An Tagen wie diesen…

Am 8. März starb Jonathan „Johnny“ Heimes. Glühender Fan und schon so etwas wie ein Maskottchen für die Darmstädter Lilien, die ihn jahrelang im Kampf gegen den Krebs unterstützten.

Am Tag darauf kam die Meldung, dass auch Simon seinen Kampf gegen die aggressive Krankheit verloren hatte.
Simon, ebenso glühender Fussballfan wie Johnny, allerdings für die Farben des HSV, war bei Feststellung seiner Leukämie voller Lebensmut und Hoffnung und löste, durch den öffentlichen Umgang mit seiner Krankheit, eine der größten Typisierungswellen innerhalb Deutschlands und auch des Hamburger Sportvereines aus.

Als ob die beiden Todesfälle in der Woche dem Fußballgott noch nicht reichen würde, holte er am Sonntag zu einem weiteren Schicksalsschlag aus und riss einen Dortmundfan, durch einen Herzinfarkt, mitten aus der Kurve und dem Leben. Ein weiterer Anhänger konnte, nach einem Infarkt, auf dem Weg ins Krankenhaus reanimiert werden.
Gänsehautfeeling im gesamten Signal-Iduna-Park, als die Fans ihr „Never walk alone“ anstimmten und damit dem Verstorbenen gedachten.

Der Fußball trat in den Hintergrund an diesem Wochenende.
Viel zu viel war geschehen, was Grund und Anlass zum Nachdenken bot und weiterhin bietet.
Dabei habe ich den katastrophalen Ausgang der drei Landtagswahlen und auch den erneut feigen Anschlag in Ankara, mit 27 Toten, noch gar nicht erwähnt.

Wie soll man dabei die Kurve zum Fußball finden?
Vielleicht in der Diskussion, ob der HSV am kommenden Samstag, um Simon zu gedenken, mit Trauerflor auflaufen sollte oder nicht.
Zwei Herzen schlagen dabei in meiner Brust. Zum einen habe auch ich Simons schweren Weg auf Facebook mitverfolgt. Und ich muss gestehen, er ist mir ans Herz gewachsen. Auch wenn sich das noch so doof anhört, da man ihn ja „nur“ über das Internet kennenlernen konnte.
Auch mir sind die Tränen geflossen als die Familie mitteilte, dass der Kampf verloren war.
Ja, Simon war etwas Besonderes. Allerdings aus dem Grund, weil er sein Leiden öffentlich machte.
Wie viele HSVer mag es geben, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben und gerade noch erleben?
Sie leiden im Stillen und niemand wird ihrer mit einem Trauerflor gedenken, wenn sie gehen müssen.
Und würde man doch dazu übergehen, die Mannschaft müsste wohl jede Woche mit schwarzer Binde auflaufen.
Im Januar, während der Jahreshauptversammlung des HSV gibt es eine Schweigeminute. Im Vorweg werden die Namen aller im Laufe des Jahres verstorbenen HSV-Mitglieder verlesen und ihrer gedacht.
Wir sollten alle Mitglieder gleich behandeln. Niemand ist mehr oder weniger wert. Von daher: Ruhe in Frieden, Simon. Wir werden dich nie vergessen.
Auch ohne Trauerflor…

Fußball wurde natürlich am Sonntag auch noch gespielt. Allerdings reicht heute ein kurzer Ausflug und Rückblick, um das Spiel zusammenzufassen. Das Motto lautete: Rudnevs gegen Leno.
Insgesamt 4x scheiterte Rudi am glänzend aufgelegten Leverkusener Torwart.
Leider… Und selbst das Gegentor mussten wir selber übernehmen. In der 18. Minute fälschte Ekdal unglücklich und unhaltbar einen Ball ab und beförderte ihn in Adlers Tor. Das Spiel war hektisch, manchmal ruppig, über weite Strecken ausgeglichen aber nie so, als dass man sich großartig Sorgen machen musste, dass der HSV untergehen könnte. Dafür auch noch mal Danke an René Adler.
Die Leverkusener verwalteten den Vorsprung und gingen letztendlich als glücklicher Sieger von einem Platz, auf dem am gestrigen Tag mehr für die Rothosen drin gewesen wäre. Allerdings war der Fußballgott, wie wir jetzt alle wissen, ja mit anderen Dingen als Fußball beschäftigt…
(mg)