7 Spiele verschenkt!

Wer hat eigentlich gesagt, dass diese Mannschaft untrainierbar ist?
Wer meinte denn, dass selbst ein Pep Guardiola aus dieser Truppe nicht viel mehr rausholen könnte?
Wenn wir ehrlich sind, dann meinten das die meisten von uns.
Denn eine Entwicklung war weder zuletzt unter Bruno, noch unter Gisdol und schon gar nicht unter Hollerbach zu entdecken.

Und dann kommt ein Christian Titz, ein Trainer aus der „zweiten Reihe“ und belehrt uns eines Besseren.

Es ist noch keine vier Wochen her, da war der Hamburger Fußball das Synonym für „Antifußball“.
Lange Bälle nach vorne, ohne dass dort eine geeignete Anspielstation zu vermuten war. Destruktiver Zerstörungsfußball ohne jeglichen technischen Ansatz.
Hauruck-Gepöhle vom Feinsten, gepaart mit immer wieder individuellen Fehlern, die uns die Punkte kosteten. Und vorne eine Flaute, die den versiertesten Segler auf dem Wasser zum Verzweifeln gebracht hätte.
Sieglos seit November letzten Jahres.
Überholt vom 1. FC Köln, der zum Rückrundenstart gerade mal 6 Punkte gesammelt hatte.
Träger der Roten Laterne, ohne Aussicht auf Besserung.

Trotz all dieser Tatsachen wurde der Kader im Winter nicht nachgebessert. Sparfuchs Bruchhagen und SpoDi Todt wiederholten mantraartig, dass die Mannschaft stark genug für einen Klassenerhalt sei. Ein fataler Fehler, wie wir heute wissen.
Nach dem 2:0 im Januar dieses Jahres, gegen Köln, musste Gisdol gehen.

Und jetzt kommt das, was ich überhaupt nicht verstanden habe und was mich im Nachhinein RICHTIG wütend macht: mit Hollerbach holte man einen ähnlichen Trainertypen, mit der gleichen Spielphilosophie wie Gisdol sie hatte.
Liebe Leute!
Sollten wir absteigen, und es sieht verdammt danach aus, war das der Kardinalfehler der damaligen Führung.

Hollerbach mag ein total liebenswerter Mensch sein. Aber er ist niemand, der Abstiegskampf kann.
Er vermittelt schon nach außen eher den Typ Schwiegermutters-Liebling, als Motivations-Couch, der Menschen in seinen Bann ziehen, Selbstvertrauen ausstrahlt und mitreißen kann.

Haben Bruchhagen und Todt das nicht gesehen?
Unter welcher Prämisse hat man Hollerbach geholt?
Hat der „Stallgeruch“ da schon wieder Einfluss genommen?
Oder war Holle „nur“ zu gutmütig, um Nein zu dieser Herkulesaufgabe zu sagen?

Wie dem auch sei.
Wir haben 7 Spiele verschenkt, in der auch weiterhin auf dem Rasen das Spiel nur zerstört wurde, die Fehlpassquoten gen Himmel gingen, immer und immer wieder die selben Spieler ihre Fehler machen durften.

Heute frage ich mich, wo wir stehen könnten, hätte man gleich auf Christian Titz gesetzt.
Wobei ich zugebe, skeptisch war ich auch. Allerdings nicht, wegen der Qualitäten, die der neue Trainer hat, sondern angesichts der Zinnbauer-Ära, die vom Ansatz her ähnlich gelaufen ist.

Fakt ist, bereits im Hertha-Spiel konnte man erste Veränderungen festmachen.
Nicht nur, dass plötzlich Stammspieler auf der Tribüne saßen und sitzen (oder ganz aus dem Kader geflogen sind), die Jugend hat Einzug gehalten.
Titz, der seine Schützlinge aus der U21 aus dem Effeff kennt, spricht der „zweiten Garde“ das Vertrauen aus.

Super, wie er immer wieder die Youngsters zum Training der Profis hochzieht. Hier haben sie Gelegenheit, ihn in der Woche von den vorhandenen Qualitäten zu überzeugen.
Ist es zu wenig, geht es zurück.
Zeigen sie Einsatz und Können, werden sie am Wochenende mit der Berufung in den Kader, ja sogar in die Startelf, belohnt.
Namen alleine reichen dafür nicht mehr. Und das ist gut so!

Gestern galt das für Gouaida und Ambrosius, die beide kein schlechtes Spiel ablieferten.
Ja, Ambrosius hat mit seiner unglücklichen Kopfballaktion die Vorarbeit zum 1:1 verzapft.
Aber das ist ja das Problem: wir haben keine Zeit mehr, für solche Fehler, die eben gerade bei Bundesligadebütanten passieren und somit eigentlich dazugehören.
Wir haben, ich wiederhole mich, SIEBEN Spiele verschenkt!

Und im zweiten Spiel unter Titz ist eine spielerische Entwicklung zu sehen, die ich in den letzten fünf Jahren beim HSV nicht mehr gesehen habe.

Lange Bälle vom Torwart über die Mittellinie sind tabu.
Pollersbeck mutiert beim Spielaufbau oft zum Feldspieler (wobei gestern einige Bälle dabei waren, da wurde mir schon ein wenig übel).
In aller Ruhe wird geschaut, wo sich eine Lücke auftut.
Wir hatten gestern eine Passquote von 81%, sind zehn Kilometer mehr gelaufen als die Stuttgarter und zur Zweikampfquote von 54% haben auch die Neuen ordentlich beigetragen. Hier sind besonders Jung und Steinmann zu nennen.
Das Spiel geht oft sauber durchs gesamte Mittelfeld, aber auch über außen, wo immer mehr Pässe im gegnerischen Strafraum ankommen.
Dass dort leider immer noch selten ein Abnehmer zu finden ist, liegt eben daran, dass uns ein richtiger Strafraumstürmer fehlt. Zudem arbeitet auch die Offensive sehr schön nach hinten mit.

Die Mischung aus „alt“ und jung funktioniert.
Leider ist nur ein Punkt dabei rausgekommen, dessen Wertigkeit sich erst heute, nach dem Mainz-Spiel, und nächste Woche gegen Schalke, herausstellen wird.

Den Spielern mag der Punkt trotzdem gut getan haben. Schließlich durften sie feststellen, dass sie sehr wohl in der Lage sind, einen Gegner auszukontern und Bälle an den eigenen Mann zu bringen.
Und Hamburg wäre ja auch irgendwie nicht Hamburg, würde nicht wieder mal dieses letzte Fünkchen Hoffnung auf Hoffnung bleiben.

Ach, könnte es jetzt doch erst der 20. Spieltag sein und wir hätten nicht sieben Spiele verschenkt…
(mg)

P.S.: fast vergessen: wir wünschen Christian Titz alles Gute zum heutigen Geburtstag und weiterhin ein glückliches Händchen…

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