Lob und der Mannschaft eine neue Mentalität aussprach, nach dem Spiel.
Noch ist nicht viel gewonnen. Aber auch nichts verloren.

Und nächste Woche? Da geht es nach Hoffenheim. Das Hoffenheim, bei dem wir vor 132 Tagen den letzten Sieg feiern konnten. Sie werden es uns nicht einfach machen und versuchen, diese Scharte auszuwetzen. Fehlen werden den Jungs auch die Fans, die gestern als 12. Mann dicht hinter der Mannschaft standen. Und das ganz ohne Pyro…
(mg)

7 Spiele verschenkt!

Wer hat eigentlich gesagt, dass diese Mannschaft untrainierbar ist?
Wer meinte denn, dass selbst ein Pep Guardiola aus dieser Truppe nicht viel mehr rausholen könnte?
Wenn wir ehrlich sind, dann meinten das die meisten von uns.
Denn eine Entwicklung war weder zuletzt unter Bruno, noch unter Gisdol und schon gar nicht unter Hollerbach zu entdecken.

Und dann kommt ein Christian Titz, ein Trainer aus der „zweiten Reihe“ und belehrt uns eines Besseren.

Es ist noch keine vier Wochen her, da war der Hamburger Fußball das Synonym für „Antifußball“.
Lange Bälle nach vorne, ohne dass dort eine geeignete Anspielstation zu vermuten war. Destruktiver Zerstörungsfußball ohne jeglichen technischen Ansatz.
Hauruck-Gepöhle vom Feinsten, gepaart mit immer wieder individuellen Fehlern, die uns die Punkte kosteten. Und vorne eine Flaute, die den versiertesten Segler auf dem Wasser zum Verzweifeln gebracht hätte.
Sieglos seit November letzten Jahres.
Überholt vom 1. FC Köln, der zum Rückrundenstart gerade mal 6 Punkte gesammelt hatte.
Träger der Roten Laterne, ohne Aussicht auf Besserung.

Trotz all dieser Tatsachen wurde der Kader im Winter nicht nachgebessert. Sparfuchs Bruchhagen und SpoDi Todt wiederholten mantraartig, dass die Mannschaft stark genug für einen Klassenerhalt sei. Ein fataler Fehler, wie wir heute wissen.
Nach dem 2:0 im Januar dieses Jahres, gegen Köln, musste Gisdol gehen.

Und jetzt kommt das, was ich überhaupt nicht verstanden habe und was mich im Nachhinein RICHTIG wütend macht: mit Hollerbach holte man einen ähnlichen Trainertypen, mit der gleichen Spielphilosophie wie Gisdol sie hatte.
Liebe Leute!
Sollten wir absteigen, und es sieht verdammt danach aus, war das der Kardinalfehler der damaligen Führung.

Hollerbach mag ein total liebenswerter Mensch sein. Aber er ist niemand, der Abstiegskampf kann.
Er vermittelt schon nach außen eher den Typ Schwiegermutters-Liebling, als Motivations-Couch, der Menschen in seinen Bann ziehen, Selbstvertrauen ausstrahlt und mitreißen kann.

Haben Bruchhagen und Todt das nicht gesehen?
Unter welcher Prämisse hat man Hollerbach geholt?
Hat der „Stallgeruch“ da schon wieder Einfluss genommen?
Oder war Holle „nur“ zu gutmütig, um Nein zu dieser Herkulesaufgabe zu sagen?

Wie dem auch sei.
Wir haben 7 Spiele verschenkt, in der auch weiterhin auf dem Rasen das Spiel nur zerstört wurde, die Fehlpassquoten gen Himmel gingen, immer und immer wieder die selben Spieler ihre Fehler machen durften.

Heute frage ich mich, wo wir stehen könnten, hätte man gleich auf Christian Titz gesetzt.
Wobei ich zugebe, skeptisch war ich auch. Allerdings nicht, wegen der Qualitäten, die der neue Trainer hat, sondern angesichts der Zinnbauer-Ära, die vom Ansatz her ähnlich gelaufen ist.

Fakt ist, bereits im Hertha-Spiel konnte man erste Veränderungen festmachen.
Nicht nur, dass plötzlich Stammspieler auf der Tribüne saßen und sitzen (oder ganz aus dem Kader geflogen sind), die Jugend hat Einzug gehalten.
Titz, der seine Schützlinge aus der U21 aus dem Effeff kennt, spricht der „zweiten Garde“ das Vertrauen aus.

Super, wie er immer wieder die Youngsters zum Training der Profis hochzieht. Hier haben sie Gelegenheit, ihn in der Woche von den vorhandenen Qualitäten zu überzeugen.
Ist es zu wenig, geht es zurück.
Zeigen sie Einsatz und Können, werden sie am Wochenende mit der Berufung in den Kader, ja sogar in die Startelf, belohnt.
Namen alleine reichen dafür nicht mehr. Und das ist gut so!

Gestern galt das für Gouaida und Ambrosius, die beide kein schlechtes Spiel ablieferten.
Ja, Ambrosius hat mit seiner unglücklichen Kopfballaktion die Vorarbeit zum 1:1 verzapft.
Aber das ist ja das Problem: wir haben keine Zeit mehr, für solche Fehler, die eben gerade bei Bundesligadebütanten passieren und somit eigentlich dazugehören.
Wir haben, ich wiederhole mich, SIEBEN Spiele verschenkt!

Und im zweiten Spiel unter Titz ist eine spielerische Entwicklung zu sehen, die ich in den letzten fünf Jahren beim HSV nicht mehr gesehen habe.

Lange Bälle vom Torwart über die Mittellinie sind tabu.
Pollersbeck mutiert beim Spielaufbau oft zum Feldspieler (wobei gestern einige Bälle dabei waren, da wurde mir schon ein wenig übel).
In aller Ruhe wird geschaut, wo sich eine Lücke auftut.
Wir hatten gestern eine Passquote von 81%, sind zehn Kilometer mehr gelaufen als die Stuttgarter und zur Zweikampfquote von 54% haben auch die Neuen ordentlich beigetragen. Hier sind besonders Jung und Steinmann zu nennen.
Das Spiel geht oft sauber durchs gesamte Mittelfeld, aber auch über außen, wo immer mehr Pässe im gegnerischen Strafraum ankommen.
Dass dort leider immer noch selten ein Abnehmer zu finden ist, liegt eben daran, dass uns ein richtiger Strafraumstürmer fehlt. Zudem arbeitet auch die Offensive sehr schön nach hinten mit.

Die Mischung aus „alt“ und jung funktioniert.
Leider ist nur ein Punkt dabei rausgekommen, dessen Wertigkeit sich erst heute, nach dem Mainz-Spiel, und nächste Woche gegen Schalke, herausstellen wird.

Den Spielern mag der Punkt trotzdem gut getan haben. Schließlich durften sie feststellen, dass sie sehr wohl in der Lage sind, einen Gegner auszukontern und Bälle an den eigenen Mann zu bringen.
Und Hamburg wäre ja auch irgendwie nicht Hamburg, würde nicht wieder mal dieses letzte Fünkchen Hoffnung auf Hoffnung bleiben.

Ach, könnte es jetzt doch erst der 20. Spieltag sein und wir hätten nicht sieben Spiele verschenkt…
(mg)

P.S.: fast vergessen: wir wünschen Christian Titz alles Gute zum heutigen Geburtstag und weiterhin ein glückliches Händchen…

Wunder dauern etwas länger

Vorfreude. Zum 1. Mal seit langer Zeit mal wieder Vorfreude auf ein Spiel.
Und was für ein Gefühl war das, in der 26. Minute, als Kostic´s Pass von Santos sauber angenommen, zwischen Jarsteins Beinen hindurch geschossen, plötzlich im Netz zappelte!

Überhaupt. Die Statistik der 1. Halbzeit war ungewöhnlich. Fast 60 Prozent gewonnener Zweikämpfe, eben so viel Ballbesitz und die Pässe durch das Mittelfeld gingen an den eigenen Mann.
Wow! Das sah nach Fußball aus, was Titz´s Mannschaft da auf den Rasen zauberte.
Ja, zauberte. Denn als gebeutelter HSV-Fan sah man eher erstaunt auf das, was die jüngste Startelf seit 1974 da spielte.
Ich gebe es zu. Ich hatte ein wenig Angst.
Nach dem Tor hatte ich Angst, dass man die Führung wieder abgeben, in alte Schemata zurückfallen würde.
Aber das, was ich bis zur 45. Minute sah, machte Mut.
Sie wollten. Und sie konnten auch!

Diese Mischung aus erfahren und unbekümmert, zu der sich Christian Titz entschlossen hatte, machte Spaß. Man sah, dass die ersten Trainingsanweisungen umgesetzt wurden. Dass lange Bälle nach vorne der Vergangenheit angehören sollten und dass sich Bewegung auch ohne Spielgerät lohnte.
Der Spielaufbau ging über Jung, van Drongelen und Pollersbeck die sich, zugegeben von den Berlinern ziemlich in Ruhe gelassen, aussuchen konnten, über welche Seite der Ball nach vorne gehen sollte.
Wobei insbesondere Ito ziemlich viel Wirbel auf der linken Seite machte.
Ein ums andere Mal sah es gar so aus, als würde man die Führung ausbauen können. Mit schönen Pässen kombinierte man sich immer wieder in Richtung gegnerischem 16er. Leider blieb das Glück Kostic, Hunt und auch Holtby verwehrt.
Auf der anderen Seite zeigte Pollersbeck zweimal eindeutig, warum er den Vorzug vor Mathenia erhalten hatte.
Ich hätte nichts dagegen gehabt, wäre das Spiel nach den ersten 45 Minuten grundsätzlich abgepfiffen worden.

Man konnte sich denken, was für eine Ansprache sich die Herthaner in der Kabine anhören mussten.
Paul Dardai würde, er KONNTE, mit der Spielweise seiner Jungs nicht zufrieden sein.
Und er wusste, was für Hamburg auf dem Spiel steht.
Er wusste, dass sie auf Biegen und Brechen dieses Ergebnis würden halten wollen.

Vielleicht hat auch Titz diesen Umstand in den Katakomben einmal zu viel betont… Jedenfalls kamen die Jungs wie verwandelt aus der Halbzeit.
Die Hertha drehte auf und im Gegenzug ließen sich die Rothosen in ihrer Hälfte einschnüren. Ein bisschen sah es jetzt aus, als habe der Hase plötzlich Angst vor dem Wolf und macht sich deshalb klein. Ich konnte sie fast körperlich spüren, diese Angst. Zu fragil wirkte die gesamte Mannschaft plötzlich.

Es funktionierte nicht mehr viel nach vorne. Man hatte plötzlich etwas zu verlieren. Weg war die Leichtigkeit, die Kugel durchs Mittelfeld zu bugsieren. Weg war aber auch der Platz, den man vorher zum Spielaufbau bekommen hatte.
Es kam was kommen musste. Plattenhardts Flanke in den Strafraum fällt direkt vor Lazaros Füße, der aus fünf Metern, völlig frei stehend, nur noch einschieben muss.
In der 57. Minute, also gerade mal sechs Minuten später, die Entscheidung. Maier kommt, vom Gegner kaum belästigt über die rechte Seite in den Strafraum und legt den Ball flach in die Mitte. Kalou kommt angerauscht und knallt den Ball unter die Latte.

Titz reagierte offensiv, brachte Wood für Holtby, Jatta für Ito und Waldschmidt für Arp. Zuviel für vorne, zu wenig für das Mittelfeld, in dem so gut wie nichts mehr zusammenlief. Zu ungenau die Zuspiele und zu schlecht die Standards.
Nach einem Freistoß für Hamburg, pfeift der Schiri in der 93. Minute ab. Für mich unerklärlich, da der Spielzug nicht unterbrochen war. Einige haben ein Foul im Strafraum gesehen. Ich nicht.
Sei´s drum, am Schiri hat es letztlich nicht gelegen, dass wir ohne Zählbares den Platz verlassen mussten.
Auch Christian Titz schaffte es nicht, den Vorsprung auf den Relegationsplatz, mit drei weiteren Punkten zu verkürzen.
In der 2. Halbzeit hat sich der HSV selbst geschlagen.
Naja, es waren wohl eher die Köpfe der Spieler, die zu sehr mitspielten.

Doch Hamburg wäre nicht Hamburg, wäre es auf den Nebenschauplätzen ruhig geblieben.
Da polterte ein Papadopoulus gegen seinen Platz auf der Bank und Dana Diekmeier sah sich gar bemüßigt, mit einem kindischen Post auf Instagram den Rausschmiss ihres Mannes aus dem Kader kommentieren zu müssen.
Frank Wettstein hatte es angekündigt, dass der Trainerstab, hinsichtlich Engagement und Einstellung einige Spieler hinterfragen würde. Und dass man hinter Titz´s Entscheidungen stehen würde, käme es zu Veränderungen im Kader.
Für mich hat sich gerade Papa disqualifiziert. Seien wir ehrlich. Auch er war in den letzten Spielen nicht wirklich fehlerfrei.
Hat er Probleme mit dem Trainer, dann sollte er das intern klären und keine Vorlagen für die Medien schießen, um noch mehr Unruhe in den Kader, in den Verein zu bringen.
Profis sollten Profi genug sein, Entscheidungen zu akzeptieren und sich auch mal selber hinterfragen. Wie wir alle es Tag für Tag tun müssen. Auch wenn wir nicht Papadopoulus oder Diekmeier heißen.

Die 1. Halbzeit hat dem Trainer mit all seinen Entscheidungen Recht gegeben. Wir haben eine junge, freche Mannschaft erlebt, die gewillt war, die im Training erhaltenen Anweisungen umzusetzen.
Gut, die meisten von uns haben ein Wunder erwartet. Doch wer ehrlich ist der weiß, dass fünf Trainingseinheiten die begrenzten Qualitäten der Mannschaft nicht würden grundsätzlich verändern können. Wunder dauern eben etwas länger.
Titz hat jetzt 14 Tage Zeit, an den Laufwegen zu arbeiten, seine Spielweise in die Köpfe der Jungs zu pflanzen und vor allem verlorenes Selbstbewusstsein wieder auszubuddeln.
Auch wenn all das nicht zum Verbleib in Liga 1 reichen sollte, so bleibt doch die Hoffnung, dass man mit einem frischen, lebendigen Kader, der guten Fußball spielen will, in Liga 2 startet.

Dass nach dem Spiel Hamburger auf Hamburger losgehen, dazu fehlen mir die Worte. Es ist die traurige Fortsetzung der unsäglichen Banner- und Kreuzaktion aus den letzten Wochen. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen rechtzeitig zur Vernunft gebracht werden. Damit man in Hamburg endlich wieder über Fußball und nicht über die Vollpfosten berichten muss, die dem Verein von innen heraus Schaden zufügen!
(mg)

Vorschau #HSVBSC

Holler ist Geschichte, Titz ist unser neuer Trainer und die Hoffnung ist wieder da.
Die Entlassungen der letzten Woche, also Bruchhagen, Todt und vor allem Hollerbach haben den Club befreit, die Stimmung ist eine ganz andere geworden. Endlich ist wieder Leben drin.
Es war schon seit Monaten viel zu ruhig, also nicht positiv ruhig, sondern negativ ruhig.

Christian Titz ist der Nachfolger, unser bisheriger Trainer der U21.
Schaut man sich die Interviews/Presssekonferenzen an, fällt einem die gänzlich andere Art, im Vergleich zu seinem Vorgänger auf.
Titz wirkt sehr offen, aufgeräumt und kompetent, man hat den Eindruck, er weiß wovon er redet.

Ein weiterer Neuzugang im Verein ist Thomas von Heesen.
Er übernimmt Teile des Jobs von Spodi Jens Todt.
Er wird nicht den Kader planen, keine Verhandlungen mit Spielern und deren Beratern führen.
Er berät den Vorstand in sportlichen Belangen und ist das Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Verein.
Auch ist er der Ansprechpartner für die Spieler und deren Berater, falls es irgendwo Probleme geben sollte.

Zum Spiel letzte Woche sag ich lieber nichts.
Also widmen wir uns dem morgigen, gegen die Hertha.
Mit den Berlinern kommt eine Truppe, die nicht einfach zu bespielen ist, die allerdings im Moment auch eine gewisse Schwächephase hat.

Wie wir spielen werden kann ich nur raten, es wird auf jeden Fall offensiver gespielt werden, als unter Holler.
Interessant ist der Kader, den Titz für das Spiel benannt hat.
Steinmann und Seo sind drin.
Hahn ist nicht dabei, Schipplock und Mavraj auch nicht.
Aber das war schon fast zu erwarten.
Überraschend war für mich jedoch, daß er auf Dennis Diekmeier und vor allem auch auf Walace verzichten wird.
Das hätte ich nicht gedacht.
Vor allem beim Brasilianer war ich überrascht, der unter Holler eigentlich eine gute Entwicklung genommen hat.
Ach ja, Holtby ist auch im Kader und ich könnte mir auch einen Einsatz von ihm vorstellen.

Wichtig ist aber vor allem die psychische Komponente.
Die Jungs müssen den Kopf wieder hoch bekommen, müssen eine positivere Selbstwahrnehmung bekommen, Selbstbewusstsein tanken.
Das geht über das Training, das geht über Einzel- und Gruppengespräche und das geht auch über einen positive Support durch uns Fans.
Und deshalb hat es mich gefreut, daß heute ca 150 Fans beim Training waren, um die Mannschaft anzufeuern und, daß morgen der Bus wieder mit einem Spalier in Empfang genommen werden soll.
Dazu kommt, daß in den letzten Tagen noch viele Tickets für das Spiel verkauft worden sind.
Die HSVer kommen, um ihre, um unsere Mannschaft anzufeuern.
Auch Titz hat darauf hingewiesen, wie wichtig der Rückhalt der Fans für die Spieler ist.

Aktionen einiger Schwachköpfe mit Bannern und Kreuzen sind nur kontraproduktiv. Mal abgesehen davon, sind sie menschlich gesehen auch unterste Schublade und durch nichts zu rechtfertigen.
Durch gar nichts.

Ich bin gespannt, wie wir morgen spielen und ich freue mich seit langem endlich mal wieder auf ein Spiel, wohl wissend, daß wir unbedingt gewinnen müssen.
Wohl wissend, wie wichtig das Spiel ist.
Ich verspüre eine freudige Anspannung.
Noch sind wir nicht abgestiegen.
Sowohl Köln als auch Mainz und Wob haben schwere Spiele an diesem Wochenende. Gewinnen wir, sind es nur noch 4 Punkte auf Platz 16. Dann könnten wir mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause gehen und Titz hat 14 Tage Zeit, mit den Jungs zu arbeiten, und das Momentum wäre auf unserer Seite.
Wir wären wieder im Geschäft.
Drücken wir die Daumen, daß wir nach dem Spiel auch noch gut drauf sind. Nur der HSV (fb)

Himmelfahrtskommando

Manchmal überholt das wirkliche Leben das geschriebene Wort schneller, als man glaubt.
Saß ich gestern noch über einem Blog, den ich anschließend verworfen habe, weil sich in meinem Kopf ein riesiges Gedanken-Karussell drehte, ist es jetzt amtlich.
Bernd Hollerbach ist HSV-Trainer-Geschichte, Christian Titz ist die Gegenwart.

Was wollte ich gestern nun ausdrücken, in dem Blog, der nie erscheinen wird?
Meinen Frust, meine Wut, meine Enttäuschung, die ich fühlte, nachdem sich der HSV bei den Bayern, gefühlt ohne Gegenwehr, in sein Schicksal ergab.

Klar ist es nicht verwerflich, in München zwei, drei, ja vier Dinger zu kassieren. Die Frage ist halt immer, wie man sich dabei verkauft.

Und ich habe eine Mannschaft gesehen, die sich mit dem Anpfiff bereits aufgegeben hatte.
Ich habe zudem eine Aufstellung gesehen, die nur auf Defensive baute.
Ich habe vor allem eine Aufstellung gesehen, die die siebte im siebten Spiel unter Bernd Hollerbach war.

Holler, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, mag ein lieber, netter Kerl sein. Er mag auch seine Qualitäten als Trainer haben. Was er jedoch nicht hat, ist die kämpferische Ausstrahlung die man braucht, um eine kaputte Mannschaft durch einen kräftezehrenden Abstiegskampf zu führen.

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Klar kann Hollerbach nichts für die verpfuschte Zusammenstellung des Kaders.
Klar kann er nichts für die verkorkste Hinrunde. Nein, er ist sicherlich nicht alleine schuld daran, dass dem Klassendino der erste Abstieg seines Bundesligalebens droht.
Aber er wusste, worauf er sich einließ, als er den Vertrag unterzeichnete.
Er wusste, auf welches mediale Glatteis er sich begeben würde. Er wusste, dass man kein gutes Haar auch an ihm lassen würde, käme die Mannschaft kein Stück voran.

Und die Mannschaft ist kein Stück vorangekommen!
Im Gegenteil.
Ich habe, im Vergleich mit den Leistungen unter Markus Gisdol, keinerlei Verbesserungen wahrgenommen.
Was deutlich sichtbar war, war hingegen die wachsende Verunsicherung des Trainers, die sich nicht nur in den ständig wechselnden Aufstellungen ausdrückte, sondern auch in den immer wiederkehrenden, nach Entschuldigungen suchenden Sprüchen, während der Pressekonferenzen.

Mag sein, dass sich die Mannschaft in das ein oder andere Spiel reingehängt hat.
Nur leider niemals durchgehend 90 Minuten. Immer fehlte das gewisse Quentchen, das selbst die Spieler im Anschluss bei sich selbst bemängelten. Allein das ist schlimm genug! Ich weiß woran es liegt, ich tue es trotzdem immer wieder!

Lange Rede, kurzer Sinn: Bernd Hollerbach kann kein Abstiegskampf. Aus dem Grund begrüße ich die Entscheidung, ihn mit sofortiger Wirkung freizustellen.

Als neuen Mann an der Seitenlinie hätte ich mir allerdings einen anderen, als Christian Titz gewünscht.
Der U-21 Trainer ist erfolgreich. Seine Mannschaft führt die Regionalliga an, wird, so sie denn so weiterspielt wie bisher, in die 3. Liga aufsteigen.
Und genau jetzt zieht man den Jungs den Halt unter den Füßen weg, um eine anscheinend untrainierbare, angeschlagene Profimannschaft zu trainieren.
Hatten wir das nicht schon mal?
Auch als Joe Zinnbauer, in der Saison 2014/15 erfolgreich die U-21 trainierte, saßen die Profis in einer ähnlichen Lage wie heute. Von September 2014 bis Mai 2015 gab Zinnbauer den Übungsleiter und übergab den HSV dann auf dem Relegationsplatz stehend, wir erinnern uns…an Peter Knäbel.
Auch seine nächste Trainerstation, beim FC St. Gallen, wurde vorzeitig beendet.
Verbrannt.
Und die Lunte wurde bei den HSV-Profis gelegt…
Nun also Christian Titz.

Ich für meinen Teil hätte mir einen Vollprofi gewünscht. Einen, der nichts mehr zu verlieren hat und seine Aufgabe darin sieht, in den letzten Spielen der Saison das Beste aus dieser desolaten Mannschaft herauszuholen. Einer, der Abstieg kann und der nicht auf Geld, sondern auf Herausforderung steht. Vielleicht ohne Gehalt, dafür mit einer fetten Nichtabstiegsprämie.
So einer wie Jol oder wie Stevens…

Und ich sehe die Profis in der Pflicht, sich nach dem Auftritt in München, nach den Klagen über mangelnde Unterstützung und Unruhen an die eigene Nase zu fassen und den HSV nicht weiterhin zum Gespött von ganz Fußballdeutschland zu machen!
Reißt euch gefälligst den Allerwertesten auf! Zeigt, dass ihr außer hinterher zu wissen, woran es lag, vorher einen Plan habt! Nämlich den, zu kämpfen!
Am Samstag kommt die Hertha. Da will ich sehen, dass der Frühlingshauch auch in der Kabine angekommen ist. Alles andere lasse ich nicht gelten. Wir haben keine Chance. Nutzen wir sie!

Ja, ich gebe zu, nach den Freistellungen von Todt und Bruchhagen, in der vergangenen Woche, habe ich sowas wie Frühlingsluft geschnuppert.
Es ist alles noch machbar.
Und wenn nicht, liebe Leute, dann erwarte ich einen würdevollen Abschied aus der Liga! Und zwar von allen. Der HSV bezahlt euch bis zum Abpfiff des letzten Spieles. Also arbeitet gefälligst auch solange! Lasst frischen Wind in die Köpfe, geht raus und kämpft!
Allen Widrigkeiten zum Trotz wünsche ich Christian Titz nur das Beste! Und ich wünsche mir, dass er die Profis erreicht. Es wird nicht leicht. Aber das dürfte jedem klar sein. Er kann mit seiner Aufgabe zum Helden werden. Schafft er es nicht bleibt ihm zu wünschen, dass das Gastspiel bei den Profis seiner Trainerkarriere nicht schadet.
Und auch der u21 sei weiterhin viel Glück und Können, beim Erreichen ihrer Ziele gewünscht!

Last but not least.
Ja, ich bin sauer, enttäuscht, wütend und hilflos. Und ich bin mit meinen Gefühlen nicht alleine. Das, was allerdings ein paar völlig Versprengte auf dem Trainingsgelände des HSV aufgestellt haben, ist das allerletzte! Den Spielern Gewalt antun zu wollen, ja ihnen sogar mit dem Tod zu drohen ist eine Straftat, für die man die Täter hoffentlich mit aller Härte zur Verantwortung ziehen wird. Wir BlogPerlen distanzieren uns mit aller Vehemenz von diesem Vorgang!
(mg)

Rien ne va plus

Wenn es zwei Situationen gibt, an denen ich jetzt schon seit Wochen zu knabbern habe, dann ist das zum einen Heribert Bruchhagens Rede auf der Mitgliederversammlung, in der er die gesamte versammelte Gemeinde mit wohlwollend warmen Worten schon mal auf den Abstieg einschwor.

Andere, meinte Heribert sanftmütig, andere hätten es auch überlebt und die seien schon mehrfach ab-und danach erfolgreich wieder aufgestiegen. Man schaue nur auf Köln und die Eintracht.

Jaha! Damit kennt er sich aus. Schließlich ist er mit der Eintracht auch auf der Position des Vorstandsvorsitzenden, 2011 bekanntlich schon ins Unterhaus der Bundesliga eingezogen. Kritiker werfen ihm vor, er habe schon damals eine Mannschaft in die 2. Liga gespart…

Die zweite Situation ist die, in der unser Kapitän, Gotoku Sakai, einer Vertragsverlängerung aus dem Weg geht, da er „erst die weitere sportliche Entwicklung des HSV“ abwarten möchte“. Hallo, Junge, DU BIST Teil dieser sportlichen Entwicklung! Dann habe gefälligst genug Arsch in der Hose, dich dieser Verantwortung auch zu stellen!

Den hat Heribert Bruchhagen wenigstens. In der Presse übernimmt er die volle Verantwortung für den kommenden Abgang in Liga 2. Nutzt uns das was? Nein. Natürlich nicht. Wir alle wissen, woran es liegt, dass wir so weit gekommen sind. Jahrelange Misswirtschaft haben uns darauf vorbereitet. Vogelwildes Einkaufen von Altstars, teuren „Talenten“, die bei uns verkümmerten oder absolut nicht in die Mannschaft passen wollten gaben sich die Klinke in die Hand, zusammen mit unzähligen Trainern, Sportdirektoren und selbst ganz oben, auf dem Vorstandsposten, durften sich zu viele Unwissende versuchen.

Man hat uns langsam darauf vorbereitet, auf diesen Abstieg, uns den Sauerstoff langsam entzogen. Und während man Marcello Diaz wohl ewig im Herzen tragen wird, für seinen Last-Minute-Ausgleich in der Relegation gegen den KSC, so wird man auf der anderen Seite Filip Kostic seinen so fahrlässig verschossenen Elfmeter auch nicht so schnell vergessen. Er dürfte gestern den Abstieg markiert haben. Außer den zwei Aluminiumtreffern und dem Abseitstor, die dem Spiel noch zugerechnet werden dürfen.

Kinder, ne. Was war das für ein Spiel. Ein 0:0, das dem Gegner vom Ergebnis her mehr half als uns. Die sieben Punkte Abstand auf den rettenden Relegationsplatz bleiben. Platz 17 bleibt.

Zumindest bis heute Abend… Dann könnte es passieren, dass Hamburg, dass der HSV von Platz 18 grüßt, weil Köln, eine Mannschaft, die nach der Hinrunde schon abgeschrieben schien, wie Phönix aus der Asche steigt und plötzlich Punkte hamstert.

Gegen schwache, harmlose Mainzer, die mindestens spielten, wie ein potentieller Absteiger, noch dazu 25 Minuten in Überzahl, gelang es nicht, den Ball ins Tor zu befördern.

Man hat gesehen, die Jungs wollten. Realisieren wir: DIE KÖNNEN es nicht besser!

Der Trainer hilflos. Im 5. Spiel die 5. andersaussehende Aufstellung. Selbstbewusstsein und Zutrauen in seine Spieler sehen anders aus. Ich bin ehrlich. Für mich war Hollerbach schon als er kam, nicht der richtige Typ für Abstiegskampf. Er kann aber auch am wenigsten dazu, dass Mission Klassenerhalt gescheitert ist. Schließlich musste er nehmen, was da war.

Der Trainereffekt…verpufft.

Die Lücken in den wichtigen Mannschaftsteilen einfach zu groß. Die von Nikolai Müller nie geschlossen. Man ging mit Flickschusterei in die Saison und bekommt jetzt die Quittung dafür. So siehts aus. Und nicht anders!

Die Jungs können noch so gut gemeinsam bowlen, darten, teammaßnahmen. Sie können alles, nur nicht erfolgreich zusammen Fußball spielen! Der letzte Sieg ist über drei Monate her! Das muss man sich mal reinziehen!

Am 26. November 2017 besiegten wir Hoffenheim. Die Älteren unter uns werden sich dran erinnern.

Ok. Geschehen ist geschehen.

Nehmen wir Abschied vom Oberhaus.

Gehen wir in Würde und verabschieden wir uns mit Niveau! Diese Bitte geht eindringlich an unsere Spieler, die sich bitte in den letzten Spielen genauso den Arsch aufreißen, wie sie es in den letzten getan haben.

Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr…

Ich bin unendlich traurig. Aber, irgendwie bin ich auch ein bisschen froh, dass das Hoffen jetzt ein Ende hat und man frühzeitig genug mit der Planung für die kommende Saison in Liga 2 beginnen kann. Mit einem kompletten Neuanfang. Bei dem ich solche Nasen wie unseren phrasenraushauenden Sportdirektor und auch Heribert Bruchhagen nicht mehr sehen möchte!

So richtig vorstellen kann ich mir das alles noch nicht.

Aber ich schätze, auch das wird noch. Ich habe ja über zwei Monate Zeit, mich daran zu gewöhnen.

Ein Gutes hat es zudem.

Ich kann den Eurosportplayer kündigen…

Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht.

(mg)

Miesepeter, Erfolgsfans und Vereins-Brillen-Aufhaber

Eigentlich könnte ich heute da weitermachen, wo mein Blog-Kollege am Freitag angefangen hat.

Bei der Spaltung des Vereins und der gesamten Fangemeinde.

Der HSV hat verloren.

2:0 gegen eher schwache Dortmunder.

Und schon geht es los.

Es gibt Dummschwätzer, Schwarzseher, Panikmacher und es gibt Vereinsbrillenträger, Realitätsverweigerer und Erfolgsfans. Da sind die Absolut-keine-Ahnung-Haber und auf der Gegenseite natürlich auch die, die absolut Ahnung haben.

Ich persönlich kann beide Seiten verstehen.

Aber: kein Mensch ist gleich gestrickt. Niemand geht mit Niederlagen unbedingt genau so um, wie sein Nachbar, Kollege oder Freund.

Jeder hat ein eigenes Gefühlsleben, Emotionsfeld, seine eigene Sichtweise auf das Spiel und wie er mit dem momentanen Tabellenstand umgeht.

Ich finde, man sollte jedem seine Meinung lassen und nicht versuchen, anderen seine eigene überzustülpen. Vielleicht auch noch mit unflätigen, beleidigenden Beinamen. Schlimm finde ich zudem die, die anderen, wegen ihrer Skepsis auf einen Klassenerhalt, das Fan-Sein komplett absprechen.

Wer sagt eigentlich, dass a) nur derjenige Fan ist, der 12×3 zusammenzählen kann und mit Inbrunst „weiß“, dass am Ende zwei, drei Mannschaften hinter uns stehen oder b) sieht, dass Engagement allein eben nicht reicht und es durchaus sein kann, dass wir am Ende in Schönheit sterben?

Wir sind alle Fans des Hamburger Sport Vereins.

Wir tragen alle die Raute im Herzen.

Und ich traue mich zu sagen, dass 99 Prozent von uns die Mannschaft auch in Liga 2 begleiten würden, um sie dort zu unterstützen!

Fakt ist, dass wir gestern erneut ein engagiertes Spiel sehen konnten, es aber wieder mal nicht für Punkte gereicht hat.

Man hat deutliche Verbesserungen im Mittelfeld gesehen, wo der Ball auch mal lief und nach hinten haben alle gut mitgearbeitet.

Die 1. Halbzeit hat eigentlich Mut auf die 2. gemacht. Da war was drin. Da lag was in der Luft.

Wood und Walace und Kostic versuchten sich im Abschluss, was bekannter Weise nicht funktioniert hat.

In der Kabine hat der BvB dann anscheinend einen dicken Einlauf bekommen. Denn es dauerte genau vier Minuten, da klingelte es im Kasten von Christian Mathenia.

Torschütze: Michy Batshuayi, der Neue in den Dortmunder Reihen trifft bereits zum 3. Mal, seitdem er Schwarz-Gelb trägt.

Hollerbach reagiert, wechselt Arp gegen Wood und Salihovic gegen Hunt (der in der 1. Halbzeit ein ordentliches Spiel gemacht hat).

Unsere Jungs gaben nicht auf. Auch in den letzten beiden Spielen hat man sich ja, nach einem Rückstand immerhin noch zum Unentschieden geschossen.

In der 71. Minute geht Hollerbach All-In und bringt Hahn für Ekdal.

Und auch wenn es besser aussieht. An der Passquote hat sich, statistisch gesehen, noch nicht viel geändert. Noch immer geht fast jeder dritte Ball direkt zum Gegner. Und auch in den Zweikämpfen lag man mit 37,25 gegen 62,75 Prozent deutlich hinten.

Zehn zu acht Torchancen sprechen eine deutliche Sprache über das gesamte Spiel. Nur, dass die Dortmunder zwei davon erfolgreich verwandeln konnten, während in ihrem Strafraum eher ein laues Lüftlein wehte, tut weh.

Fazit: die Torloszeit von Wood hält an. Fiete wirkt inzwischen fast auch ein wenig verkrampft. Der Druck der auf ihm lastet, ist ihm anzumerken.

Speziell in der 2. Halbzeit taten sich bereits im offensiven Mittelfeld immer größere Lücken auf, die es selbst dem besten Knipser schwer gemacht hätte, den Ball ins Tor zu befördern.

Die einzelnen Mannschaftsteile sind noch weit von einem harmonischen Miteinander entfernt oder auch mal mit Mann und Maus nur mit Verteidigen beschäftigt.

Die Reaktionen der Mannschaft, im Anschluss an die erste Niederlage unter Neutrainer Hollerbach, kann ich inzwischen leider auswendig.

Man hat sie nach den letzten Spielen rauf und runter gehört.

Gut gespielt, kein Vorwurf an die Mannschaft. Engagiertes Spiel, schade, dass wir uns nicht belohnt haben, jetzt schnell den Kopf frei und auf … konzentrieren.

In diesem Fall stehen die Pünktchen für die Leverkusenener, die gestern gegen Hertha verloren haben.

Aktuell stehen sie auf Platz 5 der Tabelle und natürlich will man die CL-Plätze erreichen.

Das wird ein heißer Tanz, nächste Woche im Volkspark.

Und ehrlich? Ich weiß nicht, wie Hollerbach es schaffen will, die Torflaute bis dahin in den Griff zu bekommen…

Ich persönlich fand es schon ein bisschen erschreckend, dass Sakai unter der Woche aus dem Ex-Trainer-Nähkästchen plauderte und erzählte, der neue Übungsleiter hätte ihnen erklärt, dass man sich (sinngemäß) auch mal ohne Ball bewegen müsste, um sich den Mitspielern anzubieten…

Sei es wie es wolle. Der HSV stagniert auf Platz 17, mit ebenso vielen Punkten, freut sich schon mal, dass auch Mainz gestern nicht gepunktet hat und zittert, dass weder Werda noch Stuttgart heute einen Dreier einfahren.

Das Zittern wird wohl bis zum Ende der Saison nicht aufhören.

Und zwar für alle.

Seien es für die Schwarzseher, die Vereinsbrillenträger oder auch für die mit einer Glaskugel, in der Hoffnung und Panik zeitgleich versammelt liegen.

Ach, eins noch. Ja. Die Mannschaft hat gekämpft und wollte sichtbar Zählbares mitnehmen.

Sich anschließend aber bei den Jungs dafür zu bedanken (und damit meine ich nicht den Applaus in der Kurve), geht für mich doch ein wenig weit. Schließlich ist Fußball spielen und dabei immer ihr Bestes geben verdammt noch mal ihr Job!

(mg)

P.S.: ein Hinweis für alle, die sich noch mehr Infos über die Wahl des e.V-Präsidenten, auf der MV, am kommenden Wochenende einholen möchten: heute Abend, im Sportclub, 22.50h, auf NDR und am Montag, um 22.30h, auf Sky Bundesliga HD1, die Kia-Fußballdebatte gucken. Bei Sky ist Bernd Hoffmann zu Gast.

Leipzig, Hannover und ein Hollerbach

Kaum war er da, schon sorgte er für Gesprächsstoff.

Die Würzburger Kickers pochten plötzlich auf eine erhöhte Ablöse für ihren zurückgetretenen Trainer, Bernd Hollerbach, der zuvor beim Hamburger Sportverein unterschrieben hatte und holten dafür sogar die schwere Gerichtskeule raus, sollten sich die Hanseaten diesen Ansprüchen denn verwehren. Dass man dabei schlechte Karten gehabt hätte, verschwieg man wohlweislich.

Auf den HSV draufzuhauen ist nämlich gerade schwer in Mode.

 Wir befinden uns mal wieder im schweren Fahrwasser. Sportlich läuft es alles andere als gut, rund um den AR tobt ein Wahlkampf, mit der ein oder anderen Posse (es ist zum Beispiel alles andere als logisch, den neuen AR einzusetzen, wenn die Präsidentenwahl des e.V.s durch die Mitglieder, erst zwei Wochen später stattfindet) und nun gibt es auch noch Putschgerüchte. Ausgerechnet ein Mitglied des amtierenden ARs, der auch dem neuen (noch unter alter Führung) angehören sollte, hat, verschiedenen Medienberichten nach, versucht, Teile der AG-Vorstandsetage (Bruchhagen und Todt) abzuschießen. Zur Erinnerung: mit Bruchhagen hatte man erst Ende letzten Jahres verlängert…

Das alles sorgt für Auflage, das alles sorgt für Quote. Gewinner sind dabei (mal wieder) die Medien, Verlierer ist die Mannschaft, ist der HSV.

 Nun weiß man ja nie, welche und wieviel dieser Vorgänge bei den Spielern landet und man weiß auch nicht, wie jeder einzelne damit umgeht. Klar ist aber, dass Ruhe im Verein eine bessere Voraussetzung für alle wäre, sich ausschließlich auf den harten Abstiegskampf zu konzentrieren.

 Ein Abstiegskampf, in den der HSV ohne weitere Verstärkung geht.

Die Wintertransferphase ist beendet, der Kader bleibt.

Sportchef Todt, selber mächtig angezählt, flüchtet sich in verzweifelten Optimismus. Man vertraue der Mannschaft, sie sei allemal stark genug, den Klassenerhalt zu schaffen.

Inzwischen hat sich auch Klaus-Michael Kühne gemeldet. Er sei nicht gefragt worden, dem HSV erneut zu helfen, sagte er heute, in einem Gespräch mit der MoPo und prangerte damit eine verfehlte Transferpolitik an. Der HSV, so der Investor, sei für einen Klassenerhalt alles andere als gut aufgestellt.

 Puh.  Der gebeutelte Fan atmet mehrmals tief durch.

Nach den in der Hinrunde teils desaströsen Leistungen eben dieses Kaders ein schweres Brett, das da gebohrt werden muss. Von und mit Bernd Hollerbach gebohrt werden muss.

 Er dürfte die letzte Patrone des Duos Bruchhagen/Todt sein. Bekommt er nicht mehr Leben, mehr Leistung in jedes einzelne Mannschaftsglied, und formt schnellstens daraus eine Einheit, dürfte es für den HSV dieses Jahr in die 2. Liga und für die Führungsriege nach Hause gehen.

 Was kann man nun von Bernd Hollerbach erwarten?

Zunächst mal den allseits üblichen Trainerwechsel-Effekt. Unter einem neuen Übungsleiter muss sich jeder Spieler neu präsentieren, das Beste aus sich herausholen, sich anbieten, um im Kader und (hoffentlich bald) in einer Stammelf zu landen.

Das sorgt für neue Energien.

Im Spiel gegen Leipzig war davon das ein oder andere Mal etwas zu sehen. Mit einigen Überraschungen wartete Hollerbach in der Startelf auf. So bevorzugte er Mathenia, der nur zwei Spiele zuvor seinen Stammplatz an Pollersbeck verlor, setzte Hahn und Mavraj auf die Bank und ließ Holtby gar in Hamburg, während sich van Drongelen, Sakai und Walace von Anfang an auf dem Rasen wiederfanden.

 Walace hat, nach mehrfachen Gesprächen, wohl seine starre Abwehrhaltung aufgegeben und versichert, die Mannschaft im Abstiegskampf zu unterstützen.

Also irgendwie doch noch ein Neuzugang 😉

Positiv zu erwähnen ist, dass die Mannschaft nach einem Fehler von Hunt und dem daraus resultierenden 1:0 der Leipziger, in der 9. Minute, nicht wie gewohnt einbrach, sondern sich ins Spiel zurückkämpfte.

Das wurde in der 29. Minute, mit einem (im Nachhinein umstrittenen) Tor von Filip Kostic belohnt.

Endlich mal wieder ein Tor aus dem Spiel heraus!

Ob es nun Abseits war oder nicht, darüber mögen sich die Bremer und andere Experten gerne bis 2020 streiten. Der Schiri hat nicht gepfiffen. Es stand 1:1.

 In der 2. Halbzeit plätscherte das Spiel hin und her. Keiner der beiden Mannschaften wollte wirklich etwas einfallen, um die gegnerische Abwehrkette in ärgste Bedrängnis zu bringen.

 Der erste Wechsel von Hollerbach fand in der 77. Minute statt. Der wieder mal glücklose Bobby Wood ging, Fiete Arp kam.

Für meine Verhältnisse knüpfte Hollerbach da an, wo Gisdol aufgehört hatte: die Wechsel kamen zu spät. Jedenfalls wenn der Trainer nicht schon vorher mit einem Unentschieden zufrieden war.

 Man teilte sich die Punkte und Hamburg feierte das wie einen Sieg.

Doch was dieser eine Punkt wert ist, werden erst die nächsten Spiele zeigen.

Zugegeben, einen Trainer nach nur 12 Tagen und einem Spiel zu bewerten, wäre unfair.

 Mit Hannover kommt jetzt ein gefestigtes Team in den Volkspark. Mit erstaunlichen 27 Punkten steht der Aufsteiger auf Platz 10 der Tabelle.

Die Niedersachsen reisen mit einer Niederlage gegen den VFL Wolfsburg und dementsprechend heiß auf Punkte an.

Unsere Abteilung Sturm muss u.a. am hannoveranischen Eigengewächs Waldemar Anton vorbei. Der 21jährige Defensivmann gilt schon jetzt als eine der Entdeckungen der laufenden Spielzeit.

Pirmin Schwegler bewährte sich bisher im Mittelfeld als ordentlicher, aber nicht immer konstanter Ballverteiler. Von seiner Tagesform wird vieles abhängen. Denn genau dort, im Spielaufbau, liegt einer unserer Schwachpunkte. Jung und Walace werden es mit Schwegler wohl nicht leicht haben.

 Und vorne? Unsere Offensive sieht gegen Martin Harnik, Ihlas Bebou und Niklas Füllkrug (dem allein gelangen fünf Tore in den letzten vier Spielen) in der Statistik eher blass aus.

Das Offensivtrio wird zudem eine schwere Aufgabe für den in den letzten Spielen oft verunsichert wirkenden Papa. Er läuft außerdem Gefahr, bei einer weiteren Gelben Karte, für das nächste richtungsweisende Spiel, gegen Dortmund, gesperrt zu sein.

 Wood hängt in einer Torlosschleife, Kostic hat sich hoffentlich ein wenig mehr Selbstsicherheit aus seinem jüngsten Treffer geholt und Fiete Arp? Dem ist zu wünschen, dass er sich nicht durch den Hoffnungsdruck der jetzt, nach der Verkündung, dass keine Verstärkung mehr kommt, noch mehr auf ihm lasten dürfte, beeinflussen lässt.

 Gespannt darf man auf die genaue Hollersche Aufstellung sein. Denn, wie der Trainer verlauten ließ: es geht jede Woche nach dem Leistungsprinzip.

Mag also gut sein, dass ein Lewis Holtby wieder im Aufgebot steht. Albin Ekdal wird es, nach überwundener Verletzung wohl wenigstens in den Kader schaffen. Ebenso wie Arp, der unter der Woche zwar aussetzte, aber wohl auf der Bank auf Einwechslung wartet, während Jung, wegen eines Hexenschusses, wackelt.

Ich würde mir wünschen, dass auch ein Ito nicht wieder in der Versenkung verschwindet. Und mir fällt sogar spontan jemand ein, den ich gegen ihn in der Startelf tauschen würde 😉

 Hollerbach dagegen sei gewünscht, dass er schnell genug eine motivierte Stammelf ausmacht, die das mächtig verkokelte Eisen doch noch aus dem Feuer holt. Da bisher nur 44.000 Karten für das kleine Derby verkauft sind, gilt es für die, die da sind, noch ein bisschen mehr gute Stimmung zu machen, die sich dann hoffentlich auf den Rasen überträgt.

 Zusätzliche Spannung, hinsichtlich unserer Tabellensituation, dürfte das Spiel Werder gegen Stuttgart bringen. Gewinnen die Bremer und wir patzen gegen Hannover, ist selbst der Relegationsplatz 4 Punkte weit weg.

Köln steht gegen Dortmund auf dem Rasen. Auch da ist, nach den letzten Borussia-Spielen und der Aufholjagd der Kölner, alles möglich.

Hollerbach sah in der PK vor dem Spiel gute Chancen auf 3 Punkte im Volkspark. In dem Sinne: auf geht’s Jungs! Lasst euren Worten Taten folgen…

(mg)