Alle Beiträge von Manuela Gerick

Lieber Herr Magath.

Sie haben eine beeindruckende Vita. Aber leider gehören Sie für mich zu denen die nicht merken, wann ihr Stern gesunken ist.

Sie waren mit dem HSV so erfolgreich, wie selten jemand. In 306 Bundesligaspielen erzielten Sie 46 Tore, konnten dreimal die Salatschüssel der Deutschen Meisterschaft in den Himmel heben.
Ihr wichtigstes Tor brachte dem Hamburger Sportverein 1983 den Europapokal der Landesmeister.

Als Trainer erreichten Sie 1996 Platz 5 und 1997 Platz 13.
Danach mussten Sie gehen.

Sie sind ein Machtmensch.
Selten gaben Sie sich mit nur einer Position im Fußballgeschäft zufrieden. Sie strebten, während Ihrer aktiven Trainerkarriere stets auch das Amt des Sportdirektors sowie einen führenden Posten im Vorstand an.
Deshalb mag es nicht verwundern, dass gerade Sie gegen den HSV grollen.

Denn trotz der beeindruckenden Karriere an der Elbe hat Sie nie jemand gefragt, ob „der große Felix Magath“, mit dabei sein will.
Selbst dann nicht, als das blau-weiß-schwarze Schiff mächtig strauchelte und letztendlich in die Tiefen der 2. Liga schipperte.

Nun stehen Sie da gestern bei Sky.
Der einstmals so bewunderte „Quälix“ ist ein verbitterter, alter Mann geworden, der gegen alles und jeden schießt. Selbst vor einer Verbrüderung mit denen, die am Untergang des Vereins mit schuld sind, war Ihnen Mittel genug, doch noch irgendwie einen Zipfel der Macht beim HSV zu erhaschen. Bisher Gott sei Dank erfolglos.

Klar wird all das was Sie von sich geben von den Medien dankbar mitgehört. So saugte die Zeitung mit den vier großen Buchstaben Ihre Worte gierig auf und fügte Ihre Kritik an Trainer, Mannschaft und Vorstand, grinsend als weiteres Kapitel des laufenden Absägeprozesses von Christian Titz hinzu.

Sie betitelten Titz als „Märchenerzähler“ und wünschten sich einen „namhaften“ Trainer für den großen HSV.
Aber ist es nicht GENAU DAS, was den HSV dorthin gebracht hat, wo er heute ist?

Ist der Neuanfang, ohne Kohle aus Malle, mit Jugend und neuen Ideen nicht genau das, was viele noch vor ein paar Monaten rigoros gefordert haben?

Und, ist es wirklich Ihr Ernst, einen Mann als Märchenerzähler zu betiteln, der in den letzten acht Spielen der 2. Bundesliga 17 Punkte holte?
Haben Sie gesehen, wie Lewis Holtby, nach einem klasse Zusammenspiel mit Narey und einem sehenswerten Tor, Christian Titz in die Arme fällt?
Ich wage zu behaupten, dass die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft stimmt.
Es mag ein glückliches 2:1 für den HSV gewesen sein, die Endphase spannender als sie hätte sein müssen. Doch am Ende sah man, dass sich Titz die Kritik an seinem hohen Torwart und die kurzen, oft ihr Ziel verfehlenden Pässe im Mittelfeld, zu Herzen genommen hat.

Auch das Festhalten an den beiden „Oldies“, Hunt und Holtby hat sich ausgezahlt. Beide durften torjubeln und bei beiden merkte man den Willen, es den zahlreichen Misstrauischen ihrer Fußballfähigkeit zu beweisen.
Mag sein, dass noch nicht alles Gold ist was glänzt. Mag auch sein, dass das defensive Auswechseln und das damit gewollte Halten des Ergebnisses ein Vabanque-Spiel war.
Aber was zählt, sind die drei Punkte, die sich gestern mit auf den Weg nach Hamburg machten.
Auch wenn es zwischenzeitlich, insbesondere in den letzten 20 Minuten an der so wichtigen Konzentration mangelte. Die Zweikampfquote (47 Prozent) ist ausbaufähig, ebenso wie die Schussgenauigkeit (44 Prozent). Aber die Mannschaft arbeitet daran. Sie weiß, wo Ihre Schwächen liegen.

Es wäre ein Wahnsinn, diesen Trainer jetzt abzusägen und erneut auf „große Namen“ setzen zu wollen!
Titz hat jetzt zwei Wochen Zeit an den noch lockeren Stellschrauben zu drehen. In dieser Zeit würde ich mir ein klärendes Wort von der Vereinsspitze wünschen, der Ruhe in den Medienkarton bringt. Damit auch die Mannschaft davon profitiert und man den Druck von ihr nimmt. Denn nur dann kann sie, mit dem Selbstbewusstsein des letzten Sieges, mit erhobenem Kopf in das nächste Spiel gehen.

Lieber Herr Magath. Setzen Sie sich zur Ruhe. Spielen Sie eine Runde Schach mit Herrn Kühne und sinnieren Sie über gute alte Zeiten.
Denn beim HSV hat eine neue Zeitrechnung begonnen und er kommt gut ohne Sie aus.
Ohne Sie und ohne die ständige Meckerei über all das, was Sie vielleicht gerne anders oder selber hätten.
Demontieren Sie sich nicht weiter. Das haben Sie doch nicht nötig, oder?
Herzliche Grüße, Ihre
(mg)

Ich mag Sascha Stegemann

Jaha! Ich mag Menschen, die konsequent ihrer Linie treu bleiben und das aus vollster Überzeugung, immer und immer wieder.
Sollten wir unter Stegemanns Regie irgendwann mal wieder einen Elfmeter bekommen, wird der gefoulte HSV-Spieler wohl mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden müssen.
Wir denken da an Spiele wie das im Februar dieses Jahres, gegen Hannover, wo Sané Kostic im Strafraum umsemmelte und kurz zuvor ein Handspiel von Schwegler nicht geahndet wurde. Nix mit Elfmeter, liebe Hamburger. Ich, der Sascha, entscheide das. Und niemand anderes.
Auch gestern hatte meine gerade frisch gekürte FIFA-Pfeife wieder einen tollen Einfall. Er pfiff das Führungstor des HSV, in der 56. Minute (nach einem tollen Freistoß von Janjicic) einfach weg.
Puff.
Torwartbehinderung durch Bates, so das Votum des „Unparteiischen“.
Ok, Bates hatte den im Rücken angeflogen kommenden Burchert nicht gesehen und sich nicht schnell genug in Luft aufgelöst. Selber schuld also…

Äh. Stopp mal. Dabei gibt es für Torwarte keinen besonderen Schutz mehr. Selbst im Fünfmeterraum nicht.
Im Regelwerk des DFB heißt es dazu: „Eine weit verbreitete Meinung auf nahezu jedem Fußballplatz der Republik ist, dass der Torwart in seinem Torraum einen besonderen Schutz genießt. Blickt man ins Regelwerk, stellt man fest, dass dem gar nicht so ist. Neben dem Schutz, dass der Torwart nicht angegriffen werden darf, wenn er den Ball hält, gibt es keine weiteren Bestimmungen dazu.“
Fazit: das Tor hätte durchaus gegeben werden können.
(Wer im oberen Absatz Ironie findet, darf sie behalten 😉

Nun bin ich allerdings die letzte, die das gestrige Unentschieden nur dem Schiedsrichter zuschieben will.
In den ersten 20 Minuten merkte man den Hamburger deutlich an, dass da sehr viel Verunsicherung mit auf den Platz getragen wurde.
Fehlpass reihte sich an Fehlpass und bereits in der 3. Minute klatschte ein klasse von Wittek getretener Freistoß glücklich nur an unsere Torlatte.
Die insgesamt gut 85 Prozent betragene Passquote der Rothosen hat man nicht zuletzt dem Dreiergespann Pollersbeck, van Drongelen und Bates zu verdanken. Die ließ man lustig den Ball in der eigenen Hälfte hin-und herkicken.
Sobald man jedoch die Mittellinie überwunden hatte, standen die Fürther gut gestaffelt und waren ein ums andere mal nur allzu schnell und oft genug wieder im Ballbesitz.

Die Zweikampfquote lag zu diesem Zeitpunkt bei 55 Prozent. Allerdings kam trotzdem nichts Zählbares dabei heraus, weil es für den Abschluss oft genug an Präzision fehlte.
Für mich die Verlierer der 1. Halbzeit: Lasogga (hatte irgendwie 8x Ballkontakt) und Hunt, der neben Passschwächen auch im Sprint nicht immer gut aussah.
Gewinner, einmal mehr: Douglas Santos und auch Orel Mangala und Janjicic wussten mit guten Aktionen zu gefallen.

Santos musste allerdings, weil Gelb-Rot-gefährdet, nach der Halbzeit in der Kabine bleiben. Für ihn kam Tatsuya Ito, dem ich das 1:0 für die Gäste in der 55 Minute von Herzen gegönnt hätte.
Abgefälscht landete der Ball allerdings nicht im, sondern überm Tor.
In der 62. Minute holte Titz den schwachen Kapitän vom Feld und schickte Whang ins Rennen. In der 78. ging er all in und brachte Arp für Lasogga.

Die Partie blieb aber weiterhin torlos. Weder Fürths Ruel-Keita noch Hamburgs Lasogga (beide fünf Saisontore) konnten erfolgreich abschließen. Und vielleicht sollte man Lasogga mal zu einer Nachschulung über die Abseitsregeln anmelden. Auffällig, wie oft er hinter der gegnerischen Abwehrreihe rumturnte.

Ab der 85. Minute hatten sich die Fürther wohl mit der Punkteteilung angefreundet. Für Christian Titz ist es somit das erste 0:0 seiner Amtszeit, als Profitrainer beim HSV.

Mein Fazit: Es war kein schönes Spiel. Da war zwar viel Wille aber oft zu wenig Können. Noch immer habe ich das Gefühl, das die Hamburger die in Liga 2 herrschende Robustheit nicht verinnerlicht haben.
Ich wünsche mir ein kürzeres Ballgeschiebe hinten und mehr schnelle Kreativität nach vorne. Irgendwie sehen die Angriffsversuche immer gleich aus und man läuft oft an den gleichen Stellen in gefährliche Konter.
Warum Christian Titz weiterhin versucht, aus Hunt einen Stürmer zu machen, entzieht sich meiner Phantasie.
Mit Ito, Whang und auch Arp kam mehr Bewegung ins Spiel. Unsere Abwehr hat etwas solider agiert. Weiter so!
Allerdings war es erneut mal wieder ein Spiel, das hätte auch anders ausgehen können. Für Fürth und für Hamburg.
Mit dem 0:0 kann keine der beiden Mannschaften zufrieden sein. Schon gar nicht im Hinblick auf das Derby.
In der Statistik hatte der HSV allerdings die Nase vorn: 14:8 Torabschlüsse, 70:30 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von 53:47 Prozent stehen da zu Buche. Die wenigen Chancen, die man auf beiden Seiten gesehen hat, konnten jedoch nicht genutzt werden.
Das muss am Sonntag anders werden!

Wobei… ganz ehrlich. Ich habe ein wenig Angst vor dem Stadtderby. Zu viel Hass und Gewaltandrohungen sind da von beiden Seiten unterwegs.
Ganz übel, zu was einige Vollpfosten die schönste Nebensache der Welt gerade verkommen lassen.
Ich mag mir fast gar nicht vorstellen wie es sein wird, wenn eine der beiden Mannschaften die andere aus dem Stadion schießt. Für die Ruhe wäre ein Unentschieden wahrscheinlich das Beste. Für die Tabelle allerdings nicht.
Um dem erklärten Klassenziel näher zu kommen, braucht der HSV diesen vermaledeiten Dreier.
Ich würde es ja mal mit der Elf der zweiten Halbzeit gegen Fürth versuchen.
Meine Meinung. Und die muss man ja nicht teilen.

Einen werde ich jedoch übermorgen vermissen: meinen Freund, Sascha Stegemann…. Nicht… 😉
In dem Sinne: auf ein ruhiges, faires aber spannendes Derby gegen den Stadtteilverein!
(mg)

P.S.: Eins noch: wer an dieser Stelle das Trainerfass aufmacht, hat den Fußball nie geliebt…

Hoffmann raus…

…Titz am besten gleich hinterher!

Und wenn wir gerade dabei sind, Lacroix zurück nach Saint-Étienne, Steinmann in die U21 verfrachten und Hunt soll die Kapitänsbinde am besten als Grillanzünder ins Feuer schmeißen, auf dem die Würstchen brutzeln, die der HSV den geschundenen Fans natürlich am kommenden Wochenende kreieren darf! Allerdings erst, wenn sie alle ihr Eintrittsgeld zurückerhalten haben.

Liebe Leute!

Letzte Woche war es der Aufstieg, der greifbar nah schien, ja, für einige sogar schon feststand.

Diese Woche werden alle zum Abschuss freigegeben, die kurz zuvor noch gefeiert wurden.

Das ist der HSV, wie er leibt und lebt.

Natürlich hat Pollersbeck sich mit seinem laxen, ja arrogant wirkenden Spielgeplänkel das 0:1 persönlich verpackt.

Aber hat er uns nicht vor wenigen Tagen den Sieg gegen Dresden, mit einigen tollen Paraden gerettet?

Ja, unser Trainer hat mächtig rotiert. Insgesamt sechs Neue erhielten das Startelftrikot, im Vergleich zum Nachholspiel gegen die Sachsen.

Vielleicht ein wenig zu viel der Rotation. Denn wir sind halt nicht die Bayern, dessen zweite Garde nahtlos das zeigen kann, was die vermeintliche A-Mannschaft auf den Rasen zaubern kann.

So, wie ich den Trainer kennengelernt habe dürfte er gestern der erste gewesen sein, der seine Entscheidungen, mit Groll im Bauch, zumindest auf den Prüfstand gestellt hat.

Und: wurde Christian Titz nicht in den vergangenen Wochen, ach was sag ich, MONATEN, gerade für sein mutiges Spielsystem mit dem Tor-Libero gelobt und die Mannschaft insgesamt für ihre Lauf-und Kampfbereitschaft bewundert?

Haben nicht die meisten von euch beklatscht, dass Hunt zum Kapitän gewählt wurde? Einer mit Erfahrung. Einer mit Führungsqualitäten und, wenn er gute Tage erwischt, auch einer, der mit Taktik ein Spiel entscheidend führen kann.

Er hatte gestern einen gebrauchten Sonntag erwischt. Und, ja, sein Elfmeter war eigentlich eine Frechheit für den gegnerischen Torwart.

Achtung, es folgt erneut ein Konjunktiv: hätte er diesen vermaledeiten Elfer versenkt, wer weiß schon, wie das Spiel geendet hätte.

Ich werde sie jetzt nicht alle durchgehen, die am gestrigen Sonntag letztendlich dafür sorgten, dass wir sang-und klanglos, mit dem höchsten aller Zweitliga-Heimniederlagen vom Grün schlichen.

Da waren zu viele individuelle Fehler zu beklagen.

Da gab es wieder die so bekannte Eskorte, die man dem Gegner bot, wenn dieser auf das Tor zueilte. Manndeckung? Fehlanzeige! Konzentration? Reichte gerade für die ersten 20 Minuten.

Da war mannschaftlich zu wenig Bewegung auf dem Platz und da war vor allem zu wenig Plan, den gut gestaffelten Jahnern aus Regensburg, mit schussgenauen Pässen (40 Prozent!), Tore abzuluchsen.

Und wer gedacht hatte, dass mit der Einwechselung eines Lasoggas jedes Spiel die Wende bringt, der plumpste spätestens gestern mit seinem Hinterteil auf den harten Boden der Realität.

Also gilt für das gesamte Team und den Trainer: Setzen, 6!

Was mir ein bisschen Sorgen macht ist die Aussage Hunts, nach dem Spiel, dass sich diese Niederlage angedeutet habe, da die Regensburger eben die Chancen die man ihnen anbot, ausnutzten. Im Gegensatz zu den Gegnern, die man davor bespielte.

Mit diesem Wissen ausgestattet, hätte man eigentlich einen anderen Ansatz auf dem Rasen erwarten dürfen.

Die 2. Liga spielt harten Fußball. Manchmal sehr harten Fußball, der auch mal direkt gegen den Mann geht. Daran muss man sich schnellstens gewöhnen und dagegenhalten. Auch wenn man dafür dahin muss, wo es wehtut.

Was mir noch mehr Sorge bereitet ist die Null, die auf der anderen Seite der Fünf steht.

Es ist den Hamburgern nicht einmal gelungen, das Runde im Eckigen zu versenken. Im Heimstadion! Vor einer tollen Fankulisse!

Gegen Jahn Regensburg!

Mit dem Zuckerli im Rücken, erneut die Tabellenführung übernehmen zu können!

Was strapazierte man noch vor dem Saisonstart gebetsmühlenartig rauf und runter?

„Auch in der 2. Liga gibt es keine schwachen Gegner“ und der HSV wird IMMER der Gejagte sein.

Für die Regensburger war es gestern das Spiel des Jahres.

Das für Fürth folgt am Donnerstag, auf das Spiel ALLER Spiele warten die Paulianer am kommenden Sonntag.

Und so wird es weitergehen. Woche für Woche, Spieltag für Spieltag.

Ginge es nach mir, dann würde sich Titz schnellstens für eine Stammelf entscheiden, die dann, egal gegen wen wir antreten, von Anfang an auf dem Platz stehen würde. Soweit keiner angeschlagen ist, versteht sich. Wenn man dann den ein oder anderen für ein Spiel reinrotiert, trifft er auf ein gestärktes System, das ihn mitnehmen kann.

Insbesondere unsere Defensive braucht endlich jemanden, der den Ton angibt und sich verantwortlich für seine Vorderleute fühlt.

Jedes Spiel ist gleich wichtig. Und jeder Gegner wird sich die Zunge aus dem Hals rennen, um dem HSV Punkte abzuluchsen.

Hoffentlich jedoch nie wieder so erfolgreich wie am gestrigen Tag.

Verlieren wird man immer mal wieder. Keiner kann ernsthaft einen Durchmarsch erwarten. Es kommt nur auf das WIE an.

Und das war gestern einfach unter aller Kanone. Punkt.

Leider.

Aber so, wie die Spieler sich heute an die eigene Nase fassen müssen, sollten auch wir Fans es halten und nicht gleich die Stühle sämtlicher Beteiligten fordern.

Alles braucht Zeit für Entwicklung.

Allerdings ist diese Zeit eben nicht grenzenlos.

Auch leider.

Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, Fehler festmachen und bestenfalls schon am kommenden Donnerstag das zeigen, was man kann und WILL.

Ich hätte da zudem mal einen Vorschlag für den Spruch an der Kabinentür: „Konzentriert euch. Und zwar 90 Minuten plus X!“

(mg)

Kaugummi im Tal der Ahnungslosen

Man braucht Geduld. Das gilt für fast jede Lebenslage.
Das galt auch gestern, als der HSV in seinem Nachholspiel des 4. Spieltages auf Dresdens angerührte Kaugummimasse traf.
Geduldig ließ man die Gäste, im frisch getauften Rudolf-Harbig-Stadion, ihr Liberospielchen mit Pollersbeck, Bates und van Drongelen durchziehen und wartete auf Konter. Die bekam man auch des Öfteren, weil die Rothosen in den ersten 45 Minuten, meist im Mittelfeld, zu leichtfertig den Ball verloren.

Hinten war kein Durchkommen, Dresden staffelte geschickt und stand stabil. Damit war es auch fast unmöglich, einen Lasogga zu bedienen, der somit wirkungslos in der Startelf blieb. Bester Mann der 1. Halbzeit: Santos, der immer und immer wieder den Drang nach vorne hatte (seine tolle Eckbanane war super gedacht, der Treffer wurde leider von Torwart Schubert verhindert), ohne seine defensive Aufgabe zu vernachlässigen.
Titz muss sein teils hilflos wirkendes Team in der Halbzeitpause wohl mit deutlichen Worten geweckt haben.
Und mit Hwang, der in der 46. Minute Vagnoman erlöste, und Mangala für Hunt (57.) kam deutlich mehr Schwung in die Partie.
Hwang belohnt das Vertrauen seines Trainers mit einem Traumtor, in der 67. Minute.
Pollersbeck rettet erneut mit ein paar tollen Reflexen den knappen Vorsprung.

Über den verschossenen Elfer von Lasogga in der Nachspielzeit, decken wir schnell den Mantel des Vergessens.
Nach der langen Verzögerung, mit der er nicht nur die Dresdner, sondern anscheinend sich selber entnervte, war es absehbar, dass der Ball überall hin, nur nicht ins Tor gehen würde.
Egal. Mit drei glücklichen Punkten fuhren die Hamburger nach Hause.
Im Gepäck: Die Tabellenführung (die erste nach Ende eines Spieltages seit 2009!). Zumindest bis zum kommenden Wochenende.

Christian Titz, der nach eigener Aussage nicht auf die Tabelle, sondern sein Augenmerk lieber auf jedes einzelne Spiel legt („Die Tabellenführung ist eine nette Begleiterscheinung. Man sieht, wie schwer die Partien in der Zweiten Liga sind“), analysierte glasklar: „Wir müssen lernen, besser zu verteidigen.“ Auch ein Mangel an konstanter Konzentration hat er bei einigen seiner Spieler ausgemacht.
Richtig so!
Fünf Siege in den letzten fünf Pflichtspielen scheinen bei dem ein oder anderen den Kopf-Schlendrian einziehen zu lassen.
Die erste Halbzeit wirkte behäbig. Man wurde das Gefühl nicht los, irgendwo lähmt die Angst vor Verletzungen in den Zweikämpfen die Beine.
Zu wenig Bewegung ohne Ball und eben Konzentrationsmängel forderten Pollersbecks ganzes Talent und führten gar zu lautstarken Rüffeln von ihm an seine Vorderleute.

Und unter den Fans? Da geht sie schon wieder los, die in Hamburg so bekannte Euphorie. War es in den vergangenen Jahren eher die Qualifikation zur Europaleague, so ist es 2018 eben die des klassischen Aufstiegstraums.
Lustige Kartoons machen die Runde. Jagte der steinzeitliche Fred Feuerstein vor Anpfiff des Spiels choreografisch noch den Dino aus Hamburg, so erlegt der Dino aktuell das „Tal der Ahnungslosen“.
Siegesparolen und Termine für Aufstiegsfeiern machen die Runde.
Leute. Bleibt auf dem Teppich! Wir hätten uns wahrlich nicht beschweren dürfen, wäre das Spiel unentschieden oder gar andersherum ausgegangen.
Klar ist, wir Hamburger Fans sind mehr als gebeutelt. Auch ich hätte vor dem Spiel nicht wirklich daran geglaubt, dass wir das Ding nachhause schaukeln. Viel zu oft standen wir, gerade bei solchen Tabellensituationen, hinterher mit leeren Händen da.
Aber: es sind mal gerade fünf Spiele der noch jungen Saison gespielt.
Es liegen noch harte Brocken vor uns.

Was mir, momentan unter den Fans fehlt, ist ein realistischer Blick nach vorne.
Es wird noch Rückschläge geben.
Rückschläge, die diese junge Mannschaft auch kopfmäßig wegstecken muss.
Dann wünsche ich mir weiterhin bedingungslose Unterstützung unserer Fans, diesen Support, der das Team bisher nicht nur im Volkspark, sondern auch auswärts, getragen hat.

Und zwar gewaltlos.
Auf allen Ebenen.
Das, was gestern anscheinend noch nach dem Spiel in Dresden mit gegnerischen Fahnen und Schals gemacht wurde, ist des Fußballs und jedes Fans unwürdig.
Es gibt so viele, die sich gerade im Jahr 2018 gegen jede Form des Rassismus wenden. Ginge es nach mir, würden alle ihre überschüssige Energie lieber in solche Aktionen legen, als die Anhänger anderer Vereine zu beklauen oder ihnen gar mit Gewalt zu drohen.
Das gilt übrigens für jeden Fan. Auch für uns HSVer, wenn es in gut einer Woche gegen den Stadtrivalen geht.
Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Momentan auch für die Hamburger, wenn auch in der 2. Liga.
Sonntag geht es gegen Regensburg. Die warten seit sechs Wochen auf einen Sieg, was wirklich alles andere als ungefährlich ist.
In diesem Sinne: schön locker bleiben. Auch, wenn das Geduld erfordert. Wie fast alles im Leben.
(mg)

Nachtreter

Mal ehrlich, welcher Chef stellt neue Mitarbeiter ein, die öffentlich über ihre alten Arbeitgeber herziehen?

Also, aufgepasst in Frankfurt, Genua oder Augsburg.
Aufgepasst an alle, die jemals daran denken sollten, ehemaligen Vorstandsmitgliedern oder Trainern des HSV einen neuen Job anzubieten.
Denn gerade in den letzten Wochen hat dieses „fröhliche Halali zum Nachtreten“ wieder Fahrt aufgenommen.

In den letzten Jahren machten bereits Slomka („Der HSV hat mich ausgesaugt“) als auch sein Kollege van Marwijk („da ging vieles drunter. So was habe ich noch nie erlebt. Die Konzentration auf den Fußball war fast nicht möglich“), nach ihrem Abgang, ihrem Unmut öffentlich Luft.
Dass von Gisdol und Hollerbach noch nichts kam mag daran liegen, dass sie offiziell noch beim HSV unter Vertrag stehen.
So fließen, laut Medien, bis 2019 etwa drei Millionen Euro in die Portemonnaies der beiden Ex-Trainer, sowie ihren Assistenten.
Übrigens auch nach dem Abstieg, da Bruchhagen und Co. es verpassten, das Arbeitspapier für den Fall der Fälle entsprechend anzupassen.
Rühmliche Ausnahme (wenigstens bisher) Didi Beiersdorfer, der seinen Abgang, 2016, allerdings auch fürstlich, mit kolportierten drei Millionen Euro vergoldet bekam. Vielleicht war ja auch eine Schweigeklausel mit dabei…

Was mich dieser Tage am meisten geärgert hat, ist DER „Umfaller“ der Woche.
„Was für den HSV das Richtige ist, ist auch für mich das Beste“, sagte ein Heribert Bruchhagen nach seiner Entlassung als Vorstandsvorsitzender, im März dieses Jahres. Auf Nachtreten, so verkündete die Presse großspurig, verzichte er.

Peng! Was bitte ist dann in den letzten Monaten passiert?

Anfang der Woche lederte der jetzt 70-Jährige über seinen Nachfolger, Bernd Hoffmann und über die Mannschaft, Lewis Holtby im Speziellen.
Einigermaßen fassungslos hat mich der Satz „Wenn Spieler wie Lewis Holtby sagen, „Jetzt macht Fußball wieder Spaß“, dann fällt einem dazu nichts mehr ein. …sie haben Beiersdorfer…Gisdol…Hollerbach den Job gekostet und am Ende auch noch mir“, zurückgelassen.
Das, Herr Bruchhagen, ist ganz schlechtes Kino!
Denn während Sie im Frühjahr 2018 noch so selbstreflektiert waren und sich nicht gänzlich aus der Schuld am schlechten Stand der sportlichen Situation herausstahlen („als Vorstandschef liegt die Verantwortung sicherlich auch bei mir“), sehen Sie sich heute nur noch als Opfer einer Machtintrige, zusammengebraut aus dem Hause Hoffmann („er hatte einen Masterplan…das war alles vorhersehbar“) und dann gleich noch der kompletten Mannschaft.

Sie, Herr Bruchhagen, haben damals Bernd Hollerbach eingestellt, der den Abstieg des HSV besiegelte, da er mit einer solchen Mammutaufgabe sichtlich überfordert war!
Sie haben Verträge mitunterzeichnet, die heute für Kopfschütteln in der aktuellen Führungsetage sorgen (siehe die Weiterzahlungen an Gisdol und Hollerbach).
Sie haben im Winter 2017 an der Sparschraube gedreht und damit die Mannschaft geschwächt in eine aussichtslose Rückrunde geschickt.
Wie dicht waren Sie und ihr Team eigentlich an den Spielern und Trainern dran? Haben Sie den Unmut, die Hilflosigkeit nicht bemerkt, und das ideenlose Gekicke nicht gesehen? Haben Sie sich im Gegenteil dazu mal die letzten Spiele des HSV angeschaut und einen Vergleich zur letzten Saison gewagt? Ich denke mal nicht. Denn wenn, dann bleibt mir nichts anderes übrig als anzunehmen, dass aus Ihnen die pure Verbitterung spricht. Was schade wäre, habe ich Sie doch bisher für einen wirklich fairen Sportsmann gehalten und auch als solchen kennengelernt.

Ja, und dann sind da noch Spieler, die uns jüngst verlassen haben und in ihren neuen Vereinen plötzlich feststellen, wie schlimm es doch in Hamburg war.
Erwähnt seien hier „nur“ ein André Hahn, der in bester „mimimi“-Manier mangelnden Zusammenhalt und eine geteilte HSV-Mannschaft beklagt, um gleich danach in Schwärmereien über den besonderen Teamgeist und einen Zusammenhalt „wie unter Freunden“ in Augsburg verfällt.
Lieber André. Ihr alle seid erwachsene Männer. Wenn etwas im Kreis der Arbeitskollegen nicht stimmt, dann spreche ich das an, bevor ich mich im Nachhinein, in der Öffentlichkeit darüber beklage.
Selbiges gilt für Nikolai Müller, der sich bei mir, mit seiner Beschwerde über mangelnde Kommunikation und Wertschätzung des Klubs, ins Abseits befördert hat.
Hallo?
Du bist fast die komplette Saison verletzt gewesen. Um dich herum hat sich in der Zeit ein neues Gebilde von Spielern, mit einem neuen Trainer und einer neuen Taktik gebildet. Da ist es doch völlig normal, dass du nach deiner Rückkehr nicht sofort wieder die erste Geige spielst!
Und auch dir, Nikolai, hat der liebe Gott einen Verstand und einen Mund zum Fragen gegeben. Gesprächswünsche sind keine Einbahnstraße!
Hätte dir ein Verbleib beim HSV am Herzen gelegen, dann mag ich nicht glauben, dass deine Gesprächsanfragen abgelehnt worden wären.
Enttäuschung 2.0: Albin Ekdal, der, vom Pech verfolgt, nie so wirklich ein Bein an den Mannschaftsboden bekam.
Sich nach seinem Abgang zu Sampdoria Genua allerdings über mangelnde Ruhe und wenig Struktur im Verein zu beklagen ist armselig. Denn das hat sich gerade in den letzten Monaten komplett verändert.
Seid doch wenigstens ehrlich, Jungs, und sagt, dass es beim HSV eben nicht mehr soviel Geld gibt, wie bei euren neuen Vereinen! Das kann dann zwar nicht jeder verstehen, aber man muss es eben akzeptieren.

Wenn es jemals ruhig war, beim HSV, dann jetzt!
Da mögen sie alle hetzten, die enttäuschten Magaths, Bruchhagens und wie sie alle heißen. Ich finde es erfrischend, dass wir Neuigkeiten über Verpflichtungen oder Verkäufe eben nicht mehr aus den Medien, sondern über unseren Verein, den HSV, direkt erfahren!
Sehr zum Unmut der Presse, wie es scheint. Denn denen bleibt eben nichts anderes übrig, als ihre Seiten mit Statements zu füllen, die in alte Hörner blasen. Aus Enttäuschung, Frust oder was auch immer die Befragten dazu bewegt. Ich mag Nachtreter nicht.

Ich mag Spieler wie Lewis Holtby, der nicht nur sein Herz auf der Zunge trägt, sondern auch Verantwortung auf dem Platz übernimmt. Oder Typen wie Fiete Arp, dem man seinen Respekt vor Spielerlegenden wie Uwe Seeler noch ehrlich ansieht und den es einfach sympathisch macht, dass er nicht nur dem schnellen Erfolg (und dem Geld) hinterherhechelt. Einfach ausgedrückt: Ich mag diesen neuen HSV!
(mg)

P.S: Wer es noch nicht mitbekommen hat: das Nachholspiel des HSV bei Dynamo Dresden findet am Dienstag, den 18. September, um 18.30 Uhr statt.

Chancen

Jetzt mal ernsthaft.
Irgendwie ist es geradezu als „Glücksfall“ zu bezeichnen, dass der HSV in dieser Saison die 2. Bundesliga bespielen darf.
Ich bin mir fast sicher, dass wir mit dieser Mannschaft, die in meinen Augen einen echten Umbruch im Hinblick auf 2017/18 erfahren hat, im Oberhaus erneut mit dem Abstieg zu kämpfen gehabt hätten.

Das soll in keinster Weise eine Abwertung der Leistung, der Spieler oder gar des Trainerstabes darstellen.
Es ist ganz einfach Fakt, dass diese blutjunge Mannschaft die noch bevorstehenden 31 Spieltage als Chance nutzen kann.
Als Chance, die von den Medien so hoch gehypte „Titz-Technik“ zu trainieren, Fehler abzustellen, das System zu verinnerlichen und damit zu perfektionieren, um im besten Fall im nächsten Jahr Liga 1 damit zu begeistert.

Noch schleichen sich immer mal wieder Fehler ein, die bei treffsicheren, schnelleren Umschalt-Gegnern des Öfteren zu Gegentreffern und vielleicht sogar zu Niederlagen geführt hätten/führen würden.
Die Bielefelder Statistik zählte am 3. Spieltag der noch jungen Saison 17 Torschüsse, von denen kein einer im Netz von Pollersbecks Tor landete.
In Gedenken an unsere letzte Spielzeit hätten Montag wohl die Bielefelder noch drei Stunden weiterspielen können, ohne einen Ball zu versenken. Haste Scheiße am Schuh…. Ihr kennt das.

Eine Gefahr unseres Spiels ist zunächst noch immer der wackeligen Abwehr zu verdanken. Bates und auch van Drongelen hatten nicht ihren besten Tag. Auch eine Zweikampfquote von nur 43 Prozent spricht nicht für die Dominanz der Hamburger, die das Ergebnis letztlich vorgaukelt. Dass trotzdem am Ende die Null hinten stand, war auch ein paar super Paraden unserer Nr. 1 zuzuschreiben.

Der allerdings sorgte in der 42. Minute auch für den größten Aufreger des Spieles, als er einen von van Drongelen auf Voglsammer schlampig gespielten Pass, mit den Füßen an der Strafraumlinie, mit den Händen abwehrte.
Handspiel hinter dem 16er? Die Frage aller Fragen.
Denn selbst die langsamste Zeitlupe aller Sky-Kameras brachte nicht die letzte Gewissheit, ob der Ball vollständig hinter der Linie gehändelt wurde.

Leute, was bin ich froh, dass es keinen Videoschiedsrichter in der 2. Liga gibt! Denn auch das 1:0 durch Holtby hätte wohl im Kölner Fokus gestanden. Behinderung des Torwarts oder nicht?
Schiedsrichter Aarnink war schnell sicher, dass dem nicht so war, das Tor also regulär. Ich gehe davon aus, in der 1. Liga hätte man einen weiteren Grund gehabt, einen Schiri über einem Monitor hängen zu sehen.
Ich persönlich stehe inzwischen mit der Errungenschaft des VARs auf Kriegsfuß. Denn es ist mir immer noch lieber, eine schnell zu treffende Tatsachenentscheidung zu akzeptieren, als mehrere falsche Entscheidungen, die aus einem Videoraum kommen. Was zur Entlastung gedacht war, sorgt immer mehr für Verwirrung und Ärgernisse sowie Riesendiskussionen. Bei Fans, Spielern und Trainern.

Doch zurück zum Spiel.
Ich finde es gut und richtig, dass Titz den jungen Spielern, trotz ihrer Fehler weitere Chancen im nächsten Spiel gibt. Das ist nicht nur wichtig für das Selbstbewusstsein. Junge Spieler machen Fehler. Diese muss man ihnen zugestehen, ohne ihnen gleich die auferlegte Verantwortung zu entziehen. Nur so lernen sie.
Dieses Lernen könnte man sich in der 1. Liga kaum oder gar nicht leisten.
Ok, mit Papa und Jung fehlen zwei wichtige Defensivleute, die Titz sicher eingeplant hatte. Man wird sehen, wie er aufstellt, wenn die Beiden wieder zur Verfügung stehen.

Auch Ito braucht noch Zeit. Der kleine Dribbler vertanzt sich noch zu oft und versucht mit leichtem Starrsinn, seine Bälle noch ein Stück und noch ein Stück und NOCH ein Stück weiter in die Tornähe zu bringen. In ihm steckt ein großes Talent, das Entwicklung und Spielpraxis braucht.

Ein Wort zu „Bärchen“ Lasogga. In einigen Gruppen fand ich ironische Kommentare á la „jetzt, wo Lasogga wieder trifft, ist er euer Liebling, vorher war er nur überbezahlter Söldner“.
Also für mich sieht das ein bisschen anders aus. Pierre Michel tut einfach das, wofür er bezahlt wird. Tore schießen.
Dafür darf man ihn dann auch ein klein bisschen lieb haben. Denn auf dem Weg zurück in Liga 1 kann ein sicherer Strafraumstürmer eben Gold wert sein. Ok, ist er auch, aber das steht auf einem anderen Blatt.
Ich gebe aber auch zu, dass ich ihn nach der 1. Halbzeit ausgewechselt hätte. Wie gut, dass ich eben doch kein verantwortlicher Trainer bin 😉

Last but not least: es weht ein neuer Wind in der kompletten Mannschaft. Es menschelt. Eine lange Seite des neuen Kapitels im Team des HSV gebührt eindeutig Christian Titz.
So wie ich ihn kennenlernen durfte, als natürlicher, besonnener aber sehr wohl wissen- was- er will – Typ, so ist er auch im Umgang mit seinen Spielern.
Papa, Freund aber auch Chef und damit Vorgesetzter in einem. Ich bin froh, dass die Vorstandsetage auch mit ihm Mut zu Neuem und ein glückliches Händchen bewiesen hat und hoffe, dass man ihm Zeit genug gibt, sein Können auf mehreren Ebenen eindrücklich und richtungsweisend unter Beweis zu stellen.

Für mich die Szene des Spiels war übrigens der Jubel nach dem 1:0, als Holtby sich das Trikot des schwer verletzten Jairo Samperio zuwerfen ließ und hochhielt. Das Tor, den Sieg wollte man ihm widmen.
Und das tat man dann auch.
Dem Frischoperierten schicken wir an dieser Stelle auch gleich mal ein herzliches „gute Besserung“ rüber.

Mit einem Elfmeter, den der von Börner gefoulte Lasogga gleich selber verwandelte, machte man in der 88. Minute den Deckel auf das zweite Heimspiel der Saison drauf.
3:0 gegen gute, aber letztendlich ineffektive Bielefelder.
Das kann sich sehen lassen und bedeutet zunächst mal für eine Woche den Relegationsplatz. Das 1. Mal seit unzähligen Jahren, dass wir uns über einen Relegationsplatz freuen dürften.

Vor der Mannschaft und dem Trainerstab liegt noch eine Menge Arbeit. Auf dem Rasen und mental. Das wissen alle.
Übrigens gibt es dabei wohl bald Unterstützung von Jairo , der seine Rehamaßnahmen in Hamburg absolvieren wird, wie Titz in den Medien bekannt gab: „Er bekommt Videoaufgaben von uns. Gerade bei Standardsituationen hat er gute Ideen und eine hohe Intelligenz. Deshalb werden wir ihn einbeziehen.“ Somit wird er während der kommenden Monate Teil des Trainerteams und bleibt dicht an der Mannschaft. Gab es sowas schon mal? Ich kann mich nicht daran erinnern, finde es super und es zeigt einmal mehr, wie wichtig jeder einzelne Spiel für Titz ist, bei der Chance in Liga 2.
(mg)

„Bärchen“ trifft wieder

Biss, Leidenschaft, Wille, Konzentrationsmangel, Kurzschlaf, Schludrigkeit und ein wachgeküsster Strafraumstürmer.
Die Zuschauer bekamen von allem etwas, in der 1. Runde des diesjährigen Pokalwettbewerbs, beim Spiel HSV gegen den TuS Erndtebrück.

Und der HSV wäre nicht der HSV, wenn er seinem Ruf, Pokalspiele grundsätzlich zu Herzschlagspielen zu machen, nicht alle Ehre gemacht hätte.
Pokal, 1. Runde, da war doch was?
Richtig. In der Saison 2017/18 ging man blamabel, mit einem 3:1, beim VFL Osnabrück unter, zwei Jahre zuvor gab es das Erstrundenaus mit einem 3:2 gegen Carl Zeiss Jena.
2016 zitterte sich der HSV, durch einen Treffer vom damaligen Neuzugang Alen Halilovic, erst in der 70. Minute, gegen den FSV Zwickau, in die 2. Runde.

All das wollte Christian Titz vor Anpfiff allerdings nicht weiter kommentieren. Auch im Pokal stand für ihn alles auf Neuanfang.
Und der HSV begann gut. Mit rasantem Tempofussball schickte der Trainer seine Elf aufs Grün des Siegener Leimbachstadion, auf das die Gastgeber, unter anderem wegen der größeren Kapazität und des Naturrasens, ausgewichen waren.

Knapp 15.000 Zuschauer sahen einen Zweitligisten, der ambitioniert an seine Aufgabe ging und bereits nach zehn Minuten mit 2:0 führte.
Ein Foulelfmeter, den Orel Mangala rausholte und Lewis Holtby sicher verwandelte sowie der erste Treffer von Fiete Arp (nach schöner Vorlage von Narey) in dieser noch jungen Saison, ließen die über 5000 mitgereisten Hamburger jubeln.

Den Hausherren war in der ersten halben Stunde eine gewisse Nervosität anzumerken und so kam es erst in der 38. Minute zum ersten halbwegs gefährlichen Schuss auf das Tor von Tom Mickel, der den in der Woche leicht angeschlagenen Pollersbeck vertrat.
Fünf Minuten später gönnte sich die Defensive des HSV einen kurzen Tiefschlaf. Saka schlug die Kugel von der rechten Seite in den Strafraum. Stürmer Rösch verpasste, dafür kam der Ball genau in den Lauf von Tatsuya Yamazaki, der völlig blank stand und nur noch einschieben musste. Ob das Tor durch eine Abseitsstellung zustande kam, darüber streiten sich heute noch die Experten. Jedenfalls ging es mit einem Anschlusstreffer der Gastgeber in die Kabinen.

Die Defensive hatte wohl noch nicht ausgeschlafen, denn keine drei Minuten nach der Pause klingelte es erneut im Tor von Mickel. Erneut wurde ein langer Ball, vor dem Strafraum per Kopf verlängert, schussfertig vor Niklas Hunold abgelegt. Der zimmerte die Kugel unbedrängt aus 16 Metern links unten in die Maschen.

Alles auf Null. Ausgleich. Die Gastgeber jubelten und viele HSVer hatten ein Deja dingens, ahnten Schlimmes. Weil, ja, weil sich langjährige schlechte Erfahrungen mit Pokalpleiten eben nicht so schnell auslöschen lassen.

Der HSV schien geschockt, verlor unnötige Zweikämpfe und produzierte in den nächsten 20 Minuten vermehrt überhastete Fehlpässe.

Doch dann begann ein weiteres Kapitel des „neuen“ HSV. Anstatt die Köpfe zwischen die Schultern zu stecken und sich dem Schicksal zu ergeben, gab man nochmal Gas. Titz bewies ein goldenes Auswechselhändchen und schickte in der 61. Minute Lasogga aufs Feld. Der Torschütze zum 2:0 durfte dafür Feierabend machen.

Es dauerte keine drei Minuten, da zahlte Lasogga das Vertrauen seines Trainers mit seiner geballten Körperpräsenz zurück. Ambrosius brachte den Ball von rechts dahin, wo ein Strafraumstürmer stehen muss. Lasogga stieg im 16er hoch und drückte die Kugel per Kopf temporeich ins Tor.
Etwa 60 Sekunden später war es erneut Lasogga, der aus fünf Metern, nach Hereingabe von Mangala, das 4:2 für den HSV machte.
„Bärchen“ trifft wieder!

Puh! Leute! Kein Spiel für schwache Nerven.
In der 70. Minute war Mickel mit seinen Gedanken bei allem anderen, nur nicht beim Spiel. Er ließ sich weit vor seinem Tor einen verschlampten Pass abluchsen, kassierte für den anschließend misslungenen Versuch, den Ball zurückzuerobern nur Gelb und konnte beim logisch folgenden Freistoß dem Kopfball durch Till Hilchenbach nur noch hinterhergucken.
3:4…
Ab der 71. Minute war wieder alles möglich. Der Ball lief rasant hin und her. Beide Mannschaften hatten Chancen, bevor Mangala aus 20 Metern viel Zeit und Platz hatte und mit einem schönen Abschluss in die rechte untere Ecke des Tores von Paul Schünemann den Deckel drauf machte.

3:5…Christian Titz wird mehrere Lehren aus diesem Spiel mitnehmen.
Zum einen ist da eine Offensive, die ihren Namen langsam auch verdient, allerdings noch zu viele Chancen liegenlässt.
Da ist ein Mittelfeld, das sowohl hui als auch pfui spielen kann. Eine Zweikampfquote von knapp 48 Prozent gilt es zu verbessern, denn auch ein Ballbesitz von über 80Prozent führt nicht zwangsweise zum Erfolg.
Gefährlich wird es auch immer mal wieder, wenn der Gegner das Titzsche Torwart-Libero-System frühzeitig anläuft und nicht alle, und ich meine wirklich alle, mit voller Konzentration dabei sind.
Schwachpunkt in der Mission Wiederaufstieg bleibt in diesem Zusammenhang die Defensive. Drei Tore gegen einen Fünftligisten müssen wirklich nicht sein. Viel zu groß waren oftmals die Räume zum Gegner.

Positiv herauszuheben ist der oben erwähnte Wille, auch nach Gegentoren das Spiel erneut zu drehen. Für Lasogga freut es mich, dass er mit seinem Doppelpack zum Sieg maßgeblich beitrug.
Mit Recht durfte er dafür auch den Titel „Man of the match“ mit nach Hamburg tragen.

Hoffen wir, dass er den Schwung mitnimmt in die Liga. Dort trifft der HSV am kommenden Montag auf Armenia Bielefeld.
Die Bielefelder reisen mit breiter Brust ins Volksparkstadion. Sie servierten am Samstag den FC Lok Stendal mit 5:0 ab.

Vor Christian Titz liegt eine arbeitsreiche Woche. Denn seine Stamm-Defensive steht wohl noch immer nicht. Dafür passieren sowohl Sakai und Bates (blieb vorgestern für Ambrosius draußen) als auch van Drongelen noch immer viel zu viele individuelle Fehler und oft mangelt es an oben erwähnter Konzentration.

Das Beste zum Schluss: wir sind eine Runde weiter. Die Saison ist noch jung. Ebenso wie die Mannschaft, die im Laufe des Jahres noch besser zueinander finden muss.
So. Das waren jetzt mindestens sechs Euro fürs Phrasenschwein 😉
(mg)

3 Punkte, 3 Tore, ein Sieg

„Der HSV ist angekommen in der 2. Bundesliga“, titelten verschiedene Medien am Tag nach dem Sieg gegen Sandhausen.

Aus dem 2. Spiel im Unterhaus des deutschen Fußballs brachten unsere Rothosen 3 Punkte mit nach Hamburg.

Sie wiegen schwer. Denn hätte man auch dieses Spiel versiebt, nicht nur die Köpfe der Spieler wären noch ein Stück tiefer zwischen die Schultern gesunken.

So aber hat es Trainer Christian Titz in der vergangenen Trainingswoche wohl geschafft, der jungen Truppe die nötige Portion Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben.

Und das war auch gut so. Denn wenn es auch „nur“ gegen den SV Sandhausen, im fünftkleinsten Stadion der Liga, ging, aus verschiedenen Pokalerfahrungen heraus weiß man beim HSV ganz genau, dass es eben keine Vereine gibt, denen man mal eben so im Vorbeigehen Siege abluchsen kann.

Christian Titz, der eine Art „Heimspiel“ hatte, ist er doch im 20 Kilometer entfernten Edingen-Neckarhausen aufgewachsen, veränderte, im Gegensatz zur vergangenen Woche, an der Startelf nicht viel.

Lediglich Lasogga trat zu seinem Zweitligadebüt an und der von Stuttgart ausgeliehene Orel Mangala sollte im Mittelfeld für Ruhe sorgen.

Da der SV Sandhausen saisonübergreifend bereits seit fünf Spielen auf einen Sieg wartete, durfte man im Vorfeld keine großen Gastgeschenke erwarten.

Die verteilten die Baden-Württemberger lieber noch vor dem Anpfiff. Für jeden angereisten HSVer gab es mit der Eintrittskarte gleich mal ein Freibier dazu. Eine feine Geste der Sandhäuser, die bereits mit einer plakativen Anreiseempfehlung, am Hamburger Hauptbahnhof mächtig Sympathiepunkte gesammelt hatten.

Allerdings gab es dann doch noch Gastgeschenke, auch auf dem grünen Rasen. Zwei Torwartfehler von Marcel Schuhen, in der 7. und 59. Minute sorgten mit für den 3:0 Erfolg für den HSV.

Das 2:0 fiel in der 30. Minute. Rick van Drongelen versenkte den Ball, nach einer Hereingabe durch Santos, per Kopf im Tor der Sandhäuser, die bereits ihre 7. Zweitligasaison bestreiten.

Nun mag der ein oder andere erneut die „nur Sandhausen-Keule“ auspacken, einige noch immer vorhandene Abwehrschwächen der Hamburger aufzählen und vergebenen Bällen hinterherschauen.

Fakt ist, wir haben gewonnen.

Und auch die vermeintlichen Gastgeschenke müssen erstmal erfolgreich angenommen werden. Gerade wir HSVer haben das schmerzlich in der vergangenen Saison erlebt, dass das auch anders laufen kann.

Khaled Narey verwandelte allerdings mit eiskalter Abgeklärtheit. An dem 24jährigen Deutsch-Togolesen, der für 1,7 Millionen von Greuther Fürth zum HSV kam und Nikolai Müller auf der rechten Außenposition ersetzen soll, werden wir noch viel Freude haben.

Auch Neuzugang Orel Mangala wusste sich zu behaupten. Obwohl der erst in der vergangenen Woche ins Mannschaftstraining einstieg, scheint er seinen Platz im Gefüge der jungen Truppe bereits gefunden zu haben.

Der Unterschied zur vergangenen Woche?

Christian Titz brachte es auf den Punkt: „Wir haben unsere Chancen genutzt.“

Mehr gab es nicht zu sagen.

Es war ein Sieg nach einer bitteren Niederlage. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Der HSV steht nach dem 2. Spieltag auf einem nicht aussagefähigen Platz 8, die jetzt ausgeglichene Tordifferenz macht es möglich.

Nun gilt es, Konstanz in den Kader zu bringen, weiter zu arbeiten und jedes Spiel anzugehen, als wäre es ein Endspiel. Leichter wird es nicht werden.

Und sollte es denn wirklich so sein, dass der HSV angekommen ist in Liga 2. Ich bin es irgendwie noch nicht.

So berühren mich die übrigen Partien so gut wie gar nicht. Vielleicht kommt das ja noch, wenn wir jeden Gegner einmal bespielt haben. Wie geht es euch damit?

In diesem Zusammenhang mein ureigenster Senf zum morgigen Testspiel des HSV gegen die Bayern:

Ich kann diese Ansetzung absolut nicht nachvollziehen.

Zum einen kann man von einem hohen Sieg der Bayern ausgehen (wer bitte will das wirklich sehen?), der weder für das anstehende Pokalspiel gegen Erndtebrück das Prädikat „besonders wertvoll“ verdient, noch für das gerade erst belohnte Selbstbewusstsein der Mannschaft praktisch erscheint.

Zum anderen besteht immer die Möglichkeit, dass sich einer unserer Spieler verletzt und dann bei den wichtigeren Ligaspielen fehlt.

Aktuell sollen erst 23.000 Tickets verkauft, das Stadion somit am Mittwoch nur halb voll sein. Wer es trotz allem sehen möchte: die Partie wird morgen live auf Sport1, ab 17 Uhr, übertragen…

Last but not least noch ein persönliches Wort zu Kostic.

Lieber Filip. Ich kann dein Verhalten in keinster Weise nachvollziehen. Du stehst bei einem Verein unter Vertrag, der dir regelmäßig jeden Monat dein Gehalt überweist. Du kamst 2016 für 14 Millionen vom VFB Stuttgart und hast seitdem deinen Marktwert mehr als halbiert. Hast du dich mal gefragt, woran das wohl liegen mag?

Meinst du nicht, dass dein Arbeitgeber es zumindest verdient hat, dass du bis zuletzt alles gibst, auch wenn du am liebsten sofort weg willst?

Es gebietet die Regel der Höflichkeit, sich nicht mit einem Boykott, sondern mit Leistung zu verabschieden! Und dem HSV endlich Planungssicherheit zu verschaffen. Das funktioniert aber nicht mit dem Ablehnen von Vertragsangeboten oder einer Null-Bock-Einstellung.

Ich habe fertig!

(mg)

Willkommen in Liga 2

Es war 22.05 Uhr, die 78. Minute der Auftaktpartie in der 2. Bundesliga, da geschah das, wovor zahlreiche Fußballtaktiker und auch andere Medien schon im Vorfeld ein wenig Bammel hatten, so sie es denn mit dem HSV hielten.

„Hamburg verkünstelt sich beim Versuch, fußballerisch hinten rauszuspielen. So landet der Ball beim freistehenden Lee. Der Südkoreaner behält die Übersicht und bedient den eingewechselten Kinsombi in der Mitte. Der braucht nur noch einzuschieben“, das stammt aus der Liveberichterstattung von Sky und bedeutet nichts anderes, als dass Pollersbeck und seine Vorderleute sich beim  Versuch, ein sauberes Spiel von hinten aufzubauen mächtig verrechneten. Der Ball landete beim Gegner und führte zu einem schnellen Konter in der eigenen Hälfte.

Unsanft ist der Bundesliga-Dino bei seiner Premiere im Unterhaus der Liga auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Mit 0:3 schickte ein in der zurückliegenden Sommerpause spielermäßig ziemlich zerpflückter Kieler Kader die Rothosen in die Kabine und nahm einen großen Sack der zuvor über den Hanseaten ausgeschütteten Euphorie gleich mit.

HSV-Kapitän, Lewis Holtby, der Aaron Hunt an der Binde vertrat, sagte am Sky-Mikrofon: „Das hatte nichts mit dem zu tun, wie wir spielen wollten. Wir waren mutlos, haben als Mannschaft nicht gut gespielt und verdient verloren. Das werden wir aufarbeiten müssen und nächste Woche ein anderes Gesicht zeigen. Das war ein Spiel, in dem wir desaströs waren. Wir müssen eine Reaktion zeigen.“

Und so manch einer fragte sich, ob das nicht einfach ein Einspieler aus der vergangenen Saison war.

Wie oft haben wir HSV-Fans, gerade in der vergangenen Saison, gleichlautende Sätze gehört?

Wie oft blieb die Mannschaft nach eigener Aussage hinter ihren eigenen Erwartungen zurück?

Ja, da waren Chancen. Gerade in der 1. Halbzeit sorgten Tatsuya Ito (3.), Neuzugang Jairo Samperio (5.) und Holtby (12.) vorne für mächtig Wirbel. Und auch Khaled Narey versuchte, nach gelungener Premiere gegen Monaco, erneut sein Glück als Torschütze, in der 35. Minute. Seine Chance in der 74., nach einer Flanke von Rick van Drongelen, bei dem er versuchte mit dem rechten Fuß im Fünfmeterraum zu netzten, hätte ebenfalls drin sein müssen.

Und wer weiß wie sich die Partie entwickelt hätte, wäre wenigstens einer dieser Bälle im Netz gelandet.

Hätte, wäre, wenn. Da sind wir wieder, bei dem so ungeliebten Konjunktiv, der die Abschlussschwäche der HSVer auch in der abgelaufenen Saison schon in bester Regelmäßigkeit begleitete.

Und dann war da ja noch Kiels Königstransfer, der bereits oben erwähnte südkoreanische WM-Teilnehmer Jae Sung Lee, der immer wieder für mächtig Unruhe im Titzschen System sorgte.

Damit wären wir aus meiner Sicht beim eigentlichen Problem.

Denn im Gegensatz zu vielen anderslautender Meinungen habe ich sehr wohl gesehen, dass die Kieler von ihrem (auch neuen) Trainer, Tim Walter, hervorragend auf dieses System eingestellt waren.

Ein ums andere Mal störten sie das in den letzten Spielen der 1. Liga und auch in den Testspielen so locker (manchmal zu leger) aussehende Aufbauspiel, mit Pollersbeck als „Libero“, machten dem Kurzpassspiel durch das Mittelfeld mit aggressivem Anlaufen schnell ein Ende und zwangen den HSV so erneut zu langen Bällen, die, mangels Anspielstationen viel zu oft wieder nur in der gegnerischen Hälfte landeten, wo sie zu schnellen Kontern führten.

Täusche ich mich, oder wirkten die Titzschen Schützlinge überrascht davon?

Klar ist es eine junge Mannschaft, und klar ist auch, dass diese Youngsters immer mal wieder Fehler machen werden.

Trotzdem sah es oft so aus, als fiele ihnen, insbesondere in der 2. Halbzeit, keine Antwort auf die anstürmenden Kieler ein, die eben jenes eintrainierte System so manches Mal unterbanden.

So blieb dem HSV teils nichts anderes über, als einem verlorenen Ball hinterherzujagen, um Schlimmeres zu vermeiden.

Dabei half dann auch Pollersbeck, der mehrmals (z.B. in der 46. und 86. Minute) hervorragend parierte.

Irgendwie fehlte mir letztlich aber öfter auch der letzte Biss in den Zweikämpfen und im Laufen ohne Ball. Ich will glauben, das war nur eine schlechte Tagesform und hatte nichts mit mangelnder Kondition zu tun.

Mein Fazit:

Plan A ist mächtig in die Hose gegangen. Und auch die kommenden Gegner werden versuchen, sich der Hamburger Spielweise anzupassen und gegenzuhalten.

Es mangelte an einem Spielemacher im Mittelfeld und ich hoffe, dass nicht nur der fehlende Hunt diese Lücke ausgleichen kann.

Sollte dem so sein, hat Becker nicht nur die Aufgabe, sich noch nach einem IV umzuschauen, um die instabile Defensive zu stabilisieren.

Für mich war es auch eine überraschende Aufstellung, ohne richtigen Stürmer. Vielleicht doch keine so gute Idee.

Ich hoffe, Titz hat noch ein Plan B in der Tasche. Sonst könnte diese Saison für den leidgeprüften HSV-Fan eine noch härtere werden und schnell für Unruhe im Umfeld sorgen, die, wie wir nur zu gut wissen, kontraproduktiv ist.

Noch ist nicht viel passiert. Außer der Tatsache, dass der HSV mit aller Realität in der 2. Liga angekommen ist.

Und vielleicht liegt ein Großteil des vorherrschenden Frustes in den Tiefen der vergangenen Spielzeiten begründet. Denn man kann noch so oft sagen, schaut voran und nicht nach hinten.

In unseren Köpfen befinden sich noch immer jede Menge dieser unnötigen Niederlagen, die uns letztendlich dorthin brachten, wo wir jetzt spielen.

Und ich möchte nicht irgendwann wieder damit anfangen, die Spiele aufzuzählen, in denen man noch so und so viel Punkte machen kann, um nicht erneut in einen nach unten zeigenden Strudel zu geraten.

Ich brauche keine Durchhalteparolen mehr. Sie alle sind ausgelutscht. Wie in einer Beziehung, in der ein Thema totgeredet ist.

Ich baue auf sachliche (angebrachte) Kritik, eine realistische Analyse. Unter uns Fans und erst recht innerhalb der Mannschaft.

Diese Kritik hat auch nichts damit zu tun, dass wir nicht trotzdem uneingeschränkt hinter unseren Jungs und dem Trainer stehen.

Einem Trainer, der die Mannschaft bis zum nächsten Wochenende auch mental wieder aufbauen kann, um den entstandenen Schwung aus der Vorbereitung in die nächsten Spiele mitzunehmen.

Herr Titz, übernehmen Sie! Wir brauchen Reaktionen: Selbstbewusstsein ohne Arroganz, Taktik mit Variabilität, Mut ohne Übermut. Und das alles am besten schon nächste Woche gegen Sandhausen. (mg)

„Jeheheja, hehe, auf geht’s Hamburg“!

Nicht allzu oft haben die Fans des HSV in den vergangenen Jahren dem Torjubel von Scooter, über dem Volksparkstadion lauschen dürfen.
Gestern durften sie schon mal üben, für eine hoffentlich torreichere Saison, als die letzten, in denen es eigentlich ständig nur um den Klassenerhalt ging.
Ganze dreimal drückte Lotto, in der Kabine des Stadionsprechers auf den entsprechenden Jingle-Knopf.

„Jeheheja…“ Nach einem schönen Zuspiel unseres neuen Kapitäns, Aaron Hunt, war es ausgerechnet der Neuzugang aus Fürth, Khaled Narey, der über rechts seinen Gegenspieler außer Gefecht setzte und mit einem sehenswerten Schuss den Ball aus 15 Metern, in der 29. Minute, zum 1:0 im Tor versenkte.
Als Auftakt zur neuen Saison lud der HSV zum traditionellen Volksparkfest. Rund um das letzte Testspiel, gegen den AS Monaco, hatten die Organisatoren ein buntes Programm aus Sport, Spaß und Musik geflochten, bei dem für jeden etwas dabei war.
Auch die Spieler mischten sich unter das Volk und erfüllten einmal mehr das Motto von Trainer Christian Titz, eine „Mannschaft zum Anfassen“ sein zu wollen.

Endlich geht es wieder los.
Nach dem bitteren Abstieg unseres Vereins, in die 2. Liga, geht es ab kommenden Freitag in diesem Jahr um den Aufstieg. Den Aufstieg ins Oberhaus der Bundesliga.
Und ich kann es gar nicht abwarten.

Was eigentlich erwarte ich?
Nun, zunächst mal eine Saison, in der wir uns endlich mal wieder über mehr schöne Tore freuen dürfen. Auswärtssiege, die Spaß machen, eine Mannschaft, die endlich wieder diesen Namen verdient. Die kämpferisch ist, läuferisch alles aus sich rausholt und auch mit besserem Fußball überzeugt, als wir inzwischen gewohnt waren.
Mein Motto lautet: Schauen wir nach vorne und nicht zurück.

Das, was in den vergangenen Testspielen (und auch im Trainingslager im österreichischen Bad Erlach) zu sehen war, macht Mut.
Mit Christian Titz an der Seitenlinie haben wir einen Trainer, der zwar Fehler erlaubt, aber sofort daran geht, diese möglichst schnell auszumerzen.

Klar wird es Rückschläge geben. Insbesondere gegen Mannschaften, die sehr defensiv aufgestellt sind und auf Konter lauern. Da sind wir noch sehr anfällig.
Wobei gestern sehr schön zu beobachten war, dass selbst ein Lasogga dazu angehalten ist, mit nach hinten zu arbeiten.
Mannschaftlich geschlossen lautet die Devise.
Dafür spricht auch das 2. Tor des Tages, das erneut durch den im rechten Mittelfeld „beheimateten“ Narey erzielt wurde. Übrigens wieder nach einer Vorlage von Hunt. Hier scheinen sich zwei gefunden zu haben 😉

Und es gab einen weiteren Scorrerpunkt für den Neukapitän.: in der 73. Minute war es Lasogga, der mit einem satten Schuss ins lange Eck den Endstand zum 3:1 erzielte.

Ach ja: die Monegassen schlossen in der 47. Minute zum 2:1 auf. Auch der Treffer war durchaus sehenswert. Und wäre das Tor ein paar Zentimeter breiter gewesen, hätten die Gäste glatt schon in der 1. Halbzeit aufgeschlossen. Der Pfosten aber hielt stand.
Und auch Pollersbeck zeigte einige Male mit tollen Paraden, warum er den Vorzug vor Tom Mickel im Titz´schen System erhalten hat.

Apropos Titz und Pollersbeck.
Der Spielaufbau über unseren Torhüter und seine IVs (gestern Bates und van Drongelen) sieht schon ganz gut aus. Andererseits wird einem als Zuschauer manchmal schon ein wenig schwummrig, wie verspielt und leger der Spielaufbau teilweise wirkt.
Die Gegner werden sich schnell darauf einstellen und dann kann bereits ein kleiner, zu kurzer oder langer Fehlpass reichen, um in einen gefährlichen Konter in der eigenen Hälfte zu geraten.
Auch muss aufgepasst werden, dass im Spiel durch das Mittelfeld nicht zu viel klein/klein gepasst wird.
Hier fehlt manchmal noch die Präzision der Laufwege und die nötige Routine.
Aber, die Saison ist ja lang und Titz sieht alles das, was wir versuchen zu analysieren, noch besser und professioneller.

Ein Wort noch zu unseren Neuzugängen, die mir ausnahmslos gut gefallen haben. So mag ich beispielsweise die „bulligen“ Einsätze eines Nareys und Kwartengs, wenn Opoku wieder fit ist, werden wir auch an ihm viel Spaß haben.
David Bates hat sich klasse in das Mannschaftsgefüge hineingearbeitet und übernimmt teils bereits Führungsaufgaben in der Abwehr.
Auch Samperio und Moritz haben ihren Platz schon gefunden. Und warum die Bayern haben Wintzheimer gehen lassen, wird wohl ihr ewiges Geheimnis bleiben.
Matti Steinmann wird an den Etablierten weiter wachsen. Gleiches gilt für Ito, der als Kleinster in dieser Saison ein ganz Großer werden kann.
Last but not least gehen die besten Genesungswünsche an unser Krankenlager. Papa, Jung und Opoku, werdet schnell wieder gesund, wir werden euch alle noch brauchen…
…beim Abenteuer 2. Bundesliga, das jetzt endlich beginnt.
Ich kann es gar nicht abwarten.
(mg)