Lieber Herr Magath.

Sie haben eine beeindruckende Vita. Aber leider gehören Sie für mich zu denen die nicht merken, wann ihr Stern gesunken ist.

Sie waren mit dem HSV so erfolgreich, wie selten jemand. In 306 Bundesligaspielen erzielten Sie 46 Tore, konnten dreimal die Salatschüssel der Deutschen Meisterschaft in den Himmel heben.
Ihr wichtigstes Tor brachte dem Hamburger Sportverein 1983 den Europapokal der Landesmeister.

Als Trainer erreichten Sie 1996 Platz 5 und 1997 Platz 13.
Danach mussten Sie gehen.

Sie sind ein Machtmensch.
Selten gaben Sie sich mit nur einer Position im Fußballgeschäft zufrieden. Sie strebten, während Ihrer aktiven Trainerkarriere stets auch das Amt des Sportdirektors sowie einen führenden Posten im Vorstand an.
Deshalb mag es nicht verwundern, dass gerade Sie gegen den HSV grollen.

Denn trotz der beeindruckenden Karriere an der Elbe hat Sie nie jemand gefragt, ob „der große Felix Magath“, mit dabei sein will.
Selbst dann nicht, als das blau-weiß-schwarze Schiff mächtig strauchelte und letztendlich in die Tiefen der 2. Liga schipperte.

Nun stehen Sie da gestern bei Sky.
Der einstmals so bewunderte „Quälix“ ist ein verbitterter, alter Mann geworden, der gegen alles und jeden schießt. Selbst vor einer Verbrüderung mit denen, die am Untergang des Vereins mit schuld sind, war Ihnen Mittel genug, doch noch irgendwie einen Zipfel der Macht beim HSV zu erhaschen. Bisher Gott sei Dank erfolglos.

Klar wird all das was Sie von sich geben von den Medien dankbar mitgehört. So saugte die Zeitung mit den vier großen Buchstaben Ihre Worte gierig auf und fügte Ihre Kritik an Trainer, Mannschaft und Vorstand, grinsend als weiteres Kapitel des laufenden Absägeprozesses von Christian Titz hinzu.

Sie betitelten Titz als „Märchenerzähler“ und wünschten sich einen „namhaften“ Trainer für den großen HSV.
Aber ist es nicht GENAU DAS, was den HSV dorthin gebracht hat, wo er heute ist?

Ist der Neuanfang, ohne Kohle aus Malle, mit Jugend und neuen Ideen nicht genau das, was viele noch vor ein paar Monaten rigoros gefordert haben?

Und, ist es wirklich Ihr Ernst, einen Mann als Märchenerzähler zu betiteln, der in den letzten acht Spielen der 2. Bundesliga 17 Punkte holte?
Haben Sie gesehen, wie Lewis Holtby, nach einem klasse Zusammenspiel mit Narey und einem sehenswerten Tor, Christian Titz in die Arme fällt?
Ich wage zu behaupten, dass die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft stimmt.
Es mag ein glückliches 2:1 für den HSV gewesen sein, die Endphase spannender als sie hätte sein müssen. Doch am Ende sah man, dass sich Titz die Kritik an seinem hohen Torwart und die kurzen, oft ihr Ziel verfehlenden Pässe im Mittelfeld, zu Herzen genommen hat.

Auch das Festhalten an den beiden „Oldies“, Hunt und Holtby hat sich ausgezahlt. Beide durften torjubeln und bei beiden merkte man den Willen, es den zahlreichen Misstrauischen ihrer Fußballfähigkeit zu beweisen.
Mag sein, dass noch nicht alles Gold ist was glänzt. Mag auch sein, dass das defensive Auswechseln und das damit gewollte Halten des Ergebnisses ein Vabanque-Spiel war.
Aber was zählt, sind die drei Punkte, die sich gestern mit auf den Weg nach Hamburg machten.
Auch wenn es zwischenzeitlich, insbesondere in den letzten 20 Minuten an der so wichtigen Konzentration mangelte. Die Zweikampfquote (47 Prozent) ist ausbaufähig, ebenso wie die Schussgenauigkeit (44 Prozent). Aber die Mannschaft arbeitet daran. Sie weiß, wo Ihre Schwächen liegen.

Es wäre ein Wahnsinn, diesen Trainer jetzt abzusägen und erneut auf „große Namen“ setzen zu wollen!
Titz hat jetzt zwei Wochen Zeit an den noch lockeren Stellschrauben zu drehen. In dieser Zeit würde ich mir ein klärendes Wort von der Vereinsspitze wünschen, der Ruhe in den Medienkarton bringt. Damit auch die Mannschaft davon profitiert und man den Druck von ihr nimmt. Denn nur dann kann sie, mit dem Selbstbewusstsein des letzten Sieges, mit erhobenem Kopf in das nächste Spiel gehen.

Lieber Herr Magath. Setzen Sie sich zur Ruhe. Spielen Sie eine Runde Schach mit Herrn Kühne und sinnieren Sie über gute alte Zeiten.
Denn beim HSV hat eine neue Zeitrechnung begonnen und er kommt gut ohne Sie aus.
Ohne Sie und ohne die ständige Meckerei über all das, was Sie vielleicht gerne anders oder selber hätten.
Demontieren Sie sich nicht weiter. Das haben Sie doch nicht nötig, oder?
Herzliche Grüße, Ihre
(mg)