Lieber Hannes Wolf.

Ich habe Sie bisher für Ihre Offenheit und Ehrlichkeit geschätzt. Mit einer gesunden Portion Realismus warnten Sie auch vor dem Spiel gegen Darmstadt. Sie sagten, dass das sehr eng werden könne und die volle Leistung abgerufen werden müsse.

Zu gerne würde ich dann wissen, was die Spieler im Pausentee hatten und welche Worte Sie an die Mannschaft gerichtet haben.

Wir haben nämlich gestern zwei verschiedene Teams in den beiden Halbzeiten auf dem Rasen gesehen.

Nach 16 Minuten führte der HSV bereits mit 2:0 gegen paralysiert wirkende Darmstädter. Spritzig, kampfbetont und mit dem Zug nach vorne begeisterte Ihre Elf die Fans. Es sah danach aus, als nehme man die Euphorie aus dem Derbysieg mit in den Volkspark.
Was habe ich mich für Bakery Jatta gefreut, als er in der 5. Minute, nach einem Freistoß von Özcan, den Ball ins Tor köpfte!
Für alle Zweifler an seiner Bundesligatauglichkeit: seine statistischen Werte sind beileibe nicht so schlecht, wie uns manch einer glauben machen will. Minimale Unterschiede in der Passgenauigkeit (79%) und eine mit seinen Kollegen ausgeglichene Zweikampfquote (50%) sind da zu finden.

Ein berechtigter Elfmeter, nach Foul am schnellen Narey, verwandelte Lasogga in der 16. zum 2:0. Der Strafstoß untermauerte den Eindruck, dass den Darmstädtern das Spiel zu diesem Zeitpunkt einfach zu schnell ging.

Nach 20 Minuten sind die Darmstädter aufgewacht und brachten ihren ersten gefährlichen Schuss aufs Tor.
Nach 30 Minuten hätten bei Ihnen, Herr Wolf, bereits die Alarmglocken angehen müssen. Denn beim HSV verlegte man sich auf die Defensive, schaltete offensiv einen deutlichen Gang zurück. Man verpasste es, das 3:0 aufzulegen.

Dann ging es in die Kabine. Zu gern würde ich wissen… aber das hatten wir ja schon.

Vielleicht hatte man die Ingridenzien für den Pausentee aber auch ganz einfach nur verwechselt.
Denn statt eines siegwilligen HSV kamen die Darmstädter mit breiter Brust aus der Umkleide.
Unsere Defensive lag noch in der 52. Minute im Tiefschlaf.
Anschlusstreffer.
Wieder einmal sah es nach einem Herzschlagsieg aus.
Doch Pustekuchen.
Bei uns fehlten plötzlich Tempo und Präzision.
Die Bestrafung folgte in der 82. Minute, mit dem Ausgleich.
Beide Tore kamen übrigens mit Ansage.

Die Wirkung des Pausentees ließ nach, die Mannschaft schien mit einem „Huch-Effekt“ wieder wach. Bisschen spät vielleicht.
Mangala (87.) und Jatta (89., 90.+2) verpassten es dann auch, den Deckel draufzumachen.
Das taten die Hessen in den letzten Sekunden der Nachspielzeit. Nach zehn (!) sieglosen Auswärtspartien, bewiesen sich die Rothosen als gute Gastgeber und mal wieder als Aufbaugegner.
Tolle Wurst!

Lieber Hannes Wolf.
Ich weiß, so ein Trainerleben in Hamburg ist nicht leicht.
Ständig beobachtet von der Medienlandschaft, unter Druck gesetzt durch die Lage, in die sich der Verein in den vergangenen Jahren hineingeschippert hat.
Zum Siegen verdammt.
Und, ja, ja, ich weiß, die jüngste Mannschaft ever.
Aber all das reicht mir nicht, um das gestrige Ergebnis unter der Kategorie „Mund abputzen und weiter“ abzulegen.
Oder, dass Narey lapidar nach dem Spiel was von „intensiv aufarbeiten“ phrast. Ich kann es nicht mehr hören!
Und Sie, Herr Wolf, meinten: „Mit der letzten Aktion das Spiel zu verlieren ist für uns bitter und tut extrem weh.“
Sie haben das Spiel nicht mit der letzten Aktion verloren, Herr Wolf. Die Mannschaft hat Sie (so es denn keine anderen Ansagen in der Pause gab) fast eine komplette Halbzeit einfach im Stich gelassen und pomadig gedacht, die Punkte wären schon im Sack!
Jugend hin oder her. Die Jungs haben gezeigt, dass sie es können. In den zweiten 45 Minuten sah es nicht danach aus, als ob sie es wirklich WOLLEN.
Da nutzt es dann auch nichts, dass der ein oder andere selber feststellt, dass man doch in der zweiten Halbzeit hätte so weiterspielen müssen, wie in der ersten.
Ach! Ehrlich?

Mit einem Sieg wäre man sechs Punkte von Union und bis zum Kölner Nachholspiel, erneut Tabellenführer gewesen.
Doch noch viel wichtiger: man hätte den Fans und allen Kritikern beweisen können, dass der Derbysieg nicht nur ein kurzes Leistungsaufflackern war.
Erneut wurden schön traditionsgemäß, trotz Vorlage von Union, drei wichtige BigPoints liegen gelassen.
So geht das Zittern weiter.
Und die wirklich schweren Spiele kommen noch.
Viel Mut auf den direkten Aufstieg hat das gestrige Match jedenfalls nicht gemacht. Und an eine mögliche Relegation mag ich erst gar nicht denken.

Lieber Hannes, ich beneide Sie nicht um Ihren Job. Es liegt jetzt auch ein großer Teil an Ihnen, denen, die es immer noch nicht begriffen haben, dass ein Spiel 90 Minuten dauert, die nötige Einstellung zu vermitteln.
Denn nur im Team könnt ihr es vielleicht doch noch schaffen!
(mg)

Who the Fuck Is Alex Meier?

Ja, ja, ich weiß. Dieser Sieg ist nur einer auf dem noch weiten Weg Richtung Aufstieg.
Aber heute darf man doch nochmal, oder?
DÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖRBYSIIIIIIIIIEEEEEG!
Ein Sieg…
Und WAS für einer!
Wir haben am Millerntor von Anfang an eine geschlossene Mannschaftsleistung gesehen. Wir haben den geforderten Kampf -und Teamgeist und endlich mal wieder den Siegeswillen gespürt.
Und wir haben einen Lasogga erlebt, der genau das tat, wofür er da ist: Tore schießen!

Dazu hat sich unsere Abteilung Defensive, van Drongelen, Bates, Santos und auch der so oft kritisierte Sakai, mit herausragenden Passquoten von bis zu 90%, einige Fleißsternchen erarbeitet.
Insbesondere unsere beiden IVs haben den selbsternannten Stadtteil-Fußballgott, Alex Meier, von seinem Thron gehauen. Herausragende Aktionen? Fehlanzeige. Gruselig seine Passquote, von gerade mal 54 %.
Ok, weiß einer zufällig genau, ob er überhaupt auf dem Platz stand?
Apropos Gott.
Der des Fußballs hat jedenfalls gestern seinen Job gemacht und nicht auf die unnötige Aufforderung seines Fast-Namenspartner vom Millerntor reagiert. Ein Fußballgott lässt sich eben nicht zu Blödsinn auffordern .

Spaß beiseite.
Die Statistik der vergangenen Woche ist Vergangenheit. Die aktuelle liest sich zudem viel besser.
80% Passquote, bei 62 % Ballbesitz.
Als Santos, in der 88. Minute, sein Zuckerschüsschen im rechten Eck von Himmelmanns Tor ablegte, war es das Sahnehäubchen auf einem Spiel, auf das die Braun-Weißen eigentlich selten Zugriff hatten.
4:0 schossen die Rothosen St. Pauli aus dem eigenen Stadion.

Balsam für uns geschundene HSV-Seelen, die sich im Vorfeld des Derbys gefühlt noch 1887mal das Tor zum 1:0 Sieg des Stadtteilvereines, aus dem Jahr 2011 anschauen mussten.
Tom Mickel markierte gleich mal das Revier, indem er seinem damaligen Torwartkollegen Piquet, mit einem herzhaften Tritt gegen die Eckfahne nacheiferte.
Die Spieler waren heiß wie Frittenfett. Das merkte man auch Lewis Holtby an, der sich anfangs auf der Bank wiederfand und erst in der 81. Minute ins Geschehen eingreifen durfte. Mit seinem Freistoß, der anschließend zum Endstand führte, fügte er sich nahtlos in die gute Mannschaftsleistung ein.
Die Startelfpause hat ihm wohl gut getan.

Lustige Kabinenvideos, die sich kurz nach dem Spiel auf den Weg ins World Wide Web machten, beweisen: auch bei den Spielern ist wohl der ein oder andere Stein vom Herzen geplumpst.

Ob der Knoten nun geplatzt ist, das wird sich allerdings erst in den nächsten Wochen beweisen.
Denn von diesen verdient gewonnenen und auch mit einer vorzeigebaren Tordifferenz abgeschlossenen Spielen brauchen wir noch mehr.
Wie wichtig auch die Tordifferenz ist, haben wir gerade schmerzvoll erlebt. Union Berlin stand plötzlich über uns, auf Rang 2 der Tabelle. Trotz Punktegleichheit.

Liebe HSV- Spieler. Ich hoffe, ihr habt gestern so VIEL Selbstbewusstsein tanken können, um euch in den kommenden Partien auch gegen hochstehende Teams besser durchsetzen zu können. Aber auch nicht ZU viel, um in die in Hamburg so beliebte Arroganz zu verfallen, Gegner nicht ernst zu nehmen und damit wichtige Punkte liegen zu lassen.
Mein Herz und ich, und ich nehme an, mit mir alle HSVer, können sehr gut auf ein weiteres Relegationsspiel verzichten!
„Wir haben endlich unser wahres Gesicht gezeigt“, sagte Lasogga nach dem Spiel. Ich würde ihn gerne beim Wort nehmen!

Was gab es noch zu sagen?
Den Pyrovollpfosten auf beiden Seiten, mit mehr als ein paar Zeilen Aufmerksamkeit zu zollen, wäre zu viel des Guten.
Die Aktionen beider Fanlager waren einfach nur daneben und haben dem Spiel alles andere als gut getan. Und wenn sogenannte Pauli-Fans ihre eigenen Leute mit Pyros beschießen, dann spricht auch das Bände.

Last but not least: wer kritisieren kann, der sollte auch loben: ein fettes Like geht in dieser Woche an den Schiri, Dr. Brych, der im gesamten Spiel ein feines Händchen mit seinen Entscheidungen bewies.
Wer weiß, was z.B. ein Spielabbruch nach dem Abpfiff noch für Auswirkungen gehabt hätte?

Einen Wermutstropfen gibt es dann aber doch. In der Nachspielzeit der 1. Halbzeit musste unser Kapitän, Aaron Hunt, verletzt die Segel streichen.
Was genau ist und ob wir erneut länger auf den Mittelfeldregisseur verzichten müssen, zeigt sich erst im Laufe des Tages. Hunt muss noch in die Röhre…
Wir wünschen ihm von hier aus schon mal alles Gute, dass es nichts Schlimmeres ist.
(mg)