Abstiegsfrust, Abenteuerlust und eine Reise nach Österreich

Vorfreude, Wehmut, oder Euphorie?
Mehrere Herzen schlagen gerade in meiner Brust.
Nunmehr sind es bereits acht Wochen, seitdem der HSV den bitteren Abstieg in Liga 2 besiegelte.
Acht Wochen, in denen ich versuchte zu realisieren, was da geschehen war.

Unabsteigbar?
Niemals 2. Liga?
Vorbei!

In meiner Trauer wurde ich aufgefangen, durch die aufkeimende Euphorie, die sich rund um den Verein, kaum einen Tag nach dem Spiel gegen die Fohlen erhob.
Über 5000 neue Vereinsanträge gingen ein.
„Mein Hamburg lieb ich sehr“ klang in meinen Ohren nach.
Ein „Jetzt erst recht“-Gefühl keimte auf.

Neue Spieler kommen, bekannte Gesichter gehen.
Einige konnten es sich leider nicht verkneifen, noch einmal gegen den ehemaligen Arbeitgeber nachzutreten.
So tun die Worte von Hahn und Co zwar weh, sie zeigen uns trotzdem einiges.

Ja, es herrschte eine Zeitlang Unruhe, speziell auf der Führungsebene. Doch so wie es scheint, sind diese Tage gezählt, in denen die BILD oder das Abendblatt vor der Vereinsführung wusste, wer kommt und wer geht.
In denen von außen noch mehr Unruhe nach innen getragen werden konnte und sich die handelnden Personen davon beeinflussen ließen.
Ruhig und sachlich wird augenscheinlich an einem Kader gearbeitet, der die bevorstehende Herkulesaufgabe angeht und bewältigen kann.
Gemeinsam und Hand in Hand.
Im Gegensatz zu vorherigen Transferperioden werden sogar Spieler VERKAUFT. Für den ein oder anderen beurlaubten SpoDi dürften das ein Schlag ins Gesicht sein.

Ja, so manch ein Trainer vercoachte sich in der letzten Saison mächtig und überging dabei manch einen Spieler wortlos.
Aber hey. Seid ihr Jungs nicht alle erwachsen genug, eure Interessen in einem INTERNEN Gespräch anzubringen und nach Lösungen zu suchen?

Raus aus der Komfortzone, rein in die Selbstständigkeit eines Profispielers, der weiß, was er will, der zeigt, dass er kann! Der sich eben nicht zu schade ist, im Sinne der Mannschaft auch mal Platz auf der Bank zu nehmen, um in der Woche danach doppelt Vollgas im Training zu geben.
Ein „es hat niemand mit mir gesprochen“ ist mir da zu einfach!

Sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Stellvertretend dafür sei hier Lewis Holtby erwähnt, der ohne großen Medienrummel die Durststrecke auf der Bank überstand und anschließend eben NICHT zu einem Gesicht des Abstiegs, sondern mit seiner Vertragsverlängerung eher eines der Hoffnung auf bessere Zeiten wurde.

Und wenn ich von mehreren Herzen in meiner Brust spreche, dann meine ich auch das, was am 1. Spieltag der 2. Liga nochmal traurig darauf schaut, dass die Liga, die man bisher kannte, erst Stunden später angepfiffen wird.
Ich hoffe, dass unsere Jungs, unser Trainerteam und auch die Vereinsspitze mich (und mit mir sicherlich zigtausend weitere) mit erfrischendem Fußball auffängt.
Wir HSVer gieren nach gutem Fußball.
Wir gieren nach Erfolgserlebnissen.
Wir gieren nach Toren und wir haben es auch verdient.

Somit habe ich mir vorgenommen, mich ab sofort ganz einfach zu freuen. Auf das Abenteuer 2. Liga, das hoffentlich nicht länger als dieses eine Jahr dauert.

Es wird kein Selbstgänger.
Aber es wird spannend sein zu sehen, wie sich der HSV auf unbekanntem Terrain entwickelt.

Einen ersten Eindruck auf die kommenden 34 Spieltage erhaltet ihr ab kommendem Sonntag von uns.
Die BlogPerlen begleiten die Mannschaft nach Österreich, ins Trainingslager.
Dort wird uns hoffentlich nicht nur der Wettergott und der Greenkeeper wohl gesonnen sein, sondern wir lernen den ein oder anderen von euch sicher auch mal persönlich kennen.

Auf viele schöne Momente, die wir mit euch teilen können.
Ich freue mich wie ein kleines Kind auf die neue Mannschaft.
(mg)