Völlig bekloppt

Der Blätterwald rauscht.
Nach der desolaten zweiten Halbzeit gegen Darmstadt und dem reichlich mauen Spiel gegen Bochum sehen viele das Saisonziel, den direkten Aufstieg, in Gefahr.

Christian Titz musste in der Hinrunde, nach dem 0:0 gegen die Ruhrpöttler gehen. Aus genau dem gleichen Grund, den die Medien aktuell bemängeln: die wackelige Punkteausbeute.

Doch während Titz bis zu dem Zeitpunkt der Saison sogar vier Punkte mehr holte, sitzt Hannes Wolf noch fest im Sattel. Ist er doch auch der Wunschtrainer des aktuellen Vorstandes.

Und das ist gut so.
Nichts würde dem HSV gerade mehr schaden, als eine erneute Trainerdiskussion.
Dieses Fass MUSS zu bleiben.

Was nicht heißen soll, dass sachliche Kritik unangebracht ist. Denn außer beim Spiel gegen St. Pauli konnte die Mannschaft von Hannes Wolf spielerisch wirklich selten überzeugen.
Und zwischen Weiß (Tenor: „wir putzen sie alle 5:0 aus dem Stadion“) und Schwarz („mit diesem Fußball steigt man nicht auf“) gibt es jede Menge Grau.
Warum schafft es der HSV eigentlich nicht mal ein paar Spiele hintereinander gute Leistungen abzurufen?

Einen Grund findet man sicherlich auf der psychologischen Ebene.
Der Druck steigt.
Zeitweise konnte man die vorhandene Unsicherheit auf dem Rasen quasi auch auf den Rängen mit den Händen greifen.
Bloß keinen Fehler machen, so die Devise.
Dass das oft nach hinten losgeht, haben wir am Samstag gesehen. Die Passquote lag gut zehn Prozent unter der, die wir sonst in der Statistik fanden. Die gut 73% wurden in der gegnerischen Hälfte noch einmal um fast 18% nach unten geschraubt. Die Mannschaft wirkte zeitweise langsam und behäbig.

Ein weiterer Grund ist, dass unser Mittelfeld aktuell selten in der Lage ist, sich durch den Gegner durchzuspielen und mit sauberen Pässe nach vorne, Torgefahr zu erzeugen. Es fehlt augenscheinlich an einem MF-Regisseur.
Und kommt der Ball mal gefährlich in die Strafraumzone, haben Latten, Pfosten oder der gegnerische Torwart etwas gegen einen Treffer. Selbst der Fußballgott scheint auf seinem Thron eingeschlafen. Das Glück, mal ein tolles Ding zu versenken, ist momentan wohl aufgebraucht.
Nur gut, dass sich die Bochumer (immerhin mächtig verletzungsgeschwächt) vor dem Tor gleichermaßen unglücklich zeigten und wir zudem einen Pollersbeck zwischen den Pfosten hatten.

Im Gegensatz zu vielen anderen sehe ich es übrigens überhaupt nicht so, dass wir mit diesem Spiel „einen Punkt auf Union gut gemacht haben“. Das hat der aktuell Vierte der Tabelle schon ganz alleine erledigt.

Ich befürchte, dass uns der ein oder andere verlorene Punkt, insbesondere aus den letzten beiden Spielen, noch richtig wehtun wird.

Umso wichtiger ist es jetzt, Selbstbewusstsein für die letzten Ligaspiele aus dem morgen anstehenden Pokalfight zu ziehen.
Haltet mich für völlig bekloppt, aber ich glaube wirklich daran, dass wir gegen Paderborn bestehen. Und sei es nur deshalb, weil der Pokal eben seine eigenen Gesetze hat.

Wichtig wäre das natürlich auch in Hinsicht auf das noch in der Liga anstehende Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften. Am vorletzten Spieltag könnte das Spiel gegen die Paderborner die entscheidenden Weichen stellen. Die Gastgeber werden mit geschwellter Brust aus der Kabine kommen. Ihr Sieg gegen Union hat sicherlich für reichlich positive Adrenalinausschüttung gesorgt.

Hannes Wolf und sein Team müssen nun dafür sorgen, dass die Mannschaft hocherhobenen Hauptes aufläuft und man die unterschwellige Angst vor Fehlern in die nötige Energie umwandelt.

Gespannt darf man sein, ob er sich dafür der Mentalität eines Papas bedient oder die eingespielte IV aus Bates und van Drongelen aufstellt.
Dass Arp, trotz eines in den letzten Spielen schwachen Lasoggas, nicht mal im Kader ist, wird seinen Grund haben.
Als Außenstehender kann man darüber nur spekulieren.
Außer Trainingsschwächen kommt für mich ein weiterer infrage. Womöglich hat man sich auf einen Bayern-Wechsel des jungen Stürmers bereits im Sommer dieses Jahres festgelegt und will seinen Platz freimachen für junge Talente, die uns weiter begleiten. So wie Mats Köhlert zum Beispiel.
Aber wie gesagt, das ist alles Spekulatius…
(mg)