Alles Geschmackssache

Um es gleich vorweg zu nehmen. Ich bin und bleibe 1887prozentiger HSVer, werde mir also nicht, wie einige sicherlich zeitnah hier fordern, einen neuen Verein suchen!
Und, nein, ich bin auch kein Trainer, der wissen muss, wie er wann auf-und umzustellen hat.

Aber ich bin auch kein Bierbrauer und kann trotzdem sagen, warum mir das eine Bier schmeckt und das andere nicht.
Und ich bin auch kein Modeschöpfer, weiß aber trotzdem, was mir an einem Modell gefällt und warum ich das andere nicht tragen will.

Das ist alles reine Geschmackssache.
Und für meinen Geschmack hat der HSV gestern gegen Aue eben nicht das „Spiel gut ins letzte Drittel getragen“, wie der Trainer nach dem traurigen Unentschieden verlauten ließ. Und für meinen Geschmack stimmte eben phasenweise auch die Einstellung nicht mit den großen Zielen überein, die ja (zumindest verbal) bei allen an erster Stelle stehen. Und für meinen Geschmack darf man gerne in Bezug auf die Manndeckung hart nacharbeiten. Um nur einige Baustellen zu nennen.

Reihenweise kommen die Kellerkinder dieser Liga zum HSV um sich Aufbaupunkte zu holen. Aue beispielsweise konnte die letzten vier Spiele nicht gewinnen.
Magdeburg und Darmstadt waren ähnlich angeschlagen.

Und was macht der HSV? Er zeigt sich gastfreundlich, beschränkt sich auf große Worte nach dem Spiel, was alles geplant war aber nicht umgesetzt werden konnte und schickt großzügig wichtige Punkte in die ganze Republik …

Einem guten Spiel folgt mit Regelmäßigkeit wieder ein Leistungsabfall. Das ist doch nicht normal!

Ja, wenn Hunt seinen Freistoß in der 85. Minute nicht ans Lattenkreuz gezimmert hätte…. oder wäre Lasogga in der Nachspielzeit direkt auf den Ball gegangen, anstatt ihn sich nochmal zurechtlegen zu wollen… Und wäre Pollersbeck nach der Ecke der Auer an der richtigen Stelle gewesen, dann…

Freunde der Sonne. Mit diesem Konjunktiv leben wir jetzt schon gefühlt drölfzig Jahre!
Fakt ist, wir sind seit Monaten enorm abschlussschwach.

Wir bekommen keine Schnelligkeit in die Konter und finden kaum bis selten einen Weg, Busse, die von den Gegnern vors Tor geschoben werden, zu umspielen.

Viele von euch wollen immer noch sehen, dass das Spiel besser geworden ist. Ganz ehrlich? Ich sehe das nicht.

Hinsichtlich der Konter sind wir offen wie ein Buch. Wir sind ausrechenbar. Trainer und Mannschaft fällt anscheinend nichts mehr ein. Vor dem Tor spielen wir klein/klein, keiner hat den Mut, auch mal von außen draufzuhalten.

Und so muss man sich, so man denn die Vereinsbrille mal abgelegt hat, langsam fragen: IST die spielerische Qualität wirklich so begrenzt? Können sie es nicht anders? Gibt es Tage, an denen man mal mehr oder eben auch mal weniger Lust hat, sich einen Gegner zurechtzulegen?
Fällt euch noch ein anderer Grund ein?

Wie schwach Aue eigentlich war zeigt nicht nur die Passquote, die man sich in der Hamburger Hälfte erspielte. Lediglich gut 52 Prozent der Pässe kamen dort an den eigenen Mann!
Unsere liegt bei über 80 Prozent (in der gegnerischen Hälfte). Und trotzdem sprang nur ein bitteres Törchen dabei heraus.

Die Auer schmissen sich mit allem was sie hatten in dieses Spiel.
Nach dem Ergebnis muss sich mal wieder jeder von unseren Jungs hinterfragen, ob das bei ihnen ebenso war.

„Ich hatte heute nicht das Gefühl, dass wir in Sachen Mentalität und Bereitschaft nicht da waren.“ Zitat Hannes Wolf.
So hört sich nach Ratlosigkeit an. Ehrlichkeit klingt für mich anders an.
Eine doppelte Verneinung bedeutet meist nichts Gutes.

Acht verschenkte Punkte in den letzten drei Heimspielen. Mehr muss man eigentlich nicht wissen.
Ich hoffe mal, in der Kabine ging ein anderes Feuerwerk ab!

Und jetzt wird es ganz verrückt: ob ihr es glaubt oder nicht, ich bin fest davon überzeugt, dass wir am Dienstag eine ganz andere Mannschaft auf dem Platz sehen werden. Und ich glaube auch daran, dass wir es Leipzig so richtig schwer machen werden.

Bis nächsten Sonntag der Bundesligaalltag wieder ansteht. Gegen Union Berlin. Das Berlin, das am Samstag auch hat zwei Punkte liegengelassen.

Und von unten schleicht sich indes ein weiterer Konkurrent um die Aufstiegsplätze heran. Paderborn hat Union überholt, liegt mit nur noch zwei Pünktchen (und einer wesentlich besseren Tordifferenz!) knapp hinter dem HSV.

Hannes, wach auf und weck „die Kinder“ gleich mal mit.
Denn bald ist es vorbei mit „Mund abputzen und weiter“ oder „dann gewinnen wir eben gegen…“, und dann kann auch kein Krönchen mehr gerichtet werden.

Die Spiele werden weniger, die Punkte die wir liegenlassen mehr.
Wenn wir Pech haben, fahren wir zum Pokalendspiel und bleiben dafür noch ein Jahr im Bundesligaunterhaus.

Das kann niemand wirklich wollen!

Und ja, ich bin und bleibe HSV-Fan, ich liebe den Verein, egal wo er gerade spielt. Aber Kritik, liebe Leute muss erlaubt sein!

So. Feuer frei 😉
(mg)