Trainingsstart: Der Mann auf dem die Hoffnung lastet

Da war er nun, der Neue. Der, mit dem so viele HSV Fans und vor allem die sportliche Führung der Fußball AG so viel Hoffnung verbinden.
Mit zielgerichteten Schritten betrat er am gestrigen Mittwoch einen unbekannten Rasen. Klar, mit Rasenplätzen kennt er sich aus. Aber den im Hamburger Volkspark kannte er höchstens mal von seinem Trainersitz aus, wenn er mit Gladbach, Hannover oder Wolfsburg gegen den damaligen Bundesligadino auf Punktejagd ging.
Nun jagt er MIT dem HSV, inzwischen in der 2. Liga gestrandet, Siege und bringt den nach Erfolg hungernden Fans hoffentlich die Freude an ihrer Mannschaft und derselben die Freude am Ballsport wieder nah.
Dieter Hecking vergaß nicht zu betonen, dass man für diese erwarteten Erfolge den gesamten HSV, inklusive seiner treuen Fans bräuchte.
Er tut gut daran, denn er tritt, hinsichtlich Team-Fannähe, nach Christian Titz ein schweres Erbe an.

Gerade die Hansestadt hat er sich nach seiner noch in Gladbach geäußerten, heftigen Kritik an der Hire and Fire-Mentalität vieler Bundesligisten ausgesucht, um seinem Job nachzugehen. Nicht ganz ungefährlich, hat der HSV in den letzten zehn Jahren doch ganze 17 Trainer verschlissen.
Und nur Thorsten Fink und Bruno Labbadia schafften es in dieser Zeit eine ganze Saison im aktiven Dienst zu überstehen.
Eines ist aber schon gestern nicht zu übersehen gewesen: mit Hecking steht auch ein neues Kaliber auf dem Platz. Und wenn nicht ihm wem dann traut man zu, die alten Hasen und die jungen Hüpfer gleichermaßen in den Griff zu bekommen, um Ansehnliches auf den Rasen zu bringen? Genug Erfahrung jedenfalls bringt er mit.

Und diese Kontinuität, dieses schon fast inflationär gebrauchte Wort der vergangenen Monate, soll mit Hecking nun auch auf der Trainerposition einziehen. So jedenfalls betonte es der (ebenfalls neue) Sportvorstand, Jonas Boldt.

Herr Boldt, Herr Hecking, wir sind gespannt. Und ich werde nicht müde zu betonen, dass diese grenzenlose Fanunterstützung irgendwann auch mal zu Ende sein könnte. Der HSV-Fan ist leidgeprüft und grundsätzlich leidensfähig. Solange er die Hoffnung hat, dass sich doch noch etwas ändert, steht er jedoch zu 1887% hinter seinem Verein.
Aber nach Jahren Schmalkost, mit dem Gipfel des Abstieges und der besonders gruseligen Rückrunde in der abgelaufenen Saison wird es endlich mal Zeit, dass unser Nervenreservoir aufgefüllt wird.
Auch diese Altlast, lieber Herr Hecking, haben Sie mit Ihrer Vertragsunterschrift von Ihren zahlreichen Vorgängern übernommen.

Über 22.000 verkaufter Dauerkarten (VOR dem freien Vorverkauf!) und 600 Kiebitze beim Auftakttraining sprechen ihre eigene Sprache. Die Hoffnung lebt. Sie alle, wir alle dursten nach gutem Fußball, Emotionen, die vom Rasen auf die Ränge überschwappen (von dort aus auch zurückkommen) und dem spürbaren Willen, etwas erreichen zu wollen.
Das heißt nicht, dass wir erwarten, alle Gegner mit einem 5-Tore-Vorsprung aus dem Stadion zu schießen. Nein. Das heißt ganz einfach, dass wir bessere Passquoten, saubere Ballannahmen, eine hohe Laufbereitschaft und vor allem Team-,Kampfgeist und natürlich auch Tore erwarten.
Kontinuität wäre nicht nur auf den oberen Vorstands-und Managerposten nötig, sondern eben auch auf dem Rasen.
Und sollte dabei der Aufstieg rausspringen, umso besser…

Wir, lieber Herr Boldt und lieber Herr Hecking, sind gespannt. Auch auf das Gesicht der Mannschaft, die mit den bereits eingetroffenen sieben Neuen, Sonny Kittel (Ingolstadt), Adrian Fein (Bayern München), David Kinsombi (Holstein Kiel), Lukas Hinterseer, Jan Gyamerah (beide VfL Bochum), Jeremy Dudziak (FC St. Pauli) und Torhüter Daniel Heuer Fernandes (Darmstadt 98) ein ziemlich neues sein wird.

Gehandelt werden zudem noch ein paar Namen, darunter der brasilianische Innenverteidiger Ewerton (aus Nürnberg). Das wiederum spricht dann doch eher für den Abgang von Rick van Drongelen, der mir persönlich besonders wehtun würde.

Ach, eins noch: liebe Fangemeinde. Glaubt nicht alles, was die Medien schreiben. Vieles davon hat Boulevardcharakter und dient lediglich dem Stopfen des Sommerloches. Das jedenfalls unterstrich Boldt in einem seiner gestrigen Interviews, in dem er nichts davon wissen wollte, dass sowohl Gideon Jung als auch van Drongelen auf der Verkaufsliste des HSV ganz oben stehen.
Dass niemand bei einem passenden Angebot unverkäuflich ist, ist angesichts der angespannten Finanzlage des Vereins allerdings wohl leider Fakt.
Fakt ist aber auch, dass man beim HSV, gefühlt nach drölfzig Jahren, endlich mal rechtzeitig mit der Kaderplanung begonnen, schon frühzeitig Ab-und Zugänge zu vermelden hatte.

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber bei mir prickelt es schon. Für mich könnte morgen Anpfiff sein 😉. Man muss eben ein wenig bekloppt sein, als HSV Fan…
(mg)

P.S.: Für alle, die nicht mit ins Trainingslager fahren können, wir haben ein kleines Trostpflaster für euch: die BlogPerlen begleiten die Mannschaft nach Kitzbühel und werden euch mit Berichten und Fotos versorgen.

P.P.S.: Neben Dieter Hecking begrüßen wir natürlich auch die Neuen im Trainer-und Betreuerstab, Dirk Bremser, Torwart-Coach Kai Rabe sowie Aminou Traoré und freuen uns schon auf Tobias Schweinsteiger, als zweiten Assistenten an Heckings Seite.