„…mach ein Bier auf und den Kopp zu…“

So, wie man Wetten darauf abschließen kann, dass im HSV immer irgendein Klüngel Unruhe vorbereitet, so ist es Tatsache, dass es Leute gibt, die zwischen „guten und schlechten“ Fans unterscheiden.

Die „guten“ sind wohl die, die (fast) jedes Auswärtsspiel auf sich nehmen. Die, die keine Kosten und Mühen scheuen, Wochenende für Wochenende in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Natürlich haben sie auch eine Dauerkarte, denn die gilt ja eh als notwendiges Zeichen dafür, ein „echter“ Fan zu sein.

Die „schlechten“ setzen sich einfach vor die Glotze und beobachten das Geschehen auf dem Rasen vom Sofa aus.

Oft auch die Spiele, die im heimischen Volkspark ausgetragen werden.

Nun ist es aber so, dass es meistens Leute aus der ersten Gruppe sind, die Mitmenschen der zweiten Gruppe, ohne auch nur einen davon persönlich zu kennen, abstempeln und nur sich selber als „wahren Fan“ erkennen.

Erst gestern brandete die Diskussion um echte und schlechte Fans neu auf.

Im Zusammenhang mit dem Stimmungsboykott, hinsichtlich der Absetzung der ungeliebten Montagsspiele.

Originalzitat (auf Twitter): „Heul nicht rum. Du glotzt doch eh nur vor der Mattscheibe. Klar ist dann ein Protest, wo es darum geht, montags nicht durch halb Deutschland zu gurken, dich nicht interessiert. Also setz dich in deinen Sessel, mach n Bier auf und Kopp zu.“

Als dann darauf hingewiesen wurde, dass man doch ne Dauerkarte besäße, und zudem Montagsspiele als Verlängerung des BuLi-Wochenendes sehe, kam: „Glückwunsch. Montags Zeit, 500 km auswärts zu fahren? Lieblingstag? Ich tippe auf arbeitslos.“

Echt jetzt?

Leute, Leute!

Wer gibt euch das Recht, eure Mitmenschen so zu deklassieren und derart zu beleidigen?

Es gibt 1000 und einen guten Grund, warum man eben NICHT jedes Wochenende dem Reisen und dem Fußball unterordnet.

Neben dem fehlenden Kleingeld kann das durchaus auch die Familie sein, auf die man eben nicht zwei von sieben Tagen verzichten möchte. Es mag jobbedingt sein oder daran liegen, dass man krank ist, dass es dem Partner schlecht geht, man nicht mobil ist oder auch, es einfach nur als anstrengend empfindet, alle 14 Tage viele Stunden auf überfüllten Straßen zu verbringen.

Macht all das oder auch nur ein Grund davon jemanden zum „unechten oder schlechten“ Fan?

Nein!

Man ist ein echter Fan, wenn man zum HSV hält. Wenn man die Farben Blau-Weiß-Schwarz mit Stolz trägt. Egal in welcher Liga der HSV gerade spielt und egal ob ein Spiel eben mal einfach nur schlecht war!

Man ist ein echter Fan, wenn man mitfiebert. Egal ob im Stadion oder vor dem Fernseher. Man ist ein echter Fan, wenn man bei Toren jubelt und sich bei Gegentoren ärgert.

Man ist ein echter Fan, wenn man das Beste für seinen Verein will. Wenn man sich informiert, mitdiskutiert, wenn man die eigene Meinung, von der man überzeugt ist, auch (sachlich) gegenüber anderen vertritt.

Und das gilt nicht nur für das Geschehen auf dem Rasen!

Das Motto lautet „leben und leben lassen“. Egal wo und egal wann.

Es gibt schließlich auch noch ein Leben außerhalb des Fußballs.

Ich weigere mich, all diejenigen, die zum HSV halten, in zwei Klassen einzuteilen. Wir alle sind HSV! Ob zu Hause auf dem Sofa, in der Kneipe mit Freunden oder im Stadion!

Es gibt nichts, was den einen besser oder den anderen schlechter macht. Respekt heißt das Zauberwort. Respekt dem anderen gegenüber. Dem, der gute Gründe hat, sein Fanleben anders zu gestalten, als man selber es tut.

Wenn das nicht mal unter Fußballfans funktioniert, wie soll das dann auch nur ansatzweise im Alltag klappen?

Ach ja, gespielt haben wir ja gestern auch noch.

Es war ein dreckiger, es war ein Arbeitssieg. Und soooo wichtig. Denn gerade in den letzten Spielzeiten waren es gerade potentielle „schwächere“ Gegner, also Abstiegskandidaten, gegen die wir ganz schlimm aussahen und versagten.

Hinzu kam der Trainerwechsel der Schanzer, der im Vorweg viele Spekulationen offen und potentielle Unsicherheitsfaktoren, nicht nur in der Startelf, auftauchen ließen.

Ingolstadt spielte für mich nicht wie ein Abstiegskandidat. Im Gegenteil. Sie hielten mit, präsentierten die ein oder andere schöne Kombination nach vorne. Nur am Abschlussglück mangelte es.

Sie hatten eine bessere Zweikampfquote und eine höhere Schussgenauigkeit.

Was sie zusätzlich unbequem machte, war ihr teilweise recht unfaires Spielverhalten. Da wurde schon mal geschwalbt oder sich recht robust in die Zweikämpfe geworfen.

Dafür kassierten sie im Spielverlauf auch zu Recht fünf Gelbe Karten.

Ein super Freistoß von Hunt, aus 25 Metern (für den HSV das erste direkte Freistoßtor seit November 2017)  und ein tolles Zusammenspiel von Jatta, Holtby und einem starken Hwang brachten den Hamburgern die beiden Tore ein, die zum Sieg reichten. Für Hwang freut es mich besonders, dass er sich für seine unermüdliche Laufarbeit endlich mal wieder belohnt hat.

Das Gegentor, in der 54. Minute, bei der unsere Abwehr mal wieder nicht besonders gut aussah, machte das Spiel dann noch unnötig spannend.

Jatta hat mir gestern wieder gut gefallen. Auch Santos zeigte endlich wieder, was in ihm steckt. In Halbzeit 1 waren wir, aus dem Spiel heraus, vor dem Tor wieder nicht konsequent genug. Zudem fehlte vorne sichtlich eine direkte Anspielstation.

Trotzdem wirkte der HSV vor allem in den ersten 45 Minuten reifer, schneller, sicherer und hatte die bessere Kondition. Das zeigte sich zum Ende der ersten Halbzeit auch kräftemäßig bei den Ingolstädtern.

Leider verpassten wir es in dieser Phase, den Torvorsprung auszubauen.

Viel Zeit zum Freuen über Platz 1 in Liga 2 bleibt dem HSV allerdings nicht.

Die Verfolger stehen uns auf den Füßen. Köln und auch Union gewannen gestern ihre Spiele souverän.

Bereits am kommenden Freitag eröffnen wir, um 18.30 Uhr, den 16. Spieltag, gegen Paderborn und das Rennen um die Spitzenplätze geht weiter.

Paderborn steht mit 22 Punkten auf Platz 7 und auch der wird alles dafür tun, drei Punkte aus dem Volkspark zu entführen.

Auf geht’s Jungs, auf geht’s, Fans, ob auf dem Sofa oder im Stadion, nur gemeinsam sind wir stark…

(mg)