Chancen

Jetzt mal ernsthaft.
Irgendwie ist es geradezu als „Glücksfall“ zu bezeichnen, dass der HSV in dieser Saison die 2. Bundesliga bespielen darf.
Ich bin mir fast sicher, dass wir mit dieser Mannschaft, die in meinen Augen einen echten Umbruch im Hinblick auf 2017/18 erfahren hat, im Oberhaus erneut mit dem Abstieg zu kämpfen gehabt hätten.

Das soll in keinster Weise eine Abwertung der Leistung, der Spieler oder gar des Trainerstabes darstellen.
Es ist ganz einfach Fakt, dass diese blutjunge Mannschaft die noch bevorstehenden 31 Spieltage als Chance nutzen kann.
Als Chance, die von den Medien so hoch gehypte „Titz-Technik“ zu trainieren, Fehler abzustellen, das System zu verinnerlichen und damit zu perfektionieren, um im besten Fall im nächsten Jahr Liga 1 damit zu begeistert.

Noch schleichen sich immer mal wieder Fehler ein, die bei treffsicheren, schnelleren Umschalt-Gegnern des Öfteren zu Gegentreffern und vielleicht sogar zu Niederlagen geführt hätten/führen würden.
Die Bielefelder Statistik zählte am 3. Spieltag der noch jungen Saison 17 Torschüsse, von denen kein einer im Netz von Pollersbecks Tor landete.
In Gedenken an unsere letzte Spielzeit hätten Montag wohl die Bielefelder noch drei Stunden weiterspielen können, ohne einen Ball zu versenken. Haste Scheiße am Schuh…. Ihr kennt das.

Eine Gefahr unseres Spiels ist zunächst noch immer der wackeligen Abwehr zu verdanken. Bates und auch van Drongelen hatten nicht ihren besten Tag. Auch eine Zweikampfquote von nur 43 Prozent spricht nicht für die Dominanz der Hamburger, die das Ergebnis letztlich vorgaukelt. Dass trotzdem am Ende die Null hinten stand, war auch ein paar super Paraden unserer Nr. 1 zuzuschreiben.

Der allerdings sorgte in der 42. Minute auch für den größten Aufreger des Spieles, als er einen von van Drongelen auf Voglsammer schlampig gespielten Pass, mit den Füßen an der Strafraumlinie, mit den Händen abwehrte.
Handspiel hinter dem 16er? Die Frage aller Fragen.
Denn selbst die langsamste Zeitlupe aller Sky-Kameras brachte nicht die letzte Gewissheit, ob der Ball vollständig hinter der Linie gehändelt wurde.

Leute, was bin ich froh, dass es keinen Videoschiedsrichter in der 2. Liga gibt! Denn auch das 1:0 durch Holtby hätte wohl im Kölner Fokus gestanden. Behinderung des Torwarts oder nicht?
Schiedsrichter Aarnink war schnell sicher, dass dem nicht so war, das Tor also regulär. Ich gehe davon aus, in der 1. Liga hätte man einen weiteren Grund gehabt, einen Schiri über einem Monitor hängen zu sehen.
Ich persönlich stehe inzwischen mit der Errungenschaft des VARs auf Kriegsfuß. Denn es ist mir immer noch lieber, eine schnell zu treffende Tatsachenentscheidung zu akzeptieren, als mehrere falsche Entscheidungen, die aus einem Videoraum kommen. Was zur Entlastung gedacht war, sorgt immer mehr für Verwirrung und Ärgernisse sowie Riesendiskussionen. Bei Fans, Spielern und Trainern.

Doch zurück zum Spiel.
Ich finde es gut und richtig, dass Titz den jungen Spielern, trotz ihrer Fehler weitere Chancen im nächsten Spiel gibt. Das ist nicht nur wichtig für das Selbstbewusstsein. Junge Spieler machen Fehler. Diese muss man ihnen zugestehen, ohne ihnen gleich die auferlegte Verantwortung zu entziehen. Nur so lernen sie.
Dieses Lernen könnte man sich in der 1. Liga kaum oder gar nicht leisten.
Ok, mit Papa und Jung fehlen zwei wichtige Defensivleute, die Titz sicher eingeplant hatte. Man wird sehen, wie er aufstellt, wenn die Beiden wieder zur Verfügung stehen.

Auch Ito braucht noch Zeit. Der kleine Dribbler vertanzt sich noch zu oft und versucht mit leichtem Starrsinn, seine Bälle noch ein Stück und noch ein Stück und NOCH ein Stück weiter in die Tornähe zu bringen. In ihm steckt ein großes Talent, das Entwicklung und Spielpraxis braucht.

Ein Wort zu „Bärchen“ Lasogga. In einigen Gruppen fand ich ironische Kommentare á la „jetzt, wo Lasogga wieder trifft, ist er euer Liebling, vorher war er nur überbezahlter Söldner“.
Also für mich sieht das ein bisschen anders aus. Pierre Michel tut einfach das, wofür er bezahlt wird. Tore schießen.
Dafür darf man ihn dann auch ein klein bisschen lieb haben. Denn auf dem Weg zurück in Liga 1 kann ein sicherer Strafraumstürmer eben Gold wert sein. Ok, ist er auch, aber das steht auf einem anderen Blatt.
Ich gebe aber auch zu, dass ich ihn nach der 1. Halbzeit ausgewechselt hätte. Wie gut, dass ich eben doch kein verantwortlicher Trainer bin 😉

Last but not least: es weht ein neuer Wind in der kompletten Mannschaft. Es menschelt. Eine lange Seite des neuen Kapitels im Team des HSV gebührt eindeutig Christian Titz.
So wie ich ihn kennenlernen durfte, als natürlicher, besonnener aber sehr wohl wissen- was- er will – Typ, so ist er auch im Umgang mit seinen Spielern.
Papa, Freund aber auch Chef und damit Vorgesetzter in einem. Ich bin froh, dass die Vorstandsetage auch mit ihm Mut zu Neuem und ein glückliches Händchen bewiesen hat und hoffe, dass man ihm Zeit genug gibt, sein Können auf mehreren Ebenen eindrücklich und richtungsweisend unter Beweis zu stellen.

Für mich die Szene des Spiels war übrigens der Jubel nach dem 1:0, als Holtby sich das Trikot des schwer verletzten Jairo Samperio zuwerfen ließ und hochhielt. Das Tor, den Sieg wollte man ihm widmen.
Und das tat man dann auch.
Dem Frischoperierten schicken wir an dieser Stelle auch gleich mal ein herzliches „gute Besserung“ rüber.

Mit einem Elfmeter, den der von Börner gefoulte Lasogga gleich selber verwandelte, machte man in der 88. Minute den Deckel auf das zweite Heimspiel der Saison drauf.
3:0 gegen gute, aber letztendlich ineffektive Bielefelder.
Das kann sich sehen lassen und bedeutet zunächst mal für eine Woche den Relegationsplatz. Das 1. Mal seit unzähligen Jahren, dass wir uns über einen Relegationsplatz freuen dürften.

Vor der Mannschaft und dem Trainerstab liegt noch eine Menge Arbeit. Auf dem Rasen und mental. Das wissen alle.
Übrigens gibt es dabei wohl bald Unterstützung von Jairo , der seine Rehamaßnahmen in Hamburg absolvieren wird, wie Titz in den Medien bekannt gab: „Er bekommt Videoaufgaben von uns. Gerade bei Standardsituationen hat er gute Ideen und eine hohe Intelligenz. Deshalb werden wir ihn einbeziehen.“ Somit wird er während der kommenden Monate Teil des Trainerteams und bleibt dicht an der Mannschaft. Gab es sowas schon mal? Ich kann mich nicht daran erinnern, finde es super und es zeigt einmal mehr, wie wichtig jeder einzelne Spiel für Titz ist, bei der Chance in Liga 2.
(mg)

Die Bielefeldverschwörung

Die Bielefeldverschwörung ist nur eine Legende, also haben wir am Montag nicht spielfrei, sondern müssen gegen die Arminia ran.

Aber erstmal zum Spiel gegen Erndtebrück.
Ich persönlich hatte nie das Gefühl, daß wir das verlieren. Ich hatte immer das Gefühl, wir können noch nachlegen, wenn es ernst wird, nochmal das Tempo anziehen, denn mit Tempo bekommt man die „Kleinen“ meistens besiegt.

Geärgert hat mich, daß wir nicht einfach solange durchgespielt haben, bis wir so hoch führen, daß der Gegner sich keinerlei Hoffnungen mehr macht und quasi aufgibt.
Bremen führte zur Halbzeit 5:1 und in der 2. Halbzeit hat man das Spiel austrudeln lassen können.
Wir stacheln dagegen die TuS mit unserer laschen Abwehr noch an.

Aber wir sind eine Runde weiter und wenn wir im Mai im Olympiastadion spielen, interessiert das niemanden mehr, wie wir in der ersten Runde gespielt haben.
Ich bin gespannt, wen wir als Gegner für die nächste Runde zugelost bekommen. Mir sind die Namen recht egal (ok, Bayern muß es nun nicht unbedingt sein), Hauptsache ist, es wird ein Heimspiel.
Denn in der Woche ist es für die Fans blöd, zu reisen.

Die Transferpolitik hatte man mit dem Wechsel von Kostic zu Frankfurt ja eigentlich abgeschlossen.
Nun muß man das Paket nochmal aufschnüren, denn Jairo Samperio hat sich schwer verletzt.
Beide Kreuzbänder und ein Innenband im Knie sind kaputt.
Gute Besserung von dieser Stelle aus.
Ich vermute eine Ausfallzeit, wie die von Müller im letzten Jahr.
Also schaut man sich nochmal nach einem Ersatz um. Und das ist gut so.

Es gibt ja so einige, die der Ansicht sind, wir würden den Verlust mit eigenen Kräften ausgleichen können, aber da hab ich so meine Bedenken.
Erstens fehlt mir ein wenig die nötige Qualität beim Ersatz.
Für 1-2 Spiele lass ich mir das gefallen, aber nicht für ne halbe Saison oder länger…
Und ich hoffe, daß der noch zu erwartende Neuzugang ein wenig Erfahrung mitbringt. Unsere Mannschaft strotzt vor Jugend, die Erfahrung würde gut tun.

Was erwartet uns gegen die Arminia? Ich glaube nicht, daß man versuchen wird, uns so extrem zu pressen, wie in den letzten beiden Ligaspielen.
Die Arminia kommt in der Regel aus einer guten Ordnung. Sie präferieren ein 4-4-2 mit Klos und Voglsammer in der Spitze und mit Edmundsson auf dem rechten Flügel.
Als Linksfuß zieht er gerne in die Mitte und versucht von dort (auch oft erfolgreich) abzuschließen.
Ob wir hinten mit Bates oder Lacroix neben van Drongelen auflaufen, ist noch nicht klar. Aber auf jeden Fall fällt dem Duo eine wichtige Aufgabe zu.

Vorne werden wir wohl über die Flügel aufbauen, weil die Arminia das Zentrum gerne dichtstellt. Die Aussen besetzen bei uns wahrscheinlich Narey und Ito.

Gespannt bin ich, was die Spitze angeht. Lasogga sagte in einem Interview diese Woche, wir haben drei sehr gute Stürmer.
Ich vermute aber trotzdem, daß Hunt in der Spitze starten wird.
Ich würde ihn lieber in der Reihe dahinter sehen, wo er die Stürmer in Szene setzen kann.

Unterm Strich: Wir müssen konzentriert spielen. Damit steht und fällt alles.
Unser Spielaufbau verlangt es, daß die Pässe präzise gespielt werden.
Schaffen wir das, nehmen wir den Gegner auseinander (ok, kleiner Scherz, wir gewinnen). Schaffen wir es nicht, dann bekommen wir Probleme.
Die Offensive der Bielefelder sollte nicht zu viele Chancen bekommen.
Der HSV erwartet 47.000 Zuschauer. Das ist für ein Montagabendspiel ne ganze Menge. Hoffen wir das Beste.
Nur der HSV (fb)

 

„Bärchen“ trifft wieder

Biss, Leidenschaft, Wille, Konzentrationsmangel, Kurzschlaf, Schludrigkeit und ein wachgeküsster Strafraumstürmer.
Die Zuschauer bekamen von allem etwas, in der 1. Runde des diesjährigen Pokalwettbewerbs, beim Spiel HSV gegen den TuS Erndtebrück.

Und der HSV wäre nicht der HSV, wenn er seinem Ruf, Pokalspiele grundsätzlich zu Herzschlagspielen zu machen, nicht alle Ehre gemacht hätte.
Pokal, 1. Runde, da war doch was?
Richtig. In der Saison 2017/18 ging man blamabel, mit einem 3:1, beim VFL Osnabrück unter, zwei Jahre zuvor gab es das Erstrundenaus mit einem 3:2 gegen Carl Zeiss Jena.
2016 zitterte sich der HSV, durch einen Treffer vom damaligen Neuzugang Alen Halilovic, erst in der 70. Minute, gegen den FSV Zwickau, in die 2. Runde.

All das wollte Christian Titz vor Anpfiff allerdings nicht weiter kommentieren. Auch im Pokal stand für ihn alles auf Neuanfang.
Und der HSV begann gut. Mit rasantem Tempofussball schickte der Trainer seine Elf aufs Grün des Siegener Leimbachstadion, auf das die Gastgeber, unter anderem wegen der größeren Kapazität und des Naturrasens, ausgewichen waren.

Knapp 15.000 Zuschauer sahen einen Zweitligisten, der ambitioniert an seine Aufgabe ging und bereits nach zehn Minuten mit 2:0 führte.
Ein Foulelfmeter, den Orel Mangala rausholte und Lewis Holtby sicher verwandelte sowie der erste Treffer von Fiete Arp (nach schöner Vorlage von Narey) in dieser noch jungen Saison, ließen die über 5000 mitgereisten Hamburger jubeln.

Den Hausherren war in der ersten halben Stunde eine gewisse Nervosität anzumerken und so kam es erst in der 38. Minute zum ersten halbwegs gefährlichen Schuss auf das Tor von Tom Mickel, der den in der Woche leicht angeschlagenen Pollersbeck vertrat.
Fünf Minuten später gönnte sich die Defensive des HSV einen kurzen Tiefschlaf. Saka schlug die Kugel von der rechten Seite in den Strafraum. Stürmer Rösch verpasste, dafür kam der Ball genau in den Lauf von Tatsuya Yamazaki, der völlig blank stand und nur noch einschieben musste. Ob das Tor durch eine Abseitsstellung zustande kam, darüber streiten sich heute noch die Experten. Jedenfalls ging es mit einem Anschlusstreffer der Gastgeber in die Kabinen.

Die Defensive hatte wohl noch nicht ausgeschlafen, denn keine drei Minuten nach der Pause klingelte es erneut im Tor von Mickel. Erneut wurde ein langer Ball, vor dem Strafraum per Kopf verlängert, schussfertig vor Niklas Hunold abgelegt. Der zimmerte die Kugel unbedrängt aus 16 Metern links unten in die Maschen.

Alles auf Null. Ausgleich. Die Gastgeber jubelten und viele HSVer hatten ein Deja dingens, ahnten Schlimmes. Weil, ja, weil sich langjährige schlechte Erfahrungen mit Pokalpleiten eben nicht so schnell auslöschen lassen.

Der HSV schien geschockt, verlor unnötige Zweikämpfe und produzierte in den nächsten 20 Minuten vermehrt überhastete Fehlpässe.

Doch dann begann ein weiteres Kapitel des „neuen“ HSV. Anstatt die Köpfe zwischen die Schultern zu stecken und sich dem Schicksal zu ergeben, gab man nochmal Gas. Titz bewies ein goldenes Auswechselhändchen und schickte in der 61. Minute Lasogga aufs Feld. Der Torschütze zum 2:0 durfte dafür Feierabend machen.

Es dauerte keine drei Minuten, da zahlte Lasogga das Vertrauen seines Trainers mit seiner geballten Körperpräsenz zurück. Ambrosius brachte den Ball von rechts dahin, wo ein Strafraumstürmer stehen muss. Lasogga stieg im 16er hoch und drückte die Kugel per Kopf temporeich ins Tor.
Etwa 60 Sekunden später war es erneut Lasogga, der aus fünf Metern, nach Hereingabe von Mangala, das 4:2 für den HSV machte.
„Bärchen“ trifft wieder!

Puh! Leute! Kein Spiel für schwache Nerven.
In der 70. Minute war Mickel mit seinen Gedanken bei allem anderen, nur nicht beim Spiel. Er ließ sich weit vor seinem Tor einen verschlampten Pass abluchsen, kassierte für den anschließend misslungenen Versuch, den Ball zurückzuerobern nur Gelb und konnte beim logisch folgenden Freistoß dem Kopfball durch Till Hilchenbach nur noch hinterhergucken.
3:4…
Ab der 71. Minute war wieder alles möglich. Der Ball lief rasant hin und her. Beide Mannschaften hatten Chancen, bevor Mangala aus 20 Metern viel Zeit und Platz hatte und mit einem schönen Abschluss in die rechte untere Ecke des Tores von Paul Schünemann den Deckel drauf machte.

3:5…Christian Titz wird mehrere Lehren aus diesem Spiel mitnehmen.
Zum einen ist da eine Offensive, die ihren Namen langsam auch verdient, allerdings noch zu viele Chancen liegenlässt.
Da ist ein Mittelfeld, das sowohl hui als auch pfui spielen kann. Eine Zweikampfquote von knapp 48 Prozent gilt es zu verbessern, denn auch ein Ballbesitz von über 80Prozent führt nicht zwangsweise zum Erfolg.
Gefährlich wird es auch immer mal wieder, wenn der Gegner das Titzsche Torwart-Libero-System frühzeitig anläuft und nicht alle, und ich meine wirklich alle, mit voller Konzentration dabei sind.
Schwachpunkt in der Mission Wiederaufstieg bleibt in diesem Zusammenhang die Defensive. Drei Tore gegen einen Fünftligisten müssen wirklich nicht sein. Viel zu groß waren oftmals die Räume zum Gegner.

Positiv herauszuheben ist der oben erwähnte Wille, auch nach Gegentoren das Spiel erneut zu drehen. Für Lasogga freut es mich, dass er mit seinem Doppelpack zum Sieg maßgeblich beitrug.
Mit Recht durfte er dafür auch den Titel „Man of the match“ mit nach Hamburg tragen.

Hoffen wir, dass er den Schwung mitnimmt in die Liga. Dort trifft der HSV am kommenden Montag auf Armenia Bielefeld.
Die Bielefelder reisen mit breiter Brust ins Volksparkstadion. Sie servierten am Samstag den FC Lok Stendal mit 5:0 ab.

Vor Christian Titz liegt eine arbeitsreiche Woche. Denn seine Stamm-Defensive steht wohl noch immer nicht. Dafür passieren sowohl Sakai und Bates (blieb vorgestern für Ambrosius draußen) als auch van Drongelen noch immer viel zu viele individuelle Fehler und oft mangelt es an oben erwähnter Konzentration.

Das Beste zum Schluss: wir sind eine Runde weiter. Die Saison ist noch jung. Ebenso wie die Mannschaft, die im Laufe des Jahres noch besser zueinander finden muss.
So. Das waren jetzt mindestens sechs Euro fürs Phrasenschwein 😉
(mg)

Europapokaaaaal … ach ne, DFB-pokal

Letzten Sonntag, zu ungewohnter Zeit, haben wir gegen Sandhausen ein ungefährdetes 3:0 erzielt.
Das Spiel war nicht perfekt, aber der Gegner war eben nur Sandhausen. Die Jungs waren sehr nette Gastgeber in allen Belangen. Mehr muß man zu dem Spiel eigentlich nicht sagen, oder?

Naja, erwähnen möchte ich noch, daß der neue Mangala Matti Steinmann mehr als würdig vertreten hat. Auch wenn die Kaufoption fehlt, scheint es eine gute Leihe zu sein.
Leo dagegen ist noch nicht so weit und soll dieses Wochenende sogar Spielpraxis in der Zweiten sammeln (ebenso wie Moritz und Wintzheimer).
Ihn sieht Titz anscheinend noch nicht im ersten Kader. War sonst noch was?
Hmm, ja, Khaled Narey war Spieler des zweiten Spieles in der 2. Liga. Zwar gingen den Toren Fehler der Sandhäuser vorraus, aber man muß diese Fehler eben auch erstmal nutzen können. Hat er gut gemacht.

Mitte der Woche hatten wir das umstrittene Testspiel gegen die Bayern. Zweifelten viele am sportlichen Wert des Spiels für den HSV, hatten Bedenken wegen Verletzungen und unkten, daß das Selbstvertrauen durch die zu erwartende Klatsche in den Keller sacken würde, sehen die meisten es jetzt wohl anders.
Es war für uns ein guter Test, der erste Anzug sitzt gut, im zweiten kneift es an einigen Ecken und Enden. Verletzt hat sich keiner und der HSV hat bummelige 250tsd Euro eingenommen. Geld, das wir sehr gut gebrauchen können. Ein Erfolg auf der ganzen Linie.

Kommen wir zum Pokalspiel
Der Gegner heißt TuS Erndtebrück, ist in der letzten Saison von der 4. in die 5. Liga abgestiegen.
Gespielt wird in Siegen, weil das Stadion wesentlich größer ist und knapp 20tsd Zuschauer aufnehmen kann.
Im heimischen Pulverwaldstadion würden nur 3tsd Zuschauer das Spiel verfolgen können. Der TuS war im übrigen im letzten Jahr der Erstrundengegner von Pokalsieger Frankfurt. Ein Omen? Ich hätte nichts dagegen

Ich erwarte ein typisches Pokalspiel. Der unterklassige Gegner wird sich hinten reinstellen und in der Hoffnung auf ein Wunder das Tor mit allen Mitteln dichtnageln.
Irgendwann werden wir (hoffentlich) ein Tor schießen und die Gegenwehr wird zusammenfallen.
Schlagen können wir uns nur selber.
Bei der Aufstellung geh ich mit Scholle konform: Poller im Tor, Sakai, Bates, van Drongelen und Santos in der Abwehr, dann Mangala, dann Narey, Janjicic, Holtby, Ito und vorne Arp.
Führen wir in der 60sten Minute nicht, kommt Lasogga für Janjicic. Führen wir in der 80sten nicht, wird Bates nach vorne beordert und wir spielen nur noch hoch rein. Arp, Lasogga, Bates, einer wird das Ding machen.
Ito wird den Vorzug vor Jairo erhalten, weil er mit seiner Quirrligkeit Lücken reißen kann. Hoffentlich gelingt ihm dann auch die eine oder andere Folgeaktion besser, als in der letzten Zeit.

Ich bin vor der ersten Runde des Pokals selten so ruhig und entspannt gewesen. Ich vertraue unseren Jungs im Moment vollkommen.

Noch kurz zum Thema Santos: PSG ist anscheinend scharf auf Wendell von Leverkusen.
30 Mio sind im Gespräch.
Rudi hat sich gedacht, in Hamburg kann man immer wieder nett wildern und möchte deshalb gerne Santos holen.
Es würde mir zwar in der Seele weh tun, aber letztlich müssen wir auf uns gucken. Kühne würde wohl seinen Anteil abbekommen (wahrscheinlich die 6,5 Mio, die wir bezahlt haben).
Dann müssten wir schnell Ersatz für Santos holen.
Das wird schwer, denn Spieler mit ner gewissen Qualität wird man nicht so einfach in die zweite Liga locken können. Aber hier vertraue ich auf Spors.

Und dann sollten wir noch Geld übrig haben, das wir in die Sanierung unserer Finanzen stecken können.
Man hat mal die Summe von 25 Mio für Santos aufgerufen. Ich denke, das müsste in etwa die Größenordnung sein, bei der wir schwach werden würden.
Somit müssten wir ihn ziehen lassen … leider.
Leider nicht nur aus sportlichen Gründen, sondern weil ich den Jungen echt mag.
Schaun mer mal, was so passiert.
Der Transfermarkt ist noch 2 Wochen geöffnet.

Eine Zeit, in der wir hoffentlich auch Kostic noch an den Mann gebracht bekommen.
Aber wie es ausschaut, hat er offensichtlich Vorstellungen von seiner Leistung, die andere nicht teilen.
Ein Verbleib wäre aus zwei Gründen schlecht: zum einen aus wirtschaftlichen Gründen, er ist schließlich nicht ganz günstig. Zum zweiten aus taktischen Gründen. Er passt mit seiner Eindimensionalität in etwa so in das Spiel des jetzigen HSV, wie es bei Andre Hahn der Fall war. Schon allein aus diesem Grund ist eine Trennung wünschenswert..
Auch hier gilt: schaun mer mal.

Albin Ekdal hat uns gen Italien verlassen. Gut 2 Mio Ablöse plus Boni hat das in die Kassen gespült.
Ich bin etwas entäuscht, ich hatte mehr erwartet. Er hat eine gute WM gespielt und bei uns war er ein „Unterschiedspieler“.
Keiner von den Typen, denen man das auf den ersten Moment anmerkt, so wie zB Kruse in Bremen, aber doch war er einer derjenigen, der den Unterschied gemacht hat.
Wir haben als Mannschaft mit ihm besser gespielt, als ohne ihn. So ähnlich wie Wicky früher. Man fragt sich, was ist so besonders an diesem Spieler, aber unterm Strich macht er die Mannschaft einfach besser.
Grund für die geringe Ablöse ist wohl sein Hang zu Verletzungen. Er hatte hier wahrlich nicht viel Glück mit seiner Gesundheit.
Auch ihn mag ich, deshalb wünsche ich ihm viel Glück und gute Gesundheit für sein weiteres Leben.
Nur der HSV (fb)

3 Punkte, 3 Tore, ein Sieg

„Der HSV ist angekommen in der 2. Bundesliga“, titelten verschiedene Medien am Tag nach dem Sieg gegen Sandhausen.

Aus dem 2. Spiel im Unterhaus des deutschen Fußballs brachten unsere Rothosen 3 Punkte mit nach Hamburg.

Sie wiegen schwer. Denn hätte man auch dieses Spiel versiebt, nicht nur die Köpfe der Spieler wären noch ein Stück tiefer zwischen die Schultern gesunken.

So aber hat es Trainer Christian Titz in der vergangenen Trainingswoche wohl geschafft, der jungen Truppe die nötige Portion Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben.

Und das war auch gut so. Denn wenn es auch „nur“ gegen den SV Sandhausen, im fünftkleinsten Stadion der Liga, ging, aus verschiedenen Pokalerfahrungen heraus weiß man beim HSV ganz genau, dass es eben keine Vereine gibt, denen man mal eben so im Vorbeigehen Siege abluchsen kann.

Christian Titz, der eine Art „Heimspiel“ hatte, ist er doch im 20 Kilometer entfernten Edingen-Neckarhausen aufgewachsen, veränderte, im Gegensatz zur vergangenen Woche, an der Startelf nicht viel.

Lediglich Lasogga trat zu seinem Zweitligadebüt an und der von Stuttgart ausgeliehene Orel Mangala sollte im Mittelfeld für Ruhe sorgen.

Da der SV Sandhausen saisonübergreifend bereits seit fünf Spielen auf einen Sieg wartete, durfte man im Vorfeld keine großen Gastgeschenke erwarten.

Die verteilten die Baden-Württemberger lieber noch vor dem Anpfiff. Für jeden angereisten HSVer gab es mit der Eintrittskarte gleich mal ein Freibier dazu. Eine feine Geste der Sandhäuser, die bereits mit einer plakativen Anreiseempfehlung, am Hamburger Hauptbahnhof mächtig Sympathiepunkte gesammelt hatten.

Allerdings gab es dann doch noch Gastgeschenke, auch auf dem grünen Rasen. Zwei Torwartfehler von Marcel Schuhen, in der 7. und 59. Minute sorgten mit für den 3:0 Erfolg für den HSV.

Das 2:0 fiel in der 30. Minute. Rick van Drongelen versenkte den Ball, nach einer Hereingabe durch Santos, per Kopf im Tor der Sandhäuser, die bereits ihre 7. Zweitligasaison bestreiten.

Nun mag der ein oder andere erneut die „nur Sandhausen-Keule“ auspacken, einige noch immer vorhandene Abwehrschwächen der Hamburger aufzählen und vergebenen Bällen hinterherschauen.

Fakt ist, wir haben gewonnen.

Und auch die vermeintlichen Gastgeschenke müssen erstmal erfolgreich angenommen werden. Gerade wir HSVer haben das schmerzlich in der vergangenen Saison erlebt, dass das auch anders laufen kann.

Khaled Narey verwandelte allerdings mit eiskalter Abgeklärtheit. An dem 24jährigen Deutsch-Togolesen, der für 1,7 Millionen von Greuther Fürth zum HSV kam und Nikolai Müller auf der rechten Außenposition ersetzen soll, werden wir noch viel Freude haben.

Auch Neuzugang Orel Mangala wusste sich zu behaupten. Obwohl der erst in der vergangenen Woche ins Mannschaftstraining einstieg, scheint er seinen Platz im Gefüge der jungen Truppe bereits gefunden zu haben.

Der Unterschied zur vergangenen Woche?

Christian Titz brachte es auf den Punkt: „Wir haben unsere Chancen genutzt.“

Mehr gab es nicht zu sagen.

Es war ein Sieg nach einer bitteren Niederlage. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Der HSV steht nach dem 2. Spieltag auf einem nicht aussagefähigen Platz 8, die jetzt ausgeglichene Tordifferenz macht es möglich.

Nun gilt es, Konstanz in den Kader zu bringen, weiter zu arbeiten und jedes Spiel anzugehen, als wäre es ein Endspiel. Leichter wird es nicht werden.

Und sollte es denn wirklich so sein, dass der HSV angekommen ist in Liga 2. Ich bin es irgendwie noch nicht.

So berühren mich die übrigen Partien so gut wie gar nicht. Vielleicht kommt das ja noch, wenn wir jeden Gegner einmal bespielt haben. Wie geht es euch damit?

In diesem Zusammenhang mein ureigenster Senf zum morgigen Testspiel des HSV gegen die Bayern:

Ich kann diese Ansetzung absolut nicht nachvollziehen.

Zum einen kann man von einem hohen Sieg der Bayern ausgehen (wer bitte will das wirklich sehen?), der weder für das anstehende Pokalspiel gegen Erndtebrück das Prädikat „besonders wertvoll“ verdient, noch für das gerade erst belohnte Selbstbewusstsein der Mannschaft praktisch erscheint.

Zum anderen besteht immer die Möglichkeit, dass sich einer unserer Spieler verletzt und dann bei den wichtigeren Ligaspielen fehlt.

Aktuell sollen erst 23.000 Tickets verkauft, das Stadion somit am Mittwoch nur halb voll sein. Wer es trotz allem sehen möchte: die Partie wird morgen live auf Sport1, ab 17 Uhr, übertragen…

Last but not least noch ein persönliches Wort zu Kostic.

Lieber Filip. Ich kann dein Verhalten in keinster Weise nachvollziehen. Du stehst bei einem Verein unter Vertrag, der dir regelmäßig jeden Monat dein Gehalt überweist. Du kamst 2016 für 14 Millionen vom VFB Stuttgart und hast seitdem deinen Marktwert mehr als halbiert. Hast du dich mal gefragt, woran das wohl liegen mag?

Meinst du nicht, dass dein Arbeitgeber es zumindest verdient hat, dass du bis zuletzt alles gibst, auch wenn du am liebsten sofort weg willst?

Es gebietet die Regel der Höflichkeit, sich nicht mit einem Boykott, sondern mit Leistung zu verabschieden! Und dem HSV endlich Planungssicherheit zu verschaffen. Das funktioniert aber nicht mit dem Ablehnen von Vertragsangeboten oder einer Null-Bock-Einstellung.

Ich habe fertig!

(mg)

Wo liegt eigentlich Sandhausen?

Tja, letzte Woche gegen Kiel, das war wohl nix.

Die Stimmung war gut, wir der absolute Favorit.
Es stimmte eigentlich alles.
Zuhause in unserem Wohnzimmer, ausverkaufte Hütte, das Wetter top, ein schönes munteres Spiel … nur das Ergebnis war mies.
Und damit meine Stimmung auch.

In der ersten halben Stunde hätten wir eigentlich ein paar Tore machen müssen. Nicht eins, sondern ein paar.
Dann hätte Holstein auch nicht mehr den Kopf hoch bekommen.
Stattdessen fingen wir an zu denken, die Ordnung ging leicht verloren, die Pässe kamen nicht mehr so genau, wir gerieten ins Schwimmen und Kiel bekam Oberwasser.

Hut ab vor Walter, daß er es geschafft hat, seine Mannschaft schon so gut zusammenspielen zu lassen.
Lee und Meffert waren man grad mal ne Woche da.
Aber das war es dann auch schon.
Weder hat er unser Spiel entschlüsselt oder uns sonst irgendwie besonders gut bespielt.
Es war eine reine Kopfsache.
Daß man gegen unser Spiel hoch pressen muß und/oder den Bus vor dem Tor parkt, dafür muß man kein Scoutinggott sein, das kann ich als Laie erkennen.
Das hohe Pressing ist unsere Archillesferse.
Im Training können wir uns davon locker befreien, aber unter dem Druck des wichtigen Spiels hat das nicht geklappt.
Das müssen wir lernen, das kann man nicht trainieren, nicht simulieren, das bekommt man nur durch Spielpraxis.

Und da kommen wir zu unserem Problem, das wir in diesem Jahr haben werden. Jeder Trainer wird seinen Spielern vor dem Spiel gegen den HSV sagen: „Wir haben nichts zu verlieren, der Druck liegt allein beim HSV. Verlieren wir, war es vorrauszusehen, holen wir Punkte, dann sind das Bonuspunkte, die keiner erwartet hat.“

Von vielen Kritikern kam die Aussage, uns fehlt der Plan B. Welcher Plan sollte das sein? Daß wir wieder anfangen, den Ball blind nach vorne zu holzen?
Nein, das System ist gut. Das hat die erste halbe Stunde auch gezeigt.
Wir müssen pressingresistenter werden, wir müssen nervenstärker werden.

Dann müssen wir hier und da noch ein wenig korrigieren und anschließend sollte das laufen.
Junge Spieler, neues anspruchsvolles System … daß es da Rückschläge gibt, ist natürlich.

Nun gehts nach Sandhausen. Ein symphatischer Verein, der für viele der Inbegriff für „2te Liga“ ist.
Ein Dorf mit 14.000 Einwohnern, ein Stadion mit 15.000 Plätzen, das so gut wie nie ausverkauft ist.
Der Zuschauerschnitt liegt bei 6.500 Besuchern.
Sonntag kommt der HSV und man rechnet damit, daß die Hütte ausverkauft sein wird und der HSV mit knapp 10.000 Fans aufschlägt.

Sandhausen spielt normalerweise aus einer gesicherten Defensive heraus.
Zentrum der IV ist Markus Karl, den vielleicht der eine oder andere HSVer noch kennt. Eigentlich gelernter 6er, aber macht sich in der IV auch sehr gut.
Aus dieser Defensive heraus versuchen sie normalerweise zügig nach vorne zu spielen.
Allerdings kann es sein, daß man gegen uns versucht, ähnlich hoch zu pressen, wie Kiel es getan hat.
Ausserdem sieht man es dort als ein Fest an, daß der große HSV zum Pflichtspiel kommt. Es wird was von Pokalcharakter haben, wie jedes Spiel dieser Saison.
Ausserdem hat man sich in diesem Jahr mit Mo Gouaida verstärkt, der im letzten Spiel allerdings auf der Bank saß.

Der HSV hat sich in dieser Woche zwei neue Spieler geliehen.
Mangala aus Stuttgart, der Spielpraxis sammeln soll und morgen wahrscheinlich schon für den verletzten Steinmann auflaufen wird. Leider ohne Kaufoption. Das ist zwar nicht optimal, aber es fehlt uns für Alternativen das Geld.
Wie ernst es um die Finanzen des HSV steht, kann man auch an den Preisen für das Derby ablesen. Das ist fast höchste Erstligakategorie.
Ich denke, das war ursprünglich nicht so geplant, aber auch durch die Verletzungen von Papa und Jung fehlt uns Geld.
Ekdal wird auch wahrscheinlich nur 1,5-2 Mio bringen, obwohl er eine sehr gute WM gespielt hat, und was mit Kostic passiert, ist auch noch fraglich.
Die hohen Preise für Karten, Trikots usw nimmt man, weil man Geld braucht, dringend Geld braucht. Zweite Liga ist ein hartes Brot.

Der zweite Spieler, den wir geliehen haben, ist Leo Lacroix. Auf die Frage, wie man das ausspricht, hat Becker nur geantwortet: „Leo“.
Leo kommt von St Etienne. Das letzte halbe Jahr war er bereits nach Basel verliehen. Den Gerüchten nach zahlt der HSV nicht das volle Gehalt und besitzt auch eine Kaufoption.
Ich bin gespannt, ob er morgen auch spielen wird. Van Drongelen ist gesetzt, aber wer neben ihm den Laden dichtmachen soll, ist noch fraglich.

Hunt fällt erneut aus.
Er hat einen Riss der Faszien (wenn ich richtig informiert bin, ist das die Haut um die Muskeln. So ganz laienhaft ausgedrückt).
Gegen Sandhausen wird es noch nichts, aber danach könnte er eventuell wieder mitmischen.

Vorne werden wir wahrscheinlich diesmal mit einem echten Stürmer spielen.
Man munkelt, daß Lasogga in der Startelf stehen wird.
Die Spielweise ansich wird sich nicht ändern, und das ist gut so.

Sandhausen freut sich aufs Spiel, aber hoffentlich ist es mit der Freude am Sonntagabend vorbei.
Für uns wäre es schon allein deshalb wichtig, um den psychologisch belastenden letzten Platz zu verlassen. Hoffen wir das Beste (fb)

ps: Die Überschrift ist nicht abwertend gemeint. Ich habe höchsten Respekt vor der Arbeit, die in Sandhausen geleistet wird und ich werde einen Teufel tun, und die Mannschaft unterschätzen. Das ist ein wenig das, womit sie spielen. „Wir sind der arme kleine Underdog, wir sind lieb und symphatisch, wir tun doch nichts“. Sandhausen spielt einen klaren harten (nicht unfairen) Fußball, hatte im letzten Jahr die mit Abstand beste Abwehr der Liga. Wir sollten alle gewarnt sein. Die Punkte müssen hart erarbeitet werden.

Willkommen in Liga 2

Es war 22.05 Uhr, die 78. Minute der Auftaktpartie in der 2. Bundesliga, da geschah das, wovor zahlreiche Fußballtaktiker und auch andere Medien schon im Vorfeld ein wenig Bammel hatten, so sie es denn mit dem HSV hielten.

„Hamburg verkünstelt sich beim Versuch, fußballerisch hinten rauszuspielen. So landet der Ball beim freistehenden Lee. Der Südkoreaner behält die Übersicht und bedient den eingewechselten Kinsombi in der Mitte. Der braucht nur noch einzuschieben“, das stammt aus der Liveberichterstattung von Sky und bedeutet nichts anderes, als dass Pollersbeck und seine Vorderleute sich beim  Versuch, ein sauberes Spiel von hinten aufzubauen mächtig verrechneten. Der Ball landete beim Gegner und führte zu einem schnellen Konter in der eigenen Hälfte.

Unsanft ist der Bundesliga-Dino bei seiner Premiere im Unterhaus der Liga auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Mit 0:3 schickte ein in der zurückliegenden Sommerpause spielermäßig ziemlich zerpflückter Kieler Kader die Rothosen in die Kabine und nahm einen großen Sack der zuvor über den Hanseaten ausgeschütteten Euphorie gleich mit.

HSV-Kapitän, Lewis Holtby, der Aaron Hunt an der Binde vertrat, sagte am Sky-Mikrofon: „Das hatte nichts mit dem zu tun, wie wir spielen wollten. Wir waren mutlos, haben als Mannschaft nicht gut gespielt und verdient verloren. Das werden wir aufarbeiten müssen und nächste Woche ein anderes Gesicht zeigen. Das war ein Spiel, in dem wir desaströs waren. Wir müssen eine Reaktion zeigen.“

Und so manch einer fragte sich, ob das nicht einfach ein Einspieler aus der vergangenen Saison war.

Wie oft haben wir HSV-Fans, gerade in der vergangenen Saison, gleichlautende Sätze gehört?

Wie oft blieb die Mannschaft nach eigener Aussage hinter ihren eigenen Erwartungen zurück?

Ja, da waren Chancen. Gerade in der 1. Halbzeit sorgten Tatsuya Ito (3.), Neuzugang Jairo Samperio (5.) und Holtby (12.) vorne für mächtig Wirbel. Und auch Khaled Narey versuchte, nach gelungener Premiere gegen Monaco, erneut sein Glück als Torschütze, in der 35. Minute. Seine Chance in der 74., nach einer Flanke von Rick van Drongelen, bei dem er versuchte mit dem rechten Fuß im Fünfmeterraum zu netzten, hätte ebenfalls drin sein müssen.

Und wer weiß wie sich die Partie entwickelt hätte, wäre wenigstens einer dieser Bälle im Netz gelandet.

Hätte, wäre, wenn. Da sind wir wieder, bei dem so ungeliebten Konjunktiv, der die Abschlussschwäche der HSVer auch in der abgelaufenen Saison schon in bester Regelmäßigkeit begleitete.

Und dann war da ja noch Kiels Königstransfer, der bereits oben erwähnte südkoreanische WM-Teilnehmer Jae Sung Lee, der immer wieder für mächtig Unruhe im Titzschen System sorgte.

Damit wären wir aus meiner Sicht beim eigentlichen Problem.

Denn im Gegensatz zu vielen anderslautender Meinungen habe ich sehr wohl gesehen, dass die Kieler von ihrem (auch neuen) Trainer, Tim Walter, hervorragend auf dieses System eingestellt waren.

Ein ums andere Mal störten sie das in den letzten Spielen der 1. Liga und auch in den Testspielen so locker (manchmal zu leger) aussehende Aufbauspiel, mit Pollersbeck als „Libero“, machten dem Kurzpassspiel durch das Mittelfeld mit aggressivem Anlaufen schnell ein Ende und zwangen den HSV so erneut zu langen Bällen, die, mangels Anspielstationen viel zu oft wieder nur in der gegnerischen Hälfte landeten, wo sie zu schnellen Kontern führten.

Täusche ich mich, oder wirkten die Titzschen Schützlinge überrascht davon?

Klar ist es eine junge Mannschaft, und klar ist auch, dass diese Youngsters immer mal wieder Fehler machen werden.

Trotzdem sah es oft so aus, als fiele ihnen, insbesondere in der 2. Halbzeit, keine Antwort auf die anstürmenden Kieler ein, die eben jenes eintrainierte System so manches Mal unterbanden.

So blieb dem HSV teils nichts anderes über, als einem verlorenen Ball hinterherzujagen, um Schlimmeres zu vermeiden.

Dabei half dann auch Pollersbeck, der mehrmals (z.B. in der 46. und 86. Minute) hervorragend parierte.

Irgendwie fehlte mir letztlich aber öfter auch der letzte Biss in den Zweikämpfen und im Laufen ohne Ball. Ich will glauben, das war nur eine schlechte Tagesform und hatte nichts mit mangelnder Kondition zu tun.

Mein Fazit:

Plan A ist mächtig in die Hose gegangen. Und auch die kommenden Gegner werden versuchen, sich der Hamburger Spielweise anzupassen und gegenzuhalten.

Es mangelte an einem Spielemacher im Mittelfeld und ich hoffe, dass nicht nur der fehlende Hunt diese Lücke ausgleichen kann.

Sollte dem so sein, hat Becker nicht nur die Aufgabe, sich noch nach einem IV umzuschauen, um die instabile Defensive zu stabilisieren.

Für mich war es auch eine überraschende Aufstellung, ohne richtigen Stürmer. Vielleicht doch keine so gute Idee.

Ich hoffe, Titz hat noch ein Plan B in der Tasche. Sonst könnte diese Saison für den leidgeprüften HSV-Fan eine noch härtere werden und schnell für Unruhe im Umfeld sorgen, die, wie wir nur zu gut wissen, kontraproduktiv ist.

Noch ist nicht viel passiert. Außer der Tatsache, dass der HSV mit aller Realität in der 2. Liga angekommen ist.

Und vielleicht liegt ein Großteil des vorherrschenden Frustes in den Tiefen der vergangenen Spielzeiten begründet. Denn man kann noch so oft sagen, schaut voran und nicht nach hinten.

In unseren Köpfen befinden sich noch immer jede Menge dieser unnötigen Niederlagen, die uns letztendlich dorthin brachten, wo wir jetzt spielen.

Und ich möchte nicht irgendwann wieder damit anfangen, die Spiele aufzuzählen, in denen man noch so und so viel Punkte machen kann, um nicht erneut in einen nach unten zeigenden Strudel zu geraten.

Ich brauche keine Durchhalteparolen mehr. Sie alle sind ausgelutscht. Wie in einer Beziehung, in der ein Thema totgeredet ist.

Ich baue auf sachliche (angebrachte) Kritik, eine realistische Analyse. Unter uns Fans und erst recht innerhalb der Mannschaft.

Diese Kritik hat auch nichts damit zu tun, dass wir nicht trotzdem uneingeschränkt hinter unseren Jungs und dem Trainer stehen.

Einem Trainer, der die Mannschaft bis zum nächsten Wochenende auch mental wieder aufbauen kann, um den entstandenen Schwung aus der Vorbereitung in die nächsten Spiele mitzunehmen.

Herr Titz, übernehmen Sie! Wir brauchen Reaktionen: Selbstbewusstsein ohne Arroganz, Taktik mit Variabilität, Mut ohne Übermut. Und das alles am besten schon nächste Woche gegen Sandhausen. (mg)