Ultras, Segen oder Fluch?

Mit zwei Tagen Abstand wird man ruhiger.

Obwohl die Wut, dass die eigenen Fans beinahe für einen Spielabbruch gesorgt hätten, mich noch immer nicht ganz loslässt.

Die 2. Runde DFB-Pokal vor der Brust. Der SVWW mit stolzgeschwellter Brust, haben sie doch St. Pauli, in der 1. Runde, mit einem 2:3, nach Verlängerung, vorzeitig aus dem Wettbewerb gekegelt.

Vor dem Spiel die großen Ansagen des Gastgebers, Pauli sei stärker zu bewerten als der HSV. Somit erwartete man bereits vor Anpfiff einen heißen Kampf.

Das mit dem „heiß“ erledigten dann zunächst mal die Pyropfeifen aus dem Gästeblock.

Nach dem 1. und auch dem 2. Tor für die Hamburger leuchtete der Block und qualmte es selbst bis weit auf den Rasen.

Als Lasogga in der 51. Minute zum zweiten Mal netzte (nach einem schönen Zusammenspiel mit Holtby und Arp), sah sich Schiri Jöllenbeck gar bemüßigt, wegen der starken Rauchentwicklung, die Spieler vom Feld zu holen.

Die Stadionsprecherin machte deutlich: noch einmal und das Spiel wird abgebrochen.

Ich weiß wirklich nicht, ob es denen, die für das Spektakel zuständig sind klar ist, WAS das den Verein gekostet hätte.

Die Aussicht für das Erreichen der Runde 3, über 660.000€ einzustreichen, wäre mit dem vorzeitigen Abpfiff gestorben und automatisch in den Kassen von Wiesbaden gelandet.

Ganz davon ab, dass der DFB mal wieder ermittelt und saftige Strafen drohen.

Und dabei ist es wahrlich keine Entschuldigung, das harte Durchgreifen des Schiedsrichters mit der Anwesenheit von DFB-Präsi Grindel zu entschuldigen.

Man munkelt, dass die Aktion eine Reaktion auf das „Hoffmann, du wirst noch von uns hören“-Plakat war, das vor dem Ultra-Block, nach der Entlassung von Christian Titz aufgehängt wurde.

Sei´s drum. Irgendeinen Grund findet man ja immer, bewusst gegen geltendes Recht  zu verstoßen, und damit nicht nur sich, sondern auch andere zu gefährden.

Man muss stark bezweifeln, dass weitere Gespräche, die man nun suchen will, großartige Ergebnisse hervorbringen.

Zu festgefahren sind die Meinungen auf beiden Seiten.

Während die einen Fackeln stimmungsvoll finden, wissen die anderen nicht, was Qualm und schädlicher Rauch, mit eben dieser Stimmung zu tun haben soll.

Selbst die Spieler, insbesondere machten am Dienstag keinen Hehl daraus, dass es eindeutig zu viel des „Guten“ war. Holtby  suchte auf dem Zaun gar das Gespräch mit dem Capo und mahnte vor dem drohenden Spielabbruch, bei weiterer Zündelei.

SpoDi Ralf Becker unterstrich im Anschluß: „Das ist kein Ausdruck von Freude, sondern schlecht für den Verein. Damit tut man uns keinen Gefallen. Unterstützung ist super, aber so macht es keinen Sinn.“

Der DFB will mal wieder auf die Vereine zugehen, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Lachhaft.

Als ob man das nicht schon mehrfach angekündigt hätte, sich aber bis dato nichts bewegt hat.

Dabei wäre die Sache aus meiner Sicht so einfach: einen Kameramann vor dem Gästeblock abstellen, die entstandenen Bilder anschließend auswerten und die Verantwortlichen zur Kasse bitten. Schließlich weiß man ja, wer Karten bestellt hat.

Mir kommt es eher so vor, als wolle man bestimmte Gruppen nicht reizen, schließlich werden Ultras ja auch immer mit Stimmung, mit tollen Choreos, in Verbindung gebracht, die die Mannschaft unterstützen sollen.

Ich für meinen Teil kann mir jedoch nicht vorstellen, dass Ultras gleich Pyrozündler bedeutet. Nicht jeder KANN das toll finden, was in schöner Regelmäßigkeit auf den entsprechenden Rängen abgeht.

Für mich sind Ultras Fans, die den Verein tief im Herzen tragen, die keine Kosten und Mühen scheuen, bei möglichst vielen Spielen dabei zu sein und die Mannschaft mit Gesängen und Applaus zum Sieg tragen.

Hut ab dafür!

Die wenigen, die dabei ständig aus der Reihe tanzen, gehören knallhart aussortiert. Ob das der Verein, der DFB oder die OFCs selber übernehmen, ist mir dabei egal.

Fakt ist, es muss etwas passieren, damit sowas möglichst nicht nochmal passiert.

War sonst noch was?

Ach ja, wir haben die 3. Runde des DFB-Pokals mit einem 3:0 gegen Wehen erreicht. Mit einem durchwachsenen Spiel, bei dem lediglich das erweiterte Spiel über die Außen und der Einsatz der Doppelspitze Lasogga/Arp in der Startelf, den Wolf- Unterschied ausmachten.

Nach einem guten Beginn lud man den Gegner mehr und mehr dazu ein, aktiv zu werden. Deshalb fiel das 1:0 auch recht überraschend. Holtby darf sich einen Scorrerpunkt, Lasogga seinen 3. Pokaltreffer notieren.

Dass es mit dem knappen Vorsprung in die Kabine ging, verdanken wir nicht zuletzt der mangelnden Verwertung der Wehener Chancen, vor dem Tor von Pollersbeck.

An der Zweikampfquote (48%) muss Wolf mit seiner Mannschaft auch noch hart arbeiten.

Für Douglas Santos freut mich sein Treffer zum Endstand besonders. Der Brasilianer, der seine linke Seite mal wieder von oben bis unten beackert hat, belohnte sich nach einem Abstauber selber.

Jubeln ist also angesagt.

Und sonst?

Hat sich unser Vv im NDR-Sportclub zu Wort gemeldet. Was ich persönlich sehr begrüßt habe, waren die warmen Worte, die er in Richtung Titz sendete. Ob der Plan, die sportlichen Ziele mit Hannes Wolf eher zu erreichen, aufgeht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Zumindest hat er für die Öffentlichkeit den Aufstiegsdruck von Mannschaft und Trainer genommen, indem er klar betonte, auch ein weiteres Jahr in Liga 2 bekäme man gestemmt. Näheres dazu erwarten sich Experten mit der in den kommenden Wochen zu veröffentlichen Bilanz, die ein erneutes Minus ausweisen dürfte.

Nun steigert sich Tag für Tag aber zunächst mal die Spannung auf das Spitzenspiel gegen Köln, am kommenden Montag. Die Kölner sind gestern gegen Schalke aus dem Pokal geflogen. Sie haben zwar eine Verlängerung und ein Elfmeterschießen mehr in den Knochen, dafür aber sicherlich eine Menge Wut im Bauch. Allein schon wegen des entscheidenden Treffers von Mark Uth, der mit einer Gelb-Roten Karte, wegen Handspiels, längst hätte auf der Bank sitzen müssen.

Es bleibt spannend.

(mg)