Beckers Beste

Woran hat es nun gelegen, dass der HSV in seinem letzten Spiel der Saison 2018/19 mal wieder ein ganz anderes Gesicht gezeigt hat, als in den (mindestens) sieben Spielen davor?
War es der Druck, der weg war?
Schließlich ging es gegen Duisburg „nur“ noch um die so oft geschmähte „Goldene Ananas“, will sagen Platz 4.
Oder war es doch die mutige Aufstellung, die Hannes Wolf in seinem letzten Spiel endlich mal auf den Rasen schickte?
Mit der jüngsten HSV-Bundesligamannschaft ever (bei der lediglich Mickel mit seinen 30 Jahren den Altersdurchschnitt auf über 22 puschte), ging es gegen den bereits feststehenden Absteiger.
Fest steht: mit Wintzheimer, Köhlert und Arp stand ein komplett neues Sturmtrio auf dem Rasen.
Insbesondere Köhlert spielte dermaßen unbekümmert auf, dass es Wirbel auf dem Spielfeld gab, wie lange nicht mehr.
Und Fiete?
Fiete krönte sein Abschiedsspiel beim HSV mit einem Tor.
Als ihm in der 64. Minute die Erleichterungstränen in die Augen schossen, flossen auch bei zahlreichen Zuschauern literweise Wasser (ja, bei mir auch, ich doofe Nuss).
Wie emotional war das denn?
Und man fragt sich mal wieder: war es wirklich nötig, diesen Hamburger Jung monatelang auf der Bank schmoren zu lassen?
Hätte man nicht viel früher…
Und WARUM, verdammte Axt, hat man nicht wenigstens EIN weiteres Spiel mit drei Punkten nachhause gebracht? Soooo ärgerlich! Denn auch Paderborn und Union konnten ihre letzten Spiele nicht gewinnen. Wenn, dann, ja dann…
Hätte, wäre, wenn. Der typische HSV-Konjunktiv.
Es ist jedoch wie es ist.
Der HSV hat seine Chancen verspielt. Eine weitere Saison in Liga 2 ist beschlossene Sache.
Und wegen der Abgänge, die sich am gestrigen Montag wenigstens von ihren Teamkollegen verabschieden konnten, sollen zahlreiche neue Gesichter Ende Juli die neue Spielzeit erfolgreicher gestalten.

Beide wollten den HSV im vergangenen Sommer verlassen.
Beide zählen zu den Höchstverdienern im Team.
Und seien wir ehrlich, beide waren sich nach dem Abstieg ihres Arbeitgebers irgendwie zu schade für die 2. Bundesliga.
Nun werden beide wohl eine Mammutaufgabe für Sportchef Becker im Jahr 2019 werden.

Während sich Kyriakos Papadopolous verletzte, somit unverkäuflich wurde, bekam man Bobby Wood mit einer Leihe in Richtung Hannover schließlich noch von der Payroll.
Dass die Niedersachsen von ihrer Kaufoption Gebrauch machen, ist nach einer gruseligen Saison (für Verein UND Spieler) ausgeschlossen.
Wood brachte es in den letzten Monaten übrigens fertig, seinen Marktwert von rund sieben auf zwei Millionen zu minimieren…

Dass sich der HSV weder Papa noch Wood nicht leisten können (beide zusammen würden bereits ein Drittel des gesamten Gehaltsetats schlucken), ist ein offenes Geheimnis. Somit wird es spannend werden, wie man mit den zwei „Altlasten“ fertig wird.
Schließlich wurden doch in der Vergangenheit beim HSV Papiere rausgehauen, die wahnwitzige Summen aufwiesen.
Was unter Didi Beiersdorfer an Wahnsinn anfing zu blühen, brach sich die Bahn unter Bruchhagen und Todt.

2016/17 schloss man die Saisonbilanz mit einem Transferminus von über 38 Millionen ab, 17/18 wies die Transferbilanz immerhin noch gut 13 Millionen Miese auf.
Und all das, obwohl es dem Verein schon damals alles andere als finanziell gut ging.
Ich frage mich noch heute, ob die dafür Verantwortlichen nachts ruhig schlafen können!

Welch gute Arbeit der neue Sportchef Ralf Becker finanziell in seinem ersten Jahr beim HSV machte, beweist nicht nur „seine Transferbilanz“, aus dem Jahr 18/19. Dort steht ein Plus von knapp 16,8 Millionen Euro. Seine direkten Vorgänger zeigten weit weniger Verkaufs- Verleihtalent.

Bedingt durch die angespannte Lage muss die Scoutingabteilung ganze Arbeit leisten und man kann sich lediglich in den unteren Preissegmenten umschauen, um eine schlagkräftige, homogene Truppe zusammenzustellen.

Mit David Kinsombi von Holstein Kiel wurde bereits am Ersatz für Mangala erfolgreich gearbeitet.
Auch auf der Lasogga-Position soll vom Kieler Lukas Hinterseer nur noch die Unterschrift fehlen.
Schaut man auf die anvisierten Summen, so liegen die Kaufsummen, weitere Abgänge unsererseits vorausgesetzt, im Bereich des Machbaren.
Rechts bereichern demnächst Jeremy Dudziak und Jan Gyamerah unseren Kader, was für einen Sakai-Abgang spricht.

Ich gebe es zu. Der Abschied von Douglas Santos, der ja so gut wie beschlossen ist, tut mir am meisten weh!
Santos soll in Leverkusen und Hoffenheim auf der Wunschliste stehen. Aber auch andere europäischen Vereine sollen dran sein.
Vielleicht bietet sich Becker und Santos ja eine für beide Seiten erfolgsversprechende Alternative an. Ich würde ja nur allzu gerne einen meiner zehn Finger ironisch in Richtung Rudi heben.

Dass auch Pollersbeck auf der Verkaufsliste stehen soll ist verständlich, aber ebenso schade. Es ist zu hoffen, dass Becker einen annähernd adäquaten Ersatz an der Hand hat.
Van Drongelen und Bates sollten nicht unter Wert verkauft werden und nur bei größter Not. Es geht nichts über eine einigermaßen eingespielte Innenverteidigung. Auch Bakery Jatta wird uns erhalten bleiben.

Die neue Vereinsführung hat sich Gehaltsobergrenzen auf die Fahne geschrieben und hier sollten keinerlei Ausnahmen gemacht werden.
Die Zeiten, in denen sich der HSV von Beratern und Spielern am Nasenring durch die Kohle-Manege ziehen ließ, sollten endgültig vorbei sein.

Es bleibt zu hoffen, dass unser neuer Trainer, wie auch immer er heißen wird, die Jugend nicht aus den Augen verliert, aus dem ein oder anderen Rothöschen eine Rothose machen kann und dass die Spieler, die im kommenden Jahr bei uns auflaufen, ihr Bestes dafür geben, am Neuaufbau des HSV mitzuhelfen.
(mg)

P.S. Ein Wort noch in eigener Sache: Sakai bei seiner Einwechslung als Sündenbock auszumachen und ihn mit einem Pfeifkonzert zu begrüßen war ganz einfach schlechter Stil. Jeder, der sich daran beteiligt hat sollte sich schämen!

Es geht um viel

Nachdem wir in Berlin mal wieder schlecht ausgesehen haben, wenn der Gegner auch ein anderer war, wird es langsam eng mit dem Aufstieg. Durch die Niederlage gegen Union und den Sieg von Paderborn sind wir von einem Aufstiegsplatz auf Platz 4 gerutscht.
Trotzdem haben wir immer noch alles in der eigenen Hand. Durch einen Sieg gegen Paderborn überholen wir sie und können noch die Relegation erreichen.
Durch das Ergebnis von Paderborn gegen Bielefeld gestern reicht uns sogar nur ein Unentschieden gegen sie, solange wir die anderen beiden Spiele gewinnen.
Und da ich der Ansicht bin, daß Berlin keine 9 Punkte aus den letzten drei Spielen holt, sollten wir tunlichst alle drei Spiele gewinnen, damit wir noch Platz 2 holen und die Relegation umgehen können. Das MUSS unser Anspruch sein. Also, meine Meinung ist: holen wir 9 Punkte, erreichen wir noch Platz 2.

Dazu muß sich aber einiges ändern. Wer am Donnerstag die Eintracht aus Frankfurt im EL-Spiel gegen Chelsea gesehen hat, konnte sehen, daß eine Mannschaft ganz andere Chancen auf Erfolg hat, wenn sie aufopferungsvoll kämpft, wenn man konzentriert spielt, wenn man Wege geht, die andere nicht gehen usw.
Bestes Beispiel kennen wir ja auch aus dem eigenen Verein. Vor dem Tor von Waldschmidt hat Kostic den Ball erlaufen, den 9 von 10 Spielern laufen lassen.
Mit der Einstellung können wir es schaffen. Die Qualität haben wir letztlich auch in der Mannschaft. Gegen Leipzig, Paderborn-Pokal oder auch im Derby konnten wir es ja auch.

Um das rauszukitzeln hat man sich entschlossen, nochmal ein Kurztrainingslager durchzuführen.
In diesem Trainingslager sind auch Fiete und Jairo mit dabei.

Im Kader für Ingolstadt hat es Jairo leider nicht geschafft, aber daß er wieder dabei ist, zeigt, er ist nicht mehr weit entfernt.
Ich gehe davon aus, daß er in dieser Saison noch ein paar Minuten bekommt. Ich würde es ihm gönnen.
Hunt ist auch nicht im Kader. Er „hat Rücken“, schade. Aber dafür ist Mangala wieder mit dabei. Meine Meinung ist, es war gut, daß er mal raus war. Aber es ist auch gut, daß er jetzt wieder mit dabei ist.

Ich erwarte gegen den FCI ein intensives Spiel. Beide Mannschaften müssen punkten, müssen gewinnen. Wir um aufzusteigen, Ingolstadt um nicht abzusteigen. Ingolstadt ist auch dafür bekannt, intensiv zu spielen, sie werden pressen, auch weil inzwischen bekannt ist, daß wir das nicht mögen, sie werden im Mittelfeld schon auf die Knochen gehen. Da müssen wir gegenhalten. Und wenn wir das schaffen, gewinnen wir.

Als Aufstellung erwarte ich keine Experimente mehr. Wir wissen, welche Mannschaft eigentlich am besten funktioniert. Deshalb erwarte ich ne Viererkette mit Santos, van Drongelen, Laxroix, der sich in die Startelf gespielt hat und auch wieder mit Sakai. Im DM denke ich an Janjicic, der im Grunde gute Spiele macht, auch wenn er letzte Woche am 2:0 nicht unschuldig war. Davor vier Offensive, Jatta, Mangala, Özcan und wahrscheinlich Hwang. Ev auch Narey wieder und Hwang kommt später.
Vorne erwarte ich Lasogga von Anfang an. Kopfballstärke und Robustheit sind für mich die ausschlagegebenden Punkte.
Und diese Mannschaft wird die nötigen drei Punkte holen.

Ich bin immer noch vom direkten Aufstieg überzeugt (fb)

Wenn ich ehrlich bin…

…weiß ich heute endlich genau, warum ich mir in der vergangenen Woche den Nachspielbericht zum Pokalspiel gegen Leipzig erspart habe.
Einer unguten und langen Tradition folgend zeigte der HSV, nach einer ansprechenden Leistung gegen den Bundesligisten, gestern wieder seine grausame Alltagsfratze.

Wenn ich ehrlich bin…
…habe ich vor dem Spiel gedacht, einige Hebel in den Köpfen der Jungs hätten sich endlich umgelegt.
Leider bewiesen sie lediglich, dass man noch schlechter spielen kann als gegen Magdeburg und Darmstadt.
53% vergurkte Zweikämpfe, vier Kilometer weniger auf der Uhr als Union, 15 zu sieben Torschüsse. Wieder keine Punkte im Aufstiegskampf und raus aus den Aufstiegsrängen. Mehr muss man nicht wissen.

Wenn ich ehrlich bin…
…habe ich schon öfter mit der Startaufstellung von Hannes Wolf gehadert. Seit gestern bin ich mir allerdings so gut wie sicher, dass er diese nicht anders als mit einem Namenswürfel bewältigt, weil er einfach selber nicht mehr weiter weiß. Warum man einen Jatta, als einzigen (und falschen) Mittelstürmer aufstellt, versteht wirklich nur der Trainer. Seine Schnelligkeit, die er über links, zum Beispiel gegen Leipzig, ins Spiel brachte, verpuffte. Den Eisernen mit einem 3-4-2-1, also sieben (!) Defensiven zu begegnen, spricht nicht unbedingt für Abteilung Attacke, eher für Mauern bis der Arzt kommt.
Und jetzt kommt mir nicht wieder mit dem Konjunktiv und Hunt, der ja den Ball in der 18. Minute… aber lassen wir das. Er hat halt nicht. Punkt. Ebenso wie die 2. (!) Chance der Hamburger vergeben wurde, bei der Jatta, in der 31. Minute, am Keeper der Gastgeber scheiterte.

Wenn ich ehrlich bin…
…habe ich mich schon vor dem Anpfiff gefragt, wer denn wohl die Tore schießen soll. Und nachdem Wolf dann in der 2. Halbzeit einen Offensiven nach dem anderen aufs Feld schickte, war das Kind längst in den Brunnen gefallen. Zumal, eines ist mir immer noch nicht klar: was hat eigentlich Wintzheimer verbrochen, dass er nicht von Anfang an auflaufen durfte und in einem Spiel, bei dem so selten Pässe überhaupt in Tornähe kommen, Lasogga zunächst mal den Vortritt bekam?

Wenn ich ehrlich bin…
…habe ich mich mit Kritik an Gideon Jung bisher immer stark zurückgehalten. Was er gestern allerdings auf seiner Position im Defensiven Mittelfeld anstellte, grenzte teilweise schon an Slapstickeinlagen. Die Aufgabe eines Trainers ist es auch zu sehen, wann ein Spieler außer Form ist und ihm mit sachlich vernünftigen Worten zu sagen, warum er mal draußen bleibt. Jung läuft seit Wochen seiner Form hinterher, darf trotzdem immer wieder starten und sich inzwischen den ein oder anderen verlorenen Punkt auf die Fahne schreiben.

Wenn ich ehrlich bin…
…beneide ich den sportlichen Vorstand, bis hinauf in die höchste Chefetage nicht. Denn nach den mehrmaligen Jobgarantien für Hannes Wolf, hat man sich böse ins eigene Knie geschossen. Man KANN den Trainer nicht feuern, ohne sich selber infrage zu stellen. Da müssen jetzt alle durch. Auch wenn man in der kompletten Rückrunde nur 16 Punkte aus 14 Spielen holte und seit dem Derby gegen Pauli sieglos ist. Die ständigen Systemwechsel des Trainers helfen jedoch augenscheinlich weder dem Spiel noch den Akteuren.

Wenn ich ehrlich bin…
…wäre Lewis Holtby für mich so ziemlich der Letzte gewesen, dem ich so eine Aktion, wie die Bitte, zuhause bleiben zu dürfen, zugetraut hätte. Gerade er, der immer vorweggegangen ist, hat sich in einem mental schwachen Moment selbst ins Aus geschossen. Wenn ich ihn auch nicht immer verstehe, aber in diesem Fall bin ich bei Hannes Wolf, der Lewis nun wohl komplett aus dem Kader genommen hat. Dass Becker jetzt allerdings die Mentalitätsfrage auf die komplette Mannschaft umlegt, kommt für mich einige Wochen zu spät.

Wenn ich ehrlich bin…
…wird es Woche für Woche schwerer, noch positive Motivation im Blog unterzubringen. Denn dazu hat der HSV zuletzt einfach viel zu viel verbockt. Nun ist es passiert. Wir haben den Aufstieg nicht mehr in der eigenen Hand. Wir sind auf Fehler der Konkurrenz (die sich momentan die Seele aus dem Leib rennt, um oben mit dabei zu sein) angewiesen. Und wer glaubt ernsthaft daran, dass die Jungs die letzten drei Spiele hintereinander gewinnen?

Wenn ich ehrlich bin…
…habe ich mich zu Beginn der Saison irgendwie darauf gefreut, nicht Woche für Woche hoffen und bangen zu müssen, einige gute Spiele mehr als in den vorhergehenden Jahren zu sehen und morgens viel öfter mit einem zufriedenen Grinsen, als mit einem schlechten Bauchgefühl aufwachen zu dürfen. Ich habe mich geirrt. Diese Saison kostet mindestens genau so viel Nerven, wie die letzten gefühlt drölfzig Jahre im Oberhaus der Liga.

Wenn ich ehrlich bin…
…weiß ich, dass ein weiteres Jahr 2. Liga der Entwicklung und Neuformierung der Mannschaft gut tun würde. Finanziell ist es ein Debakel. SpoDi Becker wird zaubern müssen, um einen konkurrenzfähigen, bezahlbaren Kader aufzubauen und den Verein nicht über Jahre hinweg im Unterhaus zu versenken.

Wenn ich ehrlich bin…
…muss ich zugeben, dass der Frust momentan so tief sitzt, dass ich wohl mindestens ‪bis Samstagmittag ‬brauchen werde. Aber dann zergele ich bestimmt das nächste Trikot aus dem Schrank, streife es über, um doch noch ein bisschen an das Wunder zu glauben, welches (Stand heute) gestern allerdings in weite Ferne gerückt ist. Irgendwie ist man als HSV-Fan ja trotz allem positiv bekloppt. Und anders ist das alles auch nicht zu ertragen.
(mg)