Alles Scheiße oder was?

Eigentlich wollte ich erstmal nichts schreiben, aber wir erleben die größte Krise in der Geschichte des HSV und es kommt nichts von den Blogperlen, das kann es nicht sein.

Platz 18, 2 Punkte, 2 Tore, 2 Trainer, aber schon 3 rote Karten und 5 Punkte Rückstand auf Platz 15, nach einem Viertel der Saison. Das ist die niederschmetternde Bilanz des HSV in diesem Moment.

Ich hab mir in den letzten Tagen und Wochen viele Gedanken darüber gemacht, wie wir in diese Situation geraten sind. Und ich muß gestehen, ich komme immer wieder zum Punkt: Dietmar Beiersdorfer.

Ok, ich war eigentlich nie ein großer Fan von Didi. Auch in seiner ersten Zeit beim HSV war der Verein nie besonders effizient in der Verwendung der Mittel. Selbst die cfhh merkte damals schon an, wir hätten kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Und für die Ausgaben, war zum größten Teil Didi verantwortlich. Von den Kosten her gehörten wir eindeutig in die CL, aber in der Regel haben wir nur mit Mühe und Not die EL erreicht. Meist auch erst über den UI-Cup.
Wir haben Spieler oft nur mit viel Geld davon überzeugen können, bei uns zu unterschreiben. Dukaten-Didi, dem Spitznamen wurde er nur zeitweise gerecht. Oft ging das aber auch zu Lasten des sportlichen Erfolgs. Erinnern wir uns an die Saison 06/07 als typisches Beispiel Beiersdorferscher Transferpolitik: Nicht nur, daß man unsere Spitzeninnenverteidigung in den letzten Tagen der Transferperiode ausgewechselt hat, nein, er hat es auch nicht geschafft, die scheidenen Barbarez und Beinlich zu ersetzen. Prägende Teile der erfolgreichen Mannschaft wurden nicht adäquat ersetzt. Und wie gesagt, last minute. Das Ergebnis hat letztlich Thomas Doll den Posten gekostet. Wie wir wissen, es war nicht das erste Opfer der Beiersdorfer Transferpolitik, mit dem Hang zum last minute, mit dem Hang, funktionierende Mannschaften auseinanderzureissen. Die Fluktuation von Leistungsträgern war schon damals immens.

Auch habe ich nicht seinen Abgang vergessen. Eine Kündigung ist eine Sache. Mitten in der Transferphase die Klotzen zu schmeißen, das hat ne andere Qualität.

Seine Tätigkeiten bei Red Bull und St Petersburg waren auch nicht grad besonders erfolgreich. Vor allem war auch dort eine schlechte Effizienz der eingesetzten Mittel zu erkennen. Bei Gazprom war man glücklich, als ein gewisser Karl Gernandt kam und ihn haben wollte.

Beiersdorfer die 2.
Karl Gernandt wollte Beiersdorfer haben, die Akteure von HSVPlus waren wenig begeistert davon. Ich hab mich allerdings mit der Kritik an Didi lange Zeit sehr zurückgehalten, wie viele wissen. Schließlich ist der HSV nicht Didi Beiersdorfer, sondern viel mehr. Ein Team sollte gebildet werden, das gewisse Kompetenz hat, dazu hat man Peters und Knäbel für die sportliche Kompetenz verpflichtet und Wettstein für die Kompetenz im ökonomischen Bereich. Es galt, dem Team die Chance zu geben, den HSV auf Linie zu bringen. Viel Glück hatte man dabei allerdings nicht. In der Saison 14/15 haben wir 4 Trainer verschlissen und uns hat im Grunde nur der Umstand gerettet, daß Tuchel rechtzeitig in Dortmund unterschrieben hatte und man Bruno verpflichtete. Eine Woche später und man wäre abgestiegen. Ich denke, da sind wir uns alle einig.

Die Transferpolitik war auch wenig zielführend. Im ersten Jahr haben wir teuer Lasogga, Holtby, Müller, Behrami usw verpflichtet. Ok, da konnte man ja noch anfügen, daß Didi zu dem Zeitpunkt hoffnungslos überfordert war, weil er zu damaliger Zeit den HSV restrukturieren musste und gleichzeitig den Kader neu formen.
Unter Knäbel kam eine gewisse Struktur in die Transfers. Man muß bedenken, daß er und Bruno im letzten Jahr kein Geld zur Verfügung hatten und sogar Transfergewinne erzielen mussten. Betrachtet man den Kader des letzten Jahres unter den Parametern, kann man durchaus von einer erfolgreichen Transferpolitik reden. Der Kader hatte seine Schwächen, aber das war den finanziellen Mitteln geschuldet. Platz 10 und über 40 Punkte waren ein Erfolg (auch wenn viele das damals nicht eingesehen haben)

Mit der Entlassung Knäbels fing das Drama erneut an. Bruno hatte nach der Saison auf die Frage, wo er den größten Bedarf für Verstärkungen sieht, keinesfalls die Offensive ausgemacht, sondern einen IV und einen 6er gefordert. Für mich ein Indiz dafür, daß man sich in dem Punkt schon zu dem Zeitpunkt nicht einig war. Und auch ein Zeichen, daß Beiersdorfer nicht aus versehen keinen IV oder 6er geholt hat, sondern daß er den Kader vollkommen falsch geplant hatte. Dabei hätte man bei den Verletzten der Vorbereitung durchaus erkennen können, daß es dort Bedarf gibt, wenn man schon nicht die Spiele der Rückrunde richtig analysiert.
Für mich ein vollkommenes Rätsel, denn Didi konnte eigentlich immer gute Verteidiger kaufen. Dafür hatte er früher immer ein gutes Auge. Entweder kann er es nicht mehr, oder aber er hat sich, was ich auch für durchaus möglich halte, von Kühne und seinen Beratern unter Druck setzen lassen. Dafür spricht, daß er Kühne nicht widersprochen hat, als der mit der überzogenen Prognose, 6-8 sei drin, gekommen ist. Fragwürdig auch sein Verhalten im Fall Halilovic. Ihm als SpoDi und VV steht es nicht zu, irgendwelche Spieler zu fordern. Er hat dem Trainer den Rücken freizuhalten und der Trainer ist einzig und allein derjenige, der entscheidet, wer spielt und auch, wer im Kader ist. Auch da hat er sich gegen den Trainer gestellt.
Ich weiß, viele von euch waren froh, als Bruno gehen musste. Bruno spielt ja viel zu defensiv und Platz 10 bei 41 Punkten war ja keine Leistung. Aber denen sei gesagt, der Kader, den wir hatten, gab einfach nicht mehr her. Und Bruno ist jemand, der gerne offensiv spielen lässt. Was meint ihr, warum Bruno so defensiv hat spielen lassen?
Ich behaupte, und für diese These gibt es gute Argumente, wenn man auf Bruno gehört hätte und die Defensive mit nem IV und nem anständigen 6er gestärkt hätte, dann hätten wir eine weitere solide Saison spielen können. Aber das ist den Hamburgern ja nicht gut genug, es muß ja Spektakel sein und egal wie gut die Mannschaft spielt, es ist nie gut genug, der Trainer ist nie gut genug. Etwas, was ganz schön an der Substanz der Leute zehrt, glaubt mir, denn Fußballer und Trainer sind auch nur Menschen, selbst wenn sie Millionen verdienen.

Gisdol ist gekommen und die Probleme sind geblieben. Wie sollte es auch anders sein, es lag schließlich nicht am Trainer. Wir stecken unten fest.

Und was macht Beiersdorfer? Er gibt Interviews, in denen er zwar zugibt, daß man einen SpoDi suche, aber nur auf mittlere Sicht. Er gibt Interviews in denen er sich hinstellt und sinngemäß sagt, wir hätten nur eine Ergebniskrise und im Grunde hätte man alles richtig gemacht. Sorry Leute, aber das geht gar nicht.

Das sagt aber viel aus, wie es um unseren Verein bestellt ist. Bei all den Fehlern, die laufend geschehen (ich sach nur Millerntor) muß man zum Schluß kommen, es fehlt beim HSV eine Leistungsmentalität. Der VV/SpoDi lebt keinen Leistungswillen vor und toleriert ungenügende Leistung anscheinend auf allen Ebenen. Mal ehrlich, wie soll denn die Mannschaft dabei einen Leistungswillen entwickeln? Und das ist nicht mal gewollt, da rutscht man als Spieler so mit rein. Man erzählt jedes Jahr aufs Neue, das war das schwerste Trainingslager, aber die Grundlagen sind nicht vorhanden, wenn die Saison beginnt. Nach zwei gewonnen Spielen (ok, kam auch schon lange nicht mehr vor) will man auch nicht mehr nach unten schauen, sondern man schaut nach oben. Realitätsverlust

Nun ist die Frage, wie kommen wir hier raus?
Ich habe viel drüber nachgedacht, denn die Situation ist verzwickt. Ich denke, als erstes müssen wir einen Sportdirektor verpflichten. Aber einen, der seinen Platz im Vorstand hat und nicht darunter. Auf Namen verzichte ich hier lieber. Dann müssen der neue SpoDi und Didi zusammen mit Kühnes Geld den 6er und den IV verpflichten, die im Grunde schon in der Sommerpause hätten kommen müssen. Und da brauchen wir Spieler, die sofort helfen können. Es müssen keine Künstler sein, grundsolide würde reichen, denn wir müssen wieder einen Schritt mit unserem Kader zurück gehen. Grundsolide ist der Weg, um dauerhaft Krisen zu vermeiden. Und wenn wir endlich mal über eine gewisse Zeit Stabilität in die Mannschaft bekommen haben, dann kann man über den nächsten Schritt nachdenken. Dann aber vorzugsweise mit eigenem Geld.

Wenn wir einen SpoDi haben, dann muß sich der AR auch auf die Suche nach einem Nachfolger für Beiersdorfer als Vorstandsvorsitzender umsehen. Beiersdorfer ist nicht mehr tragbar. Er ist gescheitert. Er redet, wie Versager reden.

Nach dem Auftritt bei Sky90 war ich drauf und dran, mir Hoffmann zurückzuwünschen. Allerdings wäre das, glaub ich, nicht der richtige Weg. Auch wenn er heute ein anderes Standing hätte, Rückholaktionen sind nicht gut.
Bei uns war ja mal Björn Gulden als Nachfolger für Hoffmann im Gespräch. Heute ist er Vorstandsvorsitzender von Puma. So einen müsste Gernandt suchen und am besten auch finden.

Und hoffentlich könnte der im Sommer dann noch einen Erstligisten führen. Sicher bin ich mir nicht, vielleicht muß ich mir doch bald mal Gedanken machen, wo Sandhausen liegt.

Alles wird gut (fb)

ps: Warum haben wir uns mit der Kritik die vergangenen Jahre etwas zurück gehalten?

Ok, ich will es kurz erklären: erstens muß man den Leuten die Chance geben, ihren Job richtig zu machen. Das gehört sich so. Nicht umsonst gilt die ungeschriebene 100Tage-Regel. Auch kann man vieles kaputtreden, das wollten wir nicht. Und zu guter Letzt fehlt uns auch der finale Einblick in viele Geschehnisse. Wir kennen die Fakten nicht gut genug und wir kennen auch nicht die Gedanken, die man sich bei diesen oder jenen Entscheidungen macht. Und war ziemlich klar, dass es hätte schon eine ganze Zeit lang besser laufen können. Dass es aber so dramatisch wird, ist erst seit etwa einem halben Jahr absehbar. Eigentlich erst, seitdem Didi Knäbel den Laufpass gab…

…und sich in Doppelfunktion noch mehr überlastete.