Ein Wechselbad der Gefühle

Es läuft die 89. Minute, Hwang hat den Ball, sprintet los, vorbei an vom Konter überrascht scheinende Berliner. Er ist kurz vor dem Strafraum. Er schlägt Haken. Einen, zwei… Hwang müsste schießen.

Hwang schießt.

TOOOOOOOOOR!

Der Hamburger Sportverein führt mit 3:1. Tabellenplatz 1, mit vier Punkten Vorsprung vor dem Kölner FC.

Das Stadion tobt und…

…ich wache auf.

Shit.

So hätte es gewesen sein können. Wenn, ja wenn Hwang nach seinem tollen Solo nicht letztendlich doch noch an Torwart Gikiewicz gescheitert wäre. Das war eine 100%ige.

Hätte, wäre, wenn.

Der HSV muss sich, im Spitzenspiel der 2. Liga, mit einem Unentschieden zufriedengeben.

Und ich muss ganz ehrlich sagen: zu Recht. Union war ein Gegner, der mitspielte, der gegenhielt, der herausforderte.

Während der ersten 45 Minuten war nicht viel Esprit bei den Hamburgern zu sehen. Selbst Santos, normalerweise einer der Besten auf dem Platz, ließ sich zu dem ein oder anderen gruseligen Fehlpass animieren.

Auch Kapitän Hunt und Schnurbartträger Holtby waren nicht präsent.

Der einzige, der für etwas Wirbel sorgte, war der auf links gesetzte Bakery Jatta.

Bei ihm liegen allerdings Genie und Wahnsinn noch sehr dicht beieinander.

Das Führungstor für die Gäste war ein schwaches Zusammenspiel unserer Abwehr. Mees ist schneller als Sakai, van Drongelen und Lacroix zusammen. Pollersbeck ruht in der Mitte des Tores, so knallt der Ball in die unbewachte kurze Ecke.

Vorne wirken wir harmlos und das nötige Zielwasser haben die Jungs wohl erst in der Pause erhalten.

Da nutzen auch die 86% Passquote der ersten Halbzeit nichts, da diese auf 14% sank, wenn es ins letzte Drittel des Feldes ging.

Man muss zugeben, dass die Eisernen ihrem Namen alle Ehre machten. Sie standen hinten kompakt, so dass selten ein Durchkommen möglich war.

Nicht umsonst führen sie, gemeinsam mit dem BVB, die Tabelle der „Unbesiegbaren“ aller Ligen an.

Der Ausgleich fällt ebenso gerecht.

Denn die Hamburger drehen nach der Halbzeitpause auf.

Hunt ist inzwischen auch mit dem Kopf auf dem Platz und versenkt den Ball, nach einem Fehler von Reichel, aus acht Metern im Tor.

Holtby profitiert in der 65. Minute von einem nicht geklärten Jatta-Schuß und drischt das Leder ins Netz.

Tja, und dann folgt eine Auswechselung, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Hannes Wolf nimmt den erstarkten Hunt vom Platz und bringt in der 74. Minute…Bates!

Der HSV bietet drei Innenverteidiger auf. Das Ziel von Wolf ist deutlich. Man will das Ergebnis halten.

Das ging, wie man nun weiß, in die Hosen.

Daran änderte dann auch die Auswechselung von Narey gegen Arp, in der 79., nichts mehr.

In der 77. Minute erfolgt ein Wunder.

Schiri Frank Willenborg zieht die 1. Gelbe Karte des Spieles. Marcel Hartel hatte Hwangs Trikot eindeutig zu heftig gedehnt.

In den 76 Minuten zuvor hatte man das Gefühl, Willenborg legt lediglich Wert darauf, seine Schiedsrichterbälle kontrolliert ausführen zu lassen.

Das, WAS er pfiff war teilweise nicht der Rede wert, während er eindeutige Fouls ungeahndet ließ.

Und eigentlich hätten die Berliner ab der 87., nach einer eindeutigen Tätlichkeit von Trimmel gegen Jatte, nur noch mit neun Feldspielern auf dem Rasen stehen müssen.

Es kam, was kommen musste, Bates und Lacroix waren wohl schon mit den Gedanken in der Kabine.

Suleiman Abdullahi bedankte sich mit dem Ausgleich…

Mein Fazit: es war ein Spitzenspiel, das seinen Namen wirklich verdient hatte. Ich habe in der 2. Halbzeit einen guten HSV gesehen, der sich nach dem Rückstand nicht aufgegeben hat.

Warum nicht gleich von Beginn an so?

Die Auswechselungen waren für mich kontraproduktiv. Auch Mangala gegen Moritz habe ich nicht verstanden. Es sei denn, Wolf wollte Moritz endlich mal wieder das Gefühl geben, auf dem Volksparkrasen zu stehen.

Gut fand ich, dass Jatta bis zum Abpfiff spielen durfte. Das stärkt sein Selbstbewusstsein.

Wie meinte Holtby am Sky-Mikrofon: „Das war ein Wechselbad der Gefühle“. Recht hat er…

Wolf wird aus dem Spiel viel mitgenommen haben, muss am Lasogga-Ersatz noch arbeiten und beim nächsten Mal die Parole „NACHLEGEN“ statt halten ausgeben.

Am Sonntag geht es gegen Schlusslicht Ingolstadt.

Die haben gerade ihren Trainer, Alexander Nouri, nach nur zwei Monaten, geschasst.

Aber das muss ja nicht unbedingt was heißen, wie man an Magdeburg gesehen hat.

Die Aufgabe kann, mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, durchaus bewältigt werden.

Auf geht’s, Hamburg!

(mg)

Präsidentenwahl und Beirat

In genau zwei Monaten wird, während unserer Mitgliederversammlung, ein neuer Präsident für den eV gewählt, und dieser Tagesordnungspunkt schlägt mal wieder bereits jetzt hohe Wellen.
Naja, wir sind schließlich auch der HSV, ein Verein, der niemals schläft.
Letzte Woche hatten wir im Podcast „Volksparkgeflüster“ den Vizepräsidenten und Schatzmeister unseres Vereins zu Gast.
Neben einigen anderen Themen haben wir dabei recht ausführlich das Thema Präsidentenwahl beleuchtet.
Hier einige Punkte, die für den einen oder anderen sicherlich interessant sind:

Normalerweise wird ein Präsidialteam, bestehend aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und Schatzmeister gewählt.
Dieses Mal ist es nur eine Nachwahl des Präsidenten, da Bernd Hoffmann ja bekanntermaßen auf den Stuhl des Vorstandsvorsitzenden wechselte.
Sein Team, bestehend aus Moritz Schäfer und Thomas Schulz, bleiben also im Amt. Der Präsident wird auch nur für die restlichen zwei Jahre der dreijährigen Periode gewählt.

Es bewerben sich aktuell eine ganze Menge Leute.
Der Beirat wird nun prüfen, wer für den Posten geeignet ist und er wird auch, wenn alle Bewerber die Vorraussetzungen erfüllen sollten, eine Vorauswahl treffen.
Es ist also kaum zu erwarten, daß wir uns auf der MV die Bewerbungsreden von 20 Kandidaten anhören müssen.
Wie viele und wer letztlich zur Wahl stehen, das entscheidet allein der Beirat. (Jan Wendt, Patrick Ehlers, Kai Esselsgroth, Frank Mackerodt, Oliver Voigt)

Allerdings gibt es keine genau festgelegten Vorgaben, nach denen sich die Beiratsmitglieder richten sollen.

Eines hat der Vorsitzende des Beirats, Jan Wendt, aber schon verkündet. Und allein das hat mich in zweifacher Weise sehr verwundert: Man werde bei der Vorauswahl nicht danach gehen, wer sich gut mit den beiden Vizepräsidenten verträgt und wer nicht.

Erstens verwundert mich, daß der Vorsitzende des Beirats sich überhaupt dazu öffentlich äussert. Und zweitens verwundert es mich, daß das kein Kriterium ist.
Die Väter der Satzung haben sich ganz bewusst dafür ausgesprochen, daß der Verein von einem Team geführt wird, das sich gemeinsam präsentiert, das gemeinsam gewählt wird.
Im letzten Jahr standen das Team Hoffmann, mit Moritz Schäfer und Thomas Schulz und das Team Meier, mit Henning Kinkhorst und Ralph Hartmann zur Wahl.
Die Teams haben sich in dieser Konstellation zusammengefunden, weil sie der Ansicht sind, daß sie effektiv zusammenarbeiten können.
Und nun zählt das nicht mehr? Ok, satzungskonform ist das Verhalten, aber ist es im Sinne des Vereins? Ich denke nicht.

Ein Dutzend Kandidaten soll sich bisher beworben haben, es steht dem Beirat frei, proaktiv noch zusätzlich geeignete Leute anzusprechen.
Man geht davon aus, daß am Ende ca 20 Kandidaten auf der Bewerbungsliste stehen werden. Sollten es weniger sein, haben wahrscheinlich einige ihre Kandidatur nicht abgegeben (oder zurückgezogen), weil sie sich keine Chancen ausrechnen.
Man weiß von Rainer Ferslev (einige werden sich erinnern, er hatte mit den Leuten von „Rautenherz“ ein eigenes Ausgliederungskonzept erarbeitet), Heinrich Höper und Jürgen Hunke sind ziemlich sicher unter den Bewerbern. Die Presse geht davon aus, daß Katrin Sattelmair, Ralph Hartmann und Marcell Jansen ebenso dazu gehören.

Die Bewerbungsfrist läuft am 30.11. ab und am 17.12. sollen die Kandidaten veröffentlicht werden.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht in die Geschichte bringen. Wer mehr wissen möchte, in naher Zukunft werden wir beim „Volksparkgeflüster“ Patrick Ehlers, den Fandelegierten im Beirat, zu Gast haben. Ich denke, die Wahl wird da auch ein Thema sein, auch wenn er nicht über Personen sprechen wird. Und das ist gut so.
Wir halten euch auf dem Laufenden.
(fb)

Wenn das Kind im Brunnen liegt und was die Fernwahl damit zu tun hat

Es heißt, Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Doch manchmal wird er nur noch zur Nebensache. Dann nämlich, wenn ein Mensch verletzt wird.
Und so gelten die ersten Zeilen meines Blogs demjenigen HSV-Fan, der sich nach dem Abpfiff in Aue, beim Abnehmen einer Zaunfahne, schwer verletzte.
Gott sei Dank soll es ihm inzwischen besser gehen. Auch von uns kommen herzliche Genesungswünsche.

Nach dem Sturz fiel es den meisten Fans schwer, sich über die so wichtigen Punkte, die der HSV aus dem Erzgebirge mitbrachte, unbeschwert zu freuen.
Wir sollten es trotzdem tun, denn die Mannschaft hat sich den Sieg redlich verdient.

Herausheben möchte ich an dieser Stelle endlich mal Sakai, der nicht nur in der 50. Minute, mit einem tollen Sprint gegen Hochscheidt, den Ball entsorgen und somit den Rückstand vermeiden konnte, sondern gestern auch mit der höchsten Passquote punktete.
In der Zweikampfstatistik standen auch nur Mangala und Narey noch vor ihm.

Alles in allem war das eines der besten Spiele, die ich in dieser Saison von der gesamten Mannschaft gesehen habe.
Gegen einen Gegner, der sich mal NICHT nur hinten postierte, sondern mitspielte. Das führte zu einigen gefährlichen Situationen, die Aue jedoch nicht verwerten konnte. Etwas, was mir in der gesamten 2. Liga häufiger auffällt.
Da sind gute Chancen, die einfach nicht genutzt werden.

Natürlich gilt das auch noch für unsere Mannschaft. Denkt man nur an das vergebene Führungstor in der 41. Minute, als Narey, sichtlich überrascht, dass der verlängerte Kopfball von Santos ihn noch erreichte, die Kugel aus zwei Metern an den Pfosten setzte.
Trotzdem erhält Khaled von mir auch in dieser Woche ein dickes Fleißkärtchen. Nicht nur wegen seines Traumtores, in der 62.
Gefreut habe ich mich für Jatta. Sein Tor zum Endstand muss man aus dieser Position heraus erstmal versenken!
Mit mehr Spielpraxis könnte er uns in Zukunft noch öfter positiv überraschen.

Mit drei Punkten Vorsprung auf Köln und vier auf Pauli geht es jetzt in die Länderspielpause. Zwei Wochen Zeit für Hannes Wolf, an einigen rauen Stellen noch zu feilen. Auch wenn einige unserer Jungs mal wieder auf Reisen gehen.

Stell dir vor es ist Länderspielpause und niemanden interessiert es.
Naja, jedenfalls weniger als angedacht.
Gerade mal 25.000 Tickets waren am vergangenen Donnerstag, für das Freundschaftsspiel gegen Russland, in Leipzig, verkauft.
Und auch das vier Tage später in Gelsenkirchen stattfindende „Endspiel“ für die Deutschen gegen die Niederlande, in der (völlig unnötigen) Nations League, trifft den Fußballnerv der Fans nicht wirklich.
Jogi Löw (und der DFB) schieben das auf die verkorkste WM und das eher lustlos erscheinende Gekicke, das man uns in den Monaten davor bot.
Ich denke, der gemeine Fußballfan hat sich schon länger abgewendet.
Begonnen hat es mit dem überheblichen Marketinggag, die Mannschaft „Die Mannschaft“ zu nennen. Weiter ging es mit einem völlig abgehobenen Fanclub, in dem man Mitglied sein musste, um leicht an Karten zu kommen, über lächerliche Preise für die Spiele und eine nicht angemessene Arroganz, wenn es um die Abschirmung der teuren Profis ging.

Der Fan wurde mehr und mehr zur Melkkuh und der DFB, Löw und auch Bierhoff übersahen die ersten Zeichen des Unmutes.
Da bedarf es mehr, als nun ein paar örtliche Fußballschulen zu besuchen und hier und da ein öffentliches Training anzuberaumen.
Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen, bekommt man es schwer wieder raus.

Und hier schließe ich den Bogen zur Überschrift und unserem HSV.
Denn wie schwer es ist, das sprichwörtliche Kind wieder hochzuziehen, merken wir gerade am eigenen Leib.
Da die Fangemeinde seit HSV plus gespaltener denn je ist, wird in JEDER Mitgliederversammlung versucht, an den zuständigen Gremien zu sägen.
Sei es mit der Verhinderung (oder Absetzung) von Bernd Hoffmann oder der Installation von ewig gestrigen Traditionalisten, die schon immer alles besser wussten.

Da ich mich noch gut daran erinnern kann, wo uns ein Aufsichtsrat aus pressegierigen Fans und plauderfreudigen „Experten“ hingeführt hat, kann man gar nicht früh genug damit beginnen, vor dem erneuten Anfang vom (endgültigen?) Ende zu warnen.

Zu diesen Anfängen zähle ich auch Heinrich Höper, der den Medien nach, zum Sprung in den Aufsichtsrat (auf den Präsidententhron?) des e.V.s ansetzt.
Wir regen uns über die Magaths dieser Welt auf, die ständig versuchen, von außen Einfluss zu nehmen, während von innen anscheinend erneut ein giftiges Süppchen angerührt wird.
Höper hat bei Hamburg1, im Januar, öffentlich den Rausschmiss von Gisdol gefordert und damit gedroht, ansonsten aus dem Verein auszutreten.
Man bezeichnet ihn als „Edelfan“, was auch immer das ist.
Aber wäre er auch nur eine Spur von Fan, er würde für mein Verständnis wohl nicht in den Medien über seinen Lieblingsverein herziehen, sondern eher mit vorhandenem Unmut den Weg zu den Verantwortlichen suchen.
Wir brauchen keine neuen Sprachrohre im Aufsichtsrat. In einem Aufsichtsrat, in dem es übrigens momentan ruhiger ist, als in all den Jahren zuvor!

Und es ist nicht nur mühsam, sondern auch extrem anstrengend, Jahr für Jahr die Massen zu mobilisieren und dazu zu bewegen, Reise-und Übernachtungskosten auf sich zu nehmen, um wieder mal Schlimmes vielleicht zu verhindern.
Und warum?
Weil es im 21. Jahrhundert noch immer keine Fernwahl beim HSV gibt!
Die Fans werden gezwungen, ihre Stimme am Veranstaltungsort abzugeben.
Entsprechende Anträge über die Stimmabgabe per Briefwahl oder über das Internet, wurden mit absurden Mitteln bisher stets verhindert.
Aus diesem Grund hoffe ich sehr, dass es uns im kommenden Januar gelingt, diesen Tagesordnungspunkt (möglichst weit oben) endlich auf den Weg zu bringen.
Jeder, der sich mit der korrekten Antragsstellung auskennt möchte ich hiermit bitten, sich dessen anzunehmen.

Fußballerisch befinden wir uns auf einem guten Weg. Es wird noch ein weiter und kein leichter sein.
Lasst uns dafür sorgen, dass auch Ruhe in die AG, in den Verein, kommt und denen, die momentan einen guten Job machen, zusichern, dies auch ohne störende Nebengeräusche weiterhin tun zu können.
Damit das Kind, damit unser HSV, aus dem Brunnen, in den wir ihn selber geschubst haben, langsam und stärker als zuvor rauskrabbeln kann!
(mg)

Wie Helene Fischer in Buxtehude

Was der Unterschied ist, zwischen der Fangemeinde von Deutschlands Schlagerqueen und der des HSVs?

Ganz einfach.

Zahlreiche Zuhörer von Helene Fischer wären am vergangenen Montag wohl nach 20 Minuten vom Veranstaltungsort geflohen, weil sie zu viele schiefe Töne zu hören bekamen, während die HSV-Fans längst wissen, dass es sich oft genug lohnt, bis zum Ende auszuharren.

Es war der Sky-Moderator himself, (von dem man im Übrigen häufig nicht wusste, ob er dasselbe Spiel sah) der sich im Vorhinein mit Superlativen zum Spitzenspiel HSV-Köln überschlug. Unter anderem gab er zum Besten, das 95. Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine in Liga 2, sei, als würde Helene Fischer in Buxtehude trällern.

Tagelang hatten die Medien die Stimmung geschürt, hochgepuscht, was es hochzupuschen gab.

Nun gut, letztendlich brachte das Spiel dem Pay-TY-Sender Sky eine Spitzenquote ein. Mehr als 500.000 Zuschauer erwarteten gespannt den Kampf um die Tabellenspitze vor dem Fernseher. Zum Vergleich: Bochum gegen Regensburg, in der vergangenen Woche, wollten lediglich 70.000 Fußballfans mitverfolgen.

Beide Trainer waren, im Gegensatz zu den Medien, im Vorfeld bewusst zurückhaltend, sprachen zwar auch von Spitzenspiel, reduzierten die Erwartungen hinsichtlich der Tabellenführung allerdings zur Momentaufnahme.

Im Grunde ist es das auch. Eine Momentaufnahme.

Trotz allem war sich insbesondere Hannes Wolf sehr wohl bewusst darüber, dass sein HSV nach drei torlosen Heimspielen nicht nur bei den Fans in der Pflicht stand.

Und so war das 1:0, in der 86. die Erlösung nach 363 torlosen Minuten im Volkspark. Douglas Santos darf sich, nach einem tollen Solosprint, einen Scorrerpunkt notieren. Lasogga stand dort, wo ein Strafraumstürmer stehen muss und staubte mit einem harten Schuss aus drei Metern, den Treffer ab.

Überhaupt. Douglas Santos dürfte nach diesem Spiel erneut Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen geweckt haben. Er war an zehn Torschüssen beteiligt, dreimal davon versuchte er sich selber am Abschluss. Seine sowohl offensiven als auch defensiven Aktionen brachten ihm ein Sonderlob vom Trainer ein.

In den ersten 20 Minuten war es wirklich kein gutes Fußballspiel. Beide Mannschaften tasteten sich ab und versuchten, keine Fehler zu machen.

Für einige sorgte zudem die Aufstellung von Léo Lacroix, der für den gelb-rot gesperrten Bates in die Startelf rutschte, bereits vor Anpfiff für Bauchschmerzen.

Völlig zu Unrecht, wie sich im Nachhinein herausstellte. Der Schweizer gewann über 80 Prozent seiner Zweikämpfe, brachte 91 Prozent seiner Pässe an den eigenen Mann und sorgte erheblich mit dafür, dass Kölns Toptorjäger, Simon Terodde an diesem Abend lediglich eine Statistenrolle einnahm und die beste Offensive der 2. Liga torlos blieb.

Interessant wird zu beobachten sein, wie Wolf in den kommenden Spielen auf diese Topwerte reagiert.

Und während, wie oben erwähnt, Helenes Konzert wohl nach nicht mal einer halben Stunde sein Ende gefunden hätte, wurde der HSV, insbesondere in der 2. Halbzeit immer stärker.

Dafür sprechen auch die Statistikwerte. Hier stehen insgesamt 23:11 Torschüsse und 8:1 Ecken geschrieben. 57 Prozent gewonnener Zweikämpfe sind zwar noch ausbaubar, neun mehr gelaufene Kilometer beweisen jedoch eindrucksvoll, dass Hamburg den Kölnern (nicht nur) läuferisch überlegen war.

12,9 Kilometer der insgesamt 123,8, gehen übrigens auf das Konto von Khaled Narey, der (nicht nur) mich erneut von seiner Wichtigkeit für die Mannschaft überzeugte.

Er beackerte die komplette Spielfläche und war sich für nichts zu schade.

So war es ihm zu verdanken, dass die Führung, in der 59. Minute, nicht an die Gäste ging. Er kratzte einen Ball von Höger von der Torlinie, nachdem Pollersbeck schon geschlagen schien.

Habe ich noch was vergessen?

Ach ja. Den eindeutigen Handelfmeter in der 16. Minute, den Schiri Dingert nicht gepfiffen hat. Czichos bekam aus einem Meter den Ball an den Arm, der eindeutig ausgestreckt war.

Das war das 1. Mal in dieser Saison, dass ich einen Videoschiedsrichter vermisst habe.

Insgesamt war es eine engagierte Mannschaftsleistung, die man in den vergangenen Heimspielen öfter vermisst hat.

Hannes Wolf bleibt bescheiden und ruft zur Disziplin. Denn auch Aue, derzeit auf Platz 13 der Tabelle, wird gierig sein auf Punkte gegen Hamburg. Uns wird weiterhin nichts geschenkt werden.

Nun gilt es, den knappen Vorsprung auszubauen.

Die von Geschäftsführer Veh hart gescholtenen Kölner treffen auf Dresden. Trainer Markus Anfang steht unter Siegdruck.

St Pauli, derzeit 2. der Tabelle, bekommt es mit Heidenheim zu tun. Beide Partien könnten die Tabellenspitze ordentlich durcheinanderruckeln. Alle drei Spiele finden zeitgleich statt.

Das wird ein spannender Samstag…

(mg)

 

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Ultras, Segen oder Fluch?

Mit zwei Tagen Abstand wird man ruhiger.

Obwohl die Wut, dass die eigenen Fans beinahe für einen Spielabbruch gesorgt hätten, mich noch immer nicht ganz loslässt.

Die 2. Runde DFB-Pokal vor der Brust. Der SVWW mit stolzgeschwellter Brust, haben sie doch St. Pauli, in der 1. Runde, mit einem 2:3, nach Verlängerung, vorzeitig aus dem Wettbewerb gekegelt.

Vor dem Spiel die großen Ansagen des Gastgebers, Pauli sei stärker zu bewerten als der HSV. Somit erwartete man bereits vor Anpfiff einen heißen Kampf.

Das mit dem „heiß“ erledigten dann zunächst mal die Pyropfeifen aus dem Gästeblock.

Nach dem 1. und auch dem 2. Tor für die Hamburger leuchtete der Block und qualmte es selbst bis weit auf den Rasen.

Als Lasogga in der 51. Minute zum zweiten Mal netzte (nach einem schönen Zusammenspiel mit Holtby und Arp), sah sich Schiri Jöllenbeck gar bemüßigt, wegen der starken Rauchentwicklung, die Spieler vom Feld zu holen.

Die Stadionsprecherin machte deutlich: noch einmal und das Spiel wird abgebrochen.

Ich weiß wirklich nicht, ob es denen, die für das Spektakel zuständig sind klar ist, WAS das den Verein gekostet hätte.

Die Aussicht für das Erreichen der Runde 3, über 660.000€ einzustreichen, wäre mit dem vorzeitigen Abpfiff gestorben und automatisch in den Kassen von Wiesbaden gelandet.

Ganz davon ab, dass der DFB mal wieder ermittelt und saftige Strafen drohen.

Und dabei ist es wahrlich keine Entschuldigung, das harte Durchgreifen des Schiedsrichters mit der Anwesenheit von DFB-Präsi Grindel zu entschuldigen.

Man munkelt, dass die Aktion eine Reaktion auf das „Hoffmann, du wirst noch von uns hören“-Plakat war, das vor dem Ultra-Block, nach der Entlassung von Christian Titz aufgehängt wurde.

Sei´s drum. Irgendeinen Grund findet man ja immer, bewusst gegen geltendes Recht  zu verstoßen, und damit nicht nur sich, sondern auch andere zu gefährden.

Man muss stark bezweifeln, dass weitere Gespräche, die man nun suchen will, großartige Ergebnisse hervorbringen.

Zu festgefahren sind die Meinungen auf beiden Seiten.

Während die einen Fackeln stimmungsvoll finden, wissen die anderen nicht, was Qualm und schädlicher Rauch, mit eben dieser Stimmung zu tun haben soll.

Selbst die Spieler, insbesondere machten am Dienstag keinen Hehl daraus, dass es eindeutig zu viel des „Guten“ war. Holtby  suchte auf dem Zaun gar das Gespräch mit dem Capo und mahnte vor dem drohenden Spielabbruch, bei weiterer Zündelei.

SpoDi Ralf Becker unterstrich im Anschluß: „Das ist kein Ausdruck von Freude, sondern schlecht für den Verein. Damit tut man uns keinen Gefallen. Unterstützung ist super, aber so macht es keinen Sinn.“

Der DFB will mal wieder auf die Vereine zugehen, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Lachhaft.

Als ob man das nicht schon mehrfach angekündigt hätte, sich aber bis dato nichts bewegt hat.

Dabei wäre die Sache aus meiner Sicht so einfach: einen Kameramann vor dem Gästeblock abstellen, die entstandenen Bilder anschließend auswerten und die Verantwortlichen zur Kasse bitten. Schließlich weiß man ja, wer Karten bestellt hat.

Mir kommt es eher so vor, als wolle man bestimmte Gruppen nicht reizen, schließlich werden Ultras ja auch immer mit Stimmung, mit tollen Choreos, in Verbindung gebracht, die die Mannschaft unterstützen sollen.

Ich für meinen Teil kann mir jedoch nicht vorstellen, dass Ultras gleich Pyrozündler bedeutet. Nicht jeder KANN das toll finden, was in schöner Regelmäßigkeit auf den entsprechenden Rängen abgeht.

Für mich sind Ultras Fans, die den Verein tief im Herzen tragen, die keine Kosten und Mühen scheuen, bei möglichst vielen Spielen dabei zu sein und die Mannschaft mit Gesängen und Applaus zum Sieg tragen.

Hut ab dafür!

Die wenigen, die dabei ständig aus der Reihe tanzen, gehören knallhart aussortiert. Ob das der Verein, der DFB oder die OFCs selber übernehmen, ist mir dabei egal.

Fakt ist, es muss etwas passieren, damit sowas möglichst nicht nochmal passiert.

War sonst noch was?

Ach ja, wir haben die 3. Runde des DFB-Pokals mit einem 3:0 gegen Wehen erreicht. Mit einem durchwachsenen Spiel, bei dem lediglich das erweiterte Spiel über die Außen und der Einsatz der Doppelspitze Lasogga/Arp in der Startelf, den Wolf- Unterschied ausmachten.

Nach einem guten Beginn lud man den Gegner mehr und mehr dazu ein, aktiv zu werden. Deshalb fiel das 1:0 auch recht überraschend. Holtby darf sich einen Scorrerpunkt, Lasogga seinen 3. Pokaltreffer notieren.

Dass es mit dem knappen Vorsprung in die Kabine ging, verdanken wir nicht zuletzt der mangelnden Verwertung der Wehener Chancen, vor dem Tor von Pollersbeck.

An der Zweikampfquote (48%) muss Wolf mit seiner Mannschaft auch noch hart arbeiten.

Für Douglas Santos freut mich sein Treffer zum Endstand besonders. Der Brasilianer, der seine linke Seite mal wieder von oben bis unten beackert hat, belohnte sich nach einem Abstauber selber.

Jubeln ist also angesagt.

Und sonst?

Hat sich unser Vv im NDR-Sportclub zu Wort gemeldet. Was ich persönlich sehr begrüßt habe, waren die warmen Worte, die er in Richtung Titz sendete. Ob der Plan, die sportlichen Ziele mit Hannes Wolf eher zu erreichen, aufgeht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Zumindest hat er für die Öffentlichkeit den Aufstiegsdruck von Mannschaft und Trainer genommen, indem er klar betonte, auch ein weiteres Jahr in Liga 2 bekäme man gestemmt. Näheres dazu erwarten sich Experten mit der in den kommenden Wochen zu veröffentlichen Bilanz, die ein erneutes Minus ausweisen dürfte.

Nun steigert sich Tag für Tag aber zunächst mal die Spannung auf das Spitzenspiel gegen Köln, am kommenden Montag. Die Kölner sind gestern gegen Schalke aus dem Pokal geflogen. Sie haben zwar eine Verlängerung und ein Elfmeterschießen mehr in den Knochen, dafür aber sicherlich eine Menge Wut im Bauch. Allein schon wegen des entscheidenden Treffers von Mark Uth, der mit einer Gelb-Roten Karte, wegen Handspiels, längst hätte auf der Bank sitzen müssen.

Es bleibt spannend.

(mg)