Zweite Liga und nu?

Tja, es ist so weit, wir sind abgestiegen. Wie geht es mir nun? Irgendwie komisch. Es ist eine ganz seltsame Situation.

Als Wolfsburg das 3:1 geschossen hatte, da wusste ich, es ist vorbei.
Auch die Fans im Stadion wussten es. Sie haben dann etwas ganz Besonderes gemacht, sie haben „Mein Hamburg lieb ich sehr“ angestimmt. Das ganze Stadion hat gesungen … und ich hab vor dem Fernseher mit Gänsehaut auf den Armen gesessen und Rotz und Wasser geheult.
Das war der Moment, in dem es raus musste.

Ansonsten habe ich den Abstieg bisher gut verkraftet, denn auch wenn ich immer noch optimistisch war, mit jedem Punktverlust von uns, mit jedem Punktgewinn unserer Konkurrenten, wuchs die Wahrscheinlichkeit, daß es uns in diesem Jahr trifft.

Den emotionalen Tiefpunkt haben wir aber eigentlich schon viel früher erlebt.
Das Spiel gegen Mainz und die Klatsche gegen Bayern, die letzten beiden Spiele unter Bernd Hollerbach, das war für mich der Tiefpunkt.

Bernd Hoffmann hat anscheinend ähnlich empfunden und gehandelt. Und dadurch hat er den Weg für Christian Titz frei gemacht.
Und mit Titz kam der Aufschwung.

Die Spielweise von Titz war überraschend. Wir haben Fußball gespielt, wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr.
Dabei ist uns Fans das Herz aufgegangen und wir haben erst dadurch gemerkt, wie sehr uns das gefehlt hat.
Und dieser Fußball hat auch den Nerv von vielen anderen Fans getroffen.
Wenn sie bislang sagten „erlöst uns doch endlich mal von diesem HSV“ waren ihre Worte mehr und mehr „schade, daß dieser HSV jetzt die Liga verlassen muß“.

Der HSV geht erhobenen Hauptes

Als alles mehr und mehr auf das Ende zulief, wurde der Schulterschluß zwischen Mannschaft und Fans immer enger.
Andere wurden nervös, haben sich zerstritten… wir haben den Schulterschluß gesucht.
Haben die Mannschaft voll und ganz unterstützt.
Und auch vor und während des Spiels hat sich der gesamte HSV von seiner besten Seite gezeigt.
Bis auf ein paar Idioten.
Kinder, die sauer waren, weil wir nicht an die alten, an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen konnten … die sie selbst aber nie erlebt haben.
Kinder, deren Empathie von der Tapete bis zur Wand reicht, die den magischen Moment mit ihren Pyroaktionen zerstört haben.
Es war, als würde man auf einer Beerdigung einen Böller in die Menschenmenge werfen … pietätlos.

Aber ich denke lieber an die anderen Fans, an den Moment vorher, als das Stadion mit seinem Gesang die Gladbacher verstummen ließ.
Als die Fußballer unten auf dem Feld sich den Ball nur noch alibimäßig zugeschoben haben, weil ihnen klar war, das ist ein ganz besonderer Moment.
Und ich denke an den Moment, wo sich das Stadion zum Applaus erhoben hat, um die Mannschaft zu feiern, die in den letzten Wochen alles versucht und uns viel Freude mit ihrem Fußball bereitet hat.

Der Verein macht im Moment vieles richtig.
Das Marketing trifft die Gefühle der Fans (was in Köln wohl nicht so geklappt haben soll).
Mit Titz wurde der Vertrag verlängert, es wurden viele Jugendspieler mit Profiverträgen ausgestattet (und das nicht nur pro forma, sondern damit sie Teil der Mannschaft werden). Es wurden junge Talente verpflichtet und man will alte erfahrene Spieler halten, aber nicht zu jedem Preis … es zeichnet sich ab, daß wir eine junge hungrige Mannschaft, gespickt mit einigen guten Führungsspielern bekommen werden.

Die Fans honorieren das. Seit Abpfiff sind über 3000 Mitglieder neu in den Verein eingetreten … Wahnsinn. Die Stimmung ist seltsamerweise so gut, wie schon lange nicht mehr. Wohl auch deshalb, weil wir noch gar nicht realisiert haben, was es wirklich heißt, 2.Liga.
Das fängt an mit den Anstoßzeiten, die nicht immer optimal sind. Es geht weiter mit der Berichterstattung, die in der zweiten Liga doch oft recht stiefmütterlich ist. Und an vielen Kleinigkeiten merkt man, wir sind nicht mehr erste Liga. Und das tut dann doch weh.

Und darum sollten wir uns hier gar nicht erst häuslich einrichten und allen von Anfang an klar machen, wir sind nur zu Besuch.
Und das meine ich nicht hochnäsig in Richtung der Gegner, sondern das meine ich als Kampfansage, oder sagen wir lieber Ansporn, an unsere Mannschaft und an alle Verantwortlichen.
Das hat auch nichts mit Demut oder Hochmut zu tun.
Wir sind nunmal mit Köln zusammen der Krösus und Favorit.
Das ist so.
Und da kann es dann auch nur eine Zielsetzung geben: sofortiger Wiederaufstieg. Daran führt kein Weg vorbei. Denn wenn wir wirklich den Umbruch wollen, dann muß dieser erstmal im Kopf stattfinden.
Allein mit Demut gewinnt man keine Spiele.
Also muß es heißen, daß wir in Zukunft versuchen müssen, mit allen Mitteln JEDES Spiel zu gewinnen.
Und wenn wir in der zweiten Runde des Pokals nach München zu den Bayern reisen müssen, dann will ich sehen, daß die Mannschaft alles tut, um das Spiel zu gewinnen.
Das muß unser Anspruch sein. Und haben wir diesen Anspruch nicht, dann wird es schwer, denn auch in der zweiten Liga spielt man Fußball.

Aber erstmal denken wir noch an die Zeilen, mit denen wir unseren Abstieg besiegelt haben und die ich in einem Jahr wieder singen möchte, wenn wir wieder aufgestiegen sind

Mein Hamburg lieb ich sehr
sind die Zeiten auch oft schwer,
weiß ich doch, hier gehör ich her!
Hier, wo ich geboren bin,
wo ich spielte schon als Kind,
in den Straßen die mein Zuhause sind!

(fb)

Mit Titz und Trotz

Da wir gerade beim Brechen von Traditionen sind, ich habe heute weder den DoPa noch Herrn Wontorra in mein Wohnzimmer gelassen.
Auf all die Phrasen, Abgesänge und Schmähgesänge von Strunz, Bild und Co konnte ich gut verzichten. Sie alle konnten den Rest des noch übriggebliebenen Schmodders, der in den letzten Wochen über dem HSV ausgekübelt wurde bestimmt auch gut ohne mich verbreiten.
Es wird sowieso niemand nachvollziehen können, wie es im tiefsten Herzen eines Vollblut-HSV-Fans heute aussieht.

Ich will mal versuchen zu beschreiben, wie es in mir aussieht. Vielleicht findet sich ja der ein oder andere darin wieder.

Also, so wirklich realisiert habe ich den Abstieg noch nicht.
Es versucht immer noch der Bauch über den Kopf zu siegen. Und während der Bauch voll ist mit einer großen Portion Trauer und der unbeantworteten Frage, wann wir denn nun samstags einkaufen gehen wollen, wenn um 13 Uhr schon der HSV spielt und wo ich auf der Karte denn all die Sandhausens und Aues finde, schleicht sich im Kopf ein neues Gefühl ein: Trotz.
Sollen sie sich doch alle hämisch die Hände reiben und über uns grinsen.
Sollen sie doch ihre Liga „endlich“ ohne den HSV feiern und dabei feststellen, dass sie eben nicht mehr das ist, was sie mal war.
Eigentlich sind die, die heute feixen doch alle nur armselig. Denn auch wenn ich wohl niemals Bremen- oder Pauli-Fan werde, den Abstieg wünsche ich keinem Fan, der mit jeder Faser seines Körpers zu seinem Verein steht. Schon gar nicht mit derartiger Wortwahl, die in der letzten Zeit immer mal wieder zu lesen war und die jedwelche Intelligenz ihrer Nutzer zumindest in Frage stellen.

Und jetzt mal ganz im Ernst, liebe Leute, eigentlich hatten wir ja lange genug Zeit, um uns auf den Fall der Fälle vorzubereiten.
Seit dem 17. Spieltag (an dem wir übrigens mit 3:1 in Gladbach verloren) gurken wir dort unten rum und der Abstand zum rettenden Ufer wurde immer beängstigender.
Nach 13 Spielen ohne Sieg waren es sieben Punkte bis zum Relegationsplatz.

Und dann kam er. Christian Titz. Als ich innerlich bereits begann, mich mit dem Wort Abstieg zu befassen. Acht Spieltage vor dem Saisonende stellte der AR, unter dem Vorsitz von Bernd Hoffmann, mit nun Alleinvorstand Frank Wettstein die komplette Führungsriege auf den Kopf. Und Titz, vormals Trainer der U21, die gesamte Mannschaft.

Plötzlich wurde wieder Fußball gespielt. Nicht nur im Volkspark, sondern auch auswärts. So manch einer rieb sich verwundert die Augen. Selbst gestern jubelte Sky-Moderator Kai Dittmann „so spielt kein Absteiger“ in sein Mikro.
Es startete eine Aufholjagd, die gestern mit einem Sieg gegen die Fohlen, leider nicht mit dem doch noch verdienten Klassenerhalt belohnt wurde. That´s life, wenn du noch von anderen Ergebnissen abhängig bist.
Ich schrieb es ja bereits in der vergangenen Woche, dass ich annehme, dass Wolfsburg die letzten Reserven mobilisieren wird. Und auch eine Niederlagenserie unter Bruno Labbadia musste ja einmal ein Ende haben.

Aber ehrlich, wir können hoch erhobenen Hauptes in die 2. Liga gehen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.
Leider war es trotzdem zu spät.

Mit Recht ist Titz stolz auf seine Jung. Denn wieder einmal liest sich die Spielstatistik erstaunlich gut.
Mit einer Fehlpassquote von unter 14 Prozent sowie ausgeglichenem Ballbesitz und Zweikampfquote kann man sich durchaus sehen lassen. 17 mal wurde aufs Tor geschossen. 8 mal versuchten es die Gladbacher.
Duracellhäschen Holtby krönte seine 13 Kilometer Rasenlaufstrecke mit einem schönen Tor und Wirbelwind Ito hatte nicht nur die meisten Sprints und „Intensivläufe“, er darf sich auch den Scorrerpunkt zum 2:1 ins Fleißbüchlein schreiben.
Wunderbar die Atmosphäre im Volkspark, als die Gladbacher Abgesänge mit einem Chor aus mehreren zehntausend Kehlen und „Mein Hamburg lieb ich sehr“ übertönt wurden.

Hätte, wäre, wenn…
…unter anderen Umständen hätte es erneut Spaß gemacht, dieser Mannschaft zuzugucken.
Umso mehr haben mich die Tränen von Ito, Sakai, Arp und auch Steinmann berührt, als sie unter dem Applaus ihrer Fans in die Kurve gingen.

Und genau aus diesem Grund bin ich es auch. Stolz auf das, was die Jungs unter Titz in den letzten Wochen erreicht haben.
Unter all den Vorzeichen die wir nun bereits vorfinden bin ich wirklich gespannt darauf, wie und mit wem sich der HSV im Unterhaus der Liga verkaufen wird.
Es wird mit Sicherheit noch ein paar schmerzliche Abgänge geben (Santos wird einer davon sein. Was der inzwischen zur Stabilität in der Defensive und auch nach vorne zum Spiel beiträgt, ist mehr als lobenswert.)
Auch einen Holtby wird man nicht halten können. Schon allein aus finanziellen Gründen. Aber wenn ich ehrlich bin, dann ist das auch gut so.
Es muss an allen Stellschrauben gedreht werden. Und dazu zählt auch die der Großverdiener mit großen Namen. Interessant wird sein, was in diesem Zusammenhang aus Lasogga wird.
Und dann ist da ja auch noch ein Halilovic, der in den nächsten Wochen auf seinen gepackten Koffern vor der Kabinentür sitzen wird.
Vielleicht, ja vielleicht, kann ein Christian Titz ihm ja Leben einhauchen…

Jawohl, liebe Leute! Ich bin stolz darauf, ein HSV-Fan zu sein. Ein bekloppter HSV-Fan, der wieder an einen Neuanfang glaubt. Der daran glaubt, dass auch „dort oben“ endlich der Groschen gefallen ist und wir uns endlich mal wieder auf eine gute Saison freuen dürfen, die bereits am 3. August beginnt.

Bis dahin versuche ich ganz langsam mich auf die bevorstehende WM freuen zu können und bis dahin wird ganz sicher auch die Frage mit dem samstäglichen Einkauf gelöst sein 😉

In diesem Sinn: macht euch einen sonnigen Sonntag und beschenkt doch mal eure Mütter einfach nur mit eurer Anwesenheit.
(mg)

P.S.: eines wollte ich nicht vergessen: ein ganz großes Dankeschön geht an dieser Stelle an den Schiedsrichter der Partie, Felix Zwayer.
Seine Entscheidung, das Spiel nicht abzubrechen (und damit verloren zu werten), sondern mit einem Schiedsrichterball zu beenden ist aller Ehren wert!
Im Gegensatz zu der Aktion, durch die diese Entscheidung erst notwendig geworden ist, die aber nicht ein Wort mehr verdient hat.

Itos Barthaar

Sollte noch irgendjemand die These vertreten, dass der DFB seine Schiedsrichter angewiesen hat, den HSV mit zweifelhaften Entscheidungen in der 1. Bundesliga zu halten, der dürfte am vergangenen Wochenende endlich zum Schweigen gebracht worden sein.

Damit man mich nicht falsch versteht, ich käme nie auf die Idee, den wohl ersten Abstieg des Dinos gänzlich an der Abseitsentscheidung rund um Itos Tor zum 1:0 für den HSV, in der 25. Minute, festzumachen.
Es ist nun mal eine Mission „fast unmöglich“, eine grottenschlechte Saison innerhalb von acht Spielen zu revidieren.
In einer „normalen“ Spielzeit hätte sich wohl niemand besonders darüber geärgert, wenn die Hamburger ohne Punkte aus Frankfurt zurückgekommen wären.
Leider ist diese Saison mal wieder alles andere als normal…
Da dieses Tor aber zu einem Zeitpunkt weggepfiffen wurde, wo es für den HSV um Tod oder Gladiolen geht, unterstelle ich dem Videoschiri Günter Perl mangelndes Fingerspitzengefühl und dem Gesamtprojekt der FIFA grundsätzlich die Note mangelhaft.

Nicht ganz umsonst heißt es „im Zweifel für den Angeklagten“. Und wer hier keine Zweifel hatte, der muss schon Augen wie ein Adler haben, die zudem noch mächtig dreidimensional gucken können.
Selbst die Expertenrunden der diversen Fußballtalks waren sich fast geschlossen einig, dass das Kölner Eingreifen unangemessen war, da es sich nicht um eine eindeutige Fehlentscheidung von Deniz Aytekin handelte, als er das Tor zunächst gab.
Man hätte schon mehrere Kalibrierungslinien ziehen müssen, um zu sehen, dass mindestens (Zitat) ein „Barthaar Itos“ im Abseits war.
Da den Videoschiedsrichtern diese Linien allerdings nicht zur Verfügung stehen, sprachen selbst HSV-Skeptiker wie Hahmann und Reif von Irrsinn und kollektivem Wahnsinn, der den Rothosen das so wichtige Führungstor versagte.

Unverständlich auch für mich ist zudem die Tatsache, dass Aytekin sich die strittige Szene nicht mal selber am Monitor anschaute, sondern das Veto von Perl einfach umsetzte. Dabei hatte selbst sein Linienkollege die Fahne unten gelassen.
Ob der Videoschiedsrichter unter den gegebenen, höchst schwammig formulierten Regeln weiterhin Bestand haben sollte ist für mich äußerst fragwürdig.
Denn sollte er eigentlich dafür sorgen, dass mehr Gerechtigkeit in die Fußballwelt einzieht, sorgt er inzwischen eher Woche für Woche für mehr Diskussionsstoff und zweifelhafte Entscheidungen, die teils sogar mit zweierlei Maß gemessen werden. Für mich sieht es so aus, als ob die Schiedsrichter oft selber nicht wissen, ob sie nun eingreifen müssen oder nicht.

Müßig zu überlegen, wie das Spiel wohl gelaufen wäre, hätte Itos Tor (wunderbar herausgespielt, nach einem Zuckerpaß von Hunt) gezählt.
Fakt ist, wir kassierten sechs Minuten später das erste Gegentor und in der 77. Minute stand es dann 2:0. Das abschließende 3:0 von Alexander Meier, in der Nachspielzeit, war nur noch Makulatur und dem aus Frankfurt scheidenden Meier, während seines letzten Heimspieles, somit auch zu gönnen.

Ziehen wir ein Fazit muss man jedoch zugeben, dass der HSV, gegen sehr kompakt stehende Frankfurter, weniger Zugriff auf das Spiel hatte, als in den vergangenen Wochen. Zudem wirkte man weniger bissig am Ball und hinten blieb uns bei den Gegentoren lediglich mal wieder die so bekannte Eskortrolle über. Obwohl sich die Statistik nicht wirklich schlecht lesen lässt (Fehlpassquote 20 Prozent bei rund 60 Prozent Ballbesitz und 52 Prozent gewonnenen Zweikämpfen), gingen die Spieler bekanntlich mit drei Gegentoren vom Rasen. Es war halt nicht der Tag der Rothosen.

Aber Hamburg wäre nicht Hamburg, könnte man das letzte Spiel der Saison jetzt mal in Ruhe gucken. Nächste Woche müssen wir gegen Gladbach nicht nur gewinnen (was durch die europäischen Ambitionen der Gäste nicht unbedingt leichter wird), wir müssen zudem auf Schützenhilfe aus Köln hoffen, die auf die Wolfsburger treffen.
Wobei, ich traue den Kölner durchaus ein faires Spiel zu, um sich mit einer ordentlichen Leistung aus der Liga zu verabschieden. Zudem spielen wir zuhause. Der Volkspark wird beben.
Und sollte es letztendlich doch nicht klappen, dann haben wir uns wenigstens auch mit ordentlichen Vorstellungen in den letzten Spieltagen aus dem Fußball-Oberhaus verabschiedet.
Es ist Montag und ich habe schon jetzt eine schlimme Unruhe im Bauch. Irgendwie befürchte ich, dass wir gewinnen und auch die Wolfsburger ihre letzten Kräfte erfolgreich mobilisieren können.

Ein Wort noch zu der momentan so heiß gehandelten Trainerdiskussion. Meinen Standpunkt über eine vorzeitige Verlängerung mit Christian Titz habe ich ja bereits in der vergangenen Woche deutlich gemacht.
Erneut hat mich unser Trainer, in seinen Interviews, mit seiner unaufgeregten, sachlichen Art begeistert. Er weiß um die Situation vor dem Endspiel und man hört auch raus, dass er nicht abgeneigt wäre, in Hamburg Profitrainer zu bleiben.
Deshalb kann ich persönlich nur hoffen, dass die in einigen Medien verbreitete Ambition von Bernd Hoffmann, Roger Schmidt zum HSV zu holen, nur das übliche dumme Säbelgerassel ist und somit eine Falschmeldung, wie man hier und da bereits hört, bleibt.
In diesem Sinne wünsche ich euch eine, so weit es geht, ruhige Woche, unseren Jungs ein gutes, konzentriertes Training ohne Verletzungen, jede Menge Motivation, Christian Titz ein glückliches Händchen bei der Kaderaufstellung und allen guten Appetit beim Griechen
(mg)

Vorschau #SGEHSV

Halbfinale

Die Freude ist groß.
Aber Christian Titz hat recht, es ist noch nichts erreicht. Wir sind durch unsere Situation quasi im KO-Spiel-Modus. Wir müssen gewinnen, sonst sind wir wahrscheinlich weg vom Fenster. Darüber später mehr.

Ich höre immer wieder, daß Bernd Hoffmann sich mit der Bestellung der neuen Vorstandsposten zu viel Zeit lässt, es sei ein Vakuum an der Spitze, das dringend gefüllt werden müsse.
Ich sehe es nicht so eng.
Allerdings wird immer argumentiert, daß Bernd Hoffmann ja selber gesagt hat, er hätte während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender vermehrt darauf drängen sollen, daß der AR einen SpoDi einstellt und sich nicht so viel Zeit lässt.

Die Situation stellt sich heute aber ganz anders dar.
Die Freistellung von Bruchhagen und Todt ist gerade erst 2 Monate her und ich erwarte in etwa einem Monat die Bekanntgabe der Nachfolger.
Es war richtig die beiden freizustellen, denn in der Planung für die Zukunft hatten sie gänzlich andere Vorstellungen als der Aufsichtsrat.
Der AR liegt mit Johannes Spors, Bernhard Peters und auch Wettstein auf einer Linie, was die sportliche Philosophie des HSV angeht.

Nun sucht der AR einen Vorstandsvorsitzenden und einen Sportvorstand. Diese müssen eine gewisse Qualität haben und auch die Philosophie des HSV mit tragen. Namen möchte ich hier nicht nennen, obwohl ich so meine Vorstellungen habe, wer kommen könnte. Aber beide sind noch in ihren bisherigen Vereinen tätig.
Wir sind nicht der FCB, wir wissen uns zu benehmen.

Bis die Posten neu besetzt sind, sind deren Aufgaben auf den Rest des Staffs, wie das neudeutsch heißt, verteilt.
Und hier kommen wir zu den Unterschieden zur Situation, nach dem Ausscheiden vom damaligen SpoDi Beiersdorfer.
Erstens, der Zeitraum ist ein wesentlich geringerer.
Damals hat es fast ein Jahr gedauert, bis man den Posten zumindest provesorisch mit Basti Reinhardt besetzt hat und zwei Jahre, bis Frank Arnesen kam.
Momentan reden wir von gerade mal drei Monaten.
Zudem ist die Situation auch deshalb eine andere, weil in wichtigen sportlichen Entscheidungen auf gleich zwei Fachleute zurückgegriffen werden kann: Bernhard Peters und Johannes Spors.
Es ist also nicht ein solch großes Vakuum, wie vor 8-9 Jahren. Zwei Entscheidungen hat man ja auch schon getroffen, man hat Bates und Wintzheimer verpflichtet. Beides junge Talente, die ligaunabhängig zum HSV stoßen.
Klar hängt sicherlich noch Vieles an der Liga.
Halten wir die erste oder müssen wir doch noch runter in die zweite?

Wie gesagt, ich erwarte nach der Saison die beiden neuen Vorstände, zumindest aber den Sportvorstand.

Kommen wir zum Spiel gegen Wolfsburg:
Wir hatten zu Anfang Glück, daß Steffen seine Chance nicht macht. Über die Gesamtheit des Spiels hab ich uns aber besser gesehen und wir haben zu recht geführt, als es in die Pause ging.
Dann haben wir über Ballbesitzspiel versucht, die Wolfsburger von unserem Tor fernzuhalten.
Das hat lange Zeit gut geklappt, bis wir diesen dämlichen Freistoß gegen uns bekommen haben. Bis dahin war ich noch realtiv ruhig. Ich hatte nie den Eindruck, daß Wolfsburg uns gefährlich werden könnte.

Zum Spiel gegen Frankfurt:
Auch die Eintracht muß gewinnen, wollen sie doch schließlich noch ihre Chancen auf Europa wahren. Platz 7 müssen sie erreichen, die Konkurrenz, die um diesen Platz spielt, ist groß.

Bei der Eintracht kommen mit Prince Boateng und Rebic zwei wertvolle Spieler zurück in den Kader.
Das ist nicht gut.
Dann haben sie zwar eine Strecke mit verlorenen Spielen hinter sich, sehen aber, wie gesagt, im Spiel gegen den HSV die letzte Chance auf Europa.
Die Fans werden sie anpeitschen. Und wenn den Frankfurtern die Mittel ausgehen, werden sie mit (übertriebener?) Härte versuchen, ins Spiel zu kommen.
Es kann sein, daß es ein sehr unschönes Spiel wird.

Auf der anderen Seite gibt es den offensichtlichen Bruch zwischen Trainer und Mannschaft.
Früher eine Einheit, zwischen die kein Blatt Papier mehr passte, heute ein offenes Zerwürfnis.
Kovac ist nicht mehr voll bei der Sache. Nach der Bayernklatsche kümmerte er sich nicht um die Mannschaft, sondern ließ sich von Uli Hoeneß kroatischem Fahrer nach Salzburg zu seiner Familie fahren.
Auch hat er sich verplappert und es ist herausgekommen, daß er schon viel früher bei den Bayern unterschrieben hatte, als bisher bekannt war (schon Ende März).
Das alles kommt nicht gut bei der Mannschaft an.
Boateng und einige andere Spieler haben schon Abwanderungsgedanken, der Laden implodiert gerade.

Trotzdem weiß man nicht, ob sie für dieses eine Spiel nicht noch mal einen Burgfrieden schließen, um Europa nicht zu verspielen.
Es wird ein verdammt hartes Spiel, das unseren Jungs alles abverlangen wird.

Und, tadah … Nicolai Müller ist wieder im Kader! Das ist einen Geschichte, die mich besonders freut.
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Frankfurt der richtige erste Gegner für ihn ist, wie gesagt, ich erwarte ein hartes Spiel.
Aber wir fahren mit 19 Spielern nach Frankfurt, es kann also sein, daß er noch im letzten Moment gestrichen wird. Der Kader umfasst für ein Spiel ja nur 18 Mann.

Und wir sind in unserer Situation zudem auch noch darauf angewiesen, daß die anderen „mitspielen“.
Mainz spielt in Dortmund, Freiburg in Gladbach (die leider unter Sperren und Verletzungen zu leiden haben).
Wolfsburg spielt gegen RaBa Leipzig, die am Sonntag gegen Mainz einen Grottenkick abgeliefert haben und denen Orban und Keita fehlen.
Hoffentlich verlieren sie alle.
Am wichtigsten wäre es, daß Wolfsburg verliert. Wenn wir gleichzeitig gewinnen, dann haben wir am letzten Spieltag alles in eigener Hand.
Das wäre psychologisch mehr als wertvoll.
Also, es bleibt aufregend beim HSV (fb)