Ach, gäbe es doch eine 3. Halbzeit!

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir gestern alleinig gegen ein 19jähriges, quirliges, nicht zu stoppendes Lockenköpfchen vergeigt haben.

Dieser Leroy Sané verkörpert so ziemlich alles, was ich noch oft bei unserer Mannschaft vermisse. Er ist überall und nirgends, sprintet, wie kein Zweiter, legt sich schon man selber den Ball vor und vor allem ist er eines: völlig unbekümmert vor dem Tor.

Auch wenn die meisten es nicht hören wollen, aber das, was offensiv von uns im Schalker Strafraum zu sehen war, wirkte meist behäbig, ja fast ängstlich. Unnütze Ballabgaben statt selber draufzuhalten, harmlose Trullerbälle vor die Füße von Fährmann oder Schüsse, die auf den Rängen landeten. Ich habe nicht eine wirklich 100%ige gesehen (aber ein, zwei, die hätten drin sein müssen ;-).
Und im Gegensatz zu vielen anderen kann ich auch nicht feststellen, dass wir die Schalker in der 1. Halbzeit im Griff gehabt hätten!

Allein den Fingerspitzen unseres Tschechen im Tor haben wir es zu verdanken, dass man nicht schon mit einem 2:0 Rückstand in die Kabine marschiert ist!
Apropos Ballabgabe: ich hasse diese Rückpässe! Schade, dass man gestern, gegen sehr hoch stehende Schalker, schon wieder so oft keinen anderen Weg fand, als den zu Drobny!

Und apropos Drobny: seine verunglückte Ballabgaben, führte in der 60. Minute zum verdienten Führungstreffer für die Gäste. Oben beschriebener Wirbelwind war weder von Díaz, noch von Spahic oder Djourou zu halten! Naja, da klaffte in dem Moment auch schon eine riesen Lücke in der IV.
Labbadia selber fasste es treffend zusammen. Sinngemäß meinte er, „gerade in der Phase, als wir sicherer wurden, kassierten wir das Tor.“

Doch genug gemeckert, es gibt ja durchaus auch Positives aus dieser Niederlage zu ziehen.
Zunächst mal dürften jetzt auch die Verstrahlten, die nach dem knappen Sieg gegen Ingolstadt beim Chef schon mal die Donnerstage 2016 allesamt freigenommen haben, wieder geerdet sein.
Zum anderen war der Mannschaft, speziell in den zweiten 45 Minuten, beileibe der Wille nicht abzusprechen, mal treffen zu wollen!
Auch nach dem Gegentor steckte man nicht auf. Im Gegenteil! Als Bruno, durch die Einwechselung von Ilicevic, Müller und Schipplock das Team so offensiv, wie nur möglich machte, rannte man den bis dahin zähen Kleister anrührenden Schalkern die Bude ein. Leider ohne Erfolg (siehe oben). Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass wenn es eine 3. Halbzeit geben würde, wir hätten den Ausgleich noch geschafft!

Ein Wort noch zu unserer „Altherrenriege“, Spahic und Hunt. Ich hätte es ja nie gedacht, dass ich sowas mal schreiben würde, aber insbesondere der Ex-Bremer hat mir gestern besonders gut gefallen! Ruhig am Ball, besonnen beim Passen, leider zu harmlos im Abschluss. Aber da befindet er sich ja, wie gesagt, in guter Gesellschaft.
Und Spahic? Die Ruhe in Person, ebenso ballsicher beim Verteilen!

Dazu noch unser „Lütter“ (durchaus liebevoll gemeint), der Held von Karlsruhe, Marcello Díaz, diese Drei, das ist für mich in dieser Saison die Achse mit Zukunft!
Für mich gibt es eigentlich nur bei Ostrzolek wirklich Grund für Kritik. Irgendwie fallen mir bei ihm immer mehr Unsicherheiten auf, Fehlpässe eingeschlossen.
Vielleicht sollte Bruno ihn in Berlin mal für Sakai auf der Bank lassen.
Und in der vor uns liegenden Woche: Abschlüsse üben, üben, üben! Gregoritsch lässt grüßen.
Dann brauchts in Berlin vielleicht keine 3. Halbzeit für (mindestens) ein Pünktchen. Denn eines sollte allen klar sein: auf den 10 Punkten ausruhen, und vielleicht zu zufrieden sein, geht gar nicht! Die Mannschaften hinter uns sind alle dicht dran!
(mg)