Es ist ein bisschen wie Liebeskummer

Morgens nach dem Aufwachen der erste Gedanke. „Da war doch was.“

Und dann kommt es wieder, dieses Gefühl, dass es eben nicht mehr so ist, wie noch vor ein paar Tagen.

Dass „er“ nicht wiederkommt. Ersetzt durch einen Neuen. Einfach so.

Na ja, vielleicht nicht ganz „einfach so“. Denn gemunkelt wurde ja schon lange, dass die AG-Führung mit den aktuellen Entwicklungen nicht ganz glücklich ist.

Nach dem hart erkämpften Sieg gegen Magdeburg schallte der Name von Christian Titz tausendfach durch die MDCC Arena und machte die Enttäuschung deutlich, die bei den meisten HSV-Fans, auch drei Tage nach seinem Rausschmiss noch tief sitzt.

Unnötig zu betonen, dass das Anti-Hoffmann-Banner von uns BlogPerlen nicht gutgeheißen wird.

Ebenso wie die Pyro, die von den Gästerängen mal wieder für Qualm und Gestank durch ein paar Vernebelte sorgte und den Verein erneut Geld kosten wird, welches er eigentlich nicht hat.

Und jetzt kommt mir nicht damit, dass „wer vier Trainer bezahlt, diese Strafe auch noch löhnen kann“.

Das wäre so, als wenn ihr euch mit Absicht ins Halteverbot stellt und ihr bei Zustellung des Strafzettels eurem Bankmitarbeiter erklärt, er solle die paar Kröten einfach auf eure Schulden draufrechnen.

Wie mag Hannes Wolf sich gefühlt haben, nach dem Spiel?

Nicht besonders prickelnd, wenn ihr mich fragt.

Allerdings traue ich ihm durchaus zu, dass er Verständnis hat, für die Reaktion.

Schließlich kann man die Zuneigung, die sich Christian Titz in den vergangenen Monaten durch seine herzliche, offene Art erarbeitet hat, nicht einfach so wegatmen.

Es wird dauern, bis der Name des Neuen durch die Arena schallt.

Dann, wenn klar ist, dass er den HSV positiv positionieren kann, wenn sein System greift und dann, wenn ebenso klar ist, dass die Tür zwischen Fans und Mannschaft offen bleibt.

Kurz: dann, wenn er alle Ebenen überzeugt hat.

Dass der 37jährige Nachwuchstrainer (schönen Gruß an Herrn Magath) ein guter Übungsleiter ist, hat er bereits unter Beweis gestellt. Zudem kennt er sich gut in Liga 2 aus, weiß, worauf es ankommt.

Ich bin die Letzte, die nach einem Spiel beurteilen will, ob das klappt mit dem HSV und Wolf, oder eben nicht. Schon gar nicht da ich weiß, dass der Neue mal gerade zwei Tage Zeit hatte, die Mannschaft kennenzulernen und ihnen zu erklären, was er von ihr erwartet und wie er sich das Spiel in der Zukunft vorstellt.

Ich muss aber auch zugeben, dass ich nach Bekanntgabe der Aufstellung kurz geschluckt habe.

Außer Lasogga habe ich keine wesentlichen Änderungen erkennen können.

Geschluckt habe ich auch, als die ersten Bälle von Pollersbeck wieder lang nach vorne gingen, erneut oft beim Gegner landeten oder erst gar keinen Abnehmer fanden.

Hatte diese Taktik nicht erst Gisdol und dann auch Hollerbach, vor einigen Monaten den Job gekostet?

Wir taten uns schwer in der ersten Halbzeit.

Zumal es eigentlich war wie immer: Magdeburg staffelte dicht und sich hinten rein. Die Hamburger wirkten mal wieder gehemmt und unsicher.

Für mich eine nennenswerte Ausnahme: Narey. Der ging dahin wo es wehtut, in jeden noch so harten Zweikampf und machte ordentlich Wirbel auf der rechten Seite. Und auch Hwang auf links scheiterte so manches Mal nur noch am Magdeburger Torwart Brunst.

Am befreienden Punch mangelte es jedoch mal wieder bis zur Halbzeit, trotz einer Passquote von über 82 Prozent.

In der 53. Minute sah Bates seine zweite Gelbe Karte (nebenbei: die erste war ein Witz, nur erklärbar dadurch, dass Schiri Gerach gleich zu Beginn zeigen wollte, wer die Pfeife hat…).

Wer nun erwartet hatte, dass der HSV einknickt, sah sich getäuscht. In Unterzahl drehte man richtig auf und belohnte sich selber, in der 77. Minute, mit dem Führungstreffer.

Scorerpunkt für Lasoggas sehenswürdigen Lupfer, Tor durch Abnehmer Narey und einem knallharten Torwarttunnler.

Die druckvolle Endphase der Magdeburger sicherte Wolf mit dem Wechsel von Lacroix gegen Lasogga ab.

Somit geht der neue Trainer mit drei Punkten an den Start und ist damit der erste, dem diesen nach Mirko Slomka (Saison 2013/14, 22. Spieltag, 3:0 gegen Dortmund) gelingt.

Es bleibt abzuwarten, wie und mit welcher Mannschaft es auf dem Platz weitergeht.

Hannes Wolf hat nun bereits am Dienstag das nächste Spiel vor der Brust. Im Pokal geht es gegen Wehen.

Auch dieses Spiel wird noch nicht unbedingt die Handschrift des neuen Trainers tragen.

Bis sein Name von der Tribüne schallt, das wird eben dauern (ja, ja, ich wiederhole mich).

Denn es ist ein bisschen wie Liebeskummer. Nur die Zeit heilt alle Wunden.

In diesem Fall aber auch Ergebnisse. Und nur die zählen.

Der Druck, der auf Christian Titz lastete, wird bleiben.

Mit einem Unterschied. Denn die Führungsetage ist nun mit dem Wolf-Schicksal verbunden. Scheitert er, werden die Rufe nach einem Wechsel ganz oben noch lauter werden.

Wünschen wir uns einen erfolgreichen Trainer, der dem Saisonziel auf den Fersen bleibt und dem Druck standhält. Wünschen wir der Mannschaft, dass sie aus sich rausholt, was in ihr steckt. Und wünschen wir uns friedliche Fußballspiele mit einer fairen Chance für alle Beteiligten.

(mg)

P.S.: Ein Wort noch zum verweigerten Titz-Abschiedsessen mit der Mannschaft. Diese Bitte, die wohl der Vorstand an den scheidenden Trainer herangetragen hat, das Essen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, kann ich durchaus nachvollziehen. Einen Tag vor dem Magdeburg-Spiel frische Wunden nochmal aufzureißen wäre kontraproduktiv gewesen. Das hat nichts mit schlechten Manieren, sondern mit Vernunft zu tun.

Der König ist tot, es lebe der König

Die BlogPerlen sagen Danke!
Danke für ein halbes Jahr intensiven Fußball, für die Wiederbelebung des HSV, nachdem er am Ende der Zeit unter Hollerbach klinisch tot war, danke für die Hoffnung auf den Klassenerhalt am Ende der letzten Saison, danke dafür, daß wir mit Würde absteigen durften, danke für das Menschliche.
 
Gestern wurde Christian Titz beurlaubt.
Der Vorstand ist zu der Ansicht gekommen, daß die Gefahr zu groß ist, die Ziele der Saison zu verfehlen.
Ich persönlich bin anderer Ansicht. Allerdings bin ich nicht so nah an der Mannschaft, an dem Trainerteam und vor allem bin ich nicht derjenige, der am Ende den Kopf für Ergebnisse hinhalten muß.
Aber ich persönlich bin der Ansicht, wir hätten die Ziele, also den Aufstieg, mit Christian Titz erreichen können.
Ich bin überzeugt, er hätte die Mannschaft so weiterentwickelt, daß die momentanen Schwachpunkte hätten ausgemerzt werden können.
Aber, wie gesagt, der Vorstand ist anderer Meinung und der Vorstand muß letztlich auch die Entscheidung verantworten.
Und wenn der Vorstand vom Trainer nicht überzeugt ist, dann hat er alles richtig gemacht.
Er hat gehandelt und nicht gezaudert, es war kein elendiges Hingehalte, wie bei Labbadia.
Jetzt stehen mit Magdeburg und dem Pokalspiel machbare Aufgaben an, bei denen es mehr auf die Einstellung zum Spiel ankommt, als daß das taktische Spiel zu 100% sitzt.
Danach kommt Köln nach Hamburg, die erste echte Bewährungsprobe.
Wäre Titz geblieben, dann hätte er gegen Magdeburg ein Endspiel gehabt, dann gegen Wehen im Pokal, dann gegen Köln usw. Wie soll sich eine Mannschaft entwickeln, wenn es nur Endspiele gibt?
 
Sein Nachfolger, also unser neuer Cheftrainer, ist Hannes Wolf.
Ein unheimlich sympathischer Mensch, aber das wird wohl nicht der Grund gewesen sein, ihn zu verpflichten.
Die Gründe sind andere.
Fangen wir mit seiner Vita an: Er ist dreimal als Trainer Deutscher Meister geworden. Zweimal mit der U17, einmal mit der U19.
Mit dem VfB Stuttgart wurde er Zweitligameister. Er kennt also die Liga und weiß, wie man aufsteigt.
Anschließend hat er ein gutes halbes Jahr lang den VfB auch in der Bundesliga betreut.
Was hat ihn dort ausgezeichnet?
In der Bundesliga war auffällig, daß er fast alle Heimspiele gewonnen hat und fast alle Auswärtsspiele verloren.
Der Dezember lief schlecht für ihn und in der Rückrunde hat er das Heimspiel gegen Schalke verloren.
An dem Punkt hat er angeblich selber gesagt, er wüsste nicht mehr weiter, woraufhin man sich von ihm getrennt hat.
Kenner des VfB (insbesondere Kenner Michael Reschkes) zweifeln diese These stark an.
Er hat meist mit einer Dreier/Fünferkette spielen lassen, seine Mannschaft beherrschte aber auch die Viererkette.
Teilweise war man auch in der Lage, das System im Spiel zu wechseln.
Ein Stürmer war bei ihm Standard und im Mittelfeld hat er je nach Bedarf variiert.
Er wird sein Spiel nach der Mannschaft ausrichten und nicht versuchen, auf Teufel komm raus ein System zu installieren, für das die Mannschaft nicht geeignet ist.
Auffällig war, daß der VfB zu seiner Zeit in der ersten Halbzeit immer sehr diszipliniert, kontrolliert und defensiv gut gespielt hat, in der zweiten Halbzeit hat er dann aufgemacht. Es gab mehr Chancen nach vorne, aber man hat hinten auch mehr zugelassen.
 
Man munkelt, daß er am Ende aber auch Probleme mit den Führungsspielern des VfB hatte.
Ob das stimmt, kann ich nicht sagen, aber es gibt eben diese Gerüchte.
 
Die Zeit nach seiner Trainertätigkeit beim VfB hat Hannes Wolf genutzt, um sich weiterzubilden. Unter anderem hat er bei Jürgen Klopp hospitiert
 
Wie ich oben schon schrieb, ich hätte den Trainer nicht gewechselt.
Aber ansonsten hat der Vorstand vieles richtig gemacht. Er hat gehandelt und nicht gezaudert, er hat gar nicht erst ein Vakuum aufkommen lassen, sondern hat einen Trainer verpflichtet, der von den verfügbaren und bezahlbaren Übungsleitern, meiner Ansicht nach der beste ist.
 
Ich weiß, viele von euch sind traurig, sind enttäuscht oder gar wütend.
Lasst das aber bitte nicht an der Mannschaft oder gar an Hannes Wolf aus.
Gerade unser neuer Trainer kann am allerwenigsten dafür.
Also, wenn ihr nach Magdeburg fahrt, unterstützt die Mannschaft, wo ihr nur könnt.
 
Thema Magdeburg: Dazu weiß ich nicht sehr viel zu schreiben. Als Gegner gehörten die Magdeburger zu denen, die wir schlagen müssen.
Sie haben 9 Punkte auf dem Konto, aber nur einen Sieg erringen können. Dafür aber sechs Unentschieden.
 
Wie der HSV spielen wird, ich hab keine Ahnung. Ich kann nicht einschätzen, wie Wolf spielen lassen wird. Aber ich erwarte keine großen Umbrüche (fb)

Doll im Volkspark?

Heute Morgen, um 9.20h, soll es soweit gewesen sein: Thomas Doll wurde am Volkspark gesichtet.

Das Problem daran?

Diese Aussage stammt aus einer FB-Gruppe.

Sie ist weder belegt, noch bestätigt.

Ob sich da jemand einen Scherz gemacht hat, bleibt wohl das Geheimnis desjenigen, der diesen Post abgesetzt hat.

Ich schätze mal, wäre an diesem Umstand wirklich etwas dran, die Zeitung mit den vier Buchstaben hätte bereits (verschwommene) Fotos gemacht und die wildesten Expertenkommentare eingesammelt.

Fakt ist aber, die Medien, die Christian Titz seit Wochen aus seinem Job schreiben wollen, haben es zumindest geschafft, erneut einen Keil in die Fangemeinde zu treiben.

Nach dem zugegebenen schmalen Null-zu-Null-Mahl gegen Bochum, das gestern im Volkspark gereicht wurde, werden die Rufe nach einem neuen Übungsleiter lauter.

Gehen wir das doch mal in Ruhe durch.

Seit Frank Pagelsdorf 2001 das Ruder aus der Hand gegeben hat, gaben sich 22 Übungsleiter, teils mehrfach, die Klinke in die Hand.

Das zeigte mal mehr, mal weniger Wirkung. Kurzfristigen Verbesserungen folgten mit schöner Regelmäßigkeit Rückfälle in „alte Grottenkickzeiten“ und führten somit zur Unzufriedenheit aller Beteiligten.

Die Trainer gingen, die Spieler blieben. Wo es uns letztendlich hingeführt hat, wissen wir alle.

Der HSV ist so klamm wie nie. Monströse Spieler-und SpoDi-Verträge sowie Wechsel in der Führungsetage trugen erheblich dazu bei. Aber nicht nur die:

Nach einer Hochrechnung der „Welt“ liegen die Abfindungen für alle entlassenen Mitarbeiter der letzten zehn Jahre bei insgesamt 18 Millionen Euro (bis 2017). Hierbei bleiben die laufenden Gehaltszahlungen für aktuell beurlaubte Trainer noch unberücksichtigt.

Nun sollte man ja sicher nicht an einem Vertrag festhalten, „nur“ um Kohle zu sparen. Aber seien wir mal ganz ehrlich, WAS erwarten wir eigentlich von einem erneuten Trainerwechsel (außer, dass er wieder Geld kostet, das wir nicht haben)?

Er macht die Mannschaft um kein Jahr älter.

Er ändert nichts an den vorhandenen individuellen Stärken oder Schwächen einzelner Spieler.

Er wird eine Systemumstellung bedeuten, die Zeit zum Einspielen braucht, die wir nicht haben.

Er wird keinen Druck von den Spielern nehmen. Im Gegenteil!

Der HSV ist in seiner eigenen Vita gefangen.

Die vielen Fehler der Vergangenheit fallen uns auf die Füße.

Abgestiegen, mit dem Stempel „sofortiger Aufstieg“ auf der Stirn.

Und zwar auf JEDER Stirn!

Auf der vom VV Bernd Hoffmann, der zum Erfolg verdammt ist, weil ihn viele gerne sofort wieder in der Abfindungskiste wiederfinden würden.

Auf der vom SpoDi Becker, der von vielen die Schuld am Ausscheiden von Peters geben und seine Transferbilanz, somit die Qualität des Kaders infrage stellen.

Auf der von Christian Titz, der, als Cheftrainer einer Profimannschaft noch genauso „grün hinter den Ohren“, mit seinem Trainerteam eine Taktik spielen lässt, die anspruchsvoll ist und damit Konzentration über 90+ Minuten fordert. Da diese oft fehlt, fehlen auch einige Punkte auf der Habenseite.

Auf der Stirn aller Spielern, die bei jedem Anpfiff wissen, dass nur Siege zählen.

Und last but not least auf der der meisten Fans, die nach Jahren Abstiegskampf lechzen nach Torjubel, nach besserem Fußball.

Und so groß der Segen dieser Fans auch als Unterstützung gebraucht und gewollt ist, so sehr hemmt er anscheinend, wenn die Rothosen im eigenen Stadion, vor dieser erwartungsvollen Kulisse auflaufen.

Kontraproduktiv ist es zudem, wenn lange vor dem Spielende Pfiffe von den Tribünen kommen.

Ganze zwei von sechs Spielen konnten die Hanseaten in der laufenden Saison zuhause gewinnen. Zehn von 14 Gegentoren kassierten sie hier.

Dem entgegen stehen in der Auswärtsbilanz aus fünf Spielen vier Siege mit 11:4 Toren.

Untermauert wird diese meine These durch das Auftreten, das die Mannschaft auch gestern wieder zeigte.

Ängstlich in den Zweikämpfen, viel Bewegungs-, ja fast ideenlose Hilflosigkeit im Spielaufbau und zu harmlos im Abschluss. Es fehlte am letzten Biss, am letzten Willen.

Bei einer Flankenquote von unter 16 Prozent wäre jeder Lasogga in der Startelf, im Strafraum verhungert.

Bei den Leitwölfen Holtby und Hunt, ist man immer abhängig von deren Tagesform, die gegen Bochum mal wieder unter dem Durchschnitt lag.

Zu viele Ballverluste in den eigenen Reihen drückten dem Spiel letztendlich den Stempel auf.

Die meisten Gegner des HSV machen es sich einfach. Mit zwei Viererketten wird jeder Vorstoß im Keim erstickt. Dazu kommt, dass ein Ito seit Wochen seiner Form hinterherläuft und Hwang auf der anderen Seite einen leicht überspielten Eindruck macht.

Wobei…ich verstehe nicht, warum man einen Narey nach vorne beordert, nachdem er rechts einen größeren Wohlfühlfaktor zu haben scheint.

Vom Trainingslager weiß ich, dass Titz sehr wohl am kreativen Spiel durch die Mitte und auch über außen gefeilt hat. Es liegt also nicht am Trainer. Es liegt an der Ausführung. Pollersbecks Liberodasein hat sich inzwischen ebenso reduziert. Den Gegnern ist es schlicht egal, wie oft man sich den Ball hinten untereinander hin-und herschiebt. Man wartet einfach ab, bis der HSV Fahrt aufnimmt und sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Ball im Mittelfeld, spätestens vor dem 16er, abluchsen lässt. Da die Jungs, wie oben bereits erwähnt, sich dann auch noch unsicher im Abschluss zeigen, fährt man lustig, mit einem Punkt im Gepäck (der den meisten gegen den HSV reicht) wieder nach Hause.

Für mich ist das Spiel gegen Köln, am 5. November, wegweisend. Denn auch Köln steht unter dem Druck der Aufstiegserwartung.

Um den Kreis zu schließen: Titz muss in die Köpfe der Jungs, muss sich der Unterstützung vom Team und der Führungsriege sicher sein und insbesondere am Knacken der stets auf die Mannschaft wartenden Viererketten arbeiten.

Denn DOLL war das gestern wirklich nicht.

Der darf übrigens immer wieder gerne in den Volkspark kommen.

Als  Zuschauer…

(mg)

Lieber Herr Magath.

Sie haben eine beeindruckende Vita. Aber leider gehören Sie für mich zu denen die nicht merken, wann ihr Stern gesunken ist.

Sie waren mit dem HSV so erfolgreich, wie selten jemand. In 306 Bundesligaspielen erzielten Sie 46 Tore, konnten dreimal die Salatschüssel der Deutschen Meisterschaft in den Himmel heben.
Ihr wichtigstes Tor brachte dem Hamburger Sportverein 1983 den Europapokal der Landesmeister.

Als Trainer erreichten Sie 1996 Platz 5 und 1997 Platz 13.
Danach mussten Sie gehen.

Sie sind ein Machtmensch.
Selten gaben Sie sich mit nur einer Position im Fußballgeschäft zufrieden. Sie strebten, während Ihrer aktiven Trainerkarriere stets auch das Amt des Sportdirektors sowie einen führenden Posten im Vorstand an.
Deshalb mag es nicht verwundern, dass gerade Sie gegen den HSV grollen.

Denn trotz der beeindruckenden Karriere an der Elbe hat Sie nie jemand gefragt, ob „der große Felix Magath“, mit dabei sein will.
Selbst dann nicht, als das blau-weiß-schwarze Schiff mächtig strauchelte und letztendlich in die Tiefen der 2. Liga schipperte.

Nun stehen Sie da gestern bei Sky.
Der einstmals so bewunderte „Quälix“ ist ein verbitterter, alter Mann geworden, der gegen alles und jeden schießt. Selbst vor einer Verbrüderung mit denen, die am Untergang des Vereins mit schuld sind, war Ihnen Mittel genug, doch noch irgendwie einen Zipfel der Macht beim HSV zu erhaschen. Bisher Gott sei Dank erfolglos.

Klar wird all das was Sie von sich geben von den Medien dankbar mitgehört. So saugte die Zeitung mit den vier großen Buchstaben Ihre Worte gierig auf und fügte Ihre Kritik an Trainer, Mannschaft und Vorstand, grinsend als weiteres Kapitel des laufenden Absägeprozesses von Christian Titz hinzu.

Sie betitelten Titz als „Märchenerzähler“ und wünschten sich einen „namhaften“ Trainer für den großen HSV.
Aber ist es nicht GENAU DAS, was den HSV dorthin gebracht hat, wo er heute ist?

Ist der Neuanfang, ohne Kohle aus Malle, mit Jugend und neuen Ideen nicht genau das, was viele noch vor ein paar Monaten rigoros gefordert haben?

Und, ist es wirklich Ihr Ernst, einen Mann als Märchenerzähler zu betiteln, der in den letzten acht Spielen der 2. Bundesliga 17 Punkte holte?
Haben Sie gesehen, wie Lewis Holtby, nach einem klasse Zusammenspiel mit Narey und einem sehenswerten Tor, Christian Titz in die Arme fällt?
Ich wage zu behaupten, dass die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft stimmt.
Es mag ein glückliches 2:1 für den HSV gewesen sein, die Endphase spannender als sie hätte sein müssen. Doch am Ende sah man, dass sich Titz die Kritik an seinem hohen Torwart und die kurzen, oft ihr Ziel verfehlenden Pässe im Mittelfeld, zu Herzen genommen hat.

Auch das Festhalten an den beiden „Oldies“, Hunt und Holtby hat sich ausgezahlt. Beide durften torjubeln und bei beiden merkte man den Willen, es den zahlreichen Misstrauischen ihrer Fußballfähigkeit zu beweisen.
Mag sein, dass noch nicht alles Gold ist was glänzt. Mag auch sein, dass das defensive Auswechseln und das damit gewollte Halten des Ergebnisses ein Vabanque-Spiel war.
Aber was zählt, sind die drei Punkte, die sich gestern mit auf den Weg nach Hamburg machten.
Auch wenn es zwischenzeitlich, insbesondere in den letzten 20 Minuten an der so wichtigen Konzentration mangelte. Die Zweikampfquote (47 Prozent) ist ausbaufähig, ebenso wie die Schussgenauigkeit (44 Prozent). Aber die Mannschaft arbeitet daran. Sie weiß, wo Ihre Schwächen liegen.

Es wäre ein Wahnsinn, diesen Trainer jetzt abzusägen und erneut auf „große Namen“ setzen zu wollen!
Titz hat jetzt zwei Wochen Zeit an den noch lockeren Stellschrauben zu drehen. In dieser Zeit würde ich mir ein klärendes Wort von der Vereinsspitze wünschen, der Ruhe in den Medienkarton bringt. Damit auch die Mannschaft davon profitiert und man den Druck von ihr nimmt. Denn nur dann kann sie, mit dem Selbstbewusstsein des letzten Sieges, mit erhobenem Kopf in das nächste Spiel gehen.

Lieber Herr Magath. Setzen Sie sich zur Ruhe. Spielen Sie eine Runde Schach mit Herrn Kühne und sinnieren Sie über gute alte Zeiten.
Denn beim HSV hat eine neue Zeitrechnung begonnen und er kommt gut ohne Sie aus.
Ohne Sie und ohne die ständige Meckerei über all das, was Sie vielleicht gerne anders oder selber hätten.
Demontieren Sie sich nicht weiter. Das haben Sie doch nicht nötig, oder?
Herzliche Grüße, Ihre
(mg)