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Kühne – Beifall klatschen oder auspfeifen?

Spätestens seit der Rückholaktion von van der Vaart zurück zum HSV 2013 wird über das Engagement von Klaus Michael Kühne für den HSV diskutiert. Wobei die Diskussionen sich oftmals am Rande der Sachlichkeit und darüber hinaus abspielen.

Kühne und seine Gattin waren große Fans von Rafa und so kam es, dass er van der Vaart gerne wieder beim HSV sehen wollte. In England bei den Tottenham Hotspurs war van der Vaart unglücklich. Der HSV immer noch „sein“ Club. Die Auftritte des HSV in der Bundesliga waren mehr als dürftig. Und so machte er seinen Geldbeutel weit auf und gab dem HSV ein Darlehen für die Rückholaktion. Hier muss man bedenken, dass auf der einen Seite Kühne mit seinem Geld steht und auf der anderen Seite Verantwortliche des HSV. Bei van der Vaart: Pro: Kühne, Hilke, Jarchow. Kontra: Frank Arnesen, damals sportlicher Leiter der Hanseaten. Leider konnte Arnesen sich nicht durchsetzen. Aber kann man dafür KMK verantwortlich machen? Es wurde keiner gezwungen, das Geld anzunehmen und den Transfer abzusegnen.

Nach der Ausgliederung 2014 hat Kühne dem HSV Geld für notwendige Transfers zur Verfügung gestellt. Ein halbes Jahr später folgte die Umwandlung in Anteile. Gleichzeitig kaufte sich Kühne für 4 Jahre die Namensrechte am Stadion für 4 Mio Euro / Saison. Hier gab es Kritik, dass KMK den Wert des HSV solange herunter beschworen hätte, bis der HSV weichgekloppt war. Ernsthaft? Sorry, aber das halte ich für an den Haaren herbeigezogen. KMK hat immer für weitere Investoren geworben. Dazu gehört es, dass der Wert dementsprechend attraktiv für Anleger ausgegeben wird. Eine Überbewertung hätte eine noch höhere abschreckende Wirkung erzielt. Selbst bei der angeblich zu niedrigen Bewertung hat der HSV es bis jetzt nicht geschafft, weitere größere Anteilseigner zu gewinnen. Ausserdem darf man bei einer Überwertung steuerliche Auswirkungen nicht ausser acht lassen.

In den Folgejahren musste KMK immer wieder für Darlehen herhalten (u.a. 25 Mio Darlehen für die Ablösung des Stadionkredites) oder auch um die Lizenz zu retten oder auch eine mögliche Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Von den Darlehen wurden insgesamt weitere 25,1 Mio in Anteile umgewandelt. Die 25 Mio für den Stadionkredit wurden nach 1 Jahr durch die Neuauflage der Anleihe (40 Mio) zurückgezahlt. Bei der Anleihe hat KMK NICHT investiert.

Insgesamt kommt man nach der Ausgliederung auf 43,80 Mio für Anteile, 16 Mio für den Stadionnamen. Weitere 25 Mio für das genannte Darlehen. Dieses entsprechen 84,80 Mio. Damit „verdient“ KMK lediglich für kurzfristige Zinsen. Wenn man hier einen Zinssatz von 5 % ansetzt werden es ca. 2 Mio an Zinsen sein. Über 3 Jahre verteilt entspricht dieses eine Gesamtrendite von 2,35% ! Auf 3 Jahre!!! Weitere Einnahmen sind die kommenden Jahre so gut wie ausgeschlossen. Gewinne wird die AG wohl kurzfristig nicht erzielen können.

Weiterhin hat KMK dann noch im letzten Jahr mit dem HSV ein Vereinbarung über mehrere Jahre getroffen, um Geld für Ablösesummen zur Verfügung zu stellen. Die Rückzahlung ist an den sportlichen Erfolg in den kommenden 6 Jahren geknüpft. (3x erreichen des europäischen Wettbewerbes. 1 Saison ist bereits beendet.) Hierfür werden lediglich marktübliche Zinsen fällig werden. Wenn man hier mit 3-5% kalkuliert wären dass bei jetzt insgesamt ca. 50 Mio 1,5-2,5 Mio / Jahr an Zinsen, die KMK erhält. Jeder kann jetzt für sich entscheiden, on KMK ein Investor ist, der mit dem HSV Geld verdienen möchte/will, oder eben ein (positiv) verrückter HSV Fan mit „zu viel Geld“.

Es werden auch Vorwürfe laut, dass der Kader zu teuer ist. Ja, aufgrund der Leistungen der vergangenen Jahre sind die Kaderkosten deutlich zu hoch. Er soll, so hat es Heribert Bruchhagen vor ein paar Tagen bestätigt, auf 48 Mio Euro heruntergefahren werden. Und das ist auch gut so! Dieses Vorhaben begrüße ich absolut. Die Kaderkosten müssen im Einklang mit dem Ertrag (Bundesligaplatzierungen) stehen. Kühne hat immer gesagt, der HSV müsse für die Gehälter selbst aufkommen. Damit hat er absolut recht. Dieses ist ein MUSS. Durch die Neuverpflichtungen in der aktuellen Saison geht der HSV natürlich ein Risiko ein, dieses Ziel erneut zu verfehlen. Aber das Risiko halte ich für absolut überschaubar. Die Verträge der „Hochverdiener“ laufen in 2018 und 2019 aus. (Holtby, Lasogga, Hunt, Ekdal) Dieses wird zwangsweise zu einer Etatentlastung führen. Die jetzigen Neuzugänge werden natürlich auch gutes Geld verdienen, liegen aber nicht in der oberen Gehaltsklasse. Ausgenommen wahrscheinlich Papadopoulos. Wobei ich hier auch denke, dass der Vertrag leistungsbezogen sein wird und er seine kolportierten 3 Mio nur bei dementsprechenden Einsatzzeiten erhält. Aber das ist nur eine Vermutung aufgrund der Ablösemodalitäten mit Bayer Leverkusen.

Welche „Baustellen“ ich in dem Kader sehe, habe ich vor einigen Wochen bereits aufgeschrieben. Von daher sehe ich noch Bedarf auf der IV und auf LV. Andere Neuzugänge sicher nur, wenn Personal abgegeben wird.

Mein Fazit zu Klaus Michael Kühne:

Ich bin sehr froh und dankbar, dass er dem HSV finanziell zur Seite steht. Diese Berichte, dass KMK Druck auf den HSV und den Aufsichtsrat ausgeübt hat und ihn womöglich noch erpresst habe, halte ich für reine Spekulation und teile diese Auffassung absolut NICHT.

Im Moment ist die Abhängigkeit aber absolut zutreffend. Das kann man nicht von der Hand weisen. Und in meinen Augen  ist die Annahme der Unterstützung auch notwendig. Der Anspruch des HSv ist es, dauerhaft unter den ersten 15 Mannschaften der Bundesliga zu stehen. Ohne Verstärkungen sehe ich nicht, dass die Mannschaft wettbewerbsfähig für genau dieses Ziel gewesen wäre. Aktuell sind sie auf einem guten Weg. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Für die Zukunft, die gerne schnell erfolgen darf, erhoffe ich auf Transferphasen OHNE Kredite / Darlehen von außen. Spieler wie Wood, Pollersbeck, Jung, Kostic usw. sollten und werden den HSV sicher als Sprungbrett sehen, um sich für andere Vereine zu empfehlen. Mit dementsprechenden Ablösesummen kann eine Unabhängigkeit erfolgen. Vielleicht ja schon schneller als erwartet. Persönlich rechne ich noch mit 2-3 weiteren schwierigen Jahren. Danach müssen wir aber spätestens in der Lage sein um Danke zu sagen. Danke Klaus Michael Kühne für die Unterstützung. Danke dass Sie uns aus der finanziellen Not herausgeholt haben.

Dafür benötigt es besonnene Entscheidungen in der Führungsregie des HSV. Insbesondere beim Vorstandsvorsitzenden und dem Finanzchef. Weiterhin benötigen wir auch ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Neuzugänge und natürlich auch ein wenig Glück in der Liga.

Nur der HSV

Ja, nein, vielleicht… #HSVM05 #Abstiegsk(r)ampf

Das mit dem Blog schreiben ist ja so ne Sache. Eigentlich weißt du schon von vorn herein, dass du mit deiner Sichtweise über bestimmte Dinge nie alle begeisterst. Das ist, wie mit dem berühmten Glas, das für einige halb voll, für die anderen 50 Prozent dann eben eher halb leer ist.
So sieht nach jedem HSV-Spiel auch die Internetgemeinde aus. Die einen legen schon den Zweitligagrabstein an, während sich andere in netten Rechenspielchen ergehen um die Hoffnung aufrecht zu erhalten. Die dritte Fraktion ist fest davon überzeugt, dass der HSV gar nicht absteigen kann. Weil… ja, weil es eben der HSV ist.

Ehrlich? Einen anderen Grund sehe ich inzwischen auch nicht mehr.
Ich konnte nicht, wie unser wackerer Sportdirektor, eine Steigerung im Spiel sehen, die Hoffnung macht. Es sei denn er meinte die Tatsache, dass das Spiel der Hanseaten nicht gar so steif rüberkam, wie noch in den vergangenen beiden Wochen. Aber das war ja so schwer nicht, da etwas besser auszusehen. Man ging auch den Gegner schon mal an und versuchte, ihm das Spielgerät abzunehmen.
Allerdings dachte ich bisher, das wäre eh der Sinn der Sache. Nämlich samt Ball auf das Tor des Gegners zulaufen, um das ein oder andere Mal einzunetzen.

Erschreckend für mich, wie es auch am 32. Spieltag noch immer nicht möglich ist, von hinten ein Spiel aufzubauen. Mathenia blieb meist nichts anderes über, als den Ball weit in die gegnerische Hälfte zu bolzen, um dort vielleicht einen eigenen Mann zu treffen. Was selten gelang.
So gut wie immer überspielte man das Mittelfeld, da auch dort so gut wie keine Pässe gelangen, die zielführend hätten sein können! Die gezählten vier (4!) Torschüsse versickerten im Nirwana oder in den Armen des gegnerischen Torwarts!
Unsere Defensive wirkte nervös und agierte dementsprechend. Leider reihte sich auch Papadopoulus in die bittere Aufrechnung von gespielten Fehlpässen ein. 78% seiner Pässe landeten beim Gegner… sein Partner in der Innenverteidigung versuchte es mit übertriebener Härte (oder war es Frust?) und handelte sich damit die 5. Gelbe Karte ein.

Wie gut, dass wir kein Torwartproblem haben. Mathenia rettete mehr als den einen Punkt, der für Hamburg, rechnerisch (ein kleiner Gruß an die Mathefraktion 😉), doch nochmal die Welt bedeuten könnte. So denn die anderen Mannschaften mitspielen…

Auf der Suche nach Ausreden werden die Zuständigen immer kreativer. Gestern plötzlich zauberte Markus Gisdol die bösen Sonntagsspiele aus dem Hut, da müsse man ja schließlich immer nachlegen, während die anderen vorgelegt hätten. Ernsthaft, Herr Gisdol, ich halte (noch immer) ne Menge von Ihnen. Geben Sie doch einfach zu, dass die Mannschaft momentan nicht in der Lage ist, besseren Fußball zu zeigen! Sagen Sie doch einfach, dass man mit dem Punkt högschd zufrieden sein muss und es im Zusammenspiel noch immer mächtig harkt. Denn das haben sowieso alle gesehen.

Ja, mag sein, dass der Kopf ne große Rolle spielt. Niemand möchte in der Liste auftauchen, die in den Geschichtsbüchern den ersten Abstieg des Bundesliga-Dinos markiert. Ob man das mit Angsthasenfussball verhindert, lassen wir jetzt jetzt mal dahingestellt. Ich für meinen Teil kann mir nicht vorstellen, dass man auf Schalke oder gegen Wolfsburg, damit einen Sieg einfahren kann!

Es wird also spannend bleiben bis zum Schluss. Mit der Hoffnung, dass da vielleicht doch noch der ein oder andere in der Lage ist, das zu tun, was der Vorstandsvorsitzende in dieser Woche eingefordert hatte: als Profi auf dem Platz Leistung ein- und den Kopf auszuschalten! Denn der dritten der oben erwähnten Fraktionen muss ich jetzt leider mitteilen, dass es durchaus nicht reicht, einfach nur HSV zu heißen, um nicht abzusteigen!

Eines muss zur Ehrenrettung doch noch erwähnt werden: das Spiel hätte auch 1:0 ausgehen können (oder besser MÜSSEN). In der 73. Minute war es eindeutig Donatis Hand, die den Ball im Strafraum abwehrte. Und wäre Hamburg nicht Hamburg, man hätte den Elfer wohl gepfiffen. Aber auch der müsste unter Druck erstmal verwandelt werden…

Ich für meinen Teil merke, dass ich in diesem Jahr nicht weiß, wie ich die in mir wogenden Gefühle beschreiben soll. Sie schwanken von völlig leer, bis „kann und darf nicht sein“. Ich bin also von jeder Fraktion ein bisschen.
Zwischen der Angst, Teil der Fans zu werden, die den ersten Abstieg des Bundesliga-Dinos miterleben, das nervenaufreibendste aller Relegationsspiele verfolgen zu müssen oder zu sehen, wie man dem Schicksal noch einmal von der Schippe hüpft.
Sollte es zu Letzterem reichen, hoffe ich, einen Umbruch zu erleben, der seinen Namen endlich auch mal verdient. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg!
(mg)

Wissen, wo man herkommt… #HSVD98

So sieht es aus, in der Bundesliga 2016/17:

Bayern München

Leipzig, Dortmund, Hoffenheim

Hertha, Bremen, Köln, Frankfurt, Freiburg

Die 9 restlichen Mannschaften spielen gegen den Abstieg.

Darunter auch der HSV. Wir erinnern uns alle nochmal an die Hinserie.
Nach 10 Spieltagen: 2 Punkte 4-23 Tore , Tabellenplatz 18.
Noch nie hat es in der Bundesligageschichte eine Mannschaft geschafft, sich mit dieser Ausgangslage zu retten und die Klasse zu halten.

Jetzt, 20 Spieltage später, stehen wir mit 33 Punkten auf Platz 15. 1 Punkt vor Platz 16!!!
Von den 20 Spielen wurden sieben verloren. In der Hinserie waren es acht von zehn.

Gisdol hat die Mannschaft nach dem 5. Spieltag übernommen und brauchte auch acht Spiele um den ersten Sieg in dieser Saison einzufahren!
2-0 in Darmstadt. Zwei weitere Erfolge gab es noch bis zur Winterpause.

Zur Erinnerung: Die Stützen der Rückrunde sind Papadopoulos und Mavraj in der Innenverteidigung. Beide wurden erst im Winter verpflichtet.

Gisdol und sein Trainerteam haben es geschafft, die Mannschaft dorthin zu bringen, wo sie jetzt steht. Das alles ist unter großem Einsatz aller erfolgt.
Man fördert das ständige Pressen, bei dem jeder in der Mannschaft gefordert ist.
Sobald auch nur ein, zwei Spieler ausfallen, durch Verletzung und/oder durch eine schlechte Tagesform, leidet das Spiel.
Die Mannschaft ist an sich gefestigt und jeder kämpft für jeden. Das sieht man Woche für Woche. Aber kleine Nuancen können das Spiel beeinflussen…

Wir dürfen nie vergessen, dass die Mannschaft aus Menschen besteht. Das konnte man ganz besonders beim Nordderby erkennen.
Die Farbbeutel, Flaschen und wohl auch Steine, die vor dem Spiel auf den Bus geworfen wurden, hat die Psyche der Mannschaft belastet.
Gisdol hat es ganz gut beschrieben. Farbbeutel waren ja „noch nicht so schlimm. Das klatscht einmal und dann ist gut“. Aber Bierflaschen und Steine? Da sind alle im Bus ganz schön zusammengezuckt.
Wenige Tage nach dem Anschlag auf den Bus des BVB ist die Angst und die Anspannung sowieso um einiges höher gewesen. Irgendwo habe ich in einem Kommentar oder Blogbeitrag gelesen, dass schon die körperliche Anspannung beim Aufwärmen nicht vorhanden war. Und im Spiel konnte man es dann auch sehen. Da nützt es auch nichts, dass der Großteil der Fans beider Lager diesen Vorfall verurteilt haben.

Und gegen Darmstadt? Du konzentrierst Dich die ganze Woche auf das Spiel. Bist fokussiert. Brennst darauf, dass Spiel zu gewinnen. Wie in den vergangenen Wochen auch, ist die Marschroute klar, von Beginn an Dampf zu machen. Möglichst schnell ein Tor vorzulegen.
Plötzlich wird im EIGENEN FANBLOCK Pyro gezündet, das ganze Stadion ist voll Rauch, so dass sogar das Spiel unterbrochen werden muss!
Zack. Konzentration erst mal dahin und alles, was Du Dir vorgenommen hast natürlich auch.

Warum ich das schreibe? Weil ich gerade nach Spieltagen durchdrehen könnte, wenn ich einige Kommentare lese. Haben denn alle vergessen, wo wir herkommen? Ja, es wurde in den vergangenen Jahren über hundert Million in die Mannschaft investiert. Das Ergebnis ist nicht das, was wir alle erhofft haben. Aber dafür können die Spieler am wenigsten für. Es wurden so viele Fehler gemacht. Fast in jeder Transferphase. Aber das ist wiederum ein anderes Thema.

Ich wollte nur noch mal darauf hinweisen, wo wir herkommen!

Zusammen werden wir es auch in diesem Jahr schaffen und die Klasse halten. Danach müssen wir einfach darauf hoffen, dass jetzt die einzelnen Mannschaftsteile sinnvoll ergänzt und erweitert werden und die Mannschaft punktuell verstärkt wird, Dann kann in der folgenden Saison der nächste kleine Schritt erfolgen und wir können von Anfang an um Platz acht bis zehn mitspielen. Aber nicht jetzt.
Nur der HSV

PS: Zum Spiel gegen Darmstadt: es war eine schlechte Leistung der Mannschaft. Hinzu kamen eine Menge Fehlentscheidungen des Schiedsrichters.
Am Sonntag geht es in Augsburg wieder um Punkte. Und drei Niederlagen in Folge? Nein!
(CM)

Mit Fehlpässen zum Erfolg #HSVD98 Vorschau

Daß ich mich kurz vor einem Spiel melde um etwas über Taktik zu schreiben ist wahrlich nicht die Regel und wird es auch nicht werden. Aber ich bin gespannt, was Gisdol sich für morgen ausdenken wird. Wie werden wir die Lilien knacken?

Die Ausgangslage ist bekannt: Darmstadt hat in dieser Saison noch keinen Punkt auswärts geholt, der HSV hat seit November letzten Jahres kein Ligaspiel im Volkspark verloren. Der HSV ist der eindeutige Favorit.

Allerdings muß man den Lilien zugestehen, sie haben sich entwickelt. Der Lutscher leistet gute Arbeit, das muß ich zugeben. Zu Anfang der Saison war noch hinten reinstellen und dann hoch und weit nach vorn die Taktik. Das hat sich geändert. Inzwischen spielt man am Böllernfalltor Fußball und auch zunehmend auswärts. Damit hätte man auch schon fast ein paarmal gepunktet. Letzte Woche hat man sogar die Schalker geschlagen. Sie kommen, auch wenn es tabellarisch nicht so aussieht, mit Rückenwind nach Hamburg. Und sie haben nichts zu verlieren, sie spielen vollkommen ohne Druck.

Nichts desto trotz fehlt ihnen die Qualität, um das Spiel spielerisch zu beherrschen, also werden wir sie wahrscheinlich hinten reindrängen können. Und was dann? Das Spiel machen ist nicht so unser Ding, wir lieben das Gegenpressing, früh auf den Gegner gehen, ihn zu Fehlern zu zwingen, den Ball erobern und ab Richtung Tor.

Nun könnte man denken: Ok, das wird nichts, wenn sich Darmstadt hinten reinstellt.
Nun ist es so, wenn wir auf Sicherheit spielen, dann wird das nichts werden, dann spielen wir wie beim Handball um den 16er rum und kommen nie vors Tor. Ein erfolgreicher Konter und wir liegen hinten.
Aber auch dagegen gibt es ein Mittel, den gezielten Fehlpass. Ok, das ist jetzt etwas extrem, aber das kann durchaus ein Mittel sein. Man passt den Ball absichtlich zum Gegenspieler, setzt ihn dann so unter Druck, daß er den Ball verliert und man selbst den Ball bekommt und ist dann im 16er in gefährlicher Position, um abzuschließen. Damit könnten wir unsere Stärken ausspielen, obwohl Darmstadt sich hinten reinstellt. Gisdol hat schonmal angedeutet, daß man eine defensiv stehende Mannschaft so knacken könnte. Wer weiß, vielleicht wird das unsere Taktik für morgen?

Ich vermute eher, daß wir das nicht so konsequent spielen werden, wie die Theorie das aussagt. Aber ich denke, wir werden unsere Pässe mit hohem Risiko in den 16er passen. Entweder er kommt an, oder aber,wir können das tun, was wir können, sofort den Ballführenden angreifen, ihm den Ball abluchsen und so eine Torchance kreieren.

Vor allem aber beinhaltet das eines: Wir sollten als Fans nicht nervös werden, wenn es vorne in der Spitze viele Fehlpässe geben sollte. Sie könnten gewollt, bzw billigend in Kauf genommen, sein. Fehler sind unter Gisdol erlaubt.
Ich persönlich finde diese Taktik spannend und bin gespannt, ob Gisdol sich an diese taktische Finesse erinnert hat, als er den Matchplan für das Spiel gegen die Lilien konzipiert hat.
Nur der HSV (fb)

Ein Debüt, zwei Gegentore und drei Punkte weg #SVWHSV #Nordderby

Käpt’n Klartext Sakai: „So holen wir keinen Punkt! Jeder muss bereit sein, heute waren wir es nicht. Bremen hat verdient gewonnen. Wir hatten die gesamte Partie keinen Zugriff. Wir waren ganz schlecht, müssen alle mehr Verantwortung auf dem Platz übernehmen“

Markus Gisdol: „Bei uns hat es heute nicht zu 100% gepasst und eine durchschnittliche Leistung reicht hier nicht für einen Punkt. Die Situation ist für uns unverändert. Es wird bis zum letzten Spieltag alles ganz eng. Wir bleiben voll auf Spannung“
Warum ich immer das Gefühl habe, meine Eindrücke mit Zitaten von HSV -Spielern (oder Trainern) untermauern zu müssen?
Ehrlich?
Ich weiß es selber nicht!
Aber vielleicht ist es dieses unausweichliche „Mund abputzen und weiter“ oder „Krone richten und weiter“, das man gerne mal von vielen Seiten um die Ohren gehauen bekommt wenn man es wagt, kritisch zu sein.
Fakt ist: ja, es ist noch nicht alles verloren.
Fakt ist aber auch: jetzt ist ein Sieg gegen Darmstadt Pflicht und man hätte, mit einem, ja, gar mit 3 Punkten aus dem Derby gegen Bremen, wesentlich entspannter in die nächste Buli-Partie gehen können!
Nur noch ein Punkt trennt den HSV von dem ihm so bekannten Relegationsplatz. Und Darmstadt verkauft sich wahrlich nicht billig in der Endphase dieser Saison. Somit ist ein Sieg so selbstverständlich nicht!
Dabei fing alles so gut an. Bereits nach sechs Minuten durften die mitgereisten Hamburger jubeln. Michael Gregoritsch netzte, nach einem Sahnepass von Hunt, der bei seinem ehemaligen Arbeitgeber mit Pfiffen begrüßt wurde, per Kopf ein. Na gut, nach etwa 30 Sekunden hätte es auch genauso gut schon 1:0 für Bremen stehen können, als Max Kruse (gebürtiger Reinbeker), zum ersten Mal an dem Tag den Ersatz für den verletzten Adler, Mathenia, prüfte.
Eine hektische Halbzeit weiter, in der insbesondere Werder immer wieder gefährlich vor dem Gästetor auftauchte, kam in der 41. Minute das, was kommen musste: Kruse glich aus. Mit 1:1 gingen die Mannschaften in die Kabinen.
Und wer als Hamburger Fan ehrlich ist muss zugeben, dass diese 45 Minuten nicht unbedingt zur Beruhigung und Hoffnung auf drei Auswärtspunkte beigetragen hatten.
Irgendwie bekam man nicht so wirklich Zugriff auf das Spiel, verlegte sich eher aufs Stören, als aufs Kontern. Die Torabschlüsse waren unausgegoren, so man denn doch mal durch die Werderaner Abwehr kam. Einer der Besten auf dem Platz war für mich wahrlich Aaron Hunt. Der aber blieb mit seinen Bemühungen, den Ball in den eigenen Reihen nach vorne zu bringen, leider zu oft am Gegner hängen. Viel zu selten konnte man den Ball über mehr als zwei Stationen behaupten. Die Bremer wirkten gefestigter und griffiger.
Im Gegenzug war es eine Frage der Zeit, bis der quirlige Kruse, der ständig auf ein zweites Tor drängte, erfolgreich werden würde. War er es schließlich nicht selber, so sorgte er doch mit einer schönen Vorlage, in der 75. Minute, auf den gerade erst eingewechselten Florian Kainz für das letztlich entscheidende 2:1.
Weder die Hamburger Abwehr, noch Mathenia, machten dabei eine gute Figur.
Fazit: festzuhalten bleibt, dass man bei den Rothosen die zahlreichen Ausfälle dann doch irgendwann nicht mehr auffangen konnten. Insbesondere Papadopoulos wurde in der Abwehrzentrale schmerzlich vermisst. Und auch Kostic, sowie sein Gegenüber, Gregoritsch, überzeugten nicht wirklich. In der Mitte fehlte Wood. Lasogga, dem Gisdol in der 63. Minute mal wieder eine Chance gab blieb farblos, und auch Waldschmidt, der in der 83. Minute für den ausgepowerten Holtby kam, konnte keinerlei Ausrufezeichen hinter seinen Namen setzen.
Ein Lichtblick: die Einwechselung von Bakery Jatta. Der aus Gambia stammende 18Jährige feierte sein Bundesligadebüt für den HSV. Und fast, ja fast wäre es eine noch größeres Erfolgsgeschichte geworden. Leider stand Flankengeber Holtby für den Linienrichter im Abseits, bevor Jatta den Ball zum 2:2 ins Netz versenkte.
In dem Zusammenhang Hut ab vor Markus Gisdol, der mit seinen Auswechselungen durchaus Mut bewiesen hat. Allerdings brachten selbst drei Stürmer auf dem Platz letztendlich nicht den gewünschten Erfolg.

War noch was? Ach ja. Ein paar Bremer Vollpfosten die meinten, den HSV-Bus, im Vorfeld des Derbys, mit Farbbeuteln, Flaschen und sogar Steinen bewerfen zu müssen. Super Idee! Vor allem nach den Ereignissen der vergangenen Woche!
Gisdol über die Busattacke: „Ich finde es nach den aktuellen Vorkommnissen sehr unsensibel, man ist schon sehr angespannt. Dies ist aber keine Ausrede für unsere heutige Leistung.“
Auch dafür gebührt dem Trainer von meiner Seite ein „Hut ab“.

P. S. Einen dicken Pluspunkt darf sich, wohl nicht nur bei mir, auch Kapitän Sakai abholen, der sich auf seiner Instagram-Seite direkt an die Fans wendete und vollen Einsatz der gesamten Mannschaft, im laufenden Abstiegskampf versprach. Danke Gotoku! Genau das wollen wir hören. Und am nächsten Samstag natürlich auch sehen!
(mg)

Bayernsieger-Besieger! Der doppelte Hunt #HSVTSG

Seit neun Partien im Volkspark ungeschlagen, eine Mannschaft, die ein Team geworden ist und der Glaube daran, dass man gerade gegen die starken Hoffenheimer was reißen kann, weil kaum jemand im Vorwege daran glauben wollte. All das hat wohl mit dazu beigetragen, dass trotz der zahlreichen, wegen Verletzungen, nötig gewordenen Umstellungen, von Anfang an ein außergewöhnlicher Siegeswille in Hamburg spürbar war.
Was ich gesehen habe? Ich habe eines der besten Spiele des HSV in dieser Saison gesehen. Ein Spiel, bei dem von Anfang an klar war, wer den größeren Willen mit auf den Rasen getragen hatte.
Auch, wenn uns mein „Lieblingsmoderator“ von Sky, Herr von Thurn & Taxis klarmachen wollte, dass die Kraichgauer noch müde vom Bayernspiel wären (was natürlich Quatsch ist, wir hatten nämlich auch Englische Woche, Herr T&T!), mir kam es eher so vor, als würden uns die Hoffenheimer, nach dem Sieg gegen den Tabellenführer, nicht ganz so ernst nehmen. Vielleicht trug aber auch die Tatsache, dass es den Hanseaten seit Oktober 2015 nicht mehr gelang, in diesem Duell als Sieger vom Platz zu gehen, seinen Teil zu dieser laxen Leistung bei.
17 Punkte aus den letzten sieben Spielen, gestern war Schluss mit dem Höhenflug des CL-Anwärters, unter Trainer Nagelsmann, dank eines gut aufgelegten Aaron Hunt und eines risikobereiten Papadopoulus, der aus seiner Verletzungspause heraus, wieder das Zepter in der Abwehr übernahm.
Dumm, dass gerade er sich in der 68. Minute seine 5. Gelbe Karte abholte und damit im Derby gegen Bremen, am kommenden Sonntag, fehlen wird!
Nach einer hektischen Anfangsphase, in der der Ball schnell hin und her lief, gab es in der 23. Minute einen Freistoß für Hamburg. 20 Meter lagen zwischen dem Schützen, Aaron Hunt, und dem gegnerischen Tor.
Die Mauer versperrte Oliver Baumann die Sicht, Hunt netzte mit einem Superschuss direkt in die Torwartecke ein.
1:0! Hamburg lag sich jubelnd in den Armen.
Leider nicht lange. Denn bereits zehn Minuten später foulte Ostrzolek Ermin Bicakcic unglücklich im Sechzehner. Mal wieder ein Elfmeter IN Hamburg aber nicht FÜR Hamburg.
Zwei Minuten später steht es 1:1.
Nach der Halbzeitpause drehen die Hoffenheimer ein wenig mehr auf. Da gab es wohl Ansage in der Kabine. Glück für die Hamburger, dass der Schiri den Treffer von Wagner, in der 49. Minute, wegen Stürmerfouls wegpfiff. Das Spiel wurde hektischer. Kleine und auch größere Foulszenen ließen selten einen längeren Spielfluss zu.
Dass der HSV aber noch immer überlegener spielte beweist auch, dass die erste Ecke für Hoffenheim erst in der 66. Minute ausgeführt wurde. In der 75. Minute war Bobby Wood selbstlos und schlenzte den Ball, kurz vor dem gegnerischen Tor zum sich freigelaufenen Hunt rüber, der unbedrängt zur erneuten Führung einnetzte.
Es folgten noch ein, zwei gefährliche, aber Gott sei Dank, ergebnislose Angriffe der Hoffenheimer und vier (!) Minuten Zittern in der Nachspielzeit, dann war es gelungen: der Hamburger SV schlägt Hoffenheim mit 2:1 und sichert sich, zumindest bis zur nächsten Woche, Platz 13.

Mal wieder sorgte in der hanseatischen Fußballwelt ein schon so gut wie aussortierter Spieler für wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg. Wir erinnern uns an die von den jeweiligen Trainern ungeliebten Spieler wie Mancienne, Rajkovic, Ilicevic oder auch einen Kacar, die wesentlich dazu beitrugen, den Buli- Dino 2014 und 15 im Fußball-Oberhaus zu halten. Aaron Hunt hätte im Winter gehen können, Gisdol plante bereits ohne ihn. Durch Verletzungen in der aktuellen Stammelf (insbesondere Müller), rutschte er bereits in den letzten Spielen immer wieder in den Kader, jetzt sogar in die Startelf. Dort unterstrich er gerade gestern seine zuletzt gezeigten guten Leistungen.
Mal wieder hat die Wundertüte HSV zugeschlagen und gepunktet, wo sie für viele eigentlich chancenlos war.
Man will ihnen zurufen: macht es noch einmal, Jungs! Schenkt uns am kommenden Sonntag den Sieg im Derby gegen Bremen! Das würde sooo gut tun und weiterer Balsam sein, auf den geschundenen HSV-Seelen!
Damit erkläre ich die Derbywoche für eröffnet…
(mg)

5:1 für Adler – #HSV verliert in #Dortmund #BVBHSV

Hätte, wäre, würde, wenn…

Damit füllen sich heute die Internetseiten.
Und natürlich geht es dabei um das gestrige Spiel gegen Dortmund.

3:0 verliert eine ambitionierte Hamburger Mannschaft gegen aggressiv aufspielende Dortmunder.
Und damit wären wir beim ersten „HÄTTE“. Denn hätte Bobby Wood eine seiner drei 100%igen, in der 1. Halbzeit reingemacht, „WÄRE“ das Spiel vielleicht anders gelaufen.
Ist es aber nicht!

Denn gerade die ersten 45 Minuten waren geprägt von Fehlpässen und einer meist unglücklichen Offensive, da Pässe aus dem eigenen 16er sehr oft vorne niemanden als Anspielstation fanden.
Hier fehlte eindeutig Holtby, der gestern wesentlich defensiver spielte, spielen musste, als sonst. Somit landeten diese für ihn gedachten Bälle beim Gegner, die wiederum einen Konter einleiten konnten.
Mit Mann und Maus war man damit ausgelastet, die Dortmunder Offensive, angeführt von einem gierigen Aubameyang, vom Hamburger Tor wegzuhalten.
Selbst der schnelle Diekmeier hatte so seine Probleme, gegen einen noch schnelleren Emre Mor, der ihm das ein oder andere Mal einfach so entwischte.
Der traf dann zwar nicht zum 1:0. Und auch dem Maskenmännchen Auba gelang es nicht. Das übernahm Castro, in der 11. Minute, nach einem Foul von Ekdal, das dem die Gelbe Karte und seinem Team, nach einem direkten Freistoß, den Rückstand einbrachte.

Und während sich René Adler bei diesem ersten Treffer der Dortmunder durchaus einen Teil der Schuld zusprechen durfte, hielt er anschließend sein Team mit vier, fünf exzellenten Paraden im Spiel.
In der zweiten Halbzeit wurden auch die Hamburger agiler. Ein ums andere Mal tauchten sie vor dem Netz der Gegner auf. Es fehlte aber am letzten Quentchen Kreativität und auch Glück. Selbst Standards verpufften im Nichts.
Bis zur 81. Minute wäre ein Unentschieden durchaus im Bereich des Möglichen gewesen.
Dann jedoch machte Kagawa das 2:0 und damit den berüchtigten „Sack zu“.
Doppeltes Pech für unsere Jungs, denn bei der vorherigen Abwehraktion verletzte sich Albin Ekdal und musste ausgewechselt werden.
Auch er wird der Mannschaft in den nächsten Spielen wohl fehlen….

Aubameyang setzte das Tüpfelchen auf das i. In der Nachspielzeit netzte er zum 3:0. Noch einmal doppeltes (oder ist das bereits dreifaches?) Pech für den HSV, denn bei seiner versuchten Abwehraktion verletzte sich zu guter Letzt auch noch Adler.
Und zwar so schwer, dass er anschließend ins Krankenhaus musste.
Dort diagnostizierte man zwar „nur“ eine Prellung des Brustkorbes, der Schlussmann, der Hamburg eine höhere Niederlage gegen Dortmund erspart hatte, fällt trotzdem ebenfalls in den kommenden Partien aus.

Die Personaldecke wird immer dünner. Bleibt zu hoffen, dass Papadopolous bis zum Heimspiel gegen Hoffenheim, am kommenden Samstag, wieder fit wird und im BuLi-Endspurt nicht noch weitere Ausfälle zu beklagen sind. Denn auch Müller wurde gestern bereits schmerzlich vermisst.

Punkte gegen Dortmund haben wohl die wenigsten erwartet. Trotzdem ist es schade, dass die Abschlussschwäche der Jungs den einen möglichen Punkt verhindert hat.

Hätte, wäre, wenn… der Fußballgott mag es spannend. Wollen wir hoffen, dass Markus Gisdol es schafft, die verbliebenen Spieler gegen Hoffenheim so zu motivieren, dass wenigstens im eigenen Stadion ein Pünktchen hängenbleibt. Das wird schwer genug!
(mg)

Der Volkspark wird zur Festung: Duracel-Häschen trifft zum Sieg

Seine Daten sind beeindruckend. Im 300. Spiel seiner Profikarriere lief Lewis Holtby, gegen die Kölner gestern, mal wieder fast 13 Kilometer. Nichts Neues für den 26Jährigen, denn in der Statistik der Lauffleißigsten steht er eigentlich regelmäßig vorne. Und doch lagen, laut eines Fachmagazines, zwischen seinem letzten und dem jüngsten Treffer geschlagene 2172 torlose Minuten.

Angesichts seines gewohnt emotionalen Einsatzes muss ich zugeben, habe ich mich ganz besonders gefreut, dass er es war, der in Hamburg, in der 2. Minute der Nachspielzeit, den erlösenden Siegestaumel auslöste.
Zum Dank durfte er anschließend ein wahres Bad in der Fankurve nehmen, das er sichtlich genoss.
Interne Quellen wollen wissen, dass Lewis sich ganz speziell auf dieses wichtige Spiel gegen die Elf von Peter Stöger vorbereitet hatte. Auf dem Junggesellenabschied von René Adler, der in der Länderspielpause nachgeholt wurde, soll er stimmungsvoll kölsche Karnevalslieder zum Besten gegeben haben.
Sollte das wirklich hilfreich gewesen sein, besorge man ihm am besten ganz schnell die CD mit den Vereinsgesängen von Borussia Dortmund 😉

Zurück zum Spiel, das in den ersten 45 Minuten gar nicht mal so schlecht aussah. Bis auf zwei, drei (dann aber brandgefährliche) Szenen, in denen die Abwehr zu langsam und löchrig aussah, gelang es den Rothosen gut, besonders den Kölner Top-Torjäger Antony Modeste komplett aus dem Spiel zu nehmen.
Da die Passquote, mit 63% nicht berauschend aussah, war jedoch von wirklichem Spielfluss oft nicht genug zu sehen. Zu viele Bälle landeten nicht da, wo sie hin sollten. Und so kam es für die meisten doch zumindest überraschend, dass Nicolai Müller, bereits in der 13. Minute, einen Querpass von Bobby Wood, zum 1:0 vollendete. Gerechterweise muss man allerdings hinzufügen, dass die Passquote der Kölner noch einen Ticken schlechter war.

Für die Statistiker unter euch: Der Führungstreffer am gestrigen Samstag war der 2900te Treffer in der Bundesliga-Geschichte des Dinos.
Den Wermutstropfen der Partie gleich vorweg: Hamburgs Flügelflitzer musste in der 52. Minute vom Platz. Nach einem Zweikampf mit Marco Höger erwischte es das Müllerische Knie. Das sah gar nicht gut aus… Erneut ein Ausfall, der dem HSV im weiterlaufenden Kampf um den Klassenerhalt länger fehlen wird. Von sechs Wochen ist zurzeit zu lesen. Ein Riss im Innenband bedeutet für Müller wohl das Ende der Saison. Wir wünschen von dieser Stelle aus mal von Herzen gute Besserung!

In der 25. Minute gab es einen weiteren erwähnten Sekundenschlaf der Hamburger Verteidigung. Völlig frei netzte Milos Jojic zum Ausgleich ein. Überhaupt bereiteten die Angriffe der Kölner insbesondere über die Seiten Probleme. Da waren Müller und Kostic für Diekmeier und Santos selten eine Hilfe, kamen teils zu spät zurück nach hinten. Die Konter der Kölner gingen aus diesem Grund pfeilschnell meist über rechts oder links. Wobei Diekmeier ansonsten ein gutes Spiel machte.
In der Mitte ordneten Walace und Jung (später gegen Ekdal ausgewechselt) ordentlich das defensive Mittelfeld. Leider sorgte auch von hier aus der ein oder andere Fehlpass für ein gequältes Aufseufzen der Fans.
Apropos Fans: ein dickes Lob an die Hamburger Fanszene an dieser Stelle muss einfach mal sein. Denn selbst nach dem 1:1 unterstützte man die Jungs mit Gesängen und aufmunterndem Szenenapplaus. Der 12. Mann ist in der Hansestadt mal wieder da, wo er sein sollte: an der Seite der Mannschaft. Und hier sorgt er auch in den Medien bereits immer wieder für Begeisterung und teilweise große Bewunderung. Gut so!

Während der 2. Halbzeit sah es lange Zeit nach einem für beide Seiten fairen Unentschieden aus.
Bis, ja bis Lewis Holtby kam und die so wichtigen 3 Punkte im Volksparkstadion verankerte. Mal wieder drehte die Mannschaft in den letzten 10 Minuten noch mal richtig auf. Einiges dieser Energie würde man sich manchmal etwas früher wünschen.

Der 13. Platz, auf dem der HSV übernachten durfte, ist allerdings trügerisch. Sollten Wolfsburg und Mainz heute ihre Spiele gewinnen, rutschen wir auf Platz 15 und mit Dortmund, Hoffenheim sowie dem Derby gegen Bremen, warten starke Gegner in den kommenden Spieltagen.
Gisdol sollte unbedingt noch einmal am Passspiel arbeiten…
Prognosen vermag man für die Partien kaum abzugeben. Wollen wir hoffen, dass ein paar Pünktchen hängenbleiben, um in diesem Jahr die Ehrenrunde zu verhindern.
(mg)

Der HSV und die Elfmeter. Freunde werden sie nicht mehr

Es gibt sie, die zweifelhaften Pfiffe, die zu Elfmetern führen und jeden zweiten Fan an den Rand der Verzweiflung bringen. Und es gibt diese Situationen, wo man gequält genau auf diesen Pfiff wartet, er jedoch ausbleibt.
Der HSV kann in dieser Saison ein Lied davon singen.
Da war beispielsweise der zweite Elfer, am 15. Oktober 2016, beim Spiel gegen Mönchengladbach. Santos hatte zart am gegnerischen Trikot gezupft, dem Schiri reichte das für ein Duell Stindl gegen Adler. Der Fußballgott war gerecht und auf der Hut, er lenkte Stindls Schuss gegen die Latte.
Im Pokal-Viertelfinale, erneut gegen die Gladbacher, sahen die Hanseaten den Schiri ebenfalls und dann auch noch gleich zweimal auf den Punkt zeigen. Wobei zumindest eine Entscheidung so fragwürdig war, dass sich darüber auch die Expertenrunden anschließend nicht einig waren.
Doch selbst wenn die Rothosen in den seltenen Genuss kamen, selber vom Punkt aus netzen zu dürfen, ging es gleich zweimal schief.
Djourou vergab auf Schalke und Hunt nagelte den Ball gegen Freiburg, in der 88. Minute ins Aus und vergab damit direkte zwei Punkte.
Wie viele Chancen man dem HSV bereits in der laufenden Saison, durch nicht erfolgte Pfiffe genommen hat, es lässt sich kaum zählen. Foul ist eben nicht gleich Foul. Und schon gar nicht beim HSV— mag man meinen.
Gestern war es wieder soweit. Nachdem Abraham Kostic formvollendet gelegt und nur damit noch vom Ball trennen konnte, folgte zwar ein Pfiff, ein angemessener Elfmeter wurde den Jungs jedoch verwehrt.
Selbst Marco Russ und Niko Kovac gaben, am Sky-Mikro anschließend zu, dass man das durchaus hätte als Elfer pfeifen können.

Nun sagt man ja, alle Ungerechtigkeiten gleichen sich im Laufe der Saison wieder aus. Das mag wohl so sein. Dabei wären die jetzt fehlenden zwei Punkte so wichtig gewesen und werden uns am Ende hoffentlich nicht fehlen (ja, ja, ich wiederhole mich, aber diese sch… Tordifferenz).
Allerdings kann man drüber streiten, ob ein Sieg am gestrigen Tag überhaupt gerechtfertigt gewesen wäre oder ob die Punkteteilung nicht durchaus in Ordnung geht. Denn nicht nur, dass auch die Frankfurter zwei, drei Hundertprozentige hatten (Danke, Adler!), das Spiel war wirklich keine Augenweide und erinnerte oft genug an Rasen-Rugby.
Von beiden Mannschaften.
Bei einer bescheidenen Passquote von unter 60% (auch von beiden Mannschaften!) kann sich jeder, auch wenn er das Spiel nicht gesehen hat, vorstellen, wie die 92 vorherigen Minuten ausgesehen haben mögen. Mit insgesamt nur 12 Torschüssen war diese Begegnung in der laufenden Saison die, mit den wenigsten direkten Versuchen, das Runde in das Eckige zu bekommen.
Ein wirklicher Spielfluss kam nur selten zustande. Spätestens nach dem 2.,3. Ball in eigener Reihe, sahen die Zuschauer viel zu oft ein Foul, das insbesondere von den Frankfurtern schauspielreif zelebriert wurde. Für mich hätte Schiri Cortus schon eher die ein oder andere Gelbe Karte ziehen dürfen, um ein bisschen mehr Ruhe ins Spiel zu bringen.

Dass es letztlich beim 0:0 blieb, verdanken wir in der Nachspielzeit dann noch einmal René Adler, der auch sichtlich froh war, mit diesem einen Punkt wieder nach Hamburg zurückfahren zu können.

Sollte ich heute einen Spieler besonders hervorheben, dann wäre das Gideon Jung. Er nutzte die Freiheiten, die der Schiri gewährte gnadenlos aus und räumte fast alles weg, was wegzuräumen war. Unterstützt wurde er von einem gut aufgelegten Papadopoulus, den man für seine immer wieder an den Tag gelegten Emotionen einfach lieb haben muss.
Ansonsten haben wir erneut ein Team gesehen, dass mit dem sprichwörtlichen Kampf der Verzweifelten versuchte, einer Niederlage zu entgehen um vielleicht doch noch mit der untenstehenden Konkurrenz, die allesamt gepunktet hatte, zumindest gleichzuziehen.
Es ist ihnen nicht gelungen. Nun müssen die Punkte zuhause von Kellerkind zu Kellerkind, geholt werden. Spannend wird somit speziell die Endphase der Saison, wo es am 29. Spieltag gegen Bremen und anschließend gegen Darmstadt, Augsburg und Mainz geht. Am letzten Spieltag erwartet uns dann noch Wolfsburg. Wollen wir hoffen, dass dann nicht immer noch gezittert werden muss.

Nun ist wieder Länderspielpause. Und so sehr ich diese Bundesliga-Pausen auch hasse, freue ich mich für Gideon Jung, der erstmalig in die U21 berufen wurde. Glückwunsch dazu! Und an alle anderen Nationalspieler: passt auf euch auf, kommt gesund wieder, Jungs, wir brauchen euch!
(mg)
P.S.: Bruchhagen, der gerade beim DoPa ist, gefällt mir richtig gut