Jetzt mit Titz verlängern? Nö!

Alle, die keine Lobeshymnen, von einer teilweise bekloppten HSVerin, mehr hören mögen, brauchen gar nicht weiterlesen.
Ich reihe mich ein in die Vielzahl derer, die seit Wochen noch immer ungläubig auf die Spiele des HSV schaut.

So wie auch gestern. Da war zum einen die Mannschaft, die man endlich wieder als eine solche bezeichnen kann. Klasse anzuschauen, wie man das ein oder andere Mal die stürmenden Wolfsburger zu zweit in die Zange und ihnen so den Ball abnahm.
Erstaunlich, dass sich mutig durchs Mittelfeld kurzgepasst wird, dass man endlich die Laufwege seiner Kollegen kennt und sich niemand für keinen Weg zu schade ist (ja, ja, ich wiederhole mich 😉)
Da ist ein Trainer, dem man seine Leidenschaft für Fußball an der Seitenlinie anmerkt. Der jeden Schritt seiner Schützlinge mitgeht und zumindest gefühlt einen halben Hamburg-Marathon in der Coachingzone zurückgelegt hat.

Herrlich unaufgeregt, sein Auftritt im ZDF-Sportstudio.
Glücklich über die überlebenswichtigen drei Punkte, die gestern mit auf den Weg nach Hamburg gingen.
Realistisch genug zu wissen, dass man noch keinen Blumenpott gewonnen, aber einen riesen Schritt in Sachen Spielentwicklung und vor allem Selbstbewusstsein getan hat.
Klar, dass man aus ihm wieder mal ein Statement zum Verbleib über das Ende der Saison hinweg, herauskitzeln wollte.
Deutlich und angemessen seine Antwort dazu. Er fühle sich in Hamburg sehr wohl, könne sich alles vorstellen (ligaunabhängig), aber das sei momentan nicht Thema. Viel mehr konzentriere man sich jetzt auf das „Halbfinale“, nächste Woche gegen Frankfurt.

Chapeau Herr Titz!

Sind es nicht die gleichen, die jetzt danach schreien, möglichst zeitnah mit dem Trainer zu verlängern, die Wochen zuvor hämisch darauf hingewiesen haben, dass es ja noch zwei Trainingsleiter auf der Hamburger Payrol gibt?
Sowohl Gisdol als auch Hollerbach haben noch einen Vertrag bis 2019, kassieren ihr Geld somit noch über 12 Monate, quasi im Schlaf.
Ein jeder, der die Situation (auch die finanzielle) in Hamburg kennt müsste wissen, dass man den Fehler, neue Trainer gleich mit langen Verträgen auszustatten, viel zu oft viel zu teuer bezahlt hat.
Titz besitzt einen Profi-Vertrag bis zum Ende der Saison. Danach, und auch das bestätigte er gestern, setze man sich in aller Ruhe zusammen und rede darüber, ob und wie es weitergehe.
Bis dahin sollte die Vorstandsreihe des Vereins aufgefüllt und auch der Posten des Sportdirektors neu besetzt sein.
Ich kann nur hoffen, dass Bernd Hoffmann, gemeinsam mit dem gesamten Aufsichtsrat, dann, in Kooperation mit dem AG-Vorstand, kluge Entscheidungen in Sachen Trainer trifft.
Der Verein gibt die Philosophie vor, der Trainer füllt sie mit dazu passenden, verpflichteten Spielern aus. So und nicht anders soll es sein.
Ich setzte auf Kontinuität. Spätestens zum Anpfiff der nächsten Saison. Ligaunabhängig.
Klar ist, dass Christian Titz (und das wohl nicht nur für mich) dabei gerne eine Hauptrolle übernehmen darf.

Kurz zum Spiel.
Liest man die Statistiken, so lagen Gastgeber und Gastmannschaft gar nicht so weit auseinander.
Da stehen sich knapp 54/45Prozent gewonnener Zweikämpfe gegenüber. Mit 80 Prozent angekommener Pässe setzten die Rothosen ihre tolle „Titz-Quote“ fort. Dass die meisten Fehlpässe von Julian Pollersbeck kamen (zehn an der Zahl, ebenso viele wie Lewis Holtby, der mit fast 13 Kilometern erneut die längste Strecke zurücklegte) spricht dafür, dass auch dieser Gegner den ruhigen Spielaufbau, zwischen den IVs und dem Torwart ausführlich videoanalysiert hat, Pollersbeck damit öfter zu langen Pässen nach vorne gezwungen wurde. Ein kleines Zuckerle für Wirbelwind Tatsuya Ito: bei ihm zählten die Statistiker null Fehlpässe.
Zudem liefen die Hamburger insgesamt fünf Kilometer mehr als die Wölfe.

Die wichtigste statistische Zahl liefert allerdings die der Torschüsse. Hier steht es 11 zu 14. Von den 14, der von Hamburgern auf den Kasten von Casteels abgegebenen Schüsse, landeten drei im Ziel.
Der erste Auswärtssieg seit 246 (!) Tagen war perfekt.
Einzig über die Standards vom ansonsten erneut fleißigen Aaron Hunt, der in der 67. Minute für Albin Ekdal weichen musste, bedürfen sichtlich weiterer Übungseinheiten.

Glück im Unglück für Filip Kostic, der den zweiten (!) Elfer des Tages, für die Hamburger, nicht verwandelte. Hier bewies Christian Titz, mit der Einwechslung von Luca Waldschmidt, ein glückliches Händchen. Er netzte im Nachschuss zum Endstand ein.
Apropos Elfmeter.
Dem seit dem 2. Spieltag glücklosen Bobby Wood den ersten Strafstoß zu überlassen, war eine der besten Ideen (wer auch immer die Entscheidung getroffen hat). Der Treffer ist hoffentlich als Brustlöser für den Amerikaner zu verstehen. Wir werden ihn in den letzten beiden Spielen, als erfolgreichen Torschützen, noch mega brauchen können!

Was bei aller Euphorie bleibt, ist die Gewissheit, dass der Spieltag noch nicht vorbei ist. Mainz spielt heute noch ein (für sie und uns) wichtiges Match gegen Leipzig.
Es werden nicht wenige sein, die erstmalig den Roten Bullen die Daumen drücken.

Wir sind bis auf zwei Punkte am Relegationsplatz dran.
Wir sind weiterhin von denen, die mit uns „da unten“ stehen, angewiesen.
Also heißt es auch weiterhin: heute feiern, morgen arbeiten und übermorgen unbedingt dem Griechen-Schwur frönen.
Ich ende mit einem Zitat unseres Trainers: „Bähm“!
Noch ist nichts verloren.
(mg)

Ein Sieg mit Herz und Kampfgeist

In Hamburg heißt es Durchschnaufen.
Mitte der Woche flatterten die Lizenzen für Liga 1 UND 2 in die Silvesterallee, gestern holte man sich drei wichtige Punkte, gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf.

Und während die einen noch das Haar in der Suppe suchen („Lizenzen sind kein Grund zum Jubeln, die sind normales Bundesligageschäft“… „das Spiel war durchzogen mit eklatanten Fehlern und Ballverlusten“…) schnuppern die anderen Morgenluft.
Und womit?
Mit Recht!
„Manchmal reicht es bei uns spielerisch nicht, um ein Spiel zu gewinnen. Dann muss der Kampf stimmen – so wie heute“, sagte Kapitän Sakai nach dem Spiel und brachte es auf den Punkt.
Denn wenn man diesen Jungs inzwischen eines nicht absprechen kann, dann ist das der Wille, siegen zu wollen.

Absehbar, dass nach fünf Wochen mal ein Gegner damit beginnen würde, das antrainierte Aufbauspiel zwischen Pollersbeck und seinen IV´s früh zu zerstören.
Das brachte wieder den ein oder anderen Ball, von hinten über das Mittelfeld, zu ungenau nach vorne, wo meist die Freiburger davon profitierten.
Das wiederum sorgte für eine enorme Fehlpassquote in der 1. Halbzeit und für Pollersbeck (der ein klasse Spiel machte) viel zu viele Möglichkeiten, sein Können unter Beweis stellen zu müssen.
Den schnellsten Sprint des gesamten Spiels dürfte einer der Betreuer für sich beanspruchen, als man auf der Ersatzbank feststellte, dass für Matti Steinmanns blutverschmiertes Trikot kein Ersatz bereit lag. Steinmann hatte in der 28. Minute einen Ball auf die Nase bekommen und durfte mit dem Shirt nicht mehr auf den Rasen. Quälend lang erscheinende vier Minuten in Unterzahl, in der die Freiburger ordentlich aufdrehten, war das Lehrgeld für alle Beteiligten, denen sowas ab sofort wohl nicht nochmal passieren dürfte.

In Minute 35 schnellte der Blutdruck der Hamburger Fans in ungesunde Höhen. Nach dem Motto „nimm du ihn, ich hab ihn sicher“, zeigte sich speziell Gideon Jung sehr zuversichtlich gegenüber seinem Torhüter, der gleich dreimal hintereinander Spitzenreaktionen zeigen musste, um den Führungstreffer der Gäste zu vermeiden. Die Rothosen wirkten verunsichert.

Irgendwie brachte man die erste Halbzeit ohne Gegentor rum und erhielt in der Kabine wohl eine an die Freiburger Störmaschine angepasste Marschroute von Christian Titz.

In der 54. Minute belohnte sich Lewis Holtby, der weder unter Gisdol noch unter Hollerbach eine Chance hatte, für seine wohl guten Trainingsleistungen und sein Durchhaltevermögen, indem er das dritte Tor in fünf Spielen unter Titz schoss.
Wie tief der Frust, gegen die Medien, die ihn längst abgeschrieben hatten, doch berührt haben muss, zeigte sich im Anschluss an den Schlusspfiff in der Mixedzone. „Die Lusche hat wieder getroffen“, gab er einem BILD-Reporter mit auf den Weg, der ihn unlängst wohl als solch eine bezeichnete.
Unter Christian Titz ist für mich nicht nur eine frischere Spielweise und ein enormer Teamgeist erkennbar. Auch ein Lewis Holtby, der übrigens mit fast 13 zurückgelegten Kilometern laufstärkster Spieler war, ist wieder aufgeblüht.
Das Quentchen Selbstsicherheit wünscht man sich jetzt noch für Bobby Wood, der in der 90. Minute das 2:0 vergab. Er zögerte, nach einem einsamen Spurt über rechts viel zu lange, bevor er sich dazu entschloss, nicht selber zu netzen, sondern den Ball zum aufgerückten Kostic rüberzulegen. Der traf dann letztendlich nur noch direkt den gegnerischen Keeper.

Für den Aufreger im Spiel sorgte jedoch mal wieder der Schiedsrichter, als er in der 71. Minute die Gelb-Rote Karte gegen Caglar Söyüncü zog, der kurz zuvor Kostic zu Fall brachte. Für mich eine Kann-Karte. Allerdings mit Auswirkung für die Gäste, die über 20 Minuten in Unterzahl spielen mussten.
Christian Streich wirkt in den Pressekonferenzen inzwischen auf mich, als würde man ihn regelmäßig unter Schlafmittel setzen. Er hadert nicht mehr mit dem Schicksal, bleibt ruhig, ja fast phlegmatisch und ergibt sich mit dem Hinweis, dass es eben eine Schiedsrichter-Entscheidung gewesen sei.

Statistisch gesehen, brachte die 2. Halbzeit die Werte wieder auf Titz-Niveau. Fast 80% angekommene Pässe, rund 56 Prozent Ballbesitz und 53 Prozent gewonnener Zweikämpfe standen letztendlich zu buche.
Erneut bleibt festzustellen, dass uns zu oft eine Anspielstation, für die inzwischen durchaus ankommenden Pässe von außen, in der Box fehlt.
Das war insbesondere in der 1. Halbzeit gut zu sehen.
Da nicht zu erwarten ist, dass sich daran noch viel ändert, werden auch die kommenden drei Partien zum Großteil über Kampf und Wille entschieden werden müssen.
Ich traue Christian Titz durchaus zu, den Spannungsbogen hoch genug halten zu können, um die Aussicht auf das Wunder von der Elbe am Leben zu erhalten.
Einen Hinweis darauf gab Holtby in einem Interview: „Psychologisch gesehen wäre ich jetzt lieber der Jäger als der Gejagte“, sendete er Richtung Wolfsburg.

Allerdings ist der 31. Spieltag auch für den HSV noch nicht vorbei. Heute spielt Augsburg gegen Mainz. Ein Sieg der Puppenkiste wäre aus Hamburger Sicht wünschenswert.
Und kommenden Samstag haben wir dann das nächste Endspiel gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf vor der Brust. Leider spielen wir gegen Wolfsburg auswärts. Denn auch gestern bewiesen sich die Fans im Volkspark erfolgreich als 12. Mann, der uns in Niedersachsen ein wenig fehlen wird.

Bis dahin heißt es #Hamburglebt, allen Haar-in-der-Suppe-Suchenden zum Trotz!
(mg)

Störfeuer

Auswärtssieg!
Haut den Plastikclub weg!
3 Punkte aufholen. Und Mainz verliert am Montag!

Tja, leider ist Fußball kein Wunschkonzert.

Der HSV musste sich in Sinsheim ergeben und obendrein wird einer der Besten auf dem Platz, nächste Woche gegen Freiburg fehlen. Douglas Santos holte sich die 5. Gelbe Karte ab.
Zwei Tore, in der 18. (Gnabry) und 27. (Szalai), mit freundlicher Unterstützung unserer Defensive, machten die Hoffnungen, in Hoffenheim was mitzunehmen, zunichte. Ehrlich gesagt, ist dieses Ergebnis noch schmeichelhaft. Denn neben zwei nicht gegebenen Toren für die Gastgeber, hatten diese viel mehr Chancen (allein dreimal Aluminium), zeigten das bessere Konterspiel und gingen aggressiver ins Pressing.
Kaum zu glauben, dass sie „nur“ auf Platz 7 der Tabelle standen. Das Spiel unter Nagelsmann sieht einfach aus und die (eingespielte) Mannschaft hat erfrischenden Fußball gezeigt.
Hunt ging, anders als gegen Schalke, als Startelfstürmer unter, die Pässe, die durchaus von rechts und links in die Box flogen, blieben unbeantwortet.
Zudem taten sich im Mittelfeld unerwartete Löcher auf, die Matti Steinmann, als einziger 6er gestern nicht stopfen konnte.
Titz reagierte früh, wechselte ihn in der 32. Minute gegen den erfahreneren Ekdal aus und versuchte das Mittelfeld durch das Zurückziehen von Holtby zusätzlich zu stabilisieren. Dadurch entstanden die Lücken dann allerdings weiter vorne.
In der 63. kam Arp für Waldschmidt, in der 76. Salihovic für van Drongelen, der, zumindest in der 1. Halbzeit einen gebrauchten Tag erwischt hatte.
In der 2. Halbzeit ließ Hoffenheim das Spiel etwas schleifen, unsere Jungs wurden wacher. Keeper Baumann war in der 72. Minute, mit 52 Ballkontakten inzwischen der Fleißigste auf dem Platz.
Zu unserem Leidwesen verpufften die Schüsse auf das Tor der Gastgeber, viele davon zu ungenau. Weiterhin fehlte einfach die effektive Anspielstation im gegnerischen 16er.

Gegen diese Hoffenheimer zu verlieren ist wahrlich keine Schande. Und schon gar kein Rückfall in vergangene Zeiten.
Was haben wir denn erwartet?
Auch Christian Titz ist kein Magier und kann statt eines Mäuschens gleich einen Löwen aus dem Hut zaubern.
Die Jungs haben sich zu keinem Zeitpunkt des Spiels aufgegeben. Selbst nach dem 2:0 war der Wille was zu drehen durchaus da.
Wieder kamen gut 83 Prozent der Pässe da an wo sie hin sollten. Erneut hatten wir mehr Ballbesitz (knapp 57 Prozent) und liefen etwas mehr als der Gegner.
Allerdings sank die Zweikampfquote um rund 6 auf 44 Prozent.

Ich bin die Letzte, die unseren Jungs irgendeinen Vorwurf macht!
Keine Mannschaft schlägt jeden Gegner.
Und Hoffenheim war gestern einer, der eben nicht durch ständige Störfeuer, Trainerwechsel und Querelen in der Vorstandsetage auf Nebenkriegsschauplätzen kämpfen musste, dafür mit einem gefestigten Kader den guten Fußball der Saison fortsetzte.
Nur, und da wiederhole ich mich erneut: uns fehlt einfach die Zeit für solche Spiele.
Leider! Aber da können weder Christian Titz noch der Großteil der Mannschaft etwas dafür.
Ich sehe weiterhin eine gute Entwicklung, die (ligaunabhängig) Mut auf eine bessere Zukunft macht

Apropos Störfeuer.
Titz nach Kiel, Arp zu den Bayern.
Findet die Presse keine schlagkräftigen Themen, zieht sie selber welche an Land. Spekulationen ohne Ende, nicht bestätigte Meldungen im Konjunktiv und damit Unruhe in die Fangemeinde bringen. Das scheint Anliegen der örtlichen und auch überörtlichen Medien zu sein. Wir alle werden weder das eine noch das andere letztendlich verhindern können.
Da lob ich mir doch den Trainer, der mantraartig immer wieder betont, dass er momentan nur von Spiel zu Spiel arbeitet und ihn wenig interessiert, was sein könnte wenn…
Ich denke wir sollten uns alle ein Beispiel an ihm nehmen und einfach abwarten was kommt.

Trotz allem, der erste Abstieg rückt unweigerlich näher. Auch wenn immer noch das letzte kleine, rechnerische Quentchen Hoffnung lebt.
Das allerdings könnte empfindlich aus dem Gleichgewicht geraten, wenn Mainz morgen gegen Freiburg gewinnt. Leider können wir es nicht mehr alleine richten.

Apropos Störfeuer II:
Auch in Hoffenheim qualmte mal wieder die Hütte. Das wird dem Verein als Wiederholungstäter, erneut eine empfindliche Geldstrafe einbringen.
An die wenigen, die ihre Finger mal wieder nicht vom Zündeln lassen konnten: Pyro ist in deutschen Stadien verboten und IST somit ein Verbrechen! Und wer jetzt wieder mit den hohen Abfindungen oder Eintrittspreisen dagegenhalten möchte dem sei gesagt, spart euch diese kindischen Entschuldigungen!
Sollte die Strafe sechsstellig werden, denkt einfach mal darüber nach, dass unser neuster Neuzugang, David Bates, 120.000 Euro Ausbildungsvergütung kostet.
Diese Summe habt ihr längst für Nichts in eurem Rauch aufgelöst. Tolle Leistung und ein Bärendienst, den ihr da eurem ach so geliebten Verein beschert!
Stimmung geht auch ohne Pyro, wie ihr selbst es gegen Schalke und nach dem Spiel, mit dem Applaus für die Mannschaft, trotz Niederlage, bewiesen habt. Diesen Support dürft ihr gerne am kommenden Samstag gegen Freiburg wiederholen.
(mg)

Der Verein gibt die Philosophie vor

Als Reaktion auf zahlreiche Diskussionen der letzten Tage möchte ich noch eines vertiefen:
 
Der Verein gibt die Philosophie vor!
 
Wir sind jetzt alle begeistert, dass wir plötzlich ansehnlicheren Fußball beim HSV sehen.
Wie kommt es dazu, daß wir gerade jetzt diesen Fußball spielen?
Vordergründig mag man sagen, das liegt an Titz.
Schließlich ist er der Trainer, der so spielen lässt.
Wenn man sich das Ganze aber genauer betrachtet, dann stellt man fest, daß die Gründe dafür tiefer liegen.
 
Nach der Ausgliederung ist Didi VV geworden.
Er hat Knäbel als SpoDi und vor allem Peters als Direktor Sport installiert.
Alle drei haben zusammen ein Konzept entwickelt, wie man beim HSV Fußball spielen lassen will.
In der Jugend hat man dieses Konzept entwickelt, es sollte schon länger auch in den Profibereich übernommen werden.
Da man aber immer mit dem Rücken an der Wand stand und ausserdem die Trainer (Bruno und Gisdol) in ihrer TrainerDNA für einen anderen Fußball standen, hat man es nicht riskiert.
Erst jetzt, nachdem man gemerkt hat, mit dem bisherigen Fußball gewinnen wir keinen Blumenpott mehr, geschweige denn irgendwelche Spiele, hat man es umgesetzt.
Eine Art alles oder nichts, wohlwissend, ein „weiter so“ bringt den garantierten Abstieg.
Man hatte nichts mehr zu verlieren.
Bruchhagen war dagegen, also musste er gehen.
 
Das, was wir jetzt unter Titz sehen, ist das Ergebnis langjähriger Arbeit der sportlichen Führung des HSV, unter der Leitung von Bernhard Peters.
 
Somit lässt Titz zwar diesen Fußball spielen, aber auch nur, weil er gezielt für diesen Fußball ausgesucht und ausgebildet wurde.
Es ist anzunehmen, daß wir, wenn Christian Titz kein Trainer mehr beim HSV ist, trotzdem weiterhin diesen Fußball sehen und der Trainer entsprechend dazu ausgesucht wird.
Wir werden somit das erfüllen, was viele immer wieder gefordert habe: der Verein gibt die Philosophie vor, der Trainer setzt sie um.
Auch der Spielerkader wird nach den erforderlichen Kriterien zusammengestellt.
 
Dieses Wissen lässt mich ruhiger schlafen, als all die, die sich Sorgen machen, daß Christian Titz nach der Saison nicht mehr unser Trainer sein könnte.
Es heißt also nicht so sehr „In Titz we trust“, sondern eher „in Peters we trust“.
Immer wieder wird kolportiert, daß Bernd Hoffmann unbedingt einen großen Namen auf dem Trainerposten sehen möchte.
Nein, Namen sind ihm egal. Es sollen die Besten, die zum HSV passen, kommen.
Und im Moment ist Christian Titz das Beste, was dem HSV passieren konnte (fb)

Wenn man sich wünscht, dass vier Minuten des eigenen Lebens ganz schnell vergehen…

…dann spielt der HSV!

Das war nichts für schwache Nerven. Wie oft wurde das Pflänzchen Hoffnung auf einen Sieg, in den letzten Minuten wieder ersäuft?
So oft, dass ich wirklich bis zum Schlusspfiff nicht daran glauben konnte. In den vier Minuten ewig wirkender Nachspielzeit, in der Schalke noch mal richtig aufdrehte, hat bestimmt der ein oder andere in ein imaginäres Kissen gebissen.
Aber dank einer tollen Parade von Pollersbeck ist es wirklich passiert: Nach 132 Tagen ohne Sieg bringt der HSV drei überlebensnotwendige Punkte nach Hause.

Und WIE er sie nach Hause brachte!
Ich wiederhole mich gerne, denn, egal in welcher Liga wir uns in der nächsten Saison wiederfinden, was Christian Titz, innerhalb von vier Wochen aus dieser Mannschaft gemacht hat, ist unglaublich.
Der kleine Ito hat die wohl beste zweite Halbzeit seines Lebens gespielt.
Dass er überhaupt 90 Minuten durchhielt, spricht für eine super Trainingsleistung. „Wir haben Ito nicht in den Griff bekommen“, gab Schalke Trainer Tedesco, im Aktuellen Sportstudio zu.
Der japanische Wirbelwind spielte seinen direkten Gegner, Caliguri, ein ums andere mal schwindlig, war links wie rechts zu finden und lieferte den entscheidenden Pass, der in der 52. Minute zum 2:1, durch Holtby führte.
Skeptiker, die Ito in der Startelf zunächst bemängelt hatten, taten tatsächlich Abbitte, ob der gerade in den zweiten 45 Minuten gezeigten Leistung.

Hunt im Sturm? So mancher rieb sich verwundert die Augen. Ich, ich gebe es zu, bin eigentlich kein großer Freund des Ex-Bremers. So manches mal hat er das Spiel verlangsamt und eher durch Fehlpässe auf sich aufmerksam gemacht.
Aber als Sturmspitze macht er durchaus Sinn, um die Lücke zu füllen, die sich allzu oft im generischen 16er aufgetan hat.
Dass sein Hammertor dann aus 26 Metern im gegnerischen Netz zappelte ist umso schöner. Und ehrlich gesagt, ich gönne es ihm sogar. Denn er scheint einer derjenigen zu sein, der die von Titz geforderte Mentalität zeigt und sie auch auf den Platz bringt. Nebenbei: der Blick von Torwart Fährmann erinnerte mich ein wenig an das Relegationsspiel in Karlsruhe, nachdem Marcello Diaz seinen Freistoß ins Tor zauberte.
„Wenn wir Fußball spielen, dann kann ich das auch“, sagte Hunt in ein ZDF-Mikro. Das dürfte als Seitenhieb auf die ehemaligen Trainer und ihr defensives Spielsystem verstanden werden.

Apropos Fehlpässe.
Auch die Statistik des Spiels lässt sich durchaus sehen. Neben einem Ballbesitz von 59 Prozent und einer um sieben Kilometer höheren Laufleistung als die Schalker, glänzten die Hamburger mit einer Passquote von fast 80 Prozent. Das sind erneut 20 Prozent mehr, als unter Gisdol und Hollersbach.
18 zu 7 Torschüsse bekamen die Fans zu sehen. Das dürfte gefühlt die gesamte Ausbeute aus den sieben Spiele unter Hollerbach gewesen sein.
Schade, dass sich Lukas Waldschmidt oder auch Sakai bei ihren beiden 100prozentigen nicht belohnten. Und auch Holtby semmelte das Spielgerät nur Zentimeter am Netz vorbei.
Hach, es war einfach schön, dieser Mannschaft zuzugucken!
Zu sehen, wie der Ball durch das Mittelfeld gezaubert wurde und sich die Spieler in ihren Laufwegen immer wieder anboten.
Erneut arbeitete die gesamte Offensive gut nach hinten mit. Ärgerlich dabei, das nach einem Freistoß von Caliguri von Naldo verwandelte Kopfballtor. Weder van Drongelen, noch Pollersbeck schienen da gewarnt.
Dass „die Hand Gottes“ an dem Ball mit dran war, bestätigte anschließend nicht nur Sky-Schiri Markus Merk. Auch Naldo gab zu, dass wohl Kopf und Hand beteiligt waren. „Aber wenn der Schiedsrichter sagt, ist ein Tor, dann ist es auch eins“, meinte er lapidar.
Für mich unerklärlich, dass es aus Köln keinen Einspruch gab. Auch wenn einige meinen, das sei eben keine eindeutige Fehlentscheidung gewesen.
Was war das sonst?
Für mich ziehen sich die Fehlentscheidungen, zu Ungunsten des HSV, wie ein roter Faden durch die gesamte Saison.

Umso wichtiger war es, dass sich unsere Jungs eben nicht, wie schon so oft davor, nach dem frühen Führungstreffer aufgaben, sondern weiter anliefen und sich in der 17. Minute, durch Kostic´s kuriosen Kopfballtreffer mit dem Ausgleich belohnten. Auch nach Holtbys Tor zum 2:1, kreiste keine Angst vor dem Verlust der Führung durch die Mannschaft, so, wie es noch gegen Hertha zu sein schien.

Unterm Strich bleibt ein tolles Spiel, ein wichtiges Ergebnis, die Abgabe der „Roten Laterne“ an den FC Köln und „nur“ noch fünf Punkte bis zum Relegationsplatz.
Schade, wirklich schade, dass wir uns nicht allein auf uns verlassen können, sondern auch immer noch auf die Ergebnisse der Konkurrenz schauen müssen.

Euphorie? Ich bin weit entfernt davon. Aber ich traue Christian Titz durchaus zu, dass er die Jungs auf dem Boden hält und sich alle der Situation bewusst sind. Titz weiß, nur, wenn in jedem der noch ausstehenden fünf Spiele 110 Prozent auf den Platz gebracht werden, kann das kleine Pflänzchen Hoffnung weiter leben. „Heute feiern, morgen arbeiten“, sagte auch Bernhard Peters, der dem gesamten Trainerteam ein Lob und der Mannschaft eine neue Mentalität aussprach, nach dem Spiel.
Noch ist nicht viel gewonnen. Aber auch nichts verloren.

Und nächste Woche? Da geht es nach Hoffenheim. Das Hoffenheim, bei dem wir vor 132 Tagen den letzten Sieg feiern konnten. Sie werden es uns nicht einfach machen und versuchen, diese Scharte auszuwetzen. Fehlen werden den Jungs auch die Fans, die gestern als 12. Mann dicht hinter der Mannschaft standen. Und das ganz ohne Pyro…
(mg)

Vorschau #HSVS04

Moin
Viel diskutiert wird ja die Frage, ob Christian Titz unser Trainer bleiben soll, oder nicht. Teilweise wird sogar recht heftig diskutiert. Um diese Frage zu beantworten, muß man ein klein wenig ausholen.

Wir haben bisher ein System gespielt, das bedeutete, daß wir durch Pressen den Ball erobern wollten, den dann schnell nach vorne bringen und vorne hilft der liebe Fußballgott.
Also ein System das sehr gegen den Ball ausgerichtet war.
Vor einigen Jahren war das noch (mäßig) erfolgreich, aber in dieser Saison machen das fast alle Mannschaften mit mehr oder weniger gutem Erfolg.
Und weil alle gegen den Ball arbeiten, kann keiner mehr was mit ihm anfangen.
Und so spielen die erfolgreich, die zwar wie alle anderen auch gegen den Ball arbeiten, aber doch zumindest ein bisschen was damit anfangen was können.
Übrigens ist das in der zweiten Liga nicht viel anders.

Das kann nicht so weitergehen, die Vereine müssen sich was einfallen lassen.
Man braucht eine Art Innovation, um aus dieser Spirale rauszukommen.
Innovation ist zwar hier in diesem Fall sehr, sehr großzügig ausgelegt, aber passt trotzdem irgendwie.

In unserer Jugend spielen wir mehr Fußball und weniger gegen den Ball.
Und das ganz bewusst.
Auf der einen Seite um die Spieler möglichst gut auszubilden, auf der anderen Seite, weil es der Plan war, dieses System mittelfristig auch in den Profifußball zu übernehmen.
Weil dort aber keine gute Arbeit geleistet wurde und wir immer wieder mit dem Rücken an der Wand standen, hat man sich auf seine „Stärken“ konzentriert: Gegen den Ball arbeiten, den langen Hafer nach vorne und da sollte dann, wie bereits gesagt, der liebe Gott helfen.

Durch die Entlassung Hollerbachs und das Hochziehen von Titz hat man das neue System im Profifußball Einzug halten lassen.
Das hat mehrere Gründe: Einerseits haben wir es unseren Gegnern bisher zu einfach gemacht.
Man musste sich nur hinten reinstellen und schon hatten wir keine Chance.
Also mussten wir was ändern.
Der nächste Punkt ist, wir mussten die Mannschaft fordern und damit auch ein Stück weit ablenken, um ihnen auch wieder ein bisschen den Spaß am Fußball zu bieten. Und wir mussten den Konkurrenzkampf neu entfachen. Also hat man der Mannschaft ein neues Konzept an die Hand gegeben, das für HSV-Verhältnisse geradezu revoutionär ist: Fußball spielen.
Damit der Umbau schneller vonstatten gehen kann, hat Christian Titz viele junge Leute hochgezogen. Diese jungen Leute heizen den Konkurrenzkampf an und vor allem verstehen sie, was der Trainer von ihnen will. Schließlich spielen sie schon länger so.

Die Spieler hatten also Konkurrenzkampf und sie wurden gefordert, ihre Fähigkeiten zu verbessern und sie wurden zudem vom Abstiegskampf abgelenkt.

Wir erleben nun einen HSV der Fußball spielt, der auch die Fans begeistert.
Für Schalke werden wir nahezu ausverkauft sein, weil die Fans das Konzept mit Spannung begleiten.
Die Fans sind neugierig, ihnen gefällt was sie sehen, obwohl erst ein Punkt dabei rübergekommen ist.
Das System ist in der Lage, auch tiefstehende Gegner in Bedrängnis zu bringen. Noch sieht man davon nicht viel, aber es wird besser.

In der Sommerpause laufen 10 Verträge, teils mit sehr prägenden Spielern aus (von den Gehältern wollen wir mal nicht schnacken).
Einige Spieler werden uns verlassen, obwohl sie noch Vertrag haben.
Mathenia wird sehr wahrscheinlich nach England gehen, Walace ist quasi schon weg, Wood hat auch angedeutet, daß er den Verein verlassen möchte.
Und falls der extrem unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, daß wir für die zweite Liga planen müssen, werden noch mehr Spieler gehen.

Also, folgende Situation: Wir haben einen Kader, der das erste Mal seit Jahren einen Umbruch erleben wird, der dem Namen auch gerecht wird.
Wir müssen ein System spielen, das auf Fußball spielen fußt.
Wir haben ein solches System im Verein installiert. Wir haben im Moment mit Christian Titz einen Trainer, der dieses System beherrscht.

Die Folge kann nur sein: Egal in welcher Liga wir spielen, wir müssen jetzt Spieler holen, die fußballerisch gut genug sind, um spielen zu können.
Und wir brauchen einen Trainer, der Fußball spielen lassen kann.
Auch der neue Sportvorstand muß das auf seiner Agenda stehen haben. Ansonsten ist es der falsche.

Wir sind klamm, wir haben nicht viel Geld.
Sowohl Wettstein als auch Bernd Hoffmann betonen, daß die Lizenz nicht in Gefahr ist.
Ich glaube ihnen das. Trotzdem haben wir kaum Geld.
Machen wir aus der Not eine Tugend: spielen wir Fußball.
Die Anderen spielen entweder gegen den Ball oder sie haben einen solch guten Kader, daß sie eh ausser Reichweite sind.
Machen wir uns zum Ausbildungsverein.
Dazu benötigen wir einige gute, charakterstarke Spieler als Gerüst und füllen den Rest der Mannschaft mit guten jungen Spielern auf, die sich fußballerisch weiterentwickeln wollen.
Also keine Spieler wie Kostic, Hahn oder Halilovic kaufen, sondern unser eigenen Talente, plus einige junge Talente als Ergänzung zum Kader.
Unter Umständen können wir auch Spieler mit einer gewissen Qualität ausleihen.

War es bisher immer so, daß wir Spieler mit „Schmerzensgeld“ davon überzeugen mussten, hier in Hamburg zu spielen, locken wir sie mit einer guten Ausbildung.

Und das garantiert dann Christian Titz zwar nicht den Job für die nächste Saison, aber immerhin werden wir einen Trainer haben, der das Konzept mitträgt. Ein Jos Luhukay, der zwar als Aufstiegsgarant gilt, wird es nicht werden.

Kommen wir zum Spiel.
Schalke wird sich unsere letzten beiden Spiele genau angesehen haben. Ich bin mir sicher, Tedesco wird sich was für uns überlegt haben.
Auf der anderen Seite könnte ich mir vorstellen, daß man dazu neigt, uns zu unterschätzen, daß die Spieler schon das Derby im Hinterkopf haben.
Zudem müssen sich fünf Spieler der Knappen auch ihre Gedanken darüber machen, daß sie keine Gelbe bekommen dürfen, weil sie sonst gegen Dortmund gesperrt wären.

Bei uns wird Papa wohl den Platz von Jung, neben Stephan Ambrosius einnehmen. Und auch vorne testet der Coach einiges aus. Gestern hat Waldschmit in der Viererreihe hinter der Spitze gespielt und Hunt war im Sturm zu finden.
Was hat Titz vor? Lässt er Hunt im Sturm? Will er das trainieren, damit man im Spiel rochieren kann? Oder hat Hunt einfach nur den Platzhalter für Arp gespielt?
Wir werden es sehen. Eines ist sicher, Schalke ist fällig. Also: Nur der HSV (fb)

7 Spiele verschenkt!

Wer hat eigentlich gesagt, dass diese Mannschaft untrainierbar ist?
Wer meinte denn, dass selbst ein Pep Guardiola aus dieser Truppe nicht viel mehr rausholen könnte?
Wenn wir ehrlich sind, dann meinten das die meisten von uns.
Denn eine Entwicklung war weder zuletzt unter Bruno, noch unter Gisdol und schon gar nicht unter Hollerbach zu entdecken.

Und dann kommt ein Christian Titz, ein Trainer aus der „zweiten Reihe“ und belehrt uns eines Besseren.

Es ist noch keine vier Wochen her, da war der Hamburger Fußball das Synonym für „Antifußball“.
Lange Bälle nach vorne, ohne dass dort eine geeignete Anspielstation zu vermuten war. Destruktiver Zerstörungsfußball ohne jeglichen technischen Ansatz.
Hauruck-Gepöhle vom Feinsten, gepaart mit immer wieder individuellen Fehlern, die uns die Punkte kosteten. Und vorne eine Flaute, die den versiertesten Segler auf dem Wasser zum Verzweifeln gebracht hätte.
Sieglos seit November letzten Jahres.
Überholt vom 1. FC Köln, der zum Rückrundenstart gerade mal 6 Punkte gesammelt hatte.
Träger der Roten Laterne, ohne Aussicht auf Besserung.

Trotz all dieser Tatsachen wurde der Kader im Winter nicht nachgebessert. Sparfuchs Bruchhagen und SpoDi Todt wiederholten mantraartig, dass die Mannschaft stark genug für einen Klassenerhalt sei. Ein fataler Fehler, wie wir heute wissen.
Nach dem 2:0 im Januar dieses Jahres, gegen Köln, musste Gisdol gehen.

Und jetzt kommt das, was ich überhaupt nicht verstanden habe und was mich im Nachhinein RICHTIG wütend macht: mit Hollerbach holte man einen ähnlichen Trainertypen, mit der gleichen Spielphilosophie wie Gisdol sie hatte.
Liebe Leute!
Sollten wir absteigen, und es sieht verdammt danach aus, war das der Kardinalfehler der damaligen Führung.

Hollerbach mag ein total liebenswerter Mensch sein. Aber er ist niemand, der Abstiegskampf kann.
Er vermittelt schon nach außen eher den Typ Schwiegermutters-Liebling, als Motivations-Couch, der Menschen in seinen Bann ziehen, Selbstvertrauen ausstrahlt und mitreißen kann.

Haben Bruchhagen und Todt das nicht gesehen?
Unter welcher Prämisse hat man Hollerbach geholt?
Hat der „Stallgeruch“ da schon wieder Einfluss genommen?
Oder war Holle „nur“ zu gutmütig, um Nein zu dieser Herkulesaufgabe zu sagen?

Wie dem auch sei.
Wir haben 7 Spiele verschenkt, in der auch weiterhin auf dem Rasen das Spiel nur zerstört wurde, die Fehlpassquoten gen Himmel gingen, immer und immer wieder die selben Spieler ihre Fehler machen durften.

Heute frage ich mich, wo wir stehen könnten, hätte man gleich auf Christian Titz gesetzt.
Wobei ich zugebe, skeptisch war ich auch. Allerdings nicht, wegen der Qualitäten, die der neue Trainer hat, sondern angesichts der Zinnbauer-Ära, die vom Ansatz her ähnlich gelaufen ist.

Fakt ist, bereits im Hertha-Spiel konnte man erste Veränderungen festmachen.
Nicht nur, dass plötzlich Stammspieler auf der Tribüne saßen und sitzen (oder ganz aus dem Kader geflogen sind), die Jugend hat Einzug gehalten.
Titz, der seine Schützlinge aus der U21 aus dem Effeff kennt, spricht der „zweiten Garde“ das Vertrauen aus.

Super, wie er immer wieder die Youngsters zum Training der Profis hochzieht. Hier haben sie Gelegenheit, ihn in der Woche von den vorhandenen Qualitäten zu überzeugen.
Ist es zu wenig, geht es zurück.
Zeigen sie Einsatz und Können, werden sie am Wochenende mit der Berufung in den Kader, ja sogar in die Startelf, belohnt.
Namen alleine reichen dafür nicht mehr. Und das ist gut so!

Gestern galt das für Gouaida und Ambrosius, die beide kein schlechtes Spiel ablieferten.
Ja, Ambrosius hat mit seiner unglücklichen Kopfballaktion die Vorarbeit zum 1:1 verzapft.
Aber das ist ja das Problem: wir haben keine Zeit mehr, für solche Fehler, die eben gerade bei Bundesligadebütanten passieren und somit eigentlich dazugehören.
Wir haben, ich wiederhole mich, SIEBEN Spiele verschenkt!

Und im zweiten Spiel unter Titz ist eine spielerische Entwicklung zu sehen, die ich in den letzten fünf Jahren beim HSV nicht mehr gesehen habe.

Lange Bälle vom Torwart über die Mittellinie sind tabu.
Pollersbeck mutiert beim Spielaufbau oft zum Feldspieler (wobei gestern einige Bälle dabei waren, da wurde mir schon ein wenig übel).
In aller Ruhe wird geschaut, wo sich eine Lücke auftut.
Wir hatten gestern eine Passquote von 81%, sind zehn Kilometer mehr gelaufen als die Stuttgarter und zur Zweikampfquote von 54% haben auch die Neuen ordentlich beigetragen. Hier sind besonders Jung und Steinmann zu nennen.
Das Spiel geht oft sauber durchs gesamte Mittelfeld, aber auch über außen, wo immer mehr Pässe im gegnerischen Strafraum ankommen.
Dass dort leider immer noch selten ein Abnehmer zu finden ist, liegt eben daran, dass uns ein richtiger Strafraumstürmer fehlt. Zudem arbeitet auch die Offensive sehr schön nach hinten mit.

Die Mischung aus „alt“ und jung funktioniert.
Leider ist nur ein Punkt dabei rausgekommen, dessen Wertigkeit sich erst heute, nach dem Mainz-Spiel, und nächste Woche gegen Schalke, herausstellen wird.

Den Spielern mag der Punkt trotzdem gut getan haben. Schließlich durften sie feststellen, dass sie sehr wohl in der Lage sind, einen Gegner auszukontern und Bälle an den eigenen Mann zu bringen.
Und Hamburg wäre ja auch irgendwie nicht Hamburg, würde nicht wieder mal dieses letzte Fünkchen Hoffnung auf Hoffnung bleiben.

Ach, könnte es jetzt doch erst der 20. Spieltag sein und wir hätten nicht sieben Spiele verschenkt…
(mg)

P.S.: fast vergessen: wir wünschen Christian Titz alles Gute zum heutigen Geburtstag und weiterhin ein glückliches Händchen…